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Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 7

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Getwittert von Herr Rasmus, @herr_rasmus am 7.10.2021
mit der Einleitung:
„Gott ließ uns fallen, und so stürzen wir denn auf ihn zu“. (Der Tunnel). Dürrenmatt war – später ließ er diesen Satz weg – wie auch Rilke nicht sehr gläubig, aber das Bild des Fallens in Gott ist schön. Deshalb passend zur Jahreszeit Rilke.

Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 6

Ob dürftig das Erkennen,
Der Dichtung Flamme schwach,
Nur tief und tiefer brennen
Verdeckte Gluten nach.
Da lachte nicht der leere,
Der übersatte Spott,
Man baute die Altäre
Dem unbekannten Gott.

Und drüber man den Brodem
Des liebsten Weihrauchs trug,
Lebend’gen Herzens Odem,
Das frisch und kräftig schlug,
Das schamhaft, wie im Tode,
In Traumes Wundersarg
Noch der Begeistrung Ode
Der Lieb‘ Ekloge barg.

Wir höhnen oft und lachen
Der kaum vergangnen Zeit,
Und in der Wüste machen
Wie Strauße wir uns breit.
Ist Wissen denn Besitzen?
Ist denn Genießen Glück?
Auch Eises Gletscher blitzen
Und Basiliskenblick.

Ihr Greise, die gesunken
Wie Kinder in die Gruft,
Im letzten Hauche trunken
Von Lieb‘ und Ätherduft,
Ihr habt am Lebensbaume
Die reinste Frucht gepflegt,
In karger Spannen Raume
Ein Eden euch gehegt.

Nun aber sind die Zeiten,
Die überwerten, da,
Wo offen alle Weiten,
Und jede Ferne nah.
Wir wühlen in den Schätzen,
Wir schmettern in den Kampf,
Windsbräuten gleich versetzen
Uns Geistesflug und Dampf.

Mit unsres Spottes Gerten
Zerhaun wir was nicht Stahl,
Und wie Morganas Gärten
Zerrinnt das Ideal;
Was wir daheim gelassen
Das wird uns arm und klein,
Was Fremdes wir erfassen
Wird in der Hand zu Stein.

Es wogt von End‘ zu Ende,
Es grüßt im Fluge her,
Wir reichen unsre Hände,
– Sie bleiben kalt und leer. –
Nichts liebend, achtend wen’ge
Wird Herz und Wange bleich,
Und bettelhafte Kön’ge
Stehn wir im Steppenreich.

A. v. Droste Hülshoff, Vor vierzig Jahren

Getwittert von Gereon Lamers, @GGLamers am 18.11.2021

Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 5

Es ist ein Kirchlein zwischen Felsenbogen
So tief versteckt: wie in den alten Sagen
Hat nächtens drin die Glocke angeschlagen,
Weiß keiner, wer die Glocken hat gezogen.

Erwache, Steuermann! hoch gehn die Wogen;
Ihr Hirten auf, die Herden nach euch fragen;
Ihr Wächter sollt an Schloß und Hütten schlagen,
Wacht auf, wacht auf, bevor der Klang verflogen!

Denn Heerschau halten will in deutschen Gauen
Der Herr und zählen, die ihm treu geblieben,
Eh er den Engel mit dem Schwerte sendet.

Schon bricht’s so dunkelrot durchs Morgengrauen,
Ob’s Blut bedeutet oder feur’ges Lieben,
Es steht in Gottes Hand, die niemand wendet.

-Joseph von Eichendorff, Wacht auf

Getwittert von Nota Bene, @notate_bene am 25. Nov. 2021

Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 4

In western lands beneath the Sun
The flowers may rise in Spring,
The trees may bud, the waters run,
The merry finches sing.
Or there maybe ‚tis cloudless night,
And swaying branches bear
The Elven-stars as jewels white
Amid their branching hair.

Though here at journey’s end I lie
In darkness buried deep,
Beyond all towers strong and high,
Beyond all mountains steep,
Above all shadows rides the Sun
And Stars for ever dwell:
I will not say the Day is done,
Nor bid the Stars farewell.

JRR Tolkien, Journey’s End (LOTR)

 

Getwittert von Gereon Lamers, @GGLamers am 14.10.2021

Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 3

Nur Gold. Nur Licht. Acht hohe Kerzen säumen
In leuchtender Monstranz den Leib des Herrn
Bedächtig winken der Gebete Neumen
Die Seele heim zu ihrem eig’nen Stern.
Und in des Innern Tiefen, weiten Räumen,
Erhellt Gewißheit: Gott ist dir nicht fern.
Und ob sich auch der Hölle Geister bäumen,
ich will mir merken, was ich heute lern:
Die Liebe Jesu heilt von inn’rer Not.
Mit seiner Seele grenzt der Mensch an Gott.

Cornelie Becker-Lamers, Eucharistische Anbetung

 

Getwittert am 4.11.2021 von @Jucobela

Der Buch-Geschenktip zum Adventskalender, Nr. 1

“…qui tribuit mihi intellectum” (Ps 15,7)

Die folgende Besprechung  hatte ich ursprünglich für den Sommer 2021 zugesagt und die Verzögerung ist mir mehr als peinlich, denn es handelt sich um ein Rezensionsexemplar. 

An der Qualität des Buches hat es jedoch in keiner Weise gelegen! Eher ist sozusagen das Gegenteil der Fall, mir fiele auch heute noch mehr zu dem Thema ein, als ich in einer für den vorliegenden Zweck angemessenen Länge unterbringen kann! Bitte sehen Sie es mir daher nach, wenn ich jetzt den in weiten Teilen im August 2022 entstandenen Text irgendwo nur gewissermaßen “abbreche”, aber nicht wesentlich kürze; so Gott will wird hier auch noch einmal von den Psalmen die Rede sein! 😉  

Zur Jahreswende 2020/2021 erschien in der Verlagsbuchhandlung Sabat, Kulmbach von 

Rodrigo H. Kahl OP, Die liturgischen Psalmen der lateinischen Kirche,
lateinisch-deutsch, Textfassung der Vulgata, Wörtliche Übersetzung, Traditionelle geistliche Deutungen
560 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 24,95 €
ISBN 978-3-943506-70-9

So sieht es aus: 

Kahl, Die Liturgischen Psalmen […] (eigenes Bild) 

Eine 28-seitige “Einführung mit Literaturbericht“ geht dem Hauptteil voran, der beschlossen wird von einer 5-seitigen Bibliographie.
Eine typische Doppelseite sieht so aus:

Kahl, Die Liturgischen Psalmen […], S. 72 f. (eigenes Bild)

Mal gibt es noch mehr, häufiger nehmen die Anmerkungen aber eher weniger Platz ein.  

Jede Beschäftigung mit den Psalmen bedarf wohl keinerlei Begründung, ihre Bedeutung in allen christlichen Konfessionen und, natürlich, dem Judentum ist bekannt und auch weniger (formal) religiöse Leser haben ihre Hochschätzung immer wieder zum Ausdruck gebracht, mein Lieblingszitat in diesem Zusammenhang bleibt dies von Rainer Maria Rilke: 

„Ich habe die Nacht einsam hingebracht in manch innerer Abrechnung und habe schließlich, beim Scheine meines noch einmal entzündeten Weihnachtsbaumes, die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher, in dem man sich restlos unterbringt, mag man noch so zerstreut und ungeordnet und angefochten sein”

Rilke: Skeptisch gegenüber dem organisierten Christentum, ja, dem Messias-Ereignis überhaupt, aber den Weihnachtsbaum “noch einmal“ entzünden, jaja, am Ende gar am 2. Februar (1934)… 😉 

Aber, so mögen Sie nun einwenden, warum Lateinisch-Deutsch? Und langjährige PuLa-Leser könnten hinzufügen: Das hatten wir doch schon. In der Tat, wir hatten schon 2014 einen ganzen (ziemlich aufwendigen) Psalmen-Adventskalender und haben dort die gewählten Ausschnitte bereits auch in Latein gebracht.

Worauf ich damals nicht intensiv eingegangen bin, ist das ‘Warum’ der lateinischen Sprache für die Beschäftigung mit dem Psalter. Das stand damals nicht im Vordergrund (sondern die Auslegung durch R. Spaemann) und außerdem fand ich, das bedürfe im katholischen Kontext auch gar keiner Begründung!
Das finde ich selbstverständlich nach wie vor, aber – das war auch damals schon nicht die ganze Geschichte und außerdem lassen mich persönliche Erfahrungen, die ich in der Zwischenzeit gemacht habe, heute erkennen, daß meine damalige Haltung ein wenig naiv war (aus heutiger Sicht obendrein naiv optimistisch , ich nenne nur die Stichwörter “Traditionis Custodes” und “Vatikanische Rechtstexte”, aber das steht auf einem anderen Blatt 🙁 ). 

Allerdings: Naiv, ja, jedoch nicht hochnäsig-ästhetizistisch, wie einem das so gern von einschlägiger Seite vorgeworfen wird! Denn die Regelmäßigkeit, mit der ich schon vor Jahren und dann immer wieder den lateinischen Text in jedem sich bietenden Kontext verwendet habe, geht eben nicht darauf zurück, daß ich selbst ein großer “Lateiner” wäre, für den das alles selbstverständlich ist, und der (so ja immer das untergründige Ressentiment) vorwiegend aus Distinktionsgründen so handelt (in diesem Teil Deutschlands gern auch noch mit einem halblauten: “Wessi, halt!” kombiniert). 

Lassen Sie mich daher bitte kurz darauf eingehen, wie das bei mir ganz persönlich war, mit dem Psalmen und dem Latein, bevor wir auf das Buch zurückkommen, denn dann, und vielleicht nur so, werden Sie (hoffentlich) meine Bewertung richtig verstehen! 

Es war in der nun glücklicherweise schon etliche Jahre zurückliegenden Phase meines Wegs zu mehr Kirchlichkeit, den ich armes Kind der Konzilsgeneration so dringend nötig hatte, und obendrein in einer dienstlich-persönlich schwierigen Zeit, als ich den Beschluß faßte, die Psalmen zu lesen und, hoffentlich, zu beten, denn, s.o., soviel wußte man ja, ganz viele, ganz verschiedene Menschen waren davon seit unglaublich langer Zeit begeistert und hatten darin Halt gefunden. Also habe ich eine Bibel genommen, angefangen zu lesen und – es „funktionierte“ nicht! Die Texte “sprachen nicht” zu mir, ich fand sie blaß und wenig inspirierend. Ich hatte, naheliegenderweise, in die “Einheitsübersetzung” (alte Fassung) geschaut, denn damals hatte ich z.B. von der Allioli-Bibel, zum Beispiel, noch nicht einmal gehört. 

Heute bete ich jeden Abend die Komplet in der Form des Alten Ritus und immer häufiger auch die Laudes, morgens, im Zug nach Erfurt 🙂 , und möchte, ja, könnte mir auch darüber hinaus ein Leben ohne die Psalmen in der ‘Textfassung der Vulgata’ gar nicht mehr vorstellen. Wie genau der Weg dahin verlief, weiß ich tatsächlich gar nicht mehr genau, aber Gott sei Dank habe ich nicht nur meiner kleinen negativen persönlichen Erfahrung vertraut, sondern darauf, daß an der Größe dieser Tradition ja etwas dran sein mußte! 😉 .  

Aber auf Einzelheiten kommt es ja auch in unserem Zusammenhang nicht an. Wichtig ist hier: Ich habe eine der Grundannahmen dieses Buchs lange vor seinem Erscheinen selbst erlebt! Ich kann aus eigener Anschauung sagen, der Verfasser hat völlig recht, wenn er in der Einführung unter der Überschrift: “Vergebliche ‘Verbesserungs’-versuche im 20. Jahrhundert” schreibt:

Die Versuche im 20. Jahrhundert (Bea-Psalmen, Neovulgata) haben einen anderen Zuschnitt (ebenso wie die deutsche Einheitsübersetzung). Sie wirken fremd, kalt und ohne Tradition und werden keine Zukunft haben. Die Bea-Psalmen – am Anfang hochgepriesen – waren nach nicht einmal 20 Jahren schon wieder im Papierkorb der Liturgiegeschichte verschwunden.

Wiederum kommt es auf die Einzelheiten nicht an (aber belesen Sie sich ruhig zum Bea-Psalter und der Nova Vulgata, es ist eine spannende, wenn auch vorwiegend traurige Geschichte), wichtig ist: Was R. Kahl hier negativ formuliert, kann ich positiv gewendet nur ganz dick unterstreichen. Der Psalter ist von allem Anfang an religiöse Dichtung. Jede Übersetzung (und das ist ja auch die [“klassische”] Vulgata!) muß sich wesentlich daran messen lassen, ob sie diesen Charakter zu erhalten in der Lage ist, für den liturgischen und gerade für den privat-andächtigen Gebrauch! Die Einheitsübersetzung scheitert daran m.E. nachgerade spektakulär, die Vulgata hingegen “klingt”, reißt mit, läßt erschaudern, und erhebt! 

Weiterhin ist es diese Fassung des Psalters, die wesentliche Teile unserer Kultur geprägt hat, nicht zuletzt der Musik, natürlich!
Ich schweige jetzt von der fortdauernd problematischen Entwicklung, die vor diesem Hintergrund die Verwendung der Psalmen in der Liturgie des Novus Ordo genommen hat. Spätestens seit die Einheitsübersetzung in der Fassung von 2016 auch in den Texten für die Kantoren im sog. “Zwischengesang” (schon dieses Wort: “Zwischen-Gesang”, wie tief unangemessen! 🙁 ), angekommen ist, wurde deutlich: Hier hat sich vermeintliche philologische Korrektheit gegen die gottesdienstlichen Notwendigkeiten durchgesetzt und das Ergebnis ist – fürchterlich! (für die cognoscenti: “Lebenskraft”… z.B.).

Gut, Sie merken, man könnte hier immer weiter schreiben, aber, siehe oben, das machen wir jetzt nicht, sondern kommen auf das Buch zurück. 

Sein Ansatz für die Übersetzung ist, den lateinischen Text im Deutschen so genau wie möglich wiederzugeben, um ihn optimal transparent und verständlich zu machen.  Daß auf diese Weise kein deutscher Text mit literarischem Anspruch entsteht, ist klar, aber das ist eben auch gar nicht beabsichtigt, denn der lateinische Text soll ja das primäre bleiben.  Und das gelingt ganz hervorragend!
Freilich, auf diese Weise bleiben Verständnisprobleme bestehen und keineswegs alle werden in den Anmerkungen aufgelöst. Man merkt dem Werk hier an, daß es ursprünglich aus der Unterrichtssituation des Autors im Priesterseminar der Petrusbruderschaft (FSSP) in Wigratzbad entstanden ist, dort konnten und können die Eleven halt nachfragen. Der bloße Leser hätte sich hier liebend gern mehr, viel mehr an “Apparat” vorstellen können und zumindest ich persönlich hätte auch eine etwas “ruhigere” Typografie besser gefunden.

Aber das sind absolute Kleinigkeiten im Vergleich zu der großen, großen Hilfe, die dieses Werk allen bietet, die versuchen wollen, sich den Psalmen so zu nähern, daß sie ihr oder ihm zu einem wahrhaftigen persönlichen Gewinn werden, geistig und kulturell aber vor allem  geistlich!
Und damit ist es selbstverständlich ein geradezu ideales Geschenk, oder? 

Der aufgerufene Preis von knapp 25 € erscheint mir tatsächlich für das Gebotene mehr als günstig und am besten bestellen Sie ggf.  direkt beim Verlag, hier noch einmal der Link direkt auf das Buch

 

Gereon Lamers

 

Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 2

Vor einem hellen Marienbild
Spielte ein Bettler die Geige.
Die Vögel sangen im Herbstgefild,
Der Tag ging schon zur Neige.

Er spielte der Reben süße Last,
Die hingen ihm bis zur Stirne,
Er spielte den reifen Apfelast
Und der Berge schneeige Firne.

Er spielte der blauen Seen Licht,
Die leuchteten ihm aus den Augen.
Er sang zu der Geige und immer noch nicht
Wollte das Lied ihm taugen.

Da sang er den Mond und die Sterne dazu
Die konnte er alle verschenken
Und weinte des Waldes einsame Ruh,
Die tät seine Geige tränken.

Er spielte und sang und merkte kaum
Wie Maria sich leise bewegte
Und ihm beim Spiel ihrer Hände Schaum
Auf die wehenden Locken legte.

Er drehte beim Spiele sich hin und her,
Das tönende Holz unterm Kinne.
Er wollte, daß seine süße Mär
In alle vier Winde zerrinne.

Da stieg die Madonna vom Sockel herab
Und folgte ihm auf seine Wege.
Die gingen bergauf und gingen bergab
Durch Gestrüpp und Dornengehege.

Er spielte noch, als schon der Hahn gekräht
Und manche Saite zersprungen.
Auf Dreien spielt er die Trinität
Auf zweien die Engelszungen.

Zuletzt war es nur noch das heimliche Lied
Vom eingeborenen Sohne.
Maria deckte den Mantel auf ihn
Darin schläft er zum ewigen Lohne.

Hugo Ball, Legende

 

Getwittert von Gereon Lamers, @GGLamers am 25.11.2021

Der #KatholischeDichtungamDonnerstag-Adventskalender, Tag 1

Ich sturbe gerne von minnen
mehte es mir geschehen
den jenen den ich minne
den hân ich gesehen
mit mînen liehten ougen
in mîner sêle stân

Mechthild von Magdeburg

Getwittert von Sabine, @Sabine44509768 am 12.8.2021
(vielleicht heißt es auch “möhte”)

Der #KDaD-Adventskalender – Vorabend

Wie in jedem Jahr bemerkte man das Herannahen der adventlichen Zeit, nein, nicht an den Lebkuchen, die um den 10. September in die Geschäfte geräumt wurden, gegen diese Absurdität sind wir inzwischen weitestgehend immun (und es ist ja auch viel zu früh, um hier sinnvoll von irgendeiner Form des ‘Nahens’ sprechen zu können), sondern an einem ganz anderen “Ort”.
Auf “X” nämlich, ‘the platform formerly known as Twitter’. Dort streiten sich nämlich in der Voradventszeit immer wieder Nutzer, vorwiegend Amerikaner, um die Frage, ob es eigentlich sündhaft sei, vor Weihnachten, oder gar schon vor dem Advent Weihnachtsdekoration und weihnachtliches Brauchtum zu installieren, respektive zu pflegen. 

Eine lustige Debatte, häufig auch wohl nicht ganz ernst geführt, sondern mit angelsächsischem “tongue in cheek”. Zumeist ist sie lustig, jedenfalls. Manchmal kann sie auch ganz unerwartet richtig verbissen ausarten und endet mit gegenseitigen “Blockaden”, was ich immer sehr traurig finde.
Nicht, daß das Thema nicht grundsätzlich ernst wäre! Natürlich ist es das. Schon oft haben wir auf PuLa beklagt, wie Menschen die Weihnachtszeit geradezu „wegschmeißen“, indem sie sie auf ihre Äußerlichkeiten reduziert viel zu früh beginnen und dann am 26ten oder 27ten den Baum “entsorgen”, ohne daß sich ihnen von dem, was Weihnachten ausmacht, etwas wirklich mitgeteilt hätte.
Nur ist es eben keine Lösung, solche Leute zu beschimpfen, sondern es gilt, ihnen ebenso entspannt wie entschlossen vorzuleben, wie es richtig gehen kann, auf keinen Fall aber darf man die Sehnsucht nach Tradition(en) und Ritual(en), die sich hier, wenn auch irregeleitet, Bahn bricht ins Lächerliche ziehen, vielmehr gilt es, sie zu nutzen, damit auch diese Menschen irgendwann verstehen können, worum es wirklich geht! 

Der diesjährige Adventskalender auf PuLa wird jedenfalls etwas mit Social Media, genauer mit (bleiben wir noch ein wenig beim alten Namen) Twitter zu tun haben, aber ich verspreche Ihnen, Sie werden ihn auch ohne Affinität zu diesem Phänomen genießen können! 

Zuvor aber gibt es aber noch eine Restante dieses zu Ende gehenden Kirchenjahres abzuarbeiten.

Sie wissen, zum Adventskalender jeden Jahres gehört auch das aus ihm in irgendeiner Form thematisch hervorgehende „Bildnis des Bloggers mit seltsamer Kopfbedeckung”. Und das sind wir Ihnen bisher schuldig geblieben. Heute, und damit zugegeben am letztmöglichen Tag, kommt es aber doch! Sie erinnern sich, der zurückliegende Adventskalender beschäftigte sich mit Konversionen, bzw. den Menschen, die diese Gnade erfahren durften. Und zu diesem sehr diversen Personenkreis gehörte auch: John Wayne.
Wer jetzt sagt: “Und bei der Vorlage habt ihr bis zum letzten Tag des Kirchenjahres gebraucht, mit dem Bild?!”, dem wollen wir gar nicht widersprechen, aber so war es eben.

Egal, wie immer: Enjoy: 🙂

Bildnis der Bloggers mit eigentümlicher Kopfbedeckung für das Kirchenjahr 2022/23 (eigenes Bild)

Dann möchte ich eine alte Tradition der Adventskalender als Variation wieder aufleben lassen, nämlich Sie an den Lektüreerfahrungen des zurückliegenden Jahres teilhaben zu lassen. Diesmal in der Form von Kurzrezensionen dreier Bücher, jeweils an den Samstagen, die zugleich als Geschenktips dienen können (drei Bücher, denn am Samstag, den 23ten ist es dafür ein wenig spät 😉 ). Ich hoffe, die Bücher, von denen nur eines ganz explizit katholisch ist, gefallen Ihnen!

Geschenktips für Weihnachten 2023 (eigenes Bild)

Was hat es aber nun mit dem Hashtag und der komischen Abkürzung in der Überschrift auf sich?
Sie steht aufgelöst für
“Katholische Dichtung am Donnerstag” (auf Twitter/X finden Sie tatsächlich die Langform als Hashtag: #KatholischeDichtungamDonnerstag) und es handelt sich um ein spontan entstandenes Twitter-”Projekt” des Jahres 2021.
Und zwar des ganzen Jahres 2021! Ganz genau weiß ich schon gar nicht mehr, wie es losging, eine Nutzerin hatte, glaube ich, ein ‘katholisches Gedicht’ getwittert und ich hatte die Idee, daraus eine Gemeinschaftsaktion zu machen, dergestalt, daß alle, die mittun wollten, ein Jahr lang am Donnerstag je ein solches Werk (ggf. in Auszügen) twittern sollten. 

Und zu meiner großen Freude hat das geklappt! An 52 Donnerstagen haben so Menschen aus dem deutschsprachigen Raum und sogar darüber hinaus Gedichte katholischer Autorinnen und Autoren (oder solche, die sich anderweitig als „katholische” qualifizierten)  ausgesucht und präsentiert. 

Eine richtig schöne Erfahrung, die zeigt, wozu die vielgescholtenen Social Media eben auch genutzt werden können, in den richtigen Händen! Gemeinschaft schaffen, Spontaneität erlauben und Kultur verbindend werden zu lassen. Nicht schlecht, oder?

Ich habe die deutlich über 200 Gedichte, die so zusammengekommen sind, jedenfalls als große und dauerhafte Bereicherung erfahren, und ich glaube, es ging den Mittuenden nicht anders. 

Nun ist an dieser Stelle leider ein kleiner Exkurs zu dem, was in den vergangenen zwei Jahren rund um die Plattform geschehen ist, unvermeidlich.

Vermutlich hat nun wirklich jede und jeder, die/der einen Computer bedienen kann (und ergo alle, die das hier lesen 😉 ) mitbekommen, daß Twitter unter Aufsehen erregenden Umständen von einem gewissen Elon Musk gekauft wurde. Für 44 Mrd. Dollar… Seitdem gibt es dort verschiedene Entwicklungen, die ich teils bedauerlich finde, teils sehr erfreulich.

Zu den bedauerlichen zählt, daß man, ohne angemeldet zu sein (wofür es selbstverständlich allererst einen Account braucht), praktisch kaum noch etwas auf X zu sehen bekommt. Und das ist für das Vorhaben der nächsten 24 Tage natürlich hinderlich! Ich kann nicht direkt auf die Beiträge verlinken! Und auch die Umbenennung als solche finde ich schlicht deppert.
Zu Herrn Musk und seinen Aktivitäten insgesamt habe ich eine sehr differenzierte Meinung, was uns aber auf einem katholischen Blog nicht zu interessieren braucht.
Nur die geradezu hysterische Reaktion aller, die sich irgendwie für “fortschrittlich” (oder so) halten, die darauf hinausläuft, mit ihm sei das Ende von “Demokratie” und Meinungsfreiheit auf der Plattform ausgebrochen, das ist, mit Verlaub, absoluter Unsinn.
Wer so redet, hat offensichtlich das extrem hilfreiche neue Format der “community notes” nicht begriffen, oder – lehnt es ab, warum wohl? Und der will wohl auch nicht, daß über die sog. “Twitter files” weiter gesprochen wird, die wirklich krasse Ansätze zur Zensur durch die US-Regierung aufgedeckt haben, warum wohl?
Ich will es Ihnen sagen, warum das so ist, denn für uns war es ganz leicht zu erkennen, wir kennen diese Art von Reaktion schon seit den Anfängen von PuLa: Es ist die Furcht vor dem Verlust der Deutungshoheit.
Immer noch und in immer neuen Wendungen. Nichts anderes.

Außerdem macht mir ein exzentrischer US-Milliardär kategorial weniger Sorgen als die Bestrebungen einer weitgehend anonymen Riesen-Institution wie  der EU-Kommission, etwa zur Chatkontrolle. Wenn Sie auf diesem Feld auch nur anfangen wollen, sich zu gruseln, hier ein kleiner Einstieg (und heise ist dezidiert ein eher “linker” Verlag!)

Nun aber genug davon! Heute gibt es, wie immer, einen Vorgeschmack auf das, was Sie im kommenden, heuer ja recht kurzen Advent erwartet und “Morgen geht’s los!“ 🙂 

Gewalt der Stille

Wir sind so sehr verraten,
von jedem Trost entblößt,
in all den wirren Taten
ist nichts, das uns erlöst.

Wir sind des Fingerzeigens,
der plumpen Worte satt,
wir woll’n den Klang des Schweigens,
das uns erschaffen hat.

Gewalt und Gier und Wille
der Lärmenden zerschellt.
O komm, Gewalt der Stille,
und wandle du die Welt.

Werner Bergengruen

Getwittert von Nota bene, @notate_bene am 2.12.2021

 

PS: Wer dächte hier nicht an das Buch von R. Kardinal Sarah: Kraft der Stille, Gegen eine Diktatur des Lärms?!

Gereon Lamers

„Wie eine Pflanze gepflegt“

Der Katholische Kindergarten St. Elisabeth Weimar wird 100

 

Kindergärten stammen aus Thüringen.

Das wäre richtig, wenn es denn im 19. Jahrhundert Thüringen und nicht nur die acht verschiedenen Herzog- und Fürstentümer gegeben hätte, aus denen nach Ende des Ersten Weltkriegs das Land Thüringen – zunächst ohne das preußische Erfurt –zusammengesetzt wurde. So muß man präzisieren, daß die Idee eines „Kindergartens“ zum ersten Mal in Blankenburg im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt realisiert wurde.

Aber Sie sehen, es gilt wieder einmal: Wer hat’s erfunden? – Mitteldeutschland! 😉

Natürlich gab es auch zu dieser Art von Kindergarten Vorstufen. Aber die Ideale Friedrich Fröbels, nach denen die Kleinen wie eine Pflanze gehegt und gepflegt aufwachsen sollten, wurden eben zum ersten Mal 1840 im thüringischen Blankenburg konkret umgesetzt.

Das war den Preußen, so liest man, alles zu sanftmütig. Man war zwar nicht prinzipiell gegen die gemeinsame Betreuung von Kindern. Aber alles schön staatlich organisiert. So daß man 1851 in Preußen Kindergärten zunächst einmal verbot.

Minna Schellhorn, eine Schülerin Fröbels, scherte sich allerdings nicht um die Verbote, die im nahen westlichen Ausland greifen mochten, und gründete im selben Jahr den ersten Kindergarten nach Fröbels Erziehungsmaßstäben in Weimar, in der Erfurter Straße.

Bis es den ersten Katholischen Kindergarten in Weimar gab, dauerte es im Kernland der Reformation mal wieder noch ein paar Jahrzehnte. Aber 1923 war es so weit. Die nach ihrem Habit so genannten Grauen Schwestern, seit 3. Oktober 1919 in Weimar ansässig, gründeten einen Kindergarten, den sie nach ihrer Patronin St. Elisabeth nannten.

Unser Weihbischof Reinhard, bekanntermaßen Weimaraner und von daher selber einstiger Zögling dieser Einrichtung, zelebriert aus diesem Grunde zur Stunde ein Festhochamt in Herz Jesu (welches wir – Sie merken es – leider selber nicht besuchen können. Aber wir nehmen selbstverständlich inneren Anteil an der Sache). Denn es ist der 19. November, der Gedenktag der Heiligen Elisabeth, und man stellt dieses Fest dem besonderen Ereignis zuliebe einmal nicht – wie sonst vorschriftsmäßig die Heiligengedenktage – hinter den Sonntag zurück.

Nach wie vor ist nicht allen Gemeindemitgliedern bewußt, daß der Kindergarten gar nicht mehr zur Pfarrei gehört. Da er nach wie vor auf der Homepage unserer Pfarrgemeinde auftaucht, ist das auch niemandem zu verdenken. Aber PuLa-Leser erinnern sich: Am 1. Juli 2013  ging die Zuständigkeit von der Pfarrgemeinde auf die Trägergesellschaft Sankt Martin der Caritas über.

Daß die Entscheidung zu diesem Übergang damals mal wieder als recht einsame Entscheidung ohne Beratung in einer Gemeindeversammlung per Umlaufbeschluß im Pfarrgemeinderat gefallen ist (immerhin schrieb der PGR damals noch Protokolle und hängte sie auf das nachdrückliche Drängen etlicher Gemeindemitglieder auch aus, so daß man zumindest nachträglich von den Beschlüssen, die alle angehen, erfuhr. Das ist seit der Umstrukturierung dieser Gremien im Jahr 2016/17 leider anders) – wie gesagt: daß und wie diese Entscheidung gefallen ist, erregt nach wie vor die Gemüter und es ist sicherlich spannend zu hören, ob und wenn ja wie der Weihbischof sich auch zu diesem Umstand heute geäußert haben wird. Kommunikation und Informationsfluß können ja dem Zusammenhalt einer Gruppe eigentlich immer nur dienlich sein und es ist bedauerlich, daß an dieser wie an so vielen andern Stellen unserer Pfarreigeschichte hinsichtlich des Warum und Weshalb die Große Erzählung fehlt, auf die sich alle Gemeindemitglieder einigen können und die irgendwie alle kennen.

 

Zum Abschluß habe ich deshalb noch etwas Schönes für Sie. Etwas, was nicht geheimgehalten wird und was jeder kennen kann. Sie erinnern sich, daß es zum 100. Jahrestag der Ankunft der Elisabethschwestern in Weimar am 3. Oktober 2019 einen Festakt gab, den die Cäcilini musikalisch zu gestalten ganz offiziell (wenn auch wie immer ohne einen Cent Aufwandsentschädigung) beauftragt worden waren. Damals habe ich, nach Gesprächen mit Schwester Petra oben im dritten Stock des alten Elisabethheims, auch ein Lied zur Ankunft der Schwestern nach dem Ersten Weltkrieg verfaßt. Da kommt zwar der Kindergarten nicht vor, aber die ganze Zeit und die Lebensumstände direkt nach dem Ersten Weltkrieg sind glaube ich ganz gut eingefangen.

Ich habe das Lied vor wenigen Monaten online gestellt und möchte es Ihnen hier vorspielen. Enjoy 🙂

 

Cornelie Becker-Lamers