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Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 24

Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns sogar geschenkt, auf dessen Schulter die Herrschaft gelegt wurde und dessen Name lautet “Erstaunlicher Ratgeber, starker Gott, Fürst des Friedens, Vater der kommenden Welt”.
(Jes 9,6)

Parvulus enim natus est nobis, et filius datus est nobis, et factus est principatus super humerum ejus: et vocabitur nomen eius, Admirabilis, Consiliarius, Deus, Fortis, Pater futuri sæculi, Princeps pacis.

 

Und sie gebar ihren Sohn, den erstgeborenen, und sie wickelte ihn und legte ihn nieder in einer Krippe, weil nicht war für sie ein Platz in der Unterkunft.
(Lk 2,7)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 23

Leuchte, leuchte, Jerusalem, denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir aufgegangen!
Siehe, Finsternis und Dunkel werden die Erde verhüllen über die Völkerschaften hin; über dir aber wird der Herr erscheinen, und seine Herrlichkeit wird über dir sichtbar sein.
(Jes 60,1f.)

Surge, illuminare, Jerusalem, quia venit lumen tuum, et gloria Domini super te orta est.
Quia ecce tenebræ operient terram, et caligo populos; super te autem orietur Dominus, et gloria eius in te videbitur.

 

Wieder nun redete zu ihnen Jesus, sagend: Ich bin das Licht der Welt; der mir Folgende geht gewiß nicht umher in der Finsternis, sondern er wird haben das Licht des Lebens.
(Joh 8,12)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 22

Dieser trägt unsere Sünden und leidet um unsertwillen. Und wir urteilten über ihn, daß er in Not, unter einem Unglücksschlag und im Elend sei.
Er aber wurde verwundet um unserer  Gesetzlosigkeiten willen und ist gebrechlich gemacht um unserer Sünden willen: Unsere Erziehung zum Frieden ruht auf ihm, durch seine Strieme wurden wir geheilt. Wir alle gingen wie Schafe in die Irre, jeder Mensch ging auf seinem Weg in die Irre; und der Herr übergab ihn für unsere Sünden.
(Jes 53, 4-6)

Vere languores nostros ipse tulit, et dolores nostros ipse portavit; et nos putavimus eum quasi leprosum, et percussum a Deo, et humiliatum.
Ipse autem vulneratus est propter iniquitates nostras; attritus est propter scelera nostra: disciplina pacis nostræ super eum, et livore ejus sanati sumus.
Omnes nos quasi oves erravimus, unusquisque in viam suam declinavit: et posuit Dominus in eo iniquitatem omnium nostrum.

 

Der unsere Sünden selbst hinauftrug an seinem Leib auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch dessen Striemen ihr geheilt wurdet. Denn ihr wart wie irrende Schafe, aber ihr wandtet euch jetzt hin zum Hirten und Aufseher eurer Seelen.
(1 Petr 2,24f.)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 21

Jakob, mein Knecht, ich werde an ihm festhalten, Israel, mein Erwählter, angenommen hat ihn meine Seele. Ich habe meinen Geist auf ihn gegeben, Recht wird er den Völkerschaften hinausbringen.
Er wird nicht schreien und nicht seine Stimme erheben, und seine Stimme wird draußen nicht gehört werden.
Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen qualmenden Docht wird er nicht auslöschen, sondern in Wahrheit wird er Recht hinaus bringen.
Er wird aufleuchten und nicht zerbrochen werden, bis er auf Erden Recht eingesetzt hat; und auf sein Gesetz werden Völkerschaften hoffen.
(Jes 42,1-4)

Ecce servus meus, suscipiam eum; electus meus, complacuit sibi in illo anima mea:
dedi spiritum meum super eum: judicium gentibus proferet.
Non clamabit, neque accipiet personam, nec audietur vox ejus foris.
Calamum quassatum non conteret, et linum fumigans non extinguet: in veritate educet judicium.
Non erit tristis, neque turbulentus, donec ponat in terra judicium; et legem ejus insulæ exspectabunt.

 

Und siehe, eine Stimme aus den Himmeln, sagend: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen fand.
(Mt 3,17)

Das Orgateam (4/4)

Ein Sketchlet zum Vierten Advent für dreizehn Personen und viele Statisten

Wundersdorf, Oderbruch. Im Wohnzimmer der Familie Langenfeld. Edith sitzt im Schaukelstuhl am Kachelofen, das Telefon am Ohr, und schaukelt.

Edith: Ja klar – da können wir was machen. (Sie lauscht.) Jaaaa. Die haben eigentlich zur Zeit Luft. Also müßte drin sein. Ich rede mit ihr. Wir sind auf jeden Fall da. (Sie lauscht.) Machen wir so. (Sie rekapituliert.) Den Marcello und den Purcell, die Quantz-Duette und den Corelli vom letzten Januar. Alles klar! (Sie lauscht.) Jau! Dir auch! – Ja! Bis dahin! Gruß an Hermann! Ja-a, mach ich! Ja! Tschüß! (Sie legt auf.)

Nanu? Das klingt ja nach Verabredungen zum Musizieren? Skandal!!! Was ist da los? Ganz einfach: Da die Gemeinde derzeit „wegen Corona“ nicht singen soll, gibt es Anfragen, wer in der Messe musizieren könnte. Silke hat, geistesgegenwärtig wie immer, die Chance genutzt, die kleinen Instrumentalkreise zu reaktivieren, die man im kommenden Mai zum Spreewaldrock-Festival sowieso wieder brauchen wird – Stichwort: „Wir bringen die Band wieder zusammen.“ 

 Edith läßt ihre Gedanken um die Musikstücke schweifen. Leise summt sie vor sich hin.

***

Sie steht im Kindergarten vor der Pinnwand. Eine Kuchenliste ist ausgehängt, auf der schon einige Frauen ihre Angebote eingeschrieben haben. Da kommt der Leiter des Kindergartens aus seinem Büro. Es ist Ediths alter Klarinettenlehrer. „Und Sie?“ fragt er freundlich, „bringen Sie wieder einen kleinen Kanon mit?“ Hanna ist da und trägt sich in die Liste ein. Plötzlich ist die Kuchenliste keine Kuchenliste mehr, sondern jede Familie hat sich mit einer Komposition oder einem Lied eingetragen: Name, Musikstück, Tonart, Besetzung. Edith steht auf dem baufälligen Turm der Wundersdorfer Kirche. Ein vierköpfiges Blechbläserensemble bläst einen Choral in die Stadt. „Nicht nur Silke kann in g-moll komponieren“, sagt Ediths verstorbener Vater. Er trägt den Tweedanzug, den sie an den Weihnachtsmann ausgeliehen hat. Sie steht in der alten Taufkapelle mit Ines und Helene. Der Weihnachtsmann hält die drei goldenen Kugeln des Nikolaus in die Höhe. Sie beginnen sich aufzulösen und schweben als himmlische Klänge durch den Raum. „Das ist mein eigentlicher Schatz“, sagt er und wächst zu unheimlicher Größe heran. Sie stehen auf dem Kirchplatz, auf dem ein ganzes Orchester aus Gemeindemitgliedern die himmlischen Klänge produziert. „Viele von ihnen kannte ich noch gar nicht“, sagt der Pfarrer. Edith schaut ihn an. Er trägt einen weißen Mundschutz. Plötzlich reduzieren sich die Melodien auf einen Klingelton. Edith greift nach der Geige des Konzertmeisters, aber auch sie kann nur den Klingelton spielen.

***

Teresa (unwirsch): Mamaaa! Bist du taub? (Sie nimmt den Hörer in die Hand.) Hallo Silke! (Sie lauscht.) Doch, Mama ist noch da. Sie hatte das Telefon auf dem Schoß. Aber ich glaube (sie kichert), sie war gerade richtig ein bißchen eingeschlafen.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 20

Und hervorkommen wird ein Schössling aus der Wurzel Jessais, und eine Blume wird aus der Wurzel emporsteigen.
Und auf ihn wird sich niederlassen der Geist Gottes, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Ratschlusses und der Macht, der Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit; erfüllen wird ihn der Geist der Furcht Gottes. Er wird nicht nach dem (äußeren) Glanz richten und nicht nach dem Gerede zurechtweisen,
sondern er wird für den Niedrigen Recht schaffen und zurechtweisen die Niedrigen des Landes; und er wird schlagen das Land mit dem Wort seines Mundes und mit einem Hauch aus den Lippen den Gottlosen töten;
und er wird mit Gerechtigkeit gegürtet sein um die Hüfte und mit Wahrheit umhüllt an den Seiten.
(Jes 11.1-5)

Et egredietur virga de radice Jesse, et flos de radice ejus ascendet.
Et requiescet super eum spiritus Domini: spiritus sapientiæ et intellectus,
spiritus consilii et fortitudinis, spiritus scientiæ et pietatis;
et replebit eum spiritus timoris Domini. Non secundum visionem oculorum judicabit,
neque secundum auditum aurium arguet;
sed judicabit in justitia pauperes, et arguet in æquitate pro mansuetis terræ;
et percutiet terram virga oris sui, et spiritu labiorum suorum interficiet impium.
Et erit justitia cingulum lumborum ejus, et fides cinctorium renum ejus.

 

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 19

Denn ich bin dein Gott, der deine Rechte hält, der dir sagt: “Fürchte dich nicht!”
(Jes 41,13)

Quia ego Dominus Deus tuus, apprehendens manum tuam,
dicensque tibi: Ne timeas: ego adjuvi te.

 

Und als ich ihn sah, fiel ich vor seine Füße wie ein Toter, und er legte seine Rechte auf mich, sagend: Fürchte dich nicht; ich bin der Erste und der Letzte
und der Lebende, und ich war ein Toter, und siehe, lebend bin ich in die Aionen der Aionen, und ich habe die Schlüssel des Todes und des Hades.
(Offb 1,17f.)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 18

Der Herr Sabaoth hat beschlossen, alle Überheblichkeit der Angesehenen kraftlos zu machen und alles Angesehene auf der Erde zu entehren.
(Jes 23,9)

Dominus exercituum cogitavit hoc, ut detraheret superbiam omnis gloriæ,
et ad ignominiam deduceret universos inclytos terræ.

 

Er wirkte Macht mit seinem Arm, zerstreute Überhebliche in Gesinnung ihres Herzens; herunterholte er Machthaber von Thronen und erhöhte Niedrige, Hungernde sättigte er mit Gütern, und Reiche verschickte er leer.
(Lk 1,51-53)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 17

Die Toten werden auferstehen, und die in den Gräbern werden auferweckt werden, und freuen werden sich die auf der Erde; denn der Tau, der von dir kommt, ist Heilmittel für sie, das Land der Gottlosen aber wird fallen.
(Jes 29,19)

Vivent mortui tui, interfecti mei resurgent.
Expergiscimini, et laudate, qui habitatis in pulvere,
quia ros lucis ros tuus, et terram gigantum detrahes in ruinam.

 

Sagt ihr Jesus: Sprach ich nicht zu dir, daß, wenn du glaubst, du sehen wirst die Herrlichkeit Gottes?
Und dieses sprechend, mit lauter Stimme schrie er: Lazaros, auf, heraus!
Herauskam der Verstorbene, umbunden die Füße und die Hände mit Binden, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Sagt ihnen Jesus: Löst ihn und laßt ihn fortgehen!
(Joh 11,40;43f.)

Der Esaias/LXX-Adventskalender, Tag 16

Und in der Einöde wird das Recht sich niederlassen, und Gerechtigkeit wird auf dem Karmel wohnen;
und die Werke der Gerechtigkeit werden Frieden sein, und die Gerechtigkeit wird einen Ruheplatz einnehmen, und voll Vertrauen wird man sein auf immer.
(Jes 32,16f.)

Et habitabit in solitudine judicium, et justitia in carmel sedebit.
Et erit opus justitiæ pax, et cultus justitiæ silentium,
et securitas usque in sempiternum.

 

Jetzt aber ist ohne Gesetz Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und den Propheten, Gerechtigkeit Gottes aber durch Glauben an Jesus Christos für alle Glaubenden.
(Röm 3,21f.)