…concedat nobis Dominus omnipotens!
Lacum aperuit, et effodit eum * et incidit in foveam quam fecit.
(Ps. 7, 16 Vg.)
Aus den Psalmen der Komplet in der a.o. Form am Montag.
…concedat nobis Dominus omnipotens!
Lacum aperuit, et effodit eum * et incidit in foveam quam fecit.
(Ps. 7, 16 Vg.)
Aus den Psalmen der Komplet in der a.o. Form am Montag.
Anayekula mwili wako
Schöner Gesang in der Abendmesse
Nach der schlichten Ankündigung in der Gottesdienstordnung: „Abendmesse – mit KSG“ hielt die Messe am vergangenen Sonntagabend wieder eine schöne Überraschung bereit. Die ÖSG – die Ökumenische Studentengemeinde, von der man in Weimar offenbar jetzt richtiger spricht – gestaltete Teile des Gottesdienstes wie Lesungen und Fürbitten und wurde vom Pfarrer auch eigens begrüßt.
Nachdem als Gloria GL 383 („Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe“) zu Gitarre und Schlagwerk vorgegeben worden war und ich über die Musikauswahl schon traurig werden wollte – GL 470, „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“ folgte zur Gabenbereitung auch noch und ich mag das Lied bei allem Lokalpatriotismus nicht recht leiden – wurden wir zur Kommunion mehr als entschädigt. Als „sachsenanhaltinisch-thüringisch-brasilianisch-kenianische Koproduktion“ (Pfr. Gothe) erlebten wir eine sehr variantenreiche Aufführung von „Anayekula Mwili Wako“, eines Spirituals zur Verherrlichung der Eucharistie. Ein Violinduett eröffnete und begleitete abschnittsweise das Stück, bevor ein vierköpfiges Gesangsensemble und vor allem immer wieder geradezu entrückende Sopransoli den Text vortrugen.
Es ist zu vermuten, daß die Anregung zu diesem in Suaheli gedichteten Lied einem kenianischen Promotionsstudenten der hiesigen Musikwissenschaft zu verdanken ist, der sich im Fach Musikethnologie spezialisieren möchte (vgl. etwa demnächst ein Symposium, hier) und schon durch die Wahl seiner Wohnung seinen Wunsch einer engen Anbindung an die katholische Gemeinde zu erkennen gibt. Er, der im Kirchenchor bei den Bässen sitzt, aber gerne auch schon mal den Sopran in Originalhöhe vorsingt, war Bestandteil des kleinen Chores am vergangenen Sonntag.
Die Mitglieder des Kirchenchores durften ihn schon in der Probe am Donnerstag zuvor kennenlernen – als Mitsänger wie als inspirierenden Dirigenten. Denn: In der Christkönigsmesse, in welcher der Kirchenchor singen soll, wird er die einzelnen Stücke der „Missa Africana“ dirigieren und hat das in der Probe schon einmal durchgespielt. Die Missa Africana von Michael Schmoll ist nicht wirklich afrikanische Musik – es ist also keineswegs so, daß man die Melodien in Afrika kennt oder sie etwa volkstümlich wären. Der Text ist größtenteils lateinisch, aber die Kompositionsweise ist, wenn ich das im Gespräch recht verstanden habe, der afrikanischen Akkord- und Melodiebildung angenähert.
Interessant war, daß unser kenianischer Dirigent in der Probe das Kyrie im Gegensatz zu unserer bisherigen Aufführungspraxis viel langsamer und mit geradezu romantischer Innigkeit nahm. Und wie wir das aus der Chorprobenarbeit gewohnt sind, so wußte auch dieser „Gastdirigent“ in jedem Takt genau, was er wollte. Was Wunder – hat er sich doch in seiner Heimat bereits zum erfahrenen Chorleiter ausgebildet, der beispielsweise den großen Gospelchor zur Papstmesse auf dem Universitätsgelände von Nairobi mit seinem Dirigat in angemessenen Schwung brachte, sehen Sie selbst:
Kurze Info zur entsprechenden Papstmesse noch einmal hier.
Und dieses Video aus der ZDF-Mediathek ist nur noch bis zum 25.11.16 verfügbar – dann ist ein Jahr seit dem Ereignis vergangen (wir haben also mal wieder einen Aspekt der Reihe „vor Jahresfrist“ in den Beitrag eingeschmuggelt 😉 ) also schnell nochmal draufklicken, hier.
Zum Abschluß aber endlich die Musik, die letzten Sonntagabend in der Messe erklang. Wie pflegt Gereon zu schreiben: Enjoy!
Zu Recht hob Pfarrer Gothe vor dem Schlußsegen ins Wort, daß es doch schön ist, wenn man eine Musikhochschule am Ort hat und die Studierenden sich mit all ihren Fähigkeiten an den Gestaltungen von Messen beteiligen können. Genauso ist es. Und weil das so ist, verdienen diese Aktivitäten der Gemeinde und ihrer temporären Mitglieder unseres Erachtens auch ein Gedächtnis. Voilà!
Cornelie Becker-Lamers
Neue Besen kehren gut
Gemeinsamer Arbeitseinsatz zum allerletzten Abschluß des Kirchenjahres
Auch das gab es früher nicht – oder jedenfalls lange nicht: Den Aufruf des Pfarrers zur gemeinsamen Gartenarbeit, in den aktuellen Pfarrblättern, hier mit abschließendem Dankeschön-Grillen. (Anmerkung der Redaktion: Das ist Thüringen: ‚Der Rost glüht!‘ 🙂 )
Der erste Frost war da, das letzte Laub ist gefallen – und Pfarrhof und Pfarrgarten sollen winterfest gemacht werden und in Ordnung sein vor der Ankunft des Herrn. Denn wie heißt es in dem berühmten Adventsschnellkurs so treffend: „Lent is more of a spring cleaning of our lives“ – die Fastenzeit ist so etwas wie ein Frühjahrsputz in unserem Leben – aber „Advent is a cozier getting your home ready to welcome a special guest: Jesus“ – Advent ist ein wohligeres Zurechtmachen deines Heims, um einen ganz besonderen Gast willkommen zu heißen: Jesus.
Wenn die Stimmung so gut ist wie beim Weinlesen,
kann ich diesen ganz besonderen Subbotnik nur empfehlen.
Cornelie Becker-Lamers
Dove Sveta (4/4)
Ein Sketch für drei Personen, fünf Schafe, zwei Lämmchen und eine Menge Heiliger
Wundersdorf, Oderbruch. Auf dem Weg von der Schafweide zur Stadt. Wir erinnern uns: In Kohles neuer App fängt man Heilige, indem man passende Gebete spricht oder Lieder zur Erinnerung an ihre Geschichte singt. Das hatten wir jetzt verstanden. Aber warum eigentlich heißt das Spiel „Dove Sveta“?
Richard: Und das ganze heißt „Dove Sveta“?
Kohle: Yep! (Er poliert geschäftig sein Display.)
Richard: Und was soll das heißen?
Kohle: Na „Wo sind die Heiligen“ natürlich.
Richard (zieht die Augenbrauen hoch): Das ist eine Sprachmixtur sonder Gleichen! Und wo ist das Verb?
Kohle (kühl): Na, da bin ich ja froh, daß der Name „Pokémon GO!“ als Aufforderung an die Spieler grammatikalisch so lupenreines Englisch ist und etymologisch auf einen so klaren Stammbaum verweisen kann. (Er rückt mit seiner Nase dicht an Richard heran.) Allein Pokémon ist ein Kunstwort, eine japanische Verballhornung von „Pocket Monster“. Noch Fragen? (Wieder mit etwas Abstand.) Markennamen sind immer künstlich.
Richard: Jajaja, ist ja schon gut. Entschuldigung. Also ihr meint wirklich das italienische „Dove“ für „Wo“ und das Kroatische „Sveta“ für „Heilige“?
Kohle: Ja.
Fixi: In Pula ist alles zweisprachig italienisch-kroatisch. Wußtest du das nicht?

Straßenschilder in Pula (Bild CBL)
Huf (grinst): So ist das in Pula. Also sind wir mit unserem Spiel hier genau richtig.
ENDE
Cornelie Becker-Lamers, Weimar
Dove Sveta (3/4)
Ein Sketch für drei Personen, fünf Schafe, zwei Lämmchen und eine Menge Heiliger
Wundersdorf, Oderbruch. Auf dem Weg von der Schafweide zur Stadt. Wir erinnern uns: Langenfelds hatten die Schafe getroffen und deren neue App „Dove Sveta“ kennengelernt: Mit eigenen Augen hatten sie verfolgen können, wie Kohle durch das laute Sprechen eines Gebetes die Figur des Patrons der Wundersdorfer Nicolaikapelle am Fluß mit einem virtuellen Rosenkranz in seine Sammlung „gefangen“ hatte.
Richard (blickt auf das Display, völlig aus dem Häuschen): Großartig! Mit Spracherkennung und allem Drum und Dran!
Kohle: Tjahahaaaa! Gewußt wie! So lernen die Spieler die Heiligen an deren Attributen zu identifizieren, sie lernen durch die Orte, an denen sie plaziert sind, deren Patronate kennen – und sie können sie nur fangen, wenn sie zumindest die Standardgebete parat haben.
Flocke: … und sie auch beten!
Kohle: In der Tat! Und sie auch beten.
Fixi (zu Teresa): Darauf kommt es entscheidend an. Bei Nikolaus zum Beispiel, wenn man da „Morgen kommt der Weihnachtsmann singt“, verschwindet er.
Teresa (unschuldig): „Morgen kommt der Weihnachtsmann …“
(Die Figur auf Fixis Display verblaßt und verschwindet rasch gänzlich. In rot blinkt die Punktezahl „0“ und die Information „Level 0“ auf.)
Fixi: Heee! Nicht! Du ruinierst mir meinen ganzen Punktestand!
Teresa (erschrocken): Entschuldigung
Fixi: Du Schafskopf! Das gibt 100 Punkte Abzug!
Teresa (kleinlaut): Wußt‘ ich ja nicht!
Fixi (jammert): Jetzt hab ich Johann Baptist ganz umsonst gefangen!
Flocke: Aber, aber! Nicht umsonst! Du hast doch ein Ave Maria gebetet.
Fixi (schnieft): Stimmt ja!
Flocke (sanft): Im Gegensatz zu diesem Pokémonquatsch trägt unser Spiel doch wirklich einen Sinn in sich!
Kohle: Laßt uns einfach weitergehen! (Er stupst Fixi tröstend mit der Schnauze an.) Komm schon! Fixi! Gleich müßten wir doch bei der Gänsewiese sein.
(Sie traben weiter und passieren linkerhand eine Wiese.)
Teresa: Stimmt! Hier leben im Sommer Gänse.
Fixi (wieder im Spiel): Genau! Und da steht normalerweise wer?
Teresa: Der Heilige Martin?
Fixi: Klar!
Edith: Und jetzt? Wo ist Sankt Martin jetzt?
Grauchen: Na, im Winter, wenn die Gänse im Stall sind, zieht er um in die Änderungsschneiderei vorne an der Peterhagener Chaussee.
Edith: Ah!
Blütenweiß (begeistert): Er reitet dort in der Woche nach dem 11. November hin. Wenn wir Glück haben … da! Seht ihr? (Sie tippt auf Fixis Display. Auf dem Weg vor ihnen, schon ein gutes Stück weit Richtung Stadt, wird ein Reiter auf braunem Roß sichtbar, der sich in gemächlichem Schritt fortbewegt. Über seiner rechten Schulter hängt die Hälfte eines weißen Militärmantels. Das Haupt bedeckt ein antiker Helm der kaiserlich-römischen Leibgarde.)
Fixi (singt in ihr Smartphone): „Seht mal, Schwestern, an der Tür! War der gestern auch schon hier? (Huf fällt in den Kinderkanon ein.) Er birgt sich, er ist auf der Hut, er wirkt nicht als ging‘ es ihm gut. (Teresa singt den Kanon als dritten Einsatz mit.) Kommen Leute ihn zu jagen, geht’s uns heute an den Kragen! Weh! Oh weh! Weh! Oh weh!“
Edith: Warum hast du denn jetzt den Schnatterkanon gesungen?
Flocke: Das Martinslied tut’s auch, aber Eigenkompositionen geben 50 Punkte plus.
Edith: Ah! Ja – klar, ist ja nur recht und billig.
(Während sie reden, ist ein Rosenkranz auf den Heiligen zu geschwebt und hat sich ihm um das Handgelenk gewickelt. Der Heilige zügelt sein Roß und dreht sich suchend zu der Gruppe um. Als er ihrer gewahr wird, lächelt er und der nun schon bekannte warme Windhauch entströmt seiner Gestalt. Die Gräser entlang des Weges richten sich ein wenig auf.)
Huf (lächelt verzaubert): Phänomenal!
Fortsetzung folgt (morgen)
P.S.: Die Melodie von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ stammt aus Frankreich und Mozart hat ein paar wunderschöne Variationen darüber geschrieben. Hören Sie unbedingt rein, hier (eine Darbietung von der Uni Erfurt!):
Cornelie Becker-Lamers
Dove Sveta (2/4)
Ein Sketch für drei Personen, fünf Schafe, zwei Lämmchen und eine Menge Heiliger
Wundersdorf, Oderbruch. Im Umfeld der allseits bekannten Schafweide. Wir erinnern uns: Familie Langenfeld hatte einige Schafe mit Phablets bewaffnet die Feldwege entlangstromern sehen und zweierlei erfahren. Erstens: Auf der Schafweide war ein PokéStop, der aufgrund der beherzten Intervention des Hirten vom Spielebetreiber annulliert wurde und zweitens: Kohle hat eine App erfunden, die sich „Dove Sveta“ nennt und irgendwie mit diesem Pokémonzeugs da zusammenhängen muß. Gerade ist Kohle dabei, die Langenfelds auf den nötigen Wissensstand zu bringen.
Kohle (stolz): Meine Erfindung! Hört zu: Was geschieht bei „Pokémon Go!“ ?
Edith (guckt Richard an): Keine Ahnung!
Richard: Äh – ich glaube, der Spieler – tja – wie war das nochmal?
Teresa: Man sieht auf dem Smartphone die Landkarte von wo man ist und hat auch einen Avatar und wenn man ein Pokémon findet, muß man es mit einem Ring fangen und bekommt dann dafür Punkte. Da gibt’s verschiedene Kategorien und manche Pokémons gibt es auch nur in Asien zum Beispiel und manche fliegen dann da extra hin.
Edith: Wahnsinns Geschäftsidee …
Richard: Merchandising inklusive … Das bringt Millionen im Monat!
Edith: Aber – wie hat man sich das vorzustellen, ein Pokémon finden oder fangen?
Flocke: Na, die Vorstellung ist, die Pokémons sind in echt da …
Wolle (unterbricht sie): … zum Beispiel an unserer Tanne …
Flocke: … genau, aber sie sind unsichtbar.
Fixi: Man sieht sie nur auf dem Bildschirm.
Edith: Ah!
Richard: Und jetzt? Euer Spiel?
Kohle: Na – die Spielidee von „Pokémon GO!“ ist doch ganz offenbar geklaut!
Richard: Ah ja?
Teresa (platzt heraus): … bei der Vorstellung von Heiligen!
Kohle: Ganz recht! Wer ist denn seit Jahrhunderten unsichtbar da?
(Die Gruppe hat sich mittlerweile wieder auf den Weg gemacht und schlendert langsam weiter den Feldrain entlang Richtung Stadt.)
Teresa (beginnt zu singen): „Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen,/ unsichtbar jedes Menschen Blick,/ sind sie gegangen, wie gekommen,/ doch Gottes Segen blieb zurück!“
Edith (freudig): Die Engel und Heiligen!
Kohle: Eben.
Flocke: Und mehr noch: Wo werden denn Altäre und Kirchen gebaut?
Richard: Über Heiligengräbern?!
Wolle (nickt): Über Heiligengräbern.
Blütenweiß: Und wenn kein Heiliger da ist, dann bringt man Reliquien hin.
Grauchen: In barocken Kirchen ist die Decke blau bemalt, weil da der Himmel offen ist.
Kohle (resümiert): Die Verbindung von Orten und wirksamen, aber unsichtbaren Personen ist mithin Jahrtausende alt. (Er blickt in die Runde, um die Wirkung seiner bedeutsamen Worte auszukosten.)
Edith: Ja, aber dann ist euer Spiel ja nicht besonders spannend – ich meine, man geht zu einer Kirche und fertig.
Kohle (schaut Edith indigniert an): Na, sooo einfach haben wir es uns nun auch nicht gemacht. Klar – wenn man gefrustet ist, weil man ewig keinen Heiligen gefangen hat, kann man zu einer Kirche gehen und dort einen finden. Aber die geben dann entsprechend auch nur sehr wenig Punkte.
Richard: Ah! Und wo sind die Heiligen dann so?
Huf: Na, an unserer Tanne ist jetzt natürlich ein Johann Baptist.
Fixi: Johannes der Täufer, Schutzheiliger der Schafe und Lämmchen.
Wolle: Und die Heilige Elisabeth oder jetzt Mutter Teresa sind bei einem Krankenhaus.
Flocke: Vorn beim Imker ist ein Bernhard von Clairvaux.
Grauchen: Und beim Bauern wacht Antonius der Große …
Blütenweiß (grinst): … der „Swinetünnes“.
Richard: Das ist ja alles völlig unglaublich! Aber sagt mal: Was heißt hier ein Johann Baptist, ein Bernhard von Clairvaux?
Fixi: Na – die Heiligen sind doch überall und an vielen Orten gleichzeitig!
Huf: Wer sollte denn sonst Maria bekommen?
Flocke: Oder den heiligen Nikolaus? Bei all den Nicolaikirchen?
Kohle: Gutes Stichwort! Wir kommen doch gleich zur Kapelle.
(Sie laufen ein Stück weiter, queren den Stobber und gelangen zu einer kleinen Kapelle am Waldrand.)
Fixi (blickt auf ihr Phablet): Da wären wir.
Huf: Da sind wir.
Fixi (blickt Huf streitlustig an) Das mit dem Konjunktiv hatten wir doch schon mal.
Blütenweiß: Jajajajaja! Das ist jetzt aber überhaupt nicht das Thema. Wir wollen den Heiligen Nikolaus sehen.
Edith: Sancti Nicolai – stimmt ja!
Flocke: Wir haben hier eine Nikolauskapelle – sehr erwartbar, denn der Stobber war ja vor Zeiten schiffbar.
Richard: Fischbar?
Wolle (lacht): Das auch, ja. Aber für Nikolaus ist wichtig, daß die Stobrava schiffbar war. Und deshalb gibt es selbstverständlich eine Nicolai-Kirche. Die Kaufleute haben mit so schöner Regelmäßigkeit Nicolaikirchen erbaut, daß man sogar Handelswege anhand der Kirchen rekonstruieren kann.
Teresa: So! Und wie fängt man ihn jetzt?
Fixi (hält Teresa ihr Display hin): Schau! Da sitzt er – vor der Kirche. Siehst du ihn?
Teresa (begeistert): Da! Mit den drei goldenen Kugeln! Klar! Ganz klar Nikolaus.
Kohle: Also Nikolaus ist ja ein sehr häufiger Heiliger. Den fängt man einfach mit einem „Ehre sei dem Vater …“ Paß auf.
(Kohle rückt mit der Schnauze dicht an sein Display heran und beginnt mit vernehmlicher Stimme zu sprechen.)
Kohle: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“
(Alle starren gespannt auf die beiden Displays. Ein Freudengeschrei bricht los, als nach Ende der Eingabe ein kleiner Rosenkranz losschwebt und sich dem Heiligen um die Handgelenke wickelt. In einer kleinen Leuchtschrift am linken unteren Bildschirmrand erscheint die Punktezahl „150“ und die Information „Level 1“.)
Kohle (stolz): Da! Ich hab ihn!
(Der Heilige lächelt und ein warmer Windhauch entströmt seiner Gestalt. Allen wird ganz wohlig zumute.)
Richard (lächelt entrückt): Das ist ja phantastisch! Das ist ja besser als alle Punkte, die man je sammeln kann!
Kohle (grinst): Tja! Praktiziert euren katholischen Glauben, sage ich immer. Das ist interaktiv!
Fortsetzung folgt (morgen)
Cornelie Becker-Lamers
Dove Sveta (1/4)
Ein Sketch für drei Personen, fünf Schafe, zwei Lämmchen und eine Menge Heiliger
Wundersdorf, Oderbruch. Ein wenig abseits der uns wohlbekannten Schafweide stromern Fixi und Huf, Kohle, Flocke, Wolle, Grauchen und Blütenweiß den planierten Feldweg entlang. Kohle und Fixi tragen Phablets vor sich her, die ihnen als Navigation zu dienen scheinen.
Die Schafe mit Navigation um die eigene Weide herum? Was soll das nun schon wieder? Das fragen sich wohl auch die drei Mitglieder der Familie Langenfeld, die da gerade vorn an der Weggabelung sichtbar werden.
Teresa (stürmt auf die Lämmchen zu): Fixiiiii! Huuuuuf! (Sie umarmt die beiden, die ihr blökend entgegengesprungen sind.)
Kohle (freudig): Hallo Richard, hallo Edith! (weltmännisch) Das ist ja eine Überraschung!
Richard (streichelt den Schafen nacheinander übers Fell): Hallo Schafe! Das wollten wir auch gerade sagen.
Edith (krault Blütenweiß hinter den Ohren): Was rennt ihr denn hier mit euren Riesensmartphones herum?
Huf: Das sind sogenannte Phablets.
Flocke: Wir testen gerade eine neue App.
Blütenweiß: Wo ist Emily?
Edith (seufzt): Zu viel zu tun für die Schule.
Richard: Was für eine App?
Grauchen: „Dove Sveta“.
Teresa: Doofes was?
Kohle: „Dove – Sveta“.
Teresa: Ah! Ich hatte „Doofes Wetter“ verstanden.
Fixi: Ja … äh … das schwingt auch mit.
Huf: Es ist ein Wortspiel.
Flocke: Wenn doofes Wetter ist, spielt man „Dove Sveta“.
Richard (lüpft eine Augenbraue): Aha. Und was soll das ganze sein?
Wolle (wichtig): Es handelt sich um nichts Geringeres als die spirituelle Urform von „Pokémon GO!“
Edith, Richard und Teresa (wie aus einem Munde): „Pokémon GO!“ ???
Kohle (scheinbar ganz schlicht): Ja, „Pokémon GO!“
Richard: Was habt ihr denn mit „Pokémon GO!“ zu schaffen?
Edith: Und wieso kennt ihr das überhaupt?
Blütenweiß (mit aufflammender Empörung): Man kriegt ja damit zu tun – ob man will oder nicht!
Flocke: Wußtet ihr das gar nicht?
Edith: Was?
Grauchen: Auf unserer Weide war doch ein PokéStop .
Richard (kann es kaum fassen): Auf eurer Weide … war … ein PokéStop? (Er beginnt zu lachen.)
Blütenweiß: Das ist überhaupt nicht witzig!
Kohle: Weißt du, wie nervig das ist, wenn alle naselang irgendwelche Pickelgesichter über den Weidezaun klettern, unser Futter zertrampeln und alles mit leeren Energy-Drink-Dosen zumüllen?
Richard (hat sich wieder gefangen): Entschuldigung! Das ist natürlich schrecklich!
Edith: Aber davon hatten wir ja keine Ahnung!
Wolle: Da seht ihr mal, wie lange ihr nicht hier draußen wart!
Edith: Das ist aber auch wahr! Wir haben unglaublich lange nichts voneinander gehört.
Teresa: Aber warum sind alle über den Weidezaun geklettert?
Flocke: Wir denken, das Biest saß an der Tanne.
Richard: Frechheit!
Edith: Und? Wie seid ihr es los geworden?
Grauchen: Kohle war beim Hirten.
Richard: Du hast dich beim Hirten beschwert?
Kohle (einfach): Ja, klar! Er ist doch für uns zuständig.
Edith: Und was hat er gemacht?
Kohle: Ich glaube, er hat an Niantic gemailt, daß sie den Quatsch lassen sollen.
Flocke: Und offenbar haben sie den PokéStop rausgenommen, denn nach einigen Tagen hörte der Spuk auf.
Richard: Apropos Spuk – wie ist das mit dieser neuen App zu verstehen? Stichwort „spirituelle Urform von Pokémon GO!“?
Kohle (stolz): Meine Erfindung! Hört zu:
Fortsetzung folgt (morgen)
Cornelie Becker-Lamers
Jaja, es ist reichlich spät am Tag, um dieses großen und populären Heiligen zu gedenken, dessen immerhin 1.700ten Geburtstag wir heuer feiern durften, was unserer Beobachtung nach erstaunlich wenig Beachtung gefunden hat.
Naja, hierzulande wird die Feier des richtigen Heiligentages, heute am, 11. November, ja ohnehin leider jedes Jahr nach um einen Tag nach vorne vorgeschoben, was, mit Verlaub, schlicht unfair ist und bleibt… 🙁
Warum wir gestern dennoch (und trotz wahrhaft scheußlichen Wetters) Grund zur guten Laune hatten, dazu berichten wir noch nach!
Heute erstmal die Dokumentation eines schönen Stücks Brauchtum: Selbstgebackene Weckmänner – natürlich wie für einen geborenen Rheinländer obligatorisch mit Pfeife!

Weckmänner (Bild CBL)
Und wenn alles gutgeht, wird der Hl. Martin in gewisser Hinsicht auch im diesjährigen Adventskalender eine Rolle spielen 😉
Hl. Martin, bitte für uns!
Gereon Lamers
Meine Familie verfolgt gelegentlich eine bestimmte Kochsendung im Fernsehen. Ich versuche diese Auswüchse rheinischer Kulinarik für gewöhnlich mit der gebührenden Nichtachtung zu strafen. Neulich bin ich allerdings selber mal vor einer solchen Sendung hängengeblieben: vor einer Feine-Soßen-Kochlernsendung des ebenso blonden wie kräftigen Westfalen Björn Freitag. Und wie das bei dergleichen Fernsehproduktionen immer so ist: Irgendwas ist für jeden dabei. So in diesem Falle erstaunlicherweise sogar für mich.
Herr Freitag, der sich in dieser Sendung als „Vorkoster“ geriert, kostete vor laufender Kamera unter anderem Fertigfonds verschiedener Firmen und besuchte für uns (die „lieben Zuschauer“) auch eine entsprechende Fabrik. Der Spannungsbogen dieses investigativen Tuns gipfelte in der Vorstellung von Brox, dem einzigen Produkt eines gleichnamigen Berliner Start-up-Unternehmen, das Knochenbrühe nach Großmutterart irgendwo in Charlottenburg im Viertelliterbecher als Take-away-Ware anbietet. Unter dem Menüpunkt How To Use schwärmt die entsprechende Homepage: „Ohne einen Tropfen Koffein ist die Brox eine natürliche Alternative, um in den Tag zu starten“: Rinderkraftbrühe, dazu angetan, das Wort Kaffeeersatz aus der Schmuddelecke zu holen. „Die Menschen haben das Gefühl: Bei meiner Großmutter schmeckte das noch so! und das lieben sie.“ So oder ähnlich äußerte sich einer der Geschäftspartner, der fürs Marketing zuständige Jin-Woo Bae, Björn Freitags lieben Zuschauern gegenüber zu seiner Geschäftsidee.
Ich war elektrisiert! Seelenverwandte! „Mitten auf dem Kurfürstendamm!“ (Wie mein Vater die „Klatschdamen“ aus dem RIAS-Club der Insulaner zitiert haben würde). Denn das wieder Verfügbarmachen von Vergessenem, das vor zwei Generationen noch weitverbreitetes Allgemeinwissen war, ist ja genau die Idee meiner „Weltreise durchs Kirchenjahr“, also der Lieder zu Kirchenfesten und Heiligenlegenden, die die braven Cäcilini seit Jahren zu Gehör bringen – und die Menschen lieben es.
Sicherlich würde Brox mir insoweit zustimmen, daß ein Brühwürfel von Maggi soviel mit Rinderfond zu tun hat wie der Tag der Jogginghose mit dem Hochfest Mariä Himmelfahrt. Aber wohl auch nicht mehr. Denn als ich die Internetseite von Brox näher studierte, wurde ich schwer enttäuscht. Man hatte die Idee zu diesem „Superfood“ nicht etwa selber, sondern sie stammt (dort unter dem [italienischen] Namen Brodo verkauft) aus New York. Ziel der „paleo-orientierten Ernährung“, die einer der Brox-Teilhaber auch in „Hol-bloß-alles-aus-dir-raus“-Kursen und „Wellness“-Praxen zu Geld macht, ist nicht wirklich ein Umdenken, sondern die Brühe wird als „effektiver Pre-Workout-Snack“ empfohlen. „Und nach dem Workout unterstützen dich die Nährstoffe, schneller zu regenerieren. So kannst du schon bald wieder Höchstleistungen abrufen!“ (Wer zum Verb „regenerieren“ das im Deutschen obligatorische Objekt zu diesem transitiven Verb vermißt, sollte die Seite nicht besuchen. Man hätte die Texte dort unbedingt auch Bastian Sick zum Korrekturlesen geben sollen!) Das Slow-Food soll also um Himmels Willen nicht etwa zur Entdeckung der Langsamkeit verleiten. Das wäre womöglich geschäftsschädigend. Und geschäftstüchtig ist man hier, bei Brox. Ein 580ml-Glas kostet regulär 7,79 Euro, ein Preis, der ohne die derzeitigen Prozente im 36-Stück-Gebinde auf 8,01 Euro ansteigt (#PuLaklärtauf). Unterschreiben würde unsereiner von all den Ausführungen also am ehesten den Satz „Hier heißt es selber kochen“, mit dem gewarnt wird, Säuglingen unter 12 Monaten die salzhaltige Brühe einzuflößen.
Wie gesund ist doch demgegenüber die „Weltreise durchs Kirchenjahr“! 😉 Ohne Altersbeschränkung geeignet auch zur akustischen Babynahrung; hier müssen Sie nichts selber komponieren. Das Hören auf YouTube ist kostenlos auch bei der sechsunddreißigsten Wiederholung (was sagen Sie?: Wenn Sie eines der Stücke 36 mal hintereinander hören sollten, müßte man Ihnen noch etwas dazugeben? Da haben Sie vollkommen Recht! Das verstehe ich. Es war jetzt auch nur ein Gedankenexperiment. Die 36 Gläser Brühe trinkt man ja auch nicht hintereinander weg.) und tatsächlich sind die Lieder gedacht, den Fokus des gesamten Lebens zu überdenken, nicht den Hörer wieder fit zu machen für die nächste Umdrehung der in den Metropolen offenbar nach wie vor ungebremsten Schneller-Höher-Weiter-Schraube.
Was Wunder, daß Brox als Botschafterin mit Ellenie Salvo González aufwarten kann, die, wie der Brox-Homepage unter Über Uns zu entnehmen ist, ihre Berühmtheit auf Kinofilme wie „Vollidiot“ oder „HUI BUH das Schloßgespenst“ stützt, während sich über die Cäcilini ungefragt ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter christlicher Pfarrgemeinden lobend äußern (so zuletzt, wie mir berichtet wurde, Ende Oktober im Rahmen einer Schulstunde zum Projekt Weimarer Kinderbibel – herzlichen Dank!).
Aber wenn Sie wissen möchten, wie man ein einziges althergebrachtes Produkt mit viel Rhetorik und Design zu einer revolutionären Neuheit stilisiert, dann besuchen Sie die Homepage von Brox, lesen den Unterschied zwischen Fond und Brühe als Broxology oder lassen Sie sich einmal die drei Gebinde des einzigen angebotenen Produktes im Shop nach Beliebtheit, Neuheit, auf- und absteigendem Preis ordnen: Es hat zweifellos einigen Unterhaltungswert.
Cornelie Becker-Lamers, Weimar
„Die zarte Pflanze Jugendchor – sie lebt!“
Kleine Rezension einer großartigen Meßgestaltung
Oft genug haben wir auf PuLa beklagt, daß die kirchenmusikalische Arbeit in Herz-Jesu Weimar seit etwa 2010 über fünf Jahre hinweg mit wachsender Intensität behindert, die Kinderschola offiziell abgeschafft und die Auflösung des Jugendchores seitens der Verantwortlichen mit größter Nonchalance hingenommen wurde. Da will ich doch jetzt auch schreiben, daß dieser Mißstand spätestens mit der Abendmesse des vergangenen Samstags in puncto Chorarbeit der Vergangenheit angehört – hoffentlich definitiv.
Fünf Jugendliche zählt derzeit der im September 2015 neu gegründete Jugendchor. Als damals neunköpfiges Ensemble konnte er anläßlich der musikalischen Umrahmung des Firmgottesdienstes höchstbischöfliches und nur allzu verdientes Lob einheimsen. Im Sommer schmolz das kleine Ensemble durch den Wegzug der Chorleiterin und ihrer Familie erneut zusammen, trifft sich jedoch unter neuer Leitung weiterhin jede Woche zur Probe im Gemeindehaus.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß diese Formation sich bereits gut acht Wochen nach der Wiederaufnahme der Probenarbeit unverzagt die Gestaltung einer Abendmesse zum Ziel setzt (eigentlich dumm, hatten vier Wochen zuvor doch die urlaubsbedingt auf drei Kinder reduzierten Cäcilini in gewohnt unerschrockener Weise ein Lied zum Erntedankgottesdienst beigesteuert – keine Angst, Gereon verlinkt es jetzt nicht noch einmal 😉 Anmerkung der Redaktion: „Och, Menno!“ 🙂 ). Wie gesagt, für mich kam es sehr unerwartet, aber der Jugendchor hat eine Messe geplant, vermeldet und durchgezogen – und wie reich wurde diese Beherztheit den Ausführenden, den Altardienern und der aufgrund der Ankündigung dieses Chores sehr zahlreich erschienenen Meßbesuchern gelohnt! Nach einem Spiritual zur Eröffnung, in welches wohl noch mehr Menschen eingestimmt hätten, wären sie sicher gewesen, „Amen“ und nicht „Ey, man!“ zu singen
funktionierte der Jugendchor geschlossen und mit hervorragendem Textverständnis im Kantorendienst und sang abwechselnd mit der Gemeinde das Kyrie GL 161 und, nachdem weitere Jugendliche für die Lesungen und Fürbitten am Ambo gestanden hatten, den Fürbittruf. Zur Kommunion folgte mit der „Ballade vom Weinberg“ von Veronika Bohnet (Text) und Helmut Michael Brand (Musik) ein harmonisch eingängiges und in seinen Ermahnungen sinnreiches Lied zu Gottes Schöpfung („Sieh, die Völker sind mein Weinberg und die Menschen pflanzte ich“), das der Chor unbedingt noch einmal vortragen sollte, wenn alle Zuhörer sich die gesamte Zeit auf den Text konzentrieren können. (Das Textverständnis war wieder sehr gut, aber während man zur Kommunion geht, kann und möchte man eben nichts anderem zuhören.)
Den Abschluß bildete ein brillant vorgetragenes „Cantate Brasilia!“ von Roger Emerson.
Zuvor jedoch hatte Pfarrer Gothe als Zelebrant den kleinen Chor – „Die zarte Pflanze Jugendchor – sie lebt!“ – samt Chorleiterin mit dem gebührenden Dank überschüttet, überzeugend um weitere Mitglieder geworben und formuliert, was vermutlich viele dachten: „Wie fünf Stimmen die Kirche füllen können!“ In der Tat! Möge sich dennoch die vermutlich mindestens zur Hälfte ernstgemeinte Befürchtung einer Mutter: „Jetzt traut sich keiner dazuzukommen, weil ihr so gut seid!“ nicht erfüllen. Schließlich lernt man ja auch singen im Chor – und gerade unter guten Sängern lernt man es um so schneller und um so besser!
Cornelie Becker-Lamers, Weimar