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Die Blutspende – Ein Sketch aus immer wieder gegebenem Anlaß

(EDIT (Oktober 2016): Wie wir, deo gratias, jetzt schon verschiedentlich schreiben durften: Der folgende Sketch bezieht sich auf eine Situation, die es momentan so nicht mehr gibt, also, in Wundersdorf natürlich. Allein: Dort wie allerorten vergeht die Vergangenheit nicht einfach, ja, manchmal ist sie nicht mal vorbei – Damit sie sich jedenfalls nicht wiederholt, darf man sie nicht vergessen – oder schönreden!)

Nachdem die Tombola-Aktion  des Vorjahres total in die Hose gegangen ist – natürlich zog Corinna selbst das Los mit dem Hauptgewinn: Berechtigung zum Ehrenamt, Ehrenamtsbetreuung, Schlüssel – und es in der Wundersdorfer Gemeinde weiter drunter und drüber geht – zwischenzeitlich war die berühmte Orgel verstimmt, weil die Hochschule in der vorlesungsfreien Zeit nicht auf die Empore darf – , werden unsere Freunde nicht müde, Mißstände aufzudecken und so die Verantwortlichen wachzurütteln – diesmal auf eine indirekte aber gleichwohl eindrückliche Art und Weise. Wir treffen sie heute mitten in den Vorbereitungen für eine satirische Adventsfeier…

 

Die Blutspende

Ein Sketch für neun Personen

 

(Das Pfarrheim der katholischen Gemeinde Maria Hilf! in Wundersdorf/ Oderbruch. Mit schreckverzerrtem Gesicht stürmt Klaus, den linken Ärmel hochgekrempelt und ein Band zum Abschnüren des Blutes um den linken Oberarm, den Flur entlang. In einiger Entfernung verfolgt ihn Karl mit weißer Küchenschürze, den Stirnspiegel eines HNO-Arztes vor dem Kopf und eine gezückte Spritze in der erhobenen rechten Hand. Frau Schramm tritt verwundert aus ihrer Bürotür und wird dabei fast umgerannt.)

Klaus: Hilfe! Hilfe!

Karl: Nun warte doch, ich hab‘ doch noch gar nicht angefangen!

Frau Schramm (folgt den beiden mit den Blicken): Was ist denn hier los? Klappt was nicht mit der Blutspende?

Karl (kommt außer Atem zurück): Doch, doch. Alles bestens.

Heiner (kommt lässig im weißen Kittel, in der erhobenen rechten Hand ebenfalls eine Spritze, über den Flur geschlappt. Aus seiner Kitteltasche schaut ein Stück Stethoskop-Schlauch hervor): Wir wollten uns nur ein Beispiel an Corinna nehmen.

Edith (kommt schreiend angerannt, gefolgt von Silke im Arztkostüm, Silke natürlich wiederum mit Spritze): Seht Euch den Bluterguß an! (Sie präsentiert empört unter dem Tupfer auf ihrem Arm einen großen dunkelroten Fleck).

Silke (betont schnoddrig): Das ist doch halb so wild! In einer Woche ist nichts mehr zu sehen! (Sie drückt genüßlich einige Tropfen Blutes aus der Spritze und beobachtet die Tropfen an der Nadelspitze.)

Frau Schramm: Was soll das ganze eigentlich? Warum rennt ihr hier alle im Arztkittel durch die Bude? Wo sind denn die Malteser?

Richard (kommt, mit Professor Ehrlich im Gefolge, im Arztkittel über den Flur getrottet): Die Malteser kommen heute nicht.

Frau Schramm: Wieso?

Karl: Weil wir sie abbestellt haben.

Frau Schramm: Einfach so? Wieso das denn?

Heiner: Wir dachten, dafür brauchen wir keine Fachleute.

Richard: Das kriegen wir auch so hin.

Karl: Wie Heiner schon sagte: Wir wollten uns ein Beispiel an der tüchtigen Corinna nehmen.

Frau Schramm: Ich verstehe überhaupt nichts! (Sie stemmt die Arme in die Hüften und blickt vorwurfsvoll von einem zum andern.)

Karl (erläuternd): Schauen Sie, wir haben einen Haufen Architekten und Ingenieure unter den Aktiven der Gemeinde, sogar in den Gremien – aber bei der Kirchenrestaurierung hat Corinna den Bau komplett alleine betreut. Da ging kein Weg rein.

Silke: Wie viele Juristen haben wir in der Gemeinde – aber Vertragsangelegenheiten regelt Corinna immer allein.

Heiner: Haben wir nicht etliche ausgebildete Journalisten und Zeitungsredakteure in der Gemeinde? Aber Homepage und Pfarrblättchen macht Corinna allein.

Frau Schramm (blickt Professor Ehrlich an): Ok, ich weiß was Sie jetzt sagen wollen …

Richard: Genau! Aber auch an Kunsthistorikern fehlt‘s nicht. Die Kirchenführungen zum Denkmaltag macht Corinna trotzdem allein.

Edith: Stimmt! Wir haben genügend Lehrerinnen und sogar Dramaturginnen in der Gemeinde, aber das Krippenspiel organisiert Corinna immer allein.

Silke: Erinnere mich nicht an das Krippenspiel! (Sie stürmt mit ihrer Spritze auf Edith los, die schreiend Reißaus nimmt.)

Klaus (hat sich mittlerweile beruhigt und ist zu der Gruppe hinzugetreten): Ach so! Und da habt ihr euch gedacht, wenn die gelernte Krankenschwester hier alle Arbeiten übernimmt, könntet ihr ja zur Abwechslung das Blut abnehmen?

Richard: Genau!

Heiner: Wir nehmen uns ein Beispiel!

Professor Ehrlich: „Lebenslanges Lernen“ (er visiert mit seiner Spritze das nächste mögliche Opfer an.)

Karl: Die arme Corinna kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten!

Hanna (tritt, einige zusammengerollte DIN A4-Blätter in der Hand, an die Gruppe heran und winkt wie eine Regisseurin ab): Ok, ok, können wir bis hierhin so lassen. Aber, Karl: Tu so, als machtet ihr euch echte Sorgen um Corinna. Das „Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen“ muß richtig mitleidig kommen.

Karl (richtig mitleidig): Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten! (Alle grinsen beifällig. Als sie merken, daß es Regieanweisungen gibt, gesellen sich Silke und Edith der Gruppe wieder zu.)

Hanna (zu Karl): Phantastisch! (zu Silke) Silke, du machst Corinna total gut nach, man erkennt es sofort, diese „Selbstsicherheit“! Einfach großartig. Aber das mit dem Blut in der Spritze ist vielleicht ein bißchen dick aufgetragen, meint ihr nicht?

Heiner: Wieso, ist doch lustig!

Richard: Ich finde auch, das kann sie so machen.

Hochwürden Kneif (tritt aus seiner Wohnungstür und versucht, unbemerkt an der Gruppe vorbei zu kommen.)

Hanna (freundlich): Guten Morgen, Herr Pfarrer!

Silke (ebenso): Na, so früh schon unterwegs?

Karl (ebenso): Kommen Sie denn zu unserer Aufführung?

Richard (ebenso): Sie haben noch gar nicht auf unsere Einladung reagiert.

Hochwürden Kneif (ohne Regung): Da muß ich erst meine Vorgesetzten fragen. (Er verschwindet aus der Tür.)

Hanna: Wenn seine Vorgesetzten wüßten, was er sie alles fragen will … Ok! Wir machen weiter. Silke, Edith, ihr seid gerade hinten im Flur und kommt erst langsam wieder ran. (Silke und Edith trollen sich.) Karl, du warst gerade bei (sie schaut auf ihr Manuskript) „Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten!“ – Sag das doch bitte eben noch mal – und dann Heiner. (Sie zieht sich wieder aus der Szene zurück.)

Karl: Sie kann ja nun wirklich nicht alles machen – wir müssen sie doch ein bißchen entlasten!

Heiner: Damit endlich auch mal wieder etwas in der Gemeinde unternommen werden darf, wo Corinna nicht den Daumen drauf hat:

Professor Ehrlich: Denn wenn der Pfarrer sagt „was sie nicht macht, macht keiner“ ist das ja nicht deskriptiv zu verstehen …

Richard: … sondern normativ.

Frau Schramm: Äh … Wie war das?

Heiner: Es ist keine Zustandsbeschreibung …

Klaus: … sondern eine Richtlinie.

Frau Schramm (verwirrt): Ist das so?

Karl: Denken Sie mal darüber nach: Warum mußte der Lateinkurs emigrieren?

Richard: Warum wurde die Ankündigung des neuen Literaturkreises damals aus dem Osterpfarrbrief genommen, woraufhin das Angebot zurückgezogen wurde?

Heiner: Warum soll Professor Ehrlich nicht die Hochämter orgeln …

Klaus: … und sein bester Student fremde Organisten vor deren erstem Spielen nicht in die Register einführen?

Prof. Ehrlich: Warum dürfen die Komponisten aus unserer Gemeinde ihre eigenen Sachen nicht hier in unserer Gemeinde aufführen? (Die Mitspieler ziehen mit gezückten Spritzen den Kreis um Frau Schramm immer enger. Sie blickt mit gespielter Angst von einem zum andern. Aus der Tiefe des Flures treten Silke und Edith wieder hinzu und reihen sich in den Kreis ein.)

Silke: Und warum erscheinen die Vermeldungen nicht mehr, bloß weil Corinna merkt, daß sie alleine nicht rumkommt?

Hanna (aus dem off): Klasse! Aber schön langsam! Frau Schramm als Pfarrsekretärin symbolisiert die Gemeinde. Der Kreis um sie muß sich langsam immer enger zusammenziehen. Die Gemeinde in der Bedrängnis – das ist die Botschaft.

Frau Schramm: Hey, eigentlich müßte noch jemand sagen: „Wir haben drei Frauen im Pfarrsekretariat angestellt, aber zur juristischen Fortbildung für Pfarrsekretärinnen geht Corinna allein.“

Edith (guckt sich nach Hanna um): Stimmt. Da hätten wir noch was ganz Aktuelles.

Hanna (kommt wieder zum Vorschein): Es wird dann aber auch alles sehr viel – nicht, daß es langweilig wird, die Aufzählung.

Karl: Auch wieder wahr! Das mit der Fortbildung für Pfarrsekretärinnen können wir bestimmt auch wann anders nochmal unterbringen.

Klaus: Meint ihr eigentlich, unsere Botschaft versteht einer?

Richard: Wie auch immer! Aber gesagt werden muß es!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf. Ob die Botschaft des Adventssketches von der Gemeinde verstanden wird? Irgendwie fiel mir da ein wunderschönes Marienlied ein, in dem es heißt:

„Du weißt, was uns im Herzen bebt

An gläubigem und kühnem Wagen.

Wenn deine Hand die Schatten hebt,

wird uns ein Fest der Gnaden tagen.“

 

(Neuzeller Wallfahrtslied: „ Maria, Mutter, Friedenshort“ GL 847)

 

Und es ist ein echter Skandal, daß ich davon keinen YouTube Clip gefunden habe! Es gibt viel zu tun. 🙂

 

PS: Das war übrigens Beitrag Nr. 200 auf diesem Blog, Kinder, wie die Zeit vergeht; Ha! Dazu hätt‘ ich ein schönes Video (Danke, Frischer Wind!)

 

 

 

Ein Trackback/Pingback

  1. […] im Gemeindehaus stattfindenden Blutspende (vgl. diesen, zur Zeit glücklicherweise historischen Sketch) rutscht ein Schwung Blutzellen eines beliebigen Spenders in die Blutkonserve. Wenige Tage später […]

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