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Die Allerheiligenfeier

Eine christliche Alternative zu Halloween-Inszenierungen

Genau zehn Jahre ist es her, daß wir zum ersten Mal zu einer Allerheiligenfeier zu uns nach Hause einluden. Unsere Kinder luden Schul– und Kindergartenfreundinnen ein, wir Eltern andere Erwachsene.

Die Einladung zur Allerheiligenfeier 2010 mit Antwortkarte von Pfarrer Dr. Pittner (eigenes Bild)

Im Jahr 2009 fiel der 1. November auf einen Sonntag und wir konnten am Tag selber feiern, 2010 (unser Bild) nahmen wir den 31. Oktober und feierten gleichsam in den Vorabend des Festtages hinein. Der Sinn war klar: Alle Gäste sollten sich durch Verkleidung in ihren Namenspatron verwandeln und einige Informationen zu dem oder der entsprechenden Heiligen eingeholt haben.

Am eindrücklichsten spielte unsere Freundin Katharina die Geschichte ihrer Namenspatronin vor (am 1. November 2009; eigenes Bild)

Es waren schöne kleine Feste. Die Kinder erzählten sehr tapfer ihre Heiligenlegenden nach oder drückten uns Großen zumindest einen passenden Wikipedia-Artikel zum Vorlesen in die Hand. Wer zweimal beim Fest dabei war und zwei Vornamen hat, kam durchaus auch gerne in verschiedener Verkleidung – als Victoria von Rom 2009, als Clara von Assisi 2010 zum Beispiel. Oder als Gereon von Köln 2009, als Gunther von Schwarzburg 2010.

Allerheiligenfeier 2009: Gereon als Gereon, dem Offizier der in Colonia Agrippina stationierten Thebäischen Legion der römischen Armee (eigenes Bild)

Gereon-Gunter als Gunther von Schwarzburg mit Reuthaue und Buch (eigenes Bild)

Für das Buffet hatten wir uns vorgenommen, nur Eßwaren und Getränke anzubieten, die auch im Mittelalter bereits in Europa gewachsen und hergestellt worden waren. Das war gar nicht so einfach: Keinen Kartoffelsalat und keine Kürbissuppe, klar. Nudelsalat? Schwierig! Wir verlegten uns auf Haferflockensuppe, da Getreidebrei sicherlich eines der Hauptnahrungsmittel der mittelalterlichen einfachen Bevölkerung gewesen ist. Honig gab es und Dörrobst (gekauft, da wir unseren eigenen Dörrapparat ja noch nicht besaßen 😉), dazu Äpfel, Weintrauben und selbstgebackene kleine Brötchen.

Das einfache Buffet zur Allerheiligenfeier 2010 … (eigenes Bild)

… und wie es „geplündert“ wird (eigenes Bild)

Eigentlich der Auftakt zu einer schönen kleinen Tradition. Die Priester, die wir einluden oder von ferne über das Fest in Kenntnis setzten, freuten sich über unsere Initiative und deren Annahme durch unsere Freunde, wünschten gutes Gelingen und bezeichneten das Fest als sehr gute Idee bzw. „hilfreiche Alternative“ zu Halloween. In der Tat schafften wir es durch dieses Fest, für einige Zeit unter den Kleinen Stimmung gegen Halloweenfeiern zu machen, die mir im Zuge eines überhasteten und durch die Verkleidungsindustrie seit den 1990er Jahren forcierten Kulturtransfers nach Europa zu inhaltslosen Gruselfeiern verkommen zu sein scheinen. Fratzen und Skelette, Drohungen und Schabernack werden ohne den mythischen (vulgo heidnischen) Hosenboden eines lebendig gebliebenen Volksbrauchs im Hintergrund zum Selbstzweck, der zuallererst auch die ausführenden Kinder verschrecken dürfte.

Halloweenfreie Zone“ (eigenes Bild)

In den vier folgenden Jahren fielen Reformationstag und Allerheiligen in die Herbstferien oder produzierten ein langes Wochenende, so daß wir entweder selber verreist waren oder das Ausbleiben der kleinen Gäste befürchteten. Und so haben wir in dieser Zeit diese Art von Fest ein wenig aus dem Auge verloren – obwohl es doch eigentlich eine schöne Idee ist und in größeren Verbänden wie ganzen Kirchgemeinden auch durchaus in jedem Jahr funktionieren sollte. Wissen über Heilige und die eigenen Namenspatrone erwerben oder festigen statt Horrorfilme schauen und sich als blutrünstiges Gespenst schminken? Paßt!

Voraussetzung für das Zustandekommen und Gelingen einer solchen Veranstaltung ist vermutlich allerdings das Bestehen irgendeiner festen seelsorglichen Kinder- oder Jugendgruppe – wie ja auch Jugendfahrten nur auf der Basis einer bestehenden Pfarrjugend (oder in Ermangelung dessen wenigstens eines Firmkurses) gebucht werden. Wichtig ist für alle immer, vorher zu wissen: Wer wird auch dort sein? Verpasse ich was, wenn ich nicht hingehe? Zudem ausschlaggebend, was auch bei unseren Festen der Fall war: Die Freundschaft der Mütter der eingeladenen Kinder. In unserem Fall kam die Freundschaft durch die gemeinsame Kindergartenzeit der Kleinen zustande. In einer Pfarrei sollte man daher keine Gelegenheit auslassen, auch die noch nicht miteinander bekannten Eltern auf jede nur denkbare Weise bewußt zu vernetzen.

Cornelie Becker-Lamers

PS: Frage: Wenn ein Kind einen so niedlichen Kuchen bäckt, darf der dann mit auf die Allerheiligenfeier? 😇😉 

„Spensti“, Motivtorte unserer Tochter vom 31. Oktober 2017; (eigenes Bild)

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