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Weimarer Weihnacht 2013/14, oder: Die Birke kann nichts dafür!

Ach ja, die diesjährige (Kirchenjahr!) Bilanz dessen, was sich in Herz-Jesu Weimar so getan hat, zu Weihnachten und zum Jahreswechsel, die hat mit ihrem heutigen Erscheinen länger als in den vergangenen Jahren (hier und hier) auf sich warten lassen; warum es wieder einmal (vorwiegend) keinen Spaß gemacht hat, das wird sich im folgenden noch erschließen.

Bringen wir es also hinter uns, bevor Mariä Lichtmeß herankommt!

Herz-Jesu-Weimar, Ansicht von Nordwesten (eigenes Bild)

Ein eher humoristisches Moment der festlichen Tage ereignete sich, kurz nachdem die Kirche mit Weihnachtsbäumen geschmückt worden war. Da sagte doch der Zelebrant, die Aufstellung des kleinen Bäumchens im Altarraum sei „liturgisch nicht korrekt“.
Sapperlot, und das aus dem Munde desjenigen, der regelmäßig in der Liturgie „Kleinigkeiten“ verändert, die man nicht verändern darf! Aber wer meint, daraufhin habe sich etwas geändert, der würde ja auch glauben, bei uns befänden vorwiegend Geistliche, wie der Altarraum auszusehen hat, was man ungefähr dem Glauben an den Weihnachtsmann gleichsetzen müßte… 😉

Ernster war da leider schon, als aus gleichem Munde die Hl. Drei Könige dem Jesuskind „etwas zu Naschen – ach nee, zu Naschen nicht!“, vor allem aber nicht mehr „Huldigung“, sondern „Respekt“ entgegengebracht haben sollten.
Oweia! „Respekt“! Wie sagte Alexander Kissler vor kurzem: „Ein schönes Wort ist es einmal gewesen, das Wort Respekt, ehe es zum Megaphon für Halbstarke verkam.“ (hier). Da haben wir es wieder, das scheinbar unausrottbare Mißverständnis, Kindern oder Jugendlichen müsse man mit solchen kleinen Anbiederungen „entgegenkommen“. Sowas können eigentlich nur Leute denken, die mit realen Kindern und Jugendlichen (im Gegensatz zu den Kunstprodukten, die sich seit Rousseau sog. ‚moderne Pädagogen‘ ausdenken), wenig Erfahrung haben. Schade, denn natürlich ist das genaue Gegenteil richtig: gerade, wenn man es um echten Respekt geht, hilft Anbiederung zuverlässig nicht.

Die absolute Stilblüte „Sternsingerinnen und Sternsinger“ in den Fürbitten dieses Gottesdienstes paßte da leider nur zu gut; man lasse sich das Wort auf der Zunge zergehen: „Singerinnen“!!

Aber richtig hübsch war der Satz (sinngemäß zitiert): „Einen Königsthron in Weimar? Nee, hier gibt es schon einen Thron, aber da sitzt nur ‚nen Herzog drauf“ Und warum manche Anwesenden ein „n“ an strategischer Stelle irgendwie nicht gehört zu haben scheinen, wer weiß, wer weiß, woran das gelegen haben mag 🙂

Das diesjährige Krippenspiel versuchte insgesamt gelungen eine Verbindung von modernen Elementen (Rahmenhandlung: „Nachrichtensendung“) mit ordentlichen Texten und Liedern, schönem Gitarrenspiel und ausgesprochen gut gewählten Fürbitten. Vor allem: Es agierten Kinder für Kinder, wie das sein soll! Daß die Choreinlagen teilweise ein wenig sehr „wackelig“ gerieten, war in dem gelungenen Gesamtkontext ein bißchen schade, aber wenn sich willfährige Gremien schon 2012 zu Handlangern der Entfernung kindermusikalischer Kompetenz in der Pfarrei machen lassen (vgl. hier), dann hilft das halt nicht gerade…

Die diesjährige „Weihnachtsvesper“ war eine nahezu exakte Wiederholung derjenigen des vergangenen Jahres; wieder hat die nämliche Laiin gepredigt, was natürlich die vor 12 Monaten geäußerte Vermutung, es könne sich, entgegen des expliziten römischen Nein zu genau dieser Absicht, um den Versuch der „Förderung“ exakt dieser Laiin handeln, sehr deutlich unterstreicht. Es ist so schade, daß gerade dieser eigentlich wunderbare Gottesdienst in solch anstößiger Weise instrumentalisiert wird, so schade! (Alle Einzelheiten und Nachweise hier, bei der Betrachtung des vergangenen Jahres).

Und ebenfalls wie im vergangenen Jahr war es die Jahresschlußandacht, die die interessantesten Aufschlüsse erlaubte. Wiederum handelte es sich um die nun ja (leider) schon gewohnte „Diaschau“, im Wechsel kommentiert vom Rektor der Pfarrkirche und der stv. Vorsitzenden des Kirchenvorstands. Ich werde mich von meiner Meinung, daß das zu einer Andacht mit Aussetzung des Allerheiligsten paßt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, nicht abbringen lassen, allerdings – anderes, was wir dann erleben mußten, paßte dazu wohl noch weniger…

Jedenfalls gab es erneut interessante Statistik zu hören, nur – was soll das in diesem Rahmen, wo es notwendig an einem vorbeirauscht? Aber das paßt zu der vorherrschende Haltung, die sich in einem Wort zusammen fassen läßt: „Herrschaftswissen“! und das muß „natürlich“ gewahrt werden. Wie wäre es denn mit der Veröffentlichung auf der Homepage? Das stünde der ganz gut zu Gesicht, denn dort stammt die letzte aktuelle „Nachricht“ momentan (Stand 31. Januar 2014) zwar erst vom 10. Januar 2014, die vorvergangene aber vom 21.12.2012…!
Nicht nur PuLa fragt sich längst: Warum geben wir als Pfarrei dafür eigentlich auch noch dauernd Geld aus?

Im weiteren Verlauf des Vortrags, dessen Bebilderung ich immerhin unanstößig fand (das war schon mal anders!), die aber vielfach auch als reichlich „blaß“ empfunden wurde, habe ich dann verstanden, warum diese Veranstaltung tatsächlich in einem gottesdienstlichen Rahmen stattfinden muß. Jedenfalls aus Sicht der Veranstalter. Damit nämlich bei Sätzen wie: „Viele Gruppen und Kreise gibt es in unserer großen Pfarrei“ nicht irgend jemand vor Lachen laut herausplatzt! Denken diejenigen, die sowas sagen eigentlich, man wäre in Herz-Jesu-Weimareingesperrt und hätte keinerlei Vergleich? Wo immer PuLa in anderen mitteldeutschen Diaspora-Pfarreien zu Gast war (andere Vergleiche wären ja nicht fair): Mehr als in unserer armen, ausgedörrten Pfarrei geht eigentlich immer! Achten Sie mal drauf, wenn Sie unterwegs sind: Die Lektüre von Pfarrbriefen ist immer sehr, sehr interessant; mancherorts wird einem sogar nicht mal Geld dafür abgeknöpft, aber „wir“ müssen ja immer was bauen und da müssen „wir“ „tüchtig sparen“…

„Bauen“ ist ein gutes Stichwort: Das neue Prestigeprojekt ist bekanntlich die Renovierung des Glockenstuhls plus Anschaffung einer nicht unbedingt erforderlichen weiteren Glocke (daher „Prestige-Projekt“, bloß erhalten ist ja offenbar zu  „langweilig“…). In diesem Zusammenhang hörte man in der Andacht, wie gut doch alles vorangehe und in diesem Zuge den bemerkenswerten Satzbestandteil: „entgegen mancher Behauptung, Gußstahl könne nicht rosten“. Aha, „manche“ Menschen machen sich also Gedanken über die Frage, wie schlimm der Zustand des ja seit einiger Zeit vorsorglich abgesperrten Glockenstuhls tatsächlich ist. Ja, das deckt sich mit dem Eindruck, den PuLa von der Sache gewonnen hat, daß sich das „manche“ fragen, was ja in einer Stadt voller Bauingenieure, Architekten etc. (in Weimar gibt es eine einschlägige Hochschule!, vgl. hier) ja auch kaum anders sein kann. Nur daß eigentlich alle diese Fachleute, sofern sie der Gemeinde angehören, sich mit diesem Thema „vorsichtshalber“ gar nicht beschäftigen dürfen…

Ach ja, und dann stand da auch mal was auf PuLa, stimmt, das hatte ich schon fast vergessen! Da sagt nämlich Kohle, dieses sympathische Schaf, in einem Sketch zum Advent 2012 (!) etwas über ein ähnliches Problem in Wundersdorf: „Der Glockenstuhl ist aus Gußeisen und das hält noch ein paar Generationen, wenn sich der erste Rost zeigt.“ Haben Sie’s gemerkt? Da ist gar nicht von „Guß-stahl“ (was auch immer genau damit gemeint sein mag) die Rede, sondern von Guß-eisen. Das ist aber etwas anderes. Und was da über Gußeisen steht, das stimmt; die sind nämlich ganz schön fit im Kopf, die Wundersdorfer Schafe… 🙂

Aber leider hatte das Schmunzeln irgendwann ein Ende: Es ging erneut um den Baukörper der Kirche, auf dessen Dach sich, an schwer zugänglicher Stelle, in Turmnähe, ein Birkenschößling eingefunden haben muß. Seine heldenhafte Entfernung, offenbar mit „personellen Bordmitteln“ (hoffentlich war das auch versicherungstechnisch in Ordnung, das Bistum trägt ja vermutlich schon genug Langzeitkosten für diese Pfarrei!) bot Anlaß zu dem (hier paraphrasierten) Satz: „Immer wieder gilt es Wildwuchs zu beschneiden, Schädlinge zu beseitigen; wie im richtigen Leben.“

Nun, die arme Birke ist ganz unschuldig daran, wofür sie hier herhalten mußte: Die nochmalige Steigerung und Eskalation des Schädlingsbilds, das uns nun schon im dritten Jahr begleitet (vgl. hier und hier)! „Beseitigen“, ah ja…

Wir sind sehr traurig und bestürzt über diesen neuerlichen Beweis der Unversöhnlichkeit, aber – Wir haben verstanden; und wir werden es weiter tragen! (im doppelten Wortsinn…)

(Und genauso fassungslos fragen wir uns, ob denen, die so reden eigentlich wirklich nicht klar ist, wie sehr sie bisher geschont worden sind – ist das möglich?)

Für Leser, die seit der letzten Notwendigkeit, dieses häßliche Feld zu betreten, neu hinzugekommen sind, sei gesagt: Mit dem „Wildwuchs“, den „Schädlingen“ sind Menschen, Gemeindemitglieder, gemeint, ganz konkrete Menschen, die man benennen kann, hauptsächlich die Macher und Unterstützer dieses Blogs.

Und nach solchen Äußerungen wird dann das Allerheiligste ausgesetzt – HErr, komm mir zu Hilfe!

 

Deus, in adjutorium meum intende * Domine, ad adjuvandum me festina.

Confundantur, et revereantur * qui quærunt animam meam.

Avertantur retrorsum, et erubescant, qui volunt mihi mala […]

Exsultent et lætentur in te omnes qui quærunt te * et dicant semper : Magnificetur Dominus, qui diligunt salutare tuum.

(Ps 69 (Vg.), 2-5)

(Gott, neige Dich, mir zu helfen, Herr, zu meiner Hilfe eile
Verwirrt und verschüchtert sollen die werden, die meiner Seele nachstellen
Zurückweichen und erröten sollen die, die mir Böses wollen
Jauchzen und sich in Dir freuen sollen alle, die Dich suchen; und die Dein Heil lieben sollen immer sagen: Hochgelobt sei der HErr)

 

Die Transferleistung

Die Transferleistung

Sketch für sieben Erwachsene, zwei Kinder und beliebig viele Statisten

Lausig kalt ist es im Oderbruch. Ungehindert pfeift ein eisiger Ostwind über das flache Urstromtal. Harry Czypionka, seines Zeichens Redakteur beim „Petershagener Boten“, ist froh, in der warmen S-Bahn zu sitzen. Versonnen blickt er aus dem Fenster. Im Licht der aufgehenden Sonne liegt der S-Bahnhof Mahlsdorf. Ah – gut so! Noch Zeit, seine Banane zu essen. In aller Ruhe packt Herr Czypionka sein Obst aus und verspeist es genüßlich, den Blick auf die frisch verschneite Landschaft gerichtet. Endlich fangen hier, außerhalb Berlins, die Felder an. Schön ist das! Der glitzernde Neuschnee … richtig weihnachtlich. Jetzt müßte Heiligabend sein, denkt Herr Czypionka. Immer schneit es zu spät. Man sollte über eine erneute Kalenderreform nachdenken – eine Verschiebung der Daten um vier Wochen, dann wäre der Schnee „just in time“. Herr Czypionka schmunzelt. Wann war sie noch, die letzte Kalenderreform … ähm … vom … ja: vom 4. auf den 15. Oktober 1582. Todestag Teresas von Avila. Jaja! Gelernt ist gelernt. Zufrieden setzt unser Spezialist für Kirchenfragen sich zurecht und bemerkt, daß sein Zug mittlerweile schon Fredersdorf passiert hat. Rasch steht er auf, packt seine Sachen zusammen, knöpft seinen Wintermantel zu, legt den Schal mehrfach um den Hals und arbeitet sich durch die volle S-Bahn zur Tür. Als in Petershagen Nord endlich die Türflügel öffnen, schlägt Herrn Czypionka der eisige Wind sofort wieder ins Gesicht. Teufel, ist das kalt! Er hätte doch auch noch eine Mütze nehmen sollen, wie seine Frau gesagt hat. So unvorteilhaft er auch damit aussieht … Aber naja – zur Not ist es auszuhalten. Er muß eben schnell laufen.

Kaum hat Herr Czypionka, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, den kleinen Bahnhofsvorplatz betreten, als ein harter, eisiger Schneeball seinen beinahe kahlen Hinterkopf trifft. Leicht benommen und ärgerlich sieht er sich nach dem Übeltäter um, als ein zweites Geschoß ihn im Gesicht erwischt. Da! Die beiden Burschen an der Ecke haben wohl nichts besseres zu tun? Der erste macht schon wieder den nächsten Ball fertig, unter dem sich Herr Czypionka gerade noch wegducken kann.

Herr Czyiponka (zu den beiden Jungs): He! Ihr beiden da! So was macht man nicht! Das tut doch weh!

Einer der Jungs (grölt hämisch): Mütze auf die Glatze, Opa! (Er schleudert den nächsten Schneeball, der Herrn Czypionka fast die Brille von der Nase haut.)

Herr Czyiponka: Frechheit! Ich bin kein Opa! Und was seid ihr, hä? Rumtreiber! Habt ihr keine Schule?

Die beiden Halbwüchsigen lachen lauthals los. Um Schutz zu suchen, flieht Herr Czypionka zurück ins Bahnhofsgebäude und untersucht zunächst seine Brille. Zum Glück ist sie heil geblieben – aber verbogen. Hoffentlich kann er überhaupt damit arbeiten. Unerhört ist das! Wirklich gefährlich! Diese unerzogenen Rüpel! In seinem Zorn spricht Herr Czypionka laut vor sich hin.

Herr Czypionka: Unerhört, sowas! Das ist doch wirklich gefährlich! Diese unerzogenen Rüpel!

Eine Frau mit Bierflasche (ist neugierig geworden): Sie ham wohl ‘ne Ladung Schnee abjekricht? (Sie grinst.)

Herr Czypionka: Mehr als eine! Aber witzig finde ich das nicht! Und dann auch noch frech werden! (Er packt sich sorgsam wieder in seinen Schal ein.) Diese verwahrloste Jugend hier in den Außenbezirken!

Die Frau mit der Bierflasche: Aber, aber! Det sind doch Kinder! (leichthin) Kinder sind eben so – ham wir doch ooch jemacht – oder nich?

Herr Czypionka (in Rage): Vielleicht. Aber uns hat dann jemand zur Ordnung gerufen – eine Lehrkraft oder die Mutter! Das kann man doch nicht so laufen lassen! Den Kindern muß doch wenigstens klar gemacht werden, was richtig ist und was nicht, sonst wird doch alles immer schlimmer!

Die Frau (lacht): Na, denn rufen Se ma! (Sie geht zurück zu einer Gruppe von Männern, die den kurzen Gedankenaustausch von ferne verfolgt haben. Sie beginnen zu tuscheln und zu lachen und sehen immer wieder zu Herr Czypionka hin. Der nähert sich inzwischen vorsichtig wieder dem Ausgang, späht auf den Bahnhofsvorplatz und sieht zu seiner Erleichterung, daß die beiden Rüpel sich verzogen haben. Trotzdem! Laufen wird er jetzt nicht bis zur Redaktion. Ausnahmsweise wird er Taxi fahren.

Als Herr Czypionka in der Redaktion ankommt, hat die morgendliche Sitzung gerade begonnen.

Der Chefredakteur (jovial): Harry! Da bist du ja endlich! Komm rein, wir ham was für dich!

Die Sekretärin: Harry! Du siehst ja schlimm aus! Biste hinjefalln?

Herr Czypionka legt rasch ab und faßt seine Erlebnisse in aller Kürze zusammen. Mehr Zeit als für die Schilderung der Fakten nimmt er sich für deren Interpretation, die wir im wesentlichen ja bereits kennen.

Eine Kollegin: Nee, also sowat jeht würkich nich! (Sie blickt ihre Nachbarin zustimmungsheischend an.)

Die zweite Kollegin: Ick gloobe ooch nich, det wir so schlümm warn – und wenn, denn hat’s wat jesetzt. Det jing nich!

Die erste Kollegin: Und war ooch richtig so, finde ick. Allet kann man Kindern nich durchjehn lassn. Wo komm wa denn da hin?

Die zweite Kollegin: Ick meene, wir ham natürlich trotzdem den een‘ oder andern Schneeball hinter nem Lehrer herjeschmissen (sie lacht schelmisch) – aber wir wußten noch, dat det verboten war!

Die erste Kollegin: Klar! Blieb immer ’ne Ausnahme!

Der alternde Kulturredakteur (blickt über seine Brille in die Runde): Wenn die Schneeballschlacht kein Tabubruch bleibt, nimmt man den Kindern ja auch den Spaß daran. Sie suchen ja nicht den Schneeball als solchen, sondern das Verbotene. Wenn es keine richtungsweisende Instanz mehr gibt, wenn die Gesellschaft die Grenzen immer weiter hinausschiebt, zünden sie am Ende Autos an! Man muß Heranwachsenden klare Grenzen setzen! Das ist doch eine Binsenweisheit.

Die erste Kollegin: Völlig richtig! Et darf nich soweit komm‘, daß Kinder denken, et is normal, Unfuch zu machen.

Die zweite Kollegin: … oder sie sind nur dann „richtige“ Kinder …

Der alternde Kulturredakteur (gewichtig): Wenn die Tabuverletzung zur Norm wird …

Der Chefredakteur (bricht die Unterhaltung ab): … wie auch immer, ihr Lieben, lassen wir das! Wir haben hier nun wirklich völlig andere Sachen auf dem Tisch: Harry! Wir brauchen dich. Dein Papst Franziskus …

Herr Czypionka: Jaaa! Hab schon gelesen! Die Umfrage zur Sexualmoral ist durch.

Der Chefredakteur: WiSiKi und BDKJ fordern Transparenz …

Der Kulturredakteur: Daran kannst du es aufspießen, Harry: Das ZdK hatte gewünscht, daß sich möglichst viele Laien an der Umfrage beteiligen, aber in einigen Bistümern war es wohl komplett den Hauptamtlichen überlassen – Erfurt zum Beispiel. Und jetzt müssen sie betteln, daß sie die erhobenen Zahlen bekommen, die weitergeleitet werden … Wenn die überhaupt erhoben sind und nicht bloß gemutmaßt.

Der Chefredakteur (irritiert): Der SPIEGEL bringt die Unterhaltung mit 20 Jugendlichen in Berlin-Weißensee. Was interessiert uns Erfurt?

Herr Czypionka: Außerdem, die Hauptamtlichen in den Ordinariaten haben doch die Ohren am Volk! Die wissen doch, was los ist! Was soll man da jeden Einzelnen fragen!

Der Kulturredakteur: Und haben deine Hauptamtlichen auch Kinder?

Herr Czypionka: Aber Arne! Das ist doch völlig irrelevant! Wenn nicht, umso besser! Umso besser können sie sich um die Vielen sorgen und haben nicht nur den winzigen Ausschnitt vor sich, der gerade zufällig der Freundeskreis ihrer Kinder ist …

Die erste Kollegin (unruhig): Sagt mal, was fang ich denn hier für vibrations auf?

Der Kulturredakteur: … müssen sich aber auch nicht überlegen, was sie ihren eigenen Kindern mit auf den Weg geben!

Der Chefredakteur: Leute! Wir haben nicht ewig Zeit. Ich merke schon, Harry, so einfach ist das gar nicht. Ok, du kriegst außer der Kurzmeldung auf Seite Eins noch den kleinen Kommentar dazu – aber mehr nicht! Wir brauchen den Platz für das Snowden-Interview. Also beschränk dich am besten auf die gewaltig klaffenden Lücken zwischen dem, was die Kirche in Sachen Sexualmoral lehrt und der gesellschaftlichen Realität – lob Deinen Papst dafür, daß er das endlich zugibt und kritisier ein bißchen das Prozedere durch die DBK – ich denke, dann haben wir‘s. Nächster Punkt: Edward Snowden hat sein erstes Interview …

Die Sekretärin (die mit wachsendem Interesse zugehört hat, tuschelnd zu ihrer Nachbarin): Ick hab ma jelesen, daß die Deutschen sich wegen den Datenklau jar nich so heiß machen – vielleicht wär‘ det mit der Kirche da ma janz interessant – für die Familien und so … Also, wat unsre Leser sind …

Der Chefredakteur: Was gibt’s?

Die erste Kollegin (mit ironischer Distanz): Sabine fragt sich gerade, ob die Papstgeschichte nicht wichtiger wäre als das Snowden-Interview.

Das Redaktionsteam hüstelt, prustet oder lächelt mitleidig zu ihrer Sekretärin hinüber.

Die Sekretärin (ein bißchen errötet): Ich meine, was Arne vorhin sagte mit der richtungsweisenden Instanz …

Der Kulturredakteur (aufbrausend seine Unsicherheit verbergend): Wann soll ich das gesagt haben?

Die Sekretärin: Na von wejen die Schneebälle …

Nie war sich das Redaktionsteam des „Petershagener Botens“ so einig wie in diesem Moment.

Die Redakteure (durcheinander): Die Schneebälle – Also Sabine! – Aber sonst jeht’s dir jut, wa? – Tsssihihihihihi! – Wenn zwee sich scheid’n lass’n, is det doch in Ornung, tut doch keen’m weh! – Du bist wohl unberührt in die Ehe jegangen, hätt ick dir jar nich zujetraut!

Der Chefredakteur: Liebe Sabine, laß das doch bitte unsere Sorge sein! Wir wissen immer noch besser, was wir unserem Ruf als investigative Journalisten schuldig sind!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Wie mag es wohl um die Kommentare in Weimarer Blättern bestellt sein?

PS: „die Hauptamtlichen in den Ordinariaten haben doch die Ohren am Volk“, selten, SELTEN, so gelacht!

 

And the winner is…

‚Frischer Wind‘!

Ok, das ist nichts neues, daß PuLa die Kollegin, die diesen zurecht ausgezeichneten Schwesterblog betreibt,  auch persönlich für einen ‚Gewinn‘ hält, genau wie ihr unermüdliches Netz-Apostolat („Frischer Wind ist das deutsche katholische Hausbuch für das 21. Jahrhundert“!) und gelegentlich spielen wir uns schon mal einen Ball zu, bei aller Verschiedenheit zu meinem ‚kleinen Provinzblog‘, mit seiner vorwiegend lokalen und regionalen Stoßrichtung.

ABER: Von „zuspielen“ kann im vorliegenden Fall natürlich keinerlei Rede sein! Hier ist, wie sollte es auf einem katholischen Blog anders sein, alles mit rechten Dingen zugegangen: Die Kollegin hat das Adventskalender-Preisrätsel  (hier) einfach gelöst! Und wer u.U. die Auslobung des Preises nicht ernstgenommen, und sich deshalb nicht beteiligt hat, tja, der sollte sich erneut vor Augen führen, daß, was auf PuLa steht eigentlich immer ernst gemeint ist, auch wenn es in lustiger Form daherkommt… 😉

Jedenfalls hatten wir ja hier das Rätsel bereits aufgelöst, es handelte sich um Bilder aus der wunderbaren Kirche des Benediktinerklosters Metten.
Herzlichen Glückwunsch nochmal der Gewinnerin! Und hier Photos des Preises, der an ‚Frischer Wind‘ ging (die Wundersdorfer Schafe haben jetzt bald ganz Deutschland erobert 🙂

Titelseite

 

Neunundneunzig Luftballons/Schafe, vgl. 1.12.2013

Das apostolische Lehrschreiben, vgl. 4.12.2013

Der Dominoeffekt, vgl. 8.12.2013

Embolismus im Ahnatal, notwendiger Nachtrag

So, nach dem Ausflug auf das politische Parkett, den die Schafe da vorgestern gewagt haben (heute morgen hat die Hl. Ursul…, äh, die Bundesverteidigungsministerin den Einsatz in Afrika begrüßt… 😉 ), gibt es im Rahmen des PuLa-Normalbetriebs noch einen leider reichlich verzögerten notwendigen Nachtrag zu den Berichten über die liturgischen Gepflogenheiten im Ahnatal (zuletzt hier).

Zunächst gibt es zu der Frage, wie das Hinwerfen eines Tuchs, das zur Reinigung des Kelchs benutzt wurde, zu bewerten sei, eine Konkretisierung von Herrn Göbel:

„Der Kaplan hatte den Kelch in der Christmette schon selbst mit dem am Altar befindlichen Tuch abgetrocknet; der Küster-Kollege hatte nicht dieses Tuch in eine Ecke geworfen, sondern ein anderes einfaches Abtrocken-Tuch aus der Küche.“

Da kann man nur sagen: Danke, was für eine ausgesprochen beruhigende Nachricht!

Zuvor war schon die überaus geschätzte, liebe Kollegin von Braut des Lammes (per Kommentar) auf das Thema eingegangen:

„Nur ergänzend: wenn jemand nach der Heiligen Messe den Kelch mit einem Tuch abtrocknet, ist das Tuch nicht mit dem Allerheiligsten in Berührung gekommen, auch nicht indirekt. Der Kelch wird in der Heiligen Messe purifiziert, eine Reinigung nach dem Gottesdienst dient meist der Hygiene oder auch der Optik (es gibt Priester, die „Lippenbekenntnisse“ hinterlassen). Daß man so ein Tuch nicht absichtlich auf den Boden werfen sollte, steht auf einem anderen Blatt, sakrilegisch ist es nicht zu nennen.“

Nun, wie wir dank Herrn Göbels Präzisierung wissen, genau so war es an jenem Tag. Aber das verstand sich, als ich den Beitrag schrieb, nicht etwa automatisch von selbst!

Denn außer diesem Ablauf, den die Kollegin beschreibt, und den auch ich als den Regelfall kenne, ist noch ein abweichendes Verfahren möglich, beschrieben im Missale Romanum, Nr. 163:

„Nach der Kommunionausteilung trinkt der Priester den konsekrierten Wein, der gegebenenfalls übriggeblieben ist, selbst sofort und vollständig am Altar aus. Die konsekrierten Hostien aber, die übriggeblieben sind, verzehrt er entweder am Altar oder trägt sie zu dem für die Aufbewahrung der Eucharistie bestimmten Ort.

Der Priester sammelt, wenn er zum Altar zurückgekehrt ist, die Hostienteilchen, falls es welche gibt. Dann purifiziert er, am Altar oder am Kredenztisch stehend, die Patene beziehungsweise die Hostienschale oder das Ziborium über dem Kelch. Anschließend purifiziert er den Kelch, wobei er still spricht: Was wir mit dem Munde empfangen haben (Quod ore sumpsimus), und er trocknet den Kelch innen mit dem Kelchtuch. Wenn die Gefäße am Altar purifiziert wurden, werden sie von einem, der einen liturgischen Dienst ausübt, zum Kredenztisch getragen. Es ist aber auch erlaubt, die zu purifizierenden Gefäße, besonders wenn es mehrere sind, auf dem Altar oder dem Kredenztisch, in geeigneter Weise bedeckt, auf dem Korporale stehen zu lassen und sie sofort nach der Messe, wenn das Volk entlassen ist, zu purifizieren. (Unterstreichungen von mir)

Und in dem zweiten möglichen Fall hätte ja die Sachlage erkennbar ganz anders ausgesehen, nicht wahr? Klar, dazu bestand damals in Osthessen angesichts einer vermutlich „überschaubaren“ Anzahl von Gläubigen kein Anlaß, aber man weiß ja nie!

Und da sich PuLa stets um Vorsicht und Präzision bemüht (sehr im Gegensatz zu dem, was uns manche aus nur allzu durchsichtigen Motiven nachsagen und gerne hätten!  😉 ), hatte ich ja damals schon von dem Versuch einer rechtlichen Würdigung ohne genaue Kenntnis der konkreten Umstände bewußt abgesehen!

Im übrigen war die Wendung „indirekt in Berührung gekommen“, die ich Anfang des Monats verwendet habe, vielleicht ein bißchen unscharf (obwohl, Stichwort „Lippenbekenntnisse“…), aber es ist ja klar, was gemeint war: Die Art des Umgangs auch mit den (scheinbar) banalsten Gegenständen, die irgendwie auf die Eucharistie hingeordnet sind (und sei es ein Spültuch!!) MUSS die unübertreffliche Würde des Sakraments widerspiegeln. Und wo sie es nicht tut, da sind Rückschlüsse auf ein mangelndes Verständnis der Bedeutung der Eucharistie (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken) zulässig, nein, geboten. So sieht es ja offenbar auch die Kollegin aus Berlin.

Mir hat das im Kontrast die schöne Geschichte in Erinnerung gerufen, die Martin Mosebach in seinem bedeutenden Buch: „Die Häresie der Formlosigkeit, Die römische Liturgie und ihr Feind“ erzählt, aus den zaghaften „Neu-Anfängen“ der Alten Messe in Frankfurt/Main, wo sich irgendwann Frauen finden, die die „Purificatoria“ der normalen Behandlung in der Waschmaschine (zusammen mit aller „profanen“ Wäsche) entziehen und künftig mit der Hand waschen:„Daß die Kirche früher vorgeschrieben hatte, daß der Priester selbst das erste Auswaschen des Purificatorium zu besorgen habe, daß das Waschwasser danach in das Sakrarium oder in Erde zu gießen sei, das wußten diese Frauen gar nicht.“ „[Diese Frauen] lebten in der beständigen unbezweifelten real erlebten Gegenwart Jesu. […] Ihr Leben war Anbetung, die in sehr präzise, sehr praktische Handlungen übersetzt war – Liturgie.“

PuLa sagt: That’s the spirit!

Es zeigt sich erneut: Was den Ablauf der Hl. Messe betrifft, gibt es keine „Kleinigkeiten“; es ist ein hochdeterminierter, zeichen- und verweisgesättigter Raum und das ist gut und schön so!

Im übrigen hatte ich ja angekündigt, mich inhaltlich weiter mit dem Embolismus beschäftigen zu wollen – es gibt schon erste Ergebnisse. Ich kann nur sagen: Es sieht nicht gut aus, für seine Verächter, gar nicht gut! 🙂

Und wo wir schon im Missale Romanum unterwegs sind, die Nr. 91 sollte man sich auch einmal auf der Zunge zergehen lassen

„Die Feier der Eucharistie ist ein Handeln Christi und der Kirche, das heißt des heiligen Volkes, unter dem Bischof geeint und geordnet. Daher geht sie den ganzen Leib der Kirche an, macht ihn sichtbar und wirkt auf ihn ein; seine einzelnen Glieder aber kommen mit ihr auf verschiedene Weise in Berührung, je nach der Verschiedenheit der Stände, Aufgaben und der tatsächlichen Teilnahme.

Auf diese Weise macht das christliche Volk, „das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, der heilige Stamm, das Volk, das Gott sich erworben hat“, seine organische und hierarchische Ordnung sichtbar. Darum haben alle, seien sie geweihte Amtsträger oder gläubige Laien, in der Ausübung ihres Amtes oder ihrer Aufgabe nur das und all das zu tun, was ihnen zukommt.(Unterstreichungen von mir)

Jaja, „nur das und all das“, besser kann man das nicht sagen, oder? 🙂

Wer hier nachliest, findet auch die Fußnoten, die auf die entsprechenden Artikel der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums verweisen.

 

Sketch des Monats: Das Drehbuch

Sketch des Monats: Das Drehbuch

Ein Sketch für sechs Schafe, zwei Lämmchen, ein Mufflon

und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide. Es herrscht reges Treiben. Zunächst fällt das trainierende Stuntschaf ins Auge, das, mit einem riesigen schwarzen Mantel bekleidet, in verschiedenen Sprungübungen quer über die Weide fliegt. Auf dem Feldweg neben der Weide steht der Pritschenwagen bereit, der die Schafe offenbar abholen soll (wo sie stehen?). Das Mufflon, Fixi und Huf, Wolle, Flocke, Kohle und einige andere Schafe aber haben einen Stapel Bücher und zusammengetackerte Papiere vor sich und sind ganz vertieft in lebendige Diskussionen. Das Mufflon und Kohle scheinen das Gespräch irgendwie in Form eines Seminars leiten zu wollen. Wolle und Grauchen aber flüstern immer wieder miteinander.

Hören wir doch mal, worum es geht:

 

Das Mufflon (blättert in seinem getackerten Papierstapel von hinten bis auf die ersten Seiten zurück): Also, nochmal langsam …

Kohle (grinst): … um nicht zu sagen: „für die Truppe zum Mitschreiben“ …

Das Mufflon (unbeirrt): Die Heilige Ursula zieht mit elftausend wehrhaften Jungfrauen in südöstlicher Richtung los … (er blickt erwartungsvoll zu Flocke hinüber).

Flocke (liest aus einem der Bücher): … „Ihr Vater ordnete an, daß seine Tochter, die er sehr liebte, auch Männer in ihrem Gefolge haben sollte, deren Hilfe sie selbst und ihre Scharen bedurften.“

Das Stuntschaf (fliegt mit ausgebreitetem Mantel über die Gruppe hinweg): Jippiiiiiiiieh!

Wolle (blickt dem Stuntschaf stöhnend nach): Sagt mal, warum haben wir eigentlich diesen Heiopei in der Truppe, wenn Jennifer Lawrence auf der Darstellerliste steht?

Fixi: Ich glaube, Jennifer Lawrence wird nur kurz eingeblendet, weil es sonst zu teuer würde.

Wolle: Und warum springt er hier seit Nikolaus herum?

Grauchen: Wir Schafe werden einfach zu schlecht bezahlt, sonst könnten die sich so einen Vorlauf gar nicht leisten!

Kohle: Wenn ich euch darauf aufmerksam machen dürfte, daß wir normalen Schafe für unsere Dienste für gewöhnlich überhaupt nicht bezahlt werden.

Wolle: Statt daß das mal jemand thematisiert …

Das Mufflon (ruft zur Ordnung): Würdet ihr euch jetzt bitte mal konzentrieren! Also, da ziehen junge Männer und elftausend Jungfrauen los … Flocke?!

Flocke (liest weiter vor): „… und alle schworen den Eid auf diese neue Art von Kriegsdienst. Nun begannen sie mit Kriegsübungen: Sie fuhren zusammen und trennten sich wieder, bekriegten sich und täuschten Flucht vor, übten sich in jeder Art von Spielen und ließen nichts weg, was ihnen einfiel, bald kehrten sie mittags, bald auch spät abends zurück.“

Das Mufflon (ganz im Stoff): Genau! Und bald hat Ursula neuntausend Familien in ihrem Troß …

Wolle (flüsternd zu Grauchen): Hat die Heilige Ursula eigentlich was gegen Verhütungsmittel?

Grauchen (flüstert zurück): Na klar! Sonst wär sie doch keine Heilige!

Das Mufflon (hat die beiden gehört): Blödsinn! Sie will mit ihrer Kriegstruppe ein familienfreundliches Unternehmen aufbauen! Dazu müssen ja erstmal Familien da sein! (vorwurfsvoll) Sagt mal, habt ihr das Drehbuch überhaupt gelesen?

Wolle (blinzelt ein bißchen schläfrig): Ach, liebes Mufflon, du erzählst uns das so schön! Wir hören einfach lieber zu!

Grauchen (leise zu Wolle): Aber jetzt weiß ich wenigstens, was Veronica Ferres auf der Darstellerliste soll.

Wolle (flüsternd): Neee, so viel habe ich mitbekommen: Die Ferres spielt die Heilige Ursula. Das, was du meinst, übernimmt Miley Cyrus.

Grauchen (immer leise): „La Montanara“?

Wolle: „Montana“. Ja. Aber vom Hannah-Montana-Image will sie ja grad weg.

Grauchen: Ach so!

Das Mufflon (blickt die beiden Störenfriede strafend an): Ich denke, ihr wolltet zuhören! Also weiter im Text!

Wolle (entschuldigend): Grauchen hat mich was gefragt.

Das Mufflon: Pfff! Das hätte ich jetzt auch gesagt!

Grauchen: Welche Rolle spielen wir eigentlich in dieser ganzen Geschichte?

Wolle (jammerig): Auf dem Schiff werde ich bestimmt seekrank …

Das Mufflon (stöhnt): Wenn ihr mal zuhören würdet?! Wir müssen auf kein Schiff! Bully Herbig hat ja nicht nur die Legenda Aurea ausgeschlachtet, sondern auch die Bibel, Grimmelshausens „Landstörtzerin Courasche“, die „Mutter Courage“ von Bert Brecht und die aktuelle politische Situation.

Kohle (blättert in seinem Manuskript): Und deshalb gibt es auch Szenen, in denen ein Planwagentreck durch die Wüste zieht …

Huf: … die hat er vom „Schuh des Manitu“ her schon vorrätig …

Kohle (unbeirrt): … und da ziehen wir mit.

Wolle (erschrocken): Wir spielen das Schlachtvieh im Treck der Mutter Courage?

Das Mufflon (beschwichtigend) : Naaaaain! Der berühmte Streit um den dürren Kapaun kommt auch nicht vor. Die Heilige Ursula will ja am Schluß die Kanzlerin aller Deutschen werden und hat deswegen in ihrer Truppe längst den Veggie-Day eingeführt.

Grauchen: Ou, Schaf! Was für ein Tohuwabohu!

Wolle: So sind die Filme von Bully Herbig! Ein Versatzstück am andern! Also ich hätte das ja nie zugesagt, daß wir da mitmachen …

Grauchen: Ob Krutzi von den Einnahmen wieder irgendwas refinanzieren will?

Kohle: Jetzt seid doch mal still! Ist ja schlimmer als ein Sack Flöhe!

Das Mufflon (blättert im Manuskript): Und dann kommt es zu einer echten Kampfszene: Die Kämpferinnen der Heiligen Ursula stehen mitten in der Wüste vermummten feindlichen Truppen gegenüber.

Kohle: Man verschanzt sich und es zieht sich eine Weile hin – 40 Tage genau. Aber da ja die Familien ganz in der Nähe sind, wird ihnen Essen gebracht und alles ist eigentlich ganz chillig so weit.

Blütenweiß (hat ein sehr dickes Buch vor sich – es muß eine Bibel sein – und beginnt jetzt nach einem kurzen Räuspern daraus vorzulesen): „Und Isai sprach zu seinem Sohne David: Nimm doch für deine Brüder dieses Epha geröstete Körner und diese zehn Brote, und bringe sie schnell in das Lager zu deinen Brüdern; und diese zehn Schnitten Milchkäse bringe dem Obersten über tausend und besuche deine Brüder, um nach ihrem Wohlergehen zu fragen, und nimm ein Pfand von ihnen mit. Saul und sie und alle Männer von Israel sind nämlich im Terebinthentale, streitend mit den Philistern.“
(1. Samuel 17, 17-19)

Grauchen (schlägt sich vor die Stirn): Ach jetzt versteh‘ ich, was der Heiligen Ursula da vorschwebt: Entspannte Kämpfe mit Familienanschluß wie vor 3000 Jahren!

Blütenweiß (betulich) : Jaja, es kommt alles wieder!

Huf: Ich will David spielen – mit der Steinschleuder!

Das Mufflon (schaut im Skript nach): Geht nicht! Die Szene macht Miley Cyrus auf ihrer Abrißbirne.

Entsetzen ergreift die Schafe umher und alle rufen durcheinander. Flocke stellt sich instinktiv schützend vor Fixi.

Kohle (verschafft sich Gehör): Keine Angst! Sie trägt einen Tarnanzug – wenn auch etwas lädiert und zerfetzt. Aber es wird nicht dramatischer als Gina Lollobrigida als Husarenbraut (für sich) höchstens viel viel weniger aufregend … (er grinst).

Wolle (flüsternd zu Grauchen): Aber die Botschaft dürfte klar sein: Die Frau von heute ist attraktiv und kämpferisch zugleich.

Grauchen (leise zurück): Deshalb kommen mit den elftausend Jungfrauen auch nur neuntausend Familien zustande, weil 20 Prozent der Männer damit nicht umgehen können!

Wolle: Mhm. Ist schon alles genau durchdacht!

Das Mufflon: Also am Schluß ist jedenfalls alles Friede, Freude, Eierkuchen – die Bösen sind tot, die Guten nicht …

Flocke (irritiert): Moment mal! Das ist doch in der Legende genau andersrum!

Kohle: Tja, so hat halt jede Zeit ihre ganz eigene Vorstellung vom gelingenden Leben!

Das Mufflon: Und die Heilige Ursula wird Bundeskanzlerin.

Das Stuntschaf (fliegt vorbei): Jipiiiiieh!

Wolle (seufzt): Oh, Uschi, breit den Mantel aus.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

(Flocke zitiert die Legende der Hl. Ursula aus der ‚Legenda Aurea‘ des Jacobus de Voragine, ca. 1264, in der Ausgabe des Manesse-Verlags, Zürich 1990)

 

 

Pastorale Praxis

Ganz aus der pastoralen Praxis heraus schreibt Pfr. Sperling aus Oschersleben, treuen PuLa-Lesern seit langem bekannt (hier und hier, z.B.), zu einem Thema, bei dem man sich gemeinhin des Eindrucks fortgeschrittener Verwirrung leider auch bei offiziellen Vertretern der Kirche nicht erwehren kann: Der „Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in den Gemeinden“.

Daß hier einmal sehr deutlich , aber ganz ohne „Schaum vor dem Mund“, die eigentliche Fallhöhe der Frage (es geht um das Heil…) angesprochen, und die geradezu zwangsläufigen Auswirkungen der wohlfeilen „barmherzigen Lösungen“ in der parochialen Praxis klar benannt werden, hatte PuLa bei diesem Autor zwar nicht anders erwartet, ist aber jedenfalls ebenso überzeugend wie wohltuend!

Da dies obendrein im Vatikan-Magazin geschieht, hat ohnehin schon eine erfreulich große Zahl von Lesern die Chance, die Gedankengänge mitzuverfolgen, noch schöner, daß der Artikel frei zugänglich ist! (hier) Ich empfehle, gleich ganz am Ende des Artikels auf den Link zum PDF-Dokument mit den Zeitschriftenseiten incl. ihrer sehr schönen Illustrationen zu klicken!

Entgegen der sonstigen Übung auf PuLa verzichte ich heute auf „Kostproben“, weil der (längere) Artikel in sich sehr gerundet ist und nach meiner Überzeugung in Gänze gelesen werden sollte und nicht verdient, auf Häppchen reduziert zu werden.

Nicht zuletzt deshalb, weil Pfr. Sperling es sehr zu recht nicht versäumt, in diesem Zusammenhang jeden einzelnen, auch wenn er nicht unmittelbar von der Problematik betroffen ist, daran zu erinnern, daß er mit Verantwortung dafür trägt, daß vor Ort ein Klima von Wahrhaftigkeit und Barmherzigkeit, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit herrscht, weil nämlich das eine ohne das andere nicht sein kann.

Wer schon das Privileg hatte, Pfr. Sperling in Oschersleben zu erleben (vgl. auch hier), ahnt, wie sich das anfühlt. Ich sage daher erneut: Versäumen Sie nicht, Oschersleben zu besuchen, wenn Sie sich in der Nähe von Magdeburg aufhalten, es lohnt sich sehr!

Hll. Josef und Joachim, Patrone der Eheleute, bittet für alle, deren Eheband gefährdet ist!

Albrecht Dürer, Josef und Joachim, Albrecht Dürer ca. 1504 (Bild: WikimediaCommons, The Yorck Project)

 

Embolismus reloaded II

Nein, das ist sie noch nicht, die diesjährige (bezogen auf das Kirchenjahr!) „Weimarer Weihnachtsbilanz“, die treue Leser sehr zu recht in diesen Tagen erwarten (vgl. hier und hier), doch, wie der Prophet Habakuk sagt: „Wenn sie sich verzögert, so warte auf sie, denn sie wird gewiß eintreffen und nicht ausbleiben.“ (Hab 2, 3b) 😉

Aber ein wenig waren leider auch wieder Weimarer Gottesdienste in der Zeit der weihnachtlichen Festtage Anlaß, sich erneut (hier und hier schon einmal) mit dem Thema „Embolismus“ zu beschäftigen. Besonders befremdlich war das Vorkommnis in einer Messe am Hochfest der Muttergottes, in der der Zelebrant doch tatsächlich vor dem Vaterunser „wagen wir zu sprechen“ gesagt hat. Donnerwetter, das hatte ich zum letzten Mal von niemand geringerem als Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg gehört (vgl. hier)! Es war aber leider ziemlich sicher keine gute (!) Absicht, sondern der Betreffende war offenbar vor den ungewohnten Rubriken des Tages schlicht „überrumpelt“, was man daran merken konnte, daß er die überaus deutliche erwartungsvolle Pause, die die Gemeinde völlig korrekt nach der letzten Bitte des Vaterunser einlegte, brutal ignoriert und alle zum unmittelbaren Anschluß der Doxologie geradezu genötigt hat!

Woran wieder einmal deutlich wurde: Egal, wie viele Lippenbekenntnisse abgegeben werden zu den vermeintlichen „Wünschen der Menschen“, wehe, sie wünschen sich was „Falsches“, dann ist ganz schnell Schluß mit der Bereitschaft, darauf einzugehen, ein charakteristisches Anzeichen jeder Art von Ideologie… 🙁

Der andere Anlaß, sich heute wieder mit dem Embolismus zu beschäftigen, war zum Glück erheblich erfreulicher!

Da hat doch tatsächlich jemand einfach nur das Stichwort „Embolismus“ gegoogelt und ist dabei zügig auf meinen kleinen Provinzblog gestoßen! In der Tat, als ich die Suche selber wiederholt habe, kam PuLa zu dem Stichwort bereits auf Rang 6… 🙂

Nur daß ich mich darüber nicht so richtig lange freuen konnte, denn das scheint leider vor allem ein Reflex der Tatsache, daß es allzuviel Vernünftiges zu dem Thema im Netz nicht zu geben scheint. Daher möchte ich, bevor wir auf die interessante Geschichte eingehen, die die betreffende Person zu ihren Erlebnissen mit dem Embolismus erzählt hat, zunächst noch einmal ganz kurz zusammenfassen, was wir zu dem Komplex schon jetzt, denn PuLa bleibt an dem Thema dran!, sicher festhalten können:

1) Der Priester hat (=muß!) den Embolismus vor der Doxologie alleine zu beten; diese Frage ist nicht in sein Belieben gestellt. Wer das, egal aus welchem Grund nicht tut, begeht eine „liturgische Ordnungswidrigkeit“; das ist aktuell gültiges kirchliches Recht.

2) Stichwort „Grund“: Ich habe bisher keine Begründung gefunden, den Embolismus wegzulassen, außer allgemeinen Befindlichkeitsfeststellungen („das kommt mir eigentümlich vor“) was natürlich einfach kein Argument ist und dem, was gerne „ökumenische Rücksichtnahme“ genannt wird. Darunter kann man sich aber leider auch nichts Sinnvolles vorstellen. Ökumenische Rücksichtnahme hat ihren Platz in ökumenischen Gottesdiensten, ja. Da jedwede Rücksichtnahme, die den Namen verdient, nun naturgemäß nur eine wechselseitige sein kann und man ja den jeweils anderen gerade auch in der Absicht „besucht“, dessen authentische Hervorbringungen zu erleben, kann die „ökumenische Rücksichtnahme“, was den Embolismus betrifft, den die Protestanten nicht kennen, dann nur darin bestehen, daß wir, wenn wir bei ihnen zu Gast sind auf ihn verzichten und sie, wenn sie bei uns zu Gast sind, ihn „ertragen“, denn er enthält ja schließlich auch für protestantische Ohren keine „theologischen Zumutungen“, sondern ist einfach nur kein Teil ihrer Tradition (mehr).

In einer „ganz normalen“ Heiligen Messe hingegen, ist für irgendeine Form der „Rücksichtnahme“ auf das, was Nichtkatholiken tun, schlicht kein Raum. Warum denn, bitte? Entweder, wir sind überzeugt davon, das, was wir tun ist richtig, dann müssen wir es tun, oder wir sind irgendwie in der falschen Veranstaltung!

In Wahrheit verhält es sich aber natürlich so, daß mit der Chiffre von der „ökumenischen Rücksichtnahme“ entweder ein diffuses Gefühl der (kulturellen oder noch schlimmer theologischen) Unterlegenheit gegenüber den Protestanten bemäntelt werden soll, oder es handelt sich bei der Phrase um den untauglichen Versuch, nicht die Ökumene, sondern einen falschen Ökumenismus voranzutreiben, der bereit ist, katholisches Glaubensgut aufzugeben.
Eine Begründung, die sozusagen „innerkatholisch“ genuin theologisch argumentiert (und sei die Argumentation auch noch so falsch) habe ich hingegen bisher nicht gefunden.
Wenn jemand davon weiß, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar, dann wollen wir uns hier damit auseinanderzusetzen versuchen.

3) Klar ist schließlich auch: Embolismus und Doxologie sind alte, sehr alte und würdige Bestandteile der Liturgie! Nach dem, was ich im Moment übersehe gewiß mehr als 1.600 Jahre alt. Ob das den „Helden der Heutigkeit“, wenn sie ihre kleinen Eigenmächtigkeiten begehen, klar ist? 1.600, in Worten eintausendsechshundert Jahre Kirchengeschichte incl. aller großen Heiligen dieser langen, langen Zeit mal so eben in die Tonne treten aus diffuser Befindlichkeit oder falsch verstandener „ökumenischer Rücksichtnahme“??!

So aber geschieht es, wir alle wissen es, überall in deutschen Landen nur allzu häufig und da setzt die Geschichte an, die mir dankenswerterweise Herr Paul Göbel aus dem Ahnatal bei Kassel per Kommentar auf den Beitrag „Embolismus reloaded (I)“ hat zukommen lassen. Lesen Sie selbst:

„Im Ökumenischen Kirchenzentrum Ahnatal bei Kassel, wo ich seit 12 Jahren zur katholischen Messe gehe, hat der Pfarrer den EMBOLISMUS immer weggelassen – vielleicht aus Ergebenheit an die wortgewaltigen „ökumenisierenden Kräfte“ in der katholischen Kirchengemeinde.

Seit Oktober 2013 haben wir einen Kaplan, der bei seiner ersten Messe versuchte, nach „sondern erlöse uns von allem Bösen.“, den Embolismus zu beten, damit aber nicht durchkam.

Ich war bei dieser Messe Küster und sagte dem Kaplan nach Abschluß der Messe, in meiner Heimatgemeinde in der Südeifel und auch an anderen Orten, wo ich die heilige Messe mitfeiere, werde der Embolismus IMMER gebetet.

Seither spricht dieser Kaplan den Embolismus jedesmal; bis jetzt in der Christmette die zahlenmäßig stärkeren quasi nur an Weihnachten zur Kirche kommenden Meßbesucher ihn mit dem für sie gewohnten: „Denn dein ist das Reich … “ überstimmten.

In dieser Christmette war einer der Ökumene-Befürworter (besser schriebe ich: Reform-Wütiger) Küster.

Der sagte mir nach der Messe erleichtert: „Endlich hat die Gemeinde den Kaplan beim Vater unser nochmal ausgebremst. Der kann doch nicht daherkommen und die alten Sitten wieder einführen wollen!“

Ich widersprach diesem Küster und sagte: „Das ‚Erlöse uns Herr … ‚ gehört aber nun einmal zur Liturgie. Und im Übrigen mußt du nicht dem Kaplan alleine seinen Versuch, am Embolismus festzuhalten, ankreiden: Ich selbst hatte ihn nach seiner ersten Messe hier in Ahnatal darin bestärkt; denn in anderen Gegenden wird das ‚Erlöse uns …‘ immer mitgebetet.“

„Du ! Du hast dem auch noch dabei geholfen!“, warf der Küster-Kollege mir vor und warf wutentbrannt das Tuch, mit dem er den Kelch abtrocknete, in eine Ecke.

[…]“

Wie weit soll die Ökumenisierung und Entheiligung der katholischen Messe denn noch gehen???“

(Lesen Sie ggf. den an dieser Stelle nur des Umfangs wegen ausgelassenen, ebenfalls sehr interessanten, Teil hier, im Kommentarbereich und bei der Gelegenheit auch die älteren Kommentare dort mit weiteren Links!)

Vielen Dank, Herr Göbel, das ist in mancherlei Hinsicht sehr aufschlußreich!

Beginnen wir mit einem kleinen aber sprechenden Detail, das, noch bevor wir uns mit dem Thema Embolismus befassen, ein grelles Schlaglicht auf den bedenklichen Gemütsszustand seiner Verächter im Ahnatal wirft. Ist es Ihnen aufgefallen?

„[…]und warf wutentbrannt das Tuch, mit dem er den Kelch abtrocknete, in eine Ecke.“

Ein Tuch, das, wenn auch nur indirekt, mit dem Allerheiligsten in Berührung gekommen ist, in die Ecke, also auf den Boden werfen?! Dieser Vorgang wäre nach meiner Überzeugung sogar einer rechtlichen Bewertung zugänglich, denn die Ablution („Reinigung der liturgischen Gefäße“) ist selbstverständlich detailliert geregelt (Missale Romanum, AEM, Redemptionis Sacramentum)! Doch ohne detaillierte Kenntnis des Gesamtvorgangs wäre das ein prekäres Unterfangen und darum geht es auch nicht in erster Linie. Aber ich kann nicht umhin festzustellen, daß jemand, dem so etwas möglich ist, sich von einem ganz normalen, ehrfürchtigen Empfinden, wie es aus der Glaubensüberzeugung von der wirklichen Anwesenheit des HErrn im Sakrament fließen muß, offenbar weit entfernt hat.

Dazu paßt das grundverkehrte Verständnis von der Rolle der Gemeinde in der Ordnung des Ablaufs der Hl. Messe „den Kaplan ausgebremst“, das ein eigentümliches Empfinden von „Machtspielchen“ zu offenbaren scheint.

Ich will nun ganz ehrlich sein und zugeben, die Ausdrücke „Entheiligung“ und „Ökumenisierung“, die Herr Göbel in seinem Kommentar gebraucht, erschienen mir beim ersten Lesen ein wenig sehr hart, aber nachdem ich das Ganze seiner Mitteilung so recht durchdacht hatte: Sie sind, leider, angemessen. Wenn nicht der (bewußten) Intention nach, so doch im Ergebnis!

Doch richten wir zum Ende den Blick auf die hoffungsvollen Elemente der Erzählung aus Osthessen!

Zunächst bestätigt sich erneut, was man vielerorts und immer wieder hört: Jüngere Priester, Kapläne haben vielfach den „Reform“-Staub der letzten Jahrzehnte aus ihren Gewändern geschüttelt und sind willens, der eingerissenen Verwilderung entgegenzutreten. Daß es diesen jungen Männern gelungen ist, das immer noch vielerorts an Universitäten und in Seminaren herrschende Klima des post-konziliaren Mehltaus unbeschadet zu überstehen, ist mit nichts weniger als dem Wirken des Hl. Geistes zu erklären!

Weiter: Man kann ihnen helfen! Und sie brauchen diese Hilfe… Wie das vorliegende Beispiel erneut zeigt, kann jede und jeder (s)einem Priester dabei helfen, die liturgischen Zustände in einer Gemeinde zu heilen: Durch direkten Zuspruch, durch mutiges Bekennen gegenüber anderen Gemeinde- mitgliedern, wie es beides Paul Göbel getan hat, durch Gebet ohnehin, durch den klug überlegten Besuch bestimmter Gottesdienste und, und, und! (und hoffentlich sogar durchs Bloggen 😉 )

Ich finde: Paul Göbel hat sich um die Kirche verdient gemacht, Danke! Und Danke, daß Sie das mit uns geteilt haben.

Und so sage ich erneut: Leistet Widerstand und laßt Euch darin nicht beirren!

Alle haben entsprechend den Möglichkeiten in ganz besonderer Weise dafür zu sorgen, daß das heiligste Sakrament der Eucharistie vor jeder Art von Ehrfurchtslosigkeit und Mißachtung bewahrt wird und alle Mißbräuche vollständig korrigiert werden. Dies ist für alle und für jeden einzelnen eine sehr wichtige Aufgabe, und alle sind ungeachtet der Person zur Verwirklichung dieser Aufgabe gehalten.“ (Redemptionis Sacramentum Nr 183) (Hervorhebungen von mir)

Hl. Giuseppe Cafasso, Patron der Kapläne, bitte für alle jungen Priester, deren Herz für die Heiligkeit der Messe brennt und bitte für uns, daß wir nicht nachlassen, sie darin zu unterstützen!

 

 

 

 

 

 

 

Zweierlei Maß…

Heute früh brachte es der noch andauernde Urlaub mit sich, daß ich zufällig einen Beitrag in der Sendereihe „Tag für Tag, Aus Religion und Gesellschaft“ im Deutschlandfunk hörte, der sich mit den „Religiösen Speisevorschriften im Judentum von heute“ beschäftigte.

Das paßt, so dachte ich, ganz gut zum ersten Freitag nach der Weihnachtsoktav, an dem ja so langsam die Einhaltung des freitäglichen Fastengebots wieder in den Blick gerät, ähem 😉

Der Bericht in einer Sendereihe, die ja leider für Katholiken zu katholischen Themen häufig genug relativ unerträglich ist (wie das meiste „Katholische“ im DLF, dem Himmel sei‘s geklagt!), aber dies war ein ganz nüchterner und informativer Bericht (nachzulesen und zu –hören hier) mit sinnvollen O-Tönen, ja, er schien gar von einer gewissen Sympathie geprägt!

Besonders interessant erschien mir der Abschnitt, in dem ausgeführt wurde, daß für die jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion (heute in den jüdischen Gemeinden ja in der Regel die Mehrheit) die jüdischen Speisegesetzen meist keine Rolle spielen. Für ihre Kinder hingegen sehe das anders aus:

„Also, ich fange jetzt koscher bei mir zuhause zu kochen, da ich eigentlich aus einer Familie komme, wo wir ganz normal uns ernährt haben – wie überall gegessen wird. Aber jetzt, da ich meinen eigenen Haushalt habe, […]“

wurde da der O-Ton einer jungen Frau eingespielt. Wie ausgesprochen erfreulich! Wer denkt da nicht an den großen Zuspruch, den die Messe im außerordentlichen Ritus gerade unter jungen Katholiken findet (wo sie sie denn kennenlernen dürfen 🙁 ).

Sehr bedenkenswert auch die Überlegungen der interviewten Professorin zum „Aufmerksamkeitstraining“, der „Bewußtseinsbildung“ und der identitätsstärkenden Wirkung der Beachtung der Speisevorschriften.

Und ich frage mich wieder einmal: Warum wird auf der anderen Seite der (katholische) Christ, der sich unaufdringlich um die Einhaltung der eigenen Fastengebote bemüht, eher als bedauernswerter finsterer Sonderling (oder sonderbarer Firnsterling) betrachtet?

Wäre dies ein ‚Tweet‘ und kein Blogeintrag, so würde ich einfach die Hashtags #Heuchelei und #Selbsthaß setzen…

 

„Scribe visum super tabulas“

Erinnern Sie sich an Tag 20 des Adventskalenders aus Habakuk 2,2 (hier)?

[…] scribe visum et explana eum super tabulas ut percurrat qui legerit eum

[…] Schreibe das Gesehene nieder und grabe es in Tafeln ein, damit man es geläufig lesen kann!

(wenige, späte Handschriften aus dem mitteldeutschen Raum haben wohl fälschlich ‚taPuLa‘ 😉 )

Ich hatte das vor ein paar Tagen als „Ermutigung für Blogger“ bezeichnet, was insbesondere deutlich wird, wenn man berücksichtigt, was diesem Satz voransteht: „[…] das Recht kommt nicht zur Geltung, denn der Frevler hat den Gerechten in der Gewalt. So wird das Recht verdreht.” (Hab 1, 4)

Worte, gültig zu vielen Zeiten und an vielen Orten, zweifelsohne.

Heute wäre dann zu übersetzen:

„Schreib es deutlich auf die Tablets, damit man es leicht lesen kann!“

'Habakuk': "scribe visum super taPuLas" (eigenes Bild...)

Übrigens, man sollte es ja nicht für möglich halten, aber es gibt tatsächlich bedauernswerte Gestalten, die nehmen an der harmlosen Selbstveräppelung, die ich einmal im Jahr betreibe (Nr. 1 und 2 hier und hier) Anstoß, ts, ts… Wie würde meine 13jährige Tochter sagen: „Chillt eure Basis!“ 🙂

 

Der Dodekapropheton-Adventskalender, Tag 24, Maleachi 3 [4]

Et orietur vobis timentibus nomen meum sol justitiæ, et sanitas in pennis ejus

Und aufgehen wird Euch, die Ihr meinen Namen fürchtet, die Sonne der Gerechtigkeit und Heilung wird sein in ihren Schwingen

Mal 4, 2a Vg [3, 20a]

Vos autem genus electum, regale sacerdotium, gens sancta, populus acquisitionis : ut virtutes annuntietis ejus qui de tenebris vos vocavit in admirabile lumen suum.

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Herrlichkeiten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat in sein wunderbares Licht.

1 Petr. 2, 9

Isenheimer Altar, 1512 (Bild: WikiCommons, Tetraktys)

Und damit endet der Dodekapropheton-Adventskalender (und ich frage mich, ob ich wohl jemals wieder einen Adventskalender mit einem derart ‚verrückten‘ Namen finden werde… 🙂 )

PuLa wünscht allen, die sich in den vergangenen Wochen mit auf den Weg gemacht haben, zu zwölf ‚kleinen‘ Propheten, die ich ganz ‚groß‘-artig gefunden habe, einen fröhlichen Heiligen Abend und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!