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„Die zarte Pflanze Jugendchor – sie lebt!“

„Die zarte Pflanze Jugendchor – sie lebt!“
Kleine Rezension einer großartigen Meßgestaltung

Oft genug haben wir auf PuLa beklagt, daß die kirchenmusikalische Arbeit in Herz-Jesu Weimar seit etwa 2010 über fünf Jahre hinweg mit wachsender Intensität behindert, die Kinderschola offiziell abgeschafft und die Auflösung des Jugendchores seitens der Verantwortlichen mit größter Nonchalance hingenommen wurde. Da will ich doch jetzt auch schreiben, daß dieser Mißstand spätestens mit der Abendmesse des vergangenen Samstags in puncto Chorarbeit der Vergangenheit angehört – hoffentlich definitiv.

Fünf Jugendliche zählt derzeit der im September 2015 neu gegründete Jugendchor. Als damals neunköpfiges Ensemble konnte er anläßlich der musikalischen Umrahmung des Firmgottesdienstes höchstbischöfliches und nur allzu verdientes Lob einheimsen. Im Sommer schmolz das kleine Ensemble durch den Wegzug der Chorleiterin und ihrer Familie erneut zusammen, trifft sich jedoch unter neuer Leitung weiterhin jede Woche zur Probe im Gemeindehaus.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß diese Formation sich bereits gut acht Wochen nach der Wiederaufnahme der Probenarbeit unverzagt die Gestaltung einer Abendmesse zum Ziel setzt (eigentlich dumm, hatten vier Wochen zuvor doch die urlaubsbedingt auf drei Kinder reduzierten Cäcilini in gewohnt unerschrockener Weise ein Lied zum Erntedankgottesdienst beigesteuert – keine Angst, Gereon verlinkt es jetzt nicht noch einmal 😉 Anmerkung der Redaktion: „Och, Menno!“ 🙂 ). Wie gesagt, für mich kam es sehr unerwartet, aber der Jugendchor hat eine Messe geplant, vermeldet und durchgezogen – und wie reich wurde diese Beherztheit den Ausführenden, den Altardienern und der aufgrund der Ankündigung dieses Chores sehr zahlreich erschienenen Meßbesuchern gelohnt! Nach einem Spiritual zur Eröffnung, in welches wohl noch mehr Menschen eingestimmt hätten, wären sie sicher gewesen, „Amen“ und nicht „Ey, man!“ zu singen

funktionierte der Jugendchor geschlossen und mit hervorragendem Textverständnis im Kantorendienst und sang abwechselnd mit der Gemeinde das Kyrie GL 161 und, nachdem weitere Jugendliche für die Lesungen und Fürbitten am Ambo gestanden hatten, den Fürbittruf. Zur Kommunion folgte mit der „Ballade vom Weinberg“ von Veronika Bohnet (Text) und Helmut Michael Brand (Musik) ein harmonisch eingängiges und in seinen Ermahnungen sinnreiches Lied zu Gottes Schöpfung („Sieh, die Völker sind mein Weinberg und die Menschen pflanzte ich“), das der Chor unbedingt noch einmal vortragen sollte, wenn alle Zuhörer sich die gesamte Zeit auf den Text konzentrieren können. (Das Textverständnis war wieder sehr gut, aber während man zur Kommunion geht, kann und möchte man eben nichts anderem zuhören.)

Den Abschluß bildete ein brillant vorgetragenes „Cantate Brasilia!“ von Roger Emerson.

Zuvor jedoch hatte Pfarrer Gothe als Zelebrant den kleinen Chor – „Die zarte Pflanze Jugendchor – sie lebt!“ – samt Chorleiterin mit dem gebührenden Dank überschüttet, überzeugend um weitere Mitglieder geworben und formuliert, was vermutlich viele dachten: „Wie fünf Stimmen die Kirche füllen können!“ In der Tat! Möge sich dennoch die vermutlich mindestens zur Hälfte ernstgemeinte Befürchtung einer Mutter: „Jetzt traut sich keiner dazuzukommen, weil ihr so gut seid!“ nicht erfüllen. Schließlich lernt man ja auch singen im Chor – und gerade unter guten Sängern lernt man es um so schneller und um so besser!

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

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