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Oschersleben. Oschersleben? Oschersleben!

Puh, ist das anstrengend, bevor man mal gut im Urlaub ist, und die Erholung einsetzen kann… 😉 Aber jetzt sind wir gut im Ausseer Land (nördliche Steiermark/steirisches Salzkammergut) angekommen und waren sogar schon baden im See!

Ach, Sie dachten nach der Überschrift, wir wären eher im nördlichen Sachsen-Anhalt gelandet, in Oschersleben eben? Nein, nein, doch es gibt etwas zu erzählen über Oschersleben, aber schön der Reihe nach.

Es begann mit der Lektüre eines Artikels aus dem „Tag des Herren“ (unserer lokalen Erscheinungsform der Kirchenzeitung) über die Klosterkirche in Hamersleben.

Wenn sich die Redaktion mit den dortigen Umständen näher beschäftigt hätte, ob sie dann auch diesen Bericht gebracht hätte? Aber ich greife schon wieder vor.

Dort gab es jedenfalls einen Beitrag, in dem ein Pfr. im Ruhestand etwas über die wunderschöne und durchaus bedeutsame romanische Kirche erzählt. Und meine Reaktion nach dem ersten, flüchtigen Anschauen war so, wie sie es eigentlich immer ist, wenn ich von solchen Sakralbauten in Mitteldeutschland höre: Ich warte schon auf den in mancherlei Variationen wiederkehrenden Satz von der „Einführung“ der Reformation 15xx und wie sich dann der bedeutende örtliche Kleinadelige Friedrich von Schießmichtot aus tiefspirituellen Gründen das Kirchenvermögen angeeignet hat, um damit entweder den Nachbarn Graf von Greifschnellerzu mit Krieg zu überziehen, oder sich, im besseren Fall, ein Renaissanceschloß zu errichten, das noch heute den 5 – 6 besten Kennern der nordwest-sachsen-anhaltinischen Architekturgeschichte von 1505-1575 gut bekannt ist, nachdem 1883 eine Dissertation (53 Seiten mit Literaturverzeichnis) darüber erschienen ist, das sich aber leider, nachdem die DDR darin ein Gefängnis betrieben hat in einem deplorablen Zustand befindet…

Hand aufs Herz, wen überfällt bei solchen Geschichten nicht eine leise Trauer? Oder wer leidet nicht still, wenn er solch wunderbare Kirchenräume betritt, in denen kein ewiges Licht brennt? Aber hier ist es anders! Die Kirche ist, wie andere, ähnliche mehr ganz in der Nähe, katholisch! Schier ein Wunder.

Klosterkirche St. Pancratius, Hamersleben

Aber, als wäre das nicht schon erfreulich genug, habe ich mich ein wenig auf der Homepage der Pfarrei St. Marien, Oschersleben umgeschaut. Erst recht, nachdem ich feststellte, daß man dort mit einem Zitat von Nicolás Gómez-Dávila begrüßt wird. Das hat natürlich neugierig gemacht!

Auf diesen gut gepflegten und umfangreichen Seiten traf ich auf die Widerspiegelung eines scheint’s durchaus intensiven Gemeindelebens (sehen Sie sich doch mal dieses reizende Bild aus dem Bereich „Jugend“ [vorletzte Reihe, erstes Bild] an!) vor allem aber auf den Leiter des Pfarrverbunds, Pfr. Christoph Sperling, der unter der Rubrik, „Worte des Pfarrers“, erfrischend deutliche Worte findet, z.B. zum „Tag des Herren“, genauer der reichlich mißglückten Beantwortung einer Frage in der Weihnachtszeit: „Ich bedaure daher, aus seelsorglicher Verantwortung die Frage stellen zu müssen, ob Katholiken noch länger diese Zeitung abonnieren und dadurch unterstützen können.“

Holla, die Waldfee, sage ich da nur!

Oder der folgende Abschnitt aus seiner ganz hervorragenden und in Gänze lesenswerten Predigt zur Pfarreigründung, die bei aller Ernsthaftigkeit und Offenheit auch hinsichtlich der schmerzhaften Elemente von „Strukturreform“ so gar nichts jammeriges an sich hat, aber auch nichts betuliches nach dem Motto: „Wird schon gut gehen“. Einfach prima! (Und übrigens, da wird auch schon mal ein Psalm nach der Vulgata zitiert…): „Wir dürfen Zion tiefer verstehen als ein Bild der Kirche. In einem anderen Psalm wird dieses Zion die „Mutter der Völker“ genannt und es heißt dort: „…von Zion wird man sagen: Jeder ist dort geboren..“ Und deswegen auch: „Alle meine Quellen entspringen in dir.“ (Ps 87) In wem? Kann man eine Stadt mit Du anreden? Die Tochter Zion ist tiefer gesehen niemand anders als Maria. Maria, die Unbefleckte Empfängnis, die Patronin dieser Pfarrkirche und der ganzen neuen Pfarrei, die Mutter Christi, unsere Mutter, das heile Herz der Kirche. Alle unsere Quellen entspringen in ihr, weil aus ihr Christus geboren wird.“

Ob das Bistum Magdeburg da aus schierer Personalnot einen „alten Herrn“ hingeschickt hat, der sich von solch „altmodischem“ Gedankengut noch nicht hat trennen wollen? Ganz im Gegenteil! Schauen Sie sich Pfr. Sperling an, hier auf den Seiten der Malteser, bzw. denen einer lokalen Zeitung; Ob Hochwürden die 40 schon erreicht haben?

PuLa sagt nur:

  1. The times, they are a’changing.
  2. Die Wüste Diaspora lebt.
  3. Danke, Herr Pfarrer!

 

PS: Und natürlich fahren wir da doch mal hin, am besten zu einem Marienfest, da können wir dann nämlich live studieren, wie man so etwas auch in der Diaspora feiern kann (ob Pfr. Sperling zu dem Thema Weiterbildungen anbietet, so über Bistumsgrenzen hinaus?? 😉 )

2 Kommentare

  1. Also ich find die Web-adresse gut: „kathleben“.de

    Schönen Urlaub

    Thomas

    Dienstag, 7. August 2012 um 09:36 | Permalink
  2. Nicht wahr, lieber Kollege? Ich sag ja, die sind auf Zack, „da oben“!
    Es gab dort auch schon Vorträge von Chr. Mewes und A. Kissler, was ich ebenfalls allerhand finde!

    Danke für gute Wünsche, wir bemühen uns nach Kräften 😉

    GL

    Dienstag, 7. August 2012 um 23:11 | Permalink

10 Trackbacks/Pingbacks

  1. Pulchra ut Luna › Frische Brise aus Nordwest… on Donnerstag, 30. August 2012 um 18:22

    […] nicht gleich von der Küste (daran arbeiten wir noch), sondern aus Oschersleben. Wieder mal hat Pfr. Sperling in der Rubrik „Worte des Pfarrers“ zu einem aktuellen Thema […]

  2. Pulchra ut Luna › Ein Unwesen? on Dienstag, 30. April 2013 um 05:59

    […] Heute aber wird der Name dieses bedeutenden Heiligen auf unsere Bitte hin am Altar erklingen, wie es sich gehört, leider nicht durch einen Priester des Bistums Erfurt und auch die 15,71 € des Meßstipendiums sind nun eben „nach Norden“ geflossen, treue PuLa-Leser wissen schon wohin. […]

  3. […] ich die Gelegenheit nutzen, um mich auch noch einmal öffentlich bei dem Initiator der Aktion, Pfr. Sperling aus Oschersleben, zu bedanken! Bedanken nicht bloß für die Idee als solche und die damit natürlich verbundene […]

  4. Pulchra ut Luna › Frische Brise aus Nordwest… on Samstag, 10. August 2013 um 10:39

    […] nicht der treuen Lesern ja mittlerweile wohlbekannte Oscherlebener Pfarrer, Christoph Sperling (hier und hier), sondern sein Vater, Professor em. Lutz Sperling, der sich bereits seit vielen Jahren […]

  5. Pulchra ut Luna › Pastorale Praxis on Donnerstag, 9. Januar 2014 um 19:59

    […] Praxis heraus schreibt Pfr. Sperling aus Oschersleben, treuen PuLa-Lesern seit langem bekannt (hier und hier, z.B.), zu einem Thema, bei dem man sich gemeinhin des Eindrucks fortgeschrittener […]

  6. Pulchra ut Luna › Weimar: Das Internet, Stand 1968? on Donnerstag, 26. Juni 2014 um 23:06

    […] Marien, Oschersleben (unsere Freunde dort durften nicht fehlen! vgl. hier und […]

  7. […] wissen bereits, daß uns der Weg nun schon ziemlich lange in die Gegend um Bad Aussee führt (hier z.B., hier [ganz am Ende] und ganz frisch auch […]

  8. Pulchra ut Luna › Look up and… on Sonntag, 22. März 2015 um 21:12

    […] wirklich, Hamersleben! Wer sich noch erinnert: Hier und […]

  9. […] ich die Gelegenheit nutzen, um mich auch noch einmal öffentlich bei dem Initiator der Aktion, Pfr. Sperling aus Oschersleben, zu bedanken! Bedanken nicht bloß für die Idee als solche und die damit natürlich verbundene […]

  10. Pulchra ut Luna › Das Firmbewerberwochenende on Mittwoch, 17. April 2019 um 07:33

    […] Film aufmerksam machen, den ich auf dem YouTube Kanal der kleinen, aber tapferen Diaspora-Pfarrei Oschersleben bei Magdeburg gefunden habe. Jugendliche oder Kinder haben die Kirchengebote sowie Akte der […]

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