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Wie alles begann

Ein Nachtrag zum Kinderchorkonzert

Also ein (vorletztes 😉 ) Mal müssen wir uns doch noch zu Wort melden in puncto Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg. Da wir vor 15 Jahren, als der Chor gegründet wurde, noch in Erfurt wohnten, die Dirigentin aus dem Dombergchor bereits kannten und unsere Tochter mit von der Partie im Kinderchor und dessen ersten Projekten war, hatten wir lange ein Bild an der Wand hängen, das eine Szene aus dem ersten großen Auftritt dieses Chores zeigt: Eine Szene nämlich aus der Musicalaufführung des „Regenbogenfisches“ von Marcus Pfister.

Inhaltlich fand ich dieses Stück immer gruselig, weil es vom Aufhänger, der Zuspitzung und der Konfliktlösung her so absolut unrealistisch ist (und zwar nicht unrealistisch wie Märchen, die ja einfach nur einiges an Vorwissen erfordern, um verständlich zu sein, immer sehr verdichtet sind und daher bekanntlich jede Menge Sinn entbergen, wenn man erst einmal darüber nachdenkt. Wenn man hingegen anfängt, über den Inhalt des „Regenbogenfisches“ nachzudenken und die Handlung mit eigenen Erfahrungen und den Erlebnissen von Freunden abzugleichen, wird es von Moment zu Moment schlimmer!) Ich empfehle daher, nicht so sehr auf den Inhalt zu achten, sondern sich an den herrlichen Kinderstimmen zu erfreuen, die den Plot als kleines Hörspiel für uns aufgenommen haben. Hier (Enjoy! )

Wie auch immer – die Einstudierung in Erfurt geschah damals zweifellos in bester Absicht und die Aufführung war, wie man sieht, denn auch sehr niedlich. Kostüme und Bühnenbild waren liebevoll und vermutlich mit vielen helfenden Händen (und mitdenkenden Köpfen und mitfühlenden Herzen!!!) umgesetzt.

Aufführung des „Regenbogenfisches“ von Marcus Pfister durch den Domberg-Kinderchor, Brunnenkirche Erfurt, 2004 (eigenes Bild)

Da aber, wie wir seit dem pueri cantores-Fest aus der Predigt Bischof Ulrichs wissen, entscheidend ist, was man singt, halte ich es bis heute lieber mit dem Lied „Mitzufühlen, mitzuteilen“, das die Cäcilini im Repertoire (aber leider noch nicht eingespielt) haben. Es handelt davon, daß von Aussehen, Fähigkeiten, Vorlieben, Besitz und Bedürfnissen her alle Menschen unterschiedlich sind – und genau das ist auch gut so, denn dadurch wird klar, daß ausnahmslos jede und jeder den andern etwas zu geben hat:

Komm zu mir! Was ich hab’, teil’ ich mit dir./ Laß uns spielen und fröhlich sein!/ Komm zu mir! Mein Talent gehört auch dir./ Gott beschenkt nicht nur einen allein.“ bzw. „Komm zu mir! Was du bist, das laß ich dir./ Denn ich weiß, wir sind nicht alle gleich./ Komm zu mir! Was du kannst, das zeige mir./ Gottes Welt ist für einen zu reich!

lautet im Wechsel der Refrain dieses Liedes.

Was das Thema Dankbarkeit anbelangt, wäre für Kinder zudem vielleicht unendlich hilfreich, einmal eine Geschichte zu dem (solange man an Stories wie den „Regenbogenfisch“ glaubt so absolut unfaßbaren und unverständlichen) Bibelvers Mt 7,6 a und b zu erzählen. (Zum Beispiel über einen visionären Musiker, der in irgendeiner Pfarrei einen Orgelneubau initiiert, mit den Verantwortlichen fortlaufend abstimmt, sich um die komplette Finanzierung kümmert und den Bau betreut – und wie es ihm hernach erging. – Der drastischen Ausdrucksweise des Bibelverses würde ich mich freilich nie anschließen. Aber so ist die Bibel nun mal an einigen Textstellen: drastisch und ungemütlich.)

In den mehrstimmigen Chorgesang, wie wir ihn zu Johanni in Weimar hören durften, wuchsen die Knirpse übrigens durch die Zusammenarbeit mit dem Dombergchor für Erwachsene hinein. Elisabeth Lehmann-Dronke leitete schon damals dort Registerproben. Ich erinnere mich an das wirklich erste Stück, das die Kinder öffentlich im Dom sangen – vor den Sopran in die erste Reihe gestellt. Es war das Kirchenlied „Schmücke dich, o liebe Seele“ von dem erfolgreichen Dichter- und Komponistengespann Johann Franck und Johann Crüger, beide Guben (genau: Wo kommt es her? Natürlich aus Mitteldeutschland! 🙂 – Für die intonatorischen Unzulänglichkeiten der winzigen Singegruppe bitten wir um Verständnis – es war vom schlichten Kirchenliedsatz keine andere Aufnahme auf YouTube zu finden …)

Hier wäre eine musikalisch etwas bessere Version, allerdings in englischer Sprache:

Ach ja – und natürlich mußte Bach wieder einen drauf setzen 😉 – aber (#PuLaKlärtAuf) auch diese Melodie ist nicht von Bach, sondern von Crüger!

Wenn ich mich recht erinnere, war in der entsprechenden Messe, in der wir das „Schmücke dich“ im Dom gemeinsam mit den Kleinen sangen, gerade noch einmal der soeben aus dem Amt geschiedene Bernhard Vogel zu Besuch in Erfurt. Bemerkenswerter aber und vor allem viel, viel lustiger war ein Spruch eines unserer Freunde im Baß, der schmunzelnd die eifrigen Kinder im Vor- und Grundschulalter betrachtete und murmelte:

Isch weeß immor ni‘ … wenn isch die gleen‘n Kerle von dor ‚dunklen Sündenhöhle‘ sing’ höre …!

Aber allen wohlmeinenden Spottdrosseln zum Trotz und sowieso war diese Heranführung der Kinder an den mehrstimmigen Gesang ein Erfolgsmodell.

Und noch ein Schmankerl zum Schluß: Das hier müssen Sie unbedingt sehen! Wenn Sie technisch die Möglichkeit haben (d.h. über ein Googlekonto verfügen), bitte ich um möglichst viele Daumen nach oben – so viel Tapferkeit muß belohnt werden!!!

Ach ja! Herrlich! Es gab eine Zeit, da hätte man in Herz Jesu Weimar gesagt, immer her damit! Der Mann kann sofort bei uns anfangen! Aber Gottlob hat man sich auch in diesem Punkt vor gut zweieinhalb Jahren auf den Weg der Besserung begeben (man sollte nur – wie in all den guten Ansätzen – die Rast auf halbem Wege jetzt nicht zu lang werden lassen).

Cornelie Becker-Lamers

Nach Hornbostel-Sachs ein „Schneideninstrument“

Information über eine Formation

Das schöne Wort „Flöte“ kommt, der im allgemeinen ja sehr zuverlässigen Internet-Enzyklopädie Wikipedia zufolge, über das Altfranzösische aus dem Lateinischen, bedeutet „kontinuierlich blasen“ und ist ein Ablenkungs-Aerophon, bei dem der Luftstrom über eine Schneide geführt und so in Schwingung versetzt wird, hier.

Vollständig unabhängig davon hat Amei Mende schon immer Flötengruppen geleitet.

Naja – was heißt „schon immer“? Vielleicht so ungefähr seit ich denken kann – also seit etwa Anfang der 70er Jahre. Könnte hinkommen. Jedenfalls aber hat sie Kinder und Jugendliche zum Musizieren zusammengebracht, lange lange lange bevor ich sie endlich kennenlernte. Im Weimarer Land gibt es eine Dachdeckerfirma, die mit der Werbung „Dach? Walter!“ herumfährt. In diesem Sinne könnte man allemal sagen: „Flötengruppe? Mende!“ Bischöfe und Ministerpräsidenten hat sie durch ihr Engagement auf sich aufmerksam gemacht und durch ihre ehrenamtlichen Auftritte zu Dank verpflichtet. Und wenn Sie irgendeine alte Fotografie aus dem Gemeindeleben von Herz Jesu Weimar sehen und sich fragen: Wer ist denn die junge Frau mit der Blockflöte in der Hand inmitten musizierender Kinder? – dann lautet die Antwort mit ziemlicher Sicherheit: Amei Mende (vgl. etwa, im Kontext eines Beitrags, der unter dem sinnreichen Titel „Wer singt, der betet doppelt“ 😉 „Kirchenchor und kirchenmusikalische Gruppen“ vorstellt, das Bild auf S. 87 der von Walter Hentrich zum 100jährigen Kirchweihjubiläum von Herz Jesu Weimar herausgegebenen Broschüre „Kirche/ Haus für alle“, Leipzig: Benno 1991).

Jahrzehntelang war Amei Mende in Erfurt im Schuldienst tätig und am katholischen Gymnasium u.a. für die Organisation der schulischen Messen im Dom zuständig. (Man hört allenthalben, wie schmerzlich sie jetzt vermißt wird und kann es sich vorstellen!) Parallel hat sie immer auch in unserer Pfarrei die Musik unterstützt, wo sie konnte. Insbesondere die Cäcilini sind ihr, was Musicalauftritte und Krippenspiele innerhalb und außerhalb Weimars, aber auch Meßgestaltungen und das gelegentliche Singen im Seniorenkreis anbelangt, zu großem Dank verpflichtet.

Daß Amei Mende in diesem Frühjahr eine neue Flötengruppe in unserer Pfarrei ins Leben gerufen hat, hängt allerdings mit einem Kontakt zusammen, den sie im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit knüpfen konnte – bei den jährlichen Erinnerungsgottesdiensten zum 27. Januar. Da hatte jemand Lust, mal wieder regelmäßiger Musik zu machen und hat sich vertrauensvoll an Amei Mende gewandt. Natürlich ließ sie ihn nicht im Stich und schickte Emails mit Notenmaterial herum. So fand sich in kürzester Zeit eine kleine Gruppe aus sehr guten jungen und aus älteren Gemeindemitgliedern von Herz Jesu mit Unterstützung von Externen zusammen, die zunächst einmal bei den Senioren und dann auch zur Langen Nacht der Hausmusik am 23. März unter dem Motto „Bach trifft Charlotte“ im Palais Schardt auftrat (für Auswärtige: Das Palais Schardt in der Weimarer Scherfgasse 3 ist das Elternhaus der Charlotte von Stein). Zum Gemeindefest am 3. Juni musizierte das Ensemble unter widrigen Umständen (im Freien) erneut (ich glaube gar, im neuen Gemeindebrief, der statt zu Ostern ab jetzt zum Sommer verteilt wird, sieht man die Gruppe auf dem Foto S. 15 (unten) links auf dem kleinen geplättelten Absatz stehen – mittig, wenn mich nicht alles täuscht, gar ein „Bildnis des Bloggers ohne Kopfbedeckung“, will sagen, da ist zufällig Gereon drauf 😉 )

Ich sehe mein eigenes Engagement in dieser Gruppe auch als Platzhalterin: Wir zeigen, was in einer solchen Gruppe von Instrumenten geht (daß die Baßlinie von einer Cellistin übernommen wird, tut dem Gesamtklang meines Erachtens noch einmal so gut – es ist wirklich sehr ansprechende Musik, die da jeweils erklingt und es macht Spaß, sie zu musizieren) und nutzen den gigantischen Fundus an Notenmaterial aller Epochen, den Amei Mende über die Jahre und Jahrzehnte zusammengetragen hat. Wir möchten damit aber vor allem junge Gemeindemitglieder ansprechen, zur Musik in der Pfarrei hinzuzukommen. Wie viele spielen ein Instrument und/ oder können schön singen – und wie wenige wissen das voneinander und stehen für Messen und Gemeindeveranstaltungen zur Verfügung! Also, liebe Kinder und Jugendliche – aber auch liebe Erwachsene – ran an die Buletten, dann treten einzelne Ensemblemitglieder auch gerne für neue Musikerinnen und Musiker zurück! Den Kontakt zur Gruppe wird unser Pfarrsekretär gerne herstellen.

Cornelie Becker-Lamers

Lange Nacht der Hausmusik im Palais Schardt, 23.3.18 (Bild: M.N.)

Gold-Kehlchen

Der Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg gastiert in Weimar

Das war es also: Das „O salutaris Hostia“ von Ēriks Ešenvalds (*1977) brachten die Erfurter Kinder und Jugendlichen im letzten thematischen Abschnitt ihres gut 70minütigen Konzerts

„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“

am heutigen Sonntag nachmittag in der Weimarer Herz Jesu Kirche zu Gehör. Meine Tochter hatte es gehofft – hatte sie das Stück doch schon beim pueri-cantores-Chorfest

„Ist sonst noch ein Chor aus unserem Bistum?“ Katholisch in Weimar

kennengelernt, als die Erfurter über das damalige Programmheft hinaus an jenem 5. Mai genau dieses Lied gesungen hatten – und sie hatte es sofort ins Herz geschlossen.

Kein Wunder – hören Sie mal:

Schon beim Auftritt beeindruckten die (wenn ich richtig gezählt habe) 32 Mädchen und 4 Knaben des mehrstimmigen Chors für gleiche Stimmen durch ihre Chordisziplin und die unaufgeregte einheitliche Kleidung, die sie als Gruppe wiedererkennbar identifizierbar macht. Diese Disziplin war auch Grundlage für Auftrittsformationen, in denen die Zuhörenden überraschend im Laufe des „Da pacem domine“ von Martina van Lengerich (*1964) von den Jugendlichen umrundet wurden und sich plötzlich inmitten der Musik wiederfanden. Von diesem Stück habe ich sogar ein Video des Dombergkinderchores gefunden, aufgenommen im Achteckhaus Sondershausen. (Da es sich also vermutlich um einen Beitrag zur Teilnahme am Wettbewerb Jugend musiziert handelt, konnten die Jugendlichen das mit dem Rumlaufen damals natürlich nicht machen.)

Intonatorisch sicher zeigten sich die Sängerinnen und Sänger bei sekundreibungsreichen Stücken wie „My Lord! I cry“ von Kurt Bikkemberg (*1963). Ein recht flott angestimmtes „Hebe Deine Augen auf“ von Mendelssohn rundete als Zugabe das Programm ab.

PuLa wünscht dem Chor alles Gute auf seiner bevorstehenden Sommerreise.

Cornelie Becker-Lamers

„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“

Einladung zu einem bestimmt sehr lohnenden Kinderchorkonzert

Unter dem Motto „Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“ gastiert am kommenden Sonntag, dem 24. Juni um 16.00 Uhr der Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom (theoretisch hier zu finden) unter der Leitung von Elisabeth Lehmann-Dronke in der Herz-Jesu-Kirche in Weimar. Das Konzert ist dabei die dritte Station einer kleinen Tournee, zu der der Chor anläßlich seines 15-jährigen Bestehens in der heimischen Region unterwegs ist, bevor die Kinder und Jugendlichen zu einer weiteren Reise nach Freiburg, Champagne (Rhône) und – im Rahmen des internationalen pueri-cantores-Treffens – nach Barcelona aufbrechen.

Elisabeth Lehmann-Dronke, auf diesem Blog längst keine Unbekannte mehr, verrät in ihrer Rundmail, mit der sie Freunde und Kollegen einlädt, etwas Genaueres zum Programm. Ich denke, das können Sie auch lesen – zum Neugierigmachen. Das Programm wird

[…] mit alter und neuer Chormusik in der Sprache der Psalmen […] einen großen Bogen von der Klage über die Bitte hin zu Dank, Jubel und Lobpreis“ spannen. „Im Zentrum steht dabei die Komposition Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt von Raimund Wippermann, die zugleich den musikalischen und inhaltlichen Angel- und Wendepunkt des Konzertprogramms markiert“ und der ganzen Aktion darum ja auch ihren Namen verleihen darf. „Weiterhin erklingen Werke von F. Mendelssohn-Bartholdy, David Willcocks, Ēriks Ešenvalds und Kurt Bikkembergs für Chor a capella und mit Orgel.

Soweit die Chorleiterin.
Ešenvalds! Ich weiß nicht, was der Dombergkinderchor von diesem Komponisten singt – aber Ešenvalds ist definitiv eine Ansage. Wir haben unlängst in der evangelischen Kirche Bad Berka stars von Ešenvalds – ja, da kann man wirklich mal sagen: erlebt, von den Emporen heruntergesungen (um nicht zu sagen: gerieselt) durch den Landesjugendchor Thüringen. Hören Sie mal:

Schön, gel?! 🙂

Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem kurzen Posting Ihr Interesse weiter geweckt hätte. In puncto Eintritt ist es wie meist: Hinein kommt man kostenlos, nur nicht wieder hinaus 😉 Will sagen, der Eintritt ist frei und am Ausgang stehen Kinder mit einem Körbchen.

Ich wünsche dem Dombergkinderchor viel Freude beim Musizieren und ein großes und begeistertes Publikum! Mögen die schönen Stimmen der Kinder überall, wo sie auftreten, der Kinderchorarbeit vor Ort aufhelfen!

Cornelie Becker-Lamers

Plakat Chorkonzert in Weimar (Bild: Veranstalter)

Wer singt, betet doppelt

Mal wieder aus X 451 weitergedacht

Das neue X451 ist raus. Nummer 5 ist das jetzt schon, vom Juni 2018, und hat die Bestellnummer ISSN 2568-7409. Das Thema des Heftes ist passenderweise das Pfingstfest im allgemeinen und der Heilige Geist im besonderen.

X451 Nr. 5 Juni 2018 (eigenes Bild)

X451 Nr. 5 Juni 2018, innen (eigenes Bild)

Erneut hat Herausgeber und Verfasser Sebastian Berndt die Bloggerkollegin Claudia Sperlich um einen Beitrag gebeten, und sie trägt unter der Überschrift „Gebet als Laienapostolat“ auf S. 6f. viele biblische Textstellen zusammen, die von der Relevanz des Betens im Leben Zeugnis geben. Luther, so Sperlich, setze falsche Prioritäten, wenn er sage, man könne „Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.“ (S. 6) Denn Liturgie und Gebet seien ja Feiern und Ruhen und in der Messe werde klar, was beten soll: „Es soll die Menschen zur Einheit mit dem Herrn führen, der uns in der Eucharistie nährt und heilt. Es soll das bewirken, wozu wir leben.“ (S. 7)

Aus der Reihe der biblischen Figuren, die Sperlich als Gewährsleute anführt, greift sie die Prophetin Hanna aus der Geschichte der Darstellung Jesu im Tempel zum Schluß ihres Textes noch einmal heraus. Denn in Hanna wird das Beten zum Verkünden. „Gebet“, so die Autorin abschließend, „ist ein Grundpfeiler des Glaubens – und des Laienapostolats. Wer ‚nur beten kann‘, kann das Wichtigste.“

Das gefällt mir natürlich wieder ausnehmend gut – kennen wir doch alle die griffige Formel, daß, wer singe, gleich doppelt bete. Singen und Musizieren wären dann wichtiger als das Wichtigste – und das kann ich für die Entwicklung und das Leben meiner eigenen Spiritualität nur ganz dick unterstreichen! Natürlich ist „entscheidend was man singt„!

Danke, Claudia Sperlich!

Cornelie Becker-Lamers

 

Anmerkung der Redaktion: Naja, “wichtiger, als das Wichtigste” – dichterischer Überschwang, will mir scheinen, denn – das ist ja schon (sprach-) logisch schwierig… Wie wäre es denn mit gewissermaßen ‘doppelt-wichtigst’? 😉
Aber vor allem geht es ja um die Sache als solche und die behält ihre Richtigkeit sogar dann, wenn jemand weder singt, noch musiziert, sondern Musik “nur” oder jedenfalls vorwiegend “passiv” erlebt. Was natürlich auch schon wieder falsch, weil dem Phänomen ‘Musik’ gegenüber unangemessen, ist, aber lassen wir das! 🙂
Bei der Gelegenheit sind mir übrigens Bilder aus dem Februar in die Hände gefallen, als man davon hörte, eine frühere Nummer von X 451 sei unter den Ministranten verteilt worden, sehr gut!, und mindestens ein Exemplar es auch in den Schriftenstand von Herz-Jesu Weimar schaffte, ausgezeichnet! (Es blieb nicht lange dort!!)

Gereon Lamers

Schriftenstand im Februar 2018 (eigenes Bild)

PS: Damals war gerade das Weihwasser in den Becken gefroren, ein Anblick, den man in diesem Früh-Hochsommer mit geradezu wohligem Schaudern genießt, nicht?

Weihwasserbecken (ohne Salz) im Februar 2018 (eigenes Bild)

„Es ist entscheidend, was man singt!“

Rückschau auf das Chorfest der pueri cantores am 5. Mai auf dem Erfurter Domberg, Teil 2/2

Gepredigt hat der Bischof in der anschließenden Messe im Dom sehr sinnvoll und erbaulich. Er warf dabei ein paar Schlaglichter zur Rolle der Musik im Verlauf der Liturgiegeschichte – sehr schön!

Wenn ich das richtig rekonstruiere (ich hatte mir ein paar Notizen gemacht und dies hier recht zeitnah niedergeschrieben), ging es los mit der Erklärung, daß die frühen Christen, um sich von den hochemotionalisierten Mysterienspielen abzugrenzen, überhaupt keine Musik im Gottesdienst wollten. Weil Musik eben Emotionen weckt. Erst Clemens von Alexandrien verhalf unter Rückgriff auf König David, den Psalmensänger, im dritten Jahrhundert der Musik in der Kirche wieder zu ihrem Recht. „Aber“, so schärfte uns unser Bischof ein, „es ist entscheidend, was wir singen“. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich habe das nämlich so verstanden, daß alle Priester in ihren Gemeinden unbedingt für Kinderchöre sorgen sollten, eben weil sie keine Musikschule sind und es in kirchlichen Kantoreien um so unendlich viel mehr geht als um die Ausbildung der Stimme. Nur in den Chören ihrer Pfarrei haben die Priester Einfluß auf die geistlichen Inhalte der Lieder und das Erscheinungsbild der Kinder. Und gerade Priester, die einen emotionalen Zugang zum Glauben vermitteln möchten, sollten, da die Musik Emotionen weckt (s.o.) die Musik in ihrer Pfarrei mit allen Mitteln fördern. Aber das ist jetzt wie gesagt meine Interpretation. Bischof Ulrich fuhr mit Cyprian von Antiochien fort, welcher die Harmonie der vielen Stimmen gepriesen hatte. Darin pflichtete Cyprian Athanasius von Alexandria (gerade mal wieder zur Verbannung in Trier) bei, indem er hervorhob, daß beim Gesang so viele Stimmen wie eine einzige klingen könnten.

Hier schlug der Bischof einen Bogen zurück zum Anlaß der Zusammenkunft und lobte die Arbeit der Chorleiterinnen und Chorleiter. Denn Harmonie ergebe sich im Singen doch nur, wenn die Gruppe auch menschlich harmoniere, es also eine feste Gemeinschaft gebe. Wo ich aus eigenen Erfahrungen in hastig zusammengewürfelten Projektchören nur vehement beipflichten kann: Es geht nichts über das kontinuierliche gemeinsame Musizieren.

Als Gemeinschaft hatte sich unser Grüppchen dann auf dem Rückweg bei der Abfahrt – oder besser gesagt: der Nicht-Abfahrt unseres Zuges zu bewähren. Nach ausführlicher Übergabe des Staffelstabes zur Organisation des nächsten Chorfestes des Regionalverbandes Ost, zu welchem wir für den 16. Mai 2020 nach Dresden eingeladen sind, und noch ausführlicheren Dankesworten war es halb sechs durch, als das Chorfest zu Ende war.

Elisabeth Lehmann-Dronke, die Leiterin des Kinder- und Jugendchors am Erfurter Domberg und Organisatorin des diesjährigen Chorfestes, bei der symbolträchtigen Übergabe des Staffelstabes an Felix Flath, Chorassistent der Dresdner Kapellknaben und Domkantor an der Kathedrale Ss. Trinitatis; rechts im Bild beim gespielten Trommelwirbel Stephan Rommelspacher, Leipzig (Foto: Maria Schmidt, ©Pueri Cantores)

Um 17.45 standen wir auf dem Domplatz und stellten fest, daß unser Zug um 18.02 oder dann eine ganze Weile nicht fahren würde. Ich sagte, das schaffen wir nicht, nicht als Gruppe! Aber wir machten uns auf den Weg, liefen schneller und schneller und nutzten jede uns bekannte Abkürzung, um tatsächlich um 18.00 etwa am Bahnhof zu sein. Die Kinder und Jugendlichen waren voraus gelaufen, aber eine begleitende Mutter, die die beiden jüngsten Teilnehmer anzutreiben hatte, hatte am Ring die Grünphase verpaßt und ich lief wie ein Hundchen zwischen den vorauseilenden Jugendlichen und unseren Schlußlichtern hin und her. Mit meinem wehenden pueri-cantores-Schal und meinem Rucksack auf dem Rücken muß ich einigermaßen lustig ausgesehen haben – aber der Zweck heiligte in diesem Fall eindeutig die Mittel! Mit schwindenden Kräften erreichten wir Nachzügler den Bahnsteig – natürlich erstmal Gleis 8 und nicht Gleis 8a, was ein Riesenunterschied ist! – glücklich um 18.02 oder 18.03 und hätten vom dort wartenden Zug genau die Rücklichter gesehen, hätte der Rest der Truppe sich nicht mit wildentschlossenen Mienen in den Waggontüren aufgebaut und das Schließen der Türen verhindert. Gute Aktion! Danke, Kinder!

Im Zug, und zwar im komfortablen Sofabereich eines abellio-Regionalzugs kamen wir dann, unsere Wegzehrungs-Päckchen auf dem Schoß, natürlich auf das eine oder andere Detail zu sprechen. Eine Sache, die auch die Kinder ermüdet hat, möchte ich hier festhalten. Es geht um den Applaus. Sicherlich in der besten Meinung forderte – leider auch hier vor dem Schlußsegen – der Chorfestdirigent so lange und zu so vielen Themen zum Applaudieren auf, bis man sich die ganze Dankbarkeit, die beim Singen und im Verlauf der Messe gewachsen war, wieder aus dem Leib geklatscht hatte. Zunächst einmal sollten die Kinder sich selbst beklatschen – was ich sehr schwierig fand, denn bis gerade hatten wir die Ehre Gottes im Kopf und in den Herzen gehabt. Dann ging es um die Betreuerinnen und Betreuer. Um alle Chorleiterinnen und Chorleiter. Um einige besondere Chorleiterinnen und Chorleiter. Und deren Ehefrauen und Ehemänner. Alle namentlich. Es ging um einige besondere Chöre – ein Extra-Applaus für diese und jene, jeweils einzeln. Es wird einem schon in der Aufzählung zu viel, und nun stellen Sie sich jeden Punkt mal 10-15 Sekunden Applaus und Gejohle vor. Es durfte ja auch nicht irgendwann weniger werden, der Applaus, das wäre ja gemein demgegenüber gewesen, der gerade genannt worden und doch offenbar ganz wichtig für uns alle gewesen war. „Irgendwann klatscht man nur noch, weil alle klatschen“, wie ein Kind auf der Rückfahrt ganz richtig bemerkte: Die Kraft zu echter Dankbarkeit ist nach so vielen Anläufen erstmal erloschen. Dem Pianisten wurde applaudiert. Dem Domorganisten. Der Seelsorgeamtsleitung. Den Bläsern. Den Maltesern. Dem Küster. Der Layouterin des Chorheftes. Es wurde sogar für die Finanzabteilung geklatscht, weil sie unser aller ihr anvertrautes Geld auch hier und da einmal weiterverteilt. Und das absurdeste (was man aber immer wieder beobachten kann): Dem Bischof wurde gedankt, daß er die Messe abgehalten hat. Hallo? Was denn sonst? Ich dachte, Priester haben sich verpflichtet, jeden Tag die Messe zu lesen, und ein Bischof wäre ja wohl keinen Pfifferling wert, wenn er zu einer solch missionarischen Veranstaltung nicht aus eigenem Antrieb seinen Teil beitragen wollte. Aber den Lieben Gott und damit den missionarischen Impuls der ganzen Geschichte hatten zu diesem Zeitpunkt, so schien mir, sowieso alle vergessen. (Ich hoffe, solche Dankes- und Applaus-Serien nisten sich nicht plötzlich auch in den Festgottesdiensten unserer Pfarrei ein …).

Bitte, bitte, liebe Oranisator*innen in der Zukunft: Weniger ist in diesem Falle mehr! Wir treffen uns und singen zur Ehre Gottes und alle, die sich daran beteiligen dürfen, haben durch die Freude an den Arbeit ihren Gotteslohn (und im einen oder anderen Fall auch ihren Monatslohn) bereits empfangen! Applaus für liturgische Gestaltung ist fehl am Platz und bleibt es noch im aufwendigsten Event.

Schließen wir also nicht mit dem Applaus, sondern mit einem Blick auf die singenden Kinder und Jugendlichen, die, wie Eltern mir bestätigten, doch insgesamt ganz beschwingt zuhause ankamen!

Cäcilini beim pueri cantores Chorfest im Erfurter Dom (eigenes Bild)

Ach ja: Darum ging’s im pueri cantores Chorfest auch… Um eine Stelle aus Wagners Parsifal (Parsifal! 😉 ) – im Vorspiel z. B. ab Minute 13.33, im Verlauf der Oper aber noch häufig, denn es ist das Leitmotiv des Heiligen Gral.
Enjoy! 🙂

 

Cornelie Becker-Lamers

 

P.S.: Möge die Zukunft die Möglichkeiten zur kontinuierlichen musikalischen Arbeit in Weimar geben, von der ich im Text sprach, und zwar sowohl im Bereich der Kinder- und Jugendseelsorge, als auch bei den Erwachsenenchören. Am 5. Mai sind 15 Kinder und Jugendliche aus drei Gruppen nach Erfurt gefahren (Ich glaube, aus Schirgiswalde waren es wieder mehr …). Das widerspricht aufs Krasseste dem Potential unserer Pfarrei und dem Anspruch, der, weil um dieses Potential natürlich jeder weiß, von außen an die Strahlkraft unserer Gemeindearbeit herangetragen wird. Ich bitte Sie, liebe Leser aus der Weimarer Gemeinde, helfen Sie nach Kräften mit, daß die Rahmenbedingungen unserer Arbeit sich in Zukunft verbessern! Bitte! Kommen Sie selber in den Kirchenchor und machen Sie Werbung bei den Kindern und Jugendlichen. „Musik“, wie mir unlängst ein auswärtiger Theologieprofessor schrieb, dem ich eines meiner Lieder zugesandt hatte, „Musik ist ja doch allemal ein Türen- und Herzensöffner.“ In der Tat, das ist sie! Ich bitte Sie: Sprechen Sie von der Musik, die in den Messen und Andachten immer so viel echte und anhaltende Freude erzeugt. Helfen Sie besonders der Kinderchorarbeit!

Damit aus den Weimarer pueri cantores nicht vollends poveri cantores werden.

„Ist sonst noch ein Chor aus unserem Bistum?“ Katholisch in Weimar

Rückschau auf das Chorfest der pueri cantores am 5. Mai auf dem Erfurter Domberg, Teil 1/2

Ja, es fand wieder statt, ein Chorfest des Regionalverbandes Ost der pueri cantores Deutschland. Von dessen Gründung im Frühjahr 2016 und der zugehörigen Feier in St. Moritz Halle hat PuLa damals ja berichtet. Zum diesjährigen Treffen mußten wir sogar nur bis Erfurt fahren (offizieller Bericht hier).

Es strömt – im Bild hier die Rückkehr der Gruppen aus der Mittagspause (eigenes Bild)

Wir taten dies wie vor zwei Jahren mit dem Zug und wurden am Bahnsteig trotz unserer den Veranstaltern bekannten Ortskenntnis von einem freundlichen Herrn in Empfang genommen und den Tag über betreut. Wie nun schon gewohnt, teilte er uns diverse Erkennungszeichen und Souvenirs in Form beschrifteter Polyesterschals und Armbänder, vor allem aber unser Chorschild aus. Das Liederheft war der Pfarrei schon vor Wochen zugegangen.

Das diesjährige Chorheft der pueri cantores, Regionalverband Ost (eigenes Bild)

pueri cantores Chorfest 2018 – Einlaßarmband (eigenes Bild)

Hier unser Schild. Und ja: Cäcilini ist schon der Plural (eigenes Bild)

Und so sah es im Dominneren bald aus:

Ein Rummel wie zur RKW-Wallfahrt: der Erfurter Dom am 5. Mai 2018 voller Kinder- und Jugendchöre (eigene Bilder)

Nachdem uns – gewissermaßen als ‚Vorgruppe‘ – Domprobst, Weihbischof Dr. Hauke begrüßt und auf das Pontifikalamt am Nachmittag eingestimmt hatte, begann um Viertel nach zehn die erste Probenphase. Als hätte er nur eine Gruppe von 20 Kindern vor sich, achtete der Leipziger Propsteikantor Stephan Rommelspacher beim Leiten der Probe auf die korrekte sängerische Haltung: „Stitzen“ – also sitzen und stützen – kam mir dabei als Begriff erstmals unter (sieht man vom Namen des Stehsitzes „Stitz“ der Firma Wilkhahn einmal ab …). Halleluja und Kyrie wurden im Stehen geprobt – also, es ging fürs erste ausnehmend ordentlich zu. Manch größere Kantorei wie etwa der Jugendkathedralchor St. Hedwig Berlin, aber auch die Gastgeber aus dem Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg, die vielstimmige Stücke absprachegemäß eigens geprobt hatten, um sie vorsingen zu können, zeichneten sich durch schöne Stimmen und eine wirklich saubere Höhe aus. (Vgl. etwa hier – bitte beachten Sie auch die wunderschönen liturgischen Gewänder der Jugendlichen, die zum Chorfest in Erfurt mit karminroten, am Rücken bedruckten Sweatshirts angereist waren).

Für Erheiterung Eingeweihter, die sich bekanntlich nicht nur in den Reihen der Weimarer, sondern auch der Jenaer Gruppe finden, sorgte die Begrüßung der Chorleiter. Sie haben oben auf unserem Schild bereits gesehen – in Weimar, einer großen Pfarrei ohne Kantor, dafür aber mit jeder Menge Intrigen, die bis in die Gegenwart fortwirken, ist in puncto Musik alles im Wortsinne nicht so einfach. Als Ansprechpartner, der getreulich sämtliche Mails immer weiterverteilt und für Anmeldung und Abrechnung gesorgt hatte, fungierte daher unser Pfarrsekretär und wurde folgerichtig von dem ahnungslosen Stephan Rommelspacher als Chorleiter begrüßt. Als wir uns am 8. Mai im Weimarer Pfarrbüro wieder begegneten, begrüßte mich Herr Grubert mit den Worten: „Ich kann nichts dafür!“ 🙂

Für die Mittagspause waren etliche Führungen und Aktivitäten geplant und verdoodelt worden – ein wirklich aufwendiges und tolles Programm! Wir Weimarer gingen, selbstverständlich nicht ohne die gewissenhafte Anleitung unseres Ehrenamtlers, in die Edith-Stein-Schule zur Tanzimprovisation – mit dem Erfolg, daß den jungen Damen die Aktion geschlossen zu peinlich war und wir zwei Erwachsenen mit zwei zehnjährigen Jungs das Freie Tanzen mitmachten. Dem Rest nahmen wir das Versprechen ab, sich nicht vom Schulhof zu entfernen. Hat auch geklappt. Unser Betreuer war ja auch noch da, und wer nicht will, der hat schon. Beim Hühnerfrikassee in den Klassenräumen trafen wir dann alle wieder.

Um 14.30 Uhr war ein offenes Singen auf den Domstufen angesetzt, zu dem Bischof Ulrich bereits anwesend sein sollte und auch war. Vom Rückweg zum Dom gibt es aber noch eine lustige Anekdote zu erzählen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Wir nahmen den Weg durch die Schlösserstraße und wollten eben am Fischmarkt auf einige Schaufensterbummler warten, als ein Polizist auf das Mädchen zuschritt, das unser Chorschild trug. Die Polizeipräsenz war mir gar nicht aufgefallen, der Fischmarkt ist ja immer voll wegen der Straßenbahnhaltestellen und an diesem heißen Tag waren es auch noch alle Tische der dortigen Eiscafés. Wie sich bei näherem Hinsehen aber tatsächlich herausstellte, standen sich rechts und links der Bahngleise zwei kleine Gruppen offenbar demonstrierender Menschen gegenüber. Ich glaube, es ging um den Marbacher Moscheebau. Vielleicht zwei Dutzend Leute vor der Kunsthalle waren dagegen und die zwei Dutzend vor dem Rathaus waren dagegen, daß die vor der Kunsthalle dagegen waren. So ungefähr. Jedenfalls hielten beide Gruppen je eine Tafel in die Höhe und der Polizist glaubte nun, wir seien auch mit von der Partie. Wir konnten seine Bedenken rasch zerstreuen, luden alle auf die Domstufen ein und gingen durch die Rumpelgasse unseres Weges.

Und kamen wieder am Dom an. Von diesem Ereignis ist natürlich niemandem von uns (wir haben ja mitgesungen), sondern der bestellten Fotografin das beste Foto gelungen, und wenn ich die Hinweise richtig verstanden habe, dürfen wir es unter Angabe der Bildrechte publizieren. Hier ist es also. PuLa proudly presents:

Offenes Singen auf den Erfurter Domstufen zum Chrofest der pueri cantores Ost am 5. Mai 2018 (Foto: Maria Schmidt, ©Pueri Cantores)

Es geht los. Der Bischof spricht natürlich einige freundliche Worte zur Einstimmung, begrüßt die weit Angereisten und die Chöre seines Bistums. Zuerst die Gastgeber: den Kinder- und Jugendchor am Erfurter Domberg (die entsprechende Gruppe jubelt). Aber er hat auch eine Gruppe aus Nordhausen gesehen (jubeljubeljubel). Und eine aus Heiligenstadt (grööööööl). Und aus Jena (hääääääääääääääääiii!). Oh! Sagt der Bischof, ein großer Chor – naja, ist ja auch eine große Pfarrei.

(Das stimmt, lieber Herr Bischof, Jena ist eine große Pfarrei. Daher kommt aber nicht der große Chor. Weimar ist auch eine große Pfarrei. Sie wissen doch: Beinahe 6.000. Das können Sie nicht vergessen haben – das hat doch jemand benutzt, um seinen Rückzug ein wenig bunter zu gestalten. Mit der Größe der Pfarrei hat die Größe des Chors also nichts zu tun. Wohl aber mit der Personalpolitik des Bistums, die die Kantorenstellen nach Kriterien zuweist, deren Logik sich mir nach wie vor verschließt [den ersten diesbezüglichen Brief habe ich im Jahr 2010 an den Weihbischof verfaßt, wie alle weiteren leider ohne Erfolg]. Und mit der Existenz von Ehrenamtsbetreuung und Ehrenamtskoordination in der Pfarrei selber. Damit hat es auch zu tun. Wenn die nahe Null ist, sieht es eben schlecht aus. In Weimar scheint zudem ein ungeschriebenes Gesetz zu herrschen: Daß nämlich, wer denn schon unbedingt Kinderchorarbeit in der Gemeinde ermöglichen möchte, die Chormitglieder doch bitte schön auch selber zur Welt zu bringen habe. Die können ja dann noch ein paar Gleichaltrige anheuern. Werbung um Nachwuchs gibt’s nicht! Wir sind doch keine Musikschule! Bei solchen Voraussetzungen sind zweistellige Mitgliederzahlen ein echtes Kunststück, das mir nur für die eine oder andere Aufführung projektweise geglückt ist.)

Klammer zu.

Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja: beim großen Jenaer Chor (übrigens allesamt in einheitlich roten, gelbschriftbedruckten T-Shirts), der da gerade seine Chorhefte in der Luft schwenkt. Und aus Heyerode habe er eine Gruppe gesehen, fährt der Bischof fort (es jubelt aus der entsprechenden Ecke. Aus Heyerode waren auch wenige. Vermutlich war dem Bischof aber die pinkfarbene Chorkleidung der Musikwerkstatt ins Auge gefallen).

Tja – und jetzt? Jetzt fällt der für die gesamte Weimarer Pfarrei entscheidende Satz: „Ist sonst noch ein Chor aus unserem Bistum?“ ruft der Bischof ins Mikrofon. Wir grölen pflichtschuldigst los und fuchteln mit unseren Chorheften in der Luft herum. Der Bischof wirkt irritiert. Es will ihm nicht einfallen, wen er vergessen haben könnte. Dabei war er gedanklich gerade schon in Jena, jener großen Pfarrei im Dekanat? – eben: im Dekanat Weimar! Der Bischof neigt sich einem seiner Berater zu – und da wird er endlich erlöst: „Ach! Weimar!“

„Daß die Erfurter immer Weimar vergessen“, empört es sich neben mir. Tja: „O Weimar! dir fiel ein besonder Los …“ [vgl. auch hier] (Zu unserem Trost hat Goethe wenigstens für jede Gelegenheit den richtigen Kommentar formuliert.) Vielleicht hätte der Bischof ja doch 2016 zu unserem 125jährigen Kirchweihjubiläum kommen sollen, statt nur Pontifikalvespern zum Patronatsfest der Jenaer Studentengemeinde abzuhalten? Ob das seinen Blinden Fleck hätte verhindern oder zumindest vermindern können? Wer weiß?

Fortsetzung folgt morgen.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Neulich im Non-Food-Bereich…

…meiner bevorzugten Quelle für die Ernährung im Dienst (für ältere Erfurter: Die ehemalige sog. „Müller-Kaufhalle“):

Eiskelche im Non-Food-Bereich (eigenes Bild)

In der Vorbereitung dieses kleinen Beitrags merkte ich, vor exakt vier Jahren, da gab es schon einmal so ein Phänomen! Witzig ist das und es führte mir erneut vor Augen, wie lange dieses Projekt nun schon besteht. Deo volente (et nobis viventibus) wird es weitergehen, Vorschläge für die Feierlichkeiten zum 10-jährigen werden ab sofort entgegengenommen… 😉

Gereon Lamers

„ … und laßt euch nieder unter dem Baum“ (Gen 18, 4)

Trinitatis

“Gott ist dreifaltig einer”, singen wir. Wenn wir die Unterschiedlichkeit der drei Personen betonen möchten, sprechen wir von Dreifaltigkeit, wenn wir die Einheit des dreieinen Gottes betonen wollen, von Dreieinigkeit. Jedenfalls feiern wir es heute.

Im Park von Bad Muskau habe ich während unseres dortigen Aufenthalts Mitte Mai 2018 ein schönes Bild für die Dreifaltigkeit/Dreieinigkeit gefunden. Der Fürst hat nämlich gerne drei Bäume so dicht beieinander pflanzen lassen, daß sie als einer erscheinen. Das sind zum Teil drei verschiedene, so daß sich ein Farbklang ergibt, dreifarbig wie beim Pücklerschen Eis. Vom Schloßturm herab habe ich eine solche Anpflanzung mit Rotbuche fotografiert, schauen Sie:

Baumanpflanzung im Muskauer Park (eigenes Bild)

Das können aber auch drei gleiche sein wie zwei Gruppen von Kastanien im Hof des Vorwerks. Davon habe ich ganz viele Fotos gemacht, weil sie mich sofort an eine Versinnbildlichung der Dreieinigkeit erinnert haben. So sehen die drei Kastanien aus. Die Krone der Baumgruppe wirkt, als wäre es nur eine Pflanze:

Dreieinige Kastanie im Hof des Muskauer Vorwerks (eigenes Bild)

Natürlich saß immer irgend jemand auf der weißen Parkbank und den Bäumen. Unter der anderen Baumgruppe, im selben Hof benachbart angepflanzt, standen sogar die Caféhaustische des immer gut frequentierten „Café Vorwerg“. Was die Assoziation vollendete, heißt es doch in der Textstelle in Genesis 18,8, in der drei Männer dem Mose erscheinen und die als Vorschein der Dreieinigkeit gedeutet wird: „ … und [Moses] blieb stehen vor ihnen unter dem Baum und sie aßen. (Gen 18, 8)

Cornelie Becker-Lamers

Augustinus und die Stickgarnreste

Wir feiern Pfingsten.

Die perfekte Zeit, um auf einem katholischen Blog das Gebet an den Heiligen Geist zu zitieren. Es wird dem Heiligen Augustinus zugeschrieben und geht so:

Atme in mir, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges denke.

Treibe mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges tue.

Locke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges liebe.

Stärke mich, du Heiliger Geist, daß ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du Heiliger Geist, daß ich das Heilige nimmer verliere.

Ich merke schon: Sie kennen das. Gut so! Steht ja auch im Gotteslob (GL 7,2), und außerdem ist der Text schon beliebig weiterverwendet worden, zum Beispiel hier (aber Vorsicht – das Anhören kann Übelkeit verursachen!)

Also doch kein Grund, es auf unserem Blog erneut zu zitieren? Stimmt! Hätte man nicht eine eigene kleine, völlig irre Geschichte dazu zu erzählen, die zugleich für ein paar Bilder sorgen kann.

Haben wir aber natürlich.

Diese Geschichte geht so:

Es war einmal ein Leinenrock aus recht ordentlichem Stoff. Und eine ganze Schachtel voller bunter Reste mit Stickgarn von meiner Großmutter. Einige Garne dufteten nach ihrem Parfum – bald tat es die ganze Schachtel und dann die Schublade, in der ich die Garnreste aufbewahrte.

Irgendetwas mußte geschehen.

Ich besah mir den Rock und dachte: Entweder, du gibst ihn weg, oder du machst etwas völlig Irres daraus. Natürlich habe ich mich für das Irre entschieden. Ich wollte den Rock mit einem schönen Gedicht besticken und dabei zugleich das duftende Garn verbrauchen.

Das erste Jahr nach der grundsätzlichen Entscheidung ging mit der Auswahl des richtigen Textes dahin. Es sollte um die Gottesmutter gehen und ich dachte an das Ave Maria. Dann führte Kaplan Messer den Akathistos-Hymnos auf (Sie sehen – die ganze Sache liegt einige Zeit zurück …). Ich war Feuer und Flamme, besorgte mir den Text dieses Gebetes und glaubte, die Entscheidung sei gefallen. Wäre sie vielleicht auch gewesen, gäbe es da nicht ein gravierendes Problem: Der Akathistos-Hymnos ist nämlich auf griechisch. In meinen Kreuzstichalphabete-Stickanleitungen (#Kompositum 😉 ) habe ich aber nur Vorlagen für lateinische Buchstaben – und soweit, daß ich mir eine Stickmustervorlage für griechische Buchstaben hätte ausdenken wollen, reichte es nicht. Also weiterüberlegen. Irgendwann landete ich bei dem Gebet des Augustinus, das ich seit langem auf deutsch in jeder Messe bete – und war damit vom Plan eines Mariengebetes wie von dem der Originalsprache gleich weit abgerückt. Aber das macht nichts!

Nun ging es an die Umsetzung. Es mußte ja eine Form haben und die Schrift irgendwie durch Linien eingegrenzt sein. Wir sind ja nicht in der modernen Grundschule, wo die Kinder auf Blankoseiten nach Gehör schreiben müssen und kreuzunglücklich werden. Nein – ich wollte kreuzstichglücklich sein und begann, in grüner Farbe eine erste Linie zu sticken.

Das ging so etwa einen halben Meter lang gut.

Dann hing der Rock etwa zwei Jahre im Schrank.

Es war unglaublich öde.

Wirklich eine Strafarbeit, dachte ich. Wir sind doch hier nicht in den Grundschulen des 19. Jahrhunderts, wo die Mädchen sinnlose Kreuzchen auf ein altes Stückchen Leinen sticken, um sich auf die Arbeit an ihrer Aussteuer vorzubereiten. Außerdem bin ich bereits verheiratet.

Irgendwann holte ich den Rock aber doch wieder hervor und dachte: Entweder du machst Renovierläppchen zum Ablaugen der Türen draus (weggeben konnte ich ihn in diesem Zustand ja nicht mehr – mit einem halben Meter dunkelgrüner Kreuzstichlinie drauf), oder du realisierst deine völlig irre ursprüngliche Idee.

Weil es irgendwie doch cool war, diese Stickerei, realisierte ich die völlig irre ursprüngliche Idee und bekam plötzlich Spaß daran. Durch Zufall – man hätte das ja niemals vorher abmessen oder abzählen können – paßten jeweils ganze Worte auf die Stoffhälften vorne und das breitere Rückenteil. Es steht also nirgendwo „Hü“ oder „daß ich Hei“. Das hielt ich für ein gutes Zeichen. Buchstabe um Buchstabe wurde fertig, die duftenden Garnreste wurden weniger (wenn auch immer noch nicht aufgebraucht) und zu guter Letzt hatte ich einen ganz besonderen Rock hergestellt. Ein Fall für The Cathwalk? So jedenfalls sieht er aus:

Stickerei-Detail (eigenes Bild

Rock, Ausschnitt (eigenes Bild)

Rock, gesamt (eigenes Bild)

Das ist die Geschichte – und der Rock ist jetzt schon seit einigen Jahren da, natürlich mit passenden Knöpfen in allen Regenbogenfarben ausgestattet. Ein weitschwingender Rock würde sich ja sogar zum Tanzen eignen – und siehe da, auch das ist diesem Gebet schon widerfahren

Frohe Pfingsten!

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Apropos: „Pfingsten“: „Remember Quatember“ (Wenn Sie ausnahmsweise das Denglisch [oder Latenglisch? 😉 ] nachsehen wollen, bitte). Also, diese Woche ist eine Quatember-Woche: „Nach Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei gedenke, daß Quatember sei“, wie der alte hilfreiche Spruch geht.

Gereon Lamers