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„düstere Betonbunker ohne jeglichen Charme“ (2/2)

… mit zeitlichem Abstand gewürdigt. Ein PuLa unterwegs

Im vergangenen Jahr hatte ich noch einmal in Schopp zu tun und verabredete mich mit einer alten Freundin in der Kirche. Es war die Woche des Patronatsfestes und so betrachtete ich dort zunächst die Biegepüppchenszene zum Heiligen Bonifatius, die wir schon am 5. Juni 2019 auf PuLa abgebildet haben.
Dann betrachtete ich die Kirche, und in dem großen zeitlichen Abstand – ich hatte sie jahrelang zuvor nicht gesehen, weil meine Eltern schon vor über 20 Jahren aus Schopp wieder weggezogen sind – stellte ich fest, wie unglaublich konsequent die Gestaltung des Raumes war. Wie gesagt, es war wirklich alles aus Beton, und auch dieses Material bietet beispielsweise beim Kreuzweg Gestaltungsmöglichkeiten, die man mit etwas kunsthistorischem Sachverstand tatsächlich als künstlerischen Ausdruck werten kann. Also schon sehr abstrakt – aber wer das mag … Zudem fiel mir auf, daß durch die Lichtführung einer durchgehenden senkrechten Fensterreihe links und rechts im Altarraum hier nicht wie sonst häufig das Kirchenschiff heller ist als die Apsis, sondern umgekehrt: Der nach Nordosten zeigende … naja, Chorraum ist zu viel gesagt, Altarraum eben ist heller als der Platz für die Gemeinde. Wie sagt der Volksmund? Nicht schön, aber selten. (Das heißt, eigentlich weiß ich nicht wirklich, wie selten solche Kirchen sind.)

Die meisten Menschen leiden unter modernen Kirchen

Also immerhin – als so geschlossenes Ensemble schien es mir fast denkmalschutzwürdig. Eigentümlich ist daher, daß die Kirchenraumgestaltung unter den Referenzen auf der wikipedia-Seite des Künstlers Karl-Heinz Deutsch keine Erwähnung findet. Hm! Also direkt schämen müßte er sich dieser Arbeit jetzt eigentlich nicht. Oder doch? Bekam er mit, daß – im Außenraum würde man sagen: die Natur sich alles zurückholt? Deutsch trat jedenfalls noch einmal auf den Plan, als eine beherzte alte Dame energisch in sein geschlossenes Ensemble von Betonelementen eingriff. Sie präsentierte dem Pfarrer ein Kruzifix aus Holz und drohte an, jegliche Geldzuwendung an die Pfarrei in Zukunft einzustellen, sollte das Holzkreuz nicht seinen Platz im Altarraum finden. Nun – welcher Geistliche hätte dem getrotzt? Das Holzkreuz hängt nun also an Ort und Stelle und das Betonkruzifix ist innen über die Eingangstür gewandert (wo ich es 2018 auch fotografiert habe). So ist es, sagte man dem Künstler, doch auch noch da. Doch als der Bann erst einmal gebrochen war, wurde auch bald die Madonna durch ein Exemplar aus Holz ersetzt (daß sie rechts und der dann auch gleich noch in Auftrag gegebene Patron am Ambo links steht, revidierte man allerdings nicht).

Das trotz Protest des Künstlers Karl-Heinz Deutsch aufgehängte hölzerne Kruzifix und die ebenfalls die ursprüngliche Ausstattung ersetzende hölzerne Marienfigur (eigene Bilder 2018)

Also es sieht so aus, als könne man den Menschen nicht alles zumuten. Jedenfalls nicht auf Dauer. Jetzt ist das künstlerische Ensemble der Betonausstattung zwar definitiv zerstört, aber die Gläubigen haben wieder ein paar Gesichter, in die sie betend blicken können. Dieses Bedürfnis sollte man nie unterschätzen!

Es kommt drauf an, was man draus macht

Die Biegepüppchenszene zum Heiligen Bonifatius hat ja auch schon gezeigt, daß die Frauen der Pfarrei sich Farben und Figuren in ihren Kirchenraum zurückholen. Das mit Bonifatius war nämlich nicht das erste Mal – nächstes Frühjahr werden wir auf einen Passionsweg verweisen, der während der Fastenzeit 2014 den gesamten Kirchenraum in Schopp durchzogen hat. Schließen möchte ich mit einem Bild, das die Kirche am Abend einer Taizéandacht zeigt. Dem Grau-in-Grau des Betoninterieurs ist durch jede Menge roter und gelber Tuchbahnen, durch 120 rote Windlichter, ein zusätzliches gemaltes Kruzifix und rote Beleuchtung jeder Schrecken genommen.

Nacht der Lichter: Das erste Taizégebet in St. Bonifatius Schopp, 2013 (Bild: Pfarrei St. Bonifatius, Schopp [auch hier, leider nicht via SSL ausgeliefert])

Cornelie Becker-Lamers

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