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Antwort an Bischof Neymeyr 

Hochwürdigster Herr Bischof,

am vergangnen Sonntag (30. Januar) haben wir abends die Hl. Messe in Herz-Jesu, Weimar mitgefeiert. Hauptzelebrant war Fr. Uwimanafür dessen gelegentlichen Einsatz in unserer Pfarrei wir nur herzlich danken können. Er ist nach dem großartigen Fr. Jude ein weiteres gutes Beispiel dafür, was es ausmacht, wenn die versammelte Gemeinde die Freude am Priester-sein spürt, die diese jungen Männer ausstrahlen. Wie schade, daß es sich bei diesen “Juwelen” regelmäßig nur um Gäste handelt, weil Ihr vor allem in pastoraler Hinsicht  überschätzter Vorgänger, anders als andere Bischöfe, gegen die dauerhafte Bindung von Priestern aus der Weltkirche entschieden hat.
Konzelebrant in dieser Messe war Domkapitular Hübenthal, der zu Ende des Gottesdienstes Ihren Brief an die Bistumsanghörigen vom 28. Januar verlas (der auch am Eingang der Kirche auslag).

In diesem Brief, überschrieben: “Kirche als Heimat des Glaubens”, fordern Sie uns, guterweise nicht zum ersten Mal, auf, für diejenigen zu beten, die in der Kirche, von Klerikern, mißbraucht worden sind. Zu diesem entsetzlichen Unrecht kann es keine zwei Meinungen geben, und das Gebet ist ein essenzieller Bestandteil unser aller Daueraufgabe, die fürchterlichen Geschehnisse zu bewältigen und alles menschenmögliche zu tun, um ihre Wiederholung zu verhindern.
Ob es angesichts eben dieses Charakters als praktische und geistliche Daueraufgabe notwendig, oder hilfreich ist, eine je aktuelle, medial angeheizte Stimmungslage (in diesem Fall durch die Veröffentlichung des Münchner Mißbrauchsgutachtens) zum Anlaß für eine solche exhortatio zu nehmen? Zumal unser Bistum davon unmittelbar so gar nicht berührt scheint?
Aber dazu kann man gewiß unterschiedlicher Auffassung sein. 

Leider hat mich aber die Art und Weise, in der Sie sich an uns wenden, regelrecht verstört, Exzellenz.
Sie schreiben, ohne jede Einschränkung, Papst Benedikt “stehe nicht zu seiner Verantwortung” (als EB von München) und Sie könnten das diesbezügliche Entsetzen vieler Gläubiger “gut verstehen”.

Das kann ich nicht verstehen und damit verstehe ich Sie nicht, Herr Bischof. 

Sie verbreiten damit meiner Überzeugung nach eine Einschätzung, die schon jetzt einer unparteiischen Betrachtung nicht standhalten kann, von der man aber allermindestens sagen muß, daß sie dramatisch verfrüht ist, hat doch der emeritierte Papst eine erneute und diesmal wirklich persönliche Stellungnahme angekündigt.
Wie können Sie in dieser Lage den eingeschworenen Feinden Papst Benedikts, die sich mit ihrer “sprungbereiten Feindseligkeit” seit Jahrzehnten immer und immer wieder auch als Feinde der Kirche gezeigt haben, beispringen? Glauben Sie tatsächlich, deren Furor ließe sich durch solche Gesten der Unterwerfung unter ihre fälschlicherweise beanspruchte Deutungshoheit besänftigen?
Ich hoffe, Sie wissen, daß diese Ihre Sätze nun ebenfalls “Entsetzen” bei etlichen Gläubigen im Bistum Erfurt ausgelöst haben (daß Sie im nächsten Halbsatz auch dem jetzigen Nachfolger Petri “einen mitgeben”, sei nur am Rande erwähnt).

Und es sind nun keineswegs nur ein paar, leider ja gerne auch von Ihnen zur vernachlässigenswerten Minderheit erklärte, “konservative” Laien, die so reagieren. Haben Sie zur Kenntnis genommen, wie sich manche Ihrer Amtsbrüder in dieser Lage geäußert haben? Ich möchte nur wenige Sätze aus der umfangreichen und detaillierten Stellungnahme des Bischofs von Passau, Stefan Oster zitieren: 

Oder will man die Kirche als Ganze treffen, indem man einen ihrer prominentesten Protagonisten trifft? Oder will man innerkirchlich mit Benedikt eine bestimmte Gestalt oder Auffassung von Kirche diskreditieren, weil man eine ganz andere Kirche will als die, für die er steht? Und wird man der Person, dem Menschen, wirklich gerecht, wenn man im Geist einer erregten Öffentlichkeit […] ein so schnelles moralisches Gesamturteil über sein Leben spricht? 

Zum Abschluß Ihres Briefes kommen Sie dann auf den sog. “Synodalen Weg” zu sprechen, im Rahmen dessen “Vorschläge erarbeitet [würden], um die systemischen Ursachen dessen zu bekämpfen, was geschehen ist” und fordern zum Gebet für diese Veranstaltung auf, noch vor der Aufforderung, für die Opfer von Mißbrauch zu beten, übrigens.

Vorschläge”? Als ob es dieser eigentümliche Chimäre von einem Gremium, dessen sog. “Beschlüsse” ohne irgendeine kirchenrechtliche Verbindlichkeit sind und bleiben werden, bedürfte, um etwas gegen den Mißbrauch zu tun! Sie wissen doch genau, was vor allem seit 2010 alles bereits geschehen ist, Sie haben daran mitgewirkt, leitend mitgewirkt!
Was sollen denn all diejenigen denken, die sich in den zurückliegenden Jahren haupt- wie ehrenamtlich dafür krummgelegt haben, um in mühevoller, konkreter Kleinarbeit Verbesserungen herbeizuführen?
Spüren Sie wirklich nicht, daß Sie mit der Übernahme der Fiktion, dem sog. “Synodalen Weg” gehe es um die Mißbrauchsopfer, wie mit der gefährlichen Übernahme des Begriffs von den “systemischen Ursachen”, de facto das Geschäft derjenigen betreiben, die tatsächlich “die Kirche auf den Kopf stellen wollen”, wie es gerade heute ein anderer Ihrer Mitbrüder, der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, auf der aktuellen Sitzung ausgedrückt hat? 

Sie, Herr Bischof, stehen in der ungebrochenen Nachfolge der Apostel, denen der HErr selbst Weisung und Amt verliehen hat, wie es in der Tradition der Kirche ausgeformt worden ist. Das ist die alleinige Grundlage Ihrer Autorität und der verpflichtende Anspruch an Ihr Handeln.
Nichts, absolut nichts, was irgendeine willkürlich und intransparent zusammengewürfelte Versammlung sich zusammenfantasiert, wird Ihnen in der Wahrnehmung Ihres Amtes helfen können, und übrigens auch nicht das Urteil der Kirchengeschichte beeinflussen, wenn sie dereinst das Bistum Erfurt betrachtet. 

Wir wissen natürlich, daß Sie es schwer haben, weil unseligerweise ausgerechnet an der Universität  Erfurt mit J. Knop und B. Kranemann besonders üble Vertreter der ‘Theologie des Bruchs’ den Ton angeben. Aber Sie wissen doch auch, daß Sie nie allein sein werden, wenn Sie das richtige tun, damit uns allen “Kirche als Heimat des Glaubens” bleibt. 

In diesem Sinne will ich Sie noch einmal mehr in mein Gebet einschließen und bitte umgekehrt um Ihren Hirtensegen.

 

Gereon Lamers 

Ein Kommentar

  1. Laszlo Novotny schrieb:

    Herr Lamers,

    mich hat der Hirtenbrief unseres Bischofs ebenfalls verstört. Ich danke für die Formulierung Ihrer klaren Stellungnahme dazu, der ich nur voll zustimmen kann.

    Ihr

    Laszlo Novotny

    Montag, 7. Februar 2022 um 20:25 | Permalink

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