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Weinstock und Reben eben

Weinstock und Reben eben

Ein weiterer Beitrag aus der Reihe „Vor Jahresfrist“

Nein, es soll hier nicht um den Eilfer gehen. Nicht um den roten Eilfer, der möglicherweise am vergangenen Montag anläßlich einer Erntedankandacht mit Pfarrer Gothe auf dem Weingut Weimar verkostet wurde. Und auch nicht um den roten Eilfer, der zusammen mit einem Glas Honig als kleine Aufmerksamkeit den beiden Vortragenden unseres Kirchweihjubiläums überreicht wurde und dabei im einen Falle bei einer Handvoll Eingeweihter für angemessene Heiterkeit einerseits, für plötzlich umwölkte Mienen andererseits sorgte. Denn jener Eilfer, so wurde – wie sich herausstellen sollte, ganz unwissentlich bedeutungsschwanger – vom Conférencier hervorgehoben, kam aus Hopfgarten. „Aus Hopfgarten?!“ Ja, aus Hopfgarten, jenem beschaulichen, hinter Hügeln versteckten Fleckchen Erde, in dem – wie es an anderer Stelle so schön heißt – „still und unerkannt“ gerade (wenn auch nicht im Eilfer-Fahren, so doch zügig und ergebnisorientiert) an Kirchengeschichte mitgeschrieben wird.

Aber wie gesagt: Um dies alles geht es jetzt gar nicht. Sondern einfach nur um ein paar Rebstöcke, die Pfarrer Iffland bei Umbau und Sanierung von Pfarr- und Gemeindehaus an die Feuerleiter hat setzen lassen. (Hw. Norbert Iffland verstarb 2004 im Alter von nur 55 Jahren. Wenn ich richtig sehe, war er ein ‚Geburtstagszwilling‘ unseres jetzigen Pfarrers, stammte ebenfalls aus dem Eichsfeld und hat in Weimar bis 2003 unseren Informationen nach mit Volldampf segensreich gewirkt. Die Liste aller ehemaligen Pfarrer unserer Pfarrei ist, wiederum wenn ich richtig sehe, auf unserer neuen Gemeindehomepage derzeit nicht verzeichnet. Aber auch darum geht es jetzt nicht. Ich erwähne es nur, weil ich sonst einfach hätte darauf verlinken können.)

Hier sind die Rebstöcke ganz schön zu sehen:

 

Die Weinreben am Otto-Neururer-Haus, Weimars katholischem Gemeindehaus, am 25. September 2016 im Zustand vor der Lese (eigenes Bild)

Die Weinreben am Otto-Neururer-Haus, Weimars katholischem Gemeindehaus, am 25. September 2016 im Zustand vor der Lese (eigenes Bild)

Zu unserer großen Verblüffung und Freude rief Anfang Oktober 2015, kurz vor den Herbstferien, ein farbiger Aushang zur gemeinsamen Weinlese am ersten Dienstag in den Ferien, das war der 6. Oktober 2015, auf. Um 10.00 Uhr sollte es losgehen, Treffpunkt an der Feuerleiter.

Ich brachte die Kinder also für 10.00 Uhr auf den Pfarrhof und rechnete mit Scharen jugendlicher Erntehelfer. Es blieben aber die ehedem notorischen vier. Außer diesen Jugendlichen freilich warteten, bewehrt mit allerlei Leitern und einigen abgewaschenen 10kg-Bottichen längst aufgegessenen RKW-Kartoffelsalats, ein ehrenamtlicher Organist, der PGR-Vorsitzende, der Gemeindereferent, bald auch unser neuer Pfarrer, einige weitere Pflückerinnen und Pflücker sowie eine ganze Reihe Schaulustiger des Kreises 55+, welcher am 6. Oktober 2015 wie an jedem Dienstag vormittag im Gemeindesaal zusammenkommen wollte. Ich beschloß kurzerhand, da zu bleiben und auch mit auf die Leiter zu steigen.

Sehr bald stellte sich heraus, daß gut eine weitere hohe Leiter gebraucht werden könnte – vor allem aber, daß die Kartoffelsalat-Bottiche sich zur Mitnahme auf die Sprossen zwar hervorragend eigneten, mit einer zwischenzeitlichen Lagerung der Ernte aber hoffnungslos überfordert sein würden: Massen dicker, früchteschwerer Trauben sammelten sich in unglaublich kurzer Zeit an. Und nachdem einer der Jugendlichen beim Gang zum nahen Edeka nicht nur unsere Pausenmahlzeit in Gestalt von Brötchen, Käse, Wurst und dem 800g-Glas eines beliebten Schokobrotaufstrichs, sondern auch stapelweise Bananenkisten besorgt hatte, die sich füllten, noch ehe sie nebeneinander auf dem Rasen aufgereiht waren, schwang ich mich ins Auto und lud unsere neue Aluleiter sowie alle Wäschekörbe ein, die ich im Haus finden konnte.

Auch die wurden schnell voll. Mit der aus Jena angereisten Enkelin eines der Erntehelfer und weiteren Kindern war die Aktion mittlerweile zu einem Riesenspaß für Mitspieler von 8 – 80 Jahren geworden. Mindestens 12 Hände schnitten und knipsten die ganze Zeit über gleichzeitig auf den Treppenstufen und von den angestellten Leitern aus die Trauben von den Reben. Die nebenbei gestellte Frage, wer denn eigentlich in den Vorjahren hier immer geerntet habe, war von den Insidern rasch beantwortet und man freute sich, daß die Ernte nun endlich der ganzen Gemeinde zugutekommen sollte.

Denn das tat sie. Nachdem einige Damen des erwähnten Kreises rüstiger Senioren ihre Beutel gefüllt und auch die Erntehelfer sich mit Trauben eingedeckt hatten, blieben von den geschätzten 150 kg (wenn ich die Äußerung unseres PGR-Vorsitzenden zum Kirchweihjubiläum recht erinnere) noch so viel übrig, daß der Gemeindereferent sich vornahm, sie zur Mosterei nach Tiefengruben zu fahren.

Weingelee und eingekochter Most aus der 2015er Ernte (eigenes Bild)

Weingelee und eingekochter Most aus der 2015er Ernte (eigenes Bild)

Tja – das ist nun genau ein Jahr her – und wie es mit der Natur so ist: Es hängt schon wieder alles voll. Und obwohl ich, wie sich das gehört, den Zehnten sowohl ans Pfarrbüro als auch an den Pfarrer abgeführt und einige Gläschen mit Weingelee verschenkt habe, reichen meine Vorräte noch in diesen Winter hinein. Was mich tröstet, denn ich muß befürchten, die 2016er Lese zu verpassen. Sie soll in den nächsten Tagen, wieder zu Beginn der Ferien stattfinden.

Die Aktion sei hiermit wärmstens Ihrer Teilnahme empfohlen. Wir vergeben ein Timoticon.

timoticon

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

PS: Meine liebe Frau hat (natürlich! 😉 ) ganz recht: Um den als Dank ja durchaus sinnig ausgewählten Wein als solchen kann und soll es hier nicht gehen (mangelnder OCC! [Obligatory Cathlic Content]), dennoch fühle ich mich als geborener Rheinländer, aus dessen Kinderzimmerfenster der Blick auf Reben fiel, verpflichtet, hier ein wenig zur begrifflichen Aufklärung beizutragen.
Also, unter „Eilfer“ versteht man historisch den Wein aus dem außergewöhnlich guten Jahrgang 1811. „Eilfer“ meint also schlicht „Elfer“. Als solcher wurde er von Goethe im ‚West-östlichen Divan‘ literarisch ‚verewigt‘. Aufgrund des Auftretens eines Kometen in eben diesem Jahr spricht man auch von „Kometenwein“… (vgl. hier).
Seit dieser Zeit wird der Begriff offenbar gerne hergenommen, um in werbender Absicht die eigenen Produkte hervorzuheben, durchaus nicht nur hier in Mitteldeutschland, sondern auch z.B. im Rheingau, wobei es sich ausdrücklich nicht um eine irgendwie objektive Qualitätsbezeichnung handelt.
„Roter Eilfer aus Hopfgarten“ nun ist ein Rotwein, den das o.g. Weingut auf dem Gebiet der Gemeinde Hopfgarten im sog.  „Gemischten Satz“, in diesem Fall  aus Frühburgunder, Regent und Zweigelt, erzeugt (vgl. hier; der dort zitierte Eckermann-Brief stammt allerdings aus dem Jahre 1829 und hat daher mit dem historischen ‚Eilfer‘ wiederum nichts zu tun…).
Wenn ich recht informiert bin, bevorzugte der Herr Geheimrat übrigens im Bereich des Rotweins französische Produkte.

Gereon Lamers, Weimar

 

 

 

 

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  1. […] 55 Jahren, genauer am 12. April 1961 (schon wieder ein 12. April – kommt der jetzt in jedem meiner Texte vor? ? befand sich der russische Raumfahrer Juri Gagarin für 108 Minuten im Weltall und kehrte […]

  2. Pulchra ut Luna › Weinlese (und Medienpluralismus) on Montag, 17. Oktober 2016 um 09:29

    […] am 6. Oktober hatten wir unter der Überschrift „Weinstock und Reben eben“ (hier) die bevorstehende Weinlese im Pfarrgarten angekündigt, zu der auf Einladung von Hw. Pfr. Gothe […]

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