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Sachen gibt’s, die gibt’s nicht!

Eine kleine Anekdote über die große Rolle des Internet in der heutigen Zeit

Gestern stehe ich unterwegs zur Cäcilini-Probe vor dem Pfarrhaus und rede beim Fahrradabschließen mit einer der Jugendlichen, als zwei geschäftige ältere Damen in Hosenanzügen und Laufschuhen auf den Pfarrhof stürmen und an der Glastür rütteln. „Zu!“ ruft es fassungslos. Die Damen sind derart in Eile, daß ich ein menschliches Bedürfnis vermute und entschlossen bin, rasch zu helfen. Man erlebt ja immer wieder, daß scheinbar ratsuchende Menschen gezielt das Pfarrhaus ansteuern, aber nicht die Seelsorge, sondern bloß eine Toilette suchen. Ich trete also herzu und werde, noch bevor ich grüßen kann, in die Pflicht genommen: „Können Sie uns helfen!“ Es ist nicht wirklich eine Frage. Die Erklärung des Auftritts erfolgt wiederum, bevor ich auch nur ein erstes Mal reagieren kann. Und sie betrifft doch tatsächlich nicht die Örtlichkeiten, sondern – die Cäcilini! „Hier soll ein Vokalensemble stattfinden!“ höre ich, und diesmal reicht die Zeit endlich für ein freundliches „Ja“ von meiner Seite. – „Da wollen wir hin!“ Ich nehme die Damen näher in Augenschein und denke: ‚Der liebe Gott hat Humor!‘ Sie müssen wissen, daß ich immer mal um weitere Mitglieder für unser kleines Vokalensemble bete, denn – wie man so schön sagt: Es ist doch ja kein anderer nicht, der für uns könnte streiten. Da Christi Bodenpersonal in unserer Pfarrei alle Musik, die die beiden Herren nicht selber machen, herzlich gleichgültig ist, hilft ja auch wirklich nur noch beten. ‚Ah!‘ denke ich also. ‚Gott hat mein Gebet erhört – aber in anderer Weise als ich dachte. Das hat man ja immer schon mal. Auch gut! Erst mal sehen, was wird. Und überhaupt: Warum nicht? Man soll niemanden ausschließen.‘ Für all dies habe ich ohnehin nur Sekundenbruchteile Zeit, denn weitere drängende Fragen stehen an: „Wo ist denn dieser Elisabethsaal?“ – „Der ist hier“, sage ich und mache eine kleine Geste mit der einen Hand, während ich mit der anderen die Schlüssel am Bund zu sortieren versuche. „Und warum ist zu?“ Es bricht aus beiden zugleich hervor. „Der Sekretär wird gerade gegangen sein“, sage ich. „Sechszehnuhrdreißig stand da, das haben wir!“ sagt die eine mit Blick auf die Uhr und die andere fügt hinzu: „Hätten wir uns gar nicht so zu beeilen brauchen!“ – „Wir fangen heute Viertel vor erst an.“ – „Das stand da aber nicht!“ – „Stimmt. Wir sind wenige, und da treffen wir solche Absprachen per WhatsApp.“ (Denn etwas Sichereres steht uns ja in Herz Jesu Weimar bisher nicht zur Verfügung. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.)

Der langen Rede kurzer Sinn: Die beiden Damen sind nur für drei Tage zu Besuch in Weimar, haben uns im Internet gefunden (ich denke mal, bei den „Terminen der Woche unserer Homepage) und gehen von einem kleinen Konzert aus. (Also doch keine neuen Mitglieder. Gut. Erspart Diskussionen mit den Jugendlichen. Also weiter beten.) Als sie hören, wir halten nur eine Probe ab, und noch dazu eine, in der wir in Vorbereitung auf den Kreuzweg, den wir am 8. März in St. Franziskus, Sömmerda anbieten, nur ein Lied proben und ansonsten Texte besprechen, möchten sie zuhören und mitmachen. Tatsächlich erweist sich eine der Damen als sichere Sopranistin. Sie singt mit. Ihre Freundin bleibt in den Stuhlreihen sitzen. Und es kommt, wie es kommen muß: Die Dame, die nur zuhört, formuliert ihre Begeisterung über den Chorklang der sechs Jugendlichen. Völlig anders als von den Touristinnen geplant, sind wir doch wieder positive Botschafterinnen unserer Pfarrei und Botschafterinnen des Glaubens geworden.

Und warum? Weil Menschen sich via Internet informieren und neugierig werden konnten. Ich denke, auch in der Jugendarbeit wird beispielsweise ein Instagram-Account über kurz oder lang für unsere Pfarrei unverzichtbar sein. Mittlerweile treten schon Bekleidungsläden mit ihrem Online-Shop auf dieser Plattform auf, weil sie klugerweise dort sein möchten, wo die Jugendlichen hinschauen. Und das ist derzeit Insta. Instagram ist, es mag einem gefallen oder nicht, der virtuelle Raum, in dem die Jugendlichen sich täglich austauschen und sich zu ihren Treffen in der Wirklichkeit verabreden.

Nun aber zum Abschluß: Was haben wir gesungen? Teile daraus fielen heute schon: Es ist das lateinische „Verleih uns Frieden“, dem die Zeilen vom streitenden Gott folgen. Es ist das „Da pacem domine“, in dem Charles Gounod (1818-1893) den Text einer gregorianischen Antiphon vertont hat. In diesem dreistimmigen Satz ist es nicht einfach, die Tonhöhe zu halten. Ich glaube, das liegt daran, daß die Mittelstimme über weite Strecken a‘ zu singen hat. Der zweite Sopran ist wie eine Spiegelachse für die beiden Randstimmen. Wenn diese Stimme sackt (was auf identischen Tönen leicht passiert), sackt der ganze Chor, in der Regel um einen Halbton. Das ist den Cäcilini in der Messe am 26. August 2018 passiert, als wir das Werk schon einmal aufgeführt haben. Und es passiert etlichen Ensembles, die ihre Interpretation dennoch ins Netz stellen. Ein einziges YouTube Video habe ich gefunden, auf dem Tempo, Aussprache und Intonation stimmen. Hier ist es: Das „Da pacem domine“ von Charles Gounod in einer Aufführung durch den Knabenchor capella vocalis im Jahr 2018.
Enjoy! 🙂

Natürlich haben auch andere Komponisten den Text vertont. Besonders schön finde ich den vierstimmigen Satz von Arvo Pärt (*1935), den der Este 2004, zwei Tage nach dem Bombenanschlag in der Madrider U-Bahn zu komponieren begann. Bis heute wird das Werk in Spanien am Jahrestag des Terroranschlags zum Gedenken an die Opfer aufgeführt. Hören Sie eine Interpretation des Estonian Philharmonic Chamber Choir unter Paul Hiller aus dem Jahr 2006:

Wenn Sie die gregorianische Antiphon interessiert, die habe ich auch gefunden. Es ist ein Livemitschnitt von 2012 aus Cagliari. Es singt das Vokalensemble Exsurge Domine:

 

Cornelie Becker-Lamers

Zum Tage: Annette v. Droste-Hülshoff encore

Am Feste Mariä Lichtmeß

Durch die Gassen geht Maria,
In dem Arm den Sohn, den lieben,
Hält ihn fest, und hält ihn linde,
Und ihr Auge schaut auf ihn;
Wie die Englein ihn gesungen,
Ihn die Hirten angebetet,
Huldigten die grauen Weisen,
Läßt sie still vorüberziehn.

Aber Josef ihr zur Seiten
Ist in Sorgfalt ganz befangen,
Prüfend frägt er alle Steine,
Ob ihr Fuß zu kühn sich wagt;
Weiß nicht was er wird erleben,
Aber wunderbare Dinge
Haben aus des Kindleins Augen
Sich ihm heimlich angesagt.

O Maria, Mutter Christi,
Nicht zu dir will ich mich wagen,
Denn du bist mir viel zu helle,
Meine Seel‘ ergraut vor dir,
Bist mir fast wie zum Entsetzen
In der fleckenlosen Reine,
Die du siegreich hast bewahret,
Da du wandeltest gleich mir.

Will viel lieber vor dein Kindlein
Treten, weinend und zerschlagen.
Ist er wohl mein Herr und Richter,
Und du stehst mir minder weit,
Einer Torheit muß ich zollen,
Soll ich nicht in Furcht zerstäuben,
Hat er doch nicht überwunden,
Ist der Held von Ewigkeit!

Liebster Herr, du hast geschaffen
Meine arme kranke Seele,
Wie den Reiz, den vielgestalten,
Der auf breite Straßen führt;
Und du weißt, daß wie vor andern
Frischer Hauch in meiner Seele,
So mich auch vor andern glühend
Jede Erdenlust berührt!

Hast du mir zu reichen Kräften
Auch ein reiches Amt verliehen,
Reiche Güter zu verwalten
Und ein hohes, reiches Schloß,
Und nun liegt es in Zerstörung,
Graunvoll in der öden Größe,
Wie ein knöchern Ungeheuer,
Wie ein toter Meerkoloß.

Und da ich nach vielen Tagen,
Sonder Glauben, voll der Liebe,
Angstvoll prüfte seine Mauern,
Siehe da, sie standen fest!
O mein Herr willst du mich hören,
Auftun deine Gnadenschätze,
Sieh ich will getreulich bauen
Meines Lebens trüben Rest.

Muß mein Haus gleich stehen eine
Öde warnende Ruine,
Ach, nur dort mag sich gestalten,
Was so rettungslos zerstört.
Kann ich nur ein Stübchen bauen,
Ausgeschmückt mit stillen Werken,
Wo ich, Herr, dich kann bewirten,
Wenn du bei mir eingekehrt.

Aus den Hallen tritt Maria,
In dem Arm den Sohn, den lieben,
Hält ihn fest und halt ihn linde,
Und auf ihm ihr Auge ruht.
O sie hat das Glück getragen
Durch neun wonnevolle Monde;
Was verkündet jene Frommen,
Trug sie längst im glühnden Mut.

Aber Josef stillen Schrittes,
Tritt nicht mehr an ihre Seite,
Da das liebe, liebe Kindlein
Nun der Herr der ganzen Welt,
Doch wie höher steigt die Sonne,
Schleicht er leis an ihre Schulter,
Und er zupft an ihrem Mantel,
Daß der Schleier niederfällt.

Annette von Droste-Hülshoff

Zum Tage: Annette v. Droste Hülshoff encore

Das Gedicht zum “Synodalen Weg”

Ich hatte es Ihnen versprochen, zum Abschluß des diesjährigen (Kirchenjahr!) Adventskalenders auf PuLa, zu Heiligabend, daß ich ein Gedicht zum heutigen Tage, an dem der sog. “Synodale Weg” begonnen hat, mit Themenschwerpunkt und Live-Stream (!) der Eröffnungs-Pressekonferenz auf seiner Propagandaseite, “katholisch.de” (hier) von Annette v. Droste Hülshoff bringen würde.
Heute war es also soweit und die permanente Berieselung, der wir bereits seit langem in allen offiziellen kirchlichen Medien ausgesetzt sind, sie wird sich wohl noch steigern, unterlegt von den schrill-drohenden Tönen greiser Theologen, denen vermutlich dämmert, daß sie es nicht mehr erleben werden, daß die schwülen Blütenträume der geistigen Treibhäuser ihrer Jugend vor 50, 60 Jahren Wirklichkeit werden.
Ach ja, die ‘Junge Garde’ vom “Kirchenvolksbegehren”, von “Wir sind Kirche”, von “Maria 2.0”, “Junge” Garde, wie es das SED-Politbüro in seinen letzten Jahren war 😉 , und dergleichen medial vergrößerte Miniaturkonventikel, sie quaken ebenfalls ihr immer gleiches Lied.

Wir kennen das alles – und sind es müde! Nur ist es vermutlich keine Option in der zuversichtlichen Erwartung zu verharren, daß auch dieser enorm teure Zinnober, bezahlt von Ihrem und meinem Geld via Kirchensteuer (aber über Kirchensteuer will z.B. das sog. “ZdK” ja nur insofern sprechen, als es darum geht, am Ausgeben selber mitzuwirken…) schon irgendwie vorbeigehen wird, wie bisher noch jeder Versuch, im Rahmen der Kirche in Deutschland vermeintlichen “Fortschritt” zu bewirken – egal, was die Weltkirche dazu sagt.

Das wird zwar so kommen, aber der Schaden, der gerade angerichtet wird, ist dennoch erheblich. Der Ruf der deutschen Katholiken weltweit ist schon schlecht genug, aber “schlimmer geht immer”…
Und was mich besonders umtreibt, das ganze Gerede von „Dialog“ und vom “Zuhören”, es ist doch ‘tönend Erz und klingende Schelle’! Die Wahrheit ist, mit Andersdenkenden, die nicht (und niemals!) werden denken können Böses könne zur “DNA der Kirche” gehören, die vielmehr um die schlicht unzerstörbare Heiligkeit des Grundsakraments Kirche wissen, so empfinden und mit ihr fühlen und leben wollen, ihnen wird nicht nur in keinster Weise zugehört, nein, sie werden verunglimpft, diskreditiert und aus dem Diskurs ausgeschlossen.
Gerne, dem Himmel sei’s geklagt, von Oberhirten und von bezahlten Schreiberlingen (von uns bezahlten Schreiberlingen!) z.B. auf “katholisch.de” und in jeder “Kirchenzeitung”.
Daß sie uns nicht kleinkriegen werden, weil man den Geist nicht kleinkriegen kann, der die Kirche sieht, wie sie in Wahrheit ist, ist klar, und das ist eine Beruhigung und ein großer Trost, aber die aggressive Sprachlosigkeit, die so erzeugt wird, die beschmutzt den Mantel der Braut Christi und macht mir große Sorgen, weil ich im Augenblick schier nicht wüßte, wo mit diesen Leuten, die schon eine Sprache verwenden, auf deren Basis ich mich nicht begeben kann, Verständigung oder auch nur inhaltsvoller Austausch anzuknüpfen sein könnte. Schlimm.

Da tut es gut, auf eine große katholische Dichterin zu hören, dabei zu erkennen, auch zu ihrer Zeit hatte sie bereits mit Leuten zu tun, die sie an das Evangelium von den falschen Propheten denken ließen, und vor allem, den hoffnungsvollen Schluß des Gedichts zu genießen, der zugleich ein Appell ist! Lesen Sie sorgfältig, was sie tun können und mit Genuß!

Am neunten Sonntage nach Pfingsten

Evangelium: Vom falschen Propheten [Mt 7, 15a f.; 21]

»Hütet euch vor den falschen Propheten! – An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen, sammelt man denn Trauben von Dornen? oder Feigen von Disteln? – Nicht jeder, der zu mir sagt ‚Herr! Herr!‘ wird in das Himmelreich eingehen, sondern der, welcher den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist, wird in das Himmelreich eingehen.«

O hütet, hütet euch!
Die Luft hat sich umzogen
Und in den Wolken grell und reich
Hebt sich ein falscher Friedensbogen,
Von dem ein Dämon niederstieg,
Der mit dem Ölzweig bringt den Krieg.

Und allerorten stehn
Posaunende Propheten,
So aus dem Staube Stricke drehn,
So flach die Berge wollen treten.
O hüte dich, ehrwürd’ger Art
Ist ihr Gesicht, und grau ihr Bart!

Der eine zeigt den Riß,
Wo soll auf nackten Höhen
Die göttliche Akropolis
Der christlichen Minerva stehen:
Folgst du ihm nach, du bleibst gebannt
Wo noch kein Hälmchen Nahrung fand.

Da magst vor ödem Stein
Du betend niedersinken,
Und lange noch wird dein Gebein
Ein warnend Beispiel niederblinken,
Als eines, der zu eigner Not
Verwandelte in Stein das Brod.

Der andre deutet tief
Nach einer Höhle Gründen
Und horcht in seinem Wahn, als rief
Ihm eine Stimme aus den Schlünden:
Hieher! was klar das ist ein Schein,
Im Schachte wohnt der Edelstein!

O diesem folge nicht,
Der Gottes Haus zum Schreine,
Und wehe, jenem folge nicht,
Der Gottes Nahrung macht zum Steine!
Doch besser dumpf im Schachte stehn
Als droben frech gen Himmel sehn!

Und auf dem grünen Plan,
Wo frisch die Kräuter schwellen,
Da liegt so hellbetaut die Bahn,
Da sprudeln die lebend’gen Quellen,
Und aus der Demut grauem Stein
Hebt sich ein Tempel schlicht und klein.

Dort findest du ein Mahl
So ganz für dein Bedürfen,
Dort darfst du aus dem heil’gen Gral
Des Glaubens milde Labung schlürfen,
So wie sie einem Wesen recht,
Das noch des ird’schen Leibes Knecht.

O hemme nur dein Ohr,
Vom fremden Klang umzogen!
O blicke lüstern nicht empor
Zum bunten falschen Friedensbogen!
An deinem Tempel sollst du knien,
Das Wetter wird vorüberziehn.

Annette von Droste-Hülshoff

kmäng kmäng bong – hein kom – lahng

Der Kindertag

Wenn‘s politisch wird, von der Kanzel, erkennt man ja immer gern schon mal in irgendeiner Form die jüngsten Fernsehnachrichten wieder. Nicht so in der Vorabendmesse des zweiten Sonntags der Weihnachtszeit, sprich am vorvergangenen Samstag, dem 4. Januar. Tags zuvor waren im Rahmen einer Andacht die Sternsinger in die Welt entsandt worden und darauf nahm der Zelebrant denn auch am Ende des Gottesdienstes Bezug. Da wußten wir noch gar nicht, welch unglaublicher Medienpräsenz sich die als Könige verkleideten Kinder in diesem Jahr erfreuen würden. Ich habe nicht mitgezählt – aber fünf- oder sechsmal war diese fotogene Aktion zwischen Aussendung und Einholung bestimmt in der Lokalpresse, jedes Mal mit buntem Bild: Die Sternsinger wurden ausgesandt – Die Sternsinger beim OB – Guck mal, die Sternsinger – Die ökumenische Schar der Sternsinger vor der evangelischen St.-Marien-Kirche Bad Berka – Da betreten die Sternsinger in einer langen Prozession die katholische Herz Jesu Kirche Weimar und haben in diesem Jahr allein in unserer Stadt 13.800 Euro gesammelt. Interreligiösen schulischen Projekten im Libanon kommt es in diesem Jahr zugute.

Wie gesagt, dieses Presseecho war am 4. Januar noch gar nicht absehbar, aber unser Zelebrant nahm die Aussendung der Sternsinger zum Anlaß, ein Wort zum, wie er sagte, „ideologisch motivierten“ neuen Feiertag in Thüringen zu nehmen: Seit letztem Jahr ist mit dem 20. September der Weltkindertag in Thüringen gesetzlicher Feiertag – eine Entscheidung, die aufgrund ihres Timings (kurz vor der Landtagswahl) recht schnell als Wahlkampfgeschenk entlarvt wurde.

„Der sechste Januar – das ist ein wirklicher Kindertag!“ donnerte es vom Ambo. „Denn bei keinem anderen Projekt weltweit tun Kinder so viel für Kinder wie in der Aktion Dreikönigssingen.“ In der Tat haben die Sternsinger in den letzten 60 Jahren Milliarden an Spendengeldern erbettelt und ersungen. „Der sechste Januar – das wäre ein Feiertag gewesen!“

Die Urkunde für alle Sternsinger der Aktion 2011; in der Überschrift die Losung des Jahres (eigenes Bild)

Recht hat er, der Gute! Aber wie es so ist – siehe „Veggieday“, den man den Kantinen für die Donnerstage vorschlug (bloß nicht der traditionell fleischfreie Freitag …) – ein neuer Feiertag muß in unserer säkularen Welt offenbar so liegen, daß es ja nicht aussieht, als dürften mit dem traditionellen Datum seine christlichen Inhalte wieder ins Bewußtsein rücken.

 

Cornelie Becker-Lamers

Wie gesagt: „Es ist entscheidend, was man singt“ …

Maßvoller Kommentar zu einem aktuellen Aufreger

Es ist entscheidend, was man singt. Bzw. was man Kindern zu singen gibt. Derdiedas „Oma-Gateum ein umgedichtetes -geschriebenes Kinderlied hat es vor Augen geführt und gefährdet die Chefposten höchstrangiger Medienvertreter. Für Tom Buhrow war, als der Videoclip erstmal im Netz stand, die Stellungnahme eine Wahl zwischen Pest und Cholera: Entschuldigt er sich – shitstorm von links und der jüngeren Generation. Verteidigt er das mißlungene Lied – shitstorm von rechts und der älteren Generation.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Wenn noch irgend jemand hierzulande bei künstlerischen Hervorbringungen irgendwelche objektivierbaren Qualitätskriterien anlegen würde. Und wenn‘s nur der Intendant selber ist.

Im vorliegenden Falle hätte das einfachste Kriterium genügt: Die Klärung der Frage nämlich wie gut das Lied den formalen Maßstäben entspricht, die es selber vorgibt. Wie gut, heißt das, besteht es den Selbstreferenztest. Erstmal nur formal – gar nichts kompliziertes.

Das Lied möchte – wie das bei Kinderliedern sehr häufig der Fall ist – gereimt sein. Das erkennt man, wenn man sich den Text ansieht. Die Strophenenden sind fast gereimt. Die Betonung liegt auf fast. Da muß „Arzt vor“ auf „Rollator“, „Kotelett“ auf „kostet“ und „geläutert“ auf „Kreuzfahrt“ passen. Das haben wir schon mal besser gehört.

Wie sieht es rhythmisch aus? „Mich dünkt, sollt‘ passen Ton und Wort“, weist Hans Sachs den Beckmesser in den „Meistersingern“ zurecht. Zu Recht: Wer von einem so stimmigen Kinderlied ausgeht, wie es die originale Oma im Hühnerstall ist, darf bei einer eigenen Bearbeitung nicht hinter der Vorlage zurückbleiben. Auch die Übereinstimmung von Text und Melodie aber wird verfehlt: In zwei von fünf Strophen – nämlich der dritten und der fünften – paßt der neue Text nicht in den vorgegebenen Rhythmus.

Da ich selber seit Jahren sowohl Lieder als auch Satire produziere, weiß ich, wie beides entsteht – und zu welchem Zeitpunkt der Kollege hier die Arbeit für beendet hielt: Zu früh. Ich vermute, nach der ersten Skizze. Die uns vorgesetzten ersten Ideen hätten ganz offensichtlich formal noch deutlich überarbeitet sowie inhaltlich durchdacht und abgewogen werden müssen. Mit einem Text muß man schon so lange ringen, bis „Wort und Weise“ passen – bis der Text reimt und nicht mehr zu viele Silben hat. Das ist nicht immer einfach. Manchmal muß man ein Projekt sogar eine Weile liegen lassen.

Und das Satirische? Ist Strophe fünf eine weitere Ironie in der Parodie? Oder entspringt sie einer echten Unkenntnis des Autors in Sachen Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe? Kaum vorstellbar – aber die Frage ist keineswegs abwegig. Der Text ist hier nicht so eindeutig, wie manche Kommentare ihn paraphrasieren. Egal? Oder zu wenig für eine Satire? Ein Lied – eine Aussage. Warum überfährt Oma, deren Umweltverhalten kritisiert werden soll, auch noch zwei Altersgenossen?

Es ist alles unerfreulich! Aber jetzt kommen wir zum vielleicht schwerwiegendsten Punkt. Man ließ das Lied von Kindern singen. Ob sie dadurch instrumentalisiert wurden, wie Wolfgang Kubicki es den Machern vorwarf, oder nicht – man ließ es von Kindern singen, denen sich musikgebundene Sprache erfahrungsgemäß unauslöschlich ins Gedächtnis einschreibt. Wenn diese Kinder selber Großmütter sind, wird eine der letzten Dinge, die sie zuverlässig reproduzieren können, die Liedzeile sein: „Meine Oma ist ne alte …“

Gratuliere, Herr Kollege. Gute Arbeit!

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, der diesen Kommentar auf einem katholischen Blog rechtfertigt: Das Zitat unseres Bischofs: „Es ist entscheidend, was man singt“ und die Gedanken, die ich schon beim Bericht über das Treffen der pueri cantores in Erfurt im Frühsommer 2018 daran geknüpft habe: In jedem weltlichen Chor sind Kinder nicht gefeit vor solchen Zumutungen. Weil selbst Rundfunkchöre zwar für Intonation und Dynamik, Textverständnis und Absprache verläßliche Qualitätskriterien haben und anwenden. Aber ganz offensichtlich nicht unbedingt für den Inhalt der Lieder. Im Juni 2018 schrieb ich auf PuLa (Satzanschlüsse angepaßt):

Daher sollten alle Priester in ihren Gemeinden unbedingt für Kinderchöre sorgen. Nicht obwohl, sondern weil sie keine Musikschule sind und es in kirchlichen Kantoreien um so unendlich viel mehr geht als um die Ausbildung der Stimme. Nur in den Chören ihrer Pfarrei haben die Priester Einfluß auf die geistlichen Inhalte der Lieder und das Erscheinungsbild der Kinder. Und gerade Priester, die einen emotionalen Zugang zum Glauben vermitteln möchten, sollten, da die Musik Emotionen weckt, die Musik in ihrer Pfarrei mit allen Mitteln fördern. 

Ach ja – ganz ohne Weimar läßt sich natürlich auch diese Geschichte nicht erzählen: Raten Sie, an welcher Musikhochschule Zeljo Davutovic, Leiter der Chorakademie Dortmund und verantwortlicher Dirigent in diesem Video, studiert hat … 😉

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Zum Tage: Annette v. Droste Hülshoff encore

Am Feste der Heiligen drei Könige

Durch die Nacht drei Wandrer ziehn,
Um die Stirnen Purpurbinden,
Tiefgebräunt von heißen Winden
Und der langen Reise Mühn;
Durch der Palmen säuselnd Grün
Folgt der Diener Schar von weiten;
Von der Dromedare Seiten
Goldene Kleinode glühn.
Wie sie klirrend vorwärts schreiten,
Süße Wohlgerüche fliehn.

Finsternis hüllt schwarz und dicht
Was die Gegend mag enthalten;
Riesig drohen die Gestalten:
Wandrer fürchtet ihr euch nicht?
Doch ob tausend Schleier flicht
Los‘ und leicht die Wolkenaue:
Siegreich durch das zarte Graue
Sich ein funkelnd Sternlein bricht,
Langsam wallt es durch das Blaue,
Und der Zug folgt seinem Licht.

Horch, die Diener flüstern leis:
Will noch nicht die Stadt erscheinen,
Mit den Tempeln und den Hainen,
Sie der schweren Mühe Preis?
Ob die Wüste brannte heiß,
Ob die Nattern uns umschlangen,
Uns die Tiger nachgegangen,
Ob der Glutwind dörrt‘ den Schweiß:
Augen an den Gaben hangen
Für den König stark und weis‘.

Sonder Sorge, sonder Acht,
Wie drei stille Monde ziehen
Um des Sonnensternes Glühen,
Ziehn die Dreie durch die Nacht.
Wenn die Staublawine kracht,
Wenn mit grausig schönen Flecken
Sich der Wüste Blumen strecken:
Schaun sie still auf jene Macht,
Die sie sicher wird bedecken,
Die den Stern hat angefacht.

O ihr hohen heil’gen Drei!
In der Finsternis geboren,
Hat euch kaum ein Strahl erkoren,
Und ihr folgt so fromm und treu!
Und du meine Seele, frei
Schwelgend in der Gnade Wogen,
Mit Gewalt ans Licht gezogen,
Suchst die Finsternis aufs neu!
O wie hast du dich betrogen;
Tränen blieben dir und Reu‘!

Dennoch, Seele, fasse Mut!
Magst du nimmer gleich ergründen,
Wie du kannst Vergebung finden:
Gott ist über alles gut!
Hast du in der Reue Flut
Dich gerettet aus der Menge,
Ob sie dir das Mark versenge
Siedend in geheimer Glut:
Läßt dich nimmer dem Gedränge
Der dich warb mit seinem Blut.

Einen Strahl bin ich nicht wert,
Nicht den kleinsten Schein von oben.
Herr, ich will dich freudig loben,
Was dein Wille mir beschert!
Sei es Gram, der mich verzehrt,
Soll mein Liebstes ich verlieren,
Soll ich keine Tröstung spüren,
Sei mir kein Gebet erhört:
Kann es nur zu dir mich führen,
Dann willkommen Flamm‘ und Schwert!

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 24

Am sechtzehnten Sonntage nach Pfingsten

Evangelium: Niemand kann zwei Herren dienen [Mt 6, 24; 33]

»Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon, darum sage ich euch, sorget nicht für euer Leben, was ihr essen, noch für euren Leib, was ihr anziehen werdet. – Suchet also zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch zugeworfen werden.«

Wer nur vertraut auf Gottes Macht
In allen seinen Nöten,
Den hat kein Feind zum Fall gebracht,
Den kann kein Übel töten;
Und wo die Angst ihn überfällt,
Da wird der allerstärkste Held
An seine Seite treten.

Der wird mit seinem scharfen Speer
Die Gegner ihm zerstäuben,
Und von dem allergrößten Heer
Kein Huf wird übrigbleiben;
Sei’s äußrer oder innrer Feind,
Wenn nur der rechte Held erscheint,
Der kann ihm Grenzen schreiben.

Er ist der allerbeste Herr,
Den einer mag erlangen,
Glückselig lebt der Fröner, der
In seinem Dienst gefangen.
So süß ist seine Sklaverei,
Daß jeder, sei er noch so frei,
Mag tragen drum Verlangen.

Des Hungers Qual, der Blöße Schmach,
Die weiß er zu vergelten;
Es durft‘ ihn noch bis diesen Tag
Nicht einer treulos schelten.
Er zahlt mit wucherndem Gewinst
An alle, die in seinen Dienst
Ihr Gut und Leben stellten.

Und aller Stärke Talisman,
Den hält er in der Rechten;
Selbst aus den schärfsten Dornen kann
Er Rosenkränze flechten.
Er zeigt im wilden Kampfrevier
Die echte Aaronsschlange dir,
Mußt du mit Vipern fechten.

Und rüttelt sich der grimmste Feind:
Da lehrt er dich ein Zeichen,
Vor dem, so schlimm er es auch meint,
Muß schnell der Drache weichen.
Nur sei es von bereiter Hand
Mit rechtem Glauben angewandt,
Sonst mag es nimmer reichen.

Wem schwach der Glaube und Vertraun,
Ob ihn die Sehnsucht treibe,
Der darf doch noch von ferne schaun,
Daß er im Nachtrab bleibe;
Auf dem erquickend in der Glut
Des Helden milder Schatten ruht
Wie mächt’gen Schildes Scheibe.

Doch wem der Glaube echt und klar,
Den kann kein Leid bezwingen,
Der mag wohl aller Güter bar
Noch wie ein Vogel singen:
»Schaut doch die Lilien in dem Feld
Wie sind sie frisch und wohlbestellt,
Wie grün und guter Dingen!

Sie haben nicht des Webens acht
Und sind so reich gezieret,
Daß Salomo in seiner Pracht
Viel minder Staat geführet.
Schaut doch die jungen Raben an
Wie sind sie satt und wohlgetan
Wie blank und glatt geschnüret!

Er, der die jungen Raben nährt,
Er wird auch meiner walten,
Und müßt‘ er aus der Schlack‘ am Herd
Die Brode mir gestalten.
O Heil, daß ich den Herrn erwarb,
Bei dem kein Diener noch verdarb,
An ihn will ich mich halten!«

Annette von Droste-Hülshoff

Und damit endet der diesjährige „Adventskalender mit der Droste“ – aber nicht die Gedichte von Annette v. Droste-Hülshoff hier auf PuLa.
Nein, da gibt es noch ein paar, die kann ich Ihnen unmöglich vorenthalten.
Ob Sie’s glauben oder nicht, ich bin z.B. fest davon überzeugt, sie hat eines zum sog. „Synodalen Weg“ geschrieben; lassen Sie sich überraschen! 😉

Das Zaubermärchen

Der Meßbesuch 4/4

Ein Sketchlet zum vierten Advent für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Schafweide vor den Toren der Stadt. Bei gemäßigten Temperaturen und dem einen oder anderen Sonnenstrahl zwischen hohen Wolken ruhen sich die Schafe der allseits bekannten Wundersdorfer Herde auf ihrer Weide im Gras aus. Ab und zu galoppiert ein Lämmchen mit seiner Mutter vorbei. Ab und zu läuft ein Schaf zur Tränke. Aber eigentlich passiert nichts. Gar nichts. Genau die richtige Atmosphäre, um die Ereignisse des hier und da doch wieder turbulenten Advent Revue passieren zu lassen, zu träumen und neue Pläne zu schmieden.

Kohle (schläfrig): „Süße Ruh’, süßer Taumel im Gras, von des Krautes Arom umhaucht“ … (Er gähnt.)

Flocke (fährt fort): „Tiefe Flut, tief, tief trunkene Flut, wenn die Wolk’ am Azure verraucht“

Wolle (ebenso): „Wenn aufs müde schwimmende Haupt süßes Lachen gaukelt herab“

Grauchen: „liebe Stimme säuselt und träuft wie die Lindenblüt’ auf ein Grab.“

Huf (hat von Zeile zu Zeile aufmerksamer zugehört und erhebt sich nun): Um Himmels Willen – was ist das?

Fixi: Kennst du das nicht?

Huf: Nein!

Flocke: Das ist das Gedicht „Im Grase

Wolle: Von Annette von Droste-Hülshoff.

Kohle (sozialkritisch): Hat früher jedes Lämmchen aus dem ff gekonnt!

Huf (betont): Entschuldigung?!

Grauchen: Wir wissen es, Liebes, ihr könnt nichts für die Lehrpläne …

Huf: Das mein ich aber auch!

Flocke: Umso wichtiger ist die Weide, von der man stammt!

Kohle: Dabei wollen sie gerade das verhindern! (Er seufzt und schüttelt sein weises Haupt.)

Fixi: Hauptsache, wir lernen es irgendwo!

Flocke: Ja! Es ist wunderschön. Vor allem ist wichtig, daß man es richtig betont. Als Anapäst. Nicht als Trochäus.

Huf: Verstehe. (Er macht das Betonungsmuster vor.) Süße Ruh!

Blütenweiß (kommt angeschlendert und spricht die Gruppe an): Na?!

Alle: Na?!

Blütenweiß: Denkt ihr auch noch immer an diese Messe im alten Ritus, in der wir am ersten Advent waren?

Alle: Schon! – Klar! – Immer mal – Ich fand das schön! – Das hatte was beruhigendes.

Blütenweiß (außerordentlich gesprächig): Ich fand das so witzig, wo eine Frau kam und fragte, ob jetzt hier sonntags eine Kinderbetreuung wäre – weil so viele Familien mit kleinen Kindern da waren.

Flocke: Das war wirklich witzig!

Wolle: Dürfte nicht vor jeder Kirche so vorkommen.

Blütenweiß: Ich finde, eine solche Messe sollte es auch bei uns geben.

Kohle: Da hast du zweifelsohne Recht, Blütenweiß!

Flocke: Stimmt! Wenigstens ab und zu.

Wolle: Einfach, damit alle es kennenlernen können!

Blütenweiß: Aber warum gibt es sie nicht? Hatte nicht Papst Benedikt das schon 2007 gewollt? Daß es überall angeboten wird, wo Interesse besteht?

Grauchen (nickt): Das war schließlich die Liturgie, die im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg Europa im christlichen Glauben geeint hat …

Flocke: … um nicht zu sagen: ‚hervorgebracht‘.

Wolle: In der gewissenhaften Weitergabe der liturgischen Gesänge.

Kohle: Man sollte sie nicht dem Vergessen anheim fallen lassen – die Mutter der Notenschrift!

Grauchen: Tja – dann mal los: „Auf des Hechtes Geheiß“! (Sie lacht.)

Huf: Wieso Hecht?

Grauchen: Weil der so heißt.

Huf: Wer?

Flocke: Na, der Fisch!

Wolle: Sag nicht, das kennst du auch nicht?

Huf: Nein!

Blütenweiß: Ein russisches Märchen.

Grauchen: Da fängt einer einen Fisch und das ist ein Hecht und der Bursche schenkt ihm das Leben und zum Dank verrät ihm der Hecht einen Zauberspruch, der alle Wünsche erfüllt: „Auf des Hechtes Geheiß nach meiner Weis‘“ – und dann sagt man den Wunsch und die Sache geht ihren Gang.

Flocke: Dann fährt er auf dem Ofen zum Zaren.

Wolle: Oder die Axt hackt allein das Holz.

Blütenweiß (seufzt): So einen Zauberspruch müßte man haben!

Kohle (brummt): Hm! Die Anweisung von Papst Benedikt war eigentlich so klar, daß nur ein fauler Zauber die Alte Messe hier bei uns verhindern kann.

Huf: Na dann – machen wir uns an die Arbeit!

Flocke (rezitiert): „Dennoch, Himmel, immer mir nur/ Dieses Eine nur: für das Lied/ Jedes freien Vogels im Blau/ Eine Seele, die mit ihm zieht,/ Nur für jeden kärglichen Strahl/ Meinen farbig schillernden Saum,/ Jeder warmen Hand meinen Druck“ …

Alle: „Und für jedes Glück einen Traum“!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Na, da bin ich ja mal gespannt, was die Schafe erreichen! Immerhin leben sie nicht wie wir hier in einem Bistum, in dem die Alte Messe trotz aller formal korrekten Anträge seit über zehn Jahren ohne Begründung verbummelt und blockiert wird. Ob das neue Jahr in dieser Hinsicht etwas neues bringen wird? Wir werden sehen!

Zunächst wünschen die Schafe allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und freuen sich auf ihre Abenteuer im nächsten Jahr.

Der Adventskalender mit der Droste, Tag 23

Am einundzwanzigsten Sonntage nach Pfingsten

Evangelium: Vom hochzeitlichen Kleide [Mt 22, 12]

Und er sprach zu ihm: »Freund! wie bist du herein gekommen, und hast kein hochzeitliches Kleid an?«

An manchem Tag mein Hirn wie wüst und öde!
Wie eingesargt mein Herz zu manchen Zeiten!
Vor übergroßer Schwäche schein‘ ich blöde,
Bewußtlos starrt mein Auge durch die Weiten,
O welch ein Bild verschuldeten Verfalles!
O welch ein kläglich Bild der Niedrigkeit!
Wie fühl‘ ich es! doch nicht zu jener Zeit,
Wo neblig mir und unverständlich alles.

Soll ich es Leichtsinn nennen? O mitnichten!
Wie Zentner fühl‘ ich es am Herzen liegen.
Soll ich verstecktem Trotze gleich es richten?
Dann wahrlich müßt‘ ich mich zum Meister lügen!
Des Trotzes Kraft, des Leichtsinns heiter Prangen,
Die sind gebrochen mit dem gleichen Streich;
Nein! einem morschen Stamme bin ich gleich,
An dem die Blätter halbverhungert hangen.

Wenn Nervenspiel mir einmal möchte hellen
Der dumpfen Stirne fieberisch Umgeben,
Aufsprudeln möchten alter Wunden Quellen
Und stoßen vor der Worte sengend Leben:
Wie zittert meine Hand! wie bricht zusammen
Die Körperkraft in solchem Augenblick!
Und eine harte Faust stößt mich zurück
Ein nutzlos Opfer in die eignen Flammen.

Weh mir, ist dies ein hochzeitliches Kleid,
Worin ich deinen Gästen mich gesellen
Und meine arme Lampe lehrbereit
O Herr! an deinen heil’gen Schrein darf stellen?
Ein halb Ertrunkner deut‘ ich nach der Küste
Und aufwärts deut‘ ich schwindelnd, wie verwirrt;
So Israel durch vierzig Jahre irrt‘
Und sucht‘ und sucht‘, und fand ein Grab der Wüste.

Doch weißt du auch, mein Herr und milder Richter!
Es war nicht Eitelkeit, was mich geleitet.
Der zündet nicht dem eignen Moder Lichter,
Wer noch um ird’scher Ehre Kränze streitet!
Der läßt des Sarges Deckel gern geschlossen.
Doch eben jetzt, all deiner Pfunde bar,
Jetzt brächt‘ ich gerne noch ein Scherflein dar
Für alle meines eignen Leids Genossen.

Groß ist die Zahl, das hab‘ ich erst erfahren,
Seit mich die Wellen unter Menschen trieben.
In meiner Heimat noch, der frommen, klaren,
Da mußte Einsamkeit mich sehr betrüben,
Doch als ich in die Fremde nun getreten,
Wie schauderte mir vor Genossenschaft!
Wie Pilze hingen sie am dürren Schaft,
Wie Nesseln schossen sie aus allen Beeten.

Da sah ich auch, wohin es konnte führen
Mutlos zu stehn auf unterhöhltem Grunde;
Noch durfte meine Hand das Kreuz berühren,
Doch andre hört‘ ich jubeln tief im Schlunde.
Da sah ich, wem sich meine Augen wandten,
Da hörte ich, was ich vergessen will,
Noch sprach in mir ein Laut, o steh nicht still!
Schau jene an, sie sind nur still gestanden!

Seitdem auch weiß ich, wem ich bin gesendet;
Dem der da steht, wo ich nicht durfte weilen.
Kein Licht hab‘ ich was leuchtet oder blendet,
Nur eine Stimme! die da treibt zu eilen,
O eile! eile! nur die Schritte wende!
Und ob kein Schimmer durch die Wolke bricht,
So denk »Er herrscht im Dunkel wie im Licht.«
Und falte nur im Finstern deine Hände!

Annette von Droste-Hülshoff

Der Adventskalender mit der Droste,Tag 22

Am vierten Sonntage im Advent

Evangelium: Vom Zeugnisse Johannes [Joh 1, 19; 28]

Sie fragten: »Wer bist du?« – und er bekannte und leugnete nicht: »Ich bin eine Stimme des Rufenden in der Wüste. – Ich taufe euch mit Wasser, aber er steht mitten unter euch, den ihr nicht kennt.«

Fragst du mich, wer ich bin? Ich berg‘ es nicht:
Ein Wesen bin ich sonder Farb‘ und Licht,
Schau mich nicht an; dann wendet sich dein Sinn;
Doch höre! höre! höre! denn ich bin
Des Rufers in der Wüste Stimme.

In Nächten voller Pein kam mir das Wort
Von ihm, der Balsam sät an Sumpfes Bord,
Im Skorpion der Heilung Öl gelegt,
Dem auch der wilde Dorn die Rose trägt,
Das faule Holz entzündet sein Geglimme.

So senke deine Augen und vernimm
Von seinem Herold deines Herren Grimm,
Und seine Gnade sei dir auch bekannt,
Der Wunde Heil, so wie der schwarze Brand,
Wenn seiner Adern Bluten hemmt der Schlimme.

Merk auf! ich weiß es, daß in härtster Brust
Doch schlummert das Gewissen unbewußt;
Merk auf, wenn es erwacht, und seinen Schrei
Ersticke nicht, wie Mütter sonder Treu‘
Des Bastards Wimmern und sein matt Gekrümme!

Ich weiß es auch, daß in der ganzen Welt
Dem Teufel die Altäre sind gestellt,
Daß mancher kniet, demütig nicht gebeugt,
Und überm Sumpfe, engelgleich und leicht
Der weiße Lotos wie ein Kindlein schwimme.

Es tobt des tollen Strudels Ungestüm
Und zitternd fliehen wir das Ungetüm,
Still liegt der Sumpf und lauert wie ein Dieb,
Wir pflücken Blumen und es ist uns lieb
Zu schaun des Irrlichts tanzendes Geflimme.

Drum nicht vor dem Verruchten sei gewarnt;
Doch wenn dich süßer Unschuld Schein umgarnt,
Dann lächelt der Vampyr, dann fahr zurück
Und senke tief, o tief in dich den Blick,
Ob leise quellend die Verwesung klimme!

Ja, wo dein Aug‘ sich schaudernd wenden mag,
Da bist du sicher mindstens diesen Tag,
Doch gift’ger öfters ist ein Druck der Hand,
Die weiche Träne und der stille Brand,
Den Lorbeer treibend aus Vulkanes Grimme.

Ich bin ein Hauch nur, achtet nicht wie Tand
Mein schwaches Wehn, um des der mich gesandt.
Erwacht! erwacht! ihr steht in seinem Reich;
Denn sehet, er ist mitten unter euch,
Den ihr verkennt, und ich bin seine Stimme!

Annette von Droste-Hülshoff