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Sketch des Monats: Der Martinsumzug

In Wundersdorf versuchen unsere Brüder und Schwstern auf ihre Art, die aktuelle Synode der EKD in Magdeburg samt dem Nachkarten i.S. Papstbesuch und Ökumene zu verarbeiten und wie wir sie so kennen, geht es dabei ebenso innovativ wie feucht-fröhlich zu…

Als persönlichen Beitrag zur Euro-Rettung haben sie sich im örtlichen Griechen, dem Restaurant „Bacchos“, eingefunden:

 

Der Martinsumzug

Ein Sketch für fünf Personen und beliebig viele Statisten

Hanna, Karl, Edith und Richard sitzen im Restaurant. Der Raum kann mit weiteren Wirtshausgästen an Nebentischen gefüllt sein. Die Gläser der vier sind schon beinahe leer. Sie befinden sich mitten in einer angeregten Diskussion.

 

Hanna: Es ging natürlich wieder nicht ohne „Plädoyer für die Ökumene“ ab!

Edith: Ja, aber eine „lebensnahe Ökumene“.

Karl: „Um der Menschen willen“.

Richard: Dann können die Protestanten ja mal damit anfangen aufzuhören uns ständig zu beschimpfen!

Hanna: Wer beschimpft uns denn?

Richard: Siehst du – das fällt einem schon gar nicht mehr auf. Den Protestanten selbst am allerwenigsten. Aber wenn du mal anfängst drauf zu achten, stolperst du bei fast jeder einschlägigen Wortmeldung und jedem Zeitungsbericht darüber!

Edith (zu Hanna): Habe ich dir nicht erzählt: „Eigentlich sollte es gar keine Katholiken mehr geben“ … ?

Hanna: Wer sagt?

Edith: Mein Hausarzt neulich, so en passant, es ging irgendwie um das Engagement in der Gemeinde, daß das ja auch nicht immer alles so einfach ist, und da sagt er: „Da sieht man es wieder – eigentlich sollte es in Wundersdorf ja gar keine Katholiken mehr geben.“

Hanna: Und was hast du da gesagt?

Edith: Nichts. Und da meinte er, das wäre als Witz gemeint gewesen.

Karl: Klar! Hat er überhaupt nicht drüber nachgedacht.

Edith: Nee, sicher, hat er nicht. Aber das ist ja das Interessante: Es rutscht einfach so raus, weil es so selbstverständlich ist, solche „Witze“ zu machen. Die meisten von uns lachen wahrscheinlich auch noch mit … (Sie trinkt den letzten Schluck aus ihrem Glas aus).

Richard: Das ist der Mainstream.

Edith: Stell dir die Aussage mal vor über „Ausländer“ oder „Schwarze“ oder sonst wen – was da los wäre. Zu Recht! Aber so was zu sagen fällt halt auch niemandem ein.

Hanna: Niemand Normalem jedenfalls.

Karl (hat nachgedacht): Stimmt! Der verbale Umgang mit den Katholiken ist der blinde Fleck der political correctness! (Er trinkt den Rest von seinem Bier aus.)

Richard: Das hast du schön gesagt! (grinst)

Edith: Oder neulich unser örtlicher Ober-Protestant in einer Rede: Peter und Paul könnten ja als Chiffre für die Ökumene gelesen werden: Peter stellvertretend für die Institution, Paul als Sinnbild der kreativen innovativen reflektierten und was nicht alles Theologie – ich hab‘s nicht mehr wörtlich im Kopf.

Richard: Wir sind immer die Volltrottel, die nicht nachdenken.

Edith: … wollen oder können. Und das war wie gesagt nicht irgendwer, der das von sich gegeben hat! Und nicht am Biertisch, sondern in einer Rede. Nachdem er ganz freundlich unseren Bischof begrüßt hatte.

Hanna: Aber wer so was nach gut sechs Jahren Ratzi als Papst sagt ….Das ist doch absurd!

Edith: Klar ist es das.

Richard: … der hat echt was nicht kapiert!

Der Kellner kommt an den Tisch.

Kellner: Sind Sie ßufrieden?

Karl: Ich nehm noch eins – Hanna, du?

Hanna: Ich weiß nicht (Sie sieht zur Uhr).

Karl: Komm! Die Griechen brauchen unsere Unterstützung! (Er grinst)

Hanna (lächtelt auch): Na gut. Dann nehm ich jetzt aber ein Tonic.

Kellner (nickt): Donic.

Edith: Ich könnte gut noch einen Retsina trinken.

Richard: Danke, für mich nichts mehr.

Der Kellner nickt freundlich und geht ab.

Edith: Und dann sollen wir auch noch diese Luther-Dekade mitfeiern. Merken die noch was?! Das ist für uns kein Grund zum Feiern! (Sie versucht, aus ihrem Glas noch einen letzten Tropfen zu trinken.)

Hanna: Als sollten sie im Indianerreservat den Geburtstag von Christoph Columbus begehen.

Edith: … oder die occupy-Bewegung den Gründungstag der Wall Street. Absurd!

Richard: Oh, sag das mal nicht! Die occupy-Bewegung begeht die Wall Street zur Zeit sehr intensiv – nur nicht so, wie die Banker sich das wünschen. (Er lacht)

Hanna: Nein, sie besetzt sie ja eher.

Edith: „Feiern“ kann man diese Demonstrationen jedenfalls nicht nennen.

Kellner (bringt die Getränke): Donic! Und ein Retsina (Er gießt die Gläser halb voll und stellt die Flaschen daneben). Und ein Pils.

Karl: Jaaa!

Hanna, Edith, Karl: Danke! (Alle lächeln der Kellner an.)

Richard: Eigentlich eine gute Idee!

Hanna: Was?

Richard: Demonstrieren.

Edith: Wer jetzt?

Richard: Na, wir!

Karl: Wo willst du denn demonstrieren? (Er lacht – Hanna und Edith lächeln auch und gucken gespannt).

Richard: Na, in Wittenberg. Wir begehen einfach die Luther-Dekade…

Edith: … aber mit Spruchbändern? (Sie beginnt zu lachen)

Richard: Klar! Das wär’s doch: Wir demonstrieren vor der Wittenberger Stadtkirche.

Alle lachen, als sie sich das vorstellen.

Hanna: Ah ja! Und wann willst du das machen?

Richard: Hm – Luthers Geburtstag?

Edith (begeistert): Ja! Der etwas andere Martinsumzug! Ich bin dabei. Mit Wunderkerzen (Sie hebt beide Arme hoch und schwenkt sie über ihrem Kopf hin und her) Peeeeeeeeeeeeeeeeace! (Sie lacht)

Karl: Das ist wahr! Aus den Martinsumzügen machen die Protestanten doch eh gern ein Luther-Special! Das grenzt schon manchmal an Idolatrie!

Richard (grinst): Idoluth’rie sozusagen … (Alle brechen in Gelächter aus).

Edith: Sehr gut! Da hängen wir uns dran!

Hanna: Ich mal ein Transparent: „Mantelteilung ja – Kirchenspaltung nein!“ (Alle lachen).

Karl: Genau! Auf meinem steht: „Christi Rock blieb ungeteilt!“

Edith (guckt skeptisch): Das versteht wieder keiner!

Karl: Du kannst für mich ja ein paar Würfel mit drauf malen! (Er grinst)

Edith: „Der Alte würfelt nicht!“

Richard: Den Einstein laß lieber aus dem Spiel, sonst kommt als nächstes, alles sei „relativ“! (Alle nicken und lachen)

Edith: Genau! Dabei ist das ewige Katholiken-Bashing eine absolute Schweinerei!

Hanna: … einfach unsportlich …

Edith: … und auf die Dauer langweilig …

Karl (nimmt den Faden wieder auf): Und zum Abschluß laden wir zur Marienvesper in die Stadtkirche ein! (Alle brechen in Gelächter aus. Einige Leute am Nebentisch beginnen sich irritiert nach ihnen umzudrehen)

Hanna: … die heißt nämlich Sankt Marien!

Richard: Das ist jetzt nicht wahr?!

Hanna (quiekt): Doch! Das paßt genau!

Richard: Da wo Luther gepredigt hat?

Hanna: Genau!

Edith: Dann ist ja alles klar!

Karl: Und das Ganze stellen wir unter die Schirmherrschaft des Herrn Ministerpräsidenten Haseloff!

Hanna (lacht auf): Stimmt! Der ist ja katholisch!

Edith: Und stammt aus Wittenberg…

Richard: Irgendwie brauch ich jetzt doch noch was zu trinken! (Er winkt dem Kellner)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Hoffen wir, daß  in Weimar der gemeinsame Martinsumzug in diesem Jahr nicht auch (wieder einmal) in einem M.L.-Superstar-Special endet.

4 Trackbacks/Pingbacks

  1. Pulchra ut Luna › Rumms! on Freitag, 10. Februar 2012 um 14:12

    […] „Bei diesem vom Evangelium emanzipierten, auf Moral reduzierten „Protestantismus“ bleibt als einigende Klammer nur der Antikatholizismus übrig, der in Form des kulturellen Überlegenheitsgefühls daherstolziert und Ökumene für Katholiken zu einer Geduldsprobe macht.“ (zur „Geduldsprobe“ vgl. auch hier) […]

  2. Pulchra ut Luna › Mosebach und „KGE“ on Donnerstag, 31. Mai 2012 um 11:09

    […] noch einiges erwarten. Wie hieß es doch in diesen Zeilen vor einiger Zeit: „Das Katholikenbashing ist der blinde Fleck der political correctness.“ Wenn das so weiter geht kündige ich nur schon mal an, mir fällt auch noch so einiges an […]

  3. […] […]

  4. […] den „profilierteren Theologen“ Paulus implizit für sich zu reklamieren) Das ist auch so ein Ökumene-Hindernis, über das niemand spricht, um nicht zu sagen, es ist schon ein Hindernis für wirklich einen […]

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