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Der Corona-Dekalog

Die zehn Gebote in unserer streng gesundheitsgläubigen Zeit

Wir leben ja gerade in einer strenggläubigen Zeit. Die Religion unserer Gesellschaft heißt Gesundheit. So heißt sie ja eigentlich schon gar lange. Wer wünscht zu Geburtstagen schon noch Gottes Segen? Gesundheit wird gewünscht. Als ginge sie über das Seelenheil. Die Corona-Pandemie nun bringt das wahre Gesicht dieser Gesundheitsreligion so überdeutlich zum Vorschein, daß man sich in ungläubigem Staunen beständig die Augen reiben möchte – wäre es nicht verboten, sich ins Gesicht zu fassen.

Spaß beiseite: Die Menschen glauben scheinbar wirklich alles. Jedenfalls verhalten sie sich entsprechend. Man könnte meinen, diese ganze Corona-Erfahrung sei nur dazu da, um die Menschen endlich einmal wieder auf axiomatische Glaubenssätze einzuschwören, die von einer dazu bestimmten Instanz Ex Cathedra verkündet werden und bei Strafe zu befolgen sind. Dabei dürfen die Glaubenssätze sich auch gerne widersprechen. Oder gegensätzliche Verordnungen sich im Wochenrhythmus ablösen. Siehe Mund-Nasen-Bedeckung. Schutz oder Gefahr? Nicht selber denken! Hören und gehorchen! Geht alles glatt durch.

Ende Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht die Beihilfe zum Suizid für rechtens erklärt. Wenn Menschen unheilbar krank sind und sonst leiden würden. Weil es nicht nur ums nackte Überleben geht, sondern auch darum, wie man weiterlebt. Vierzehn Tage später schließt man die Schulen und Kindergärten und verbietet den Umgang von Kindern mit ihren Großeltern. Und da liegen nun alte Menschen in ihren Pflegeheimen (die Pflegekräfte haben so viel oder so wenig Zeit, wie sie eben haben) und dürfen nicht mal mehr ihre Enkel sehen. – Fassen wir zusammen: Töten lassen darf ich mich, aber sagen: Wer weiß, wie lange ich noch lebe – lieber bekomme ich diesen Virus, als daß ich ein Vierteljahr meine Enkel nicht sehe: Das darf ich nicht. Geht es wirklich um den Schutz der Menschen? Oder um den des Gesundheitssystems?

Als heute die neue Hausordnung der städtischen Musikschule im Emailpostfach lag, habe ich die Liste der Verhaltensmaßregeln einmal (leicht ergänzt) in die Form gebracht, die eigentlich gemeint ist. Für die passende Anzahl von Geboten mußte ich schon etliche Hinweise weglassen – eigentlich sind es noch mehr. Hier kommen – übersichtlich für unsere Leser zusammengestellt:

 

Die zehn Gebote

 

Ich bin Herr Drosten, dein Arzt. Du sollst keine Ärzte neben mir haben.

 

Du sollst dir mehrmals täglich ausgiebig die Hände waschen.

Du sollst in die Ellenbeuge husten.

[NEU:] Du sollst außerhalb der eigenen vier Wände einen Mundschutz tragen.

Du sollst Abstand halten zu deinem Nächsten.

Du sollst mit deinen Nächsten keine Menschenansammlungen bilden.

Du sollst nicht in vollen Kirchen die Heilige Messe feiern.

MUNDKOMMUNION??? DU SPINNST WOHL!

Du sollst dir nicht an die eigene Nase packen und andere nicht berühren.

Du sollst nicht reisen.

Du sollst nicht ausgehen – nicht ins Theater, nicht ins Konzert, nicht ins Kino, nicht zum Essen und nicht zum Kaffeetrinken.

 

Und überhaupt! Frag nicht so viel!

 

Cornelie Becker-Lamers

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