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Träume und Sehnsucht

…Sehnsucht nach dem Wunderbaren, dem Wunder im Alltag.

Eher zufällig kam ich an dem Video eines Titels aus (in dieser Version) den 90ern vorbei, den ich damals schon gemocht hatte. Da dachte ich so bei mir: „Bring doch einfach mal was Leichtes, Flockiges, so zur Entspannung am Wochenende, die Kolleginnen und Kollegen stellen ja auch gern mal ‚einfach so‘ ein Musikvideo ein.“

Hat nicht ganz geklappt. Beim Nachdenken über den obligatorischen katholischen Inhalt (oder OCC, obligatory catholic content, eine noch zu erlassende Vorschrift des Blogoezesanrats ;-)) entwickelte sich mehr so ein Eintrag nach Art von Metanoia im Wilden Westen

Aber der Reihe nach. Unten folgt ein Video der Gruppe The Beautiful South aus dem Jahr 1995, das eine Coverversion des Lieds, „Dream a little dream of me“ aus dem Jahre 1930 beinhaltet und zwar als Teil des Soundtracks für den Film „French Kiss“ mit Meg Ryan.

Da ich ja weiß, daß nicht alle Leser mit dem Englischen ganz so vertraut sind, folgt unten der vollständige Liedtext (der ist einfach, ein „Sycamore tree“ ist die „Amerikanische Platane“, Platanus occidentalis) und hier zwei Erläuterungen vorab zum besseren Verständnis:

Zwischen 1.46 und 1.54 entspinnt sich ein Dialog: „Hey, You! You’re dancing?” „You’re asking?“ „I’m asking!“ „I’m dancing!“, was sich etwa wie folgt übersetzen läßt: „He, Du da, tanzt Du?“ „Fragst Du das im Ernst?“ „Ja!“ „Ich tanze!“

Nach dem Ende des Liedes bei 3.24 heißt es: „Sweet Dreams, Jacqui!“ Das bezieht sich auf den Namen der (damaligen) Sängerin von The Beautiful South, Jacqui Abbot.

So, jetzt schauen Sie bitte:

Ist das nicht hübsch gemacht? Die Geschichte beginnt in tiefer Niedergeschlagenheit („blue as can be“), in einer gänzlich banalen, alltäglichen Situation (und vielleicht lohnt es hier daran zu erinnern, daß 1930 in den USA die Great Depression nach dem Börsenkrach 1928 herrschte), und daß dann angefangen wird zu singen, ohne daß sich in dem Kino jemand darüber wundert, das ist noch ganz und gar normal für ein Musikvideo.

Aber dann beginnt mit 1.42 der Einbruch des „Wunderbaren“ vollends: Der Film, der zu sehen ist, ist nicht mehr das fertige Produkt, das er bisher war, die Betrachter befinden sich vielmehr auf einmal noch in der Produktionsphase, die Klappe wird geschlagen. Was aber scheint’s immer noch niemanden irritiert. Aber daß der junge Mann anschließend vom „Silver Screen“ herabblickt, mit der Kartenabreißerin einen Dialog beginnt, aus dem Film ins Kino steigt und beginnt, mit ihr zu tanzen, das verwundert die Menschen dann schon! Und wie dann getanzt wird! Ganz und gar glamourös und, interessanterweise, in der Ästhetik der Entstehungszeit des Liedes.

Nun, Sie mögen einwenden: „Ok, ok, aber das haben wir ja nun auch alles schon mal gesehen, Hollywood ist eben die „Traumfabrik“, so what?!

Ist schon recht. Und dennoch, mich fasziniert immer wieder die gerade auch in der Populärkultur so offen zutage tretende Sehnsucht nach dem Außeralltäglichen, dem „Wunder“, das sich jederzeit ereignen kann. Und, jedenfalls hier zu beobachten, nach Schönheit, ja, Eleganz (2.05!). Sollte man gar sagen, nach „Form“?

Wäre es da ganz und gar hoffnungslos, zu versuchen, den Menschen zu erläutern, daß die wahre „Hauptstadt der Wunder“ nicht Hollywood heißt, sondern Rom? Die wahre Hauptstadt der wahren Wunder. Und ist es nicht eigentlich bloß einleuchtend, daß, wenn wir die Sehnsucht nach Form, Schönheit, ja nach „Glamour“ nicht befriedigen, sie sich weniger würdige, weltliche Ventile sucht?

Und das, so scheint’s, eher traurige Ende der kleinen Geschichte? Naja, Wunder haben’s eben schwer, und daß es Dinge gibt, die man einfach tun muß, auch wenn es dafür (in dieser, der „normalen“, empirisch zugänglichen Welt) keine unmittelbare Belohnung gibt, das ist ja nun ein auch im christlichen Kontext vertrauter Gedankengang.

Ich finde aber die Episode mit dem bösen Regisseur noch in anderer Hinsicht interessant (Der verschwindet übrigens zwischendurch, und plötzlich läuft wieder der fertige Film, in Parallelisierung zum Geschehen vor der Leinwand, weiter; der „Machtmensch“ hat das Geschehen nicht wirklich im Griff!).

Denn gerade in seinem Nichtverstehen und seiner „bösen“ Reaktion zeigt sich: Er kann nicht durch die Wand, er hat nicht Teil an dem Wunder, das sich ereignet, weil er nicht der ist, der er dafür sein müßte. Nun, daß man für bestimmte Formen der Teilhabe erst „richtig“ werden muß, das ist bloß gute aristotelische Tradition (wenn die Feststellung auch, zumindest seit einiger Zeit, nicht mehr völlig banal ist, z.B. wenn es darum geht, erst „der Richtige“ für eine Diskursteilnahme werden zu müssen).

Aber wie, bzw., durch was man wirklich „richtig“ werden kann, dafür hat die antike Philosophie nicht genügt, dafür bedurfte es der Offenbarung, des Christusereignisses. Oder anders: Das konnte Aristoteles nicht zeigen, aber der Hl. Thomas v. Aquin.

Go figure!

(Vgl. Alasdair McIntyre, Three Rival Versions of Moral Enquiry, Notre Dame, Indiana 1990, VI. Aquinas and the rationality of tradition, bes. S. 140f.)

Liedtext:

Stars shining bright above you
Night breezes seem to whisper I love you
Birds singing in the sycamore tree
Dream a little dream of me

Say nighty-night and kiss me
Just hold me tight and tell me you’ll miss me
While I’m alone and blue as can be
Dream a little dream of me

Stars fading, but I linger on dear
Still craving your kiss
I’m longing to linger till dawn dear
Just saying this

Sweet dreams till sunbeams find you
Sweet dreams that leave our worries behind you
But in your dreams whatever they be
Dream a little dream of me

Stars fading, but I linger on dear
Still craving your kiss
I’m longing to linger till dawn dear
Just saying this

Sweet dreams till sunbeams find you
Sweet dreams that leave our worries far behind you
But in your dreams whatever they be
Dream a little dream of me

Sweet dreams till sunbeams find you
Sweet dreams – our worries behind you
But in your dreams whatever they be
Dream a little dream of me
Sweet dreams
Sweet dreams
Sweet dreams
Sweet dreams

„Demokratie jetzt“, oder: Alles, wo es hingehört!

Daß Kirche in Gänze keine demokratische Veranstaltung ist und sein soll (denn hier geht es um Wahrheit und nicht um Verfahren), das ist ja banal.

Aber es gibt durchaus demokratische Elemente in der Kirche und eines davon ist die regelmäßige Wahl der Vertretungsgremien der Laien. Solche Wahlen stehen jetzt bei uns in naher Zukunft wieder an.

Nun gibt es traditionalistische Kreise, die lehnen das ganze Prinzip der gewählten Laienvertretung ab, ich vermute aus jeweils gemachten traumatischen Erfahrungen mit dem Wirken solcher Gremien vor Ort.

PuLa ist aber nicht dieser Meinung und wird daher die bevorstehenden Wahlen in unserem Bistum, in Herz-Jesu-Weimar aktiv begleiten.

Am 2. September 2012 wählen wir also, das erste Mal in den neuen Gemeindestrukturen!, den Pfarrgemeinderat und den Kirchenvorstand.

Das Datum ist nicht gerade unproblematisch, wenn man berücksichtigt, daß erst am 31. August die Ferien zu Ende gehen. Eigentlich sollte man ja, wenn man denn zu einer Wahl bittet, darauf achten, daß die Wahlbeteiligung möglichst hoch sein kann. Na, ein weiterer guter Grund, publizistisch für zusätzliche Aufmerksamkeit zu sorgen!

Nun hat das Bistum dankenswerterweise die ersten der frisch überarbeiteten Rechtsordnungen ins Netz gestellt, nach denen sich die Wahl und dann die Arbeit eines dieser Gremien, nämlich des Pfarrgemeinderats richtet. Hier der Link.

In den nächsten Wochen wollen wir hier zur Vorbereitung der Wahlen einzelne Bestimmungen aus den Ordnungen anschauen, u.U. erläutern und einige in Umlauf befindliche irrige Vorstellungen korrigieren.

 

Anton Ebert, 1845-1896, Allegorie der Wahrheit

Da ist er!

Der Vortrag, den Frau Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz Ende Mai auf dem Erfurter Petersberg zu „Eros und Christentum“ gehalten hat.

Es hat ein bißchen gedauert, aber die TLZ hat ihn jetzt auch online gestellt, hier; Danke!

Naja, eigentlich ist es nicht ganz das, was wir gehört haben. Es ist weniger und mehr zugleich. Das gesprochene Wort war, wie soll ich sagen, praktischer, handfester, noch mehr auf konkrete Lebenssituationen zu applizieren. Ich denke mal, diese Vortragende kann (und will!) gar nicht anders, als auf ihre Zuhörerschaft zu reagieren; vermutlich hätte sie große Schwierigkeiten, selbst einen eigenen Text einfach nur abzulesen… 😉

Jedenfalls kam an diesem Abend niemand auf die Idee, Philosophie habe dem Leben nichts zu sagen, niemand!

Aber der veröffentlichte Text bietet auch mehr, den Gedanken der christlichen Freundschaft (philia) hat Gerl-Falkovitz an dem Abend nicht so deutlich ausgesponnen.

Und wer bei der Lektüre dieses Abschnitts an das Bloggertreffen denkt, ich hab’s auch getan!

„Siehe, ich und du, und ich hoffe, der Dritte unter uns ist Christus.“

P. S. Krøyer, 1851-1909

 

 

 

 

 

Bloggertreffen: Ich will’s ja mal ganz deutlich aussprechen

…wie unglaublich privilegiert wir sind!

Denn wir haben uns ja in einer besonderen Zeit zur Teilnahme an diesem Projekt entschlossen. Zu einer Zeit nämlich, zu der der Papst und seine Verkündigung heftig angegriffen werden. Von innerhalb, von außerhalb, auf jeden Fall aber von unterhalb der Kirche. (vgl. aktuell bei Elsa, hier!)

Und indem wir es beginnen, seinen Wunsch für das Jahr des Glaubens zu erfüllen, mit unseren schwachen Kräften, aber in Gemeinschaft!, können wir jetzt etwas für ihn tun, sogar noch über das Gebet hinaus.

Deo gratias!

Photo: Paul Badde (via Elsas Nachtbrevier)

 

 

 

„Geht doch!“ Ein Freiburger Projekt und mehr…

So, höchste Zeit, den Bericht von der Bloggertagung in Freiburg fortzusetzen! (Wer vorab lesen möchte, was schon erschienen ist, läßt sich am besten von „Frischer Wind“ hinwehen, hier; ggf. ein bißchen runterscrollen, mehrere Beiträge!)

Vor allem anderen: Dieses Posting kommt auch deswegen so spät, weil sich das „Verwirrende“ vom Freitagabend so völlig gegeben hat (war vermutlich eben doch bloß meine „Verwirrung“ ;-)). Wir haben nämlich viel Zeit miteinader verbracht, beim badischen Wein…, und dann war es zu spät zum Schreiben, ähem.

Ich blicke heute mit großer Dankbarkeit auf das Zusammensein mit den Kolleginnen und Kollegen zurück. Es war eine sehr bereichernde Zeit, in vielerlei Hinsicht, und ein ganz besonders herzlicher Dank gilt Dr. Kebekus und seinem Team für Initiative und Durchführung, aber auch der Hauswirtschaft des Karl-Rahner- Hauses, deren unkomplizierte Freundlichkeit sich auch über das Ende der Tagung hinaus praktisch bewährte; so stellt man sich das Klima in einem kirchlichen Haus vor…

Die erhoffte Intensität des Austauschs stellte sich im Verlauf des Samstags tatsächlich ein, nachdem uns Dr. Schönemann von der KAMP in kondensierter Form seine Arbeit am Thema „Neuevangelisierung“ vorgestellt und die aktuellen Perspektiven angerissen hatte, woran sich eine (auch in den Augen des Referenten) hochklassige Diskussion anschloß, die von ihrem Reflexionsniveau her gewiß auch noch den Rest des Tages hätte andauern können, aber dann sind wir praktischer geworden.

Anknüpfend an den Auftrag des Hl. Vaters in seinem Motu proprio zum Jahr des Glaubens, „Porta fidei“ (Nr. 9):

„ Wir wünschen uns, daß dieses Jahr in jedem Gläubigen das Verlangen wecke, den Glauben vollständig und mit erneuerter Überzeugung, mit Vertrauen und Hoffnung zu bekennen. […] Die Inhalte des Glaubens, der bekannt, gefeiert, gelebt und im Gebet ausgedrückt wird, wiederzuentdecken und über den Glaubensakt selbst nachzudenken, ist eine Verpflichtung, die jeder Gläubige übernehmen muß, vor allem in diesem Jahr.“

schlug Dr. Kebekus die Gründung eines Gemeinschaftsblogs zum Glaubensbekenntnis vor, der, monatlich thematisch gegliedert, das ganze Jahr des Glaubens (Oktober 2012 bis November 2013) über von den Mitgliedern der Blogoezese bestückt werden soll! (Vgl. auch schon hier auf kath.de)

Einzelheiten werden zu gegebener Zeit aus berufenem Munde (berufener Tastatur? 🙂 ) mitgeteilt werden und PuLa wird natürlich darüber berichten.

Was es aber jetzt zu berichten gilt, ist der Weg zu dem Entschluß, tatsächlich ein solches Projekt zu unternehmen. Denn auch wenn sich in diesem Kreis natürlich jede und jeder durch eine Bitte des Papstes verpflichtet fühlte, so ganz klar, daß wirklich alle mitmachen wollten, schien die Sache in der durchaus lebhaften Diskussion nicht zu jedem Zeitpunkt zu sein…

Blogger sind, und das macht ihre Stärke aus!, auf ihre Eigenständigkeit und ihr spezifisches inhaltliches wie stilistisches Profil sehr bedacht. Und so endeten eine kurze Debatte in großer Runde, etliche Gespräche in kleineren Runden und eine erneute, lange, große Runde durchaus „offen“. Und mit den Worten des Moderators:

„Zeit zu beten!“

Denn dieser, zum größten Teil ganz frisch zusammengekommene, Kreis hat sich viel und intensiv zum (Stunden-) Gebet getroffen! Samstag auch zur Frühmesse (7.30 Uhr!) und zum Angelus. Völlig selbstverständlich (natürlich ohne „Druck“), ja fast möchte ich sagen, „elegant“ flossen Arbeit, Gebet und gemeinsames Mahl ineinander. Ich kannte das bisher so nicht und sage dankbar:

„Geht doch!“

Und als wir nach Gebet und Mahl wieder zusammenkamen, da war klar, alle werden dabei sein und wir haben bereits konkrete Aufgaben verteilt, im Redaktionsteam und in der Kommentarredaktion (PuLa wird sich auch beteiligen).

„Geht doch!“

Am nächsten Morgen wurde dieser Satz für mich dann vollends zum inoffiziellen Motto der Tage, als eine beachtliche Gruppe von Teilnehmern dem Pontifikalamt im Münster anläßlich eines großen CV-Treffens lieber ausgewichen ist und stattdessen die Hl. Messe bei den Dominikanern in der Freiburger Innenstadt besucht hat. Eine wunderbare Messe mit hervorragender Predigt (ok, soll beim Ordo Praedicatorum ja wohl auch sein 😉 ) und – der Möglichkeit zur Mundkommunion auf den Knien! Völlig selbstverständlich auf den Altarstufen, die zu diesem Zweck mit einem flachen Polster belegt waren. Neben uns standen andere Gottesdienstbesucher, die teils Mund-, teils Handkommunion praktizierten und es war alles überhaupt kein Problem! (Es funktionierte übrigens auch ohne „Kommunionhelfer“)

„Geht doch!“

Anschließend waren alle eingeladen in den Kreuzgang (bzw. dessen Rest) zu Kaffee und Gebäck. So trafen sich Alt und Jung, Ansässige und Gäste und kamen ins Gespräch untereinander und mit den (jungen!) Mönchen, die, selbst wenn sie offenkundig nicht aus Deutschland kamen, jederzeit in der Lage waren, genuin theologische Fragen ernsthaft zu beantworten, z.B. über die Sünde wider den Hl. Geist.

„Geht doch!“

 

St. Martin, Freiburg Mit freundlicher Genehmigung von: Fotograf Rainer Ullrich/Staedtefotos.de

Schließlich: Daß Bloggen nicht immer ein Zuckerschlecken ist, wenn man seine Überzeugungen verteidigen muß, das konnte man im zurückliegenden Vierteljahr auf PuLa wohl ganz gut beobachten. Daher haben mich etliche Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen, die ganz ähnliche (und teilweise noch schlimmere) Erfahrungen haben machen müssen, sehr getröstet. Getröstet und gestärkt. Ich danke Euch sehr und ich denke an Euch! (Bei der Gelegenheit: Wer schreibt das erste Gebet für die Blogoezese?!)

Bevor es aber zu gefühlig wird und weil ein Blogeintrag ohne „Piekser“ gar keiner ist, hier noch ein Photo vom Sonntag, als der Betrieb im Karl-Rahner-Haus zur Ruhe gekommen war.

Enjoy!

Karl Rahner und (s)ein mobiler Stuhlkreis

(Vgl. auch hier!!)

PS: Doch noch ein Satz: Es gibt auch schon Überlegungen für Projekte über das vorgestellte hinaus: Sie werden von der Blogoezese hören, oder: „We’re here to stay!“ 🙂

Freiburger Tischgespräche

„Ist die Kapelle denn zumindest auch Karl Rahner geweiht?“ „ Noch wichtiger wäre ja die Frage, ob Reliquien von ihm hier liegen…“

Wie und wo können sich solche Tischgespräche entspinnen? Na, wenn sich erhebliche Teile der Blogozese zur ersten deutschen Bloggertagung treffen! Im Karl-Rahner-Haus der Erzdiözese Freiburg nämlich, denn deren Referat Medienpastoral hat es verdienstvollerweise unternommen, ca. 30 deutsche Bloggerinnen und Blogger (das Verhältnis ist sehr ausgewogen!) zusammenzurufen und hier gibt es natürlich eine Kapelle, die auch von Teilnehmern bereits jetzt intensiv genutzt wird.

Wir diskutieren aber (vorsichtshalber? ;-)) nicht über anthropozentrische Theologie und auch nicht über moderne Architektur, das Haus hat uns gastfreundlich aufgenommen, die Küche macht dem badischen Ruf alle Ehre und: Es funktioniert technisch hervorragend, was für ein solches Treffen natürlich unabdingbar ist.

Ein Schmankerl gilt es von der Hinfahrt zu berichten: Zwischenstop in Fulda. Eine Stunde, die mich u.a. in die Stadtpfarrkiche St Blasius und St. Bonifatius führte, wo zu meiner großen Freude das Allerheiligste ausgesetzt war, offenkundig zur immerwährenden Anbetung. In einer schöngeschmückten Seitenkapelle. Was so alles möglich ist…

Dermaßen geistlich gestärkt ging es weiter in die badische Metropole zum Treffen mit „Frischer Wind“ (in natura noch frischer!), was, wie wir feststellten, in unser beider Leben noch am ehesten dem entsprach, was man in anderen Zusammenhängen ein „blind date“ hätte nennen müssen… 🙂

Ja, und nach dem Abendessen gab es dann die erste Runde, natürlich mit ausführlicher Vorstellung. Was bei so mancher Tagung quälend sein kann, gestaltet sich hier zum kurzweiligen, ja faszinierenden Erlebnis! Lauter Menschen, die über das, was sie antreibt, nicht nur schreiben, sondern auch reden können, teils wirklich bewegend reden können!

Aber es hat auch ein bißchen etwas verwirrendes, so vielen Kollegen auf einmal leibhaftig gegenüberzusitzen. Schön, aber  gewöhnungsbedürftig. Am Samstagmorgen geht’s weiter und wenn uns der Fußball keinen Strich durch die Rechnung macht (ähem!), wird das hoffentlich ein Tag mit noch intensiverem Austausch.

„Schön spricht der Physiologus über den Storch“

Da hätte ich selber drauf kommen sollen, statt der etwas lahmen Formulierung von den „schönen und erfahrenen Tieren“:

„Vom Storch

[…]

Wisse, diese Störche leben beide zusammen und versorgen ihre Jungen, und sobald das Männchen wegfliegt und Nahrung holt, sitzt das Weibchen und hütet sie, und sie wechseln einander ab, und ihre Brut lassen sie nicht umkommen.

So geh auch du, Christenmensch, weder früh noch abends ohne Gebet, und du wirst nicht vom Teufel in Besitz genommen werden.

Wenn die Jungen des Storches flügge sind, fliegen sie zu einer Stunde und an einen Punkt und ziehen in ein anderes Land, und wiederum zu einer Zeit kommen sie, richten ihre Nester auf und ziehen ihre Jungen groß.

In gleicher Weise ward unser Herr Jesus Christus von uns genommen und wird zu seiner Zeit kommen und aufrichten die Gebeugten […] (cf. Ps 146,8 und Ps 104,17)

Schön spricht der Physiologus über den Storch“

(Ausschnitte zitiert nach der Ausgabe von U. Treu, Berlin 1981)

Pieter van der Borcht, ca.1540 bis 1608

Bin ich aber nicht… Wie gut, wenn man liebe und kluge Freunde hat! Amei Mende verdanken wir, wieder einmal, einen wertvollen Hinweis.

Auf den „Physilologus“ nämlich, jene einstmals stark verbreitete, ursprünglich schon aus dem 2. Jh. stammende christliche Naturlehre (Physiologus, der „Naturkundige“), die ihre Beschreibungen allegorisch auf das Heilsgeschehen hin deutet. So ein bißchen ein Brehms Tierleben aus der Spätantike, mit enormer Nachwirkung ins europäische Mittelalter. Die Schlußformel gehörte übrigens wirklich dazu und war die Regel! Interessant auch der Gedanke, daß der Inhalt als eine Art „Gemeingut“ anonym verbreitet wurde; Public Domain avant la lettre, sag‘ ich nur… 😉

Danke, Amei!

 

Der Storch zieht um…

Das folgende Photo ist im Rahmen des Pfingsturlaubs in Wörlitz entstanden:

Sie sehen das Nest des langjährigen Wörlitzer Storchenpaares auf einem der Kreuze an den Firstenden des Querschiffs der Ortskirche St. Petri (!).

Das wäre an und für sich natürlich nicht besonders bemerkenswert, aber: Die Störche sind in diesem Jahr erst dorthin umgezogen!

Der Fabrikschornstein, den sie in den vergangenen Jahren bewohnten (ganz ähnlich wie der im Hintergrund zu erkennende) mußte nach einem Herbststurm weitgehend abgebrochen werden, worauf es ein vorbereitetes Ersatzangebot entsprechender Art ganz in der Nähe gab, das die Störche aber nicht angenommen haben.

Nein, sie sind auf das Kirchendach umgezogen. Nachdem die Pfarrersfrau alle einschlägigen Gerüchte bis auf weiteres dementieren konnte ;-), bereichern die Tiere jetzt das Ortsbild noch mehr als früher und sorgen auch für verstärkten Zulauf auf den sog. „Bibelturm“, der sich als ökumenische Initiative dort seit vielen Jahren etabliert hat und sehr empfehlenswert ist! Das Wort Gottes in vielerlei Sprachen (und auch online!) mit kundigem Gesprächspartner ca. 40 m über den Elbauen: Schön!

Aber mir will scheinen, damit kann die Sache noch nicht ihr Bewenden haben! Nein, da steckt doch ein glasklarer symbolischer Sinn dahinter: Auch die Natur, in Form dieser schönen und erfahrenen Tiere wendet sich vom Materialismus ab und dem Geist zu!

Wenn ich so sagen darf: „Sehet die Zeichen auf dem Dach!“ 🙂

Tja! Ich rede ja schon seit Jahren davon, daß der einseitig wirtschaftsdominierte öffentliche Diskurs keinen Bestand haben konnte. Wenn ich mich noch erinnere, da gab es  Politiker, die haben Globalisierungs-Pamphlete verschenkt (aber u.U. nicht zu Ende gelesen) mit dem Titel: „Die Welt ist flach“. Ja, aber zum Glück nur für Flachköpfe. 😉

Bloß gut, daß diese Diskursdominanz mittlerweile Geschichte ist. Die Tatsache, wie schnell das letzten Endes doch wieder ging, sollte beim jeweils letzten Hype zur Vorsicht mahnen, auch und gerade im innerkirchlichen Diskursraum…

 

Mosebach und „KGE“

Vor einiger Zeit hatte PuLa auf einen Artikel von Martin Mosebach in der WELT hingewiesen, in dem dieser den „Gottfernen Zustand“ der großen Mehrheit im Osten Deutschlands mit einer dem Protestantismus innewohnenden Tendenz zur Säkularisierung im allgemeinen und den Folgen des Preußentums im besonderen in Verbindung brachte. Eine durchaus „steile These“, an der ich in zumindest einer Hinsicht auch ein Fragezeichen anzubringen hatte.

Nun gibt es doppelten Anlaß, sich dieser Wortmeldung wieder zuzuwenden, was ich außerordentlich erfreulich finde, denn eigentlich sollen hier ja inhaltliche Beiträge erscheinen oder gar Debatten stattfinden, bzw. zumindest mal gespiegelt werden…

Zunächst einmal also hat sich „KGE“, schon Ende April ebenfalls in der WELT und dann auch im Rahmen des Katholikentags in Mannheim, mit Mosebach auseinandergesetzt (oder an ihm abgearbeitet?). Ach, Sie wissen nicht, wer „KGE“ ist? Entschuldigung, PuLa ist eben doch ein Thüringer Provinzblog… 😉 aber der lokale/regionale Schwerpunkt ist ja auch Programm!

Also, es handelt sich um Katrin Göring-Eckardt, Thüringer Grünen Politikerin, stv. Bundestagspräsidentin und Präses der Synode der EKD. Und daß man sich aus dieser Position heraus gegen Mosebachs Thesen zur Wehr setzt, das ist schon sehr verständlich!

Schade nur, daß die Auseinandersetzung typisch „politisch“ verläuft, nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“:

„Göring-Eckardt: Mosebachs Behauptung halte ich für absurd. Er scheint zu meinen, dass die Ästhetisierung des Glaubens im Sinne der alten lateinischen Messe das ist, was das Christentum festigt, aber so etwas hat nichts mit der realen Situation im Kernland der Reformation zu tun. Dass durch die Reformation die Menschen mündig wurden, hat sie mitnichten von Gott weggetrieben.“

Du liebe Güte, das strotzt ja nur so vor den altbekannten konfessionellen Vorurteilen, gemischt mit dem subtilen Vorwurf des „Feuilleton-Katholizismus“, bzw. Ästhetizismus. Man kann gar nicht so schnell auf alles eingehen. Aber finden Sie es nicht auch zumindest „bemerkenswert“ den Menschen aus 1.500 Jahren der (gemeinsamen) Christentumsgeschichte die „Mündigkeit“ abzusprechen? Augustinus, Th. v. Aquin, Franziskus, Bonaventura… alle „unmündig“? Also bitte, dieses Niveau läßt ja im weiteren Verlauf des „Reformationsjubiläums“ noch einiges erwarten. Wie hieß es doch in diesen Zeilen vor einiger Zeit: „Das Katholikenbashing ist der blinde Fleck der political correctness.“ Wenn das so weiter geht kündige ich nur schon mal an, mir fällt auch noch so einiges an konfessioneller Polemik ein, wenn‘s sein muß 😉

Und was den „Ästhetizismus“ angeht: Mosebach selbst bekennt sich gewissermaßen zu diesem „Vorwurf“, nur daß es für ihn keiner ist! Ich kann es mir da zum Glück ganz leicht machen und verweise nur auf den vor kurzem verlinkten Artikel von Chr. Stölzl, in dem dieser darlegt, warum christlicher Kultus sich vor dem Banalen hüten und höchste Anstrengungen auch und gerade in ästhetischer Hinsicht fordern muß. Prof. Stölzl ist Lutheraner…

Und Lutheraner ist auch Dr. R. Kipper, der sich im Kommentarbereich m.E. wesentlich intelligenter und besser begründet mit einer Kritik an Mosebach zu Wort gemeldet hat; Nachlesen dort lohnt!

Leider gibt es aber an der Göring-Eckardtschen Kritik noch einen Aspekt, einen gewissermaßen innerkatholischen, der Erwähnung verdient. Woher haben die Journalisten, die über ihren Auftritt berichtet haben, die Zusammenfassung ihrer Thesen (einschließlich der Druckfehler…)? Von der Website des Katholikentags. Natürlich unkommentiert. Na, nachdem uns der Präsident des ausrichtenden ZdK seine Meinung zur „Alten Messe“ ja zum Abschluß der Veranstaltung schon mitgeteilt hat („gehört nicht dazu!“) verwundert diese indirekte Selbstbeschimpfung auch nicht mehr. Mich vertritt das ZdK auch nicht, kann ich da nur sagen!

Aber so bloß ernst möchte ich heute eigentlich gar nicht schließen.

Hm!

Ah! Jetzt hab ich‘s!

Also, wie meint Frau Göring-Eckardt: Mosebach vertrete die Ästhetisierung des Glaubens im Sinne der alten lateinischen Messe und suche in der Rückkehr zur tridentinischen Liturgie das Heil, wohingegen tatsächlich nur der Glaube „vor der Kirchentür“ in der Welt wirksam werden könne.

Ok, nachdem ich gerade nur mühsam ein Gähnen unterdrücken konnte, kann ich da nur (zum ca. 573ten Mal) sagen: Diese uuuralte Entgegensetzung: „In der Kirche passiert nicht wirklich etwas, sondern nur draußen“ ist ein grundlegendes Mißverständnis! Und zwar in allen christlichen Konfessionen! Ich würde mir jedenfalls niemals herausnehmen, so etwas in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst zu behaupten, aber: In der katholischen Liturgie ereignet sich/geschieht nun wirklich etwas (natürlich in beiden Formen des Ritus!). Sie ist kosmische Liturgie und deswegen ist dort tatsächlich das Heil zu finden; ganz genau dort, Frau Präses!

Und deshalb hat unser Freund aus Brighton denn auch recht, wenn er singt:

„So save the liturgy and save the world! “

Enjoy!

Across Universae Ecclesiae
Prayers rise from the Faithful
Like the incense rises from the Altar
As is written
All Across
Universae Ecclesiae
Contrite hearts and consolation
Together Ad Orientem
The Choir sings the Kyrie
Eleison
Oh
Mass alone can change the World
So save the liturgy and save the World
The Mass alone can change the World
So save the liturgy and save the World
[…]
(Video mit ganzem Text s. hier)

Aus gegebenem Anlaß…

…möchte ich gerne an die „Sieben Werke der Barmherzigkeit für Thüringen“ erinnern, die anläßlich des Elisabethjahres 2007 zusammengestellt wurden:

Du gehörst dazu

Ich höre dir zu

Ich rede gut über dich

Ich gehe ein Stück mit dir

Ich teile mit dir

Ich besuche dich

Ich bete für dich

Bischof Wanke hat sie im November 2006 in einer schönen Predigt vorgestellt und mir scheint, sie haben an Aktualität nicht verloren.

Auch nicht für den Umgang miteinander innerhalb einer Gemeinde, nicht für Frau L. und für alle, die da meinen: „Neulinge hinten anstellen!“

Edmund Blair Leighton (1852 - 1922)