Zurüruck zum Inhalt

Das Gingkobäumchen

Das Gingkobäumchen

Ein Sketch für vier Personen

Wundersdorf, Oderbruch. Im Wohnzimmer der Familie Langenfeld. Es ist kurz vor sieben, der Eßtisch ist für das Abendbrot gedeckt. Edith bringt eine Schüssel Kartoffelsalat auf den Tisch und Teresa schleppt eine gußeiserne Pfanne mit gebratenem Kaßler hinterher. Emily kommt mit dem Ketchup, dem Senf und den Getränken aus der Küche. Richard rückt das Besteck zurecht, stellt Gläser auf den Tisch und zündet die Kerzen unter der Warmhalteplatte an.

Teresa (hievt die schwere Pfanne auf den Tisch): Uff!

Edith: Ich hab dir gesagt, die ist schwer.

Teresa : Trotzdem!

Richard: Teresa, wo du gerade die Hände frei hast, mach doch bitte grad mal den Fernseher an wegen der Nachrichten.

Teresa: Ok.

(Sie holt die Fernbedienungen vom Fernsehtisch und schaltet das Zweite Programm ein. Alle setzen sich an den Tisch.)

Edith: Mach noch mal eben den Ton aus, wir wollen beten.

(Sie singen „Segne, Vater, diese Gaben“ und reichen sich die Hände.)

Richard: So! (Er schaltet den Ton ein. Doch statt der Nachrichten kommt noch Werbung.)

Emily (nach der ersten Zehntelsekunde): Gingium!

Edith (verteilt Kartoffelsalat): Jaja – „was tun wir für unser Gedächtnis“. Und wozu braucht sie’s? Für ihr Computerpaßwort!

Emily: Ja, klar! (Sie nimmt sich ein Stück Kaßler.)

Edith: So klar finde ich das gar nicht. Es gibt Dinge, bei denen es sich viel mehr lohnen würde, sie im Gedächtnis zu behalten.

Teresa: Nämlich?

Richard: Na – was man zu SEINEM Gedächtnis tut, zum Beispiel. Aber das machen wir ja jeden Sonntag in der Kirche. (Er gießt sich ein Glas Wasser ein.)

Edith: Ahja. Klar – das macht der Priester. Und was machen wir zu „ihrem“ Gedächtnis?

Emily (stöhnt): Bitte, Mama, verschone uns mit deinen feministischen Theorien!

Edith: Das ist weder feministisch noch eine Theorie, meine Liebe, sondern ein Zitat aus dem Markusevangelium. (Sie zieht belehrend die Augenbrauen hoch.) Mit „ihr“ ist schließlich in dem Fall nicht Gott gemeint, sondern eine Frau, die Jesus salbt.

Teresa: Die Füße? (Statt zu essen, hört sie zu.)

Edith: Oder den Kopf. Da sind sich die Exegetinnen nicht so einig.
(Zu Teresa): Iß! Das Fleisch wird kalt!

Richard: Du hast Recht! Aber jedenfalls steht das „zu ihrem Gedächtnis“ im Zusammenhang mit der Verkündigung des Evangeliums. Man wird es, sagt Jesus, „zu ihrem Gedächtnis“ erzählen, was sie erkannt und deshalb getan hat. (Er trinkt.)

Edith: Eben. (Sie schiebt sich eine Gabel mit Kartoffelsalat in den Mund.)

Teresa: Echt? Das steht da so?

Emily: Ich versteh den ganzen Zusammenhang zu dem vorher nicht! (Sie vergißt jetzt auch zu essen. Der Fernseher ist schon längst wieder leise gestellt.)

Edith: Zur Verkündigung sind wir alle aufgefordert. Aber was wissen wir eigentlich noch von dem, womit man so ein Gespräch mal locker anfangen könnte?

Richard (nickt): „Die Kirche in unseren Breiten krankt an einem eklatant mangelnden Glaubenswissen ihrer Mitglieder“ – hat unlängst erst wieder mightykingbear geschrieben.

Emily: Hm! Das stimmt. Aber wenn ich so an meinen Firmunterricht denke, weiß ich auch nicht, wo es alles herkommen sollte …

Teresa: Wenigstens haben wir jetzt eine tolle Relilehrerin!

Edith: Dein Firmunterricht kommt ja auch erst noch, Teresa – der kann ja heute viel besser sein als zu Emilys Zeit. (Sie trinkt.)

Richard: Aber was du, Edith, eigentlich sagen wolltest, war ja: Der beste Unterricht hilft nichts, wenn die Leute denken, alles ist in Ordnung, solange sie nur ihr Paßwort nicht vergessen.

Edith: Genau das wollte ich sagen. (Sie lächelt ihn an.)

Richard: Ich verstehe dich eben. (Er lächelt zurück.)

Emily: Ja – und jetzt? (Sie legt ihr Besteck weg.)

Edith: Iß doch bitte ein bißchen, Schatz! Du mußt doch gleich nochmal an den Schreibtisch, oder?!

Emily: Hmmmm. Ja. (Sie schiebt sich Kartoffelsalat in den Mund.)

Richard: So ganz nebenbei: Welchen Heiligen haben wir eigentlich heute?

(Die vier gucken sich an)

Edith: Ääähm … 4. Oktober …

Emily: Franz von Assisi!

Richard: Na, dazu gibt es ja immerhin schon mal ein Lied!

Teresa: Ich finde, das müssen wir mit den Schafen besprechen! Sie wissen bestimmt, was zu tun ist! (Ihre Augen leuchten unternehmungslustig.)

Edith: Das ist eine gute Idee! Am Wochenende!

Richard: Am besten, wir pflanzen einen Gingkobaum auf der Weide – damit sie beim Blätterfressen immer schön ihr Gedächtnis stärken können!

Teresa: Hä? Was sollen sie denn mit einem Gingkobaum?

Emily: Na „Gingium“ kommt doch von „Gingko“!

Teresa: Ach so?

Edith: Deswegen hält die Frau in der Werbung doch so ein geteiltes Blatt hoch.

Teresa: Das ist Gingko?

Emily: Klar!

Teresa: Hab ich noch nie gesehen! Wächst der bei uns?

Richard: Ich denke schon. Weißt du nicht mehr, in Weimar – da steht doch alles voll davon.

Teresa (überlegt): Stimmt ja! Aber ich dachte, das wäre wegen Goethe …

Edith (lacht): Genau – damit sie ihn dort auf gar keinen Fall jemals vergessen!

Richard: Also abgemacht! Ich fahre morgen in der Altlandsberger Chaussee vorbei und bringe von Kolbinger einen kleinen Gingko mit. Pflanzzeit ist ja.

Emily (skeptisch): Wie wird denn das Wetter am Wochenende? Mach mal eben laut – das ist grade dran!

 

Fortsetzung folgt

 

Cornelie Becker-Lamers

Da schau her…

…was doch gelegentlich die Lektüre des ‚Tags des Herrn‘ ( Nr. 36 vom 10. September 2017, S. 11) an Erkenntnissen zutage fördert!
Schauen Sie nur:

‚Tag des Herrn‘ Nr. 36/2017 (eigenes Bild)

Pfarrer Gothe ist nun, ganz wie üblich zwei Jahre nach Amtsantritt (September 2015), nicht mehr ‚Pfarradministrator‘, sondern ‚Pfarrer‘ in Weimar, ergo ernannt „ad tempus indefinitum“ (cf. CIC, c. 522), was zwar in der Regel keine praktische Bedeutung hat, in der besonderen historischen Situation unserer Pfarrei aber doch einen Unterschied macht: Denjenigen nämlich, die bis zuletzt „ist ja bloß Administrator“ gezischelt hatten, wenn sie haltlose und unverantwortliche Phantastereien von einem personellen Rollback ventilierten, ist jetzt diese Möglichkeit aus der Hand geschlagen.

PuLa sagt: Gut so! 🙂

Daß auch guten Freunden, deren Gründlichkeit in der Lektüre der ‚Vermeldungen‘ wir ausdrücklich über unsere eigene stellen 😉 dieses bedeutsame Faktum nicht aufgefallen ist, läßt uns glauben, daß es dort auch nicht gestanden hat, was wir, wenn es denn wirklich so war, für eine deutlich übertriebene Form der Bescheidenheit halten; derartig wichtige rechtliche Tatsachen sollten schon mitgeteilt werden!

 

PS: Kenner der örtlichen Verhältnisse werden auch mit Freuden zur Kenntnis nehmen, daß Hw. J. Wietrzniok, der ja einige Zeit in der Pfarrei Weimar tätig war, nunmehr Pfarrer in Pößneck geworden ist.

PPS: Haben Sie die Überschrift gesehen, unter der diese Informationen im TdH standen? „Menschen“ steht da, wo natürlich die eingeführte und sinn-volle Bezeichnung „Personalien“ zu erwarten gewesen wäre. Daß es sich bei Amts- und Funktionsträgerinnen und -trägern um ‚Menschen‘ handelt, wird man ja wohl getrost voraussetzen können, oder?
Als solche stehen sie aber nicht in der (Kirchen-) Zeitung, sondern weil sie eine Aufgabe übernommen haben.
Diese verunklarende Schwurbelsprache, die sich in der Kirche in Deutschland breitgemacht hat, ist immer wieder schwer erträglich und stellt nach unserer festen Überzeugung ein ernsthaftes Hindernis der notwendigen Binnen-Missionierung dar!

Gereon Lamers

„Damit sich keiner benachteiligt fühlt“

„Damit sich keiner benachteiligt fühlt“

Gedankensplitter zum Gebrauch des Lateinischen in der Messe

Vorgestern fand die Eröffnung des 16. Rastenberger Kunstherbstes statt – auch eine Angelegenheit zum Thema „Katholisch in Weimar“, bildet die hübsche Josefskirche, in welcher diese Veranstaltungsreihe stattfindet, doch den nördlichsten Zipfel unserer Pfarrei.

Der Kunstherbstverein wurde ins Leben gerufen, als vor fast genau 15 Jahren zum großen Bedauern der Rastenberger Katholiken auf Anregung des Kirchenvorstands Herz-Jesu Weimar vom Bistum Erfurt der Verkauf der Kirche beschlossen und die Rastenberger Gemeinde auf den Kirchbesuch in Buttstädt verwiesen wurde. Als Veranstaltungsort sollte die Kirche St. Josef erhalten bleiben, und so kam die „Kunstherbst“-Initiative des Bürgermeisters gerade recht.

Rastenberg, St. Josef (eigenes Bild)

„Totgesagte leben länger“, wie man so schön sagt, und so verwundert es letztlich nicht, daß sich in der entweihten, dennoch aber mindestens fünfmal jährlich liturgisch genutzten St. Josefskirche mit der interessanten Baugeschichte – sie wurde nämlich für die italienischen und polnischen, ergo katholischen Arbeiter im zwischen 1907 und 1924 betriebenen Kalibergbau errichtet und am 8. Oktober 1916 geweiht – ein reges Ausstellungs- und Veranstaltungsleben entwickelt hat, das in einem zweieinhalbtausend Einwohner-Städtchen alles andere als selbstverständlich ist.

Vorgestern nun also waren wir zur Eröffnung des 16. Rastenberger Kunstherbstes in und um die besagte Kirche herum – mit schöner Regelmäßigkeit lassen es sich Persönlichkeiten wie der Präsident des Thüringer Landtags nicht nehmen, ein Grußwort zu sprechen – und staunten über den regen Zulauf, den die tatsächlich qualitätvolle Veranstaltung mit vielen Kindern und Erwachsenen zeitigte.

Rastenberg, Eröffnung des 16. Kunstherbstes, Publikum (eigenes Bild)

Weswegen ich das alles erzähle – also der Gedankensplitter – bezieht sich aber auf eine Bemerkung, die ich in der Sakristei beim Kuchenholen aufschnappte. Die Menschen kamen in ihrer Unterhaltung sehr rasch ‚vom Hölzchen auf’s Stöckchen‘, wobei das ‚Hölzchen‘ der durch das Fußballturnier der Ministranten am Kommen gehinderte Weimarer Pfarrer sowie der glorreiche Sieg der Buttstädter Mannschaft, das ‚Stöckchen‘ dann die Rede von den beiden Meßorten Buttstädt und Rastenberg war. Ein Herr, der mit einer Kaffeetasse in der Hand dabeistand, kam über diesen Gedanken auf die Situation in den sorbischen Siedlungsgebieten zu sprechen und erzählte, daß in Hoyerswerda immer genau abgezählt würde, wieviele Lieder und Strophen in deutscher und wieviele in sorbischer Sprache gesungen würden und daß der Pfarrer mittlerweile zur lateinischen Sprache in der Liturgie übergegangen sei, damit sich niemand benachteiligt fühle.

Latein – die Lingua Franca. Immer noch und schon wieder nützlich, ihr Gebrauch! Was uns bloß in Urlaubsorten auffällt, ist für die Hoyerswerdaer Alltag – und sie haben es elegant gelöst. Gut gelaunt biß ich in mein Stück Bienenstich.

 

Cornelie Becker-Lamers

Die Pfarrei-Erschöpfungs-Studie

Lange, o, allzu lange haben wir nichts mehr aus Wundersdorf gehört! Aber so ist das eben, wenn Veränderungen betrachtet, beurteilt und vielleicht auch bewältigt werden wollen.

Aber natürlich gibt es sie noch, unsere Freunde, und ihre Beobachtungen haben nichts an Witz eingebüßt. An Relevanz übrigens auch nicht…

 

Die Pfarrei-Erschöpfungs-Studie

Ein Sketch für zwei Personen

 

Wundersdorf, Oderbruch. In der Wohnküche der Familie Langenfeld. Vorletzten Freitag. Edith kommt mit ein paar Einkäufen hereingeschnauft und trifft auf Richard, der mit einer Tasse Tee am Tisch sitzt und in einem zusammengetackerten Stoß Papier blättert.

Edith: Ah! Du bist ja schon da! (Sie geht zu Richard und begrüßt ihn.)

Richard: Klar! Du weißt doch: Freitag ab Eins …

Edith (räumt Milch und Joghurt in den Kühlschrank): … macht jeder seins. Haha! Erstens ist es zehn nach halb fünf und zweitens schaffst du das ja sonst auch nicht. (Sie klappt die Kühlschranktür zu.)

Richard: Aber heute.

Edith (gießt sich eine Tasse Tee ein und setzt sich Richard gegenüber): Und? Was liest du da schönes?

Richard (klappt die Titelseite des Papierstapels nach oben, so daß die Schrift lesbar wird): „Pfarrei-Erschöpfungs-Tag“. Sie haben eine Studie erstellt und ich lese gerade im Kapitel „Wundersdorf“.

Edith: Aus unserem Ordinariat?

Richard: Nein. Die Studie ist fertig geworden.

Edith (unaufgeregt): Ah! Na, dann kann sie nicht aus unserem Bistum sein. (Sie trinkt.) Aber sag mal: „Pfarrei-Erschöpfungstag“ – was soll das denn sein?

Richard: Das ist analog dem Welterschöpfungstag zu verstehen.

Edith: Der jetzt schon war? Als die Ressourcen für 2017 erschöpft waren und weswegen wir alle jetzt über unsere Verhältnisse leben?

Richard: Naja: „weswegen“ ist nicht ganz richtig – aber im Prinzip: ja.

Edith: Und? Wann ist es in Wundersdorf so weit?

Richard: Für die musikalischen Aktivitäten fällt der Pfarrei-Erschöpfungstag 2017 auf den 23. Mai 2183.

Edith (bricht in Gelächter aus): 2183? Was soll das denn heißen? Welche Ressourcen sind denn dann erst erschöpft? Das Geld doch nicht?

Richard: Nein. Das Potential an Ehrenamtlern im Bereich Kirchenmusik.

Edith (faßt sich an die Stirn und lacht): Die Ressourcen an Ehrenamtlern reichen in Wundersdorf schon heute bis 2183. Na, dann ist ja alles in Ordnung.

Richard: Ja – wenn wir so weiter machen wie bisher. (Vorsichtig) Ich glaube, du hast es noch nicht ganz begriffen. Die Studie versteht Pfarrei-Erschöpfungstage, die in der Zukunft liegen, als Alarmsignal für die Verantwortlichen.

Edith (stutzt): Wie meinst du?

Richard: Ich meine gar nichts – die Studie meint.

Edith: Jetzt sag doch mal!

Richard (trinkt einen Schluck Tee und setzt sich ein wenig aufrechter hin): Also – was ist wohl der ideale Zeitpunkt für den Pfarrei-Erschöpfungstag?

Edith: Äh – keine Ahnung … der 31.12.?

Richard: Na klar! Der 31.12. Wenn der Pfarrei-Erschöpfungstag auf den 31. Dezember fällt, bedeutet das, man hat das Potential an ehrenamtlich Tätigen voll ausgeschöpft, aber auch niemanden überlastet. Die Verantwortlichen haben dann optimal die Leute motiviert und ihren Auftrag, eine Gemeinde mit Ausstrahlung aufzubauen, voll erfüllt.

Edith: Ja – und bei uns?

Richard: Ist das Potential hoch und in puncto Motivation, Kommunikation und Vernetzung der Leute geht noch was. Sagt die Studie.

Edith (verteidigt ihre Pfarrei): Aber Meßdiener haben wir jetzt immer.

Richard: Bei den Meßdienern schneidet Wundersdorf auch wirklich gut ab. Da liegt der Pfarrei-Erschöpfungstag für 2017 auf dem 3. Januar 2018. Aber da reißt sich der Pfarrer halt auch ein Bein aus, sie haben hier alle Maßnahmen aufgelistet: Persönliche Einladungen, Plakate, aktualisierte Mailverteiler und Telefonlisten, alles persönlich von ihm, dann Ministrantentage mit Basteleien und Spielen, Ausflüge, Fußballturniere, Weihnachtsgeschenke mit handgeschriebener Weihnachtskarte für jeden Meßdiener, der Wettbewerb zum „Ministranten des Jahres“ …

Edith: Was für‘n Ding?

Richard: „Ministrant des Jahres“. Das ganz Jahr über hängt eine Strichliste in der Sakristei, wer am häufigsten gedient hat – mußt du doch beim Putzen schon mal gesehen haben?!

Edith: Nö. Mir fällt sowas nicht auf (sie lacht) du kennst mich doch.

Richard (stöhnt): Na gut, dann ist es dir eben nicht aufgefallen – mir schon. Also da wird motiviert bis zum Abwinken.

Edith: Naja … die Meßdienerei war ja auch mal fast eingeschlafen. Da mußte sich ja was tun.

Richard: Stimmt. Das war zuletzt grenzwertig. Aber jetzt hat es der neue Pfarrer eigentlich ganz schön aufgeforstet und könnte sich auch anderen Gruppen zuwenden.

Edith: Eigentlich richtig. Er hat immerhin jährlich einen Etat, unter anderem um ein vielfältiges Gemeindeleben aufzubauen.

Richard: Genau. Und Gemeindeleben ist eben nicht nur die Messe.

Edith: Sozusagen im Gegenteil.

Richard: Eben. Die Messe ist der Kern und die Grundlage, aber Freundschaften schließen kann man nur, wenn man sich auch unterhalten kann.

Edith: Und in welchem Punkt kommen sie nun auf dieses Datum in 150 Jahren?

Richard: 166. Bei der Kirchenmusik. Hab ich doch schon gesagt.

Edith: Ach ja! Und wie kommen sie darauf?

Richard: Eigentlich gar nicht so dumm. Sie gehen z.B. davon aus, daß eine Pfarrei von der Größe der unseren in jeder Altersgruppe Chorarbeit anbieten kann.

Edith: „Wer singt, betet doppelt“.

Richard: „Der Königsweg der Verkündigung“, genau. Und daß sich, wenn irgendein Chor eine Messe gestaltet, mehr Sänger im Chor befinden sollten als Ministranten und Zelebranten im Altarraum.

Edith (beginnt zu verstehen): Ach so … (Sie zieht die Luft ein.)

Richard: Mhmmm! Den Jugendchor gibt es in Wundersdorf gar nicht mehr …

Edith: Nein?

Richard: Nö. Nicht daß ich wüßte. Ist wieder eingeschlafen, nachdem vor zwei Jahren alle so hoffnungsvoll bereit standen.

Edith: Und wenn der Kinderchor auftritt, sind mehr Leute im Altarraum als im Chor.

Richard: Unbestreitbar. Hier. Sie haben sich einen Zahlenschlüssel überlegt. (Er schiebt ihr eine Tabelle im Querformat hin). Guck: „Pfarreien ohne Kantorenstelle“ – Wundersdorf. Da.

Edith: Oje! (Sie liest) Hä? (Sie liest weiter und fährt mit dem Finger eine Spalte entlang) Also irgendwie … (Sie liest weiter und guckt Richard schließlich an.)

Richard (beugt sich über den Tisch und fährt die jeweilige Spalte entlang): Sie gehen davon aus, daß Priester, Gemeindereferenten, die Gremienmitglieder etc. drei Ehrenamtler pro Jahr motivieren können, in den Chor zu kommen.

Edith: Ja. Das ist nicht zu viel verlangt.

Richard: Eben. Dann: Die Sänger bleiben im Durchschnitt fünf Jahre dabei.

Edith: Oh! Das ist aber sehr vorsichtig gerechnet – Edeltraut und Willi haben wir jetzt nach 40 Jahren Mitgliedschaft im Chor verabschiedet! (Sie holt sich ein Stück Marmorkuchen aus der Speisekammer.)

Richard: Naja – ich denke, sie wollten die Verantwortlichen nicht unter Druck setzen.

Edith: Also gut – im Schnitt fünf Jahre. Und dann?

Richard: Kommen wir für Wundersdorf auf eine Anzahl von insgesamt acht Verantwortlichen …

Edith: Wen zählen sie da alles dazu?

Richard: Priester, Gemeindereferenten und die Vorsitzenden der Gremien.

Edith (stellt sich einen Kuchenteller hin, beißt ein erstes Mal von ihrem Stück Kuchen ab und legt es auf den Teller): Ok.

Richard: Also 8×3 neue Sänger in jedem Jahr mal 5 Jahre Durchschnittsmitgliedschaft, macht 120 Sänger im Chor.

Edith (reißt die Augen auf, mit vollem Mund): Boah!

Richard: Eben! Und dann bilden sie einen Quotienten aus 120 machbaren und unsern 30 tatsächlichen Mitgliedern und kommen auf den Faktor 4.

Edith: Ok. Und beim Jugendchor? Da wird das mit dem Quotienten ja schwierig …

Richard: Wieso?

Edith: Na – wenn es den Chor gar nicht mehr gibt? Durch Null darf man nicht teilen. Kommt dann unendlich raus?

Richard: Nein. Sie nehmen eine Grundanzahl von drei Sängerinnen und Sängern an.

Edith: Aha! Und wie kommen sie darauf?

Richard: Keine Ahnung! Wahrscheinlich können sie sich nicht vorstellen, daß es wirklich niemanden gibt …

Edith: … Ah ja!

Richard: Also, bei Jugendlichen gehen sie von der Zahl der Firmlinge aus, bei 40 pro Jahrgang könnte man fünf pro Jahr gewinnen, die dann 10.-12. Klasse dabeibleiben, macht drei Jahre, also ein 15köpfiger Chor.

Edith: Damit könnte man schon was anfangen!

Richard: Genau. Ein schöner kleiner Kammerchor. Der Quotient von 15 und den erfundenen drei Mitgliedern macht 5.

Edith: Jau. (Sie beißt in ihren Kuchen.)

Richard (zeigt auf die nächste Spalte): Kinderchor: 40 Erstkommunionkinder, fünf pro Jahrgang für den Chor gewinnen, die bleiben aber von der 4. Klasse bis einschließlich 9. Klasse, insgesamt also sechs Jahre dabei, macht 5×6=30. Geteilt durch die sechs Kinder, die wir tatsächlich regulär haben kommt ein Quotient von ebenfalls 5 raus. Die drei ermittelten Zahlen multiplizieren sie und kommen auf 4x5x5=100 Jahre, so daß unser Potential an Chormitgliedern derzeit also bis 2117 ausreicht, falls sich nicht dramatisch etwas tut.

Edith: 2117. Ja – und? Sie hatten für 2017 den Pfarrei-Erschöpfungstag aber auf das Jahr 2183 berechnet. 66 Jahre mehr.

Richard: Klar. Es geht ja auch mit den Instrumentalisten noch weiter. Die Berufsmusiker …

Edith (hält sich kurz die Ohren zu): Komm! Ich hab‘s begriffen! Laß uns über was anderes reden!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß der Weimarer Jugendchor mit dem Dienstag jetzt einen Probentag gefunden hat, der im neuen Schuljahr allen paßt, so daß die tapferen drei (?) Mitglieder sich weiterhin treffen können.

„Kommet zuhauf!“

Nicht mehr ganz zu Beginn unserer Sommerferien – die RKW war schon durch und der Pfarrer war schon mit einigen Jugendlichen in der Tatra – erhielt ich den Anruf eines Kirchenmusikers aus Oberhausen. Er leitet seit 15 Jahren den Kinder- und Jugendchor an der Pfarrei St. Clemens, die Klosterspatzen, und plante die diesjährige Sommerreise seiner Schützlinge. Nachdem man im vergangenen nach Rom gepilgert war, geht die diesjährige Fahrt nach Weimar, und zwar ab heute. Zur Stunde, ich schreibe das hier kurz nach 13.00 Uhr, dürfte die 16-köpfige Gruppe im Zug irgendwo zwischen Kassel und Eisenach unterwegs sein.

Herr Zimmermann, so der Name des Oberhauser Chorleiters, hatte mich als Leiterin unseres Kinderchors, der Cäcilini, und damit passende Ansprechpartnerin auf der Homepage unserer Pfarrei ausgemacht und sich daher an mich gewandt. Ich war gerne zu gemeinsamen Aktionen bereit und versuchte auch, durch Informationen an den Familienliturgiekreis und den Kirchortrat, eine Betreuung der Besucher in der kommenden Woche auf mehrere Schultern zu verteilen. Zelebrant und Organist des heutigen Abends waren gerne bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen und an der gemeinsamen Meßgestaltung der beiden Chöre mitzuplanen.

Heute nachmittag treffen sich erstmal Klosterspatzen und Cäcilini in der Kirche, um die im Verlauf der Ferien telefonisch abgesprochenen Lieder anzusingen und zu proben. So Gott will, werden die Klosterspatzen dann um 18 Uhr die Abendmesse eröffnen, wir werden etwas gemeinsam singen, was beide Gruppen im Repertoire haben, und die Cäcilini werden mit einem Lied zu Mariä Himmelfahrt und Mariä Krönung an die beiden Marienfeste erinnern, die den heutigen Sonntag einrahmen. Je nach Disponiertheit singen die Klosterspatzen im Anschluß an die Messe noch einige weitere Lieder ihres Repertoires, das u.a. eine Messe von Tambling (aus der wir im Gottesdienst das Sanctus hören werden) und etliche englischsprachige Gospels umfaßt.

In einem gemeinsamen Abendessen werden wir den Kontakt vertiefen und ich werde die Klosterspatzen mit Veranstaltungshinweisen wie die auf die Aufführungen des Lyric Opera Studio der kommenden Woche versorgen. Eine gemeinsame Probe am kommenden Donnerstag zur gewohnten Probenzeit – Elisabethsaal, 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr –, die auch als Schnupperstunde für neue Mitglieder der Cäcilini dient und als solche in den Vermeldungen angekündigt ist, möchten wir uns gegenseitig Anregungen zur Erweiterung des Repertoires geben und in der großen Runde singen. Was sich an weiteren gemeinsamen Aktivitäten ergeben kann, wird sich zeigen.

 

Cornelie Becker-Lamers

Weimar, Kirchvorplatz aktuell (eigenes Bild)

Thüringer Bischof fordert mehr Latein…

…Bischof Wolfgang Ipolt, genauer gesagt, der Oberhirte des Bistums Görlitz, tut dies, im Gespräch mit der stv. Chefredakteurin der TLZ, Gerlinde Sommer (die TLZ hat sich wirklich sehr herausgemacht, wenn man da so an frühere Zeiten denkt… 😉 ).

Bischof Wolfgang ist nämlich aus Gotha gebürtig, ergo Thüringer, mehrere Mitglieder der Familie Ipolt leben nach wie vor hier in Thüringen. Er selbst hat, vor seiner Ernennung zum Bischof, das Priesterseminar in Erfurt geleitet.

Bischof Wolfgang Ipolt bei einer Firmung in Finsterwalde (Bild Wikimedia Commons, Nutzer AlterFritz)

Und auf dieses sehr lesenswerte Interview von Ende Juli wollten wir unsere Leser unbedingt auch jetzt noch aufmerksam machen, Sie finden es hier.

Was den Gebrauch des Lateinischen in der Liturgie angeht, so fordert Bischof Ipolt seine regelmäßige und häufigere Verwendung nicht etwa bloß in besonderen Fällen, nein, er sagt ausdrücklich:

Man kann das im normalen Gottesdienst pflegen

und er verweist völlig zurecht darauf, daß dies eine Forderung des letzten Konzils sei; wie schön, das einmal aus dem Munde eines Bischofs zu hören, Danke!

Und bemerkenswert ist auch der Kontext, in den er seine Forderung stellt: Es geht ihm nämlich u.a. um den weltkirchlichen Charakter, der durch die Verwendung der gemeinsamen Weltsprache der Liturgie (und des Rechts, ergänzen wir) betont wird. Genau dieses Empfinden für die Weltkirche nämlich sei im „Gefängnis DDR“ akut bedroht gewesen.

Und, so würden wir gerne sinngemäß ergänzen, die Versuchung, sich ein-zuschließen im jeweiligen „Eigenen“, ob das die kleine Diaspora-Gemeinde in Mitteldeutschland ist, das Bistum „in der Provinz“, oder gar die Kirche in Deutschland insgesamt („keine Filiale von Rom“, wie Kard. Marx formulierte, Sie erinnern sich?!), sich ab-zuschließen von dem, was in der Weltkirche geschieht und verbindlich ist, die besteht in vielerlei Ausprägungen fort. Da kann, nein da wird es natürlich helfen, wenn man durch die Auseinandersetzung mit einer anderen Sprache gezwungen wird, den Blick zu weiten. Es ist eben, wie wir immer schon gesagt haben, nicht etwa so, daß Leben aus der Tradition verengt, das exakte Gegenteil ist der Fall.

Wie gut es doch tut, dies aus berufenem Munde zu hören, aus dem kleinsten der Bistümer Deutschlands, ganz an seinem östlichen Rande.

Da verblüfft es auch nicht mehr, daß dort die Feier der Hl. Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus seit einiger Zeit schöne und unaufgeregte Normalität ist, gewährleistet durch Priester des Instituts Philipp Neri in Berlin; trotzdem war dieses Faktum manchen, selbst gut informierten Menschen in unserem Umkreis unbekannt.

Ob für Bischof Wolfgang seine Familiengeschichte zu dieser „gelassenen Weite“ beigetragen haben mag? Die Ipolts kommen nämlich ursprünglich aus dem Sudetenland, er weiß also ganz unmittelbar davon, daß die Kirche hier in Mitteldeutschland ‚Wanderungskirche‘ ist, seit vielen, vielen Jahrzehnten. Mir scheint klar, es liegt eine Chance darin, je und je Neues und „Neue“ aufzunehmen, ob es damals Vertriebene waren, vor mehr als 25 Jahren ‚Wessis‘ oder heute junge Familien aus Polen und auch Flüchtlinge , wovon in dem Interview ebenfalls die Rede ist.

Daß dies in den allermeisten Fällen gelingt, bzw. längst gelungen ist, hängt natürlich genau damit zusammen: Daß es einen gemeinsamen, verbindlichen Rahmen gibt, der zusammenhält und einen über die wechselseitigen örtlichen wie geistigen Schranken hinweghebt. Klar auch, daß es umso besser funktioniert, je robuster dieser Rahmen ist, anders ausgedrückt: Tradition fördert Integration, ja, das eine ist schlicht eine Voraussetzung für das andere.

Und so kann das Fundament dafür wachsen, missionarisch zu wirken:

Wir Christen haben einen Auftrag – und zwar: die Welt zu durchdringen mit dem Geist des Evangeliums

antwortet der Bischof auf die säkularistische Zumutung, Religion habe gefälligst Privatsache zu sein.

Mir scheint, und das nicht erst seit diesem erhellenden Gespräch, da ist vieles sehr in Ordnung , im Bistum Görlitz und ich bin froh, daß es so kleine und (relativ) „arme“ Bistümer gibt. Das Streben nach vermeintlicher Effizienz in (räumlich) größeren Strukturen kann nur allzu leicht der Bewahrung und Herausbildung eigenen Profils sehr schaden; unsere evangelischen Geschwister wissen, wie ich in so manchen Gesprächen heraushöre, seit der Gründung der „Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland“ (die bezeichnenderweise auch nicht alle hiesigen Protestanten mitgemacht haben), wovon die Rede ist!

PuLa war übrigens im letzten Herbst erneut zu Besuch im nördlichen Teil des Bistums Görlitz; davon zu berichten steht auch noch aus, viele interessante Sachen!, ach, man kommt nicht rum… 😉

 

PS: Auch wenn Frau Sommer so gar nicht mit unrühmlichen Vorgängern verglichen werden kann: Wie deutsche Journalisten mit aller Gewalt an ihrem Bild (!) von Papst Franziskus festhalten, ist immer wieder putzig zu beobachten: „Dieser aber geht seinen Weg“, schreibt sie; nun ja! Lesen Sie dagegen selbst, wie Bischof Ipolt auf dem Wege bedachter Formulierung („eine Reihe guter ‚Anliegen‘“ [Hervorhebung von mir]) und gekonnter Auslassung (welches Dokument erwähne ich und welches nicht) für jeden kundigen Beobachter durchaus auch Skepsis anklingen läßt, das ist köstlich! 🙂

PPS: Wenn Sie gerade nichts besseres zu tun haben und bitte wirklich nur dann, können Sie auch, gerade wenn Sie nicht in Mitteldeutschland wohnen, hier auch noch eine Leserzuschrift zu dem Artikel studieren, so ganz aus dem mäkeligen Geist des Ressentiments derjenigen, die hier ehemals leider Gottes etwas zu sagen hatten. Wie gesagt, inhaltlich unerheblich aber als Phänomen typisch. Und mit einem sehr typischen Druckfehler: 🙂

„Die Finanzsituation wird immer besser“ Screenshot aus „meinanzeiger.de“ vom 2.8.2017 (vgl. Link im Text)

 

Unterhalten sich eine evangelische Theologin und ein Soziologe…

 

…auf Twitter  und heraus kommt das:

Twitter, 3. August 2017 (Screenshot)

„Es gibt eben Steigerungsmöglichkeiten! ;-)“ schreibt Armin Nassehi, der bekannte Soziologe mit iranischen Wurzeln, der sich im Alter von 18 Jahren katholisch hat taufen lassen, auf den sympathischen Tweet der „Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers“ (Uff! 😉 ) Petra Bahr.

Schöner hätten wir es auch nicht sagen können… 🙂
Frau Bahr (die auf PuLa nicht zum ersten Mal vorkommt, wenn auch sehr versteckt) wiederum zeichnet ihre gelassene, rein faktenorientierte Antwort aus, findet PuLa, Danke!

Außerdem wiederholen wir, daß Twitter Spaß machen kann UND ggf. sogar klüger macht, daher folgen Sie doch z.B. @bellabahr und @ArminNassehi auf  Twitter.

Spaß mit (Gotteslob-) Hüllen V, PuLa unterwegs (Ankündigung)

Anläßlich unseres Besuchs im Spreewald vor gut zwei Jahren (hier) hatten wir es zuletzt (und erneut) gesagt: Das Thema Gotteslob-Hüllen ist quasi unerschöpflich! Wie sollte es auch anders sein,  ist doch die Notwendigkeit, das „Neue HB-Männchen“ (vgl. hier) dem Blick zu entziehen, unverändert gegeben…

Heute knüpfen wir aber noch an einen noch früheren Beitrag an. Erinnern Sie sich an dieses gute Stück?

Neoprenhülle pur (eigenes Bild)

Das haben wir Ihnen im Juni 2014 präsentiert in diesem Beitrag. In der Folge haben wir die quietschgrüne Neoprenhülle eher wenig verwendet, bei Schlechtwetter eben – bis vor kurzem!

„Auftauchen“ (eigenes Bild)

Jetzt macht sie sich nämlich anderweitig nützlich, als Aufbewahrung für ein Tablet!

Tablet – und Kreuz (eigenes Bild)

(Überflüssig zu sagen, daß die Firma Samsung mit diesem Beitrag nichts zu schaffen hat – wir sind und bleiben vollständig unabhängig!)

Wir haben auch einen Ständer dafür angeschafft, der die richtige, wie sagt man doch gleich?, ‚Akzentfarbe‘ hat. 🙂

„Akzentfarbe“ (eigenes Bild)

Und auf diesem Bild findet sich auch der Hinweis auf das bevorstehende „PuLa unterwegs“, das wir hoffentlich bald liefern können.

Jaja, es bleibt dabei: Mit dem Thema werden wir noch eine Menge Spaß haben, denn der Trend geht zur Sechst-Hülle… 🙂

 

PS: Übrigens: Leider haben wir mit der Vermutung in diesem Beitrag recht behalten: Die Klarsichthüllen, die unter der Ägide der damaligen „Gemeindeleitung“ für die Gotteslobe in der Pfarrkirche angeschafft wurden, zeigen mittlerweile schon recht deutliche Abnutzungserscheinungen; na, wer weiß, vielleicht wird der bald anstehende Ersatz ja hochwertiger und – „undurchsichtiger“… 😉

Lauretanische Litanei, eine Ankündigung!

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir hier die Herkunft des Namens der Lauretanischen Litanei geklärt und im Zuge dessen bedauert, daß sie nur noch so selten (öffentlich) „vorkommt“.

Nun, morgen ist es wieder einmal so weit und zwar in unserer Pfarrkirche Herz-Jesu zu Weimar!
Im Rahmen der Marienvesper um 18.00 Uhr soll sie, neben anderen Stücken, erklingen, mit unserem Kirchenchor. Wenn Sie hier schauen, sehen Sie die Ankündigung der Vesper, leider ohne Erwähnung dieser Besonderheit und, ebenso bedauerlich, ohne einen Hinweis auf den Organisten, den geistigen Vater unserer „Franz-Liszt-Orgel“, Prof. Michael Kapsner, den wir leider nach wie vor viel zu selten an diesem („seinem“) Instrument hören dürfen.

Schließlich ist die Vesper im Pfarrblatt (das man hier herunterladen kann) mit dem Zusatz versehen: „…im Rahmen des Kirchentages auf dem Weg“.
Und das findet PuLa ja nun mal eine ganz ausgezeichnete Idee! Denn, wie wir in diesen Zeilen schon angelegentlich vermerkt haben, Ökumene funktioniert ja genau nicht durch das Abschleifen der jeweiligen konfessionellen Eigenheiten und Schätze, sondern durch ihr selbstverständliches und selbstbewußtes Zeigen!

Hoffentlich werden wir recht viele Gäste haben, wenn wir den Preis der Jungfrau mit der Lauretanischen Litanei durchaus ‚typisch katholisch‘ und gewiß musikalisch hochklassig präsentieren. Und wie schön, daß das im Marienmonat Mai, ja am Tag des Hl. Phillip Neri geschieht, dem Gestalter eigener Rosenkränze! (vgl. hier)

Wir werden (deo volente) berichten !

 

Gereon Lamers

 

Ecce homo

Ecce homo

Eine Bitte um Nach-Sicht

Wann wenn nicht heute, am Karsamstag 2017, könnte ich sie rezensieren, die Ausstellung mit dem Titel „Jesus Reloaded“, die als vierte Station ihrer Rundreise über Stade, Regensburg und Abtei Liesborn im Westfälischen vom 15. Januar bis zum 26. März 2017 auch hier um die Ecke, im Kunsthaus Apolda Avantgarde, zu sehen gewesen ist und auf die ich nicht rechtzeitig aufmerksam zu machen geschafft habe. Bitte um Nachsicht.

Die Ausstellung des Kuratorenduos aus der Kunsthistorikerin Andrea Fromm und dem Literaturwissenschaftler Tom Beege stellte Werke der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg zum Thema „Das Christusbild im 20. Jahrhundert“ aus – wobei sich im Eifer des Gefechts auch das eine oder andere Bild eines großen Meisters dazwischen mischte, das mit Jesus nicht direkt zu tun hatte.
So wollte man sich offenbar einen Picasso der Wittenberger Sammlung nicht entgehen lassen und irritierte den Besucher zwischen den Schweißtüchern und Kreuzigungsdarstellungen mit dessen Lithographie „David und Bathseba“ aus dem Jahr 1947 (Katalog S. 61). Freilich: „Jesus is in every book of the bible“, aber es wäre mir neu, wenn er in der Bathsebageschichte typologisch versteckt sein sollte. 😉

Wie auch immer – die Ausstellung war eine sehr gelungene Zusammenschau impressionistischer wie expressionistischer Werke und dehnte ihren Fokus Moderne noch bis auf die fotografischen Dokumentationen der Installationen von Joseph Beuys oder auf Werke wie die „Auferstehung“ des Chemnitzer Graphikers Michael Morgner aus (zur Einführung und zu einer Auswahl der Namen der ausgestellten Künstler s. hier. Zum Exponat Michael Morgners vgl. hier den Text eines der begleitenden, sehr fruchtbaren und leider viel zu spärlich besuchten „Bilddialoge“ der insgesamt sieben abendlichen Begleitveranstaltungen).

Der übersichtlich gegliederte und besonders in der Qualität der Abbildungen sehr sorgfältig erarbeitete Katalog (es gibt ihn in Apolda noch zu kaufen, hier, wenn auch ein Hinweis auf die Ausstellung selber gerade in den Ritzen der Kategorien von Aktuellem und Bisherigem verschwunden ist) steigt mit einem Überblick über Christusdarstellungen der letzten 2000 Jahre ein und stellt dann Bild für Bild die Exponate und kontextbezogen die einzelnen Künstler mit ihren Biographien, vergleichbaren Werken und ihren Intentionen vor. Dabei stehen die Kuratoren diesen Intentionen und Befindlichkeit vielleicht ein wenig zu unkritisch gegenüber.
Denn der vorherrschende Schaffenstrieb zum Thema Christus ist im 20. Jahrhundert die Identifikation des Künstlers mit dem leidenden Erlöser. Den Schützengräben entronnen, parallelisieren die Künstler ihr eigenes Schicksal mit dem des Gekreuzigten. (Manchmal sind es auch nicht die traumatischen Erlebnisse des Ersten Weltkriegs, sondern schlicht das Leiden daran, als Künstler unterschätzt und unverstanden am Existenzminimum ein entbehrungsreiches Leben fristen zu müssen.) Das kann so weit gehen, daß Christus mit den eigenen Zügen dargestellt wird bzw. auf einer Radierung James Ensors (1860-1949) auf des Pilatus Schild über dem Gekreuzigten nicht INRI, sondern ENSOR steht.

In der bald vollständigen Ausblendung der Tatsache, daß es sich bei Christus nicht um einen Menschen wie du und ich, sondern um einen Menschen handelt, der ganz Mensch und ganz Gott ist, müssen manche Kunstwerke die Gestalt des Erlösers heillos verfehlen. Da wird bei Fritz Cremer – in Weimar besonders bekannt durch seine übergroße Figurengruppe am Mahnmal von Buchenwald – in den Graphiken die Kreuzigung in eine lange Reihe solcher Hinrichtungen eingereiht (Katalog S. 134). Jesus reißt sich die Dornenkrone herunter und zerbricht das Kreuz:

Fritz Cremer, „Genug gekreuzigt“ (eigenes Bild – nicht im Katalog)

„Genug gekreuzigt“, befindet der Künstler. Und wer wollte ihm widersprechen? Wer in Jesus nur einen armen, zu unrecht hingerichteten Judäer erblicken kann, der wird Christi Tod keinen Sinn ablesen können. Wer den Aspekt des eben nur Gott möglichen erlösenden Leidens ausklammert, muß den leidenden Erlöser in seiner Darstellung verfehlen. Die implizierte Religionskritik läuft entsprechend ins Leere.

 

ENDE ERSTER TEIL

Cornelie Becker-Lamers