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Veritas horarum

Unsere im Jahr 2014 ziemlich weithin beachtete Beschäftigung mit den genauen zeitlichen Bedingungen der Osternachtfeier nach den Regeln der Kirche (hier), haben wir leider im vergangenen Jahr 2015 nicht fortsetzen können – jeder, der ein wenig verfolgt hat, was sich im vergangenen Jahr in der Weimarer katholischen Welt abgespielt hat, wird das gewiß verstehen können (vgl. nur hier und hier).

All das (und anderes) hat soviel Kraft gekostet, daß ich nach wie vor leider sagen muß, trotz so mancher einschlägigen Lektüre bin ich für mich mit dem Thema noch nicht soweit fertig, daß ich es wagen könnte, Ihnen eine einigermaßen „abgerundete“, ordentlich begründete (eigene) Position vorzulegen.

Andererseits möchte ich das Thema hier auf dem Blog gerne „lebendig“ erhalten, zentral wie es ist!

Deutlich geworden ist in den vergangenen eineinhalb Jahren jedenfalls soviel: Die augenblickliche Regelung, wann (d.h. um welche Uhrzeit) die Feier der Osternacht stattfinden kann, das ist, sozusagen „rechtsgeschichtlich“, wesentlich eine Folge der Reformen unter Papst Pius XII. in den Jahren 1951 und 1956, der damit zentrale Forderungen der „Liturgischen Bewegung“ aufgriff.
Jaja, Pius XII., wirklich! 😉

Vorher hatte sich, was heute ja nur mehr schwer vorstellbar erscheint, der Zeitpunkt der Oster-„Nacht“ tatsächlich bis in die Morgenstunden des Karsamstags (!) verschoben.

Und was auch immer sonst man im einzelnen von ihr halten mag, der Liturgischen Bewegung war es ernst um die Liturgie (deswegen hieß sie ja so, hüstel!). Und dem Papst natürlich ohnehin!

So kam es dazu, die zentrale Vigil der Christenheit gemäß dem Leitbild der ‚Veritas Horarum‘, der wahren Widerspiegelung des zeitlichen Ablaufs des tatsächlichen, ursprünglichen Ostergeschehens, diesem wieder anzunähern, indem nun vorgeschrieben wurde, es müsse sich künftig (wieder) um eine ‚Ganz-Nacht-Feier‘ handeln.

Heute beobachten wir leider, daß der Impuls zur liturgischen Wahrhaftigkeit, der in diesem zentralen Punkt vor 60 – 70 Jahren Impulse „von unten“ und Aufnahme von Seiten der Hierachie so schön vereinen konnte, weitgehend erschöpft zu sein scheint, hat doch weithin erkennbar die Tendenz um sich gegriffen, soweit wie nur irgend möglich (oder gern auch nicht mehr möglich) an die Ränder des vom Sinngehalt her vorgegebenen Zeitraums  (den das Recht festgeschrieben hat) zu gehen. Bloße „Spätere Vorabendmessen“ wären für die Väter der Liturgischen Bewegung aber ebenso undenkbar gewesen, wie eine Feier, die einen in die schon volle Helligkeit des Tages entläßt. Und für Papst Pius XII. ebenso.

Wer immer sich für Allerlei, was so eingerissen ist, an tatsächlich bloß lauen Bequemlichkeiten, gern vollmundig auf das unvermeidliche „Konzil“, aber eben auch regelmäßig gern auf dessen „heroische Vorgänger“ z.B. in der Liturgischen Bewegung beziehen will – er hat damit unrecht, wie dieses wichtige Beispiel sehr schön zeigt.

Mir scheint, die Frage, wohin sozusagen der „Liturgische Impuls“ gewandert ist, seit Beginn des 20. Jahrhunderts, muß man gründlich betrachten.
Betrachten und bedenken, ohne sich von allzu gewohnten vermeintlich sicheren Traditionslinien, bzw. –bildungen, die mir allzu häufig schlicht auf interessegeleiteten Positionszuschreibungen zu beruhen scheinen, irritieren zu lassen.
Ansätze dazu gibt es bereits, die genaue und unvoreingenommene Betrachtung der Werke von, um nur zwei zu nennen, Romano Guardini und Louis Bouyer, wird dazugehören.

Wer sich bis dahin Gedanken machen will, wie er die Festlegung der Uhrzeit der Osternacht bei sich am Ort vor dem Hintergrund dieser Überlegungen bewerten soll, den verweise ich nochmals auf den oben verlinkten Beitrag mit den rechtlichen Festlegungen (hier) und auf die Website Suncalc, (hier). Für Weimar ergeben sich jedenfalls auszugsweise folgende Zeiten (Zeitumstellung auf die [völlig blödsinnige!] Sommerzeit am frühen Morgen des 27. März berücksichtigen!):

Samstag, 26. März 2016

[…]

06:07—18:35 — Tageslicht

18:35—18:38 — Sonnenuntergang

18:38—19:11 — Bürgerliche Dämmerung

19:11—19:51 — Nautische Dämmerung

19:51—20:32 — Astronomische Dämmerung

20:32—00:00 — Nacht

 Sonntag, 27. März 2016

00:00—05:07 — Nacht

05:07—05:49 — Astronomische Dämmerung

05:49—06:29 — Nautische Dämmerung

06:29—07:02 — Bürgerliche Dämmerung

07:02—07:05 — Sonnenaufgang

07:05—19:36 — Tageslicht

Suncalc für Weimar am Morgen des 27. März 2016, Auszug (Dank an Vladimir Agafonkin für freundlichen Diskurs!)

Suncalc für Weimar am Morgen des 27. März 2016, Auszug (Dank an Vladimir Agafonkin für freundlichen Diskurs!)

 

PS: Wo wir so zu Beginn der Heiligen Woche gerade dabei sind, noch ein weiterer „Servicebeitrag“: Zur wichtigen Frage des Empfangs der Hl. Kommunion in beiderlei Gestalten, wie sie sich häufig am Gründonnerstag in besonderer Weise stellt, schauen Sie bitte hier und auch hier. Ganz kurz zur Erinnerung: „Selber Eintauchen“ ist ein durchaus gravierender unerlaubter Tatbestand, daran gibt es nichts zu deuteln oder weiter zu überlegen, es ist einfach falsch.

EDIT: Bach in the Sub-/Stairways, Es gibt noch ja viel mehr!

Rhizomatisch“, so hatten wir erst gestern geschrieben, ginge die Organisation des Gemeinschafts- und Musikevents zu Johann Sebastian Bachs 331. Geburtstag im Weimarer Pfarrhaus vor sich und Kenner des Begriffs mochten zweifeln, ob eher der, hier dann ins praktisch-medial gewandte, philosophische Begriff des ‚Rhizoms‘ Pate gestanden hatte, oder doch der handfest biologische.
Egal, solange niemand daran zweifelt, daß sie funktionieren wird, die Organisation. Wir tun es, wie gesagt, in keiner Weise!

Außerdem hatten wir vermerkt, Thüringenweit seien noch „Erfurt, Eisenach und Meinigen“ dabei.
Aber das ist bereits heute nicht mehr die ganze Wahrheit!

Offenbar verbreitet sich insofern der schöne Gedanke ganz dem biologischen Wortsinn entsprechend: Plötzlich sprießen Pflänzchen an Stellen auf, wo vorher nichts zu sehen war!

„Molschleben, Friedrichroda, Ziegenrück, Lemnitz..:“ all diese Orte finden sich nun auf der erstaunlichen Website des Projekts, ‚Bach in the subways‘ und unser Pfarrhaus steht auf der Seite 2; schauen Sie nur, hier!

Im Rahmen dieser wahrhaft global orientierten Webpräsenz steht „Thüringen“ einmal mit Recht ganz selbstbewußt neben so fernen und wichtigen Orten wie Budapest, Los Angeles, New York, Seattle, Seoul und Singapur. Und wer würde da etwa kleingeistig anmerken wollen, daß unter „Thüringen“ auch Leipzig subsumiert zu werden scheint… 🙂

PuLa hofft aber, Sie werden nicht dem Reiz des Exotischen erliegen und etwa nach Singapur oder gar Ziegenrück streben, sondern „durch das Barockgärtlein“ den Weg ins Weimarer Pfarrhaus finden!

'Bach in the Subways' (Screenshot unter Verwendung eines eigenen Bildes)

‚Bach in the Subways‘ (Screenshot unter Verwendung eines eigenen Bildes)

Aber kommen Sie bitte zehn Tage zu früh!

Aber kommen Sie bitte zehn Tage zu früh!

Das Pfarrhaus öffnet seine Türen für Musik und Begegnung

Einen Flyer in dem Sinne gibt’s nicht. Der Termin soll sich über die sozialen Netzwerke verbreiten.

Na, dann wollen wir mal.

Eigentlich hätte Pfarrer Gothe das katholische Pfarrhaus von Herz-Jesu Weimar gern für ein kleines Musikprogramm zur Langen Nacht der Hausmusik geöffnet, mit welcher seit 2006 bekanntlich jedes Jahr die Thüringer Bachwochen beginnen. Als wir uns aber darüber unterhielten, stellte sich rasch heraus, daß der Termin der Langen Nacht grundsätzlich mit dem bundesweiten Termin des Ökumenischen Jugendkreuzwegs kollidiert: Beide Veranstaltungen finden jeweils am Abend des Freitag vor Palmsonntag statt.  Naja, und weil das mit dem Jugendkreuzweg 2015 aufgrund der sattsam bekannten sehr speziellen damaligen Personalien in Herz-Jesu Weimar mal wieder nicht realisiert werden konnte, ging dieser Termin  der Pfarrjugend im Jahr 2016 auf jeden Fall vor.

Und das ist gut so. Gibt es doch seit diesem Jahr einen zweiten Termin, an dem man zu freiem Eintritt gemeinsam für andere und mit anderen konzertant Musik machen kann: Erstmals klinken sich die Thüringer Bachwochen heuer nämlich in die seit sechs Jahren bestehende Organisation von Bach in the subways ein: An öffentlichen Orten – besser gesagt: „Nicht-Orten“ wie Einkaufscentren, Kaffees oder sogar Straßenecken – soll Bach zum Geburtstag mit kleinen Ständchen geehrt werden. In Weimar freilich wird aus dem New Yorker „Bach in the subways“ (in Ermangelung einer U-Bahn…) ein „Bach in the stairways“. Das Treppenhauskonzert im katholischen Pfarrhaus! Soweit wir sehen, sind wir damit in Weimar die einzigen, die am 21. März in diesem weltweiten Rahmen ein Geburtstagsständchen bringen möchten. Thüringenweit sind noch Erfurt, Eisenach und Meinigen dabei.

Während aber beispielsweise in Erfurt früh morgens auf der Kreuzung gespielt wird, machen wir es uns im Besprechungsraum bequem. Schließlich steht, so der Wunsch Pfarrer Gothes, die Begegnung im Vordergrund. Mit Tee und karwochenangemessen trockenen Plätzchen werden einige Freundinnen im offenen Besprechungsraum mit einer Art Caféhausatmosphäre eben jenen öffentlichen Raum schaffen, im Rahmen dessen dann in viertelstündigen Blöcken kleine Musikeinheiten im Treppenhaus erklingen: Die Cäcilini singen u.a. Lieder zur Karwoche, der Jugendchor hält Bachbearbeitungen bereit, ein Flötenensemble und einige Solisten machen Musik – im einzelnen kennt meines Wissens bisher niemand das ganze Programm, denn die Organisation ging relativ rhizomatisch vor sich, also nach dem bewährten Motto: „Klar, wir machen was. Das klappt dann schon!“ Da das aber nur wirklich fähige Leute gesagt haben, bin ich vollkommen überzeugt, daß dem auch so sein wird! Durchgesickert ist, daß wir u.a. das „Ave Maria“ hören werden, das Charles Gounod 1852 als „méditation“ über das C-Dur-Präludium aus Bachs „Wohltemperiertem Clavier“ gelegt hat:

Oder auch das solfeggio (vulgo „soll fetzio“) c-moll von Bachs zweitältestem Sohn, dem in Weimar geborenen, aber sogenannten „Berliner Bach“ Carl Philip Emanuel:

Den Auftakt jedenfalls macht um 16.15 Uhr der Jugendchor. Klaviermusik wird sich anschließen, bevor gegen 16.45 Uhr die Cäcilini singen. Das Blockflötenensemble ist ab 17.15 Uhr vollständig, und den Abschluß machen einige gemeinsam gesungene Lieder: Es war allen, die mit vorbereitet haben, nämlich ganz wesentlich, daß es genügend Choräle und Kanons zum gemeinsamen Singen aller Anwesenden geben wird.

Soweit, so gut, werden Sie sagen – aber warum, um alles in der Welt, sollen wir zehn Tage zu früh kommen? Das schaffen wir doch von allem andern abgesehen schon gar nicht mehr!

Ok, liebe Leser, hier beantwortet PuLa Ihnen mal wieder eine Frage, die Sie sich ohne uns gar nicht gestellt hätten. 😉

Johann Sebastian Bach hat laut Taufbuch am 21. März 1685 das Licht der Welt erblickt. Dieses Taufbuch aber lag in der Georgenkirche zu Eisenach – einer Kirche mithin des Herzogtums Sachsen-Eisenach, welches damals protestantisch und das heißt rückständig war – zumindest, was den Kalender betraf. Sie erinnern sich: Schon im 16. Jahrhundert war den Astronomen aufgefallen, daß der damals gebräuchliche, nämlich der Julianische Kalender mit den jahreszeitlichen Abläufen, den Saat- und Erntezeiten nicht mehr übereinstimmte. In seiner großen Weisheit beschloß daher das Konzil von Trient (1545-63) eine Kalenderreform, die Papst Gregor XIII in kirchenhistorisch kürzester Zeit, nämlich nach schlappen 19 Jahren 1582 umsetzte: Auf den 4. Oktober folgte in jenem Jahr der 15. Oktober – zufällig die Todesnacht der Teresa von Ávila, also gut zu merken.

Die protestantischen Länder machten die Kalenderreform, wiewohl von anerkannten Wissenschaftlern wie Johannes Kepler befürwortet, nicht mit: Da vom Papst dekretiert, vermutete man nichts Geringeres, als daß der Antichrist hinsichtlich des Zeitpunkts des Jüngsten Gerichts Verwirrung stiften wolle. Erst um 1700 war die Reform überall – zuletzt in England – nachvollzogen, aber Bach hat es noch voll erwischt. Geburtstag hat er, wenn man den Tag begehen möchte, am 31. März. Das wissen aber nicht wirklich viele, und interessieren tut es schon gar keinen. Also kommen Sie zehn Tage zu früh. Wir feiern am 21ten.

Nochmal in Kürze zum Mitschreiben:

Was? Bach in the subways – Bach im Pfarrhaus

Wo? Katholisches Pfarrhaus Herz-Jesu Weimar, 1. OG, Eingang durch das Barockgärtlein.

Wann? Montag, 21. März 2016, 16.00 – 18.00 Uhr

Wer? Cäcilini, Jugendchor, Blockflötenensemble, Solisten, Sachen zum Mitsingen

Wie? Zwanglos! Kommen und gehen Sie jederzeit innerhalb dieser zwei Stunden – es herrscht keine Konzertatmosphäre!

Warum? Nette Leute und gute Musik bei kostenlosem Eintritt und Freitee

Kommen Sie zahlreich!

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Die Redezeit

Die Redezeit

Ein Sketch für einen gelben Neunsitzer, sieben Personen und elf Statisten

 

Wundersdorf/ Oderbruch. Ein naßkalter, spätwinterlicher Abend. Diesige Luft drückt auf die Dächer des kleinen brandenburgischen Städtchens. Man sollte meinen, bei dem Wetter jage man keinen Hund vor die Tür. Die aufgeräumte Pfarrjugend der katholischen Gemeinde Maria Hilf! Wundersdorf sieht das anders. Gerade kommt sie von einem gemeinsamen Theaterbesuch mit dem neuen Pfarrer zurück. Laut und fidel trudeln die Jugendlichen nach und nach beim Gemeindehaus ein – wo alle erstmal wie angewurzelt stehen bleiben. Im Pfarrhof steht unübersehbar ein gelber Kleinbus!

Ah! Der neue Boni-Bus! werden Sie denken – und Sie sind damit nicht allein. Gespannt schauen die Jugendlichen den Pfarrer an und warten auf eine Erklärung. Aber auch er ist ausnahmsweise sprachlos.

Eine Stimme: Ah! Da kommt ihr ja doch noch!

Alle fahren herum. Wer kommt da, je einen Döner in der Hand, die Straße entlangspaziert? Jetzt treten die beiden ins Licht der Straßenlaterne.

Emily: Jenny! Tim! (Sie wird knallrot.) So ein Mist! Ich hab total unsern Termin vergessen!

Der neue Pfarrer (zu Emily): Nanu! So kenn ich dich ja gar nicht! (Er lacht.)

Britta (ist auch ziemlich verlegen): Hallo Jenny, hallo Tim! Unser Theaterbesuch hat sich verschoben – und da müssen wir übersehen haben, daß ihr heute kommen wolltet. Tut uns echt leid!

Tim (kaut): Theaterbesuch! Klingt ja nicht schlecht.

Jenny: Hallo zusammen! Was habt ihr euch denn angeguckt? (Sie beißt in ihren Döner.)

Heike: „Ich bin Kain“.

Tim (wartet einen Moment): Kein was?

Freddy: Kein Abel.

Alle lachen.

Tim (zum Pfarrer gewendet): Dürfen wir uns erstmal vorstellen: Tim und Jenny von der Logo-Redaktion.

Der neue Pfarrer (gibt den beiden die Hand): Ah! Guten Abend! Freut mich! Was führt euch zu uns?

Tim (weist auf Emily und Britta, die verlegen zur Seite schauen): Die beiden jungen Damen hier hatten uns vor ziemlich genau einem Jahr zur Logo-Redezeit herbestellt. (Er ißt seinen Döner.)

Der neue Pfarrer: Helft mir noch mal.

Jenny: Die Logo-Redezeit ist eine Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, eine untragbare Situation in ihrem Umfeld zu thematisieren – völlig marode Gebäude oder irgend sonstwas Kaputtes.

Tim: Oder wenn das einzige Schwimmbad am Ort geschlossen werden soll.

Jenny (nickt): Irgend sowas. Logo interviewt dann ein paar Verantwortliche, berichtet in einer Sendung darüber – und häufig bessert sich die Situation …

Tim: … was wir dann in einem zweiten Termin dokumentieren.

Emily und Britta: …. ääääh … tut uns wirklich leid … (Sie winden sich.)

Jenny: Hier war die Lage aber sowieso ein bißchen besonders.

Tim: An ein Interview mit den Verantwortlichen war zum Beispiel überhaupt nicht zu denken.

Jenny (zu Tim): Weißt du noch, die Frau, die kam und uns als erstes anschnauzte, hier hätte kein gelber Bus zu stehen?

Tim (lacht): Das war echt gruselig. (Er geht seine Papierserviette wegwerfen.)

Jenny: Also wurde aus der Sendung nicht wirklich etwas.

Tim (kommt zurück): Aber fürs Archiv wollten wir trotzdem kommen und uns erkundigen, wie es weitergegangen ist.

Jenny: Und diesmal scheint es ja auch ohne Logo funktioniert zu haben. (Sie blickt in die Runde.)

Der neue Pfarrer: Moment mal! (zu Emily und Britta) Ihr habt das Fernsehen bestellt, um die Situation in der Gemeinde zu thematisieren?

Emily (gestikulierend): Was sollten wir denn machen – wenn uns der Kaplan und der Pfarrer im Regen stehen lassen …

Britta: … und uns die Tür vor der Nase zuschlagen, obwohl Jugendstunde im Plan steht …

Emily: … und über ein Jahr einfach gar nichts mehr geht?

Britta: Das ist ja wohl mindestens so belastend wie eine kaputte Schwimmbadpflasterung!

Der neue Pfarrer (zu Jenny und Tim): Na – kommt erstmal mit rein – wo übernachtet ihr denn?

Jenny: Wir müssen heute noch nach Eisenach.

Tim: Aber für einen Tee ist noch Zeit.

Der neue Pfarrer: Das kriegen wir hin! (Er schleust die gesamte Truppe vor sich her ins Gemeindehaus. Als letztes schlendern Britta und Emily, immer noch ein bißchen verlegen, Richtung Tür.)

Der neue Pfarrer (streckt den beiden die Hand entgegen und grinst): Kann es sein, daß ich euch immer noch unterschätzt habe?

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß wir in Weimar in der Vergangenheit andere Möglichkeiten gefunden haben, um Mißstände öffentlich zu machen.

Die Sonntagsmesse

Die Sonntagsmesse

Ein Sketch für neun Personen und unglaublich viele Statisten

 

Wundersdorf, Oderbruch. Vor der katholischen Kirche Maria Hilf! Nach Ende der Sonntagsmesse. Der einen Sonntagsmesse, die es jetzt vormittags gibt. Jedenfalls in der Pfarrkirche. Die Gottesdienstbesucher strömen auf den Kirchvorplatz. Es sind ganz ganz viele („Strom“ darf man ja nicht mehr sagen). Es nimmt schier kein Ende. Edith und Richard suchen Teresa und Emily, die sich ins Seitenschiff zu ein paar Freundinnen gesetzt hatten.

Edith: Puh!

Richard (abgesetzt): Zu voll! (Sie begrüßen nach allen Seiten verschiedene Bekannte. Hedwig kommt auf sie zu und gibt ihnen die Hand.)

Hedwig: Guten Morgen! Und einen schönen Sonntag!

Edith: Grüß dich! (Sie schaut an Hedwig herunter) Du bist ja heute so groß.

Hedwig (hebt einen Fuß an und betrachtet den Absatz): Du, ich hab mir extra Schuhe mit hohen Hacken gekauft. Sieben Zentimeter. Das hatte ich noch nie. (Sie stellt sich zusätzlich auf die Zehenspitzen.)

Richard: Aber schick!

Hedwig: Danke! Aber das ist nicht der Punkt. Ich hatte die Faxen dicke, in der Messe nichts mehr zu sehen!

Edith: Das ist echt ein riesen Problem, seit es nur noch den einen Gottesdienst gibt. Entweder du bist um halb da oder du sitzt wie die Ölsardinen in der letzten Reihe.

Silke: Guten Morgen! (Sie gibt allen die Hand.)

Hedwig: Oh! Neue Brille?

Silke (nimmt die Brille ab und betrachtet sie selbst): Ich habe festgestellt, daß ich mit der vorherigen in der Messe nichts mehr gesehen habe. Ging nicht mehr!

Herr Schiffbauer (prononciert): Guten Morgen!

Alle (durcheinander): Guten Morgen, Herr Schiffbauer. – Einen schönen Sonntag! – Schön haben Sie gesprochen, am Dienstag.

Herr Schiffbauer (reicht Edith ein Gotteslob): Das hat mir Ihre Tochter freundlicherweise zur Verfügung gestellt, (mit gespielter Verzweiflung) und nun kann ich sie nicht mehr finden.

Edith: Kein Problem. Ich nehm’s.

Hedwig: Als Sie kamen, standen wohl schon keine Bücher mehr da?

Herr Schiffbauer (winkt ab; jovial): Ha! Die waren natürlich läääängst alle weg. Vielleicht sollte ich doch über kurz oder lang ein eigenes erwerben. (Er lächelt, verbeugt sich leicht und verabschiedet sich.)

Teresa (kommt mit Emily angerannt): Können wir nächsten Sonntag nach Hinterfichtewalde fahren? Zur 9 Uhr Messe?

Edith: Liebes, ich fürchte, nächsten Sonntag seid ihr mal wieder zum Ministrieren eingeteilt …

Emily: Na gut, da sehen wir ja wenigstens was.

Teresa (echt betrübt): Ich bin ganz traurig, weil ich bei der Elevation den HErrn nicht gesehen habe!

Richard: Nach der Wandlung?

Teresa: Ja. Weil da so eine toupierte Blondine vor mir saß.

Edith (zu Richard): Wir haben so ein frommes Kind …

Richard (bloß scheinbar ironisch): Wie haben wir das bloß angestellt?

Emma (hält sich den hochgeklappten Mantelkragen zu): Mein Gott, ist das kalt, hinten an der Tür.

Hedwig: Klar! Da zieht‘s wie Hechtsuppe. (Sie klippert Emma ein paar kleine Eiszapfen vom Mantelkragen.)

Silke: Ich glaube, ohne Kopfbedeckung kommt man da nicht aus (sie rückt an ihrem Filzhut).

Herr Hanslik (schnarrt): Da müssen Sie früher aufstehen, Frau Doktor! Schalom! (Er zieht seinen Hut.)

Silke: Guten Morgen, Herr Hanslik. Ganz herzlichen Dank für ihren guten Rat. (Sie grinst)

Edith: Es ist doch erstaunlich, wer so alles von der Streichung der 9 Uhr Messe profitiert: Die Uhrmacher …

Richard (verdutzt): Hm?

Edith (lacht): Weil wir jetzt alle einen Wecker brauchen.

Emma (steigt in das Spiel ein): … die Hutmacher …

Hedwig (hebt einen Fuß): … die Schuhmacher …

Silke (zeigt auf ihre Brille): … die Optiker …

Richard (hebt Teresas Gotteslob hoch): … der Bennoverlag …

Emily: … die OPEC …

Emma (lacht): … und die Journalisten.

Silke: Stimmt! Die waren die ersten!

Hedwig: Drei Artikel ohne eine Minute Recherche!

Edith: Da sage noch mal einer, die Kirche besäße keine gesellschaftliche Relevanz!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß hier in Weimar die Journalisten ja so (selbst-) kritisch mit ihrer eigenen Zunft umgehen…

 

„Else Markwardt, Heiner Franke“ ?

Zwei Regionalzeitungen werden in Weimar und im Landkreis Weimarer Land (in dem der größte Teil der Pfarrei Herz-Jesu liegt) vorwiegend gelesen, die auf PuLa bekanntere, traditionsreiche ‚Thüringische Landeszeitung‘, TLZ mit Sitz in Weimar und die ‚Thüringer Allgemeine‘ mit Sitz in Erfurt, die natürlich über eine Weimarer Lokalredaktion verfügt.
Nun gehören aber beide Blätter zur sog. ‚Funke-Mediengruppe‘ , Sitz Essen, und so kommt es, daß immer wieder auch Meldungen aus dem lokalen und regionalen Bereich (und nicht nur aus dem überregionalen sog. „Mantelteil“) identisch in beiden Zeitungen zu finden sind.

So geschah es auch mit zwei aufeinander bezogenen Beiträgen aus der Feder von Jens Lehnert, der dem Team der TA angehört.

Deren erster erschien unter dem sprachlich wenig eleganten Titel „Beschluss ohne das ordentliche Verfahren“ (leider nicht online, vgl. aber hier) schon am 19. Januar in beiden Blättern. Er beschäftigte sich, in immerhin fünf Spalten, mit der die breitere Öffentlichkeit ja wirklich weithin bewegenden Frage, wie die Veränderungen in den Gottesdienstzeiten, die bei uns mit der Fastenzeit in Kraft treten, „in Kranichfeld und Blankenhain“ aufgenommen würden.
Doch, wirklich!, stand so in der Zeitung, das könnte ich mir gar nicht ausdenken… 😉

Anlaß für den Artikel war eine E-Mail von „Heiner Markwardt, der der Filialgemeinde im Südkreis angehört“ und Fragen zur örtlichen Akzeptanz der Neuregelung aufwarf. Außerdem sei der „Beschluss des Weimarer Pfarrgemeinderates“ (Hervorhebung von mir) nicht korrekt zustandegekommen, ja „unwirksam“, denn zur fraglichen Sitzung sei nicht in korrekter Form eingeladen worden und ergo habe der Filialgemeinderat sein verbrieftes Anhörungsrecht nicht wahrnehmen können. Der Artikel endet mit dem ominösen Satz: „Schließlich mahnte Markwardt, die Spaltung der Gesamtgemeinde Weimar mit den Filialen Buttstädt und Bad Berka nicht weiter voran zu treiben“.

„Auf einmal!“

„Auf einmal!“, so unsere spontane Reaktion, auf einmal kann sich die gleiche Zeitung, in der rechtliche Überlegungen im Raum der Kirche bisher immer den „gesetzesgläubigen Traditionalisten“ vorbehalten schienen, über die Verletzung kirchlichen Verfahrensrechts erregen. Wir rieben uns die Augen. War das wirklich das gleiche Organ, in dem gegen die jahrelange Haltung von „legal, illegal, sch…“, na, Sie wissen schon, wie sie gerade in Bezug auf „unsere Gremien“ und ihre Öffentlichkeit hier vorgeherrscht hatte, nie etwas zu vernehmen gewesen war? Was hatte sich denn da plötzlich geändert? Wir hatten so einen Verdacht, beschlossen aber, die Sache weiter zu beobachten, jedoch vorerst hingehen zu lassen.

‚Heiner Markwardt‘ – ein Phantom

Das ging aber nicht lange gut, denn schon am 2. Februar erschien ein (noch längerer) Folgeartikel unter der Überschrift: „Neue Gottesdienst-Zeiten ab Mitte des Monats“ (online hier). Hier wurde zunächst seitens zweier Vertreter des Pfarrgemeinderats eingeräumt, ja, das Zustandekommen der Sitzung war fehlerhaft. Weiterhin wurde nun auch presseöffentlich, was sich jeder auch nur einigermaßen Kundige eh gedacht hatte: Eines „Beschlusses“ durch den PGR im eigentlichen Sinne bedurfte es für diese Änderung überhaupt nicht, so daß die „Markwardtsche Vermutung“ von der „Unwirksamkeit“ von vornherein ins Leere laufen mußte. Genau deswegen konnte ja der Verstoß gegen das Verfahrensrecht auf dem Wege einer erneuten Sitzung (die inzwischen bereits stattgefunden hat) auch leicht ‚geheilt‘ werden.

Die eigentliche Überraschung des Beitrags war aber dies: Einen ‚Heiner Markwardt‘ als Angehörigen dieser Pfarrei gibt es gar nicht! Und das sagt nicht bloß die Zeitung, das hat auch Pfr. Gothe inzwischen gemeindeöffentlich gesagt. Vorher hatten bereits unsere eigenen Recherchen ebenfalls in diese Richtung gezeigt.

Ein starkes Stück, oder? Nun stellten sich natürlich doch einige Fragen.

Deren erste geht in Richtung des Journalisten: Wurde da etwa der Inhalt einer Mail eines bis dato notwendig unbekannten Absenders ‚einfach mal so‘ in einen Artikel umgesetzt, denn: „ein bißchen Stunk macht ja immer eine Meldung“? Ging dem etwa tatsächlich kein Stückchen Recherche und Absicherung voraus? Ist sowas möglich? PuLa hat selbstverständlich versucht, vor diesem Beitrag mit Herrn Lehnert ins Gespräch zu kommen, aber mehrfache Anfragen an verschiedene E-Mail-Adressen bleiben leider unbeantwortet.

„Heinrich, mir graut vor Dir!“

Die andere Möglichkeit ist natürlich: Der (wahre) Absender war eben doch nicht unbekannt und der zweite Artikel ist lediglich die „Flucht nach vorn“, nachdem die tatsächliche Nicht-Existenz von ‚Heiner Markwardt‘ nicht mehr zu bestreiten war. Hier ging unsere erste Überlegung, um wen es sich wohl wirklich gehandelt haben könnte, in Richtung eines Journalisten-Kollegen von J. Lehnert aus Bad Berka (vgl. hier) aber, das sei ausdrücklich gesagt, für diese Spur spricht im Moment nichts, es würde auch zu dem Betreffenden nicht gut passen!

„Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten!“

Nein, das Nachforschen mußte grundsätzlicher, sozusagen struktureller geschehen. Woher kannten wir das: Quasi aus dem Nichts taucht plötzlich eine Person auf, die in der Pfarrei keiner kennt, die aber offenbar über ein gewisses Maß an Insider-Wissen verfügt und sich mit Vorliebe scheinbar juristischer, stets aber völlig haltloser, gerne auch frei erfundener Pseudo-Argumente bedient, an denen immer nur soviel dran ist, daß sie dazu angetan sind, bei einfacheren Gemütern Verwirrung zu stiften?

Woher? Das kennen wir von der causa „Else Franke“, jener bis zum November 2013 auf diesem Blog herumgeisternden, ebenfalls als solche nicht real existierenden Kommentatorin, deren Hervorbringungen Sie sich hier zusammengefaßt anschauen können.

Ja, vieles spricht dafür, daß es sich bei dem realen Menschen hinter „Else Franke“ und demjenigen hinter „Heiner Markwardt“ um die gleiche Person handelt und so nimmt es auch eine Mehrheit der Kundigen in allen Ständen der Pfarrei an.
Wobei nun allerdings davon auszugehen ist, von ‚Heiner Markwardt‘ werden wir, anders als von ‚Else Franke‘ nicht über längere Zeit etwas hören, denn dieses Alias wurde ja nun doch sehr schnell öffentlich „verbrannt“ – dumm gelaufen aber auch. 😀

Diese Hypothese würde nun helfen, die oben gestellte Frage zu beantworten: ‚Was hat sich geändert, daß auf einmal von dieser Seite versucht wird (vermeintlich) rechtliche Überlegungen in Stellung zu bringen? Ganz einfach: Wenn bis vor kurzem natürlich kein Interesse daran bestehen konnte, die eigene Machtausübung durch solche „Kleinigkeiten“ wie das kirchliche Verfahrensrecht beschnitten zu sehen, so – gibt es diese Position heute einfach nicht mehr. Und voller Frust greift man zu derartigen Strohhalmen.

Wer Augen hat, zu sehen

Hätte man diese Posse um potentiell fragwürdige journalistische Praktiken und erlittene narzißtische Kränkungen nicht auf sich beruhen lassen können? Wir haben uns, wie oben angedeutet, diese Frage auch einige Zeit gestellt. Aber diese Vorgänge, sie zeigen in Verbindung mit anderen Faktoren doch höchst bedenkliche Punkte auf, um derentwillen wir heute, am Tag vor Beginn der Fastenzeit, die mit solchem Unbill zu unterbrechen hoffentlich (!) nicht notwendig sein wird, das Wort erheben.

Erinnern Sie sich an den letzten Satz aus dem Artikel vom 19. Januar?
„Schließlich mahnte Markwardt, die Spaltung der Gesamtgemeinde Weimar mit den Filialen Buttstädt und Bad Berka nicht weiter voran zu treiben“.
Das ist des Pudels Kern: Der als Vorwurf behauptete, in Wahrheit aber von interessierter Seite höchst absichtsvoll selbst betriebene Versuch eine „Spaltung“ zu inszenieren! Dieses Vorhaben ist hinterhältig und perfide in einer Situation, in der die Kräfte aller Gutwilligen zur Arbeit an Heilung und Einheit gebraucht werden. Man wird allerdings auch kaum als „gutwillig“ charakterisieren können, wer ausgerechnet mit diesem peinlichen Possenspiel unsere Gemeinde in die Zeitung zerrt. Und man sieht daran genau, wer es schon immer war, der hier tatsächlich „Spaltung“ betrieben hat, und wer gegen andere Gemeindemitglieder gehetzt hat – bis hin zur Entmenschlichung (vgl. hier)

Hinzu treten Beobachtungen.
Wir beobachten „Briefe“, die geschrieben und breit gestreut werden.
Wir beobachten nicht zwingende und wenig brüderliche „Anwesenheiten“, gerne in Abwesenheit unseres Pfarrers.
Wir beobachten maulige oder versteinerte Gesichter, wo Einsatzbereitschaft oder befreiendes Lachen am Platze wären.
Wir beobachten den lächerlichen und kleinstkarierten Versuch, auf unheimlich vertraute Weise Angst zu erzeugen („Ordnungsamt“), wo nur ein alter Brauch gepflegt wird – in Räumen, die dafür gebaut sind!

Dazu sagen wir: Wir werden zur gegebenen und besprochenen Zeit unserer Freude und Dankbarkeit über die eingetretene Veränderung (vgl. zuletzt hier) noch ausführlich Ausdruck verleihen und nach besten Kräften an der Zukunft der Pfarrei mitarbeiten.
Wer bis dahin aber etwa dächte, PuLa hätte in den letzten beinahe 5 Jahren in Bezug auf die Vergangenheit schon alles gesagt, von dem wir wissen, der irrte gewaltig.
Nein, und wir werden es nicht kampflos hinnehmen, falls zu irgendeinem Zeitpunkt der Versuch unternommen würde, die Zeit zurückzudrehen!

Und damit erst gar kein Mißverständnis aufkommen kann: Wer es nötig hat, das als Drohung aufzufassen, der versteht es ganz richtig.

 

Tu Domine servabis nos et custodies nos * a generatione hac in aeternum.
(Ps. 11, 8, Vg.)

“Du wirst uns erretten, o Herr,
vor diesem Geschlecht uns behüten zu aller Zeit.“
(Übertragung nach dem „Deutschen Psalter“ von R. Guardini)

 

„Da müssen Sie auf Halbe gehen…“ Ein Nachruf

„Da müssen Sie auf Halbe gehen, Frau Becker-Lamers.
Das marschiert sonst so!“

Ein Nachruf auf einen Vollblutmusiker

Am 12. Januar 2016 entschlief Herr Frank-Thomas Gericke im Alter von 85 Jahren. Vier Jahrzehnte lang hatte er an der Landesschule Pforta Musik und Deutsch unterrichtet und 1982 den Musikzweig des Spezialgymnasiums aus der Taufe gehoben.

Was hat das mit Weimar zu tun? Noch dazu mit „Katholisch in Weimar“? Denn wie der Name erahnen läßt, gehörte Herr Gericke zur evangelischen Gemeinde.

Aber Frau Gericke nicht. Und als die Familie die Eltern vor zehn Jahren zu sich nach Weimar geholt hatte, besuchte Herr Gericke mit seiner Frau regelmäßig die Messe. Vor allem aber gab er seine Liebe zur Musik im Seniorenkreis weiter, der sich wöchentlich im Gemeindehaus trifft und in Weimar dank seiner außerordentlich tüchtigen Leiterin seit Jahren jede Woche ein kleines Programm, sei es ein Konzert, ein Vortrag oder sonst etwas Interessantes, erlebt. Aber was das Tagesthema im einzelnen auch immer sein mochte oder mag – das Singen der bei dieser Generation ja noch so beneidenswert präsenten Volkslieder beschloß und beschließt jedes Treffen.

Und da saß Herr Gericke jede Woche am Klavier.

Er saß dort auch, sooft ein kleiner Chor kleiner Kinder, die jetzigen „Cäcilini an Herz Jesu Weimar“ unter ihrem damaligen Namen der „Kinderschola der Herz-Jesu-Gemeinde Weimar“, zum Adventskaffee der Senioren, zu einem Heiligenfest oder etwa einem 90. Geburtstag im Kreis der alten Herrschaften sang. In kurzer Zeit entstand eine stabile Kooperation zwischen einer kleinen Gruppe freundlicher Sängerinnen, einer größeren Gruppe äußerst williger Zuhörer und einer einzelnen Chorleiterin und Komponistin, die sich so auch immer sicherer an ihre Themen herantastete.

Natürlich gab es im Vorfeld unserer kleinen Auftritte jede Menge zu besprechen, zu proben und neu aufzuschreiben. So wuchs mir Herr Gericke sehr ans Herz. Es war unmöglich, sich seiner Begeisterung für die Musik oder sonst einer seiner Erzählungen zu entziehen. Und gerne nahm ich jede Belehrung des (im Gegensatz zu mir) ausgebildeten Chorleiters und Schulmusikers an – wie eben die vollkommen richtige Bemerkung zu einem meiner Lieder: „Da müssen Sie [beim Dirigieren] auf Halbe gehen, Frau Becker-Lamers. Das marschiert sonst so!

Wunderbar! Einfach unvergeßlich!

So trafen wir uns mit der Zeit immer wieder auch außerhalb des Seniorenkreises oder meiner Sternsingerrunden mit den Chor-Kindern. Ich versuchte, an seinen Geburtstag zu denken und schneite mit dem einen oder anderen Blumenstrauß vorbei – wobei es sehr hilfreich war, daß wir in derselben Straße wohnten. So sah ich ihn auch hin und wieder, wenn er bei Wind und Wetter auf dem Fahrrad die Besorgungen für seinen kleinen Haushalt machte – was er so lange wie irgend möglich tat. Das war letzten Sommer.

Am vergangenen Freitag ist Herr Frank-Thomas Gericke nach einer ökumenischen Trauerfeier auf dem Weimarer Hauptfriedhof beigesetzt worden. Natürlich sang ein Chor ehemaliger Schüler und Kollegen aus Schulpforte. Aber auch die Weimarer Trauergemeinde war groß – eine Trauergemeinde, die ihm allein aufgrund seines Engagements in der Pfarrei in den letzten zehn Jahren seines Lebens die letzte Ehre erweisen wollte.

Er war ein wunderbarer Mensch.

 

Den Menschen, die aus dieser Zeit
Im Glauben sind geschieden,
gib in der frohen Ewigkeit
Herr unser Gott den Frieden.

 

Aus: ‚oremus‘. Katholisches Gebetbuch, Thalwil 2013, S. 278.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Am Tag des Hl. Timotheus: Ein Zeichen in eigner Sache

Als wir am 11. Juli 2014, also fast drei-und-ein-viertel-Jahr, nachdem dieser Blog online gegangen war, die Reihe der „Wall of Shame“ begannen, da geschah dies, weil wir fanden, es sei:

an der Zeit, erneut etwas zu unternehmen, gegen den Versuch Normalität und ‚Business as usual‘ vorzutäuschen, und gegen die trügerische Hoffnung auf Vergessen, hier in der kleinen katholischen Welt Weimars!,

denn genau das wurde damals versucht, so zu tun, als wäre nichts.
Wie wir heute wissen, blieb dieser Versuch erfolglos.
Die Beiträge der „Wall of Shame“ jedoch, wie wir auch im nachhinein noch feststellen durften, wurden offenbar tatsächlich als die Speerspitze des Widerstands gegen die damaligen Zustände empfunden. Und dieses Empfinden war ganz korrekt.

Damals haben wir geschrieben, die Reihe werde es geben:

bis zu dem Tag, an dem sich wirklich und vom Grunde her etwas bessert.

Diesen Tag sehen wir inzwischen gekommen, deo gratias!, und folgerichtig ist bereits seit dem Spätsommer 2015 kein Beitrag mehr erschienen.

Als Zeichen unserer Freude und Dankbarkeit angesichts dieser Entwicklung haben wir heute die Beiträge der „Wall of Shame“ auf dem Blog dem öffentlichen Zugriff entzogen, sie sozusagen unsichtbar gemacht. Wohlgemerkt: „unsichtbar gemacht“, nicht etwa „gelöscht“, weil es dabei bleibt:

wir werden nicht vergessen, denn Vergessen ist wider die Wahrheit. (vgl. hier)

Wer möchte, kann in dieser Geste auch ein Zeichen dafür erblicken, daß wir natürlich über jeden Text der vergangenen Jahre gesprächsbereit sind – wie wir es immer waren. Wer meint, daß er auf PuLa irgendwann in ungerechtfertigter Weise schlecht weggekommen sei, soll es uns schreiben. Die Zeit dafür ist jetzt, wo der neue Abschnitt in der Geschichte der Pfarrei noch frisch ist.
Wir sind fest davon überzeugt, vieles, vielleicht das meiste, was an „Verletzungen durch den Blog“ behauptet wird, ist nichts als das Resultat von bewußt gepflegter Propaganda seitens derjenigen, die wir in der Tat kritisiert und – aufgezogen haben (vgl. hier).
Dennoch, wer über einen konkreten (!) Text, eine konkrete (!) Textstelle mit uns reden will: Im Impressum steht die E-Mail-Adresse; Vertraulichkeit ist Ehrensache.

Zum Abschluß: Dieser Beitrag hatte eigentlich schon Wochen früher erscheinen sollen. Aber da meinte die Lokalredaktion der TLZ ja gerade noch einmal die Sichtweise des „vormaligen Regimes“ wiedergeben zu müssen (hier), und den auf diesem Wege hinzugekommenen neuen Lesern mußten wir ja erstmal die Chance geben, sich ein vollständiges Bild zu machen.

Jedoch, wie es ja eigentlich immer so ist, es war auch sonst noch für etwas gut! Ja, denn so kann dieser Beitrag gerade heute erscheinen, am Gedenktag des Hl. Timotheus!

Diesem hochgeschätzten jüngeren Freund und Gefährten hat der Hl. Apostel Paulus immer wieder die Bereinigung schwieriger und verfahrener Situationen in etlichen Gemeinden der jungen Christenheit anvertraut – welch schöne Analogie! 🙂

Hl. Timotheus, Ikone (Bild: Wikicommons)

Hl. Timotheus, Ikone (Bild: Wikicommons)

Attende tibi, et doctrinæ : insta in illis. Hoc enim faciens, et teipsum salvum facies, et eos qui te audiunt. (1.Tim 4,16)

[Paulus an Timotheus:] Achte auf Dich selbst und achte der Lehren; steh fest in ihnen! Wenn du das tust, schaffst Du Dir selbst die Rettung und jenen, die Dich hören (eigene Übertragung aus der Vulgata).

Hl. Timotheus, bitte für uns!

 

Sketch des Monats: Die Planierraupe

Sketch des Monats: Die Planierraupe

Ein Sketch für fünf Schafe, zwei Lämmchen, sechs Personen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide.

Etliche Tage haben die Schafe im Unterstand verbracht, weil es draußen mit minus 15 Grad doch zuweilen recht frisch war. Auch am Tag. Gegen diese Kälte hieß es zusammenstehen und mit den Erinnerungen an die schönen Weihnachtstage über die Runden kommen. Sie hatten einen Haufen guter Predigten von ihrem neuen Hirten gehört. Über das Volk Israel zum Beispiel, das einige Zeit nach dem Aufbruch aus Ägypten wünscht, es wäre doch in der Sklaverei geblieben und dann aber von Moses zum frischen Quell geführt wird.

Das war in der Jahresschlußandacht.

Sie hatten aber auch schöne zweisprachige Messen gefeiert mit arabischen Christen, hatten nachmittags gemeinsam gesungen und ganz zu Recht hatte Karlheinz zuletzt coram publico festgehalten, es stimme tatsächlich, daß Musik verbinde. Speziell Fixi hatte von den arabischen Liedern tagelang einen Ohrwurm und sang sie vor sich hin.

Was auf Dauer natürlich auch wieder nervte. Aber letztlich freut sich ja doch jedes Schaf, wenn die Lämmchen fröhlich sind.

Na, und dann waren ein paar Wundersdorfer Kinder als Sternsinger auch auf der Weide gewesen, hatten gesungen, den Unterstand gesegnet und ihr Sprüchlein über die Tür geschrieben: 20*C+M+B+16. Das hatte Flocke, Kohle, Fixi und Huf an ihre raffinierte Aktion im Ministerium im letzten Jahr erinnert und erneut für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt.

Nach einiger Zeit fällt einem trotzdem die Decke auf den Kopf und so freuen sich die Schafe, als es endlich deutlich milder wird. Durch den Bretterverhau können sie erkennen, daß Gras und Kräuter wieder zwischen den Schneeflecken hervorschauen und die Bäume reglos ihre Wipfel in die ruhige Luft recken.

Kohle (steckt die Nase aus der Tür und schnuppert): Mmmmmm! Schafe, ich glaube, wir können mal wieder ein paar Schritte vor die Tür gehen.

(Er tritt auf die Weide, macht ein paar Luftsprünge – und bleibt wie angewurzelt stehen: Dicht hinter dem Hügel, am Rande der Weide, steht eine große gelbe Planierraupe.)

Planierraupe beim Wegebau, mit Schotter

Kohle (erschrocken): Schafe!!! Kommt mal gucken!

(Durch Kohles Tonfall alarmiert, stürmen die Schafe auf die Weide und bleiben ebenfalls starr vor Schreck stehen.)

Die Schafe (durcheinander): Was ist das? – Will die Stadt etwa unseren Unterstand abreißen? – Wir heißen doch nicht Arthur Dent!  – Oder die ganze Weide platt machen? – Aber wo sollen wir denn dann hin? – Sollen wir etwa komplett ausgelöscht werden? – Das können sie doch nicht machen!

(Sie stürmen in den letzten Winkel ihrer Weide und drängen sich dort eng zusammen. In ihrer Verzweiflung haben sie weder bemerkt, daß ihr neuer Hirte inzwischen auf der Bildfläche erschienen ist und mit dem Baggerfahrer zu sprechen begonnen hat. Noch hören sie Richard, Edith, Teresa und Emily kommen, die sich vor einer guten Stunde zu einem ausgedehnten Spaziergang in die Wundersdorfer Felder aufgemacht haben.)

Edith (tritt an den Weidezaun heran, zu den Schafen): Was ist denn mit euch los?

Richard (ebenso): Ihr seid ja völlig aufgelöst.

Wolle: Na, schau doch mal, da vorne! (Sie weist mit der Schnauze auf die Planierraupe.)

Edith: Oh! Was macht die denn hier?

Blütenweiß: Na eben! (Sie verbirgt ihr Gesicht in der Herde.)

Richard (seufzt): Kaum ist mal eine Nacht frostfrei, bauen sie schon wieder irgendwo.

Flocke (heult): Bauen? Sie wollen unsere Weide platt machen!

Kohle (ernst): Die Frage ist wirklich, ob hier unser Lebensraum vernichtet werden soll.

Teresa: Nein! Das kann gar nicht sein! (Sie springt über den Zaun, schnappt sich Fixi und drückt das Lämmchen fest an sich.)

Emily (mit einem prüfenden Blick zum Hirten): Ich finde eigentlich, danach sieht es nicht aus.

Richard: Ich kann mir das auch nicht vorstellen.

Edith: Wir brauchen Euch doch!

Teresa: Genau! Was wäre das Leben ohne Euch?

Edith: Ginge gar nicht!

Huf: Aber was macht dieses, dieses Monstrum dann hier?

Grauchen: Und unser Hirte?

Edith: Ich glaube auf keinen Fall, daß er Euch ein Haar krümmen möchte.

Emily: Vermutlich ebnet er lediglich mal wieder die Wege für irgendwas.

(Man sieht jetzt deutlich, wie der Hirte und der Baggerfahrer gestikulieren: Offensichtlich geht es um die Feldwege zur Weide hin und um die Weide herum.)

Richard: Da! Sieht aus, als sollte mit den Wegen rund um die Weide etwas geschehen; nutzt den Radfahrern und den Skatern.

Edith: Hm! Wie den Läufern.

Richard (grinst): Und den Mitläufern.

Edith (lacht): Na – die profitieren immer!

Fixi (hat eine Erleuchtung): Er ebnet die Wege (Teresa fällt in die Rede ein): für einen neuen Pritschenwagen!!! (Sie fangen an, umeinander herumzutanzen.)

Richard: Das könnte zum Beispiel sein.

Kohle: Stimmt schon! Sie können nicht ewig die Schlaglöcher nur mit Schotter auffüllen.

Flocke (guter Dinge): Ich hatte auch schon den Eindruck, daß man den ‚Schotter‘ der Gemeinde jetzt irgendwie anders einsetzt als nur für Baumaßnahmen.

Teresa (ruft): Kommt! Wir gehen einfach hin und fragen!

(Sie stürmt mit den Schafen davon. Lachend nehmen Edith, Richard und Emily den Weg um die Weide herum, wollen aber nun natürlich auch wissen, was vor sich geht. Und glücklicherweise kann man das neuerdings ja auch einfach fragen.)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu, rund um Wundersdorf! Bloß gut, daß wir uns ganz sicher sind: Diese Schäfchen bleiben uns erhalten!

Das Lied zum Tage: Epiphanias

Drei Kön’ge für die Menschheit steh’n
Christ zeigt sich uns, als sie ihn seh’n.

Drum heißt der Tag auch nicht zum Spaß
das Hochfest Epiphanias.

 …so heißt es ganz am Ende im heutigen Lied zum Tage, das Ihnen die Cäcilini Weimar präsentieren:

Enjoy!

Wie immer weigert sich der Liedtext gerade aufgrund ausführlicher Recherche all die Miesepetrigkeit mitzumachen, mit der einem heutzutage so häufig die Freude an christlichen Festen und ihrem Brauchtum (!) im Namen vermeintlicher „Wissenschaftlichkeit“ und vorgeblich erforderlicher „Reinigung von Heidnischem“ vergällt werden soll.

So ist es z.B. eine Fehlannahme, es sei notwendig, das Gedenken der „Heiligen Drei Könige“ gegen die „Erscheinung des HErrn“ auszuspielen, zu meinen, das eine müsse man unterdrücken, damit das andere, das natürlich der Kern des Festgeheimnisses ist, leuchten könne.
Nein, die drei „mágoi“, die „Weisen“, die „Sterndeuter aus dem Osten“, sie repräsentieren symbolisch eben die ganze Menschheit, die des Königs, die Christi angesichtig wird, in ihnen erscheint er ihr.
Der Gedanke der Stellvertretung, eine (auch liturgisch übrigens) zentrale Kategorie des Christlichen, läßt uns ganz anstrengungslos verbunden feiern, was das gläubige Volk in Jahrhunderten zu Recht zusammengefügt und zusammen empfunden hat!

Das sollten Kinder lernen.

Und wie immer haben wir uns das nicht etwa alleine so ausgedacht:

[….] so hat die Überlieferung […] sie als Könige der drei damals bekannten Kontinente interpretiert: Afrika, Asien, Europa. Der schwarze König gehört fest dazu: Im Reich Jesu Christi gibt es keinen Unterschied der Rassen und der Herkünfte. Die Menschheit ist in ihm und durch ihn vereint, ohne den Reichtum der Verschiedenheit zu verlieren. […]
Der entscheidende Gedanke bleibt: Die Weisen aus dem Osten sind ein Anfang. Sie stehen für den Aufbruch der Menschheit auf Christus hin. Sie eröffnen eine Prozession, die durch die ganze Geschichte hindurchzieht. Sie stehen nicht nur für die Menschen, die zu Christus gefunden haben. Sie stehen für die innere Erwartung des menschlichen Geistes, für die Bewegung der Religionen und der menschlichen Vernunft auf Christus zu.
(Joseph Ratzinger-Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Prolog. Die Kindheitsgeschichten. Herder, Freiburg im Breisgau 2012, S. 105f.)

 Danke, Hl. Vater!

Tun Sie sich einen Gefallen und lesen, gerade jetzt, wo die arme betrogene Welt ihre Weihnachtsbäume schon wieder entsorgt, den ganzen Abschnitt (Seite 97 – 115)!

Und hier, zum Mitlesen, der vollständige Liedtext:

Drei Magier aus Ekbatana

Zum Hochfest Epiphanias (Heilige Drei Könige)

Als Christus in der Krippe lag,
besuchten ihn am zwölften Tag
drei Sternendeuter, uns bekannt
als Weise aus dem Morgenland.

Es sind drei Magier aus Ekbatana.
Es sind drei Magier aus Ekbatana,
kundig in den alten Schriftenrollen,
die die Wahrheit prophezeien sollen.

Dort lasen sie vom Herrscher aller Welten
und kamen, seine Liebe zu entgelten.
Gold: Denn Jesus wird man König nennen,
Weihrauch, denn der soll den Göttern brennen.
Von des Myrrhenbaumes bitt’rem Harze,
brachten sie ihm als unserm Arzte.

„Das Christuskind, das holde,
erfreue sich am Golde.
Zum hohen Liebessolde
nehm’s die Geschenke gern.“

Auf Heu und Stroh – das Licht der Welt!
Im kargen Stall – vom Licht erhellt.
Denn über Jesu Krippe stand
ein Stern, den Magiern nicht bekannt.

So eilten sie, das Kind zu seh’n,
herab von Mediens stolzen Höh’n.

Es sind drei Magier aus Ekbatana.
Es sind drei Magier aus Ekbatana,

Balthasar, der erste auf der Reise,
Melchior und Caspar mit dem Greise.
In der Legende sind’s drei Prominente,
symbolisieren die drei Kontinente:

Balthasar soll für Europa stehen.
In Melech-or soll’n wir Asien sehen.
Caspar wir mit dunkler Haut gestaltet,
und als afrikanisch Volk entfaltet.

Wer waren ihre Ahnen?
Ham, Sem, Japhet mit Namen:
Von Noah alle kamen,
steh’ n für der Menschheit Kern.

Auf Heu und Stroh – das Licht der Welt!
Im kargen Stall – vom Licht erhellt.

Ein Engel dann im Traum erschien,
riet ihnen, wenn sie weiter zieh’n
zu meiden des Herodes Thron:
Er wollte töten Gottes Sohn.

Es sind drei Magier aus Ekbatana.
Es sind drei Magier aus Ekbatana,

Als sie zum Apostel Thomas kamen,
taufte der sie in des Heilands Namen.
Helena fand die Gräber der Drei Weisen,
des Kaisers Mutter, auf den Pilgerreisen.

Die Reliquie – das ist: „was bleibet“ –
ward dem Kirchenschatze einverleibet,
ist in Mailand erst verwahret worden.
Barbarossa nahm sie mit nach Norden.

Im Dom zu Köln am Rheine,
in einem goldnen Schreine,
ruh’n seither die Gebeine
von den drei hohen Herrn.

Kommst Du nach Köln – sieh sie dir an!
Sieh sie dir an und denk daran:

Drei Kön’ge für die Menschheit steh’n
Christ zeigt sich uns, als sie ihn seh’n.
Drum heißt der Tag auch nicht zum Spaß
das Hochfest Epiphanias.

(Text und Musik Cornelie Becker-Lamers)