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Der Lichtbildervortrag

Ein Sketchlet für fünf Schafe und zwei Lämmchen.
Mit einer Veranstaltungsankündigung

Oderbruch, die allseits bekannte Schafweide. Draußen herrscht reges Treiben. Nur im Unterstand sitzen einige Schafe mit Fixi und Huf, den beiden Lämmchen, vor dem Tablet und grübeln düster vor sich hin.

Fixi: Das geht nicht! (Sie wirft lustlos einen Kugelschreiber in die Ecke.)

Flocke: Ich finde auch – die Aufgabe ist idiotisch gestellt.

Huf (tapst lustlos auf der Tastatur herum): Die ganzen Maler waren ja nicht mal aus Weimar.

Wolle: Nur der Preller.

Huf: Eben. Und der hat mythologische Szenen gemalt. (Er ruft ein Bild auf).

Kohle (stupst die Tür zum Unterstand auf und tritt zu den andern hinzu): Was gibt’s? Ist irgendwas? (Die Schafe schauen ihn müde an und begrüßen ihn nicht mal.) Hey – was ist los? Warum blast ihr Trübsal? So kenn ich euch gar nicht!

Fixi: Huf und ich sollen für Kunst einen Vortrag machen über „Die Heimat in der Landschaftsmalerei“. Und den Landschaftsmalern ging es regelmäßig um was anderes.

Kohle: So? Worum denn zum Beispiel?

Huf: Na, als es überhaupt anfing, im 17. Jahrhundert, in den Niederlanden, um die Darstellung des Wetters als Gestimmtheit des Kosmos. (Er schnauft.)

Kohle: Echt jetzt?

Fixi: Ja.

Huf: Echt jetzt!

Kohle: Und es hatte nichts damit zu tun, daß sie gerade die Neue Welt eroberten? Vergeßt nicht: New York hieß zuerst Nieuw Amsterdam!

Fixi: Guter Versuch, Kohle.

Huf: Das haben wir alles gecheckt – läßt sich als These nicht halten.

Flocke: Und im 19. Jahrhundert? Barbizon? Die Weimarer Malerschule?

Fixi: Naturalismus.

Huf: Unser Jahrhundert: Schafherden rauf und runter. Da ging’s um die Darstellung der Schafe, der Arbeit der kleinen Leute und ihre Lebensbedingungen.

Kohle: Also das geht so nicht weiter! Es muß eine Lösung her. Sagt nochmal genau, wie die Aufgabenstellung hieß.

Fixi (stöhnt): Du kennst den Zoffensberger doch. Genaue Aufgabenstellungen gibt’s bei dem nie!

Huf (macht einen Lehrer mit bayerischem Akzent nach): Mei, donn erzählt’s ihr uns wos iber die „Hoimat in der Londschoftmolerei“.

Kohle: „Die Hoimat“? (Er lauscht dem Wort nach) „Die Hoimat“ … Moment mal: Die Heu-Mahd! (Die Schafe sehen ihn verdutzt an.) Ihr redet einfach über die Heu-Mahd in der Landschaftsmalerei!

Blütenweiß: Über die Heu-Mahd?

Wolle (begeistert): Ja – da kennen wir uns natürlich aus! (Sie lacht.)

Grauchen (elektrisiert): Das fängt mit dem alten Breugel an – ja! Da seid ihr schnell fertig! Da gibt es jede Menge Bilder, die ihr zeigen könnt. (Er klatscht vor Freude in die Hufe.)

Pieter Breugel d.Ä. (1525/30-1569) Die Heuernte (1565), Öl auf Eichenholz; 114 × 158 cm; Prag: Palais Lobkowitz in der Prager Burg (Bild: wikimedia commons, User:Lewenstein)

Fixi und Huf (haben noch nicht so ganz begriffen): Ihr meint …

Flocke: Wir meinen, ihr legt euch euer Thema so zurecht, daß es einen Sinn ergibt – genau.

Blütenweiß: Kohle hat recht!

(Nach der bedrückten Stimmung greift der neue Elan jetzt stürmisch um sich. Die Schafe lachen und johlen. Die Schafe tauschen Erinnerungen über Erlebnisse in Bergen von frischem Heu aus. Huf klimpert etwas in die Suchmaschine und erntet eine Fülle brauchbarer Bilder. Na also! Die bewährte gute Laune ist wiederhergestellt und Flocke und Blütenweiß beginnen zu singen.)

Flocke: Sie war ein Mädchen voller Güte …

Alle Schafe: Heu-Mahd, süße Heu-Mahd! Wann werde ich dich wieder sehn?

ENDE

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Da haben sich die Schafe ja was Schönes ausgedacht! Bloß gut, daß wir ihnen manchmal doch eine Nasenlänge voraus sind. Zum Beispiel beim Thema Landschaftsmalerei und Heimat.

Der Heimatbegriff hat ja gerade unglaubliche Konjunktur. Damit er ja nicht in falsche Hände gerät. Da wird man dann in gelehrten Essays auch auf die unterschiedlichsten Bücher aufmerksam gemacht – und ich habe sehr interessante Zusammenhänge in zwei Publikationen des 20. Jahrhunderts entdeckt. Zur Konstruktion von Heimat in Ost und West. Und was die Landschaftsmalerei da für eine Rolle spielt. Steht noch nirgendwo. Hab ich mir selbst ausgedacht. 🙂 (So viel vorab: Ohne die Meister der Weimarer Malerschule geht da tatsächlich gar nichts!)

Mehr wird aber nicht verraten! Wer neugierig geworden ist, stelle sich morgen,

Donnerstag, 14. März 2019 um
14.30 Uhr im
Otto-Neururer-Saal im
katholischen Gemeindehaus von
Herz-Jesu Weimar

ein. Dann kann man hören und sehen, was ich erzählen und an Bildern zeigen werde. Es ist spannend und garantiert für jeden was dabei! Versprochen! 😉

Cornelie Becker-Lamers

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