In einer Anwandlung hatte ich mich mit einem wenn man so will „frechen“ Kommentar auf dem Blog einer Kollegin beteiligt. Da der Blog „Frech. Fromm. Frau“ (FFF) heißt, dachte ich, das muntert vielleicht ein bißchen auf.
Ja, und dann scheint es, als hätten noch mehr Blogoezesane versucht, sich an der Diskussion zu beteiligen, denn: Ameleo (die Bloginhaberin) hat, nach der berüchtigten Trollwiesenaffäre, wieder einmal dichtgemacht:
„UPDATE:
Wegen einiger beleidigender Kommentare sind die vorhandenen wegen Überarbeitung zur Zeit nicht angezeigt und neue nicht möglich. Ist das nicht Zensur? Yep, das ist es. Denn ich dulde keine Beleidigungen auf meinem Blog.“
Dessen wurde ich gewahr, als ich just zwei erneute Antworten fertig hatte, von denen ich überzeugt bin, daß sie nicht „beleidigend“ sind.
Und weil ich wie jeder Mensch mir nicht gern das Wort abschneiden lasse, gebe ich im folgenden dem Thread auf PuLa sozusagen Asyl (natürlich habe ich ein bißchen geordnet und anonymisiert, denn die Beiträger dort hatten ja nicht hier geschrieben, obwohl: ‚Netz ist Netz‘ und veröffentlicht ist veröffentlicht…), da kann jetzt jeder nachlesen, wie es sich mit der Diskussionskultur innerhalb und außerhalb der Blogoezese so verhält…
Außerdem rufe ich hiermit alle, die auf FFF nicht zum Zuge gekommen sind auf, ihre Kommentare hier zu posten. Wenn sie wirklich beleidigend sein sollten, behalte ich mir vor, darauf angemessen zu reagieren. Über Zweifelsfälle sollten wir diskutieren (statt blockieren).
Kommentare zu „Wird am Ende abgerechnet“ auf FFF, Stand 27ter Juni 13:
Liebe Ameleo,
die Texte sprechen für sich.
Sonnige Grüße
Elisabeth
Gereon Lamers 25. Juni 2013 17:32
Sagen Sie mal, Frau Kollegin, so diesseits aller Sachfragen, sind Ihnen diese völlig inhaltsleeren Jubel-Kommentare, die, scheint’s, so sicher kommen, wie abends die Sonne untergeht, nicht selber peinlich? Wenn Sie die Leute kennen, dann bitten Sie sie doch um Ihrer Reputation willen, diesen Nonsens zu unterlassen!
Über die schwer erträgliche Verharmlosung des Gerichts in den von Ihnen zitierten Texten schweigt des Sängers Höflichkeit, sonst verbannen Sie mich am Ende noch auf die „Trollwiese“…
Maria 25. Juni 2013 23:38
@Gereon Lamers,
„schwer erträgliche Verharmlosung des Gerichts“??
Und woher wissen Sie, wie das Gericht aussieht und wie stellen Sie sich vor, dass man es mit der Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen vereinbaren kann? Bitte kommen Sie jetzt nicht mit dem freien Willen, der Entscheidung gegen Gott und so weiter. Ich kenne das alles. Aber ich glaube dass Gott auch weiß, in welch geringem Maß viele Menschen ihren „freien Willen“ wirklich nutzen können, weil sie so befangen in ihrer eigenen Situation, ihren Veranlagungen, Möglichkeiten, Begrenzungen sind.
Und wofür ist Jesus dann gestorben, wenn es dann doch ein Gericht gibt und manche ewig verdammt werden? Möchten Sie im Himmel sein, wenn Sie wissen, dass andere (selbst wenn es die schlimmsten Menschen waren) in der Hölle sind? Wir sollen unsere Feinde lieben, wird Gott das nicht tun?
Vielleicht haben Sie ja recht, vielleicht verharmlosen die Texte hier ja wirklich das Gericht. Jesus spricht ja auch oft genug von der Hölle. Aber kommen Sie damit so einfach zurecht?
Gereon Lamers 26. Juni 2013 16:42
@Maria:
Habe ich behautet, daß ich das wüßte? Keineswegs! Aber wie ein „Kaffekränzchen“ jedenfalls sicher nicht, sondern wie ein letzter, existentieller „Einbruch“ des Bewußtseins über eigenes Ungenügen und eigene Schuld. Nicht gemütlich… Im Ernst: Ich bin, bei allem Nicht-Wissen überzeugt, daß wir aufhören müssen, die arme Mahl-Metapher weiter zu Tode zu reiten, wie das die Blog-Betreiberin gerade wieder getan hat.
Ihre Beobachtung, man könne, nein müsse sich doch sehr fragen, ob denn die menschliche Freiheit, wie wir sie kennen für die Konsequenzen, die sie haben kann, auch „ausreicht“, ist höchst berechtigt! Sie finden sie auch bei einem gewissen J. Ratzinger (in seiner „Eschatologie“, die ich gerade nicht zur Hand habe, aber ich kann die Seitenzahl gerne nachliefern! EDIT, 27ter Juni, Zitat: „Müßte nicht für ein ewig geltendes Urteil eine andere Freiheit verlangt werden? Man wird zugeben müssen, daß die traditionelle Auffassung hier viel zu punktuell gedacht hat.“, S. 167 in der Ausgabe von 1990/2006).
Und weiter: Nein, ich komme mit dem Gedanken keineswegs „einfach zurecht“, das wäre wirklich übel! Aber Sie haben ja selbst auf das völlig eindeutige biblische Zeugnis verwiesen. Alles wofür ich plädiere ist: Hört auf, aus dem Glauben einen Kindergarten zu machen! Das, worum es geht ist nicht gemütlich, übrigens nach meiner Erfahrung (!) kommt man nicht mal bei Kindern mit der Verharmlosung weiter.
Anders ausgedrückt: Wir wissen, daß wir hinsichtlich der „letzten Dinge“ nicht wirklich weit kommen, aber wenn wir (das Wenige) fröhlich ignorieren oder umdeuten, was Offenbarung und Vernunft uns erlauben zu erkennen, dann kommen wir nicht einmal das kleine Stück weit, daß wir uns als Glaubende UND Vernunftwesen schuldig sind.
Erlauben Sie mir zum Abschluß noch einen Appell, nein eine Bitte? Lesen sie Ratzingers Eschatologie! Es ist kein einfaches Buch, aber wenn Sie es unvoreingenommen lesen, werden Sie sehen, es geht nicht um „Tradition per se“, um „Dogmen als solche“; es geht um Argumente!
Ameleo 26. Juni 2013 19:06
@Gereon Lamers
Auch wenn sich der Kommentar an Maria richtet, möchte ich darauf reagieren.
Wenn ich mir die biblischen Texte durch alle Bücher anschaue, dann stehen dort aufrichtende, ermutigende Botschaften neben ermahnenden. Nicht jedes Wort, von den Propheten über Jesus bis zur Offenbarung, galt gleichzeitig für alle. Sie wurden in konkrete Situationen zu konkreten Menschen gesprochen und wir heute erachten sie als andauernd gültig. Aber auch heute kann nicht jedes Wort jeder bzw. jedem gleich gelten. Die einen brauchen Ermutigung, die anderen eben Ermahnung.
Ich gehe davon aus, dass mit der Hilfe der göttlichen Geistkraft jeder und jede eine Ahnung davon bekommen kann, was ihm oder ihr gilt. Und bin ich davon überzeugt, dass weder Sie noch ich letzten Endes enttäuscht werden werden.
Gereon Lamers 27. Juni 2013 ca. 18.15 Uhr
Schade, offengestanden wäre ich auf „Marias“ Reaktion gespannter gewesen, aber sei’s drum.
Seufz! Was Sie da schreiben, Frau Kollegin, empfinde ich als eine durchaus charakteristische Mischung richtiger Element mit einer typischen Tendenz, die die Sache ins Verkehrte dreht.
Natürlich eignet sich nicht jeder Text für jeden zu jeder Zeit. In einer gegebenen seelsorglichen Situation braucht er oder sie ein Stückchen ‚Wahrheit für sich‘. Das ändert allerdings kein Jota daran, daß die Gesamtheit der Offenbarung allen Menschen gilt und zwar allen gleich. Das ist die ‚Wahrheit an sich‘.
Können Sie verantworten, sie einem Menschen (auf Dauer) vorzuenthalten? Das geschieht, allgemein gesagt, nur allzuoft. Dumm nur, daß es ohne ‚Wahrheit an sich‘ bald auch keine ‚Wahrheit für mich/Sie/uns alle‘ gäbe. Wir müssen unter allen Umständen weg von einer „Patchwork-Lehre“, die ja übrigens auch keinen Hund (mehr) hinter dem Ofenhervorlockt, sondern nur mehr müdes Abwinken erzeugt.
Ameleo 25. Juni 2013 17:55
Auf Blogs jenseits der sogenannten Blogoezese ist es durchaus üblich, sich gegenseitig ein gutes Wort zu zusprechen. Ich finde das einen sehr angenehmen und freundlichen Umgang miteinander, den ich sehr schätze.
Um auf Ihre Frage zu antworten: Nein, sie sind mir nicht peinlich, sondern ich freue mich über diese kleinen Zeichen der Zuwendung und des schriftlichen „Hallo, ich war auf deiner Seite!“ Deshalb werde ich diejenigen, die so kommentieren, niemals daran hindern und hoffe, dass sie auch durch einen solchen Kommentar, wie dem von Ihnen, davon nicht abgeschreckt werden!
Gereon Lamers 26. Juni 2013 17:04
„Jenseits der sogenannten Blogoezese“? Das ist interessant, denn es gibt nach wie vor Menschen, die rechnen Sie dazu, zu dieser „sogenannten Blogoeszese“ (Norbert K., hörst Du zu?!). Ich stelle fest, Sie wollen offenbar auch gar nicht (mehr). Das fände ich, ganz neutral gesprochen!, gut, denn das könnte zur besseren Orientierung beitragen und selbstverständlich kann es Blogs, die sich mit Katholischem beschäftigen (um die schwierige Frage , was ein „katholischer Blog“ sei mal zu umschiffen…) auch außerhalb der Blogoezese geben, the more the merrier!
Und was die stilistische Frage angeht: Sie wissen natürlich ganz gut, daß es solche harmlosen „Gut so!“ oder „Dankeschön“ -Kommentare auch auf traditionell orientierten Blogs gibt (sogar auf meinem ‚Kampf-Blog‘ aus der Diaspora…) Aber wenn mich nicht alles täuscht doch nicht ganz so blümchenhaft und in der Frequenz! Schauen Sie, kaum habe ich mal wenige Worte (!) wider den Stachel gelöckt, schon geht eine inhaltliche Diskussion los (Beitrag von „Maria“). Und zwar ohne Schaum vor dem Mund…
Aber ist schon gut, stilistische Fragen sind sehr persönlich und auf seinem Blog ist jeder der Chef (bzw. die Chefin…), glücklicherweise! Oder frei nach Voltaire: Madame, ich finde die Blümchen bei ihnen ganz schrecklich, aber ich werde mich immer dafür einsetzen, daß sie weiterhin gestreut werden können.
Ameleo 26. Juni 2013 19:31
Was mein Verweis auf Blogs jenseits der sogenannten Blogoezese („sogenannt“, weil nicht eindeutig definiert oder definierbar) mit meiner Zugehörigkeit zu oder Identifikation mit ihr aussagt, erschließt sich mir nicht.
Allerdings beobachte ich mit Besorgnis, dass die Blogoezese kein Abbild der katholischen Kirche in Deutschland ist, sondern in breiten Teilen eher Ansichten vom konservativen, traditionellen bis traditionalistischen Rand überwiegen, gepaart mit einem Umgangston, der wegen seiner offensichtlichen oder subtilen Aggressivität häufig sehr zu wünschen lässt. Eine Meinungsvielfalt und katholische Weite scheint von manchen – vielleicht auch von Ihnen? – nicht erwünscht zu sein. Auch das biblische „seht, wie sie einander lieben“ erlebe ich anderswo ausgeprägter als in der Blogoezese. Ich bedauere das – anderen scheint es zu gefallen. So verschieden sind wir!
Gereon Lamers 27. Juni 2013 ca. 18.15 Uhr
Aber das ist doch ganz einfach: Sie rechnen FFF doch ganz offenbar zu einem der „Blogs jenseits der sog. Blogoezese“ ergo außerhalb von ihr. Das scheint mir eine eindeutige Form der Distanzierung. Im übrigen kann m.E. durchaus auch etwas, was nicht (völlig) „eindeutig definiert oder definierbar“ ist als brauchbare Bezeichnung dienen.
So, Sie „beobachten mit Besorgnis, dass die Blogoezese kein Abbild der katholischen Kirche in Deutschland ist“? Passen Sie nur auf, sonst enden Sie nochmal in der Pressestelle eines Ordinariats…
Um Himmels willen, nein, das ist die Blogoezese wirklich nicht, ein Abbild der Kirche in Deutschland, deren Erscheinungsbild ja weithin von Angsthasen und Dilettanten in der überflüssigen Dauer-Defensive geprägt ist, haupt- wie ehrenamtlichen.
Und das will sie auch nicht sein, sie möchte in der Tat anders sein.
Den Umgangston bedauere ich auch gelegentlich, aber ich teile nicht Ihre Ansicht, er sei ein notwendiger Ausfluß der vorhandenen Aggressivität. Zu letzterer, um noch einen draufzusetzen bekenne ich mich übrigens freimütig. Nach Jahrzehnten des Leidens an spezifischen Erscheinungsformen der Kirche geht es ohne sie einfach nicht ab. Sie ist ein Teil der menschlichen Wirklichkeit, der (wie so viele andere) nicht einfach verschwindet, bloß weil man es so möchte.