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Vom “Dranbleiben” und der „Schwere der Hoffnung“

Nachdem ich nun einige Tage lang treulich, na sagen wir mal, mir nicht ganz freundlich Gesonnenes en masse auf PuLa eingestellt und darauf repliziert habe (wohlgemerkt: ich beklage mich nicht, ich stelle nur fest!), möchte ich der geschätzten Leserschaft auch einmal Erfreuliches und Erhellendes aus den „Eingängen“ dieser Tage nicht vorenthalten!

Doch zuvor: Es laufen nach wie vor Kommentare ein, die natürlich auch beantwortet werden (wenn nicht immer sofort, so bitte ich zu beachten, daß kein Wochenende mehr ist…), also bitte ggf. dort (unter allen vier Beiträgen) schauen.

Ein Kommentar von heute zum Beitrag „Ameleo die vierte […]“ hat mich besonders gefreut. Er endet mit einer Aufforderung:

„Und bitte: Dranbleiben in Weimar!“

Lieber Kollege: Dein Wunsch ist uns Befehl! 🙂

Und richtig verstanden außerordentlich erhellend war ein Zitat, das der treffliche Dr. Alexander Kissler heute versandte.

Dr. Kissler hat keine Werbung auf PuLa nötig – ich mache sie aber trotzdem gern! 😉

Schauen Sie sich seine Homepage an und, heißer Tip, folgen Sie ihm auf Twitter, unter „@DrKissler“ !

Das Zitat stammt von Botho Strauß und tun Sie mir bitte (bitte!) den Gefallen und verzichten auf den Hinweis, das sei aber ja auch kein „unproblematischer“ Autor. Dessen bin ich mit bewußt, aber was nun folgt klingt, als sei es als Kommentar zu dem geschrieben, was uns nun schon einige Tage beschäftigt:

„Zur Hölle alle, die das Goldene Kalb des Leichtsinns anbeten. Der Glaube ist schwer, die Liebe ist schwer, von der Hoffnung ganz zu schweigen!“

Wenn Sie bitte die „Hölle“ dieses eine Mal bloß redensartlich nehmen wollen, bringt das auf den Punkt, was mich von allem Anfang an störte und immer noch stört: Es ist alles nicht so einfach, nicht so „leicht-sinnig“ und neben dem intellektuellen Teil der Angelegenheit geht es dabei eben auch um ästhetische Sensibilitäten; es ist kein Zufall, daß ein solches Wort von einem Künstler stammt.

Danke, Dr. Kissler!

Und weil es auch um ästhetische, um Stil-Fragen geht, hat das Ganze eben, leider, auch mehr als bloß einen Hauch von Nicht-Erklärbarkeit, daher rührt ein Teil der Verständigungsschwierigkeiten:
„Und wenn Ihr’s nicht erspürt, ihr werdet’s nicht erjagen“, sagt der auch nicht ganz unproblematische Weimarer Autor Goethe im Faust.

 

‚Ameleo‘ die vierte, Lob des Wörterbuchs

Weil der Aspekt  der „Blogoezesenzugehörigkeit“ eine von mir so überhaupt nicht erwartete Bedeutung erlangt hat (und nur deshalb!) hier noch einmal der (vorerst hoffentlich) letzte Austausch zwischen ‚Ameleo‘ und mir:

„Kommentar:

Leider bin ich derzeit beruflich so eingespannt, dass ich auch die nächsten Tage nicht mehr zum ausführlichen Kommentieren kommen werde.

Zu Ihrem Punkt 1 formuliere ich meinen damaligen Satz einmal auf ein anderes Thema um: „In Ländern jenseits Deutschlands ist es durchaus üblich, im Sommer wärmeres und sonnigeres Wetter zu haben.“ Wenn Ihre fortgesetzte Behauptung stimmen würde, enthielte auch dieser Satz eine Distanzierung von meiner deutschen Staatsbürgerschaft. Aber lassen wir das.

Auch bezüglich der Frage, was als Beleidigung zu werten ist, haben wir vermutlich unterschiedliche Maßstäbe und Einschätzungen, wie sich durchgängig gezeigt hat. Es wäre schon viel gewonnen, wenn Sie das schlicht akzeptieren könnten. Wenn Ihnen von Bedeutung ist, dass Ihre Anliegen Gehör finden, wäre es sicher hilfreich, sich im Ton zu mäßigen und auf Provokationen zu verzichten. Letztlich ist es aber Ihre Entscheidung, auf welche Weise Sie bevorzugen zu kommunizieren, genauso wie es meine Entscheidung bleiben wird, welche Art von Kommentaren ich auf meinem Blog akzeptiere und welche nicht.

Im übrigen danke ich „Paula“ für die Unterstützung und Rückenstärkung. Ich hoffe, wir werden weiterhin von einander lesen!“

 

@ Ameleo: Ja, das bin ich auch, daher hier nur noch ganz kurz:

Unterschiedliche „Maßstäbe und Einschätzungen“ hinsichtlich „Beleidigungen“. Habe ich das nicht anerkannt? Mir war so, aber auch ganz unabhängig davon: So ist es einfach und damit gut. Das gilt auch für die unterschiedliche Einschätzung des Werts von Provokationen. 😉

Ihren ersten Absatz mit dem Wetter verstehe ich u.U. nicht so ganz, aber ich nehme an, meine Differenzierung zwischen „wollen, daß Sie aus der Blogoezese fliegen“ und „Zweigbildung  für nützlich halten“ ist gemeint, ja?
Seufz, das finde ich langsam ein wenig anstrengend, aber da dieser Aspekt ja eine von mir völlig unbeabsichtigte Bedeutung über unsere beiden Blogs hinaus bekommen hat, ergo offenbar ein Nerv getroffen wurde und ich tatsächlich großen Wert auf den Versuch lege, verstanden zu werden, will ich’s noch einmal versuchen:

Etwas zu „wollen“, kann ja zweierlei heißen:

[1] entschieden haben und deswegen vorhaben bzw. den Vorsatz haben, etwas zu tun (um etwas zu erlangen oder zu erreichen)

[2] nur den Wunsch nach etwas haben, danach verlangen, es begehren, sich danach (nur) sehnen

Synonyme:

[1] beabsichtigen, anstreben, anzielen

[2] mögen, wünschen

(Quelle: Wiktionary „wollen“, hier)

So, im Sinne von [1] „will“ ich Sie nicht aus der Blogoeszese raushaben, weil ich mir niemals so etwas in mehrerer Hinsicht Unsinniges, vor allem Undurchführbares vornehmen würde.

Und auch im Sinne von [2] kann ich Ihnen versichern, daß es etwas ganz anderes ist, was ich „wollen“ würde. Ich „wünschte“ mir nämlich, daß Sie Ihre Ansichten änderten und auf dieser neuen Basis weiterhin innerhalb der Blogoezese mitmachten!

Weil ich das aber leider für unwahrscheinlich halten muß, nur deswegen, sozusagen als kleineres Übel, fände ich der Klarheit halber die erwähnte Zweigbildung „sinnvoll“, bzw. „nützlich“ aber nicht „schön“, bzw. „wünschenswert“ (im Sinne von [2]).

Klarer jetzt?
Ich stehe auch überhaupt nicht an zuzugeben, daß die Verwendung des Wortes „Trennung“ in dem gerade beschriebenen Sinne vielleicht ungeschickt war; sollte sie zu Unklarheiten geführt haben, bedauere ich das, weise aber zugleich nochmals darauf hin, daß ich gar nicht die Absicht hatte, darüber länger zu reden. Möglicherweise hätte ich meine Worte dann (noch) sorgfältiger gewählt.

‚Ameleo‘ die dritte, Klarstellungen und ein Vorschlag

Ui,ui,ui! Der dritte Beitrag, der sich, jedenfalls vordergründig, mit Auseinandersetzungen zwischen Blogs beschäftigt in Folge! Ich kündige hiermit schon ganz zu Beginn an, daß ich nicht die Absicht habe, das ad infinitum fortzusetzen: PuLa muß sich wieder seiner Hauptaufgabe widmen und die Weimarer Zustände kritisch unter die Lupe nehmen. Da gibt es etwas, das ist recht eigentlich nichts weniger als eine Sensation und darf (und wird!) nicht unkommentiert durchgehen!

Jedoch, ich war tatsächlich im Lauf des Tages, ganz unabhängig von der erneuten Reaktion von ‚Ameleo‘ im Kommentarbereich zu dem Ergebnis gekommen, man könne das Thema nicht so einfach beenden, und was sie schreibt, paßt in gewisser Weise sehr genau zu dem, was ich auch ansprechen wollte. Aber lesen Sie zuvörderst selbst:

„Herr Lamers, ich habe den Eindruck, Sie sind unerreichbar. Und wenn Ihnen 100 Leute sagen würden, die Sätze über „inhaltsleere Jubelkommentare“  oder „Madame, ich finde die Blümchen bei ihnen ganz schrecklich, aber ich werde mich immer dafür einsetzen, dass sie weiterhin gestreut werden können.“ seien beleidigend, Sie werden es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht verstehen können. Hier liegt offenbar ein gravierender Bruch zwischen Ihrer Selbst- und der Fremdwahrnehmung vor, aber das Psychologische ist ja nicht so Ihrs, wie Sie betonen. Doch nur weil Sie meinen, ihre Äußerung sei nicht beleidigend, heißt das nicht, dass Ihre Einschätzung mit der anderer übereinstimmt. Wenn Sie selbst härtere Beleidigungen gewohnt sind, tun Sie mir nur leid! Oder Sie haben Gefallen an Provokation und Märtyrertum.

Mit Ihrer Bemerkung „diesseits aller Sachfragen“ spielen Sie zudem über Bande, nutzen den Kommentar von Elisabeth Palzkill – der scheint’s für etwas steht, das Ihnen an meinem Blog stört – und werten ihn (den Kommentar) ab, damit auch die Kommentatorin, um mir damit etwas zu sagen. Um ihr Ziel zu erreichen, sind Ihnen die am Weg stehenden offenbar egal, sofern Sie sie für Ihre Zwecke nutzen können. Mir sind sie es aber nicht!

Sie phantasieren sich zudem so einiges zusammen: Thema: „Gehören Ameleo und ihr Blog in die sogenannte Blogoezese oder nicht.“ Es ist Ihre Frage, nicht meine, Sie geben darauf eine Antwort, ich nicht. Für Sie scheint das von Interesse zu sein, aber mein Thema ist es nicht. Sie scheinen gerne auszugrenzen, da trifft sich die Blogoezesenfrage mit dem nach dem „Gericht“. Meinen Sie nicht, dass Sie damit etwas, was Ihnen persönlich wichtig ist, auf Gott projizieren? (Ups, wird ja schon wieder psychologisch!)

Auch die Vorstellung, neben Ihren Kommentaren wäre noch jemand ausfallend geworden, sein oder ihr Kommentar bräuchte bei Ihnen „Asyl“, entspringt allein Ihrer Phantasie. Ausschließlich Ihre Äußerungen waren inakzeptabel, woraus ich meine Konsequenzen gezogen habe. Wüsste ich nicht, dass dies völlig zwecklos wäre, weil nämlich Ihre Einsicht fehlt, würde ich eine Entschuldigung verlangen. Nicht mir gegenüber, sondern vor allem gegenüber den Kommentatorinnen, deren Beiträge Sie verunglimpfen.

And by the way: wenn Ihnen der Stil auf meinem Blog so sehr aufstößt, warum tun Sie sich das an, dort zu lesen? Man kann sich jeden Tag aufregen, aber niemand ist dazu verpflichtet! Ich halte es für wichtig, die Schönheit der Schöpfung zu betonen und damit den Schöpfer zu preisen, vom „du wirst“ zu sprechen anstelle von „du sollst“, geknickte Rohre aufzurichten und glimmende Dochte wieder zu entfachen. Mit Drohungen und Strafen dagegen erreicht man schon bei kleinsten Kindern nichts, sie drücken allenfalls elterliche Hilflosigkeit aus. Also sollten wir auch Gott ein solch armseliges Verhalten nicht unterstellen. Von daher werden Sie auch in Zukunft bei mir allenfalls von der Hölle auf Erden zu lesen bekommen.

Und sollten Sie glauben, die (katholische) Welt durch solche Eskapaden wie auf meinem Blog retten zu müssen, kann ich Sie beruhigen: das hat schon ein anderer für Sie übernommen!“

Ach, Frau Kollegin! Lassen Sie uns bitte zunächst „abräumen“, worüber ich jetzt nicht mehr weiter reden werde, weil ich wirklich glaube, es lohnt, jedenfalls für den Moment, nicht:

  1. Egal wie oft Sie noch das Gegenteil behaupten: Sie haben durch Ihre Formulierungen, wenn man sie der grammatikalischen Logik folgend genau liest, das Thema ‚Zugehörigkeit zur Blogoezese‘ aufgebracht und ich wiederhole jetzt zum letztenmal: Ich will Sie schon deswegen nicht „raushaben“, weil ich ein solches Ansinnen, das aufgrund der „Nicht-Struktur“ der Blogoezese ja gar nicht durchsetzbar wäre, schlicht albern fände. Allerdings meine ich immer noch, eine gewisse freiwillige (!) „Trennung“, bzw. „Zweigbildung“ wäre für unser aller (potentielle) Leser hilfreich und daher sinnvoll.
  2. Das ganze Thema „Beleidigung“ scheint mir jetzt ausreichend beleuchtet. Wir werden nicht zu einer Übereinstimmung kommen. Ich möchte nur nochmals daran erinnern: Frau Palzkill hat sich mir gegenüber in mehreren Mails nicht beleidigt gegeben… Hören Sie doch bitte auf die Leute zu pathologisieren. Und bei Ihnen entschuldigen werde ich mich in der Tat gewiß nicht, schon weil wir spätestens mit Ihrer bemerkenswert geschmacklosen Äußerung über mein vermeintliches Vergnügen am Ausgrenzen und die Projektion vermeintlich eigener (schlechter) Eigenschafften auf mein Gottesbild einfach quitt sind. Das war ein schönes Beispiel, was ich mit den Gefahren des Psychologisierens meinte, danke für den unabsichtlichen Beleg! 😉 Aber Sie werden nicht erleben, daß ich dabei mitmache; ich verachte diese Form der Kommunikation, die in Wahrheit allzu häufig (der Versuch von) Machtausübung via Zuschreibung und Manipulation ist. Nur noch zum Abschluß: Ich hatte es wirklich und wahrhaftig nicht für möglich gehalten, Sie hielten bloß meine zwei Sätze für „zensurbedürftig“! Ja, ich dachte ehrlich, „Da muß mehr vorgefallen sein!“ und habe mein „Angebot“, mir dieses „Mehr“ zu schicken, dementsprechend hundertprozentig ernstgemeint! Aber gut, nun wissen wir es besser.
  3. Damit kommen wir zu der Frage, warum ich denn überhaupt auf die Idee gekommen bin, bei Ihnen zu kommentieren und zwar in dieser Form. Nun, nicht Ihretwegen (und schon gar nicht wegen der „Blümchenstreuer“, wer daran Spaß hat, bitte!), sondern, weil ich das Klima, das Sie auf Ihrem Blog erzeugen, für symptomatisch und gefährlich halte: Der Eklektizismus, den Sie für „katholisch“ ausgeben ist eine unangemessene Verkürzung, die geeignet ist, die Menschen in die Irre zu führen. Das halte ich (und nicht ich allein), angesichts der Ernsthaftigkeit des Themas für eine unverantwortliche und gefährliche Sache.
  4. Sie lesen nicht genau genug: Ich habe zu keinem Zeitpunkt von „Drohungen oder Strafen“ gegenüber Kindern geschrieben. Was ich geschrieben habe ist, daß Kinder nach meiner Erfahrung (Erfahrung!!) nach den letzten Dingen ernsthaft fragen und ernsthafte Antworten sehr gut vertragen und sie schätzen. Ich werde niemandem, Kind oder nicht, die „Hölle wegerklären“, weil ich ihm damit die Heilige Schrift wegnähme. Ich frage nochmal: Können Sie das verantworten?

So, nachdem das gesagt ist, möchte ich zurückkommen, auf Ihre Eingangsbemerkung, die Frage des „Unerreichbar-Seins“. Wobei ich hoffe, das war mit einer gewissen „Offenheit“ geschrieben, aber wenn nicht, auch egal. Denn die Frage ist grundsätzlich ja berechtigt und ich reflektiere sie auch ohne diesen Anstoß regelmäßig. Für mich bin ich hinsichtlich des Ergebnisses (momentan) einigermaßen beruhigt, aber es bleibt ja festzuhalten: Sie haben mich jedenfalls mit dem bisher gesagten wirklich nicht erreicht. Ins Allgemeinere gewendet: Es gibt schon ein ganz gerüttelt Maß an Nicht-Verstehen und daraus resultierender Sprachlosigkeit zwischen Ihnen und Ihren Lesern und so Leuten wie mir (ich bin ja nun gewiß kein singuläres Phänomen).
Und das ist natürlich nicht gut. Aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun soll, denn was ich schreibe, habe ich mir gut überlegt und zu den inhaltlichen Differenzen kommt offenkundig eine ganze Welt stilistischer Unterschiede hinzu.

Jedoch: Es gibt immerhin ein Element, hinsichtlich dessen Sie vielleicht einen Punkt haben: Vielleicht reden wir traditionell orientierten Katholiken wirklich ein bißchen zu selten von den schönen Seiten des Glaubens. Das aber nicht, weil wir etwa mehr Spaß am Grübeln, am Strafen, am Drohen etc., etc. hätten, nein, diese „lichten Seiten“ sind uns selbstverständlicher Bestandteil unseres Glaubensvollzugs, nicht obwohl, sondern weil, so sind wir überzeugt, wir uns um das „ganze Bild“ (incl. der weniger angenehmen Teile) bemühen. Und wir reden vielleicht auch deshalb weniger davon, weil es stilistische Sensibilitäten verbieten, vulgo: Wir haben Angst vor Schmalz!

Dennoch: Kann sein, das kriegt manchmal eine „Schlagseite“ ins unfroh und zu aggressiv Erscheinende, kann sein.

Darf ich einen Vorschlag machen: Ich versuche, PuLa künftig auf diese mögliche „Schlagseite“ hin zu überprüfen und ggf. um „hellere Elemente“ zu ergänzen und Sie versuchen künftig sich vorzustellen (nur vorzustellen), daß ein Teil der von Ihnen wahrgenommenen Aggressivität aus subjektiv ehrlichem Leiden an Erscheinungsformen der Kirche und ehrlicher Überzeugung kommt (auch wenn Sie beides nicht teilen können) und verzichten darauf, es in eine psychologisierende Schublade zu packen?
Wäre das eine Idee?

PS: Ich kann hier dankenswerterweise darauf verzichten, das mit dem „Leiden an Erscheinungsformen der Kirche“ näher auszuführen; lesen Sie bitte, was dazu bei Pro Spe Salutis im Kommentarbereich alles geschrieben wurde! (hier)

Ameleo und die „Beleidigungen“, eine Replik und Zweifel

Wie trifft sich das gut, daß ich heute einen Tag frei habe! Da kann man das Bloggen ausnahmsweise mal im Hellen beginnen.

Obwohl, ist das für so ‚Dunkelkatholiken‘ nicht sehr untypisch, kann unsereiner da überhaupt schreiben? Na, wir werden ja sehen… 😉

Jedenfalls sind wir damit schon mitten im Thema: Ein wichtiger Punkt der gestrigen Auseinandersetzung mit ‚Ameleo‘ auf FFF war ja die Frage nach den (behaupteten) „beleidigenen Äußerungen“ und da hat sich die Lage mittlerweile denke ich etwas geklärt.

Aber zuvor: Die Kollegin hat die vorübergehende Totalblockade wieder aufgehoben und, wenn ich es recht sehe, bis auf eine kleine Streichung in meinem auslösenden Kommentar alles wieder zur Verfügung gestellt, sehr schön, danke, und auch auf PuLa verlinkt, sehr fair. Bitte lesen Sie dort auch noch einmal nach, namentlich die erneuten Äußerungen von „Maria“ halte ich für sehr lesenswert! (hier)

Und dann habe ich halt über Nacht gewartet, ob sich denn die bösen, bösen beleidigenden Kommentatoren und Kommentatorinnen bei mir melden würden, denn, s.o., das ist ja die Zeit, wo sie aus ihren Löchern gekrochen kommen, um nach Abschluß ihrer Selbstgeißelung vermutlich, die Tastatur zu ihren haßerfüllten Tiraden zu mißbrauchen, nicht? 🙂

Nun, alles was ich erhalten habe, war die Versicherung einer „potentiellen Kandidatin“, es nicht gewesen zu sein! Ich darf also bis auf weiteres (dazu unten mehr) feststellen, das Vorhandensein wirklich beleidigender Äußerungen ist nicht überprüfbar.

Stattdessen hat die Bloginhaberin folgenden Abschnitt gekürzt:

Liebe Ameleo,

die Texte sprechen für sich.

Sonnige Grüße

Elisabeth

Gereon Lamers 25. Juni 2013 17:32

[Sagen Sie mal, Frau Kollegin, so diesseits aller Sachfragen, sind Ihnen diese völlig inhaltsleeren Jubel-Kommentare, die, scheint’s, so sicher kommen, wie abends die Sonne untergeht, nicht selber peinlich? Wenn Sie die Leute kennen, dann bitten Sie sie doch um Ihrer Reputation willen, diesen Nonsens zu unterlassen!] (Dieser Teil auf FFF gestrichen)

Über die schwer erträgliche Verharmlosung des Gerichts in den von Ihnen zitierten Texten schweigt des Sängers Höflichkeit, sonst verbannen Sie mich am Ende noch auf die „Trollwiese“…

Man kann natürlich über den Einstieg unterschiedlicher Meinung sein, freundlich war er nicht und sollte er nicht sein, aber „beleidigend“? Um Himmels willen! Da kenne ich aber von Leuten, die sich vermutlich als „Abbild der Kirche in Deutschland“ verstehen, ganz andere Sachen; wer PuLa regelmäßig liest, weiß, worum es geht: „Schädlinge“ und „teuflischer Diabolus“ sind wir hier schon genannt worden, auch von Offiziellen (und ja, eine Bitte um Entschuldigung steht nach wie vor aus, ebenso wie eine Reaktion „aus Erfurt“, aber das ist ein anderes Thema).

Leider habe ich inzwischen nur allzuoft die Erfahrung machen müssen, daß diejenigen, die nach außen vorgeben, nur mit Wattebällchen werfen zu wollen, nach innen nur um so brutaler und zwar wirklich im Verborgenen (bzw. dem, was sie dafür halten 🙂 ) agieren.

Im vorliegenden Fall ist es nun so, daß ich inzwischen mit Frau Elisabeth P. in einem ganz zivilisierten Email-Austausch stehe, von Beleidigtsein ihrerseits habe ich nichts gespürt.

Tja, Frau Kollegin, da haben wir wohl mal wieder einen Fall von vorbeugendem Paternalismus, der ja für die von Ihnen vertretenen Richtung der „Pastoral“ so typisch ist.

Im übrigen finde ich, man kann meiner ursprünglichen Einlassung deutlich anmerken, daß sie nicht eigentlich gegen Frau P., sondern gegen den Stil auf FFF gerichtet war, oder? Und den finde ich schlimm, weil er symptomatisch ist, für das was uns vielfach in der Kirche in Deutschland umgibt (der Blog als solcher ginge mich nichts an): Eklektizistische Wohlfühl-Atmosphäre, die niemanden weiterbringt und die zu der Ernsthaftigkeit der eschatologischen Fragen paßt wie die Faust aufs Auge! Lesen Sie die zwei neuen Antworten von „Maria“ und sie sehen, wie wenig das hilft und wie hilfreich und wohltuend (!) für alle Beteiligten eine ernsthafte Auseinandersetzung sein kann!

Heute morgen hat nun Ameleo direkt auf PuLa geantwortet, lesen Sie hier, damit Sie nicht erst in den Kommentarbereich abtauchen müssen:

„Da haben Sie gerade in der Stunde rübergeklickt, in der die Kommentare wegen Bearbeitung offline waren. Nun sind sie ja wieder da, in dem Umfang, wie ich es verantworten kann. Dass Ihnen meine Entscheidung nicht schmecken und eine Reaktion hervorrufen würde, war zu 100% abzusehen. Aber hier haben Sie die in meinen Augen beleidigenden Parts, die Ihnen persönlich anscheinend von so großer Bedeutung sind, ja retten können.

Was die Aggressivität angeht, so mögen Sie auch mein Handeln als eine solche empfinden. Es gibt Aggression, die dem (Über-)Leben und guten Miteinanderleben dient, weil sie Gewalt abwendet und Leben schützt (oder sind Sie gegen Lebensschutz?) und völlig überflüssige, so wie die Ihre. Da lässt Ihre Bemerkung über Ihr jahrzehntelanges Leiden an der Kirche die Ursachen dafür nur erahnen.

Sollten Sie nun meinen, dass ich da etwas überinterpretiere, folge ich Ihnen nur in Ihrer Interpretation über meine Identifikation mit der sog. Blogoezese, wenn auch ich im Gegensatz zu Ihnen daraus keine Behauptung sondern nur eine Vermutung mache. Sie sind es, die mich dort gerne raus hätten und daher von mir nie so Gesagtes in Ihrem Sinne verdrehen. Ist dies ernsthaft die Art, wie Sie sich den Umgang in der katholischen Kirche vorstellen?!?

Zudem bleiben Sie nach wie vor, was den Post betrifft, auf der Off-Topic-Ebene. Noch immer fehlt eine inhaltliche Auseinandersetzung Ihrerseits mit den dort von mir eingestellten Texten. Ist mal wieder die beliebte Strategie, Nebenschauplätze oder für die eigentliche Sache völlig irrelevante Themen in den Mittelpunkt zu stellen und sich so vor dem Eigentlichen zu drücken.

Und nun bin ich gespannt, ob Sie diesen Kommentar überhaupt und zu welchen weiteren mich in meinem Handeln bestätigenden Verunglimpfungen Sie ihn veröffentlichen werden.“

Oha!

Na, der Reihe nach: Ich will Sie keineswegs raushaben, Frau Kollegin, ich habe festgestellt, daß Sie sich selbst implizit aber eindeutig als „draußen“ verortet haben. Und ich bin allerdings der Meinung, daß es der Klärung dienen würde, wenn man unter „Blogoezese“ die Gesamtheit der vorwiegend traditionell orientierten Blogs verstünde und Sie und andere eine eigene Bezeichnung fänden; wie wäre es mit ‚hortus florium‘, Blumengarten? 😉

Und wenn Sie schon fragen: Ja, ich glaube der verdrucksten Pseudo-Kommunikation, wie sie in vielen Teilen der Kirche eingerissen ist, täte ein bißchen mehr Offenheit und Klarheit (um nicht vom „Frischen Wind“ zu reden 😉 ) mehr als gut, es ist vielfach zum Ersticken!

Ihre Qualifizierung meiner eingestandenen Aggressivität haben Sie für umsonst, Frau Kollegin, ich lasse mich auf keinerlei Psychologisieren ein, da ist mir die Zeit zu schade für, denn dessen Mechanismen (Stichwort: „Wer anfängt gewinnt“) habe ich schon vor vielen Jahren durchschaut. Denken und „erahnen“ Sie, was Sie wollen.

Der „Off-Topic“ Vorwurf ist, mit Verlaub, unsinnig. Ich habe von vornherein klar gesagt, daß ich nicht die Absicht habe, die lyrischen Texte durch den dogmatischen Wolf zu drehen. Das wäre, von allem anderen abgesehen, der Textgattung unangemessen.

Außerdem hat ja offensichtlich Ihre Leserin „Maria“ (die mir richtig sympathisch geworden ist!) ganz genau verstanden, was ich gemeint habe. Und was den weiteren Fortgang der Debatte angeht, können Sie ja wohl schlechterdings nicht behaupten, daß ich mich nicht zur (eschatologischen) Sache geäußert hätte, von wegen „Nebenschauplatz“.

So bleibt noch die Frage, ob es außer meiner „Beleidigung“, die keine war, und nicht als solche empfunden wurde, noch weiteres gegeben hat, das die Bezeichnung u.U. „verdient“ hätte.

Ich mache Ihnen ein Angebot, Frau Kollegin: Wenn es so etwas gibt, dann schicken Sie es mir per Kommentarfunktion oder per Email (eine Dummy-Mail mit meiner Email-Adresse ist unterwegs!). Ich verspreche Ihnen bei der Ehre der Muttergottes (mehr geht nicht), daß ich diese Beiträge nicht ohne Ihre Zustimmung veröffentlichen werde. Und falls es diese Texte tatsächlich gibt, werde ich das hier schreiben und insofern öffentlich Abbitte leisten!

 

Wie sieht’s aus?

 

Ameleo macht dicht, oder Diskussionskultur „jenseits der Blogoezese“ Ein Aufruf

In einer Anwandlung hatte ich mich mit einem wenn man so will „frechen“ Kommentar auf dem Blog einer Kollegin beteiligt. Da der Blog „Frech. Fromm. Frau“ (FFF) heißt, dachte ich, das muntert vielleicht ein bißchen auf.

Ja, und dann scheint es, als hätten noch mehr Blogoezesane versucht, sich an der Diskussion zu beteiligen, denn: Ameleo (die Bloginhaberin) hat, nach der berüchtigten Trollwiesenaffäre, wieder einmal dichtgemacht:

„UPDATE:
Wegen einiger beleidigender Kommentare sind die vorhandenen wegen Überarbeitung zur Zeit nicht angezeigt und neue nicht möglich. Ist das nicht Zensur? Yep, das ist es. Denn ich dulde keine Beleidigungen auf meinem Blog.“

Dessen wurde ich gewahr, als ich just zwei erneute Antworten fertig hatte, von denen ich überzeugt bin, daß sie nicht „beleidigend“ sind.
Und weil ich wie jeder Mensch mir nicht gern das Wort abschneiden lasse, gebe ich im folgenden dem Thread auf PuLa sozusagen Asyl (natürlich habe ich ein bißchen geordnet und anonymisiert, denn die Beiträger dort hatten ja nicht hier geschrieben, obwohl: ‚Netz ist Netz‘ und veröffentlicht ist veröffentlicht…), da kann jetzt jeder nachlesen, wie es sich mit der Diskussionskultur innerhalb und außerhalb der Blogoezese so verhält…

Außerdem rufe ich hiermit alle, die auf FFF nicht zum Zuge gekommen sind auf, ihre Kommentare hier zu posten. Wenn sie wirklich beleidigend sein sollten, behalte ich mir vor, darauf angemessen zu reagieren. Über Zweifelsfälle sollten wir diskutieren (statt blockieren).

Kommentare zu „Wird am Ende abgerechnet“ auf FFF, Stand 27ter Juni 13:

Liebe Ameleo,

die Texte sprechen für sich.

Sonnige Grüße

Elisabeth

Gereon Lamers 25. Juni 2013 17:32

Sagen Sie mal, Frau Kollegin, so diesseits aller Sachfragen, sind Ihnen diese völlig inhaltsleeren Jubel-Kommentare, die, scheint’s, so sicher kommen, wie abends die Sonne untergeht, nicht selber peinlich? Wenn Sie die Leute kennen, dann bitten Sie sie doch um Ihrer Reputation willen, diesen Nonsens zu unterlassen!
Über die schwer erträgliche Verharmlosung des Gerichts in den von Ihnen zitierten Texten schweigt des Sängers Höflichkeit, sonst verbannen Sie mich am Ende noch auf die „Trollwiese“…

Maria 25. Juni 2013 23:38

@Gereon Lamers,
„schwer erträgliche Verharmlosung des Gerichts“??
Und woher wissen Sie, wie das Gericht aussieht und wie stellen Sie sich vor, dass man es mit der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen vereinbaren kann? Bitte kommen Sie jetzt nicht mit dem freien Willen, der Entscheidung gegen Gott und so weiter. Ich kenne das alles. Aber ich glaube dass Gott auch weiß, in welch geringem Maß viele Menschen ihren „freien Willen“ wirklich nutzen können, weil sie so befangen in ihrer eigenen Situation, ihren Veranlagungen, Möglichkeiten, Begrenzungen sind.
Und wofür ist Jesus dann gestorben, wenn es dann doch ein Gericht gibt und manche ewig verdammt werden? Möchten Sie im Himmel sein, wenn Sie wissen, dass andere (selbst wenn es die schlimmsten Menschen waren) in der Hölle sind? Wir sollen unsere Feinde lieben, wird Gott das nicht tun?
Vielleicht haben Sie ja recht, vielleicht verharmlosen die Texte hier ja wirklich das Gericht. Jesus spricht ja auch oft genug von der Hölle. Aber kommen Sie damit so einfach zurecht?

Gereon Lamers 26. Juni 2013 16:42

@Maria:
Habe ich behautet, daß ich das wüßte? Keineswegs! Aber wie ein „Kaffekränzchen“ jedenfalls sicher nicht, sondern wie ein letzter, existentieller „Einbruch“ des Bewußtseins über eigenes Ungenügen und eigene Schuld. Nicht gemütlich… Im Ernst: Ich bin, bei allem Nicht-Wissen überzeugt, daß wir aufhören müssen, die arme Mahl-Metapher weiter zu Tode zu reiten, wie das die Blog-Betreiberin gerade wieder getan hat.
Ihre Beobachtung, man könne, nein müsse sich doch sehr fragen, ob denn die menschliche Freiheit, wie wir sie kennen für die Konsequenzen, die sie haben kann, auch „ausreicht“, ist höchst berechtigt! Sie finden sie auch bei einem gewissen J. Ratzinger (in seiner „Eschatologie“, die ich gerade nicht zur Hand habe, aber ich kann die Seitenzahl gerne nachliefern! EDIT, 27ter Juni, Zitat: „Müßte nicht für ein ewig geltendes Urteil eine andere Freiheit verlangt werden? Man wird zugeben müssen, daß die traditionelle Auffassung hier viel zu punktuell gedacht hat.“, S. 167 in der Ausgabe von 1990/2006).
Und weiter: Nein, ich komme mit dem Gedanken keineswegs „einfach zurecht“, das wäre wirklich übel! Aber Sie haben ja selbst auf das völlig eindeutige biblische Zeugnis verwiesen. Alles wofür ich plädiere ist: Hört auf, aus dem Glauben einen Kindergarten zu machen! Das, worum es geht ist nicht gemütlich, übrigens nach meiner Erfahrung (!) kommt man nicht mal bei Kindern mit der Verharmlosung weiter.
Anders ausgedrückt: Wir wissen, daß wir hinsichtlich der „letzten Dinge“ nicht wirklich weit kommen, aber wenn wir (das Wenige) fröhlich ignorieren oder umdeuten, was Offenbarung und Vernunft uns erlauben zu erkennen, dann kommen wir nicht einmal das kleine Stück weit, daß wir uns als Glaubende UND Vernunftwesen schuldig sind.
Erlauben Sie mir zum Abschluß noch einen Appell, nein eine Bitte? Lesen sie Ratzingers Eschatologie! Es ist kein einfaches Buch, aber wenn Sie es unvoreingenommen lesen, werden Sie sehen, es geht nicht um „Tradition per se“, um „Dogmen als solche“; es geht um Argumente!

Ameleo 26. Juni 2013 19:06

@Gereon Lamers
Auch wenn sich der Kommentar an Maria richtet, möchte ich darauf reagieren.

Wenn ich mir die biblischen Texte durch alle Bücher anschaue, dann stehen dort aufrichtende, ermutigende Botschaften neben ermahnenden. Nicht jedes Wort, von den Propheten über Jesus bis zur Offenbarung, galt gleichzeitig für alle. Sie wurden in konkrete Situationen zu konkreten Menschen gesprochen und wir heute erachten sie als andauernd gültig. Aber auch heute kann nicht jedes Wort jeder bzw. jedem gleich gelten. Die einen brauchen Ermutigung, die anderen eben Ermahnung.

Ich gehe davon aus, dass mit der Hilfe der göttlichen Geistkraft jeder und jede eine Ahnung davon bekommen kann, was ihm oder ihr gilt. Und bin ich davon überzeugt, dass weder Sie noch ich letzten Endes enttäuscht werden werden.

Gereon Lamers 27. Juni 2013 ca. 18.15 Uhr

Schade, offengestanden wäre ich auf „Marias“ Reaktion gespannter gewesen, aber sei’s drum.

Seufz! Was Sie da schreiben, Frau Kollegin, empfinde ich als eine durchaus charakteristische Mischung richtiger Element mit einer typischen Tendenz, die die Sache ins Verkehrte dreht.

Natürlich eignet sich nicht jeder Text für jeden zu jeder Zeit. In einer gegebenen seelsorglichen Situation braucht er oder sie ein Stückchen ‚Wahrheit für sich‘. Das ändert allerdings kein Jota daran, daß die Gesamtheit der Offenbarung allen Menschen gilt und zwar allen gleich. Das ist die ‚Wahrheit an sich‘.
Können Sie verantworten, sie einem Menschen (auf Dauer) vorzuenthalten? Das geschieht, allgemein gesagt, nur allzuoft. Dumm nur, daß es ohne ‚Wahrheit an sich‘ bald auch keine ‚Wahrheit für mich/Sie/uns alle‘ gäbe. Wir müssen unter allen Umständen weg von einer „Patchwork-Lehre“, die ja übrigens auch keinen Hund (mehr) hinter dem Ofenhervorlockt, sondern nur mehr müdes Abwinken erzeugt.

Ameleo 25. Juni 2013 17:55

Auf Blogs jenseits der sogenannten Blogoezese ist es durchaus üblich, sich gegenseitig ein gutes Wort zu zusprechen. Ich finde das einen sehr angenehmen und freundlichen Umgang miteinander, den ich sehr schätze.

Um auf Ihre Frage zu antworten: Nein, sie sind mir nicht peinlich, sondern ich freue mich über diese kleinen Zeichen der Zuwendung und des schriftlichen „Hallo, ich war auf deiner Seite!“ Deshalb werde ich diejenigen, die so kommentieren, niemals daran hindern und hoffe, dass sie auch durch einen solchen Kommentar, wie dem von Ihnen, davon nicht abgeschreckt werden!

Gereon Lamers 26. Juni 2013 17:04

„Jenseits der sogenannten Blogoezese“? Das ist interessant, denn es gibt nach wie vor Menschen, die rechnen Sie dazu, zu dieser „sogenannten Blogoeszese“ (Norbert K., hörst Du zu?!). Ich stelle fest, Sie wollen offenbar auch gar nicht (mehr). Das fände ich, ganz neutral gesprochen!, gut, denn das könnte zur besseren Orientierung beitragen und selbstverständlich kann es Blogs, die sich mit Katholischem beschäftigen (um die schwierige Frage , was ein „katholischer Blog“ sei mal zu umschiffen…) auch außerhalb der Blogoezese geben, the more the merrier!
Und was die stilistische Frage angeht: Sie wissen natürlich ganz gut, daß es solche harmlosen „Gut so!“ oder „Dankeschön“ -Kommentare auch auf traditionell orientierten Blogs gibt (sogar auf meinem ‚Kampf-Blog‘ aus der Diaspora…) Aber wenn mich nicht alles täuscht doch nicht ganz so blümchenhaft und in der Frequenz! Schauen Sie, kaum habe ich mal wenige Worte (!) wider den Stachel gelöckt, schon geht eine inhaltliche Diskussion los (Beitrag von „Maria“). Und zwar ohne Schaum vor dem Mund…
Aber ist schon gut, stilistische Fragen sind sehr persönlich und auf seinem Blog ist jeder der Chef (bzw. die Chefin…), glücklicherweise! Oder frei nach Voltaire: Madame, ich finde die Blümchen bei ihnen ganz schrecklich, aber ich werde mich immer dafür einsetzen, daß sie weiterhin gestreut werden können.

Ameleo 26. Juni 2013 19:31

Was mein Verweis auf Blogs jenseits der sogenannten Blogoezese („sogenannt“, weil nicht eindeutig definiert oder definierbar) mit meiner Zugehörigkeit zu oder Identifikation mit ihr aussagt, erschließt sich mir nicht.

Allerdings beobachte ich mit Besorgnis, dass die Blogoezese kein Abbild der katholischen Kirche in Deutschland ist, sondern in breiten Teilen eher Ansichten vom konservativen, traditionellen bis traditionalistischen Rand überwiegen, gepaart mit einem Umgangston, der wegen seiner offensichtlichen oder subtilen Aggressivität häufig sehr zu wünschen lässt. Eine Meinungsvielfalt und katholische Weite scheint von manchen – vielleicht auch von Ihnen? – nicht erwünscht zu sein. Auch das biblische „seht, wie sie einander lieben“ erlebe ich anderswo ausgeprägter als in der Blogoezese. Ich bedauere das – anderen scheint es zu gefallen. So verschieden sind wir!

Gereon Lamers 27. Juni 2013 ca. 18.15 Uhr

Aber das ist doch ganz einfach: Sie rechnen FFF doch ganz offenbar zu einem der „Blogs jenseits der sog. Blogoezese“ ergo außerhalb von ihr. Das scheint mir eine eindeutige Form der Distanzierung. Im übrigen kann m.E. durchaus auch etwas, was nicht (völlig) „eindeutig definiert oder definierbar“ ist als brauchbare Bezeichnung dienen.

So, Sie „beobachten mit Besorgnis, dass die Blogoezese kein Abbild der katholischen Kirche in Deutschland ist“? Passen Sie nur auf, sonst enden Sie nochmal in der Pressestelle eines Ordinariats…
Um Himmels willen, nein, das ist die Blogoezese wirklich nicht, ein Abbild der Kirche in Deutschland, deren Erscheinungsbild ja weithin von Angsthasen und Dilettanten in der überflüssigen Dauer-Defensive geprägt ist, haupt-  wie ehrenamtlichen.
Und das will sie auch nicht sein, sie möchte in der Tat anders sein.

Den Umgangston bedauere ich auch gelegentlich, aber ich teile nicht Ihre Ansicht, er sei ein notwendiger Ausfluß der vorhandenen Aggressivität. Zu letzterer, um noch einen draufzusetzen bekenne ich mich übrigens freimütig. Nach Jahrzehnten des Leidens an spezifischen Erscheinungsformen der Kirche geht es ohne sie einfach nicht ab. Sie ist ein Teil der menschlichen Wirklichkeit, der (wie so viele andere) nicht einfach verschwindet, bloß weil man es so möchte.

 

„Die Fesseln des je neuesten Zeitgeistes“

Unter dem traurigen Titel: „Schwafelkirche in Selbstauflösung“ legte der bekannte Kolumnist Dr. Alexander Kissler heute im ‚CICERO‘ seine Einschätzung der jüngst von der EKD vorgelegten „Orientierungshilfe“ zur Familienpolitik vor, hier.

Kostprobe gefällig?

„Die Frage der Stunde lautet: Wie soll man einer Kirche trauen, die der Bibel nicht traut? Und die an die Stelle der Gelehrsamkeit das naseweise Bescheidwissen des Pennälers setzt? „Heute wissen wir“, heißt es frohgemut in der „Orientierungshilfe“. Da erhebt sich die Frage: Was aber wird die EKD morgen wissen? Lohnt es sich, die Schrift ernst zu nehmen, wenn sie doch nur der Schaum dieser Tage sein kann, der aktuelle Irrtum? Morgen wird die EKD ganz andere Tollheiten für Wissen ausgeben.“

(Wer andere Publikationsorgane bevorzugt kann auch bei Spiegel online nachlesen, hier.)

Es ist wirklich ein Trauerspiel (wenn auch gewiß kein „bürgerliches“…) aber man kann auch nicht umhin, die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. Fest steht immerhin, daß ökumenische Gespräche zu diesem Themenfeld schlicht keine  Basis mehr haben, solange derartige Positionen, höchst offiziell!, vertreten werden, wie dies die mutigeren der deutschen Bischöfe (z.B. R. Voderholzer aus Regensburg, hier) ja auch schon deutlich zum Ausdruck gebracht haben.

Aus diesem Anlaß erlaube ich mir zwei Bemerkungen:

Vor einiger Zeit habe ich anläßlich eines Zeitungsartikels zu „Reformation und Vatikanum II“ u.a. geschrieben:

„Wenn man die Zwänge der je neuesten externen Entwicklung auf dem Markt der Meinungen und Ideen, die sich ja stets auf die „Aufklärung“ zu berufen pflegen, bejaht, sogar feiert!, dann liegt man in Wahrheit in geistigen Fesseln, umso verstörender, weil man sie ja von Fall zu Fall noch gar nicht kennt. „Kirche der Freiheit“??

Dessenungeachtet geben sich die gleichen Menschen, die in Wahrheit die Fesseln des je neuesten Zeitgeistes tragen (keineswegs nur, aber durchaus typisch für Vertreter der EKD), gerne als die „Sieger der Geistesgeschichte“ und treten anderen gegenüber auch so auf, wie wir oben gesehen haben. Das ist ziemlich lächerlich und ziemlich schwer erträglich zugleich.“ (hier zu finden)

Da hat ja damals wahrscheinlich wieder so mancher gedacht: „Hört er wieder die Flöhe husten auf seinem ulkigen Provinzblog aus dem Osten!“ 😉
Ich wünschte mir nur, man würde nicht so schnell, so deutlich bestätigt werden, aber vor allem wünschte ich mir, daß katholische Verantwortliche, auf allen Ebenen!, aus diesem Erleben heraus vor allfälligen neuen „ökumenischen Blütenträumen“ ein bißchen vorsichtiger würden, mit wes Geistes Kind man es auf der anderen Seite denn wirklich zu tun hat und was man verantwortungsvoller Weise wirklich noch gemeinsam tun kann!

Noch wichtiger aber ist mir etwas anderes: Ich kenne aufrechte Protestanten (Lutheraner), die angesichts dieses neuerlichen Tiefpunkts in den Hervorbringungen ihrer organisierten Vertretung leiden wie die Hunde!
Bei allem berechtigten, ja notwendigen Kopfschütteln:
Gerade jetzt ist nicht Überhebung und Häme, sondern Gebet für diese Brüder und Schwestern am Platze!


PS: Wer sich das Papier partout ansehen (und nicht etwa für 5.90 € kaufen!) will: Es steht hier zum Download zur Verfügung.

Biographien der Befreiungstheologie, Nachtrag zum Erfurter Eschatologie-Symposium

Die Frage nach Bewertung und  Aktualität der Theologie der Befreiung im Kontext eschatologischer Überlegungen im allgemeinen und dem Werk Joseph Ratzingers sowie seinem kirchenpolitischen Wirken im besonderen hatte auf dem Erfurter Eschatologie-Symposium am vergangenen 1. Juni eine (für mich überraschend) große Rolle gespielt.

In diesem Zusammenhang ist es vielleicht von Interesse, kurz an die unterschiedlichen Lebensläufe der Brüder Leonardo (*1938) und Clodovis Boff, OSM (*1944) zu erinnern.
Beide waren und sind!, in je verschiedener Weise, prominente Vertreter der Theologie der Befreiung, beiden wurde (de facto) die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen – und beide erhielten sie zunächst zurück.
Jedoch: Während Leonardo Boff mittlerweile aus dem Franziskanerorden ausgetreten ist, geheiratet hat und de facto sozialistischer Politiker geworden ist, hat sein Bruder einen ganz anderen Weg genommen: Er brach im Jahr 2007 vollständig mit der anfangs auch von ihm vertretenen Richtung der Theologie der Befreiung, ist nach wie vor Mitglied des Servitenordens und lehrt weiterhin im kirchlichen Auftrag.

Clodovis Boff, OSM (Bild: Servitenorden)

In unserem Zusammenhang ist besonders interessant, was er vor kurzem in einem Interview gesagt hat:

«Ojalá hubiéramos hecho caso a Ratzinger»

Ach so, Sie können kein Spanisch?

Psssst, ich auch nicht! 😉 , aber Google Translate hilft manchmal eben doch:

“Ich wünschte, wir hätten Ratzinger zugehört

Das ist das Ergebnis, zu dem ein wirklich Beteiligter, ein Betroffener gelangt, der, es sei nochmals gesagt, den Grundelementen seines intellektuellen und spirituellen Weges gerade nicht untreu geworden ist, nicht hat untreu werden müssen.

Ja, es lohnt sich, Joseph Ratzinger zuzuhören, seinen Argumenten; ob wir wohl irgendwann einmal ähnliche öffentliche Eingeständnisse aus dem deutschen Sprachraum erleben werden?

Damit wollte ich eigentlich schon schließen, doch es gäbe noch vieles Interessante zu den Lebensläufen der Brüder zu sagen und zwei Bemerkungen würde ich gerne noch anfügen, die hoffentlich geeignet sind, bei der nächsten Erwähnung des Namens Leonardo Boff die gebotene Nüchternheit zu wahren.

Zunächst wird ja immer noch und immer wieder in den MSM (Mainstream-Medien) der ältere der Boff-Brüder als der vom ‚bösen Panzerkardinal Ratzinger‘ verfolgte und drangsalierte Vorkämpfer der Unterprivilegierten dargestellt, dem sich die herzlose Kirche in den Weg gestellt hat, die damit ihrem Auftrag untreu wurde, sich auf die Seite der Armen zu stellen.
Die Wahrheit ist, L. Boff hat sich von sich aus an die Glaubenskongregation mit der Bitte um Prüfung gewandt, die Gründe für das vorübergehende Schweigegebot (das obendrein vorfristig aufgehoben wurde) waren streng theologischer (insbesondere ekklesiologischer) Natur und hatten mit der „Option für die Armen“ in ihrem berechtigten Anliegen gar nichts zu tun (vgl. bloß den offenbar völlig positiv voreingenommenen Wikipedia-Eintrag, der insofern ausgesprochen „unverdächtig“ ist, hier). Wir haben es hier erneut mit einem typischen Fall einer „Schwarzen Legende“ zu tun und man kann nur wieder einmal zu dem Schluß kommen: „Glaub der Zeitung, dem Rundfunk oder gar dem Fernsehen nichts, einfach gar nichts, was Du über Kirche hörst, bevor Du es nicht selbst geprüft hast!“

Und zwar auch dann nicht, und damit kommen wir zum zweiten Punkt, wenn es im Gewand einer positiv gemeinten Meldung einherkommt. Erinnern Sie sich, wie L. Boff landauf, landab zitiert wurde mit seinen Einschätzungen über Papst Franziskus aus dem „Spiegel-Interview“ vom 18. Februar (hier)? Nun, inzwischen haben wir von diesem Hl. Vater viel Schönes gehört, was zu diesen ganz und gar veräußerlichten (um nicht zu sagen primitiv vergröberten) Vorstellungen einer Orientierung an den Armen  glücklicherweise nun überhaupt nicht paßt. Außerdem hat sich Leonardo Boff als „Prophet“ ohnehin bereits gründlich diskreditiert, spätestens, so sollte man meinen, als er 2003 mit dem umstrittenen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva „die Befreiungstheologie an die Macht“ gekommen sah.
Richtig ist, daß da Silva die in der Tat zunächst in seinem Umfeld tätigen Befreiungstheologen bald wegliefen. Mehrere Umweltkatastrophen und Korruptionsskandale später sehen Brasilienkenner in dieser von L. Boff hergestellten Verbindung von konkreter Politik und religiös aufgeladener Erwartung eine der größten Blamagen der Befreiungstheologie überhaupt, die dem Anliegen massiv geschadet habe.

Leonardo Boff hat offenbar wirklich „Ratzinger niemals zugehört“ – zum Nutzen für die Armen war das gewiß nicht.

PS: Sorry, dieser Beitrag hat sich über mehrere Tage geschrieben und nun muß ich noch was loswerden: Wie sehr einem nämlich selbst bei so kurzer Beschäftigung mit einem Thema die damit verbundenen Menschen naherücken und sich Gefühle von Sympathie oder Antipathie einstellen.

Leonardo Boff kam bei mir leider immer schlechter weg und zwar aus stilistischen Gründen:
Wenn ein Priester seiner Berufung nicht mehr folgen kann, seinen Stand verläßt und heiratet, das ist immer traurig, aber, leider, nicht völlig ungewohnt. Doch was soll man davon halten, wenn das nach jahrelanger „Affäre“ mit der Frau eines Freundes geschieht?
Und was soll man über solch melodramatische Äußerungen in Richtung seines Bruders denken wie: „Seine Absicht ist für mich das Äquivalent dazu, als wolle er sagen: ‚Mein Bruder, ich gebe Dir einen Stich ins Herz, aber entspann Dich, es ist zu Deinem eigenen Besten.‘“
Und wie soll man schließlich den Vorwurf finden, Clodovis Boff habe sich „mit Leib und Seele“ dem Ansatz der Bischofskonferenz von Aparecida, 2007 (vgl. hier, hier und hier) verschrieben und zwar voller „naivem Optimismus und jugendlichem Enthusiasmus“? (Quelle der Zitate hier)

Das fand ich zunächst richtig übel, bis mir klar wurde: Man muß vielmehr Mitleid haben mit Leonardo Boff!
Für ihn gilt offenbar derVers:
‚Inveteravi inter omnes inimicos meos‘ (Ps. 6, 8 Vg): ‚Ich bin gealtert inmitten meiner Feinde‘
, während auf seinen Bruder das wunderbare Wort zutrifft:
‚Qui replet in bonis desiderium tuum * renovabitur ut aquilae iuventus tua‘ (Ps. 102, 5 Vg)‚ Der dein Sehnen mit Gutem erfüllt, deine Jugend wie die des Adlers erneuert‘

Wer seinem Bruder dieses Erleben öffentlich mißgönnt und sich darüber lustig macht, kann Gebet gebrauchen, nicht Antipathie…

PPS: Noch ein Nachtrag… Am 21. Juni 2013 meldet der Blog ‚Vaticaninsider‘ der italienischen Tageszeitung La Stampa, daß das in Deutschland schon 2004 erschienene Buch „An der Seite der Armen“ (Gustavo Gutiérrez, Gerhard Ludwig Müller, An der Seite der Armen: Theologie der Befreiung, Augsburg (St. Ulrich) 2004) nun auch auf italienisch erschienen ist (hier). Da unterdessen ein Lateinamerikaner den Thron Petri bestiegen hat und Erzbischof Müller Präfekt der Glaubenskongregation ist, ein nicht ganz unbedeutendes Faktum!
Hm, ich fürchte, das Buch muß auf die Sommerlektüreliste; dürfte der bitte 8 Wochen dauern? 😉 (und nein, ich kann auch kein Italienisch, aber, s.o., die Übersetzungshilfen im Netz sind so schlecht nicht! Kleiner Tip: lassen Sie ins Englische übersetzen, das funktioniert häufig besser)

Das Ungleichgewicht, oder: Schwerkraft paradox

Es war einmal, in einer ganz normalen Gemeinde, irgendwo in Deutschland…

Das Ungleichgewicht

Eine Parabel für einen Engel, acht Personen und beliebig viele Statisten

 

(Ein fast dunkler Ort. Offenbar ist man irgendwo sehr tief unten. Eine riesige Waage füllt den Raum. In der einen Waagschale schweben in schwindelnder Höhe ein Pfarrer, ein Kirchenvorstandsmitglied und einige Ehrenamtler einer Kirchengemeinde, die andere Waagschale wird von einer großen neuen Kirchenorgel ausgefüllt und ganz nach unten gezogen. Eine große Traube ganz verschiedener Menschen versucht, die Waagschale mit der Orgel nach oben zu stemmen.

In sicherer Entfernung sitzen ein emeritierter Bischof, daneben ein Weihbischof, ein Dechant und die Seelsorgeamtsleitung und betrachten die Szene.)

Pfarrer (ratlos): Seit wir diese neue Orgel haben, kommt unsere Gemeinde irgendwie immer mehr aus dem Gleichgewicht. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich hätte keinen rechten Boden mehr unter den Füßen.

Kirchenvorstandsmitglied: Laß uns noch ein paar Ehrenamtler rausschmeißen, die sollen drüben mit schieben. (Mit vereinten Kräften werfen sie zwei Personen über die Kante der Waagschale, eine hält ein Lektionar, die andere Notenpapier unter dem Arm. Mit einem Hilferuf fallen sie in die Tiefe. Instinktiv springt der Dechant auf und möchte sie auffangen, wird aber zurückgehalten und setzt sich wieder hin. Einige Personen aus der oberen Waagschale springen daraufhin aus Protest ebenfalls ab. Sie alle versuchen von nun an zusammen mit der Menschentraube, die Waagschale mit der Orgel nach oben zu drücken – ohne Erfolg.)

Kirchenvorstandsmitglied (hinüber zu der Menschentraube): Na los! Strengt euch mal ein bißchen an! (Sie wartet einen Moment. Unzufrieden): So wird das nichts! Es ist aber auch zu ärgerlich! Wenn man nicht alles selber macht!

Pfarrer: Ob wir beten sollten? (Wie durch ein Wunder hebt die Waagschale mit der Orgel sich ein wenig an.)

Kirchenvorstandsmitglied (das nichts bemerkt hat): Hm?

Pfarrer: Na, da gab es doch mal dieses Kirchenlied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“

Kirchenvorstandsmitglied: Na ja, schaden kann‘s nicht! Öfter mal was neues!

Beide (singen): „Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.“

(Ein Engel kommt herabgeschwebt und setzt sich auf die Waagschale zu der Orgel. Sofort schwingt die Waage ins Gleichgewicht.)

Kirchenvorstandsmitglied (zu dem Engel): Na bitte! Geht doch! Schön sitzen bleiben!

Pfarrer (versetzt ihr einen Rippenstoß): Lieber Engel! Unsere Gemeinde ist im Ungleichgewicht. Was sollen wir tun. Seit die Orgel da ist – was fehlt denn da auf unserer Seite?

Der Engel (mit behauchter Stimme): Euer Dank!

(Kirchenvorstandsmitglied und Pfarrer blicken sich unschlüssig an.)

Kirchenvorstandsmitglied (ärgerlich): Was hat er gesagt?

Pfarrer (unsicher): Ich hab‘s auch nicht genau verstanden.

Kirchenvorstandsmitglied: Irgendwas mit –ank. „Krank“ vielleicht?

Pfarrer: Aber das ist doch keine Antwort auf meine Frage, was hier fehlt!

Kirchenvorstandsmitglied (begeistert): Ich hab’s! Schrank! Neuer Schrank!

Pfarrer: Meinst du wirklich?

Kirchenvorstandsmitglied: Na klar! Die dicke Orgel – das Gegengewicht ist ein neuer Schrank. Logisch! Komm, wir statten das hintere Büro neu aus. Gefiel mir sowieso schon nicht mehr, der olle Tisch und dieser Schlüsselschrank! Puh!

Pfarrer: Ja aber – ich weiß nicht …

Kirchenvorstandsmitglied: Natürlich! Die Gemeinde hat jetzt die Orgel bekommen, da müssen wir hier in der Gemeindeleitung zum Ausgleich auch etwas bekommen! Deswegen statten wir das hintere Büro neu aus.

Pfarrer (zögernd): Ich weiß nicht, ob der Engel nicht was gesagt hat wie „euer Dank“ …?

Kirchenvorstandsmitglied (prustet los): „Euer Dank“! So ein Blödsinn! Dank ist doch nichts! Wie soll Dank so eine schwere Orgel aufwiegen. Neinneinnein, es kann nur etwas Materielles gemeint gewesen sein. Außerdem: Wem hier in dieser Gemeinde für irgendwas gedankt wird und wem nicht, entscheide immer noch ich alleine!
(Der Engel erhebt sich, und sofort reißt es die Waagschale mit der Orgel wieder ganz nach unten. Kirchenvorstandsmitglied und Pfarrer können sich nur mit knapper Not an der Kante der Waagschale festhalten, um nicht hinausgeschleudert zu werden.
Neues, massives Büromobiliar schwebt zu Pfarrer und Kirchenvorstandsmitglied in die Waagschale, die sich daraufhin jedoch nur noch weiter hebt.)

Kirchenvorstandsmitglied: So ein Mist!

Pfarrer (mit einem ängstlichen Seitenblick auf das Kirchenvorstandsmitglied): Engel! Lieber Engel! Komm noch einmal wieder!

(Der Engel schwebt auf die Orgel-Waagschale. Die Waage kommt wieder ins Gleichgewicht.)

Pfarrer (zerknirscht): Lieber Engel! Wir machen alles falsch! Sag bitte nochmal, was du meintest!

Der Engel:

Daß, der euch einst die neue Orgel brachte,
des Instrumentenreiches Königin,
nicht EBEN DARUM in Verbannung schmachte,
das leite fürder einzig euren Sinn.

Klang hilft dem Wort, bei euch zu zelten.
Er gab drum Lieb und Lebens Teil.
Bemüht euch nicht, es zu vergelten:
Nur Gott vergilt, was hier nicht feil.

Doch wollt des Dankes Schuld ihr nicht entrichten
in Anerkennung, Achtung, freier Hand,
Vertrauen als des Erstvertrauens Pfand:
Dann rächt dies der, der alles richtet,
der Reuigen vergibt, doch Schuld verdichtet
für die, die and’rer Werk vernichtet,
dann rächt dies Gott durch eure Schmach und Schand!
Kehrt um! Nicht endet Eure Stunden
Gewogen und zu leicht befunden!

 

(Der Engel erhebt sich wieder und die Waagschale mit Pfarrer und Kirchenvorstandsmitglied schießt erneut nach oben.)

Pfarrer (verblüfft und ratlos): Und jetzt?

Kirchenvorstandsmitglied (stöhnt): Sind wir so schlau wie vorher! Ach! Es k…t mich an, wenn einer sich so gewählt ausdrückt!

Die Seelsorgeamtsleitung (hat dem Geschehen mit wachsender Unruhe zugesehen und beugt sich zu Altbischof und Weihbischof hinüber und flüstert): Warum darf der Professor eigentlich nicht orgeln?

Der Weihbischof: Weil er die Orgel schon konzipiert und das Geld zur Finanzierung beschafft hat.

Die Seelsorgeamtsleitung: Ach so! Richtig! Deshalb ist das Instrument ja auch nicht Eigentum der Pfarrei!

Der Weihbischof: Pssst! Das soll doch in Vergessenheit geraten!

Die Seelsorgeamtsleitung: Also gut, davon mal abgesehen … er ist … Professor für Orgelimprovisation!

Der Weihbischof: Genau! Und das Prinzip des Ehrenamts in der Kirche dort beruht auf Improvisation, also darauf, daß jemand von einer Sache nichts versteht und eben „improvisiert“.  Ein Profi in Improvisation widerspricht diesem Prinzip!

Die Seelsorgeamtsleitung (verstört): Aber … er könnte doch sicherlich sehr viel einbringen … durch seine Kunst … wäre das nicht ein starker Impuls für die Verkündigung, für die Pastoral?

Der emeritierte Bischof: Ich warne vor einer Pastoral, die nur die Starken sammeln will.

(Die Seelsorgeamtsleitung holt noch einmal Luft, sagt aber vorläufig nichts mehr)

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Es war einmal? Oder ist es am Ende noch und ist die Gemeinde wirklich „ganz normal“? Und wie lange kann sowas gehen? Ach, was weiß denn ich… 🙁

Der Eucharistische Kongreß und die Presse – Update

Gestern habe ich geschrieben, daß die gewundenen Reaktionen der Mainstream-Medien eine untrügliches Anzeichen für den Erfolg des EuKo (eigentlich keine schöne Abkürzung) seien. Dazu gibt es heute auf Kath.Net den langen, hervorragenden Beitrag von Dr. A. Püttmann unter dem Titel „Ein geistlicher und kirchenpolitischer Meilenstein“, der, viel besser belegt, zu dem gleichen Ergebnis kommt, und den zu lesen oder jedenfalls zu überfliegen sich lohnt, hier!

Daß der Kölner Stadt-Anzeiger bei der Berichterstattung erneut ganz schlecht wegkommt, darf einen leider nicht wundern…

Mir kam dabei ein eigener ganz früher Beitrag auf PuLa weder in den Sinn, 25. Mai 2011!, wo das anhand der causa David Berger auch schon zu merken war. Ob den nochmal irgendwann jemand gelesen hat?  Die Zitate, vor allem aus dem Mund von Geistlichen, lassen auch heute noch schaudern! Kleiner Grusel gefällig? Hier entlang! 😉

„Euratistisches Gezwitscher“

Der Umgang mit, bzw. das Verhältnis zu den sog. „Sozialen Netzwerken“ ist ja eine Frage, die innerhalb der Blogoezese durchaus kontrovers diskutiert wird, so auch auf dem letzten Bloggertreffen.

Persönlich habe ich dazu natürlich eine Meinung (wozu hätte ein ordentlicher Blogger die nicht 😉 ) aber keine gefestigte (sehr beunruhigend… 🙂 ).

Im Augenblick kriege ich zu Facebook kein Verhältnis/finde es eher doof, aber:

Ich mag Twitter!

Zunächst mal ist es eine Herausforderung, sich auf 140 Zeichen zu beschränken (vor allem für Leute, deren Blogbeiträge gern mal die 2 – oder 3.000 Wörter-(!) grenze überschreiten…) und sich dabei adäquat flapsig, aber nicht unangemessen auszudrücken, macht schon mal Spaß.

Weiter kann man sich eine Art höchstpersönlichen Nachrichtenticker aus der katholischen Welt zusammenstellen (wer will kann sogar dem BDKJ folgen, wenn man gerade in masochistischer Stimmung ist, meine ich) incl. USA, Großbritannien, Frankreich… Das ist sehr nützlich, wenn man es nicht übertreibt mit der Anzahl der Accounts, denen man folgt und hinreichend diszipliniert ist, Dauerberieselung zu meiden.

Dann gibt es ja Leute, die zweifeln daran, ob Twitter eigentlich ein Soziales Netzwerk ist, bzw. als eines funktioniert, sprich, tatsächlich Menschen verbindet. Nun, nach meiner Erfahrung tut es das sehr wohl und zwar u.U. auf durchaus witzige Weise.

Letzten Sonntag hörte ich verstärkt MDR-Info, um die mitteldeutsche Hochwasserlage besser zu verfolgen. Da geschah es, daß der Journalist einen Kommentar zum Ende des Eucharistischen Kongresses in Köln anzumoderieren hatte und zunächst einmal bestimmt drei, oder viermal über das Wort „Eucharistisch“ stolperte, was alleine ja noch kein Grund gewesen wäre, irgendwas draus zu machen, aber was dann folgte war einfach zu schön. Der Eucharistische Kongreß sei ja „ein Glaubensfest mit ganz stark religiösem Aspekt“ gewesen. Wunderbar, einfach wunderbar, oder?

Als mein Tweet sah das dann so aus:

Epic MSM Fail? MDR-Info um 17.12 Uhr „Euratistischer“ (o.ä.) Kongreß „ein Glaubensfest mit ganz stark religiösem Aspekt“ #ekk13

Und wenig später erhielt ich dann die Nachricht, ich hätte einen „Neuen Follower“ mit dem vielversprechenden Namen: „Real Presence“ (@Eucharistia_ ). Dabei handelt es sich um eine Gruppe US-amerikanischer Katholiken aus der Diözese Richmond im Bundesstaat Virginia, die (das nächste Mal am 13. Oktober) eine Prozession mit anschließender Eucharistischer Anbetung „along the Boardwalk at Virginia Beach“ durchführen (s. unten).
Ich habe mich gefreut, davon zu hören und will am 13. Oktober an unsere Brüder und Schwestern dort denken.

Also, ich finde Twitter gut und wer möchte kann ja überlegen, ob er mir unter @GGLamers „folgen“ will, ich verspreche, es gibt kein „Dauerfeuer“ 😉

Übrigens: Der Eucharistische Kongreß muß einfach ein Erfolg gewesen sein. Man kann das völlig zweifelsfrei der gequälten Reaktion der Kommentatoren in den Mainstream-Medien entnehmen, z.B. in dem eben erwähnten Kommentar des MDR, die alle nicht umhin können, Positives anzuerkennen.  Sogar unser aller besonderer Freund Daniel Deckers kam in der FAZ (hier) neben den üblichen pseudo-untergründigen Sottisen zu folgendem bemerkenswerten Schluß:

„Nicht nur diese Ausstellungen und die Bilder eines verwandelten Domes werden die Tage des Eucharistischen Kongresses überdauern. Untrennbar verbunden sein mit diesem Ereignis wird auch die Erinnerung an einen unbeugsam-unbequemen Kardinal, der gegen alle Widerstände in Gestalt des viertägigen Glaubensfestes eine neue Farbe in den zunehmend mut- und farblosen Katholizismus bringen wollte – und gebracht hat.“

Oha!

Eucharistische Prozession an der Ostküste der USA (Bild: Eucharistia.us)

 

All are invited to walk with Christ along the Boardwalk at Virginia Beach on Sunday, 13 October 2013.

Take part in this event as we strive to conform our lives to our Eucharistic King, remember the 96th Anniversary of Our Lady of Fatima, the 30th Anniversary of Our Lady of Akita, pray for our country, our Bishop, Priests and Deacons and for more vocations to the Holy Priesthood.

This event will start promptly at 2:00pm at Star of the Sea Church (1404 Pacific Avenue, Virginia Beach)

For  more information, call (757) 543-0561.