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Die Woche spricht zurück – zweimal…

„In die Woche gesprochen“ wird aktuell die gute alte Geschichte mit den „Drei Sieben des Sokrates“, überliefert in vielen Versionen und beliebt in Kreisen der Katholischen Jugend. Freilich, die Wahrscheinlichkeit, daß sie von Sokrates oder überhaupt nur aus dem alten Griechenland stammt ist gering, die Zahl möglicher Quellen hoch.

Merke: Auch große Philosophen haben ihre Apokryphen 😉

Aber es bleibt eine gute Geschichte mit einer beherzigenswerten Lehre, der sich auch PuLa verpflichtet fühlt, selbst wenn mir ihre spezifische Verbindung mit dem Dreifaltigkeitssonntag auch nach der Erläuterung nicht aufgegangen ist, aber das mag an mir liegen.

Nun ist es ja ein Kennzeichen guter Geschichten, wenn sie einen ins Nachdenken bringen. Ins Nachdenken auch über ihre Grenzen, ja vielleicht sogar ihre Gefahren.

Im vorliegenden Fall ist ja z.B. die Einseitigkeit der Darstellung unverkennbar: Der „junge Mann“ redet über Sokrates‘ „Freund“, d.h. die Geschichte würde sich (vorwiegend) mit einer Person aus dem emotionalen Nahraum beschäftigen. Er kann weiterhin keines der Kriterien, die durch die „Siebe“ symbolisiert werden, erfüllen.

Weiterhin können natürlich (mindestens) die Kriterien der „Güte“ und der „Notwendigkeit“ mehrdeutig sein und das Resultat der Geschichte hängt schließlich ab von der relativen Gewichtung der Kriterien, die keinesfalls unverbunden nebeneinander stehen.

Das klingt vielleicht arg theoretisch, aber das Gemeinte wird sofort klar, wenn man die Geschichte nur ein bißchen anders erzählt:

„Höre, Sokrates, hast du das gehört, was der Bankvorstand XY getan hat? Das muß ich dir gleich erzählen.“

„Moment mal“, unterbrach ihn der Weise. „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“

„Drei Siebe?“ fragte der Andere voller Verwunderung.

„Ja, mein Guter, drei Siebe. Laß sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.

Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“

„Ja, ich habe mir alle Mühe gegeben, den Wahrheitsgehalt zu prüfen, so gut es mir möglich war.“

„So, so! Und sicher hast du es auch mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – nachdem Du versucht hast, seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen -, auch gut?“

Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil, aber ich wollte es Dir unter möglichster Schonung der Person berichten .“

„Aha!“ unterbrach Sokrates. „So laß uns auch das dritte Sieb noch anwenden und laß uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?“

„Ja, leider ist es sehr notwendig, denn unter dem Tun des Amtsträgers leiden viele unserer Mitbürger.“

„Dann“, sagte der Weise betrübt, „wenn das, was du mir das erzählen willst, zumindest wahrscheinlich wahr, nicht gut, aber notwendig ist, so mußt Du es mir wohl erzählen, damit wir überlegen, was wir dagegen tun können!“

 

Wie so häufig haben die Angelsachsen eine erheblich kürzere Art der Darstellung gefunden, um auf die mögliche Problematik der „Drei Siebe“ hinzuweisen, hier, letzter Satz.

 

Und dann ist mir noch folgender Satz aufgefallen in den Vermeldungen zum Hochfest Fronleichnam:

„Unsere Filialgemeinden Bad Berka und Buttstädt werden auf diesem Wege herzlich eingeladen, am Gottesdienst, an der Prozession und am Gemeindefest teilzunehmen. Die Weimarer freuen sich, mit ihnen wieder einmal ins Gespräch zu kommen!“

Ich lasse mal das vereinnahmend gönnerhafte „Die Weimarer freuen sich […] wieder einmal (!) ins Gespräch zu kommen“ weg, schon, weil ich mich tatsächlich freuen würde, aber auch ohne dem muß man sich diesen Abschnitt auf der Zunge zergehen lassen:

„Herzliche Einladung“: Einladungen kann man annehmen oder auch nicht. Ein Blick in den Gottesdienstplan zeigt aber, daß kaum etwas anderes übrigbleibt, als nach Weimar zu fahren. Wer Fronleichnam feiern will, wie man Fronleichnam eben feiert, der muß nach Weimar kommen.

Warum, bitte, wird hier nicht offen gesagt, wie es ist: Der Weg zur endgültigen Gemeindefusion ist weit fortgeschritten und dies hier ist schlicht ein Vorgriff auf die zukünftige Realität!

Auf der anderen Seite werden wir 2012 immerhin gemeinsame Gremien wählen (PuLa berichtete), was ja auch heißt: Berkaer und Buttstädter werden Einfluß in Weimar nehmen, nicht wahr?

Angesichts dieser „Nebelkerze“ bleibt nur zu hoffen, daß die „Einladung“ nicht nur „auf diesem Weg“ erging, denn sonst könnte sie ein paar Menschen sauer aufgestoßen sein.

Wie wäre es denn übrigens, wenn man darüber nachdächte, auch künftig in den Filialorten immer wieder einmal Fronleichnamsprozessionen durchzuführen? Ich würde den Weg gerne machen!

Fazit: Man sollte auch um den 17. Juni, dem Gedenktag der Hl. Euphemia, herum nicht versuchen, sie mit einem Euphemismus zu ehren, denn das geht schief…

 

Vermeldungen die zweite, oder: Die Woche spricht zurück…

Wo ich gerade so schön im Zug bin, die „Titel-Themen“ der gemeindlichen Vermeldungen zu loben, möchte ich doch nicht versäumen, auf den schönen Text zu Pfingsten hinzuweisen, der hier zu finden ist („7. Sonntag der Osterzeit“).

Alle Achtung, das erfüllt ja schon die Anforderungen an eine Predigt, nicht?

Sehr schön orthodox auch, wie da zum Thema des „Doppelten Pfingsten“, wie es bei den Exegeten ja schon einmal heißt, energisch die Einheit der Heiligen Schrift betont wird (zu dem Prinzip in aller Ausführlichkeit das Konzilsdokument Dei Verbum und ganz neu Verbum Domini).

Ein bißchen eigentümlich daher, daß es an einer Stelle heißt: „Ganz anderes schildert uns Johannes.“, denn das tut er ja eben nicht, wie der Text ja auch an anderer Stelle sagt.

Johannes schildert uns vielmehr das Pfingstgeschehen anders.

Was manchmal so ein kleiner Buchstabe ausmacht…

Aber ein Irrtum in der Er- oder Bearbeitung des Textes kann ja immer mal vorkommen.

Schade eigentlich, daß man so gar nicht erfährt, wem wir diese so unterschiedlichen und vielfältigen Beiträge jede Woche verdanken.

 

Los, traut Euch!

Kann es einen tolleren Beruf geben, als Priester?

Na, also, dann darf man das doch auch sehen, oder?

Der Selige Johannes Paul II schrieb dazu schon 1982:

„[…] weil dieses Zeugnis konkret zum Ausdruck bringt, daß wir nicht von der Welt sind (vgl. Joh 17, 14), habe ich mich in dem für den Gründonnerstag dieses Jahres verfaßten Gebet unter Anspielung auf die Priesterkleidung mit folgender Anrufung an den Herrn gewandt: „Laß uns deinen Geist nicht beleidigen . . . mit der Absicht, das eigene Priestertum vor den Menschen zu verbergen und jedes äußere Kennzeichen zu meiden.“

Und weiter: „Die Kleidung nützt daher den Zielen der Glaubensverkündigung und gibt Anlaß zum Nachdenken über die Wirklichkeiten, die wir in der Welt vertreten, und den Primat der geistlichen Werte, den wir im Dasein des Menschen geltend machen.“

(Ganzer Text hier)

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber mir macht die Lektüre lehramtlicher Texte immer (mehr) Spaß. Was man da für tolle Sachen findet!

Also, rein in die Soutane!

Gut, seine Coolness wird so leicht nicht zu erreichen sein, aber Monsignore Gänswein ist natürlich das aktuelle Vorbild, nicht? 😉

Monsignore G. mit Sonnenbrille

Der Haushalt 2011 ist da!

Die „Vermeldungen“ vom 29. Mai bis zum 5. Juni unterhalten uns mit einem kleinen Suchspiel!

Denn wer käme zunächst auf den Gedanken, daß sich eingebettet in Betrachtungen zu Mt. 16, 13 -16 und „Titeln“ (?) eine wichtige Nachricht findet, die zudem in Vorjahren an ganz anderer Stelle plaziert war.

Jedenfalls wird uns mitgeteilt, daß der Haushalt der Gemeinde für das Jahr 2011 vom Bistum bestätigt worden ist und jetzt im Pfarrbüro zur Einsicht ausliegt.

Ja, mehr noch, der Kirchenvorstand lädt zur Einsichtnahme und zur anschließenden Diskussion geradezu ein!

Lesen Sie selbst („6. Sonntag der Osterzeit“), hier.

PuLa, dem Dialog und der Transparenz verschrieben, ist lebhaft begeistert und kann sich dieser Aufforderung nur aus vollem Herzen anschließen!

Und da ich lieber keine Verbindung zur Heiligen Schrift herstellen möchte (geht’s wirklich nicht ‘ne Nummer kleiner?) hier nur noch zwei, drei Bemerkungen:

Für alle, die sie noch nicht kennen, zunächst die Rechtsgrundlage für die Möglichkeit zur Einsichtnahme. Sie findet sich in § 3, Abs. 1, Nr. 1 des Gesetzes über die Verwaltung des katholischen Kirchenvermögens im Bistum Erfurt vom 10.12.2004.

Daran ist zweitens bemerkenswert, an welch prominente Stelle der kirchliche Gesetzgeber diese Vorschrift gestellt hat! Der Paragraph 3 folgt nämlich unmittelbar auf die notwendigen Definitionen, die ja immer zu Beginn eines solchen Rechtstextes stehen. Man sieht: Diese spezifische Form der gemeindlichen Teilhabe am Leben der Gemeinde ist ausdrücklich erwünscht und keine lästige Pflicht am Rande (und wer möchte kann darin auch gerne eine Folge des zweiten Vatikanums und seiner Stärkung der Rolle der Laien erkennen!).

Und drittens wird damit auch deutlich, hier handelt es sich nicht um „irgendwelche Zahlen“, sondern hier wird von Fall zu Fall deutlich, welchen Spielraum bestimmte Aspekte des Gemeindelebens haben, und welche Prioritäten der Kirchenvorstand denn bei der Aufstellung des Haushaltsentwurfs gesetzt hat.

Und der Kirchenvorstand (natürlich abgesehen von seinem „geborenen“ Vorsitzenden) wird von uns allen gewählt. Fragen Sie also ruhig auch einzelne Mitglieder, warum denn die eine oder andere Entscheidung so oder anders gefallen ist! Selbst wenn sich das jeweilige Mitglied u.U. zu Einzelheiten nochmal erkundigen muß, die Haushaltsaufstellung gehört zu den vornehmsten Pflichten jedes Kirchenvorstandsmitglieds, die gewiß jedes Mitglied sehr ernst nimmt!

Also: Sie erreichen den Kirchenvorstand „im Ganzen“ unter der bekannten Email des Pfarrbüros (pfarramt@herzjesu-weimar.de). Dort habe ich letztes Mal schriftlich um Einsichtnahme nachsuchen sollen, aber da war ich leider auch sehr spät dran…

Daher jetzt schnell, denn unbestätigten Gerüchten zufolge wird der Haushalt nach Ende der Einsichtnahmenphase in fernen dunklen Gewölben gelagert und muß dann erst mühsam wieder heraufgeschafft werden 🙂 (bloß gut, daß es sich nur um einige A 4 Blätter handelt!).

Dann können wir neben den wirklich interessanten Fragen, die die Vermeldungen schon vorgegeben haben, bald auch weitere diskutieren. Mich würde ja z.B. auch interessieren, welche Umstände denn dazu geführt haben, daß das Bistum für den Haushalt 2010 um so vieles länger zu Prüfung gebraucht hat, als in diesem Jahr.

„Die Beichthotline“ – Sketch des Monats Juni

Wie versprochen schauen wir auch diesen Monat wieder bei unseren Brüdern und Schwestern in “Maria Hilf” vorbei, der “Kleinen Großgemeinde” an der Grenze des Oderbruchs.

 

Dort ist man unerwartet innovativ:


Die Beichthotline

Ein Sketch für zwei Personen

 

 

Das Pfarrbüro. Der Schreibtisch liegt voller Papier. Aktenordner stehen herum. Irgendwo auf dem Tisch liegt ein Gotteslob. Corinna sitzt vor einem Anrufbeantworter und spricht sehr langsam, gleichbleibend deutlich, hoch und tonlos wie eine Computerstimme:

Corinna: Guten Tag und herzlich willkommen! Sie sind mit der Beichthotline der katholischen Pfarrgemeinde „Maria hilf!“ in Wundersdorf/Oderbruch verbunden. Bei Alkoholmissbrauch …

Rudi (stürmt herein): Grüß dich Corinna! Na – wie geht’s? Er stellt seine Tasche ab.

Corinna (ist aufgefahren und legt wie im Schreck eine Hand auf die Brust): Guter Gott, Rudi, hast du mich erschreckt! Sag mal – kannst du nicht ein bisschen leiser hier reinstürmen?

Rudi: Entschuldigung. (Er setzt sich grinsend mit an den Tisch, weil er weiß, dass Corinna ihm nicht wirklich böse ist.)

Corinna: Außerdem störst du mich gerade! (Sie spult den AB zurück.)

Rudi: Ou! Was machst du denn schönes?

Corinna: Hm – was schönes ist es eigentlich nicht, aber notwendig.

Rudi: Und?

Corinna: Das musst du aber für dich behalten!

Rudi: Ja klar!

Corinna: Ehrenwort?!

Rudi: Mein Gott, das muß ja was ganz Geheimes sein! Ja, Ehrenwort. Ich kann ja auch eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben…

Corinna: Mach keine blöden Witze!

Rudi: Also jetzt schieß los.

Corinna: Ich richte eine Beichthotline ein.

Rudi: Eine – was?

Corinna: Eine Beichthotline. (ganz stolz) Habe ich mir selbst ausgedacht!

Rudi: Bist du von allen guten Geistern verlassen? So was kannst du doch nicht machen! – Eine Beichthotline! Was soll das überhaupt sein?

Corinna (ein klein wenig beleidigt): Das erklärt sich doch von selbst. Sieh mal – seit sieben Jahren teilen wir uns unseren Pfarrer mit neun Gemeinden im Umkreis, die alle keinen eigenen Pfarrer mehr haben. Da kommt Herr Kneif natürlich nicht rum – das merkt man doch an allen Ecken und Enden!

Rudi: Ja aber – ja und? Wir haben doch gesagt, dann müssen wir eben ehrenamtlich  noch mehr Aufgaben übernehmen, die ein Pfarrer so abzudecken hat. Das klappt doch auch soweit ganz gut…

Corinna: Ja, soweit ja. Die Beichte darf aber kein Laie abnehmen. (Sie macht eine kurze Kunstpause). Das dürfen nur Geistliche. (Pause) Sonst klappt’s nicht – mit der Lossprechung!

Corinna wendet sich wieder dem Anrufbeantworter zu und fängt mit ihrer nachgemachten Computerstimme von vorne an:

Corinna: Guten Tag und herzlich willkommen! Sie sind mit der Beichthotline der katholischen Pfarrgemeinde „Maria hilf!“ in Wundersdorf/ Oderbruch verbunden. Bei Alkoholmissbrauch drücken Sie bitte die 1; bei Nötigung und Drängelei im Straßenverkehr drücken Sie bitte die 2; bei Eigentumsdelikten drücken Sie bitte die 3 …

Rudi: Um Himmels Willen, Corinna! Das hört sich ja fürchterlich an! Nötigung! Eigentumsdelikte! Für wen um alles in der Welt soll denn diese Hotline eingerichtet werden? Wen in unserer Gemeinde betrifft das denn?

Corinna: Ooooch … also, bei Alkoholmissbrauch brauchen wir doch gar nicht so weit zu gehen … Lieber Rudi! Ich habe nach Kriminalstatistik die sieben häufigsten Delikte herausgesucht. Es ist alles objektiv belegbar! Wir decken die ganze Palette ab und keiner kann sich beschweren, seine Sünde käme nicht vor. Der soll mir dann erst mal sagen, was das denn bitte schön wäre! – Und jetzt stör mich nicht immer. Ich konnte gerade noch rechtzeitig die Pausentaste drücken. Um ein Haar hätte ich wieder ganz von vorne anfangen müssen. (Sie lässt die Taste los und spricht weiter mit Computerstimme):  … bei Körperverletzung drücken Sie bitte die 4; bei Mobbing drücken Sie bitte die 5; bei Sachbeschädigung drücken Sie bitte die 6; bei Ehebruch drücken Sie bitte die 7 …

Rudi (hat fassungslos daneben gesessen und zugehört): Corinna! Wo soll das hin? Wie soll…

Corinna (ärgerlich): Du sollst mich nicht immer stören! (Sie bespricht weiter den AB, mit Computerstimme): Wenn Sie uns eine Nachricht hinterlassen wollen, drücken Sie bitte die 8; wenn Sie einen Service-Mitarbeiter sprechen möchten, drücken Sie bitte die 9.

Corinna (lehnt sich zurück, erkennbar guter Dinge): So! Fertig! (nachdenklicher): Jetzt brauchen wir nur noch ein schönes langes Stück Musik, damit die Leute auch zuverlässig irgendwann auflegen.

Rudi (ruft aus): Auflegen? Da soll dann nicht mal jemand sitzen?

Corinna (ehrlich erstaunt): Rudi! Wer soll’s denn machen? Wir haben doch keine Leute! (mit einem Blick zur Uhr) Ich muss gleich schon wieder weg.

Rudi: Aber wir könnten doch einige Leute erst mal ansprechen … Da fände sich bestimmt der eine oder die andere…

Corinna (unterbricht ihn): … die dann womöglich was erfahren, was ich nicht mitkriege? Kommt nicht in Frage!

Rudi (stammelt, sucht nach Worten): Ja – aber du – du kannst doch nicht ankündigen, man könne mit jemandem sprechen – und dann hebt keiner ab…!

Corinna (etwas mitleidig): Rudi! In was für einer Welt lebst du eigentlich? Das machen alle Unternehmen überall auf der Welt doch genau so! Oder hast du schon mal eine hotline angerufen, wo dann wirklich jemand abgehoben hat? Also bei der Deutschen Bahn bestimmt nicht!

Rudi: Du meinst, die hotlines sind nur zum Englischlernen da?

Corinna: Genau – please, hold the line! (frisch, als brächte es sie auf eine Idee) You will be connected as soon as possible. Tja, und possible ist bei uns eben: nie. So ist das nun mal. Das sind die modernen Zeiten! (salbungsvoll) Mir gefällt es doch auch nicht! Aber ich will mir auch nicht ständig anhören, es gäbe keine Termine mehr für Beichtgespräche. Jetzt können wir immer sagen: („sehr freundlich“) ‚Sie können uns doch jederzeit anrufen.’ Das hat doch was!

Rudi: Oh Gott! Naja – aber sag mal – ist das denn mit irgendjemandem abgesprochen? Ich meine – so was kann man doch nicht einfach…

Corinna: Papperlapapp! Abgesprochen! Dass ich nicht lache. Mit dem Pfarrer ist es abgesprochen, das reicht.

Rudi: Ach so! Der Pfarrer hört die Kiste regelmäßig ab?

Corinna (zögerlich): Ja – das konnte man zumindest so verstehen, ja! (energisch) Komm – es wird schon keiner was draufsprechen, so unpersönlich wie ich das gehalten habe! Deswegen sollte ich ja so abgehackt sprechen, dass es wie ein Computer klingt. Hat Herr Kneif mir extra aufgetragen. Damit man ein bisschen abgeschreckt wird.

Rudi: Na, weißt du! …

Corinna: Herr Kneif hat jedenfalls gesagt, er wolle so spätestens alle zwei Wochen den Anrufbeantworter abhören und die Leute zurückrufen, falls sich die Sache nicht von selbst erledigt hat.

Rudi: Wie – von selbst erledigt?

Corinna: Na, wenn jemand einen Diebstahl beichten wollte und ist in der Zwischenzeit geschnappt worden, dann steht das doch in der Zeitung. Und dann kann der Pfarrer gleich in die Vollzugsanstalt fahren, hat er ein Gespräch gespart!

Rudi: Ach so!

Corinna: Tjaha! Gewusst, wie! Aber jetzt lass mich mal bitte weiter arbeiten, ich muss gleich los. (Sie beginnt, verstreut liegende Papiere zu ordnen, abzuheften u. dergl.)

Rudi (nach einer Pause, in der er ihr emotionslos zugesehen hat): Aber sag mal, die Gremien…

Corinna: Rudi! Schluss jetzt! Wenn das Ding erst mal läuft, werden die Gremien dem schon zustimmen! Du kennst mich doch! Wichtig ist jetzt zunächst mal, dass es im Bistum keiner mitkriegt. Ich weiß nicht genau, wie die damit umgehen würden…

Rudi (fassungslos, schüttelt den Kopf, vor sich hin): … bei Ehebruch drücken Sie bitte die 7 … ich glaub’s einfach nicht!

Das Telefon klingelt.

Corinna (hebt ab): Katholisches Pfarramt Wundersdorf im Ehebr… – äh! im Oderbruch, was kann ich für Sie tun? (Corinnas Miene verzieht sich entsetzt. Sie hält die Hörermuschel zu und flüstert): Das Bistum! (lacht ein bisschen) – Äh! Jahaha! Guten Tag! Ja! Ja! Ebenso! (Pause) Was wir so machen? Oooch, wir – äh – arbeiten! (Pause) Was? (ratlos) Äh – wir machen … (beschwingt) wir machen! (Sie fuchtelt mit dem freien rechten Arm in Rudis Richtung, dass er ihr helfen soll.)

Rudi (flüstert): Beichtvorbereitung!

Corinna (erleichtert): … die Beichtvorbereitung! Wir machen die Beichtvorbereitung! (Sie macht die „Daumen hoch“-Geste in Richtung Rudi)  – Ja! Besprechung, genau! Wir haben gerade (sie tätschelt den AB vor sich) alles besprochen. (Pause) Jo – für Kinder – auch, ja! Aber das ist ja immer auch für die Eltern mit! (etwas leiser, wie für sich) Die müssen ja die Telefonrechnung bezahlen! (laut, in den Hörer) Äh! Ich meine, die laden wir ja immer mit ein! (Pause. Daraufhin erschrocken): Steht vor der Tür? Wer steht vor der Tür? (Pause, erleichtert): Ach, die Erstkommunion steht vor der Tür. Ja, sehen Sie, eben! (Pause) Genau! Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen, so ist es! (Pause) Ja! Vielen Dank, Ihnen auch! Jaha! Auf wiederhören! (Sie knallt den Hörer auf die Gabel und mimt einen Anfall.) Puh! Das ist ja gerade noch mal gut gegangen!

Rudi: Nichts gemerkt?

Corinna: Nichts gemerkt! (hat wieder Oberwasser) Natürlich nicht! – So, über die Musik haben wir noch nicht entschieden. Was nehmen wir als Endlosschleife? „Don’t worry, be happy“? Das läuft bei meinem Steuerberater.

Rudi: Corinna!

Corinna: Ja, die Frage ist doch einfach: Welches Image wollen wir uns geben? Sind wir eine moderne Gemeinde? Dann nehmen wir Bobby McFerrin. Oder wollen wir zeigen: Wir sind traditionsverbunden, dann nehmen wir – dings – hier. Von dem Dings (sie blättert im Gotteslob und schlägt es bei einem Lesezeichen auf) da, Nummer 295, hat meine Mutter mir rausgesucht: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Das ist dasselbe wie „Don’t worry, be happy“, nur komplizierter formuliert.

Rudi: Wie bitte? Das kann doch gar nicht sein!

Corinna: Na klar! “Was helfen uns die schweren Sorgen“ … hier: „Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit …“ (triumphierend) Das ist genau das!

Rudi: Sag mal, willst du dir das ganze nicht noch mal überlegen? (hat eine Idee, wie er sie abbringen könnte): Musik – kostet das denn nicht am Ende was?

Corinna: Ein sehr guter Einwand, Rudi! (macht eine wegwischende Handbewegung) Hab ich aber natürlich alles schon bedacht! Die Kostenfrage spricht eindeutig für das ältere Lied. Unser Kirchenchor würde nämlich alle Strophen einspielen, ich hab schon mit dem guten Herrn Wagner gesprochen. Er sagt, wenn sie‘s eine Terz tiefer nehmen dürfen, bekämen sie das schon hin!

Rudi (vergräbt sein Gesicht in den Händen): Auch das noch! (wieder zu ihr) Aber für deine Zwecke natürlich ideal … Corinna … ich weiß nicht … irgendwie gefällt mir die ganze Geschichte nicht…

Corinna: Rudi! Wem das Wasser bis zum Hals steht, der darf den Kopf nicht hängen lassen! – So, ich muß jetzt los, Gerichtstermin wegen unserer säumigen Mieter in der Zetkinstraße. (Sie eilt zur Tür) Tschüssi, frohes Schaffen! (Sie ruft über die Schulter zurück) Und stell den Anrufbeantworter an, wenn Du gehst!

 

Die Tür fällt ins Schloss. Rudi bleibt ratlos zurück, nimmt ein Papier auf, lässt es wieder sinken und schaut kopfschüttelnd ins Publikum.

 

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf!

 

Bloß gut, daß bei uns in Weimar das Verhältnis von Haupt- und Ehrenamt so ausgewogen ist, daß Grenzüberschreitungen zwischen den beiden Bereichen ja geradezu ausgeschlossen sind…

 

 

Willkommen, Dank und nochmal “Memorandum”

Eigentlich wollte ich ja an dieser Stelle bloß einen neuen Blog begrüßen: Summa Summarum macht einen sehr vielversprechenden Eindruck, auch wenn das Bekenntnis, ein “Rahner-Versteher” zu sein natürlich mutig ist… Zwinkerndes Smiley

Aber dann sah ich zu meiner Freude, daß sich hier einer der besten Kurztexte zum Theologen-Memorandum findet, den ich kenne.

Zu den vielen Anfragen, die PuLa in den letzten Tagen per Email erhalten hat (Danke!) gehörte auch die nach den Gründen zur Ablehnung dieses Elaborats.

Nun, besser (wenn überhaupt so gut!), knapper und grundsätzlicher, d.h. jenseits irgendwelcher einzelner “Reform-Fragen”, könnte ich es nicht sagen, Danke, Theodor, willkommen und viel Erfolg!

Bäckerhandwerk Pro Papa (?)

Zum Wochenende möchte ich der verehrten Leserschaft diesen Snapshot aus Erfurt nicht vorenthalten:

Benedikt das Brot

Tafel am Café Lobenstein

Ist das nicht hübsch?

Bisher war nicht zu ermitteln, ob sich das aus einem katholischen Engagement speist, aber das Brot ist lecker.

Dunkle Kruste und herzhafter, zarter aber würziger Inhalt… 😉

PuLa bleibt dran!

 

Und nächste Woche gibt’s „Die Beichthotline“!

Und dann wächst da gerade noch ein Text, Arbeitstitel, „Das Alte Haus, oder: Die Enterbten“…

 

PS: Das mit dem „Bier“ müßte ja nicht mehr sein, liebe Erfurter Puffbohnen! Auf dem Petersberg wächst Wein, Ihr seid auch Weinstadt! 🙂

Kritische Töne zur neuen Orgel?

Die neue Orgel („unsere“ Orgel ist es ja nicht wirklich) erfährt Würdigung in einem anderen Blog aus dem Bistum.

„Nacht des Herren“ schreibt u. a.:

„Im Vorfeld wurde in den Printmedien und auch in verschiedensten Sendungen regionaler Fernseh-und Radiosender über dieses moderne Joint Venture berichtet. Über die rechtliche Situation kann man sich den Kopf zerbrechen, aber die Verträge sind gemacht – die Ausführung wird die Zukunft weisen.“

Wohl wahr. Aber das gilt auch nun mal für jedes neuartige Unternehmen, nicht? Wenn die Verträge gut ausgehandelt sind, warum sollte es nicht funktionieren.

Vielleicht gibt ja der Autor ein bißchen Aufschluß über den Hintergrund dieser Sätze? Die „Nacht des Herren“, bzw. ihr Urheber hüllen sich nämlich wirklich in „undruchdringliches Dunkel“… (Oder bin ich gerade der Letzte, der’s mitkriegt? :-))

Schöne Bilder zum Orgel(ein)bau!

Ich geb’s ja zu: Sooo oft bin ich nicht auf der Homepage unserer Gemeinde (bin ich eigentlich der einzige, der findet, sie dürfte ein bißchen spannender werden?) aber hier gibt es wirklich schöne und interessante Bilder zum (Ein-) Bau der Orgel zu betrachten.

Mein Favorit ist der Blick in die Kuppel (Bild 36).

Bilder von der Orgelweihe sollen noch folgen.

Ansporn!

Danke! sagt PuLa, daß es als „Blog-Frischling“ in die Liste Katholischer Blogs aufgenommen wurde, die der „Predigtgärtner“ aufgestellt hat.

Offizieller Start am 1. Juni, aber hier schon zu besichtigen. PuLa in „Blog-Liste Nr.“2.

 

Wie ich schon sagte, Katholische Blogs sind keine Randerscheinung… 🙂