Zurüruck zum Inhalt

Der Adventskalender mit den Cäcilini, Vorabend: „Salve Regina“

In Erfurt wurde heute allen Ernstes ein „Ökumenisches Kirchensilvester“ gefeiert, mit Feuerwerk!, als Spätfolge des „Reformationsjubiläums“, da hatte man sich das versprochen (PuLa berichtete) und man fragt sich ernsthaft, warum eigentlich, scheinbar oder anscheinend?, alles, was unter dem Rubrum „Ökumene“ läuft, offenbar immer zum Gedöns werden muß. 🙁
Weniger ernsthaft fragt man sich auch, was eigentlich all die Kirchorträte und sonstigen funktionärskirchlichen Gremien, die sich, wie in Weimar gerade wieder zu beobachten, mit Vorliebe mit ökologischen Fragen zu beschäftigen scheinen, statt mit irgendeinem irgendwie geistlichen Thema, dazu sagen, daß durch solches Tun die „Feinstaubbelastung“ ohne Not erhöht wird. Skandal! 😉

Auf PuLa beginnen wir hingegen die Adventszeit ohne Knalleffekt, vielmehr, wie Sie das nun schon seit 7 Jahren kennen, mit dem Vorabend des diesjährigen Adventskalenders.

Wie Sie wissen, finde nicht ich das jeweilige Jahresthema, sondern es findet mich! 🙂
In diesem Jahr war es, wie schon im Jahr 2015 mit den „O-Antiphonen“, mal wieder ein musikalischer Gedanke: Ich fand, all die wunderbaren Lieder der „Cäcilini Weimar“ sollten einmal ‚in einem Rutsch‘ präsentiert werden! Und siehe da: Sie fügten sich gut in die Adventszeit!
Dazu, wie Sie das schon kennen, stellen wir biblische Texte, die zum jeweiligen Inhalt passen, im Latein der Vulgata und im Deutsch der bewährten Allioli-Übersetzung.

Vorgeschmack gefällig?

2 Populus qui ambulabat in tenebris, vidit lucem magnam ; habitantibus in regione umbræ mortis, lux orta est eis.
6 Parvulus enim natus est nobis, et filius datus est nobis, et factus est principatus super humerum ejus : et vocabitur nomen ejus, Admirabilis, Consiliarius, Deus, Fortis, Pater futuri sæculi, Princeps pacis.
7 Multiplicabitur ejus imperium, et pacis non erit finis ; super solium David, et super regnum ejus sedebit, ut confirmet illud et corroboret in judicio et justitia, amodo usque in sempiternum : zelus Domini exercituum faciet hoc.
Jes, 2, 6f. [Erste Lesung zu Mariä Krönung!]

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; den Bewohnern der Landschaft des Todesschattens geht ein Licht auf.
Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, auf dessen Schultern die Herrschaft ruhet; und man nennt seinen Namen: Wunderbar, Rathgeber, Gott, starker Held, Vater der Zukunft, Friedensfürst.
Seine Herrschaft wird sich mehren und des Friedens wird kein Ende seyn; auf dem Throne Davids und in seinem Reiche wird er sitzen, daß er es befestige und schütze durch Recht und Gerechtigkeit, von nun an bis in Ewigkeit! Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies thun!
[Hinweis: Andere Versnummerierung in modernen Übersetzungen]

Morgen geht‘s los!

Die Jahresfahrt des Bibelkreises (2/2)

Neues vom Maurusschrein

Kloster Tepla, dessen wertvolle, heute zu großen Teilen in Prag aufbewahrten Bibliotheksbestände in den Zeiten der Gebäudenutzung als Kaserne in einem Klosterflügel eingelagert und geschützt werden konnten, überraschte uns in der Tat und wäre, auch wenn wirklich nichts anderes mehr geklappt hätte, fast schon alleine eine Reise wert gewesen.

Kruzifix mit Chronogramm auf dem Klostergelände des Stiftes Tepl. Verschlüsselt ist die Jahreszahl 1708 (eigenes Bild)

Wir kamen gerade zu einer Führung in deutscher Sprache zurecht, die auch die derzeit in Renovierung befindliche Klosterkirche sowie die bereits restaurierte Bibliothek einschloß.

Sieh mal einer an! Die kennen wir doch! Wie nett! (eigenes Bild)

In Kloster Tepla (eigenes Bild)

Es war so irgendwie um den Mittag herum, als wir beschlossen, das Städtchen Petschau doch immerhin anzuschauen und vielleicht dort ein Restaurant für das Mittagessen zu finden. Also wieder rein in den Bus und über zuletzt sehr gesittete Straßenverhältnisse nach Petschau. Das malerisch auf einem Felssporn über der Tepl gelegene Städtchen mit Kirche und großer Burg- und Schloßanlage hielt mitten in der Stadt einen XXL-Parkplatz für unseren langen T5-Bus bereit und so schlenderten wir geruhsam Richtung Schloß – glaubten wir doch, durch unsere mangelnde Organisation alle Zeit der Welt zu haben.

Ankunft in Bečov, im Hintergrund das Schloß (eigenes Bild)

Aber weit gefehlt! Der Initiator unserer Reise, selber bereits ortskundig, hatte das Eingangsschild zum Schloß in Augenschein genommen und war angesichts einer handschriftlichen Notiz in nahezu jungenhafte Begeisterungsstürme ausgebrochen: Außer der Reihe war an diesem Mittwoch, dem 3. Oktober um 14.30 Uhr eine Schloßführung mit Besichtigung des Maurusschreins angesetzt.

Ich hatte, hinterherbummelnd, noch gar nicht begriffen worum es ging, als die Planungen der übrigen schon auf Hochtouren liefen: Es war halb zwei. Schon zwei Minuten drüber. Jetzt aber los! Wie würden wir zu neunt in einer Stunde etwas zu Essen bestellen, serviert bekommen, verspeisen und bezahlen können? Wir stürmten das nächstbeste Speiserestaurant – voll! Voll – bis auf einen großen Tisch!

Wenn der Frost brennt, fühlt sich der Thüringer zuhause. Gaststätte in Bečov nad Teplou (eigenes Bild)

Voll ja – aber alle aßen längst. Der Kellner behielt einen kühlen Kopf und versicherte uns: Wenn wir alle von der Tageskarte bestellen und während wir warteten schon bezahlen (Taschenrechner!) würden, wäre die Sache in einer Stunde vom Tisch. Gesagt – getan. Gesättigt und zufrieden mit uns und der Welt standen wir Punkt 14.30 Uhr vor dem Schloß und harrten voller Spannung der Dinge, die da kommen sollten.

Unsere Gruppe vor Schloß Bečov (eigenes Bild)

Wir wären nicht in Tschechien, wenn die Tatsache, daß man eine Extraführung wegen des Feiertags im nahegelegenen Deutschland anzubieten sich entschlossen hatte, die Organisatoren etwa bewogen hätten, selbige Führung in englischer oder gar in deutscher Sprache abzuhalten. Wortlos drückte man uns ein bebildertes Skript mit den notwendigsten Informationen in die Hand und wir waren in den Räumen des Schlosses auf uns selber gestellt. (Dem Wortlaut der Führung folgen konnte nur Professor Hentschel. Wie viele Sprachen spricht er eigentlich? Sechs? Oder acht? Irgendwas in der Größenordnung.)

Die Exponate sah man natürlich trotzdem (ein komplettes Modell des Schreins für Kinder; Beispiele der Restaurierungs- und Rekonstruktionsvorgangs) und die Erläuterungstafeln taten ein übriges, um uns auf das Erlebnis des Schreins, der sich uns im letzten Raum angestrahlt in abgedunkelter Umgebung unter Glas enthüllte, vorzubereiten.

Der Maurusschrein bei seiner Präsentation auf der Prager Burg 2015 (Bild: Wikimedia-Commons, User: Draceane)

Ein wirkliches Erlebnis! Ein kleines Haus aus Gold (also – vergoldetem Holz) mit Perlen und Edelsteinen besetzt. Einfach märchenhaft! Zwar ist der Schrein – anders als der Dreikönigsschrein im Kölner Dom, dem er von der Bauart her verwandt und etwa gleichaltrig ist – nun völlig jedem liturgischen Gebrauch entzogen. Aber ihn zu betrachten ist dennoch jeder Reise wert!

Das mit seiner Entstehungszeit zwischen 1225 und 1230 fast 800 Jahre alte Reliquiar wurde für eine Benediktinerabtei in Florennes gefertigt. Vor 130 Jahren wurde es, mittlerweile im Besitz der Herzöge Beaufort-Spontin, von Brüssel nach Bečov aufs Schloß der Familie transportiert. Vor der Flucht nach Ende des Zweiten Weltkriegs ließ man den Schrein im Erdreich unter dem Boden der Schloßkapelle vergraben, wo der Eichenkern 40 Jahre lang gut durchfeuchtete, bis der tschechoslowakische Geheimdienst aufgrund andeutungsarmer Nachfragen eines amerikanischen Schnäppchenjägers (ein gewisser Mr. Douglas bot 250.000 $, um einen nicht näher definierten Kunstgegenstand ausführen zu dürfen) nach einjähriger Suche am 5. November 1985 auf den Schrein stieß. Man verfrachtete das gute Stück in einen Banktresor, und die plötzliche Trockenheit tat ein übriges, um den Kern zu sprengen und das Reliquiar völlig zu zerstören.

Nach 1990 nahm man sich im Verein mit Experten aus Aachen (die den ebenfalls verwandten Karlsschrein kannten) 12 Jahre Zeit, um mit Hilfe z.T. eigens wiedererlernter Goldschmiedetechniken die restaurierten oder rekonstruierten Figuren und Medaillons auf ein neues Häuschen aus Nußbaum aufzubringen.

Und nun steht überall – in den Publikationen und im Netz –, daß der Schrein Stoffreste aus dem 8. und 9. Jahrhundert, vor allem aber Gebeine von mindestens drei Heiligen birgt. Johannes der Täufer ist dabei natürlich der bedeutendste, aber auch der Heilige Timotheus und St. Maurus sind dabei (daher ja überhaupt der Name des Reliquiars). Manchmal wird noch der Heilige Apollinaris genannt.

Was sich aber nur den Besuchern einer Führung im Schloß eröffnet, ist die Tatsache, daß der Schrein Gebeine einer Frau bewahrt. Neben den Fotografien von Oberschenkel- und Beckenknochen, die die musealen Schautafeln zeigen, stand mehrfach eindeutig zu lesen, es handele sich auch um Gebeine einer Frau, die etwa 1,50 m groß gewesen sein muß. Und: Sie hatte mindestens ein Kind geboren. 🙂 Gute Neuigkeiten!

Unsere Reise fand einen würdigen Abschluß – ja: Wir waren immer noch erlebnishungrig! – im Besuch des Städtchens Franzensbad.

Franzensbad mit seinen repräsentativen Jahrhundertwendebauten (eigenes Bild)

Hier überraschte uns vor allem die offene katholische Kirche Heilig Kreuz mit klaren Ansagen:

„Hut ab!“ – „Handy aus!“ Klare Ansagen in der Franzensbader Heilig-Kreuz-Kirche (eigene Biler)

„Wer kommt in die Hölle?“ Reine, unverfälschte Lehre in Franzensbad, Heilig-Kreuz-Kirche (eigenes Bild)

Franzensbad, Altar der Heilig-Kreuz-Kirche (eigenes Bild)

Mit Einbruch der Dämmerung machten wir uns auf den Heimweg und kamen gegen 20.00 Uhr in unserem Bonibus wohlbehalten zuhause wieder an.

Cornelie Becker-Lamers

PS: Natürlich entgeht man auch auf einer solchen Reise weder Goethe

Gedenktafel am Hotel Drei Lilien, Franzensbad (eigenes Bild)

noch Buchenwald. Denn eine kleine Ausstellung im Stift Tepl, die ich oben nicht erwähnt habe, informiert über den Chorherren und späteren Abt Herman Josef Tyl, der von 1943-45 in Auschwitz und Buchenwald, nach 1948 dann in einem kommunistischen Zwangslager in Prag interniert war.

Dokumentation einer Verfolgung: über das Leben des Praemonstratenser-Chorherren Abt Herman Josef Tyl in Stift Tepl (eigenes Bild)

Die Jahresfahrt des Bibelkreises (1/2)

Teil 4/4 des Ehrenamtstreffens muß leider noch verschoben werden und kommt wahrscheinlich am Samstag. Wir ziehen erstmal etwas anderes vor, was auch schon einige Zeit aussteht. Ein Bericht nämlich über:

Die Jahresfahrt des Bibelkreises (1/2)

Unterwegs im Bonibus

Nach so vielen ernsten Themen muß ich von etwas Lustigem erzählen, nämlich vom diesjährigen ‚Betriebsausflug‘ unseres Bibelkreises. Nachdem wir in den Vorjahren im Format des Tagesausflugs die Ausstellung „Umsonst ist der Tod. Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation in Mitteldeutschland“ (genau: Wo wurde die Reformation erfunden – in Mitteldeutschland! [Anm. der Redaktion: Na toll! 🙁 😉 ]) im Museum am Lindenbühl Mühlhausen und den „Dialog der Konfessionen“, eine Schau um den letzten katholischen Bischof der Diözese Naumburg, Julius von Pflug, im Museum Schloß Moritzburg Zeitz besucht und uns dabei nicht nur mit dem Thesenanschlag (der bekanntlich eher so eine Art lehrstuhlinterner Rundmail war) beschäftigen, sondern auch so verblüffende Exponate wie etwa die bewegliche Christus-Gliederpuppe für Karfreitags-Spiele betrachten (beides Mühlhausen) und die Rolle des Schmalkaldischen Krieges und der Schlacht bei Mühlberg für die Rückkehr des vertriebenen Bischofs Pflug aus seinem Mainzer Exil reflektieren konnten (hier, in Zeitz, reifte dabei übrigens bei meinem Mann und mir die Idee, Mühlberg zu besuchen, was ja dann auch geschehen ist), nachdem wir als Bibelkreis inklusive Professor Hentschel also diese anregenden Ausflüge gemacht und dabei bei der Suche nach verlorengegangenen Gruppenmitgliedern (Mühlhausen) und seitens des Restaurationsbetriebes vorenthaltenem Mittagessen (Zeitz) [Anm. der Redaktion: Erinner‘ mich nicht daran! 😡 ]  den unverdrossenen und freundschaftlichen Zusammenhalt unseres Kreises erfahren durften, verfolgten wir für dieses Jahr den Vorschlag, den restaurierten Maurusschrein im böhmischen Petschau an der Tepl (Bečov nad Teplou) in Augenschein zu nehmen. (Uups! War das alles gerade ein Satz? 😳 )

Rasch waren die Hinweise unserer beruflichen Vielfahrer auf die Kürze der Strecke (zwei Stunden die einfache Fahrt) vom (Stamm)tisch gewischt und der Plan zu einer zweitägigen Gruppenreise gefaßt.

2. Oktober

Am Dienstagmittag, dem 2. Oktober, ging es im Bonibus – leider mußten so viele absagen, zuletzt auch Pfarrer Riethmüller, der für seinen nach Taizé verreisten Chef die Stellung halten mußte, daß der Neunsitzer genau ausreichte – über die A4, A9 und A93 bis Selb und dann über die (kaum bemerkbare) Grenze Richtung Asch und weiter nach Eger.

Eger Markt (eigenes Bild)

Nachdem wir durch eine malerische Gasse den Marktplatz der auf einem Hügel gelegenen Stadt erklommen hatten, hielten wir nach einem Café Ausschau. Schließlich waren wir seit mittlerweile zweieinhalb Stunden unterwegs. Wir wurden fündig und auch das Problem der Bezahlung löste sich schnell in Wohlgefallen auf: Ich habe auf der gesamten Tour keine einzige tschechische Krone gesehen. Die Kellner peilen hier blitzschnell die Lage, kommen schon mit Taschenrechner an den Tisch und rechnen ihre Preise zu etwa 40 Cent die Krone um.

Zurück nahmen wir einen anderen Weg. Eger ist schließlich eine bedeutende Stadt.

Genau. Hier ist nämlich 1634 Wallenstein ermordet worden … (eigenes Bild)

… weswegen auch Schiller sich hierher verfügte. (eigenes Bild)

Weiter ging es an der (leider verschlossenen) Basilika vorbei zum Bus zurück und nach Schloß Kynžvart, das einst der berühmte Fürst von Metternich bewohnte. In den großzügigen Stallungen wird mittlerweile ein Hotelrestaurant betrieben, in welchem einer unserer Freunde für uns Zimmer reserviert hatte.

Wir tafelten vorzüglich und vor allem unglaublich günstig (allerdings umso günstiger, als der liebe Professor Hentschel uns zur nachgeholten Feier seines Goldenen Priesterjubiläums im Sommer 2018 auch noch alle einlud! 🙂 )

Ankunft in Kynžvart (eigenes Bild)

3. Oktober

Nach einer geruhsamen Nacht und einem soliden Frühstück erwies sich wieder die stabile Freundschaft, die unsere Gruppe jederzeit in einer Stimmung gutherziger Ausgeglichenheit hält. Ich möchte nicht einmal sagen, daß diese Freundschaft auf die Probe gestellt wurde – sie ist einfach immer da. Auf dem Weg zum Schloß, das wir vor unserer Abfahrt nach Petschau zu besichtigen gedachten, begann sich einigen von uns die Frage zu stellen, wie es im Oktober eigentlich mit den Öffnungszeiten aussehen würde. Der schier endlose Sommer hatte uns alle in der Vorbereitung völlig vergessen lassen, daß auch andere Tage kommen würden und Museen im ländlichen Raum für gewöhnlich auf abebbende Besucherströme mit einer Einschränkung der Öffnungszeiten reagieren. Naja – und so war es dann denn auch: Das Schloß war zu. Der Initiator unserer Reise machte sich Vorwürfe und wollte alle Schuld auf sich nehmen, wir anderen ließen das aber nicht zu und begannen, durch den hügeligen Landschaftspark des Anwesens mit einigen hübschen Statuen und Tempelchen zu flanieren.

Statue der Diana im Schloßpark Kynžvart (eigenes Bild)

So eine Art Römisches Haus im Schloßpark Kynžvart (eigenes Bild)

Die Stimmung trübte sich auch dann nicht ein, als wir – hier, längst in Böhmen, 20 Kilometer vor unserem anvisierten Ziel, dem Schloß Petschau an der Tepl – nachzudenken begannen, ob denn wohl der Maurusschrein im Oktober noch wochentags zu besichtigen sein würde. Hm. Sie können sich denken, was das Internet uns an Informationen ausspuckte: Ab Oktober nur Samstag und Sonntag geöffnet…

Jetzt hatten wir den Salat.

Aber sofort auch ein leckeres Dressing: Die familiären Hintergründe eines Gruppenmitglieds, die uns schon den Aufenthalt in Eger beschert hatten, brachten die Kenntnis des Klosters Tepla mit sich, das einen Steinwurf östlich unserer eigentlichen Route gelegen und ebenfalls sehenswert sein sollte.

Frohgemut also bestiegen wir unseren Bus und fuhren gen Osten. Die abenteuerlichen Straßenverhältnisse, die ich (aus der hintersten Bank heraus leider vergeblich) mit meiner kleinen Knipskiste zu dokumentieren versuchte, haben uns einen herrlichen akustischen Schnappschuß aus einem der Dörfer am Wege beschert, hier: Enjoy! 🙂

Fortsetzung folgt morgen

Cornelie Becker-Lamers

Maria, Mutter, Friedenshort

Das Ehrenamtstreffen (3/4)

Im Gegensatz zu dem aus der katholischen Vertriebenen- und Flüchtlingsseelsorge 1945/46 durch Pater Paulus Sladek bei dem Publizisten Franz Lorenz in Auftrag gegebenen, von Walter Hensel vertonten Text „Von Krieg und Not geschlagen“ (ganzer Wortlaut bei Grulich) legt das Schrötersche Gedicht seine Indikative auf die Schönheit, den Glanz, die Güte und die alles überwindende Autorität Mariens und ihres Sohnes. Festgeschrieben bei Lorenz finden sich hingegen „Krieg und Not“, „Elend“, „Schmach und Sünden“, blutende Wunden, Vertreibung, „Qual und Wehen“. Gottesnähe und das Erstehen einer neuen (irdischen!) Heimat rücken, erbeten, in hoffnungslose Ferne.
Das ertrugen die Menschen nicht. Sie sangen „Wohin soll ich mich wenden“ aus Schuberts Deutscher Messe (der auch das berühmte „Heilig, heilig“ entstammt) mit ihrem Text von Johann Philipp Neumann (1774 – 1849).

Das Vorgängerlied zu „Maria, Mutter, Friedenshort“ habe ich erst jetzt, mit der Entstehung des vorliegenden Textes für PuLa, kennengelernt. Ich mochte den „Friedenshort“ schon zuvor. Im Vergleich mit „Von Krieg und Not geschlagen“ kann ich selber noch besser verstehen, warum. Es ist einfach objektiv ein guter, also gut formulierter, von Glaubensgewißheit durchdrungener und aufbauender Text. 🙂

„Maria, Mutter, Friedenshort!“ Schon in der ersten Zeile begegnet uns statt dem „Krieg“ der „Frieden“, Maria als unumstößlicher „Friedenshort“. Festgeschrieben finden sich hier immer wieder Bilder des Schutzes und der Geborgenheit: „um uns wie ein Gebet, vor dem die Stürme knien müssen“, ist ihr Haus ein „Lobgesang“, gebaut aus ebendiesem Gebet. Ihr Mantel ist ein umhüllendes „Zelt“, Jesus das überirdisch strahlende „Himmelreich“. Das Herz Jesu muß nicht um Wonnen angefleht werden – es verschenkt sie schon. Maria ist die unverrückbare Himmelskönigin, umgeben von „erlösten Chören“, in deren „Jubel“ wir nicht nur einstimmen, sondern uns so ganz und gar hingeben, daß unser Herz selber zum „Lied“ wird.

Das reale Elend, Schmerz und Tod werden dabei nicht verschwiegen, aber in den Formulierungen der „bedrängten Tage“ und der „dunklen Nöte“ sehr feinsinnig angesprochen und die „Schatten“ erscheinen durch die Zuversicht, daß Marias Hand sie verscheuchen kann wie ein Nebelgespinst, schon bloß noch als Versteck des zu erwartenden Gnadenfestes.

„Maria, Mutter, Friedenshort“ erscheint so als perfektes Pendant des Neumannschen Textes der Schubertmesse, ein Pendant, das die Mutterliebe preist, wo bei Neumann Gottvater als Zuflucht gewiß ist: „Du bist‘s, der meinen Wegen/ Ein sich‘res Ziel verleihet,/ Und Erd‘ und Himmel weihet/ Zu süßem Heimatland.“ Auch bei Neumann schon, dessen Text „Gram und Schmerz“, „Angst und Tod“ nicht unterschlägt, ist der Jubel der Gläubigen am Schluß des Liedes affirmativ: „Heil mir! Ich bin erquicket!/ Heil mir! Ich darf entzücket/ Mit Dank und Preis und Jubel/ Mich freu‘n in meinem Gott.“ (Vollständiger Text hier).

Jetzt noch einmal die für mich schönste Strophe von „Maria, Mutter, Friedenshort“ im Zusammenhang. Es ist die Strophe fünf:

Dein Mantel ist ein goldnes Zelt,/ gewebt von mütterlicher Liebe./ Breit ihn als Heimat um die Welt,/ daß keiner ohne Mutter bliebe.

Diese Zeilen finde ich vor dem Hintergrund ihres Entstehungszusammenhangs am bewegendsten. Auch hier wird das Leid nicht unterschlagen: Es sind Menschen ohne Mutter. Aber auch dieser schier unheilbare Schmerz wird vor seiner Erwähnung bereits gelindert in der Bitte, den goldenen Mantel um die ganze Welt zu breiten und so die Schutz- und Trostlosigkeit zu kompensieren. Der Halbsatz: „gewebt von mütterlicher Liebe“ fesselt mich am meisten wegen seiner grammatikalischen Doppeldeutigkeit. „Gewebt von mütterlicher Liebe“: Ist gewissermaßen das Material die mütterliche Liebe, die hier zum Schutzmantel verwoben wird – oder ist diese Liebe die ausführende Kraft, die für alle Menschen einen goldenen Mantel gewebt hat? Es ist nicht zu entscheiden, beide Bedeutungen schwingen in dieser einen Zeile immer mit. „Breit ihn als Heimat um die Welt“ müßte heute, da der Heimatbegriff nachgerade inflationär reflektiert wird, dieses erzkatholische Kirchenlied hierzulande eigentlich flächendeckend anschlußfähig machen.

Weil nun nicht nur wir – meine Familie – eine Einspielung des Liedes im Internet, auf YouTube, vermißt haben (vgl. hier den Post vom 15. Juni 2012 – gerne samt Kommentar von Stanislaus), habe ich im Sommer für die Cäcilini einen Chorsatz komponiert, um es im Jubiläumsjahr für Neuzelle zur Verfügung stellen zu können. In einer Oberstimme habe ich dabei einige Textzeilen hervorgehoben – so auch den Gedanken des Marienmantels als Heimat. In den beiden Proben nach den Sommerferien haben die sechs Jugendlichen den Satz einstudiert und zum Abschluß der von uns zu gestaltenden Messe am 26. August gesungen. Hier kommt der youtube-Film. Ach ja: Wenn Ihnen die Marienfigur, die ich der fünften Strophe unterlegt habe, bekannt vorkommt, ist das ein Zeichen, wie gut Sie sich im neuen Gotteslob der ostdeutschen Bistümer auskennen. Dort ist eine Reproduktion dieses Gnadenbildes, aufgenommen von dem Weimarer Fotografen Constantin Beyer, dem Regionalteil vorangestellt.

„Dein Mantel ist ein goldnes Zelt“: Marienstatue in der Klosterkirche Neuzelle (eigenes Bild)

Aber jetzt endlich die Musik. Enjoy! 🙂

Wenige Tage nach den Cäcilini hat übrigens der Youtuber ‘Mariokint’ den Auszug der Zelebranten aus der Heiligen Messe in der Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt Neuzelle anläßlich der Bistumswallfahrt am 2. September 2018 veröffentlicht. Die Gemeinde singt alle acht Strophen des Wallfahrtsliedes. Hören Sie doch auch hier mal rein:

Fortsetzung folgt

Cornelie Becker-Lamers

Die Trainingseinheit

Das Ehrenamtstreffen 2/4

So. Und da wie gesagt ein solches Quiz „Wie gut kennst du dich im Gotteslob aus?“ uns offenbar jetzt jedes Jahr ins Haus steht, möchte ich meinen Bericht vom Ehrenamtstreffen mit einer kleinen ‚Trainingseinheit‘ fortsetzen und eines meiner Lieblingslieder vorstellen.
Es handelt sich um das Lied „Maria, Mutter, Friedenshort“, das sogenannte Neuzeller Wallfahrtslied, im Regionalteil Nummer 860. Das Lied stammt aus dem Bistum Görlitz, bekanntlich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Erzbischöfliches Amt, ab 1972 als Apostolische Administratur und 1994 endlich als Bistum Görlitz für den deutsch verbliebenen westlichen Rand des ehemaligen Erzbistums Breslau gegründet. Derzeitiger Bischof ist seit 2011 der in Gotha geborene langjährige Regens des Erfurter Priesterseminars, Bischof Wolfgang Ipolt.

Zu diesem Bistum nämlich gehört das Stift Neuzelle, das in diesem Jahr nicht nur den 750. Jahrestag seiner Gründung durch den Wettiner Heinrich III. von Meißen (genannt den Erlauchten), sondern auch seine Neubesiedlung als Tochterkloster der Abtei Heiligenkreuz bei Wien begeht.

Das Kloster birgt schon zu Beginn seiner bemerkenswerten Geschichte einen Thüringenbezug: Als Sohn Juttas von Thüringen war der um 1215 geborene Gründer ein Neffe Ludwigs IV., des Landgrafen von Thüringen und Ehemannes der Heiligen Elisabeth. Ab 1221 stand der verwaiste Heinrich III. unter Ludwigs Vormundschaft und folgte ihm 20 Jahre nach dessen Tod, also 1247, auch auf den Landgrafenthron.

Statue der Elisabeth von Thüringen vor den ihre Geschichte illustrierenden Glasfenstern, Herz Jesu Kirche Weimar (eigenes Bild)

Bemerkenswert an der Geschichte des Klosters Neuzelle ist vor allem sein Fortbestehen bis nach dem Wiener Kongreß. Obwohl im 16. Jahrhundert „das katholische Kirchenwesen in Brandenburg und den beiden Lausitzen praktisch untergegangen“ war, wie die Bistumsseite schreibt, wurde Neuzelle erst 1817, nach dem Zuschlag zu Preußen, säkularisiert. Zugleich sorgte dieser Zuschlag 1821 für die Zuordnung der Niederlausitz zum Bistum Breslau, von wo aus „das katholische Leben in der Lausitz einen kräftigen Aufschwung [erhielt]. Vor allem in die Bergbaugebiete der Lausitz kamen Grubenarbeiter aus Oberschlesien, die alle katholisch waren.“ (ebd.) In der Tat verzeichnet das Erzbistum Breslau auch dieser Tage einen beeindruckenden Katholikenanteil von über 96% der Bevölkerung. Na also. Wer sagt’s denn 😉 .

Für Wallfahrten standen die vielen Orte der Bistümer Breslau, Schweidnitz oder Liegnitz zur Verfügung – vor allem Kloster Grüssau im Bistum Liegnitz soll beliebt gewesen sein – bis die Niederlage im Zweiten Weltkrieg den schmalen westlich der Oder gelegenen Streifen des Erzbistums Breslau vom Rest der Diözese abtrennte. „Da die vielen schlesischen Vertriebenen nicht mehr auf den Annaberg, nach Wartha oder Albendorf und die Ermländer nicht mehr nach Heiligenlinde und Dietrichswalde pilgern konnten, wurde nach der Vertreibung Neuzelle ihr neuer Wallfahrtsort“, schreibt der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Rudolf Grulich in seinem lesenswerten geschichtsbezogenen Beitrag zum Neuzeller Wallfahrtslied.

Das Lied war ein Auftragswerk, das Auftragswerk des damaligen Diözesan-Jugendseelsorgers von Görlitz, Heinrich Theissing (* 1917 Neisse, + 1988 Schwerin). Nach fehlgeschlagenen Versuchen, ein neues Lied für den neuen Wallfahrtsort einzuführen, wandte er sich an den Tischlermeister und Holzbildhauer Georg Schröter (* 1910 Görlitz, + 1986 Burg Rothenfels, Bayern), der – „Schläft ein Lied in allen Dingen“ – den Text ebenso „fand“ wie Bildhauer bekanntlich dem eigenen Bewußtsein nach ihren Figuren lediglich aus den Steinen oder dem Holz heraus ans Licht verhelfen. Schröter schuf, obwohl oder gerade weil selber gar kein Vertriebener, den genialen, weil schlichten und dennoch nicht zu einfachen, vor allem nicht zu düsteren Text, der mit seiner Vertonung durch Adolf Lohmann von den Gläubigen sofort angenommen wurde und bis heute lebendig ist: Das Lied wurde sowohl in Bad Muskau als auch in Torgau in den Sonntagsmessen gesungen, die wir urlaubsweise dieses Jahr dort besucht haben.

Fortsetzung folgt morgen

Cornelie Becker-Lamers

Das Ehrenamtstreffen (1/4)

Vom Ehrenamtstreffen – also der Einladung aller Ehrenamtler seitens des Pfarrteams, das sich damit für die Arbeit des vergangenen Jahres bedanken möchte – wollte ich auch noch erzählen. Der Text hier ist schon vor etlichen Wochen entworfen worden, aber dann habe ich wie üblich wieder sehr lange darüber nachgedacht und die Vierteiligkeit des Textes ist eine Frucht dieses Nachdenkens. Die Eindrücke sind deshalb frisch festgehalten, obwohl das Ereignis mittlerweile lange zurückliegt.

Das Ehrenamtstreffen fand nämlich bereits am Samstag, 15. September statt, liegt also jetzt nicht mehr zu Jahresbeginn (und das ist gut so! Nach den Sternsingersamstagen ist man eh immer fix und fertig und durchgefroren) und auch nicht mehr abends wie noch 2017, sondern 2018 erstmals um den Mittag herum. Man traf sich schon um 10 Uhr zu einer Andacht (da konnte ich noch nicht, weil ich noch an einer Rede für den nächsten Tag saß) und dann ging es im Gemeindesaal weiter. Durch das schöne Wetter stand die Tür zum Garten die ganze Zeit offen. Dann ist es dort wirklich schön!

Nachdem alle die neue Küche bewundert hatten, die durch trickreiche architektonische und innenarchitektonische Eingriffe jetzt nicht nur größer wirkt, sondern größer ist und trotzdem dem Saal nicht mehr Platz abknapst – Zauberei! 🙂 –, ging es zum Essen, das gerade beendet war, als ich kurz nach halb zwölf bei der Versammlung aufschlug. (Übrigens hat sich herausgestellt, daß eine Einführung in die Bedienung der neuen technischen Geräte der Küche für alle Gruppenleiter und –leiterinnen sinnvoll wäre – an dieser Stelle also die dringende Bitte, den Termin zu einer solchen Einführung einmal anzuberaumen, damit nicht noch einmal verdienstvolle Menschen nach einem 15-Stunden-Tag noch Gläser spülen.)
Es war nicht sonderlich voll, wenn man bedenkt, daß die Ehrenamtler aller Kirchorte eingeladen waren. Und natürlich habe ich wieder etliche Menschen vermißt, die früher, ja die noch bis vor einem Jahr sehr aktiv im Boot waren, vergrault und noch nicht zurückgewonnen wurden.

Aber es waren trotzdem genügend nette Leute da, die ich kannte und so ließ ich mich frohgemut mit in Gruppen einteilen, die im Verlauf der folgenden zwei Stunden zu verschiedenen Spielen gegeneinander antraten. Drei Priester, unsere Gemeindereferentin und ein Praktikant hielten an fünf Posten Würfel, zu stapelnde Streichhölzer, Papierbällchen oder Montagsmalertafeln bereit, an denen sich jeweils verschiedene Gruppen in Würfelpunkten überbieten, Begriffe zeichnen oder Bällchen weitpusten mußten. Meine Tochter erkannte aus meiner Erzählung sofort das Ministranten-Spiele-Programm der Romwallfahrt wieder.

Trotzdem fand ich das Ehrenamtstreffen schön – wann organisiert schon mal jemand Spiele für Familienmütter und –väter? Und für neu Hinzugekommene (die ich diesmal nicht identifiziert habe, von denen ich ja aber selber vor elf Jahren eine war) sind solche Spielerunden allemal günstiger, um mit andern ins Gespräch zu kommen, als es die langen vollen Eßtische waren, an deren eine Ecke ich mich im Januar 2008 klemmte und mir den ganzen Abend lang nur die vielen fremden Gesichter anschauen konnte.

Also – liebe Neuzugezogene und seit kurzem aktive Ehrenamtler der Pfarrei, falls es Sie gibt oder wo immer Sie stecken – bitte kommen Sie unbedingt zu den Treffen hinzu – Sie werden rasch Kontakte knüpfen können! Für Frauen sei außerdem an dieser Stelle auf den „Nachmittag für Frauen“ hingewiesen, den unsere Gemeindereferentin diesen Sommer ins Leben gerufen hat und der etwa einmal im Monat freitags um 17.00 Uhr im Gemeindesaal stattfindet (im Dezember fällt er der vielen Veranstaltungen wegen aus). Es ist eine ganz offene Runde, keine kennt da alle, aber alle lernen sich schnell besser kennen. Dicke Empfehlung!!!

Am besten gefiel mir, um wieder auf das Ehrenamtstreffen vom September zurückzukommen, ein Spiel, das ganz ohne Hilfsmittel auskommt und darin besteht, daß der Spielleiter wie bei „Stadt Land Fluß“ leise das Alphabet durchzählt. Mit dem durch Zwischenruf ermittelten Anfangsbuchstaben müssen beide Gruppen dann Lieder ansingen, bis keinem mehr eines einfällt. (Wir haben doch tatsächlich bei „F“ das „Fest soll mein Taufbund immer stehen“ vergessen … shame 😉 , hatten aber genügend andere Lieder parat, was angesichts meiner Mitstreiter auch nicht anders zu erwarten gewesen war.)

Zuletzt hatten so viele Gruppen die gleiche (nämlich volle) Punktzahl, daß ein Quiz stattfand, in dem unsere Kenntnis des Gotteslobs auf den Prüfstand kam. Denn eine Gewinnergruppe mußte ermittelt werden. Schließlich gab es einen Hauptgewinn, dessen Inhalt der Pfarrer zwar bis zuletzt geheimhielt (vermutlich ebenfalls eine Frucht seiner Erfahrungen mit den Ministranten in Rom), der aber von Anfang an in Aussicht stand.

Ein solches Quiz zum Gotteslob gab es beim Ehrenamtstreffen 2017 auch schon. Also das scheint jetzt Standard zu sein. Es geht dann um Fragen wie: Wieviele Seiten hat das Gotteslob (genau 1200), welche Liedgruppe hat welche Nummern, wo stand was früher und wo steht es jetzt, welche Inhalte folgen einander, wann ist welches Lied geschrieben – konkret: GL 470: „Wenn das Brot, das wir teilen“ – 1981, nämlich zum Elisabethjahr (750. Todestag). Hätte ich so nicht gewußt, aber manche sind da sehr sattelfest. Chapeau!

Fortsetzung folgt morgen

Cornelie Becker-Lamers

Mühlberg 1547

Noch ein PuLa unterwegs

Wie gesagt: In Mühlberg waren wir von Torgau aus auch.
Klar, das muß man ja mitnehmen, wenn man schon mal in der Gegend ist. Sie erinnern sich: Am 24. April 1547 wurde das protestantische Heer unter Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen (als Kurfürst in Torgau geboren, als nurmehr „geborener Kurfürst“ in Weimar gestorben) von den Truppen Kaiser Karls V. vernichtend geschlagen und der Kurfürst selbst in Innsbruck gefangengesetzt. Von einem Museum der Stadt Mühlberg (deren Name bei gläubigen Lutheranern immer noch ebenso gesträubte Nackenhaare erzeugt wie – glaubt man René Goscinny
der Name Alesia bei den Galliern) würde man daher eher keine Elogen auf die Reformation und die Figur Martin Luthers erwarten.
Aber in der Planung des neu zu gestaltenden Museums, das im Rahmen der „Lutherdekade“ am 25. April 2015 renoviert wiedereröffnete, war man offenbar wild entschlossen, diesen Ausgang der Schlacht als Irrtum der Geschichte zu ignorieren:

In der Nähe der Stadt Mühlberg/Elbe wurde am 24. April 1547 europäische Geschichte geschrieben, als die Heere der katholischen Allianz, angeführt von Kaiser Karl V., und des protestantischen Schmalkaldischen Bundes unter dem Kommando des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich hier aufeinander trafen. Diese für den Verlauf der Reformation entscheidende Schlacht bildet den thematischen Schwerpunkt im sanierten und konzeptionell neu ausgerichteten wieder eröffneten Museum, das sich nun würdig in die Reigen der mitteldeutschen Stätten der Reformation einreihen kann.
(Quelle)

Klingt doch, als hätte das „Aufeinandertreffen“ der Truppen zu einem Sieg der Protestanten geführt, oder? Aber – nein! Einen Sieg der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg könnten wir gerade in Weimar, könnte insbesondere PuLa keinesfalls gutheißen – hätte ein solcher Sieg doch bedeutet, daß man in Weimar den Hornstein, dessen Eingangsportal noch die gekreuzten Schwerter der Kurwürde zeigt, nicht zum Renaissanceschloß ausgebaut und die Hauptresidenz der Wettiner nicht nach hier verlegt hätte, wo 200 Meter weiter – in der heutigen Windischenstraße – noch die Jauche über die Gosse lief.
Jena hätte nicht schon vor 460 Jahren eine Universität bekommen, denn Wittenberg wäre ja weiterhin Ernestiner Gebiet gewesen. Carl August hätte Goethe nicht hier beschäftigt, Liszt hätte nicht hier seinen Wohnsitz genommen und nicht für den neuen Bau einer katholischen Kirche sammeln können, der „heilige Sumpf“, als den die Etymologie des Wortes „Weimar“ unser Städtchen zu erkennen gibt, hätte nicht so schön vor sich hinsumpfen können und – es gäbe PuLa nicht!
Stellen Sie sich das mal vor! Geht ja gar nicht! 😉

Aber zurück nach Mühlberg: Tatsächlich ist das Museum in der ehemaligen Propstei des 1540/1559 zwangsaufgelösten Zisterzienserinnenklosters, von den Schautafeln und besonders der aufwendigen multimedialen Schlachtenpräsentation her (in welcher sich das Museum übrigens keinesfalls erschöpft – von Reliquienschätzen über freigelegte Wandmalereien des frühneuzeitlichen Baus bis hin zu Dokumentationen zum sowjetischen Speziallager in Neuburxdorf bei Mühlberg wird hier eine sehr breit angelegte Rückschau präsentiert), mit seinem geschichtlichen Überblick sehr um Objektivität bemüht.

Ehemalige Propstei, jetzt Museum „Mühlberg 1547“ (eigenes Bild)

Aus dreierlei Perspektiven läßt eine riesige interaktive Schautafel anhand authentischer Aufzeichnungen den Schlachtenverlauf revuepassieren: Aus der katholischen Perspektive des Herzogs von Alba, aus der protestantischen Perspektive eines kursächsischen Heerführers, der sich an bewußtem Tag hatte krankmelden müssen und sich daher der Niederlage wegen Vorwürfe machte sowie eines Mühlberger Bürgers namens Barthel Strauchmann, dem die Protestanten tags zuvor die Pferde weggenommen und der den Kaiserlichen nach erfolgreicher Zerstörung der Pontonbrücke durch die Protestanten eine Furt über die Elbe gezeigt hatte.

Dennoch ist es irritierend, wenn der Museumsbesuch hier mit dem Anblick einer erkennbar neuen überlebensgroßen Lutherstatue beginnt.

Lutherstatue am Eingang der musealen Schau „Mühlberg 1547“ (eigenes Bild)

Aber es kommt noch besser:

Der stolze Religionsstifter und sein demütiger Nachfolger … oh, wait! (eigene Bilder)

Erschrocken? Ich auch! Aber auch hier muß man lesen, was auf den Erklärungstafeln steht:

Das 1911 gestiftete Glasfenster zeigt einen heldenhaften Martin Luther, der unbeirrt an der Bibel festhält. Das Fenster bringt die kulturelle Überlegenheit zum Ausdruck, die die Christen lutherischer Konfession für sich beanspruchten.

Na gut, na gut, na gut. Hoffen wir, daß das Präteritum hier zu Recht steht und sich das Überlegenheitsgefühl nur auf den damals noch frisch erinnerten Kulturkampf in Preußen bezieht. Der herrische Blick Luthers auf dem Glasfenster paßt jedenfalls überhaupt nicht zum Gebaren irgendeines der doch etlichen lutherischen Geistlichen beiderlei Geschlechts, mit denen ich seit einigen Jahren musikalisch hier in Thüringen zusammenarbeite! Ich bin sicher, sie würden vor diesem Anblick genauso erschrecken wie ich.

Lassen wir den Text also lieber mit einigen schönen Impressionen aus Mühlberg an der Elbe ausklingen.

Mühlberg/ Elbe, Blick von Westen auf die Turmhaube der evangelischen Kirche (eigenes Bild)

Mühlberg/ Elbe, ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, seit der Jahrtausendwende neu belebt von Claretiner-Patres (eigenes Bild)

Aaaah! Auch Mühlberg hat einen Bonibus! (eigenes Bild)

 

Ein PS: braucht es aber doch noch: Mir persönlich erscheint Luthers Gesichtsausdruck auf dem 1911 gestifteten Fenster nur allzu realistisch ein (damaliges) Selbstbewußtsein der Protestanten widerzuspiegeln. Ich selber habe nämlich ein solches durch und durch verinnerlichtes und bis zuletzt (2017) unreflektiertes Überlegenheitsgefühl eines (im übrigen areligiösen) Lutheraners über Jahrzehnte hautnah erlebt: bei meinem Vater, geboren 1930 im preußischen Berlin und, da bereits im Alter von 2 Jahren Halbwaise, von einer strengen Grußmutter aufgezogen, die meinen Vater glauben ließ, „Kathole“ sei ein allgemeines Schimpfwort. Mein Vater war ein zweifellos hochintelligenter, bescheidener und überaus zuvorkommender Mensch und selbstverständlich auch gegenüber allen Priestern und Kaplänen, die meine (damals noch) katholische Mutter selten einmal zum Mittagessen einlud, respektvoll, höflich und gesprächsbereit. Aber seine Verachtung für die Katholiken im allgemeinen, ja sein wirklicher Haß auf die für ihn im Papst verkörperte Amtskirche brach sich dennoch ab und zu Bahn und war unausgesprochen immer da (dagegen half nicht einmal die offensichtliche Bedeutung Johannes Pauls II. für den politischen Aufbruch im Ostblock der 80er Jahre).

Ich habe nie einen Streit meiner Eltern über dieses Thema miterlebt – ich bin zehn Jahre nach Eheschließung geboren, da war offenbar längst klar, welche Themen man ausspart. Mit dem Bruder meiner Mutter muß es explizite Auseinandersetzungen gegeben haben – aber auch das habe ich nie verfolgen können, da meine Eltern die DDR verlassen haben, mein Onkel nicht und beide Männer sich meine ganze Schulzeit hindurch nur ein einziges Mal begegnet sind.

Obwohl also all diese handfesten Beweise fehlten – aber damit natürlich auch eine Überprüfbarkeit etwaiger Argumente, ich kriegte ja nie ein einziges zu hören –, war mir die Verachtung meines Vaters für die in seinen Augen unterreflektierten und hörigen Katholiken immer selbstverständlich. Er hat in diesem Punkt nie gezweifelt – anders als meine arme Mutter, die mit ihrem Glauben gerungen hat und unterlag: Mit 75 Jahren ist sie – ich möchte nicht sagen: evangelisch geworden, denn selbstverständlich trägt sie ihr von der schlesischen Großmutter in die Wiege gelegtes, bis heute letztlich unversehrtes Wissen um die Heiligen über die Zeit – in die evangelische Kirche übergetreten (was sie nicht hinderte, sich zeitgleich sämtliche Bücher des damals gerade frisch gebackenen Papstes Benedikt XVI. zuzulegen und zu lesen).

Wie gesagt – hoffen wir, daß das in der Bildbeschreibung des Mühlberger Museums genutzte Präteritum den heutigen Zeitgeist trifft – zumindest für die mir bekannten evangelischen Funktionsträger scheint es zu gelten, das sagte ich ja schon.

Cornelie Becker-Lamers

 

PPS: Was das „kulturelle Überlegenheitsgefühl“ nach dem Kulturkampf anging, so ließe sich darüber viel sagen, ebenso wie über sein unseliges Nachwirken, auch so eine „Vergangenheit, die nicht vergeht“ 🙁 , aber auf jeden Fall klarmachen muß man sich, der Kulturkampf wurde von preußisch-protestantischer Seite aus nicht etwa „gewonnen“. Vielmehr war sein Ausgang bestenfalls ein machtpolitisches Patt, den Zusammenhalt der Katholischen Partei im Reich hat er mächtig gestärkt – und so auch die Fraktion der Zentrumspartei im Reichstag.
Tja, „Don’t mess with Rome“ … 😉

Gereon Lamers

 

Das Geheimnis der „Mater Dolorosa“

Zum Bildprogramm im Chorraum der Torgauer Pfarrkirche
„Schmerzhafte Mutter“

Die katholische Pfarrkirche „Maria zum Siege“ in Torgau (s. gestriger Beitrag) brannte 1906 über Nacht ab und riß Kinder und Schwestern des angebauten Waisenhauses in den Tod. Die vor 110 Jahren an selbiger Stelle neu errichtete Kirche trägt daher den Namen der „Schmerzhaften Mutter“, der „Mater Dolorosa“.

Mariä Schmerzen, Torgau (eigenes Bild)

Mariä Schmerzen, Torgau, Innenraum, Blick nach Süden (eigenes Bild)

Statt eines Marienaltars mit Jesuskind und einer lächelnden Madonna, die der Schlange den Kopf zertritt und von der Sonne umstrahlt wird, bestimmt eine große Pietà den südlichen Seitenaltar. (Der nördliche ist dem Schutzheiligen der Soldaten, dem Heiligen Georg, geweiht).

Torgau, Pfarrkirche „Schmerzhafte Mutter“, Marienaltar (eigenes Bild)

Mariä Schmerzen, Torgau, St. Georg (eigenes Bild)

Das Bildprogramm der in neoromanischer Manier mit nur drei Rundbogenfenstern ausgestatteten Apsis beginnt links mit der Darstellung im Tempel und der Aufschrift “Ein Schwert wird deine Seele durchdringen”. Das mittlere Fenster illustriert das „Stabat mater“ und zeigt die Mutter unter dem Kreuz. Das rechte Bild aber stellt die Marienkrönung dar. Es trägt die Aufschrift „Und der Mutter ward ein Thron gesetzt zu seiner Rechten”.

ITorgau, Pfarrkirche „Schmerzhafte Mutter“, das südöstliche der drei Apsisfenster (eigenes Bild)

Da die Kirche geostet ist, ja der Chor sogar ein wenig nach Ost-Nordost schaut, ist das Fenster, das die Marienkrönung zeigt, das einzige, das während des vormittäglichen Hochamtes leuchtet.

Innenansicht der Torgauer Kirche „Schmerzhafte Mutter“; es ist gut zu sehen, wie nur das südöstliche Fenster vom Sonnenlicht durchflutet wird (eigenes Bild)

Tja – das ist Kunst! Ohne ein Wort der Erläuterung wird hier unmittelbar evident, was die Kirche – und zwar die katholische wie die protestantische Lehre – uns zusichert: daß die Standhaftigkeit im Leiden einen Himmelslohn bereithält. Selig sind, die Leid tragen – nicht: die Leid tragen, sondern: die allfälliges Leid eben auch tragen – denn sie sollen getröstet werden.

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Und wie es sich ‚bei uns in der Diaspora‘ gehört: Ein Boni-Bus darf nicht fehlen, irgendwo lugt er immer hervor 🙂 ; auf dieser Fahrt haben wir noch mehr Exemplare gesichtet, auch in deutlich kleineren Pfarreien, wie z.B. in Mühlberg – aber das ist eine andere Geschichte… 😉

Mariä Schmerzen, Torgau, Blick in den Pfarrhof (eigenes Bild)

Gereon Lamers

Das Mehlhaus

Schlaglichter auf die Torgauer Kirchengeschichte.

Ein Beitrag aus der Reihe „PuLa unterwegs“

Eigentlich wollte ich ja nur etwas über das Bildprogramm der Torgauer Pfarrkirche „Schmerzhafte Mutter“ schreiben. Aber wie immer muß man etwas weiter ausholen. Torgau ist eine so unglaublich spannende Stadt!

Was bisher geschah:

Auch in Torgau, der „Amme der Reformation“, stand es einige Jahrhunderte lang schlecht um den katholischen Ritus. Wie in Weimar. Klar – derselbe Landesherr.

Halt! Stimmt ja gar nicht! Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes in der Schlacht bei Mühlberg Ende April 1547 gehörte Torgau doch mit zu den Gebieten, welche der ab dann nur noch „geborene Kurfürst“, der Ernestiner Johann Friedrich I., genannt der Großmütige, an seinen um 18 Jahre jüngeren Cousin, den Albertiner Moritz von Sachsen, abtreten mußte, weil Moritz sich auf die Seite des Kaisers geschlagen hatte. Vielleicht hatte Moritz die besseren Astrologen, die ja bis zum 17. Jahrhundert alle Befehlshaber vor ihren Schlachten berieten. Vielleicht war er aber auch nur deshalb nicht dem Schmalkaldischen Bund beigetreten, eben weil sein Cousin Mitglied war, mit dem er schon seit einiger Zeit Krach hatte (Stichwort Wurzener Fehde).

Wie gesagt, Torgau wechselte nach der Niederlage der Protestanten in die Herrschaft der Albertiner Wettinischen Linie. Leider hatte das keine Toleranz dem katholischen Bekenntnis gegenüber zur Folge. Denn auch Moritz, der „Judas von Meißen“, war ja bereits Protestant, und er blieb nur genau so lange auf der Seite des Kaisers, bis er seinem Ernestiner Vetter die gekreuzten Schwerter im Wappen abgejagt hatte. Und das erfolgte umgehend, der Kaiser war schnell.

Die Pfarr- und Hofkirche Beatae Mariae Virginis wurde zur Stadtkirche St. Marien und einer „grundlegend neuen Innenraumgestaltung“ unterzogen, zu deutsch: Fast 20 Schnitzaltäre und der gotische Hochaltar flogen raus und das Konterfei Martin Luthers wanderte in eins der Kirchenfenster.

(Aber wer wären wir, hier den ersten Stein zu werfen? Daß vor ziemlich genau 50 Jahren die Katholiken selber die Mehrzahl ihrer Kirchen, darunter die Weimarer Herz Jesu Kirche, ausgeräumt und die verzierten Wände überstrichen haben, haben wir ja schon mehr als einmal reflektiert, vgl. hier und hier. [Anm. der Red.: Allerdings ging es bei uns nie so weit, daß ein Glaskünstler einen Theologieprofessor im Kirchenfenster hätte verewigen sollen. Hm! Ob Benedikt Kranemann darüber schon einmal nachgedacht hat? Aber Spaß beiseite! Weiter im Text.])

Die Mönche wurden aus Torgau vertrieben, die Klostergebäude als Pferdeställe und Rüstkammer genutzt und die Franziskanerkirche profaniert. Heute dient sie dem benachbarten Gymnasium als Aula. Die dem Schutzheiligen der Händler und Seefahrer geweihte Nikolaikirche war, obwohl 1519 Schauplatz der ersten deutschsprachigen Taufe (die Hofkirche B.M.V. blieb den Reformatoren bis zum Tod des frommen Katholiken Kurfürst Friedrichs des Weisen im Mai 1525 verwehrt), schon 1529 einer „Nutzung für den städtischen Handel“ zugeführt worden. Auf den Stichen Matthäus Merians firmiert sie als „Mehlhaus“. Heute ist sie von Rathaus, Stadtpalais und Bürgerhäusern derart umbaut,

Rückseite des Torgauer Rathauses mit Resten der Kirchenmauern und dem ehemaligen Chorfenster (Bild: WikiCommons)

daß sie schlechterdings nicht sichtbar ist.

Torgau, Nordturm der Nikolaikirche von der einzig möglichen Stelle in der Breiten Straße aus gesehen (eigenes Bild)

Und so führt sie denn weiterhin ihr Aschenputteldasein

Torgau, Nikolaikirche Mitte Oktober 2018 (eigenes Bild)

, was sie freilich nicht hindert, sich allabendlich von den Täubchen die schönen Kleider bringen zu lassen, die ihre wahre Identität verraten – will sagen: in das zwischen Schloßkirche, Marienkirche und Nikolaikirche abgestimmte Angelusläuten einzustimmen. Ruckedigu. 😉

Und dann?

In den Napoleonischen Kriegen war Dresdens Herrscher, Friedrich August I. König von Sachsen, letztendlich nicht so klug wie sein Vorfahr im Schalkaldischen Krieg – man hatte in der Zwischenzeit ja auch die Astrologen bei Hofe abgeschafft – und so fielen beim Wiener Kongreß große Gebiete, darunter Torgau, an das siegreiche Preußen. Wie in Jena (damals mit Weimar eine einzige Pfarrei, so waren es auch in Torgau die katholischen Soldaten der Garnisonsstadt, denen man ab Mitte des 19. Jahrhunderts den Meßbesuch ermöglichte. (Schön ist ja in diesem Zusammenhang die hiesige Geschichte, daß man der Desertion beim Meßbesuch in Erfurt einen Riegel vorschieben wollte). Und so entstand am westlichen Stadtrand Torgaus eine Kirche, die der Rosenkranzkönigin geweiht war: „Maria zum Siege“ – auch „Unsere Liebe Frau vom siegreichen Rosenkranz“ genannt, Patronat eingedenk der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober.

Fortsetzung folgt morgen

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Neben etlichen Infotafeln und den verlinkten Internetseiten fußt obiger Text insbesondere auf folgender Publikation: Torgau. Renaissancestadt an der Elbe und politisches Zentrum der Reformation, hg. von der Kulturstiftung Leipzig, Leipzig: Passage-Verlag 2015 [=Leipziger Blätter Sonderausgabe 14. Mai 2015], obige Zitate hierin S. 18 (zur Marienkirche) bzw. S. 13 (zu St. Nikolai); der erwähnte Merian-Stich findet sich ebd. S. 10f.

„… der richten wird die Lebenden und die Toten“

Rosenkranz. Trostreich

Fünf Monate lang war mein Rosenkranz verschwunden. Er war mit auf einer Wallfahrt gewesen und dann fand ich ihn plötzlich nicht mehr. Eigentlich trage ich ihn bei solchen Gelegenheiten standardmäßig um den Hals – aber irgendwie muß er in eine Tasche geraten sein, die ich dann nicht durchgesucht habe. Jetzt war diese Tasche wieder im Einsatz – und der Rosenkranz fand sich – natürlich im Rosenkranzmonat!

Was meinen Sie? Warum ich mir nicht einfach für 10 Euro einen neuen gekauft habe? Im Kirchenladen am Erfurter Domplatz zum Beispiel? Weil es sich um einen ganz besonderen Rosenkranz aus dem Rosenkranzatelier von Maryse Fritzsch-Thillens aus Luxemburg handelt. So sieht er aus:

Rosenkranz von Maryse Fritzsch-Thillens, Luxemburg (eigene Bilder)

Maryse Fritzsch-Thillens verarbeitet keine gewöhnlichen Glasperlen oder Kunststoffelemente, sondern Weißen Jade und mattierten Amazonit, Jaspis, Bänderachat und Korallen, Perlmutt und weißen Howlith oder Olivenholz aus dem Heiligen Land. Die Verbindungsstücke sind aus Horn oder Metall. Für die Kreuze und die Medaillons verwendet sie entweder Stücke aus alten Rosenkränzen, in Silber oder Bronze, oder sie läßt sie nach alten Originalen von Hand gießen. Ich wollte schon lange mal hier auf PuLa auf dieses Atelier und diese Künstlerin hinweisen. Jetzt hat ihr eigener Rosenkranz den Zeitpunkt festgelegt.

Mit der Suche nach schönen und wertvollen – das heißt ihrer Verwendung angemessenen – Rosenkränzen habe ich begonnen, als wir ein erwachsenes Paten“kind“ bekamen. Ich ging in den Erfurter Kirchenladen und war über die dortige Auswahl maßlos enttäuscht (ich war lange nicht dort, weiß daher nicht, wie es inzwischen damit aussieht). Aber in dieser Hinsicht ist der Kirchenladen am Domplatz ja keine Ausnahme. Selbst Klosterläden wie der in Admont/ Österreich (Sie wissen schon: dieses Kloster mit der berühmten Klosterbibliothek,vgl. hier) haben Rosenkränze als – man kann es leider wirklich nicht anders formulieren – billige Massenware im Verkauf hängen.

(Da nimmt man dann schon lieber die eigenen zehn Finger zum Abzählen, was ich natürlich beim Spazierengehen etc. auch immer mal wieder praktiziere. Wenn man gar keine Hand frei hat, also z.B. beim Bügeln, bei der Gartenarbeit oder beim Pflaumen Entsteinen, empfiehlt es sich übrigens, einfach die Zahlen von eins bis zehn vor dem jeweiligen Gebet mitzusprechen – das Unterbewußtsein merkt sich das und man hat die entsprechende Orientierung.)

Zurück von den Behelfstricks zu den echten Rosenkränzen: Maryse Fritzsch-Thillens fertigt ausschließlich Unikate. Wenn man in ihrem Webshop, den sie derzeit über die Verkaufsplattform etsy betreibt, nicht direkt fündig wird, kann man sich das Material für Aveperlen und Paterperlen, für Metallkappen, Kreuz und Medaille aussuchen. Da gehen mehrere Emails hin und her, sie antwortet immer sehr rasch und sendet Aufnahmen der Perlen oder auch des fertigen Rosenkranzes mit. Die Kaufentscheidung bleibt den Kundinnen und Kunden – so jedenfalls meine Erfahrung – bis zuletzt freigestellt.

Ich habe natürlich gekauft, was ich mir gewünscht hatte. Nach dem Rosenkranz für den erwachsenen Täufling einen „Geistige Kommunion Rosenkranz“ für eine Freundin zu deren 50. Geburtstag. Den „Geistige Kommunion Rosenkranz“ habe ich erst durch Frau Fritzsch-Thillens kennengelernt. Es handelt sich um einen Kranz aus einer einzelnen plus 33 Perlen, der bei der Eucharistischen Anbetung hilfreich sein kann. Frau Fritzsch-Thillens hat damals handgeschriebene Gebete mitgeliefert – handgeschrieben, weil sie keine gedruckte deutschsprachige Ausgabe mehr vorrätig hatte.

Ihre neueste Kreation ist ein Rosenkranz, der nur ein Gesätz (englisch „decade“ und daher bei der automatischen Google-Übersetzung fälschlich mit „Jahrzehnt“ wiedergegeben) umfaßt und Bernadette Soubirous gewidmet ist, hier. Das Medaillon verzeichnet die Geschichte der Erscheinung von Lourdes und alle von Maria zu Bernadette gesprochenen Worte. Vor fünf Jahren schon hat katholisch.de zum Auftakt des Rosenkranzmonats auf das Atelier von Maryse Fritzsch-Thillens aufmerksam gemacht und damit eine Theologin vorgestellt, die mit ihrem Kunsthandwerk zur Verbreitung des Rosenkranzgebetes beitragen möchte und den Reinerlös jedes verkauften Kranzes dem Hilfswerk „Kirche in Not“ spendet.

Zur Verbreitung des Rosenkranzes möchte auch X 451 beitragen, das auf PuLa schon des öfteren besprochene „Fanzine“ unseres Bloggerkollegen Sebastian Berndt. In Heft Nr. 7 vom Oktober 2018 schreibt der Herausgeber selber über die trostreichen Rosenkranzgeheimnisse – eine Art deutschen Sondergutes unter den Rosenkranzgesätzen: „… der als König herrscht/ … der in Seiner Kirche lebt und wirkt/ … der wiederkommen wird in Herrlichkeit/ … der richten wird die Lebenden und die Toten/ … der alles vollenden wird“ Mit ihrer Betonung der Christusherrschaft waren die trostreichen Geheimnisse, Sebastian Berndt zufolge, zwischen 1933 und 1945 ein wichtiger Halt für die katholischen Christen Deutschlands: „Die trostreichen Geheimnisse sind so eine gewichtige Erinnerung daran – und Einübung darin! –, daß Christus unser eigentlicher, unser einziger Herrscher ist, dem niemand auf Erden gleichkommt und dessen Anspruch niemand auf Erden bestreiten kann“ (ebd. S. 8)

Was allen Lesenden derzeit vermutlich ohnehin einfällt, spricht Sebastian Berndt dann ebenfalls an: Das zweite Geheimnis ist momentan „angesichts dessen, was an systematischer Schuld der Kirchenvertreter aufgedeckt wird, schwer […] zu glauben“ (ebd). In der Tat auch in Weimar schwer zu glauben. Denn bei den Geschehnissen, die vor siebeneinhalb Jahren PuLa auf den Plan riefen, und die bisher alles andere als aufgearbeitet sind (ja – man will nicht einmal mit einer Aufarbeitung beginnen), war zwar die Art der Vergehen eine völlig andere, die Struktur der Vertuschung jedoch dieselbe: Den Opfern glaubte man nicht und schützte zum vermeintlichen Wohl der Institution genau diejenigen, die der Kirche – ihrem Ansehen, ihrem Zusammenhalt – schadeten.

Aber Sebastian Berndt hält auch die Tröstung bereit: Nimmt man das zweite Geheimnis als gegebene Wahrheit an, so „ist sie ungemein entlastend: es ist Seine Kirche, nicht meine; sie ist Sein Leib, und nicht ich muß sie retten, Er hat sie bereits gerettet und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (ebd., Hervorhebungen im Original)

Cornelie Becker-Lamers