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Die Spracherkennung 3/4: Der Saugroboter

Das nachgeholte Sketchlet zum Dritten Advent 2018
Für neun Personen und einen sprechenden Saugroboter

Wundersdorf, Oderbruch. In der Sakristei der Kirche Maria Hilf! Wir erinnern uns: Während unsere Freunde sich auf Anweisung des Weihnachtsmannes in durchaus revisionistischer Manier und unter fachlicher Anleitung konzentriert mit dem Pfarreibestand an Putzwerkzeug beschäftigen, kündigt Herta, die eigens hinzugezogene professionelle Reinigungskraft, noch ein ganz spezielles Mittebringe an. Gespannt verfolgen Richard, Edith und Teresa, Ines und Reimer, Helene, Hanna und Karl, wie Herta sich an ihrer riesenhaften Tasche zu schaffen macht.

Herta (zieht eine etwa 40×40 cm große flache Pappschachtel aus ihrer Umhängetasche und klappt sie auf einem Tischchen auf): Voilà! Ein „Kobold VR200“ von Vorwerk.

Edith (entgeistert): Was ist das denn?

Reimer: Cooooool! Ein Saugroboter!

Herta (nickt): Ein Saugroboter! (Stolz stellt sie die Ladestation an die Erde, baut den Roboter drauf und schaltet ihn ein. Der Sauger fährt sofort los.)

Edith (blickt irritiert in die Runde): Es .. es gibt Saugroboter???

Der Kobold (also der Saugroboter): Aber selbstverständlich! Ich bin zum Beispiel einer! (Er fährt.)

Edith: Aber ich dachte …

Der Kobold: Du glaubst wohl auch noch an den Weihnachtsmann, hä? Hahahahaha!

Helene: Nun sei mal nicht so frech! Wenn du wüßtest, was wir erlebt haben …

Der Kobold: Papperlapapp! Darf ich jetzt endlich richtig loslegen? Ich platze vor Energie! Ich bin voll geladen! Los geht’s! Wo soll ich saugen? Soll dieser kleine Miniraum hier alles sein? (Er fährt durch die Sakristei.)

Ines: „Mini-Raum“ ist gar nicht so schlecht formuliert – aber nein, lieber Kobold, nicht hier. Warte, ich setz dich in die Kirche. (Sie trägt den Saugroboter mit spitzen Fingern und ausgestreckten Armen die Stufe zur Kirche hinunter und setzt ihn auf dem Steinfußboden ab.) Hier kannst du dich voll entfalten. (Der Kobold fährt los.)

Karl: Was hat der so für eine Saugleistung?

Der Kobold (von draußen): Mann oh Mann! Der Raum hier hat’s aber nötig! Diese Wollmäuse um die Bänke drumrum, heidewitzka! (Man hört ihn rauschen.)

Herta (überspielt lächelnd die Reden des Kobolds): Naja, det is bei diesen Jeräten tatsächlich det Problem, de jeringe Saugleistung, jrade uff Teppichen. Aber so uff Hartboden hat jrade der Kobold hier sehr jut abjeschnitten, bei Stiftung Warntest, 92% ham se jemessen, det is beinahe so ville wie en Handstaubsauger schafft.

Teresa: Mama mit dem Besen schafft 100 %.

Herta: Na, der Mensch is imma unasetzlich, det is klar! (Sie zwinkert Teresa zu.)

Ines (für sich): Das hat der Weihnachtsmann ja auch gesagt.

Herta: Wie bitte?

Ines: Ach – nichts! (Sie lächelt.)

Richard: Und wie schnell ist so ein Ding? Ich meine, wie lange bräuchte er für diesen Kirchenraum etwa?

Herta: Also ne halbe Stunde für 20 Quadratmeter, det is so der Richtwert … (sie kann nicht ausreden)

Helene, Ines, Edith und Hanna (wie aus einem Munde): Eine halbe Stunde für 20 Quadratmeter???

Ines: In der Zeit hab ich zuhause noch eine Suppe gekocht und Wäsche aufgehängt! (Sie schnaubt.)

Hanna: Dann ist der ja Stunden zugange!

Helene: Und nach der Hälfte der Zeit ist irgendein Tourist darübergestolpert.

Teresa: Das ist wie mit den Matchboxautos bei „Kevin allein zuhaus“ (Reimer und Teresa lachen sich kaputt.)

Karl: Und das Geräusch … tagsüber wird an unserer Orgel unterrichtet und geübt.

Richard: Guter Punkt! Er müßte also nachts fahren. Das wäre ja soweit kein Problem. Selber aufladen tut er sich ja.

Herta (zieht die Luft ein): Aber nachts … also … det wird schwierig … wejen de Sensoan von wejen de Navijation! Der Kleene muß sich ja zurecht finden! Da braucht der irjendwie Licht ‘zu … ick weeß ooch nich … (Sie kratzt sich am Kopf.)

Der Kobold (von draußen): Eieieieieieiei! In der Ecke war aber lange niemand! Staub bis zum Abwinken. (Er niest.)

Ines (erschrocken): Er hat geniest! (Alle andern blicken sich ebenso entgeistert an.)

Karl: Er hat geniest!

Hanna (hat sofort verstanden): Jetzt ist aller Staub wieder draußen!

(Panisch rennt die ganze Truppe in die Kirche. Geistesgegenwärtig hat Hanna Kehrblech und Handfeger vom Haken gerissen. Sie finden den Kobold im südlichen Querarm, wo er, erratisch, wie es seine Art ist, um den Beichtstuhl drumrumsaugt.)

Ines (zum Kobold, streng): Wo ist der Dreck?

Der Kobold (unschuldig): Welcher Dreck?

Ines (ungehalten): Den du gerade ausgeniest hast!

Der Kobold (noch unschuldiger): Ich hätte Dreck ausgeniest?

Hanna (ungeduldig): Du hast laut und vernehmlich geniest und beim Niesen niest man etwas aus!

Der Kobold (mit diebischer Freude): Hahahaha! Geiles Sounddesign, nicht wahr? (Im Display erscheint eine dunkle Sonnenbrille.)

Edith (resolut): Also jetzt ist Schluß! Ich nehme das Teil auf der Stelle wieder mit in die Sakristei und wir packen es weg. (Sie greift energisch nach dem Saugroboter, der ihr so gut als möglich auszuweichen versucht.)

Der Kobold (im Fahren): Hilfe! Zu Hilfe! Ich werde ergriffen!

Karl (kommt Edith zu Hilfe; zum Kobold): Du machst deinem Namen ja alle Ehre! (Sie gehen zurück in die Sakristei und setzen den Roboter auf dem Boden ab.)

Der Kobold: Gottlob bin ich normalerweise in der Kunsthalle eingesetzt, wo man meine Arbeit zu schätzen weiß! Ohne Anerkennung im Beruf wäre die seelische Belastung im kirchlichen Ehrenamt ja überhaupt nicht auszuhalten! (Er fährt auf die Ladestation.)

(Alle blicken sich betroffen an.)

Hanna (anerkennend): Also – das hätte ich nicht besser formulieren können!

Ines (nickt): Wo er recht hat, hat er recht!

Helene: Jetzt tut er einem ja fast leid!

Edith: Wenn er ein Mensch wäre – ja! Schließlich sind wir alle ein Leib und „das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht“. Aber er ist eine Maschine. Wir schalten ihn aus und vorbei das Leid!

Karl: Du hast recht! Und für unsere Zwecke ist er nunmal unbrauchbar!

Herta (packt den Roboter wieder ein; zerknirscht): Tut mir Leid! Ick dachte, ick tu euch wat Jutet! Ick wollte euch doch nur helfen!

Edith: Das wissen wir ja! Und wir wissen es auch zu schätzen!

Richard: Bloß: Uns ist nicht zu helfen! (Er grinst.)

Fortsetzung folgt

Cornelie Becker-Lamers

Ach ja! Die armen Wundersdorfer! Da müssen sie doch wieder selbst zum Besen greifen! Da hatte der Weihnachtsmann eben doch recht: Ihre Arbeit ist unersetzlich: geräuscharm und zeitflexibel, schnell und gründlich. Das kann nur der Mensch! Aber auch andere haben schon ihre Hoffnung in die neue Technik gesetzt. Wie man sich wohl dort entschieden haben mag?

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