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Das verhinderte Konzert oder „Gemein wohl“ – a-musikalische Begebenheiten in Herz-Jesu-Weimar

Wir hätten in unserer Pfarrkirche ein Konzert erleben können wie im Petersdom in Rom!

Doch, doch, ganz wörtlich ist das zu verstehen und warum es nicht dazu kam, das kann man im folgenden Gastbeitrag nachlesen:

 

Gemein wohl ?

Ein Tatsachenbericht

 

Am 4. April 2013 fand in unserer Pfarrkirche kein Konzert statt.

Herrje! – mögen Sie denken – das ist doch nichts Besonderes, das wird ja für die Mehrzahl der Tage eines Jahres gelten. Da haben Sie Recht. Erwähnenswert ist das mit dem 4. April dennoch, wir müssen nur weiter ausholen. Dann zeigen sich die Umstände des – wie Sie gleich lesen werden: verhinderten Konzerts nämlich als exemplarisch und folglich wert, auf PuLa einmal ausführlicher geschildert zu werden. Was es nicht gibt, thematisiert man eben nur, wenn’s entweder existenzbedrohend wird, oder aber wenn man weiß, daß mehr möglich oder gar angeboten war.

Also, am 4. April 2013 hätte es ein Konzert in Herz-Jesu geben können. Und was für eins!

Aber der Reihe nach: Am 1. Juni 2012 erreichte unsere „Gemeindeleitung“ eine mit der Wichtigkeit „hoch“ markierte Email (übrigens auf ihrem privaten Emailpostfach und nicht etwa auf „Kirchenvorstand@herzjesu-weimar.de“ ),  in der das Sekretariat eines international renommierten Musikfestivals, das über Jahre in unserer Pfarrkirche gastierte, im Namen seines künstlerischen Leiters ein Programm mit dem Kiewer Knabenchor anbot. Terminvorschlag: Donnerstag 4. April 2013, 19.30 Uhr.

Auf diese Anfrage hat dann die „Gemeindeleitung“ sechs Wochen lang nicht reagiert.
Die Frage, warum eine einzelne Person, wenn sie mit ihren Aufgaben nicht rum kommt, nicht andere einbeziehen kann – dachte man doch immer, sie werde als Mitglied des Kirchenvorstands mit derlei Angelegenheiten befaßt und nicht etwa als Privatperson, als welche sie ja keinerlei Befugnis zu irgendeiner Entscheidung das Gemeindeleben oder gar den Kirchenraum betreffend hat – diese Frage haben wir ja schon des öfteren gestellt. Beantwortet hat sie bisher niemand.

Vielleicht bringt der Fortgang der Geschichte Licht in diese Finsternis. Darum hören Sie weiter: Sechs Wochen nach Eingang der Email, also am 16. Juli 2012 erging seitens unserer „Gemeindeleitung“ in altbewährter Zuvorkommenheit der folgende Bescheid an die Fragenden:

[Anrede] „nach Rücksprache mit dem Pfarramt teile ich Ihnen mit, dass in der Osteroktav des Jahres 2013 ein Konzert im Rahmen der Bachtage in unserer Pfarrkirche nicht stattfinden kann.“

Rums. Mit freundlichen Grüßen. Ende aus. Keine Erklärung, kein Wort des Bedauerns – unsere „Gemeindeleitung“, wie sie leibt und lebt eben, zur Erinnerung: Es handelte sich um einen langjährigen Partner. Und der schöne Satz, sie habe vor dieser Auskunft Rücksprache mit dem Pfarramt gehalten – was auch immer das bedeuten mag… (falls sie überhaupt stattgefunden hat).

Das Datum der Antwort ist aber noch aus einem ganz anderen Grund von Bedeutung: Seit 1. Juli 2012 waren bekanntlich die Laiengremien aufgrund der Strukturreform im Bistum Erfurt sämtlich aufgelöst und demzufolge bis zu den Neuwahlen Anfang September keines der bisherigen Mitglieder mehr im Amt (PuLa berichtete). Unsere „Gemeindeleitung“ war also zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht befugt im Namen der Gemeinde zu handeln! „ABER EGAAAL!!!“ (wie unsere 13jährige Tochter derzeit immer aus der „Mädchen-WG“ zitiert). Unserer „Gemeindeleitung“ ist es –leider hat man es nicht immer so deutlich und schriftlich nachweisbar – völlig wurscht, ob sie irgendwo hineingewählt ist oder nicht – sie macht als selbsternannter „Herr im Haus“ (gemeint war in diesem ihrem Originalzitat unsere Pfarrkirche Herz Jesu) ohnehin was sie will. Diesen Vorgang sollten sich daher nicht zuletzt diejenigen zu Gemüte führen, die immer und immer wiederholen: „…sie ist aber gewählt“.

Doch weiter im Text: Die Bemühungen des künstlerischen Leiters des Musikfestivals, über unseren Pfarrer doch eine Begründung der Ablehnung des Termins zu erfahren, blieben im vergangenen Jahr erfolglos, da dieser telefonisch nicht erreichbar war und den wiederholten Bitten um Rückruf, die der künstlerische Leiter hinterließ, zu keinem Zeitpunkt nachkam. Erst jetzt, nach Abschluß der gesamten Konzerttournee, berichtete mir der künstlerische Leiter, unser Herr Pfarrer habe auf die ganztägigen Beichtgelegenheiten in der gesamten Osterwoche hingewiesen, die in diesem wie sicherlich auch im nächsten Jahr einem Konzert in der Pfarrkirche leider im Wege stünden.

Der künstlerische Leiter war voller Verständnis. Er ist allerdings evangelischen Bekenntnisses. Katholiken stutzen an dieser Stelle möglicherweise. Beichtgelegenheit besonders in der Osterwoche? Irgendwie komisch, oder? Klar! Gab’s nach allen uns vorliegenden Informationen ja auch nicht. Am 4. April fand in der Pfarrkirche nicht mal eine Messe statt. Einfach nichts! Und gebeichtet wurde selbstverständlich vorwiegend in der Karwoche und auch dann keinesfalls täglich in der Pfarrkirche und auch keinesfalls ganztägig. Wir sind doch hier nicht beim Hl. Pfarrer von Ars ;-).

Aber weiter zum Konzert, das natürlich trotz allem in Weimar stattgefunden hat, schlußendlich jedoch zu einem anderen Termin. Unter Einbeziehung vielfältiger persönlicher Kontakte des betroffenen künstlerischen Leiters und einiger wohlmeinender Gemeindemitglieder ging nach der barschen Absage unserer „Gemeindeleitung“ die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten los. Um es kurz zu machen: Der Kiewer Knabenchor – ein wahrhaft hörenswertes Ensemble, das auch unseren Altbischof Wanke bereits zu höchstem Lob hingerissen hat – gastierte zu guter Letzt im Festsaal des Stadtschlosses mit einem a-capella-Programm, das dann am 6. April in Santa Maria dell’Anima, Rom und als Teile der Meßliturgie am Weißen Sonntag in der Angelus-Messe des Petersdomes im Vatican erklang.

In der Rezension apostrophierte die Presse das in Rom auf Vermittlung des  Päpstlichen Rates für die Kultur zustande gekommene Konzert  als hochkarätige kulturübergreifende und ökumenische Begegnung. Kein ganz alltägliches geistliches Hörerlebnis also (wie ich als Weimarer Ohrenzeugin gerne bestätige), welches unserer Gemeinde da vorenthalten wurde. Denn durch fehlende Ankündigungen und Vermeldungen in der Gemeinde – zu der aufgrund des geänderten Ortes offenbar keine Veranlassung gesehen wurde – blieb der Termin in unserer Gemeinde weitgehend unbekannt, so daß tatsächlich etliche das Konzert verpaßt haben.

Was auch immer der Grund für die unbefugte Absage unserer „Gemeindeleitung“ – damals gerade a.D. – vom 16. Juli 2012 gewesen sein mag – sicher ist leider, daß solch entscheidungsfreudige Eigenmächtigkeit mit mangelhaft ausgeübter Aufsichtspflicht seitens der Geistlichkeit steht und fällt. An mangelnder Information der Verantwortlichen hat es bereits im Juli 2012 nicht gelegen.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Verhindern und vertuschen: Es ist traurig. 🙁

PuLa hat aber nichts zu vertuschen und deswegen möchte ich noch hinzufügen, warum uns denn der erwähnte Email-Verkehr vorliegt: Ich bin seit einigen Jahren (ehrenamtlich natürlich) im Kuratorium des Festivals tätig. Wer jetzt aus dieser Tatsache einen Schluß zieht auf mögliche Motive der (versuchten) Weimarer Verhinderung, den kann ich davon nicht abhalten.

 

Nochmal: Der verhinderte „Auftritt“ – Entgegnung auf Hartmut Kaczmarek

Hartmut Kaczmarek, stv. Chefredakteur der TLZ und Vorsitzender des Filialgemeinderats Bad Berka, hat mit Datum vom 15. April (hier) zu dem Artikel: „Der verhinderte Auftritt – vorösterliche Begebenheiten in Herz-Jesu-Weimar vom 11. April (hier) Stellung genommen. Wie angekündigt dazu nun die Entgegnung.

Vorab nochmal: Die Veröffentlichung in Form einer „Gegendarstellung“ geschah nicht aus Anerkenntnis einer Rechtspflicht, sondern aus Überzeugung. Das ist auch besser so, denn das Recht auf Gegendarstellung bezieht sich ausschließlich auf „Tatsachenbehauptungen“, also auf Sachverhalte, die zumindest theoretisch einer gerichtlichen Überprüfung zugänglich wären. Das heißt im vorliegenden Fall, daß auch wenn man davon ausgeht, daß PuLa als „Presseerzeugnis“ anzusehen sei und daher zur Veröffentlichung von Gegendarstellungen verpflichtet wäre, bezöge sich diese Pflicht ausschließlich auf den Widerspruch gegen Tatsachenbehauptungen durch andere Tatsachenbehauptungen. Ich glaube eher nicht, daß Herr Kaczmarek dieses Kriterium in seinem Beitrag mit Datum vom 15. April vollständig eingehalten hat. Aber, wie gesagt, das ist egal, hier darf man, zumal als Reaktion, im Rahmen von Recht und Anstand, auch einmal Meinungen äußern, die mit meiner nicht überstimmen.

Weiterhin möchte ich vorausschicken, wie bemerkenswert hellsichtig und „auf den Punkt“ ich die Kommentare fand, die es zu den beiden Artikeln gegeben hat, sie haben genau die richtigen Fragen gestellt. Danke!

Nun also im einzelnen, wobei ich die von Herrn Kaczmarek gewählte Briefform aufgreife:

Sehr geehrter Herr Kaczmarek,

Ihre Reaktion auf den Beitrag: „Der verhinderte Auftritt“ ist sehr interessant – sowohl das, was Sie schreiben, als auch das, was Sie nicht schreiben. Zunächst zu einigen Punkten aus Ihrer „Gegendarstellung“ im einzelnen:

Sie schreiben zu Beginn, es sei falsch, daß der FGR (Filialgemeinderat) nicht wollte, daß unsere Freundin singe. Das hatte ich aber gar nicht als Faktum behauptet, sondern durch die Hinzufügung des Wörtchens „wohl“ klar als Vermutung gekennzeichnet. Diese Vermutung war, wenn der Vorsitzende eines Gremiums anruft, ja auch naheliegend, zumal Sie nach den mir vorliegenden Informationen in dem Telefonat sinngemäß durchaus formuliert haben sollen: „Wir wollen das nicht!“ (sc. die Ausübung des liturgischen Dienstes durch unsere Freundin).

Ich halte fest, daß Sie nach eigenem Bekunden Ihr Amt als Vorsitzender des FGR so auffassen, daß Sie in einem solchen Fall alleine handeln konnten, woran auch die Tatsache, daß Sie nachträglich (?) einige Mitglieder des Gremiums erreicht haben, die nach Ihren Worten Ihrem Vorgehen zugestimmt hätten, nichts ändert.

Hinsichtlich des genauen Inhalts des Telefonats mit der vorgesehenen Kantorin, gibt es Schilderungen des Gesprächs aus dem noch ganz frischen Eindruck, die mit Ihrer Darstellung der bloßen „Übermittlung von Bedenken“ nicht übereinstimmen. Aber das wird sich im einzelnen nicht mehr rekonstruieren lassen. Das ist aber wiederum gleichgültig, denn unabhängig von den Worten, die Sie im einzelnen gewählt haben mögen – eine bloße Bitte, die Sache noch einmal zu „überdenken“ konnte das nach den Gesamtumständen des Falls schlechterdings gar nicht sein: Welcher Mensch mit Fein- und Ehr(!)gefühl würde, mit einer solchen „Ansage“ konfrontiert, auf dem liturgischen Dienst beharren wollen?

Die von Ihnen nicht bestrittene Verwendung des Begriffs „Auftritt“ beinhaltet nämlich hinsichtlich der vorausgesetzten Motivlage einen schlimmen Vorwurf, um nicht zu sagen: Eine Unverschämtheit! Ich darf daran erinnern: Unsere Freundin ist um die Erfüllung eines liturgischen Dienstes gebeten worden und hat sich nicht etwa aufgedrängt! Sie hat, von allem anderen abgesehen, mehr als genug zu tun.

Ich vermute ja, und das möchte ich Ihnen bis zum Beweis des Gegenteils ausdrücklich zugute halten, daß Sie gar nicht selbst auf diesen Begriff verfallen sind, sondern, daß er schon an Sie herangetragen wurde. Herangetragen von den Menschen in dieser Pfarrei, die leider nachweislich (ich sage nur: „Akteure vor der Kamera“) in solch kranken Kategorien denken.

Und damit kommen wir zu dem, was Sie zu der ganzen Aktion bewogen hat. Sie schreiben insgesamt viermal (d.h. in jedem Absatz), Sie hätten „Bedenken aus der Gemeinde weitergegeben“, „die Initiative sei aus der Gemeinde selbst“ gekommen, „Bedenken“ oder eine „Bitte“ seien an Sie „herangetragen“ worden.

Das glaube ich Ihnen aufs Wort, daß die ganze Sache erst an Sie herangetragen werden mußte. Die Frage ist nur: Von wem? Wer wußte denn überhaupt von dem „Fall“? Selbst Sie, der Sie ja in Bad Berka mit anderen liturgischen Diensten engagiert sind, wußten es ja nach Ihrem eigenen Bekunden nicht, bevor Sie es gesagt bekommen haben. Um wieviel weniger dann „ganz normale“ Gemeindemitglieder! Das ist ja auch völlig klar: Zeigen Sie mir doch bitte mal die Gottesdienstankündigung, auf der die Lektoren, Kantoren und Organisten verzeichnet sind! Es gibt sie (jedenfalls in Herz-Jesu-Weimar) nicht. Damit geht die Plausibilität dafür, daß in irgendeiner Weise in breiteren Kreisen vorhandene „Bedenken“ oder „Sorgen“ von „ganz normalen“ Gemeindemitgliedern an Sie herangetragen worden sind, gegen Null.

Im Gegenzug sprechen nicht nur die logischen Schlußfolgerungen aus Ihren eigenen Worten, sondern auch die vielfache (und belegbare) Erfahrung mit den Methoden in dieser Pfarrei für einen ganz anderen Ablauf: Ja, Sie sind „aus der Gemeinde“ (insoweit ein ganz weiter Begriff) angerufen worden, aber eben von Jemandem, der a) von der Angelegenheit überhaupt wußte und b) ein Interesse an der Verhinderung dieses von dem Jemand als „Auftritt“ so gänzlich mißverstandenen Dienstes hatte! Sie wissen so gut wie ich (und alle eingeweihten Weimarer Leser auch), daß dafür überhaupt nur ein ziemlich kleiner Personenkreis in Frage kommt, vor allem der, der an der sog. „Dienstberatung“ teilnimmt.

Und höchst bedauerlicherweise haben Sie sich dann die Sicht der Dinge dieser Person zu eigen gemacht, denn sonst hätten Sie ja nicht zum Hörer gegriffen. Da Sie auch diesem Teil des ursprünglichen Beitrags nicht widersprochen haben, ist also klar: Sie teilen die Auffassung derjenigen, die meinen, „Unruhestifter“ müßten nach Kräften aus der Mitwirkung am Gemeindeleben ferngehalten werden. Da komme ich immer noch nicht drüber, wie ein nach seinem eigenen Selbstverständnis „kritischer“ Journalist in seinem Ehrenamt auf diese Weise an der Erhaltung einer Situation mitwirkt, in der manche möchten, daß gilt: „Ruhe ist die erste Pflicht der Pfarrkinder“. Da muß ich über die genaue Bedeutung des Begriffs „dekretiert“ (der keineswegs notwendigerweise einen „Beschluß“ impliziert) gar nicht im einzelnen nachdenken.

Würden Sie uns, den Lesern und Kommentatoren dieses Blogs, wohl den Gefallen tun, und charakterisieren, was für Sie dieses „Unruhestiften“ ausmacht? Was war die Basis, auf der Sie sich das Urteil: „Deren Auftritt muß verhindert werden“ zu eigen gemacht haben? Daß sich unsere Freundin konsequent für die Hebung des musikalischen Niveaus in der Liturgie einsetzt? Daß sie im letzten Jahr für den PGR kandidiert hat, obwohl sie nicht dazu aufgefordert wurde? Daß sie ebenfalls dafür eintritt, „der Gemeinde die Vielfalt und Qualität der gerade hier in Weimar möglichen ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht weiter vorzuenthalten (vgl. in diesem Sinne bereits den Beitrag ‚Boshaft? ‘)“, wie hier schon im Mai 2012 zu lesen war? Oder einfach, daß sie aus christlichem Empfinden und aus Gerechtigkeitsgefühl zu ihren Freunden steht und zwar öffentlich?

Allgemein habe ich zum Thema „Unruhe“ schon vor fast einem Jahr eigentlich alles Notwendige geschrieben: „‘Ruhe‘ kann es auch geben, wenn alle hilflos mit den Zähnen knirschen, ‚Frieden‘ gibt es nur in der Wahrheit, auch wenn die unbequem ist.“ (hier). Ja, diese ‚Unruhe‘ ist notwendig, sie ist Lebens-notwendig!

Weiter: Ich halte an der Charakterisierung Ihres Eingreifens als eines, das „unzuständigerweise“ geschah, fest. Ja, ich bin inzwischen noch mehr der Meinung, daß die Angelegenheit auch kirchenrechtlich nicht statthaft war, möchte aber auf die Begründung im einzelnen hier verzichten, aus mehreren Gründen, vor allem aber, weil das im ursprünglichen Gang meiner Argumentation klar erkennbar nur einen Randaspekt ausgemacht hat. Wenn Sie möchten, nennen Sie bitte konkret die Rechtsgrundlage aus den einschlägigen Ordnungen zur Arbeit der Laiengremien, auf die Sie sich stützen, ich werde das veröffentlichen und wir können es diskutieren.

Abschließend gesagt konnte ja auch meine Wendung: „Vollstrecker der zementierten Unversöhnlichkeit“ wohl schwerlich als Tatsachenbehauptung verstanden werden, aber ich sage es auch gern explizit: Das war eine Wertung. Sie ist es leider unverändert, ja noch mehr als vor ein paar Tagen. Aber ich finde das außerordentlich bedauerlich!

Lassen Sie sich doch nicht von denen, die nur Interesse am Erhalt ihrer Vorstellung von „Ruhe“ haben,  vor einen Karren spannen. Sie, weil Ihnen die traditionsorientierte Ausrichtung von PuLa nicht gefällt, andere, weil ihnen einfach Angst gemacht wird! Es geht darum, daß Sie mit Ihrem Handeln leider objektiv zum Erhalt einer eng verwobenen Machtstruktur beitragen, der es um Inhalte allenfalls (!) sekundär geht. Das haben Sie doch in keiner Weise nötig. Machen Sie sich frei davon, dann kann auch „derselbe“ kritische Hartmut Kaczmarek im Ehrenamt genauso wie in seinem Beruf agieren. Ich würde mich aufrichtig darüber freuen!

Mit guten Grüßen

 

G. Lamers

 

Sozusagen im Sinne eines Postskriptums möchte ich noch einen letzten Aspekt aufgreifen: Ich habe, erbost wie ich war, am 11. April relativ ruppig über den Filialgemeinderat und seine geringe Bedeutung geschrieben. Inhaltlich kann ich davon nichts zurücknehmen, denn ich glaube immer noch, daß die „Beruhigung der Gemüter“ im Zuge der Strukturreform eine zentrale Absicht bei der Schaffung dieses Gremiums war (und sehen Sie, A.R., wohin die Gremienexpansion auch führen kann?!). Es lag und liegt mir aber völlig fern, damit etwa das vielfache und vielfältige Engagement vor Ort herabwürdigen zu wollen, das sich, weil es ihn halt  gibt, im FGR versammelt! Wenn ich so mißverstanden worden sein sollte, tut mir das sehr leid! Wer diesen Blog unvoreingenommen liest, kann sehen, wie hoch ich gerade stilles ehrenamtliches Engagement ohne „Ämter“ und Posten schätze, z.B. hier.

Anmerkungen am Sonntagabend

Gibt es eine bessere Methode nach einem auswärts verbrachten Wochenende wieder zuhause anzukommen, als einen Meßbesuch im Kreise der Familie? Natürlich nicht! 😉 So habe ich also heute die Abendmesse in der Pfarrkirche Herz-Jesu-Weimar besucht, auch wenn der Tag bereits mit einer Messe im Marcel-Callo-Haus in Heiligenstadt begonnen hatte (naja, „begonnen“, 9.30 Uhr…). Zum Grund des sehr schönen und ertragreichen Aufenthalts dort im „Jugend- und Erwachsenen Bildungshaus“ des Bistums bei Gelegenheit mehr.

Jedenfalls gehörte der Gottesdienst hier um 18.00 Uhr in die Kategorie der sog. „Kopf-Wende-Messen“, wie eingeweihte Kreise mittlerweile sagen. Dieses Phänomen ist immer dann zu beobachten, wenn gekonnt, gar professionell georgelt wird, wie es heute erfreulicherweise der Fall war. Die Gottesdienstbesucher, die das aus leidvoller Erfahrung inzwischen nicht mehr regelmäßig erwarten, sind freudig verblüfft und wenden schon bei den ersten Tönen in großer Zahl den Kopf, was schon von der Mitte des Kirchenschiffs aus gesehen (also ohne den vollen Überblick zu haben) immer ganz putzig zu beobachten ist. 🙂 Freilich, man würde auf die Erheiterung gerne verzichten, wenn es dafür so regelmäßig gute Musik gäbe, wie das in einer Stadt wie Weimar ohne weiteres möglich wäre und wie sie, wie man an der beschriebenen Reaktion merkt, von den Gläubigen auch dankbar angenommen, vielleicht gar erwartet?, würde! Naja, heute abend war es jedenfalls schön (allerdings habe ich, wenn ich mich nicht sehr irre, von der Orgelempore auch männlichen Gesang vernommen, der also nicht von der Organistin stammen konnte, was kann das nur gewesen sein? Der Kantor stand jedenfalls vorne; war ein bißchen irritierend für den normalen Gemeindegesang).

Wie dem auch sei, es gab den Embolismus nach dem Vaterunser und vor der Doxologie, wie es sich gehört, und es gab eine gute Predigt, die die Hinwendung zu den Armen des Hl. Franziskus als „Aufbauwerk“ („Franziskus, bau meine Kirche wieder auf!“) in der Zeit des 13. Jahrhunderts würdigte. Daß dabei auch die Auseinandersetzung mit den gefährlichen Häresien der damaligen Zeit (allen voran die der „Katharer“), denen gewisse Verweltlichungserscheinungen Nährboden boten, nicht ausgespart wurde, hat mir besonders gut gefallen. Und, selbstverständlich, wurden auch mögliche Parallelen zur heutigen Situation der Kirche gezogen. Gerade in diesem Sinne würde ich gerne ergänzend anmerken, daß der Sieg damals auf mehreren Wegen errungen wurde, und daß die zu Franziskus im mancher Weise komplementäre Figur des Hl. Dominikus in einer Gesamtschau (die eine Predigt natürlich nicht leisten kann!)  nicht fehlen darf, hat doch der ordo praedicatorum, ebenso „entweltlicht“, aber mit dezidiert „intellektuellem Profil“ daran ebenfalls entscheidenden Anteil gehabt, was durchaus auch mit aktuellen Bezügen verstanden werden darf.

Und schließlich hat es mir, und sicher nicht nur mir, ganz besondere Freude bereitet, daß heute abend wieder einmal der Beistand der Heiligen um einen guten neuen Bischof angerufen wurde! Das drohte nämlich in letzter Zeit ein bißchen außer Übung zu geraten! Dabei scheint es sozusagen wichtiger denn je, denn von Bischof Dr. Koch in unserem Nachbarbistum Dresden-Meißen hört man, sowohl medial, wie vor allem aus etlichen Gesprächen mit seinen „Schäfchen“ weiterhin nur Gutes; die anfänglich gelegentlich zu spürende Sorge, wie denn so „einer von außen“ sich „im Osten“ machen würde, ist offenbar völlig verflogen. Also: Weiterbeten (wie wir es übrigens auch in Heiligenstadt getan haben) ist sehr angebracht!

Hl. Dominikus, der Du der Kirche in Askese und kämpferischer Anstrengung des Verstandes gedient hast, bitte für uns!

Hl. Dominikus, Deutschland, anonym, ca. 1600 (Bild: Andreas Praefcke auf der deutschen Wikipedia)

Das Exsultet singen – liturgische Aspekte

Der Beitrag: „Der verhinderte ‚Auftritt‘ – vorösterliche Begebenheiten in Herz-Jesu-Weimar“ vom 11. April und die Reaktion darauf von Seiten des Filialgemeinderatsvorsitzenden von Bad Berka, erschienen am 15. April, sorgen nach wie vor für kritische Anfragen von außen (vgl. hier und hier, jeweils Kommentarbereich). PuLa selbst wird zu gegebener Zeit zu dem Vorgang und den Reaktionen  noch einmal detailliert Stellung nehmen.

Unabhängig davon gab es aber auch schon früh Anfragen, bzw. Bemerkungen zu den genauen liturgischen Regelungen für das Singen des Exsultet. Namentlich, ob es nicht überhaupt dem Priester oder Diakon vorbehalten sei. Ich hatte diesen Aspekt vor dem 11. April nur kursorisch angeschaut, weil es mir darum ja nicht eigentlich ging, aber natürlich ist das ebenfalls von Interesse und mußte geklärt werden.

Im Ergebnis zeigt sich wieder einmal, wie wunderbar die Blogoezese funktioniert! Innerhalb weniger Tage hatten die Kolleginnen und Kollegen die Angelegenheit erledigt. Herzlichen Dank an „Ut in omnibus glorificetur Deus“, Pro spe salutis und „Vincentius Lerinensis“!

Die Sache verhält sich so, daß es ursprünglich natürlich eine Aufgabe für eine geweihte Person war, was ja auch aus einigen Abschnitten des Textes klar hervorgeht.

So ist es auch heute noch in der außerordentlichen Form des römischen Ritus, vulgo, der „Alten Messe“, bzw. dem vetus ordo.

Im novus ordo hingegen kann die Aufgabe an einen Laien, sprich Kantor oder Kantorin delegiert werden, dann müssen aber selbstverständlich die „priesterlichen“ Abschnitte entfallen (und natürlich sind sie in der Bad Berkaer Osternacht auch weggelassen worden!).

Wie ich immer sage: Es ist gut, daß die Kirche (auch) eine Rechtsgemeinschaft ist! Dieser Aspekt muß gestärkt werden. Nur dann weiß nämlich jeder, wo er dran ist, und niemand kann mit vermeintlich besserem Wissen unter Ausnutzung seiner (Amts-) Autorität Sachen  erfinden, bloß weil sie ihm gerade in den Kram passen…

Nochmal: „Der verhinderte ‚Auftritt’“ – Eine Gegendarstellung

Der folgende Text wurde als „neue und korrigierte, endgültige Version“ bereits am Spätnachmittag des 13. April übersandt. Da ich am Wochenende den Computer nicht angeschaut habe (doch, doch, das gibt es auch bei Bloggern! 😉 ) war ich dessen nicht gewahr und konnte ergo auf die Bitte des Absenders nach zügiger Veröffentlichung nicht reagieren. Als ich das heute früh bemerkte, habe ich ihn zunächst als Kommentar freigeschaltet und für die Verzögerung um Nachsicht gebeten (vgl. im Kommentarbereich, hier).

„Sehr geehrter Herr Lamers,

zu Ihrem Blog-Beitrag Der verhinderte Auftritt folgende Richtigstellungen:

Falsch ist, dass der Filialgemeinderat  nicht wollte, dass Ihre „besonders liebe Freundin“ dort singe.

Richtig ist vielmehr, dass an mich als Vorsitzenden des Filialgemeinderates aus der Gemeinde die Bitte herangetragen worden ist, mit ihr zu reden, ob sie ihre Entscheidung nicht überdenken wolle. Ich habe zuvor mit dem Zelebranten geredet und ihm diese Bedenken aus der Gemeinde vorgetragen. Ich habe ihm angeboten, der Betroffenen selbst auch diese Bedenken vorzutragen. Dem hat er zugestimmt, allerdings mit dem Hinweis, dass er diese Bedenken nicht teile. Genau das habe ich auch der Betroffenen gesagt. Ich habe sie gebeten, vor dem Hintergrund der Bedenken einiger Gemeindemitglieder ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Falsch ist , dass ich mich unzuständigerweise eingemischt habe.

Richtig ist, dass an mich als Filalgemeinderatsvorsitzender die Bedenken herangetragen worden sind und dass ich diese Bedenken zuständigkeitshalber an den Zelebranten und die Betroffene weitergegeben habe, lediglich mit der Bitte versehen, vor diesem Hintergrund ihre Entscheidung zu überdenken. Dafür benötige ich keine Beschlussfassung des Filialgemeinderates. Dessen ungeachtet habe ich mich aber mit allen Gründonnerstag so kurzfristig erreichbaren Mitgliedern des Gremiums kurzgeschlossen und deren Zustimmung zu dem Vorgehen erhalten.

Falsch ist Ihre Behauptung, dass die Gemeindeleitung dekretiert habe, dass ein solcher Auftritt nicht stattfinden sollte.

Richtig ist, dass mir von einem solchen Beschluss nichts bekannt ist. Richtig ist auch, dass die Initiative aus der Gemeinde selbst kam und richtig ist ebenfalls, dass ich Zelebrant und Betroffene lediglich mit den Bedenken bekannt gemacht habe, wie es meine Aufgabe ist, und sie gebeten habe, ihre Entscheidung zu überdenken.

Falsch ist Ihre Behauptung, dass ich mich  zum Vollstrecker der zementierten Unversöhnlichkeit gemacht habe.

Richtig ist, dass ich Bedenken aus der Gemeinde weitergegeben habe, wie es meine Pflicht als Vorsitzender des Filialgemeinderates ist.

Ich erwarte, dass Sie diese Richtigstellung innerhalb von 24 Stunden  in Ihrem Blog in gleicher Größe und gleicher Aufmachung wie den  Text „Der verhinderte Auftritt“ veröffentlichen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Hartmut Kaczmarek

Vorsitzender des Filalgemeinderates Bad Berka

 

PS: Wie Sie habe ich auf die Nennung von Namen der Betroffenen verzichtet. Meinen Namen können Sie gerne nennen, weil ich, wie auch in der Zeitung, zu dem stehe, was ich schreibe.“

Die Frage, inwieweit die aus dem Presserecht (auch dem Thüringer, vgl. § 11 TPG) stammenden Regelungen zum Anspruch auf Gegendarstellung auch für Blogs anwendbar sind, ist durchaus umstritten. Die Frage kann hier allerdings glücklicherweise dahingestellt bleiben, weil ich gar kein Interesse daran habe, (sachlich einschlägige und angemessen formulierte) Äußerungen zu den von mir auf PuLa behandelten Themen zu „unterdrücken“! Das habe ich auch immer wieder deutlich gemacht und auch danach gehandelt. Daher geschieht diese Veröffentlichung, ich wiederhole mich, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, dafür aber aus Überzeugung.
Deswegen wird auch ganz bewußt, den Regelungen zur Gegendarstellung analog, der Brief von Herrn Kaczmarek einige Zeit ohne weitere Äußerung meinerseits hier so stehenbleiben. Damit kann sich jedermann in Ruhe und unbeeinflußt ein Bild vom Gehalt der jeweiligen Ausführungen machen, bevor ich insoweit auf das Thema zurückkommen werde (schauen Sie aber ggf. auch jetzt schon in den Kommentar­bereich, es gibt schon Reaktionen auf H. Kaczmareks Einlassungen, hier). Einen weiteren Aspekt will ich morgen kurz darlegen (Danke, „E.R.“ 🙂 ).

Corpus et Sanguis Christi – Praktisches zur Kommunion unter beiderlei Gestalten

Gerade zu hohen Festen ermöglicht die Kirche häufig allen Gläubigen, die an der Feier der Hl. Eucharistie teilnehmen, die Kommunion unter beiderlei Gestalten.

Daher ist es hilfreich, sich die Regeln, die dafür gelten, vor Augen zu stellen. Sie finden die Dokumente, auf denen die folgende Zusammenfassung beruht, nämlich die Vatikanische Instruktion Redemptionis Sacramentum, 2004 (im folgenden RS) und das Missale Romanum, Grundordnung des Römischen Meßbuchs, 2007 (im folgenden MR) hier und hier auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz (die im Vergleich zum Vatikan das praktischere Format bietet, Anmerkungen als Fußnoten!).

Zunächst die Grundlagen:

„Die hinsichtlich der Zeichenhaftigkeit vollere Form hat die heilige Kommunion, wenn sie unter beiden Gestalten geschieht. In dieser Form tritt nämlich das Zeichen des eucharistischen Mahles deutlicher hervor und der Wille Gottes, wonach der neue und ewige Bund im Blut des Herrn geschlossen wird, wird klarer ausgedrückt, ebenso der Zusammenhang zwischen dem eucharistischen Mahl und dem eschatologischen Mahl im Reich des Vaters.“ (MR 281)

Beide Rechtsquellen betonen in diesem Zusammenhang außerdem die Notwendigkeit, daß dem „eine entsprechende Katechese über die dogmatischen Grundsätze, die vom Ökumenischen Konzil von Trient festgelegt wurden, vorausgehen und beständig weitergeführt werden muß.“ (RS 100, vgl. MR 282, S. 1)

Weiterhin werden die praktischen Umstände und Voraussetzungen der Kommunion unter beiderlei Gestalten für eine größere Anzahl von Gläubigen detailliert geregelt (MR 283 – 287, RS 101 – 106). Diese Anforderungen für den Umgang mit dem Allerheiligsten Sakrament unter diesen besonderen Umständen sind nicht gering. Aufgrund seiner hohen praktischen Bedeutung und aus Erfahrung möchte ich hier einen Punkt besonders hervorheben.

„Wenn die Kelchkommunion durch Eintauchen geschieht, tritt der Kommunikant zum Priester, wobei er die Kommunionpatene unter den Mund hält; der Priester hält das Gefäß mit den heiligen Hostien; an seiner Seite steht der Diener, der den Kelch hält. Der Priester nimmt eine Hostie, taucht einen Teil von ihr in den Kelch, zeigt sie und spricht dabei: Der Leib und das Blut Christi (Corpus et Sanguis Christi); der Kommunikant antwortet: Amen, empfängt vom Priester das Sakrament mit dem Mund und entfernt sich darauf.“ (MR 287) (Hervorhebungen von mir)

Ganz deutlich in Redemptionis Sacramentum:

„Es ist dem Kommunikanten nicht erlaubt, selbst die Hostie in den Kelch einzutauchen oder die eingetauchte Hostie mit der Hand zu empfangen. […]“ (RS 104)

Verstöße gegen diese Regelungen sind als „schwerwiegende Angelegenheiten“ (die mittlere von drei Kategorien) anzusehen (RS 173).

Was ist nun demjenigen zu empfehlen, der sich mit einer Situation konfrontiert sieht, in der er einen solchen Mißbrauch bemerkt, ansonsten aber befähigt und bereitet ist zum Empfang der Hl. Kommunion und daher nicht auf die „geistige Kommunion“ ausweichen möchte? Ganz einfach:

„[…] Den Gläubigen, die vielleicht nur unter der Gestalt des Brotes kommunizieren wollen, ist die heilige Kommunion in dieser Form zu reichen.“ (MR 284) („ist zu“ = „muß“!)

Und:

„[…] der katholische Glaube lehrt, daß auch unter nur einer der beiden Gestalten der ganze und unversehrte Christus und das wahre Sakrament empfangen werden, und daß deshalb, was die Frucht der Kommunion betrifft, jenen, die nur eine einzige Gestalt empfangen, keine heilsnotwendige Gnade vorenthalten wird.“ (MR 282)

Das heißt: Sollten Sie in die nicht ganz unwahrscheinliche Situation kommen, daß die Kommunion in beiderlei Gestalt mißbräuchlich in der Form des Eintauchens durch den einzelnen Gläubigen geschehen soll, so machen Sie einfach dabei nicht mit! Sie erleiden keinen wirklich wichtigen Nachteil, dürfen daran schon gar nicht gehindert werden und setzen damit obendrein ein Zeichen für Ihre Treue zu den Regeln der Kirche. „Anstößig“ ist in einem solchen Fall nicht etwa das Nicht-Mitmachen, sondern das Mitmachen gegen besseres Wissen!

Zum Abschluß: Gelegentlich macht man ja als Blogger die Erfahrung, daß Leute einem sagen: “Kümmern Sie sich nicht um Sachen, die Sie nichts angehen!“. So jemand läge aber im vorliegenden Fall völlig falsch. Völlig:

Alle haben entsprechend den Möglichkeiten in ganz besonderer Weise dafür zu sorgen, daß das heiligste Sakrament der Eucharistie vor jeder Art von Ehrfurchtslosigkeit und Mißachtung bewahrt wird und alle Mißbräuche vollständig korrigiert werden. Dies ist für alle und für jeden einzelnen eine sehr wichtige Aufgabe, und alle sind ungeachtet der Person zur Verwirklichung dieser Aufgabe gehalten.“ (RS 183) (Hervorhebungen von mir)

Meine „Möglichkeiten“, das ist dieser Blog.

PuLa wünscht weiterhin eine frohe und gesegnete Osterzeit!

Der verhinderte „Auftritt“ – vorösterliche Begebenheiten in Herz-Jesu-Weimar

Die Osternacht 2013 haben wir in der Kirche (eigentlich eher Kapelle…) St. Marien in Bad Berka gefeiert. Nicht in unserer nahegelegenen Pfarrkirche und auch nicht in unserer „zuständigen“ Bischofskirche in Erfurt. Und das kam so:

Ungefähr am 13. März fragte der vorgesehene Zelebrant, einer unserer Ruheständler, eine bewährte Kantorin und besonders liebe Freundin von uns, ob sie wohl in dieser Messe das „Exsultet“ übernehmen könne. Mit dem Rektor der Pfarrkirche sei das abgestimmt. So wurden am 20. März die notwendigen Materialien übergeben und alles schien geregelt.

Aber es sollte anders kommen. Am 28. März, Gründonnerstag, rief nämlich gegen 14.30 Uhr der Vorsitzende des „Filialgemeinderats“ Bad Berka bei der vorgesehenen Kantorin an und teilte ihr mit „man“, also wohl der „Filialgemeinderat“ wolle nicht, daß sie dort singe, denn sie gehöre ja auch zu dem Kreise derer, die hier „Unruhe stiften“ und sie solle daher „ihren Auftritt“ (der Ausdruck wurde mehrfach wiederholt) nicht haben.

Im nachhinein kam auch noch heraus, wann und in welchem Rahmen die Sache „abbestellt“ wurde: In der sog. „Dienstberatung“ am 21. März nämlich.

Um nun vor der notwendigen Einordnung und Bewertung dieses bemerkenswerten Vorgangs das wichtigste vorwegzuschicken: Es war eine würdige Feier der Osternacht, an der besonders schön war, daß es gelungen war, aus den lokalen Kräften in Bad Berka einen wirklich guten Ersatz für die „abgewürgte“ Kantorin zu finden, was unsere Freundin am meisten gefreut hat, und was sie auch noch in der Nacht selbst hat deutlich machen können.

Denn einen „Auftritt“ hat diese Dame gewiß nicht nur einfach nicht nötig, ihr liegt überhaupt dieses Denken hinsichtlich eines liturgischen Dienstes (!) völlig fern! Nein, da haben wir wieder mal einen Fall vor uns, in dem das, was einem als Vorwurf entgegenschallt, auf das Haupt dessen, der es äußert, zurückfällt (vgl. Ps. 7, 17) und offenbart, wes Geistes Kind einer ist (ähnlich wie mit dem schönen Diktum von den „Akteuren vor der Kamera“; vgl. hier)!

Und weiter? Ist das ein klassischer Fall, in dem ein Laiengremium sich unzuständigerweise gegen den einzigen, den es etwas angeht, den zelebrierenden Priester nämlich, durchgesetzt hat? Ein Gremium obendrein, das, wie der sog. „Filialgemeinderat“, den es ja erst seit unserer letzten Strukturreform gibt, ohnehin für jeden erkennbar bloß „weiße Salbe“ zur vorläufigen Beruhigung der Gemüter ist, aber keine wirklichen Kompetenzen hat?

Das ist zwar ein grundsätzlich interessanter Aspekt, aber es trifft, glaube ich, den Kern der Problematik dieses Vorgangs nicht. Meines Erachtens schon deswegen nicht, weil ich es für sehr unwahrscheinlich halte, daß es überhaupt eine Sitzung mit Beschlußfassung des „Gremiums“ hat geben können.

Nein, hier geht es um anderes. Zunächst einmal ist einfach festzustellen: Alle, die in dieser Pfarrei nicht aufhören sich kritisch zu äußern und dennoch ihre Zugehörigkeit zu der Gemeinde betonen, werden gemobbt, wo es eben geht und man ist sich nicht zu schade dafür, das höchste Fest der Christenheit zu diesem miesen Zweck zu instrumentalisieren!

Da ist es ganz egal, daß das eher an der Peripherie der Pfarrei passieren sollte, also selbst nach der kranken Logik des „Auftritts“ kaum aufgefallen wäre, da ist es ganz egal, ob der Zelebrant, auf dessen Initiative das geschehen sollte desavouiert wird und da ist es schließlich sogar egal, daß der Rektor der Pfarrkirche eigentlich ja schon zugestimmt hatte. Alles egal, wenn die „Gemeindeleitung“ (die eigentümlicherweise an den „Dienstberatungen“ teilnimmt, obwohl das doch eigentlich eine Veranstaltung für Hauptamtliche ist) dekretiert, daß „die da ihren Auftritt nicht haben soll“.

Und das alles geschieht wenige Tage vor Ostern, in dessen Umfeld dann vom Ambo aus wieder ganz viel von „Versöhnung“ die Rede war. Für wie glaubwürdig soll man die halten, die solches sagen und vorher das gerade geschilderte betrieben oder zumindest zugelassen haben?

Außerdem hat auch der Überbringer der Nachricht ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das ist nämlich jemand, der (fast) jeden Tag in Ausübung seines Berufs in der Zeitung in Kommentaren zu „Transparenz und Offenheit“, zur „Debatten- oder Streitkultur“ aufruft, oder, erst heute wieder!, davon schreibt, es brauche eine „intensive Diskussion“ und „obrigkeitsstaatliche Denke“ sei „irrig“. Der gleiche Mensch, der, wie wir gerade gesehen haben, in seiner Freizeit gegen „Unruhestifter“ vorgeht, gegen Leute, die genau das tun, was er fordert: Sich ihre eigenen Gedanken nicht verbieten lassen! Wieso macht sich jemand in seinem Ehrenamt in dieser Weise zum Vollstrecker der „zementierten Unversöhnlichkeit“ (P.R.), die traurigerweise einige glauben nötig zu haben? Wieso nur?

Ja, so kam das, daß wir gemeinsam mit unserer Freundin und ihrem Sohn sechs Mann hoch die Osternacht in Bad Berka gefeiert haben. Wenn das den einen oder die andere seltsam berührt hat, so können wir das leider nicht ändern, wir haben die Kirche jedenfalls voll österlicher Freude verlassen, denn was da geschah ist, GOtt sei Dank, von diesen häßlichen Machenschaften himmelweit geschieden; Quantum distat ortus ab occidente…

 

(Ps. 102, 12 (Vg.) quantum distat ortus ab occidente * longe fecit a nobis iniquitates nostras bzw. Ps. 103, 12 (EÜ) So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, / so weit entfernt er die Schuld von uns)

 

Der falsche Alarm – Ein Sketch zum Osterlachen

Das Osterlachen mit Verspätung hat auf PuLa ja schon Tradition und ich muß sagen, ich fand ein paar Tage offline mal ganz entspannend.

Übrigens: Der letztjährige Text mit dem Autokennzeichen (erinnern Sie sich? hier) hatte völlig unerwartete Konsequenzen. Das Fahrzeug, das vorher über mehrere Monate hinweg zum Wochenende regelmäßig dort gestanden hatte, ist verschwunden! Einfach weg. Soll mal keiner sagen, so ein Blog könne in der „realen Welt“ nichts bewegen 😉

 

Der falsche Alarm

Sketch zum Osterlachen für vier Personen

 

(Im Pfarrbüro der bröckelnden Gemeinde Maria hilf! in Wundersdorf/ Oderbruch herrscht helle Aufregung. Eben stürzt Frau Schramm, im Lauf in ihren Mantel schlüpfend, mit einer Sammelbüchse aus dem Haus und stößt fast mit Silke und Hedwig zusammen, die auf dem Weg ins Büro sind.)

Frau Schramm: Guten Morgen!

Silke: Guten Morgen, Frau Schramm – Sie haben’s aber eilig. (Zu Hedwig) Hört sie schon nicht mehr.

(Im Büro sitzt Hochwürden Kneif mit verzweifelter Miene am Schreibtisch und kramt in irgendwelchen Unterlagen.)

Hedwig und Silke: Guten Morgen, Herr Pfarrer!

Hochwürden: Guten Morgen! (Er reicht beiden hastig die Hand)

Silke: Wir wollten unsere Stapel Pfarrbriefe abholen.

Hochwürden: Da müssen Sie warten, bis Frau Schramm wieder da ist, ich kann Ihnen die jetzt nicht raussuchen.

Hedwig und Silke (blicken sich an): Hm!

Hochwürden: Sagen Sie, dieser Hebräischkurs, wir hatten doch mal einen Hebräischkurs angeboten…

Hedwig: Na, der läuft doch längst in Petershagen…

Silke: Bestimmt schon ein Jahr, wenn nicht länger…

Hedwig: Kunerts fahren doch seitdem extra immer rüber.

Hochwürden: Könnte man den nicht wieder hier bei uns…

Hedwig: Der Zug ist glaube ich abgefahren, das sind dort stabil 25 Teilnehmer.

Hochwürden (jammerig): Und dieser Malkurs – Ikonen …

Silke: Monique hat doch hingeschmissen, als sie von Corinna die zehnte barsche Email bekommen hatte, weil angeblich Kleckse im Waschbecken waren…

Hedwig: … oder das Papier im Mülleimer zu liederlich geknüllt…

Silke: … und das Pinselbefeuchten verbrauchte angeblich zu viel Wasser.

Hochwürden: Aber könnte man…

Hedwig: Vergessen Sie’s! Die ist stinksauer – geht doch bloß noch in die evangelische Partnergemeinde. Und jetzt mit dem kleinen Kind – keine Chance!

Hochwürden: Welche Studenten orgeln denn noch bei uns?

Silke: … also Herr Klösterlein geht auch nur noch in die Erlöserkirche…

Hedwig: Ist er nicht sogar übergetreten?

Silke: Der auch?

Hedwig: Ich weiß nicht so genau – Herr Pfarrer?

Hochwürden: Ach, das kann ich mir doch nicht alles merken.

Silke: Nach der Sache mit Professor Ehrlich haben doch viele aus Solidarität mit ihm auch aufgehört.

Hedwig: Stimmt. Da sind doch letztes Jahr reihenweise Konzerte ausgefallen.

Hochwürden: Unser Kinderchor?

Silke: Läuft jetzt privat.

Hedwig: Ham‘ Se doch selber verboten.

Hochwürden (vorsichtig): Literaturkreis?

Silke: Die Ankündigung ist doch aus dem letzten Osterpfarrbrief rausgeflogen…

Hedwig: … zugunsten eines gesperrt gedruckten Gebets eines Elefanten oder so…

Silke: … ja genau: „Lieber Gott, entschuldige, daß ich so ein dickes Fell habe …“

Hedwig: … „ich hab mich ja nicht so gemacht …“

Hochwürden (immer weinerlicher): Also den gibt’s auch nicht mehr?

Silke: Für die üblichen fünf Unerschrockenen, die in unserer Gemeinde immer so zusammenkommen, wollte Dr. Peters es nicht machen.

Hochwürden: Aber was könnte man denn… (Er legt seinen Kopf auf den Arm): Buhuhuhuhu!

Silke: Was soll das eigentlich alles?

Hedwig: Warum interessieren Sie sich denn plötzlich so für unsere ehemaligen Gruppen und Kreise?

Hochwürden (schiebt, den Kopf auf dem Arm, Hedwig wortlos den aktuellen Petershagener Landboten hin): Buhuhuhuhuhu!

Hedwig (überfliegt einen rot markierten Artikel, murmelnd): „DBK kritisiert ‚Priester-Beamte’ …. analog den Gehaltsabstufungen für Hochschulprofessoren soll jetzt auch eine leistungsabhängige Besoldung der Priester eingeführt werden … Grundgehalt in Höhe von 1297,34 Euro zuzüglich leistungsabhängiger Zuschläge … wie an den Universitäten die Anzahl der Absolventen und Promovenden … in den Gemeinden analog die Anzahl der Firmlinge, der Gruppen und Kreise, der Betreuung und erfolgreichen Förderung der Ehrenamtler als Berechnungsgrundlage der Priesterbesoldung eingehen.“

Hochwürden (heult auf): Huhuhuhuhuhu!

(Hedwig reicht Silke sprachlos die Zeitung weiter. Silke überfliegt den Artikel und fängt plötzlich schallend an zu lachen.)

Hochwürden (blickt empört auf): Da lachen Sie noch?

Silke: Gucken Sie doch mal aufs Datum! (Sie hält den beiden die Zeitung unter die Nase.)

Hedwig (stöhnt und lacht dann auch): Ach so, 1. April!

Silke: Herr Pfarrer! Das dürfte der diesjährige Aprilscherz sein.

Hochwürden (rappelt sich auf, immer noch zerknautscht): Na, dann ist ja alles in bester Ordnung! Dann können wir ja Frau Schramm wieder zurück holen.

Hedwig: Sagen Sie nicht, die wollte für SIE sammeln?

Hochwürden: Na klar! Stellen Sie sich vor, ich hätte von jetzt auf gleich solche Gehaltseinbußen … nicht auszudenken!

Silke: Dann aber schnell – wenn das rauskommt, kriegen wir nie wieder einen Pfennig von den Leuten! (Sie greift zur Türklinke)

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, auf so verrücke Ideen kommen die Zeitungsschreiber da oben im Brandenburgischen! Bloß gut, daß die Weimarer Journalisten so grundsolide Typen sind…

PS: Ach ja: Irgendwie ist das mit dem „Verschwinden nach Osterlachen“ ja fast ein bißchen unheimlich! Nur für alle Fälle:  Wenn heuer wieder etwas oder jemand verschwindet lehnt PuLa schon prophylaktisch jede Verantwortung ab!

 

Prayer – Gedicht zum Abschluß der Fastenzeit

Ein beliebtes Vorurteil über traditionsorientierte Blogger besagt ja, daß auch ihre ästhetischen Vorlieben von vorgestern seien. Richtig ist, daß ihre ästhetischen Vorlieben, wie alles andere, an dem geschult sind, was immer gilt.

Hier jedenfalls zum Abschuß der Fastenzeit ein zeitgenössisches Gedicht, das mir sehr gut gefällt. Nach Ostern erzähle ich dann auch, welch erheblicher Aufwand erforderlich war, damit ich es der geschätzten Leserschaft präsentieren konnte.

Damit wünscht PuLa zugleich erfüllte und gesegnete Kartage.

 

Prayer

 

Give me a little less

With every dawn:

Colour, a breath of wind,

The perfection of shadows,

 

Till what I find, I find

Because it’s there,

Gold in the seams of my hands

And the night light, burning

 

John Burnside

(Aus: Versuch über das Licht, Gedichte, zweisprachig, 2011, Hanser, mit Leseproben)

 

Gebet

Gib mir ein weniges weniger

Mit jeder Morgenröte:

Farbe, einen Atem des Windes,

die Vollkommenheit der Schatten,

 

bis ich, was ich finde, finde,

weil es es gibt,

gülden der Saum meiner Hände

Und das brennende Nachtlicht

 

(eigene Übertragung, die „offizielle“ Übersetzung hier)

Ein Sonntagmorgen voller…

…gemischter Gefühle.

Nein, für einen „Sonntagmorgen voller guter Laune“, jene allseits beliebte Kategorie auf PuLa hat es leider nicht gereicht, aber „gemischte Gefühle“, das paßt doch eigentlich ganz gut zum Charakter des Palmsonntags, dem Tag, an dem von Jesu triumphalen Einzug in „seine Stadt“ die Rede ist und andererseits schon die ganze Passion gelesen, wird, oder?

Na, jedenfalls fand sich heute morgen gegen 8.45 Uhr ein zwar deutlich reduziertes, aber ansehnliches Häuflein von Gläubigen zur Palmweihe am Otto-Neururer-Haus ein, denn da standen wir bei etwa -8° und schneidendem Ost- Nordostwind, wenn auch bei strahlendem Sonnenschein, so daß sich die gefühlte Temperatur sicherlich bei ca. -15° befunden haben dürfte. Da kamen dann bloß die „üblichen Verdächtigen“ (in jedem Sinne sozusagen 😉 ). Allerdings zusammengesetzt aus allen Altersstufen, von Vorschulkindern bis über 80. So etwa stelle ich mir die Gemeinden der Zukunft vor, wenn eben endgültig nur noch die kommen werden, denen die Sache wirklich was bedeutet, und fand das heute gar keine so schlimme Vorstellung! Wenn man die Situation bildlich nehmen will: Es ist kalt und der Wind weht uns ins Gesicht, aber das geschieht eben auch im gleißenden Licht, das uns nicht (niemals!) zu nehmen sein wird!

Anschließend haben sicherlich diesmal alle die Kürze der Prozession (es ist wirklich mehr ein „Weg“) als wohltuend empfunden, aber: Es gab ihn, den gemeinsamen sinnfälligen Einzug in die Kirche! Mit lautem Gesang (Mir nach, spricht Christus unser Held, GL 616).

Was sich anschloß war ein im großen und ganzen würdiger und schöner Gottesdienst. Über die „liturgischen Eigenheiten“ gerade dieses Zelebranten habe ich hier ja schon berichtet (hier und hier), aber heute ist es mir mal ganz gut gelungen, das als persönliche Besonderheit zu werten (obwohl das natürlich eigentlich völlig falsch ist, denn Liturgie ist eben gerade strikt überpersönlich!).

Ich will mich auch nicht damit aufhalten, daß beim Schlußlied (GL 166) durch die Auswahl der Strophen (nur die Nr. 2) die Chance vertan wurde, immerhin einen kleinen marianischen Aspekt zu berücksichtigen, wie er sich für ein Schlußlied nun mal gehört, aber zwei Beobachtungen müssen doch sein:

Die Predigt begann mit der Klage über den zunehmenden Verlust von Prozessionen als Element katholischen Lebens. Sicher leider vielerorts sehr richtig, aber: Hatten wir nicht gerade eine Prozession erlebt, nein, mitgemacht?! Die Feststellung blieb aber leider so im Raum stehen. Und hat sie nicht einer angeführt, der nicht nur etwas gegen das tun könnte, was er beklagte, und genau dazu berufen ist, sondern eben auch gerade etwas dagegen getan hatte? Ich verstehe einen spezifischen Tonfall der Mutlosigkeit nicht. Ichverstehe ihn einfach nicht! Und er ist nicht bloß überflüssig (wie die Gelegenheit zeigte), sondern er ist gefährlich, denn die Menschen hören sehr gut zu, nicht nur auf die Worte, sondern gerade auch auf solche unterschwelligen Botschaften! Mehr Mut!

Und dann die Fürbitten! Von anderem mal abgesehen, wer um alles in der Welt denkt sich bloß solche Texte aus?! Die Antwort der Gemeinde lautete heute: „Herr, erbarme dich!“ Ja, wirklich und zuerst der Verfasser solcher Texte, hätte man rufen wollen, so voller „Fernsten-Liebe“ und betulich wohlabgewogenem Polit-Sprech waren sie wieder! Schlimmster Verlautbarungsstil! Ich habe selbst beruflich schon solcherart Texte produzieren müssen, die nach mehrmaliger „Abstimmung“ so glattgeschliffen und „unangreifbar“ waren, daß sie keinerlei Anstoß mehr erregen konnten. Soll das die Sprache sein, die „die Menschen heute verstehen“? Ein Schmarrn! „Die Menschen“ haben nämlich nach meiner Überzeugung und Erfahrung ein viel feineres (Spach-) Gefühl, als man ihnen gemeinhin „höchst wohlwollend“ zutraut! Oder meint einer, die sog. Politikverdrossenheit käme nicht auch genau von solchen gestanzten und abgeschliffenen Wort-Ungetümen? Natürlich kommt sie! Dabei wissen sie aber auch noch genau zu unterscheiden, „die Menschen“ und deswegen erwarten sie in der Kirche zu Recht gerade dies eben nicht! Hier darf, ja soll es anstößig werden, denn das berührt und dabei helfen gerade „alte“ und eher quer zum allgemeinen Sprachgebrauch stehende Formulierungen! Weniger Pseudo-Originalität!

Ach ja! Aber welch wundervolle Sätze durften wir wieder im Evangeliumstext hören!

Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien. (Lk 19, 39 f.)

Das folgende konnte man schon im vergangenen Mai in anderem Kontext hier lesen, aber es ist immer wieder schön!

“Christ prophesied the whole of Gothic architecture in that hour when nervous and respectable people (such people as now object to barrel organs) objected to the shouting of the gutter-snipes of Jerusalem. He said, “If these were silent, the very stones would cry out.” Under the impulse of His spirit arose like a clamorous chorus the facades of the mediaeval cathedrals, thronged with shouting faces and open mouths. The prophecy has fulfilled itself: the very stones cry out. “

(G. K. Chesterton, Othodoxy, The Eternal revolution)

[Christus hat das Ganze der gotischen Architektur prophezeit, in jener Stunde, als nervöse und wohlanständige Leute (die gleichen Leute, die sich jetzt an Drehorgeln stoßen) Einspruch erhoben gegen das Geschrei der Gassenjungen von Jerusalem. Er sagte: „Wenn diese schwiegen, würden die Steine selbst schreien.“ Unter dem Impuls Seines Geistes entstanden, gleich einem lärmenden Chor die Fassaden der mittelalterlichen Kathedralen, gedrängt voll mit rufenden Gesichtern und offenen Mündern. Die Prophezeiung hatte sich erfüllt: die Steine selbst schreien es heraus.] (eigene Übertragung)

Wasserspeier an der Fassade der Monastère royal de Brou, Bourg-en-Bresse (Bild: Fanpon, Wikipedia)

 

PS: Das muß wunderschön sein, dort:

Monastère Royal de Brou (Bild: Jochen Jahnke aus der deutschsprachigen Wikipedia)