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Der Chesterton Adventskalender – Tag 7

Omnipotence and impotence, or divinity and infancy, do definitely make a sort of epigram which a million repetitions cannot turn into a platitude. It is not unreasonable to call it unique. Bethlehem is emphatically a place where extremes meet.

[Allmacht und Ohnmacht, oder Göttlichkeit und früheste Kindheit, sie ergeben auf jeden Fall eine Art Epigramm, das eine Million Wiederholungen nicht in einen Gemeinplatz verwandeln kann. Es ist nicht unvernünftig es einzigartig zu nennen. Bethlehem ist im emphatischen Sinne ein Ort, wo sich Extreme berühren.]

Der Chesterton Adventskalender – Tag 6

Any agnostic or atheist whose childhood has known a real Christmas has ever afterwards, whether he likes it or not, an association in his mind between two ideas that most of mankind must regard as remote from each other; the idea of a baby and the idea of unknown strength that sustains the stars. His instincts and imagination can still connect them, when his reason can no longer see the need of the connection; for him there will always be some savour of religion about the mere picture of a mother and a baby; some hint of mercy and softening about the mere mention of the dreadful name of God.

[Jeder Agnostiker oder Atheist, dessen Kindheit eine echte Weihnacht kannte, hat danach, ob er es will oder nicht, für immer eine Verbindung zwischen zwei Vorstellungen im Kopf, die für die meisten Menschen hinreichend weit voneinander entfernt liegen, der Vorstellung eines Babys und der Vorstellung ungeahnter Stärke, die den Gang der Sterne aufrecht erhält.

Seine Instinkte und seine Phantasie können sie noch miteinander verbinden, wenn sein Verstand keinen Grund mehr sehen kann für die Notwendigkeit der Verknüpfung; das bloße Bild einer Mutter mit ihrem Baby wird für ihn immer einen Ruch von Religion haben; die bloße Erwähnung des schrecklichen Namens Gottes wird noch einen Hinweis enthalten auf Barmherzigkeit und auf ein Sanftwerden.]

 

Sketch des Monats – Das Nikolausgeschenk

Wundersdorf am Vorabend des Nikolaustages. Einige unserer Schwestern und Brüder, hm, eigentlich nur Schwestern!, wollen der Gemeinde Maria-Hilf ein ganz besonderes Geschenk in den Stiefel packen:

 

Das Nikolausgeschenk

Ein Sketch für sechs Personen und ein grinsendes Pickelgesicht

 

(Wundersdorf. Ein rauher Abend Anfang Dezember. Richard kommt nach Hause und schüttelt sich.)

Richard (für sich): Brrrrrr. (Laut) Haaaalloooooo!

(Als niemand antwortet, stellt er seine Tasche ab und will gerade ablegen, als ein magerer, stark von Akne geplagter Jüngling kichernd den Flur entlang kommt und ihm im Vorübergehen nur ein „Hi!“ zuruft, bevor er das Haus verläßt. Entgeistert blickt Richard dem Jüngling nach und dann in die Richtung, aus der er gekommen ist.)

Richard (ruft): Haaaallooooo! Edith! Emily! Teresa! Wo seid ihr?

(Niemand antwortet, aber aus dem Arbeitszimmer glaubt Richard leise Stimmen zu hören. Energisch schreitet er den Flur entlang, öffnet die hinterste Tür – und schließt sie sofort wieder, denn nachdem bis dahin offenbar gespanntes Schweigen im Arbeitszimmer geherrscht hat und alle die Luft angehalten hatten, schlägt ihm nun ein ohrenbetäubendes Kriegsgeheul entgegen.)

Edith: Jaaaaaaaaa!

Eine unbekannte Stimme: Huuuuuuuhu – yippiayeah!

Silke: Unglaublich!

Hanna: Sie sind ja echt Spitze!

(Als das schlimmste Geschrei vorüber ist, steckt Richard vorsichtig den Kopf noch einmal zur Tür herein. Um Ediths Computer herum sitzen Edith, Hanna, Hedwig und eine Richard unbekannte Frau Mitte 40. An der Wand lehnt Silke.)

Edith: Ach, hallo! Ich hab dich gar nicht kommen hören! (Sie lächelt ihn kurz an und wendet ihr Gesicht sofort wieder dem Bildschirm zu.)

Hanna, Hedwig und Silke (durcheinander): Hallo Richard – guten Abend!

Richard (begrüßt reihum die Frauen. Zu der Unbekannten): Guten Abend. Langenfeld.

Die unbekannte Frau: Wojcekowski, hallo! Ein Stündchen oder so brauchen wir noch ungefähr. Dann stör ich nicht länger.

Edith (zu Frau Wojcekowski): Du störst überhaupt nicht.

Richard: Wirklich kein Problem. Was geschieht denn hier?

Edith: Guck doch mal auf den Computer!

Richard (schaut auf den Bildschirm, während Frau Wojcekowski beständig offenbar sehr zielgerichtet in die Tasten klappert): Äh – sieht aus wie – wie das Backend einer Website.

Hanna: Du hast’s erfaßt! (Sie beginnt zu lachen.)

Edith: Wir sind gerade dabei, die menschenleerste Gemeindehomepage südlich des Nordpols ein bißchen aufzubürsten.

Richard (dem etwas zu schwanen scheint): Ihr wollt doch nicht etwa sagen…

Silke: Wir passen die Homepage von Maria hilf! behutsam den Gepflogenheiten unseres Medienzeitalters an.

Richard: Das heißt …? Ihr habt die Gemeinde-Homepage gehackt??!

Alle (kichernd; durcheinander): Naja – wenn man es so sehen will – es ist eigentlich mehr eine Hilfestellung – das etwas exklusivere Geschenk zu Nikolaus …

Frau Wojcekowski: So, erst mal ein schönes Bild von unserem Herrn Pfarrer …

Hanna (spöttisch): … daaaaa! Auf dem Weihnachtsmarkt.

Hedwig (resigniert): Man sieht zwar nicht, daß er Priester ist …

Silke (schwärmerisch): … guckt mal, wie wunderbar der orthodoxe Kollege im Bildhintergrund gekleidet ist!

Edith (seufzt): Die Herren könnten alle so gut aussehen …

Hedwig: Das wollen sie ja gar nicht.

Edith (platzt heraus): Das halt ich ja jetzt für’n Gerücht!

Frau Wojcekowski: Schluß jetzt! Das hier ist das aktuellste Bild und paßt in die Saison, das kommt jetzt rein.

Richard: So langsam schwant mir was! Die Mail mit Absender CCC, die ich neulich gesehen habe, die war gar nicht von „Conrad, Corinna und Companie“, wie Du mir erzählt hast…

Edith: Nö, die war vom Chaos Computer Club!

Hanna: Der Typ, der bis grade hier war, hast du ihn noch gesehen?

Richard: Auf den ersten Blick nicht eben der Super-Sympath …

Silke: Aber echt fit im Kopf!

Hedwig: Und ein wirklich netter Junge – nur ein bisschen schüchtern vielleicht…

Frau Wojcekowski: Er hat uns noch mit ein paar aktuellen Infos versorgt. Dann ging’s aber ganz leicht. Wir brauchten nicht mal Ihre ziemlich fette Grafikkarte für einen „Brute-Force-Angriff“; ging dann auch so, war auch nur ziemlich dilettantisch geschützt.

Richard (dem die üppige Hardware ein bißchen peinlich ist): Naja, Sie wissen ja, die aktuellen Spiele, es gibt ja jetzt wirklich Interessantes…

Frau Wojcekowski (grinsend): Jaja, ich hab‘ gesehen, Sie haben schon „Crusaders Revenge III, Saladins Final Doom“, ist auch wirklich cool!

Richard (räuspert sich): Naja, äh, die Kinder…

Silke: Weiter jetzt, ich muß noch Plätzchen backen! Wie wär’s noch mit unserem Jubilate-Chor beim Papstbesuch!

Hanna (begeistert): Ja! Da gibt’s ein schönes Video bei YouTube!

Edith (grinst): Wo man deinen Papierflieger sieht?

Frau Wojcekowski: Papierflieger? Egal – YouTube ist gut, da setzen wir einen Link oder wir betten es direkt ein – geht beides.

Hedwig: Einbetten.

Frau Wojcekowski: Guuut. (Sie gibt Stichwörter für die Suchmaschine ein. Nach einem Moment). Hier! Du hast echt einen schnellen Rechner, Edith, das muß man dir lassen!

Edith (seufzt): Tja – bei so kritischen Kindern, von Männern ganz zu schweigen…

Hedwig: Tjaja, unsere medienbewußte Jugend …

Edith: Wenn ich an früher denke, da ging alles auch…

Hanna (unterbricht sie): Edith! Nicht schon wieder! Das können wir jetzt nicht ausdiskutieren!

Silke: Klar ging früher alles auch ohne Rechner.

Hanna: Da hatte aber eben auch niemand einen! Das Thema hatten wir doch schon hinreichend oft, oder? Selbstverständlich muß keine Gemeinde von jetzt auf gleich in den Medienwelt des 21. Jahrhunderts ankommen…

Silke: … aber WENN unsere „Gemeindeleitung“ für die Überarbeitung ihres Internetauftritts noch einmal einen Tausender in die Hand nimmt …

Hedwig: … den sie ja wieder anderswo abknapsen muß…

Edith: … zum Beispiel bei unserer planmäßig unterfinanzierten Kirchenmusik …

Silke: … DANN muß die Gemeinde auch was davon haben!

Edith: Wißt ihr, daß sie zur ständigen Pflege ihrer Website einen doppelt so hohen Betrag eingestellt haben, wie er über Jahre für die gesamte Kirchenmusik vorgesehen war?

Hedwig: Zur laufenden Pflege? Ich dachte, das macht Corinna ehrenamtlich?

Edith (zuckt die Schultern): Mhm, dacht’ ich auch und hab mal nachgefragt und da hieß es, das sei nur so vorsichtshalber eingestellt, falls es „der, der es jetzt ehrenamtlich macht, nicht mehr schafft“.

Silke: Tssss! Vorsichtshalber. Falls es mal einer braucht…

Hanna (empört): Unsere Schüler und Studenten an der Orgel brauchten es die ganze Zeit schon ganz gewiß!

Frau Wojcekowski (abwiegelnd): Äh, hört mal, wollen wir nicht mal hier weitermachen?

Edith: Entschuldigung!

Frau Wojcekowski: Nicht böse sein, ist wirklich interessant. Aber heute Abend wollten wir doch die Gemeindehomepage klar machen. Das andere können wir mal die Tage in der Kneipe besprechen.

Silke: Stimmt.

Frau Wojcekowski: So, der Film zum Jubilate-Auftritt ist jetzt eingebettet. (Alle schauen auf den Bildschirm, wo ein YouTube-Video vom 22. September 2011 aus dem Olympiastadion Berlin läuft.)

Hanna: Da – jetzt kommt’s gleich! (Der Film zeigt einen Papierflieger, der Monsignore Gänswein beinahe am Ärmel streift und zuletzt von einem eilends herbeistürzenden Sicherheitsbeamten aufgefangen wird. Alle müssen lachen.)

Edith: Immer wieder schön, die Szene!

Frau Wojcekowski (mit gespielter Strenge): Soso! Ich habe es ja hier mit einem richtig kriminellen Milieu zu tun…

Hedwig (lacht): Total kriminell!

Hanna (schüchtern): Ich hätte nie gedacht, daß er wirklich soo weit fliegt…

Edith: Tja, sieht ganz so aus, als hätte er von Höherer Stelle Geleit gehabt…

Frau Wojcekowski: Was war denn mit dem Flieger?

Hanna (lacht): Ach, da hatten wir bloß drauf geschrieben: „Vater! Schaut nach Euren Schäfchen! Unser Hirte macht ein Schläfchen!“ (Alle lachen)

Frau Wojcekowski: Die armen Sicherheitsbeamten! – Und? Hatte das Ganze auch einen Absender?

Hanna: Klar, auf den Seiten stand „Pfarrgemeinde Maria hilf! Wundersdorf“.

Frau Wojcekowski (zieht die Augenbrauen hoch): Und? Hat unser Hirte schon was gehört?

Hanna (lacht): Keine Ahnung, ob er deswegen schon Streß hatte. Er hat ja auch vorher schon auf seine Vorgesetzten geschimpft.

Frau Wojcekowski: Also, das wäre jetzt drin. Was nehmen wir uns als nächstes vor?

Richard (immer noch völlig überfahren): Darf ich nochmal fragen: Ihr seid da auf einer fremden Homepage und arbeitet drin herum, ja? Ihr wißt, daß das nicht legal ist?

Silke: Pah!

Edith: Das ist ein übergesetzlicher Notstand!

Hedwig: Außerdem hat Ines uns versprochen, daß sie unsere Spuren verwischt.

Frau Wojcekowski (schaut lächelnd auf): Ines bin ich.

Richard (freundlich): Aha, ich hab‘ Sie ja auch schon öfters in der Messe gesehen. Sie sind neu zugezogen, nicht wahr? Wie kommt es denn, daß Sie hier schon zu den Aktivistinnen gehören? Und woher können Sie denn sowas?

Frau Wojcekowski: Informatikstudium bei Zeiss in Jena, das gab Grundlagen, die tragen bis heute, und, naja, nachdem wir hergezogen sind habe ich dann versucht, mich im katholischen Kindergarten zu engagieren …

Edith (schnaubt höhnisch): Und hat vorhersagbare Erfahrungen gemacht!

Frau Wojcekowski (nickt): Und dann bin ich zu diesem Kreis hier gestoßen.

Hedwig: Sozusagen der CCC, Ortsgruppe Wundersdorf.

Silke: Freie Katholiken im freien Internet!

Edith: Weiter jetzt! Wir sitzen hier ja nicht aus Langeweile. Morgen früh muß alles stehen. Jetzt noch viel mehr Bilder vom wirklichen Leben in der Gemeinde; Gemeindefest, Fronleichnamsprozession, Adventsbasar, die Ausstellung im Rathaus mit Moniques Ikonenmalerei-Kurs …

Richard: Ich glaub‘ ich geh jetzt mal. Was ich nicht weiß … Aber ich bring Euch gleich einen Glühwein vorbei!

Edith: Genau! Mach den heiß! (Richard verschwindet lachend aus dem Zimmer.)

 

Ende

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß unsere Weimarer Homepage so ein Muster an Transparenz und Lebendigkeit ist …

Edit Oktober 2016:

Zum Kirchweihjubiläum, das Herz-Jesu Weimar am letzten Septemberwochenende 2016 gefeiert hat, ist ein neues Layout der Gemeindehomepage mit neuen Inhalten online gegangen. Sehr vieles hat sich dort gegenüber der alten Version verbessert. Die Seite ist geistlicher geworden und unsere Pfarrei macht ihre Zugehörigkeit zur Weltkirche deutlich. Die Gliederung ist übersichtlich und Wesentliches leicht zu finden. Regelmäßige Angebote werden zur langfristigen Planung das ganze Jahr hindurch übersichtlich aufgelistet. Gruppen können sich bei Bedarf in Bild, Text und/oder Ton vorstellen. Der öffentliche Auftritt unserer Pfarrei ist so lebendiger geworden.

Wir löschen „Das Nikolausgeschenk“ (und ähnliche Texte) trotzdem nicht.

Erstens ist der Sketch lustig. Zweitens enthält er wahre und weiterhin gültige Aussagen. Und drittens lehrt uns die Erfahrung der letzten Monate, daß es wichtig ist, die überlebten Zustände vor dem Vergessen zu bewahren: Zu viele reden sich die jüngere Vergangenheit der Pfarrei schon wieder schön oder verdrehen nach wie vor die Fakten. Im Vorfeld der Gremienwahlen ist das nicht witzig. Es ist gefährlich!

Cornelie Becker-Lamers

Der Chesterton Adventskalender – Tag 5

He laboriously explains the difficulty which we have always defiantly and almost derisively exaggerated; and mildly condemns as improbable something that we have almost madly exalted as incredible; as something that would be much too good to be true, except that it is true. When that contrast between the cosmic creation and the little local infancy has been repeated, reiterated, underlined, emphasised, exulted in, sung, shouted, roared, not to say howled, in a hundred thousand hymns, carols, rhymes, rituals, pictures, poems, and popular sermons, it may be suggested that we hardly need a higher critic to draw our attention to something a little odd about it; especially one of the sort that seems to take a long time to see a joke, even his own joke.

[Mühsam erläutert der wissenschaftliche Kritiker die Schwierigkeit, die wir schon immer trotzig und fast spöttisch übertrieben haben; und verurteilt etwas milde als ‚unwahrscheinlich‘, das wir beinahe wie verrückt als ‚unglaublich‘ hochgehalten haben; etwas, das viel zu schön wäre, um wahr zu sein, nur daß es wahr ist.

Nachdem der Kontrast zwischen der kosmischen Schöpfung und der kleinen lokalen Kindheit wiederholt, wiederhergesagt, unterstrichen und hervorgehoben wurde, man sich daran gefreut hatte, ihn besungen, herausgeschrieen, gebrüllt, um nicht zu sagen geheult hatte, in hunderttausend Liedern, Weihnachtsliedern, Reimen, Gebräuchen, Bildern, Gedichten und populären Predigten, könnte man doch annehmen, daß wir kaum einen höheren Kritiker brauchen, um unsere Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß etwas daran ein wenig seltsam ist; vor allem einen Kritiker von der Art, bei dem es eine lange Zeit zu dauern scheint, bis er einen Witz erkennt, und sei es seinen eigenen.]

 

Sketchlet zum Advent No. 2 – Das Gerücht

Kalt pfeift der Ostwind über die Weiden bei Wundersdorf…

 

Das Gerücht

Ein Sketchlet zum Zweiten Advent 2011 für acht Schafe und beliebig viele Schafstatisten

 

(Die nun schon bekannte Weide vor den Toren von Wundersdorf. Die Herde grast. Etwas abseits steht Krutzi und klappert mit den Zähnen. Wir erinnern uns: Krutzi hatte sich scheren lassen, damit für den Bürgermeister zu Weihnachten die Kirchenbank gepolstert werden konnte. Jetzt, nach dem Kälteeinbruch Anfang Dezember, friert Krutzi natürlich. Blütenweiß, ein zartes Schäfchen, löst sich aus der Menge und grast auf Krutzi zu.)

 

Blütenweiß (teilnahmsvoll): Was hast du, liebe Krutzi? Ist dir kalt?

Krutzi: Natürlich ist mir kalt! Ich bin ja geschoren worden!

Blütenweiß: Aber wie kann das denn sein? Jetzt – zu Beginn des Winters?

Krutzi: Das steht euch auch noch bevor!

Blütenweiß (mit ungläubigem Entsetzen): Was sagst du? Wie das denn?

Krutzi: Tja-ha! Das Oberhirtentum in der Hauptstadt hat den Schertermin jetzt auf den BEGINN des Winters verlegt!

Blütenweiß (völlig aufgelöst): Aber das können sie doch nicht machen! Das ist ja schrecklich!

Krutzi: Wart’s nur ab – ihr seid bald alle dran!

(Laut blökend galoppiert Blütenweiß davon und berichtet den übrigen Schafen von den ungeheuerlichen Plänen des Oberhirtentums. Mit Befriedigung sieht Krutzi zu, wie die Herde mehr und mehr in Aufregung gerät. Einige beginnen vor Angst zu weinen, andere stellen sich in dichten Gruppen zusammen und beratschlagen, was gegen diese Maßnahme zu unternehmen sei. Da kommt Kohle angetrottet.)

Kohle: Was ist denn hier los?

Ein Schaf (heulend): Das Oberhirtentum hat den Schertermin auf den Beginn des Winters gelegt!

Ein anderes Schaf: Die denken wohl überhaupt nicht nach, wie es uns dabei geht!

Kohle (stirnrunzelnd): Wer hat euch denn so was erzählt?

Ein drittes Schaf: Ich weiß nicht – plötzlich wußten es alle.

Das erste Schaf: Ich glaube, Blütenweiß hat es von Krutzi erfahren.

Kohle (für sich): Dacht ich’s doch! (Laut) Krutzi! (Krutzi stellt sich taub. Kohle tritt dicht an sie heran. Von Nase zu Nase): Krutzi! Was verbreitest du wieder für Schreckensmeldungen?

Krutzi (beleidigt): Bedankt euch beim Oberhirtentum – ich habe alles direkt vom Herrn Pfarrer erfahren, als ich neulich mit ihm zur Probe in der Kirche war!

Kohle (bleibt mit seiner Nase an ihr dran): Krutzi! Guck mich an! Es ist gehörnter Blödsinn, was du erzählst! Und du weißt es!

Blütenweiß (erschrocken): Aber wie kannst du denn so etwas sagen!

Kohle (läßt von Krutzi ab): Weil ich auch ab und zu in der Hauptstadt bin. Neulich war ich doch bei dem Streichelzoo dabei, den das Oberhirtentum veranstaltet hat – wißt ihr nicht mehr?

Die Schafe: Doch, doch! Wir erinnern uns!

Kohle: Also. Da habe ich erfahren – und zwar nicht vom Wundersdorfer Pfarrer, sondern direkt auf der Weide der Oberhirten –, daß lediglich die Frisör-TERMINE jetzt schon festgelegt werden. Mehr nicht! Im Winter scheren – so ein Blödsinn! (Wolle und Flocke sind inzwischen auch hinzugekommen.)

Blütenweiß (zaghaft): Ja aber – warum ist Krutzi denn dann fast kahl?

Wolle: Sie hat sich freiwillig scheren lassen – darum!

Blütenweiß (mitleidig): Und jetzt friert sie.

Kohle: Na dann kommt, wir packen sie ein!

Flocke: Dieses Mal aber richtig!

(Wieder kreisen die drei Krutzi ein.)

Krutzi (versucht, die Schnauze über Wolles dickes Fell hinaus zu heben. Dumpf): Verzischt euch! Ich kann ja kaum noch sprechen!

Kohle (grinst): Eben!

Flocke (elegisch): Wie man doch von guter Tat/ selbst den meisten Nutzen hat …

 

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

 

Ja, so geht’s zu, rund um Wundersdorf!

Bloß gut, daß bei uns in Weimar kein Schaf auf die Idee kommt, schlecht vom Oberhirtentum zu sprechen.

 

Der Chesterton Adventskalender – Tag 4

A mass of legend and literature, which increases and will never end, has repeated and rung the changes on that single paradox; that the hands that had made the sun and stars were too small to reach the huge heads of the cattle. Upon this paradox, we might almost say upon this jest, all the literature of our faith is founded. It is at least like a jest in this, that it is something which the scientific critic cannot see.

[Die Unmenge an Legenden und an Literatur, die noch anwächst und nie zu Ende gehen wird, hat dieses einzigartige Paradoxon wiederholt und mit Wechselläuten verkündet; daß die Hände, die Sonne und Sterne gemacht hatten, nun zu klein waren, um die großen Köpfe von Ochs und Esel zu erreichen.

Auf dieses Paradox, wir könnten fast sagen auf diesen Scherz, ist all die Literatur unseres Glaubens gegründet. Es liegt jedenfalls insofern ein Scherz darin, daß es etwas ist, das der wissenschaftliche Kritiker nicht erkennen kann.]

 

 

Auch ein Weimarer Adventskalender, oder: Bewegung auf der Homepage!

Ich war ja in Versuchung, diesen Beitrag mit „Und sie bewegt sich doch!“ zu überschreiben, aber erstens schätze ich (angebliche) Galilei-Zitate nicht besonders und zweitens ist der Advent ja keine vorrangige Zeit für Spott, oder?

Daher ganz nüchtern: PuLa hatte gerade erwähnt, daß sich auf der Homepage von Herz-Jesu Weimar nicht so ganz toll viel tut, da beginnt drei Tage später dort ein Adventskalender mit täglich neuen Bildern und Texten, die verschiedene Menschen aus der Gemeinde ausgesucht haben (ja!, doch!!, wirklich: verschiedene Menschen!!!).

Eine schöne Idee und hoffentlich ganz im Sinne des Advent ein Anfang! Ein Anfang z.B. das gelegentlich einfach unfreiwillig komische bzw. peinliche Korsett der Terminformulare und Kategorien abzustreifen.

Wie finden Sie z.B. das hier? (Abgerufen: Freitag, 2.12.11, 20.24 Uhr)

125. Todestag von Pfarrer Anton Hohmann

Vor 125 Jahren starb Pfarrer Anton Hohmann. 23 Jahre sammelte er Spenden für den Neubau einer Katholischen Kirche in Weimar, stritt mit Behörden und begleitete die Planungen namhafter Architekten. Er war im „Silbernen Zeitalter“ Weimars katholischer Pfarrer – Franz Liszt nannte ihn liebevoll „mon curé“.

Beginn: Dienstag, 13.12.2011 | 0:00 Uhr

Ende: Dienstag, 13.12.2011 | 0:00 Uhr

Kategorie: Sonstiges

Veranstaltungsort:

Eine Veranstaltung ganz ohne Ort und Zeit, das hat schon was 😉

Sofern Sie Gemeindemitglied sind:  Schauen Sie sich die  Haushalte der vergangenen Jahre an, da gab es durchaus Mittel für die Homepage. Da könnte sich doch die „Gemeindeleitung“ mal an das „Redaktionsteam“ wenden und eine Überarbeitung erwägen. Ich glaube, zwischen beiden Gruppen gibt es gar personelle Überschneidungen! Aber genaues weiß man nicht… Aber ganz sicher gibt es jedenfalls Gemeindemitglieder, die würden Vorschläge machen, ja, die haben schon Vorschläge gemacht. Ehrlich, fragen Sie ein Pfarrgemeinderatsmitglied!

Aber jetzt führt der Advent jedenfalls erstmal dazu, daß ich in dem kommenden Wochen täglich schauen werde. Vielleicht komme ich ja auch noch auf ein paar Ideen?!

Der Chesterton Adventskalender – Tag 3

But it was not the strange story to which anybody paid any particular attention; people in that world had seen queer religions enough to fill a madhouse. It was something in the tone of the madmen and their type of formation. They were a scratch company of barbarians and slaves and poor and unimportant people; but their formation was military; they moved together and were very absolute about who and what was really a part of their little system; and about what they said. However mildly, there was a ring like iron. Men used to many mythologies and moralities could make no analysis of the mystery, except the curious conjecture that they meant what they said. All attempts to make them see reason in the perfectly simple matter of the Emperor’s statue seemed to be spoken to deaf men. It was as if a new meteoric metal had fallen on the earth; it was a difference of substance to the touch. Those who touched their foundation fancied they had struck a rock.

[Aber es war nicht die seltsame Geschichte, der irgendjemand besondere Aufmerksamkeit zollte; die Menschen in jener Welt hatten genug verschrobene Religionen gesehen, um ein Irrenhaus damit zu füllen.

Es war etwas in dem Ton dieser Verrückten und der Art ihrer Aufstellung. Sie waren ein zusammengewürfelter Haufen von Barbaren und Sklaven und Armen und unwichtigen Leuten, aber ihre Aufstellung war eine militärische; sie gingen gemeinsam voran und waren sehr eigen in der Frage, wer und was wirklich ein Teil ihres kleinen Systems war, und darin, was sie sagten. Um sie gab es einen Ring aus Eisen, so milde sie auch daherkamen.

Gewöhnt an viele Mythologien und Moralvorstellungen, konnten sich die Menschen keinen Reim auf dieses Geheimnis machen, mit Ausnahme der sonderbaren Vermutung, daß diese Leute meinten, was sie sagten. Alle Versuche, sie zur Vernunft zu bringen in der ganz einfachen Frage, was sie des Kaisers Statue schuldeten, schienen wie zu Menschen gesprochen, die taub waren.

Es war, als ob ein neues meteorisches Metall auf die Erde gefallen wäre, dessen ganze Substanz sich anders anfühlte. Diejenigen, die ihre Grundfeste berührten, hatten das Gefühl, sie wären an einen Felsen geschlagen.]

 

Bedrängte Christen in Pakistan – Asia Bibi

Der Pressesprecher unseres Bistums, Peter Weidemann, macht in seinem heutigen Newsletter auf das Schicksal von Frau Asia Bibi aufmerksam.

Für diejenigen, die den Newsletter noch nicht abonniert haben (sollte man aber! Hier; PuLa hatte bereits darauf hingewiesen), hier der Einfachheit halber seine Botschaft in Gänze (angesichts des Themas und der Notwendigkeit der Verbreitung setze ich das Einverständnis voraus):

„>>> ouvertüre – die glosse vorweg

„Oh, mein Retter, erlöse mich von meiner Sklaverei, gib mir die Kraft, diesen Tag, der so schön sein sollte, hier zu ertragen, gib mir den Mut, hier auszuharren, fern von meiner Familie und fern vom Hause Gottes, wo ich so gerne mit den Meinen war, um die Geburt von Jesus, Deinem Sohn, zu feiern. Ich bitte Dich, Herr, hab Erbarmen mit mir und gib mir die Kraft, die Grausamkeit meiner schrecklichen Situation zu ertragen.“

Liebe Leserinnen und Leser,

als Asia Bibi am Heiligen Abend vor einem Jahr dieses Gebet sprach, war sie wenige Wochen zuvor von einem pakistanischen Gericht wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Sie hätte den Propheten Mohammed beleidigt und solle deshalb gehängt werden, urteilte das Gericht nach nur fünfminütiger Beratung.

Anlass des Strafverfahrens gegen die Ehefrau und Mutter von fünf Kindern war der Vorwurf, als Christin durch das Schöpfen und Trinken von Brunnenwasser dieses für Muslime verunreinigt zu haben. Dabei hatte die junge Frau nur einer anderen Erntehelferin eine Erfrischung bieten wollen, nachdem sie selbst ihren Durst gestillt hatte.

„Ich glaube, Jesus würde diese Angelegenheit anders sehen als Mohammed“, entgegnete Asia Bibi am Brunnen. Es war das erste Mal, dass sich die Katholikin Muslimen gegenüber verteidigte und nicht den untersten Weg ging. Vier Tage später wurde sie verhaftet, weil sie „den geheiligten Namen des heiligen Propheten Mohammed (der Friede sei mit ihm) besudelt“ * hatte.

Nach zwei Jahren unter unvorstellbaren Bedingungen im Gefängnis muss Asia Bibi immer noch in der Angst leben, am Galgen zu sterben, obwohl sich weltweit viele Menschen, darunter auch der Papst, für sie eingesetzt haben. Die einzigen pakistanischen Politiker, die auf ihrer Seite standen, ein Muslim und ein Christ, wurden wegen ihres Engagements von Islamisten ermordet.

Die Gefangene sieht nur noch einen Ausweg: die Öffentlichkeit. Die französische Journalistin Anne-Isabelle Tollet hat Asia Bibis Lebensgeschichte aufgeschrieben. Am Ende des Buches heißt es: „[…] erzählen Sie davon, was mir passiert ist. Lassen Sie es andere wissen. Ich glaube, dass dies meine einzige Chance ist, nicht hier in dieser Zelle zu sterben. Ich brauche Sie! Retten Sie mich!“ **

Liebe Leserinnen und Leser, ich habe das Buch gelesen und fühle mich verpflichtet, auf Asia Bibis Schicksal aufmerksam zu machen. Vielleicht können und wollen auch Sie helfen, indem Sie beispielsweise einen Brief an den pakistanischen Präsidenten schreiben. Nähere Informationen, inhaltliche Tipps und Adressen dazu gibt es auf der Webseite von Amnesty International.

Bei Amnesty habe ich mich auch erkundigt, ob es zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist zu schreiben, und erhielt grünes Licht (bitte also die auf der Webseite genannte Frist für Appelle nicht beachten!).

Ich wünsche Asia Bibi, dass Sie ihr nächstes Weihnachtsgebet mit ihrer Familie und im Hause Gottes sprechen kann, wo sie so gerne mit den Ihren ist, um die Geburt von Jesus, Gottes Sohn, zu feiern.

Einen gesegneten zweiten Advent wünscht Ihnen

Peter Weidemann

* Pakistanisches Strafgesetzbuch, zitiert nach: Amnesty International, Urgent Action 241/2010, Index: ASA 33/011/201.

** Asia Bibi mit Anne-Isabelle Tollet, Rettet mich! Weltbild-Verlag: Augsburg 2011.

Vgl. auch die heute erschienene Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zur Lage der Christen in Pakistan.“

 

Wer sich der Aktion anschließen möchte, kann mich ggf. über die Kommentarfunktion kontaktieren, ich habe aus den Bausteinen bei Amnesty einen fortlaufenden englischen Text gemacht.

Gerade vor kurzem hat auch Radio Vatican nochmals auf die Angelegenheit aufmerksam gemacht und auf die Möglichkeit hingewiesen, bei The Voice of the Martyrs eine Online-Petition zu unterzeichnen.

Gebet, auch für die Familie,  dürfte sich von selbst verstehen.

Der Chesterton Adventskalender – Tag 2

Naturally there was no difficulty about that; or rather it was a long time before the world realised that there ever had been even a trivial difficulty anywhere. The members of some Eastern sect or secret society or other seemed to have made a scene somewhere; nobody could imagine why. The incident occurred once or twice again and began to arouse irritation out of proportion to its insignificance.

[Damit gab es natürlich keine Schwierigkeit, oder vielmehr dauerte es eine lange Zeit bevor die Welt mitkriegte, daß es jemals irgendwo auch nur ein triviales Problem gegeben hatte.

Die Mitglieder irgendeiner östlichen  Sekte oder Geheimgesellschaft oder so etwas, schienen irgendwo eine Szene gemacht zu haben, niemand konnte sich vorstellen, warum.

Der Vorfall wiederholte sich ein- oder zweimal und fing an eine Irritation hervorzurufen, die in keinem Verhältnis zu seiner Bedeutungslosigkeit stand.]