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PuLa-Reloaded: Zum neuen Gotteslob

Über sieben Jahre begleitet uns (jedenfalls hier in Mitteldeutschland) jetzt das neue “Gotteslob” und inzwischen sind die nicht unerheblichen Irrungen und Wirrungen, die seine Einführung begleiteten (nur ein Stichwort: Die “Dündruckkrise”), wohl bloß noch von historischem Interesse (wer es nachlesen möchte: Auf der PuLa-Startseite nach “Gotteslob” suchen – und Zeit mitbringen 😉 ).
Mittlerweile ist, nolens volens, Gewöhnung eingetreten, was soll man auch machen, es gibt ja keine Alternative! (außer einem ‘Volksmissale’, natürlich, aber das ist eine Geschichte für ein andermal…).

Aber genau bei solchen Themen erweist das vorliegende Format, ‘PuLa-reloaded’, seinen Nutzen: Denn es gab und gibt zum “Neuen Gotteslob” wahrlich genug zu sagen, was an Bedeutung nicht verloren hat, und woran man sich erinnern sollte, weil es sehr deutlich aufzeigt, wie in der Kirche in Deutschland mit uns, den einfachn Gläubigen, umgegangen wird!

Daher bringen wir heute und morgen je einen Teil “Zur Gestaltung des neuen Gotteslobs”, der erste erschien am 28. September 2013.

 

„Die Arbeitsgruppe der Unterkommission“:
Zur Gestaltung des neuen Gotteslobs, Teil 1

 

Nicht wahr, in seinem Gebetbuch, das nun seit etlichen Jahrzehnten im deutschen Sprachraum ‚Gotteslob‘ heißt, da „wohnt“ man drin! Da sammeln sich Photokopien von Liedern, die zu besonderen Anlässen verteilt wurden, es finden sich Gebetszettelchen und -bildchen an, man weiß nicht immer so genau woher (es ist nicht einmal immer sicher, daß einem jedes einzelne auch besonders gefällt) es ist ein sehr persönlicher „Raum der Erinnerung“ an schöne, wenige schöne oder auch ärgerliche Gottesdienste und wie meine alte Standardausgabe „eigentlich“ aussieht, bzw. mal aussah, das nehme ich manchmal gar nicht mehr so recht wahr!

Altes Gotteslob „live“

Aber auch wenn man irgendwo zu Gast ist, in einer anderen Gemeinde, einem anderen Bistum, ist es immer spannend, wie dort die Gäste-Gotteslobe aussehen, blitzeblank und kahl bis auf den Stempel der Pfarrei oder alt und abgegriffen, wobei die letzteren natürlich die interessanteren sind, weil sie einen in Verbindung bringen, mit dem (nach weltlichen Maßstäben!) vergangenen Glaubensleben der Nutzer.

Altes Gotteslob, „Battle worn“

Weil das nun bestimmt nicht nur mir so geht, weil das Gotteslob jedenfalls für die Mitfeier der Hl. Messe unverzichtbar, man könnte auch sagen, unausweichlich, ist, deswegen ist jeder Veränderung dieses so zentralen Elements im praktischen Glaubensleben jedes deutschsprachigen Katholiken natürlich besondere Aufmerksamkeit gewiß.

Und deswegen kann ich nur wiederholen, so wichtig die Entwicklungen um die Herstellung der Neuen Gotteslobe auch sind, der zentrale Punkt dessen, was man zu unserem neuen Gebetbuch sagen kann, ist das nicht.

PuLa wird der „Dünn-Druck-Krise“ auch künftig die Aufmerksamkeit widmen, die sie verdient, aber bis dahin werden wir auch weiterhin Gottesdienst feiern und irgendwann werden wir die neuen Bücher in Händen halten.

Und wenn wir sie in Händen halten, werden wir feststellen, daß sich in deren Gestaltung etliches verändert hat. Ich meine jetzt nicht das etwas größere Format, ich meine auch nicht die ergänzende Verwendung roter Druckfarbe und ich meine auch nicht, daß versucht wurde, innerhalb eines Liedes nicht mehr umblättern zu müssen, was vermutlich alles sinnvolle Dinge sind, wir werden sehen.

Nein, mir geht es um die graphischen Elemente des Neuen Gotteslobs. Neben dem, ja, wie soll man das eigentlich nennen?, Logo?, Signet?, sagen wir ganz neutral, dem graphischen Zeichen auf Umschlag und (!) Rücken finden sich auch im Inneren des Buches insgesamt 19 weitere Zeichnungen der Kölner Künstlerin Monika Bartholomé, ggf. in den Diözesanteilen noch weitere. Sie sollen rein praktisch u.a. dazu dienen, Leerstellen, die durch die eben erwähnte Vermeidung von Umblättern entstanden, zu füllen, aber natürlich nicht nur.

Illustrationen im Gebetbuch als dessen fester Bestandteil, das ist, jedenfalls seit nun ca. vierzig Jahren, ein echtes Novum, das die Neugierde weckt.

Wenn man berücksichtigt, daß, wie erwähnt, das Gotteslob sozusagen unausweichlich ist, und daß uns diese Bücher vermutlich nun auch wieder einige Jahrzehnte begleiten werden, viele von uns vielleicht bis zum Ende ihres irdischen Lebens, dann scheint es doch sehr angebracht, genau hinzusehen, was uns denn da präsentiert wird, wie das entstanden ist und was es eigentlich bedeutet.

Neues Gotteslob, Signet auf Umschlag und Rücken

Wie sich herausstellte, ist das aber gar kein so einfaches Unterfangen. Ich dachte natürlich, ein so gewichtiges Element in einem so zentralen Projekt der Deutschen Bischofskonferenz, das wird nicht ohne deren mediale Begleitung geblieben sein. Ich fand aber nichts. Also habe ich den Pressesprecher der DBK, Herrn Kopp gefragt, ob es denn eine ‚Interpretation mit Autorität‘ gebe, eine Stellungnahme der DBK und wie sich das denn mit dem Auswahlprozeß verhalten habe. Zu meiner ehrlichen Verblüffung mußte aber M. Kopp aber nicht nur bloß ‚ins Regal greifen‘, sondern die zugesagte Reaktion brauchte einige Zeit. Nun liegt sie vor, vielen Dank!, und sie wird in diesen und die folgenden (vermutlich zwei) Beiträge einfließen.

Auf Abhilfe sinnend, besann ich mich aber schon vorher auf den alten Grundsatz: ‚Ad fontes‘, zu den Quellen, und habe die Künstlerin selbst gefragt. Und Frau Bartholomé hatte einen ganz ausgezeichneten Tip; Vielen Dank! Sie wies mich auf den Katalog einer Ausstellung mit denjenigen ihrer Werke hin, die im neuen Gotteslob abgedruckt sein werden, er trägt den Titel: „Die Fülle des Lebens – Zeichnungen im neuen Gotteslob“ und ist erschienen anläßlich der Schau: „Alles auf Papier – Monika Bartholomé“, die vom 15. Mai bis 30. Juni 2013 in der „katholisch-sozialen Akademie des Bistums Münster“, dem Franz Hitze Haus ebendort zu sehen war.

M. Bartholomé, Katalog: „Fülle des Lebens“

(Der Katalog hat es übrigens noch nicht in das Onlineangebot der Ausstellungspublikationen geschafft, aber man kann ihn unter der folgenden Telefonnummer bei der sehr freundlichen Frau Lau bestellen: 0251 / 9818-490 à 10,- € incl. Versand und auch beim Deutschen Liturgischen Institut (DLI) in Tier, hier)

Wen diese ‚naheliegende‘ Möglichkeit, sich mit den Illustrationen im Neuen Gotteslob vertraut zu machen, nun ein wenig an die Planungsunterlagen für die ‚Hyper-Raum-Expreß-Route‘ erinnert, die 50 Jahre lang auf Alpha Centauri auslagen, den kann ich daran nicht hindern…

Edit: Hier fand sich zur Zeit der Veröffentlichung ein Video, in dem aus Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen wurde und zwar just jene Stelle,an der die Vogonen kurz vor Sprengung der Erde zum Zweck des Baus der Hyper-Raum-Umgehungsstraße der entsetzten Erdbevölkerung eben dies erläutern: Man hätte ja gucken können, wenn man denn nur davon gewußt hätte…

Das Video wurde unterdessen von YouTube entfernt, sorry, das Netz ist nichts Statisches.

Ok, ok, ganz so weit wie unser Nachbar-Sternsystem (4,34 Lichtjahre) ist Münster nicht weg, zugegeben, nein, wirklich nicht, nur beinahe (Satiremodus aus).

Jedenfalls bietet der Katalog gleich eine ganze Reihe interpretationsfähiger Texte! Neben dem Vorwort seitens des Institutsdirektors, Prof. Thomas Sternberg, der auch ein ‚Gespräch‘ mit M. Bartholomé geführt hat, das dort abgedruckt ist, findet sich ein kurzer Text von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, Würzburg, dem verantwortlichen Bischof für das Neue Gotteslob und ein einführender kunstwissenschaftlicher Text vom Leiter des Kölner Diözesanmuseums ‚Kolumba‘, Dr. Stefan Kraus sowie schließlich ein, naja, literarischer Text von M. Bartholomé, über dessen Gattung ich mir nicht ganz im klaren bin (ist das ein Gedicht?).

Beginnen wir heute mit dem, was Bischof Dr. Hofmann in seinem Text über den Entscheidungs- und Auswahlprozeß verrät.

In der nun schon mehrmals erwähnten Sonderausgabe des TdH vom 14. September spricht ja der Riesaer Pfarrer Ludger M. Kauder, der für das Bistum Dresden-Meißen Mitglied der Gotteslob-Kommission war, einfach davon: „Dass hier und da moderne Grafiken eingestreut sind, ist der Kunstliebe des leitenden Bischofs der Gotteslob-Kommission, Friedhelm Hofmann zu verdanken […].“ (S. 6).

Und was schreibt Bischof Hofmann selbst? Nun, zunächst ist nur relativ häufig (sechsmal auf 26 Zeilen) von einem anonymen „sollen“, bzw. „sollten“ die Rede: „Das neue Gebet- und Gesangbuch sollte neben dem Text- und Liedteil auch Bildmotive enthalten […], „Statt weiterer Farbbilder sollte eine künstlerische Gestaltung durch Zeichnungen eingebracht werden. Da die drei Ausdrucksformen Wort, Musik und Bild ihre eigenen Wahrnehmungsqualitäten haben, sollten sie sich ergänzen.“ „Vielmehr sollten sie [sc. die Zeichnungen] eigenständig als kleine lineare Kunstwerke mit den Schrift- und Notenzeichen korrespondieren.“ (Katalog, S. 7).

Dieses ‚Sollen‘ entstand „In Gesprächen mit Künstlern und der Katholischen Bibelanstalt in Stuttgart […]“. Dann heißt es: „Angeregt wurde ich vor Jahren durch den Austausch mit kulturellen Vertretern der Kirche in Frankreich.“ […] „Diesen mutigen Schritt vor Augen, suchte die Arbeitsgruppe der Unterkommission nach einem Künstler, der qualitätsvoll graphische Zeichen als Lebensspuren in unser Gebet- und Gesangbuch einbringen könnte. Nach einem Vorschlag der Stuttgarter Bibelanstalt entschieden wir uns nach längerem Suchen für die Künstlerin Monika Bartholomé, die durch ihre Zeichnungen auf sich aufmerksam gemacht hat.“ (ebd., alle Hervorhebungen von mir).

Das klingt nun allerdings wirklich nach einem (sehr) kleinen Kreis von Beteiligten und nach einer wesentlichen Rolle, die der „Chef“, Bischof Hofmann ganz persönlich gespielt hat – neben anonym bleibenden „Künstlern“ und „der Stuttgarter Bibelanstalt“.

Und wenn Sie meinen textlichen Interpretationen nicht trauen wollen (obwohl Sie das ruhig tun ‚sollten‘, denn ich habe selbst schon genug Texte schreiben ‚dürfen‘, deren Zweck es war, genaue Abläufe zu verbergen…), dann sehen Sie selbst:

Unter-Kommission Gotteslob, Mitglieder der Arbeitsgruppen

Leiter der „Arbeitsgruppe VII, Bilder/Bildtexte (Spirituelle Impulse)“ und – einziges Mitglied: Bischof Dr. Hofmann…

Hm! Jetzt verstehe ich schon mal ein bißchen besser, warum M. Kopp auf die Frage nach einer Ausschreibung, einem Wettbewerb o.ä. nicht eingehen konnte: Es gab keinen. Dementsprechend gab es auch nicht die damit verbundene Teilhabe der interessierten Öffentlichkeit (Präsentation der Einsendungen, Findung und Benennung der Jury, Prämierung etc.). Nein, „wir entschieden uns“.

Gut, daß wir das schon mal geklärt haben. Auf das Adjektiv „mutig“ (dies ist nicht sein einziges Vorkommen in diesem Kontext) wird noch zurückzukommen sein.

 

Gereon Lamers

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