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Die Überlebenden – Sketch des Monats Januar

Zum Geleit:

Nein, nein, geschätzte Leser, Sie irren nicht, dieser Beitrag ist ursprünglich bereits gestern morgen erschienen. Nur, gestern war der der 27. Januar und es war wenig sensibel, einen Text mit der Überschrift“ Die Überlebenden“ an just diesem Tag zu veröffentlichen.

Umso mehr, als wir hier bekanntlich auf sprachliche Sensibilität gerade hinsichtlich der deutschen Geschichte immer Wert gelegt haben und weiterhin legen werden. Der Text war lange fertig und die Veröffentlichung wurde ohne Arg für den gestrigen Sonntag geplant. Als die Möglichkeit eines Zusammenhangs hinsichtlich der Überschrift (für den Text selbst kann es einen solchen ja nicht geben) deutlich wurde, war es aus praktischen Gründen leider zu spät.

PuLa dankt sehr für wohlmeinende Hinweise in diese Richtung und bittet ausdrücklich um Entschuldigung, hätte nicht passieren sollen!

 

Die Überlebenden

Ein Sketch für fünf Personen und beliebig viele Statisten

 

(Hanna, Edith und Richard im gut gefüllten Lokal „Bacchos“. Ganz offenbar haben sich die drei zu einem Thema in Rage geredet, als Karl verspätet dazu stößt und sich gerade die Winterjacke auszieht.)

Edith: Ich begreife es nicht!

Hanna: Ein Haufen toller Leute, und die größten Gauner werden gewählt!

Richard (scheinbar beruhigend): Aber, aber! Er will doch gar nicht an die erste Stelle, tritt doch ganz bescheiden ins zweite Glied zurück!

Edith (schnaubt verächtlich): Wirtschaftsminister!

Hanna (lacht): So ist die Wirtschaft dann ja auch!

Karl (schaltet sich ein): Na?! Seid ihr schon wieder beim alten Thema?!

(Die drei blicken sich völlig verständnislos an.)

Hanna (ehrlich verblüfft und fragend): Haben wir schon mal über Berlusconi diskutiert?

Karl (greift sich lachend an den Kopf): Ach! Berlusconi! Entschuldigt! Neee, klar – da war ich jetzt auf dem falschen Dampfer! (Er winkt dem Kellner und macht ein Zeichen für ein großes Pils.)

Hanna (lacht): Solange du nicht auf Captain Conrad’s Traumschiff warst, bin ich beruhigt!

Richard: Obwohl, da gab es, wie man jetzt hörte, auch Überlebende …

Edith: „Hurra! Wir leben noch!“

Hanna: Klingt wie nach einer echten Katastrophe.

Karl (spöttisch): Ja, dabei wissen wir doch seit der Christmette, daß man sich in unserer Pfarrei ehrenamtlich engagieren kann und das das auch immer so war!

Edith (seufzt): Immer so war – wenn’s nur immer so wahr wäre!

Der Kellner: Pils! (Er stellt Karl das Glas hin und die beiden lächeln sich an.)

Richard: Gemeint war: „Seien Sie halt seit 60 Jahren Organist, dann nutzen wir Sie auch noch länger aus, um bloß andere wegzuhalten.“

Edith: Oh! Das war aber jetzt böse! (Sie grinst.)

Karl (hebt sein Glas): Jetzt erst mal Prost! (Alle heben ihr Glas, prosten sich zu und trinken.)

Hanna: Richard hat aber Recht! Es war ein Paradebeispiel für Adenauers Unterscheidung von einfacher, reiner und lauterer Wahrheit … (Sie trinkt einen Schluck.)

Karl: Genau! Gut, daß der Alte das damals so schön unterschieden hat, dann brauchen wir jetzt nicht zu sagen, daß unser Pfarrer in der Heiligen Nacht am Altar steht und sich tüchtig was vormacht …

Edith: Neee! Das brauchen wir zum Glück wirklich nicht! (Sie stupst Hanna von der Seite an) Er hätte ja sogar beinahe für uns gebetet!

Hanna (begeistert): Jaaa! Das war herrlich! (Sie lacht herzlich.)

Richard (gemessen): „Jetzt wollen wir für alle beten, die einmal hier in der Gemeinde ehrenamtlich tätig waren“ (er macht eine Kunstpause)

Karl (fällt ein): … „und die schon tot sind!“

(Alle vier wiehern vor Lachen, so daß die Leute an den Nachbartischen sich umdrehen und belustigt herübersehen.)

Edith (wischt sich die Lachtränen aus den Augen): Ja! Das war verdammt knapp!

Hanna: Das klang ja zuerst fast „versöhnlich“.

Richard: Aber dann hat er ja das Ruder ja gerade noch rumgerissen.

Karl: Und wie hieß es dann so schön in der Jahresschlußmesse: „Wir danken allen, die sich in guter Weise am Gemeindeleben beteiligt haben.“

Hanna: Zack! Da hatten sie wieder ihr Fett weg. Frisch von der Kanzel.

Edith (harmlos): Ein Unding! Unsere alten Pfarrgemeinderatsvorsitzenden so bloßzustellen … (sie beginnt zu lachen)

Richard: … und sozusagen offiziell vom Dank auszuschließen!

Karl (gespielt wurstig): Aber – was soll’s! Die leben bekanntlich auch noch.

Edith: Auf den nächsten Karneval! Das ist schließlich das Einzige, weswegen unser PGR-Vorsitzender überhaupt mal das Wort ergreift. (Alle lachen.)

Hanna: Muß also richtig wichtig sein! Also dann:

Alle vier: „Hurra! Wir leben noch!“ (Sie prosten sich zu und trinken.)

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Und in Weimar? Da steht nach diesem kleinen Rückblick auf die Weihnachtsfeiertage der Fasching auch unmittelbar bevor und damit die Zeit, in der  Narrenfreiheit herrscht. Mal sehen, wie sie genutzt wird…

 

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