Zurüruck zum Inhalt

„Ich freue mich auf die Sprache der Kirche!“

Das wäre früher ein Beitrag in der, freilich immer bloß informellen, Reihe: ‚Ein Sonntagmorgen voller guter Laune‘ geworden, deren letzte Folge nun sage und schreibe auch schon wieder über vier Jahre zurückliegt!

Ob aber diese Bezeichnung heute noch so richtig taugen würde, da sind wir uns unsicher, kennzeichnete sie doch damals häufig genug erfreuliche Besonderheiten in einer insgesamt schwierigen Zeit und seitdem haben sich die Dinge in liturgischer Hinsicht sehr erfreulich entwickelt. Mehr denn je bleibt es ja dabei, daß Besuchern aus der „Westkirche“ regelmäßig Augen und Ohren übergehen, wenn sie erleben dürfen, welches Maß an Ordnung hier herrscht! 🙂

Dennoch, das heutige Hochamt um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche war herausragend schön und rechtfertigt eine besondere Erwähnung allemal und es begann mit den Worten des Priesters, die die Überschrift bilden. Danach konnte ja, bei diesem Zelebranten jedenfalls, eigentlich schon nichts mehr ‚schiefgehen‘! 🙂
Was folgte war dann eine Ahnung und vielleicht mehr als eine Ahnung davon, was hätte werden können, wenn die liturgische Entwicklung der letzten Jahrzehnte gehört hätte auf das, was das letzte (das 21. ökumenische) Konzil wirklich wollte: Eine angemessene Rolle für das Latein, „die Sprache der Kirche“ in mindestens jedem festlichen (Sonntags-) Gottesdienst! So kann man Weltkirche erleben, eine Hl. Messe, die alle Gläubigen in ihren Kernteilen überall auf der Welt hätten verstehen und mitfeiern können, ohne irgendeinen zusätzlichen Aufwand (vgl. auch hier).
Übrigens war an diesem im strengen Wortsinne blühenden Morgen ‚wie Samt und Seide‘, die Kirche mehr als gut gefüllt. Es ist, wie wir schon immer gesagt haben: Ein Gottesdienst in der Sakralsprache, in ‚unserem Latein‘, er schreckt eben überhaupt nicht ab, eher im Gegenteil, wollte es scheinen, „selbst“ bei diesem zauberhaften Frühsommerwetter. 😉

Von der wie immer bestens strukturierten Predigt des Dogmatik-Promovenden, die ganz ohne „eigene Erfahrungen“ („neulich ist mir xxx passiert…“ 😉 ) auskam und stattdessen sagte, was ist („das bedeutet“, „erstens bis fünftens“) will ich an dieser Stelle schweigen, wenn Sie können, kommen Sie einfach baldmöglichst einmal vorbei und hören sich eine solche Homilie an, nach meinem festen Eindruck liebt „die Herde“ in Weimar diesen Stil – und zurecht!

Natürlich, auch die Musik gehörte dazu. Nicht die „musikalische Gestaltung“, wie es immer wieder heißt und wohinter sich allzuoft problematische Stücke aus den letzten Jahrzehnten mit liturgisch strukturell (!) problematischer Plazierung verbinden, nein, unsere gut disponierte Choralschola sang, an der Orgel hervorragend studentisch unterstützt, von der Empore aus und wer auch den ‚Alten Ritus‘ kennt, freute sich, auch einmal in diesem Rahmen erleben zu dürfen, wie „unsere Musik“ in „unserer Sprache“ (sic!) Inhalt transportiert und teils stellvertretend das gemeinsame Voranschreiten im liturgischen Ablauf trägt und befördert! Daß den Ausführenden natürlich, nein, nicht dennoch, sondern gerade deswegen Dank gebührt, versteht sich ja.

Ein weiteres Zeichen der Einheit lag darin, daß so ausnahmsweise die Kelchworte einmal wieder richtig zu hören waren (pro multis effundetur/für viele vergossen) – aber ich sehe gerade, auch das haben wir ja schon im Dezember 2013 geschrieben und der Skandal der fehlenden Anpassung entgegen klarer römischer Weisung ist nicht kleiner geworden seitdem.

Ja, die ‚tolle‘ DBK, es ist nicht wirklich besser geworden mit ihr in den letzten Jahren, um es mal vorsichtig auszudrücken; wer wüßte nicht, was gerade wieder Anlaß bietet zu dieser Feststellung…

Ich habe aber überhaupt keine Lust, mir den schönen Tag und die Erinnerung an die prächtige Messe mit Betrachtungen über dieses eigentümliche Gremium und darüber, wie es sich zur Zeit mehrheitlich (!) noch eigentümlicher geriert, zu verderben.
Erinnern wir stattdessen einfach nur daran, welch wunderbares, wunderbares Evangelium wir heute hören durften, den zweiten Teil der Hirtenrede aus dem Johannes-Evangelium (Joh 10, 11-18). und daran, wie große, heilige Hirten der Kirche die Worte ihres Meisters: „der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe“ immer auch zu eindringlicher und eindrucksvoller (Selbst-) Kritik genutzt haben:

Doch der, der ein Hirte zu sein schien, es aber nicht war, der läßt die Schafe zurück und flieht, denn er fürchtet die Gefahr […] und wagt nicht sich […] zu widersetzen. Er flieht aber nicht unbedingt dadurch, daß er seinen Platz verläßt, sondern auch dadurch, daß er [seiner Herde] den Trost entzieht. Der bezahlte Knecht wird keinen Eifer zeigen, sich gegen die ungerechte Gewalt zu stellen, denn er sucht nur den äußeren Vorteil und läßt es leichtfertig zu, wenn die Herde einen inneren Schaden nimmt.
(Gregor der Große, Hom. in Ev. 14)

Den ‚Trost entziehen‘ aber die, welche die Herde verwirren in Bezug auf die rechte Lehre, die auf der ganzen Welt gilt, so nimmt sie ‚inneren Schaden‘.

Gereon Lamers

Heiliger Papst Gregor der Große, bitte für uns!

Meister des Registrum Gregorii, sog. Gregorblatt, ca. 983, Trier, Stadtbibliothek, Hs. 171/1626 (Bild: Wikimedia Commons)

 

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