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Die Pietà aus der Handschrift

Ich mochte diese Zeichnung immer. Gucken Sie mal die rechte Hand. Ich liebe es einfach. Es ist eine Federzeichnung in der Randspalte einer spätmittelalterlichen Schülerhandschrift, mit der ich im Studium zu tun hatte. Ich habe das Bild damals vom Mikrofiche kopiert, mir aber leider nicht dazugeschrieben, woher ich es habe. Die Kopie hebe ich jetzt seit über einem Vierteljahrhundert auf und sie hat alle meine Umzüge überstanden. Heute möchte ich Ihnen dieses Bild der schmerzensreichen Mutter zeigen, ohne weiter etwas dazu schreiben zu können als: 

Heilige Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes!

Federzeichnung eines spätmittelalterlichen Schreibers in die Randspalte einer Handschrift (eigenes Bild) Für Hinweise zur Bildquelle sind wir dankbar.

 

Cornelie Becker-Lamers

O Wundernacht!

Zum Tage: Annette von Droste-Hülshoff encore

Als Gereon 2019 den Adventskalender mit Gedichten aus dem Geistlichen Jahr in Liedern auf alle Sonn- und Festtage von Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) zu planen begann, war mir klar, daß ich auch nach Vertonungen ihrer Gedichte, ja idealerweise nach eigenen Kompositionen der Dichterin zum Geistlichen Jahr suchen würde. Denn daß sie selber komponiert hat, wußte ich noch aus meinem Studium in Münster.

Die Familien Droste zu Hülshoff und Haxthausen (mütterlicherseits) waren hochmusikalisch und unterwiesen ihre Sprößlinge sorgfältig. Über von Haxthausens Volksliedsammlungen haben wir im Advent ja bereits durch die Schafe ein bißchen was erfahren. Und Clemens August II, Annettes Vater, soll ein guter Violinist gewesen sein. Maximilian Friedrich schließlich, ihr Onkel und zunächst Priester, wandte sich nach seiner Heirat mit Mitte 20 ganz dem Komponieren und Dirigieren zu. Max von Droste, dessen Werke sogar durch Joseph Haydn in Wien aufgeführt wurden, schrieb für seine begabte Nichte eine Generalbaßschule. Und so überstiegen Annette von Drostes Fertigkeiten im Gesang und am Klavier, besonders aber in der Kunst des Tonsatzes das in Adelskreisen übliche Maß.

Leider fanden sich unter den YouTube-Videos zwar einige sehr schöne Liedeinspielungen bspw. von Heike Hallaschka, aber ich fand keine Komposition der Dichterin selber. Und zum Geistlichen Jahr fanden wir auf YouTube einzig eine Lesung des Dreikönigsgedichtes.

Wie sieht es überhaupt mit Vertonungen zu Droste-Gedichten aus? 1986 hat Irmgard Scheitler im Droste-Jahrbuch 1 (S. 186-202) einen Aufsatz zur musikalischen Rezeption des Geistlichen Jahres vorgelegt, auf den ich mich im folgenden hauptsächlich beziehe. Scheitler führt die Tatsache der im Vergleich zum dichterischen Rang der Autorin spärliche Anzahl von Vertonungen auf eine Sperrigkeit der lyrischen Vorlagen zurück: „Die Gedichte der Droste gelten als schwer zugänglich. Sie befremdeten bereits die Zeitgenossen durch ihre verschränkte Sprache, ihren weit ausladenden Duktus und ihren Gedankenreichtum.“ (S. 190) In der Tat entziehen sich die epenhaften Erzählungen, die sich in ihren subjektiven Reflexionen meist gänzlich vom vorgegebenen Evangelientext entfernen, eigentlich dem Strophenlied. Eine Vertonung müßte in jedem Fall eine durchkomponierte sein. Und so hält Scheitler fest: „Nicht einmal zur Zeit des Kulturkampfes, als die Droste als katholische Dichterin verherrlicht und ihre geistlichen Werke, allen voran das Geistliche Jahr, in den Vordergrund gestellt wurden, nahmen sich die Komponisten der Sonn- und Feiertagsgedichte an.“ (S. 191)

Die Vertonungen, die Scheitler dennoch auflisten kann, treffen in der Regel aus jedem Gedicht eine Stophenauswahl. Und die Komponisten versuchen, ihre Vertonungen durch ein Ausklammern gerade des Typischen des Geistlichen Jahres, nämlich der individualisierenden Strophen, ihre Lieder „auf die Ebene objektiver, für gottesdienstliche Zwecke verwendbare Evangelienbereimung“ zu reduzieren. (S. 193) Eine Ausnahme bildet das „Droste-Chorbuch nach Gedichten aus dem ‚Geistlichen Jahr‘ der Annette von Droste-Hülshoff für gemischte Stimmen“, das Fritz Schieri nach Kriegsende begann und 1959 veröffentlichte. (S. 193f.) Schieri vertont hierfür 17 Gedichte aus dem Geistlichen Jahr, sowohl strophisch als auch durchkomponiert. Seine an Hugo Distler geschulte Kompositionsweise setzt auf Deklamation und Textverständlichkeit, verleiht den selbständigen Stimmen Eigenrhythmik und verzichtet auf Taktstriche, so daß die Musik metrischen Wechseln in den lyrischen Vorlagen Rechnung tragen kann. Durch seine Anordnung nach dem Kirchenjahr (nicht, wie bei Droste, nach dem Kalenderjahr) und das Mitvertonen von in der lyrischen Vorlage etwa ausgesparten Evangelientexten objektiviert Schiris „Chorbuch“ die Gedichte des Geistlichen Jahres und biegt sie auf das Schema des traditionellen Perikopenliedes zurück (S. 197) Das „Lied am Grünendonnerstage“, dem wir uns im folgenden zuwenden möchten, hat Schieri durchkomponiert und als Lied Nr. 9 in seine Sammlung aufgenommen.

Die Wundernacht, eben das „Lied zum Grünendonnerstage“, wird von der Forschung als Indiz dafür herangezogen, daß Annette von Droste-Hülshoff sich das Geistliche Jahr im gesungenen Vortrag vorgestellt hat. (S. 196) Denn dieses Gedicht liegt in einer Vertonung durch die Dichterin selber vor. Die Komposition wird von Scheitler auf die Entstehungszeit der lyrischen Vorlage, nämlich 1820-23, datiert. Diese Zeit steht in der Droste-Forschung unter der Überschrift „Jugendkatastrophe“, da damals eine Intrige Drostes Verlobung und Heirat vereitelte. Sie igelte sich zuhause ein und dichtete, so ihr Gesundheitszustand es zuließ. Namentlich zur Entstehung der Wundernacht zitiert Scheitler eine Briefstelle Drostes an Anna von Haxthausen: „Vorzüglich ist das Lied am Gründonnerstage zu einer Zeit, wo sehr heftige Kopfschmerzen mir zuweilen eine solche Dumpfheit zuzogen, daß ich meine Geisteskräfte der Zerrüttung nahe glaubte, unter den schrecklichsten Gefühlen geschrieben“ (S. 198, Anm. 38).

Es ist immer ein Anfängerfehler, literarische Werke vor dem Hintergrund der Autorenbiographie zu interpretieren. Aber im Falle der Wundernacht ist der Hinweis auf die Entstehungsumstände des Gedichtes wirklich mal hilfreich, da man so wenigstens einen kleinen Hinweis zur Motivierung der verstörenden beiden mittleren Strophen des Gedichtes erhält. Eine Gedichtinterpretation müßte sich von diesem Hinweis dann wieder lösen.

Zur Vertonung der Wundernacht durch die Autorin urteilt Scheitler: „Der Tonsatz ist nichts weiter als eine bescheidene Hülse, ein Mittel gefälligen Vortrags. Der Musik kommt keine interpretatorische Qualität zu, sie legt den Text nicht aus, eher widerlegt sie ihn […]. Der Satz hat etwas Quadratisches an sich; zwischen die Zeilen sind Viertelpausen eingeschoben, […]. Kann man sich zehn Strophen so gesungen vorstellen?“ (S. 198).

Tja: Kann man sich zehn Strophen so gesungen vorstellen? Ja, liebe Frau Scheitler, das war genau die Frage, die auch wir uns gestellt haben, nachdem wir den Notentext in Augenschein genommen hatten. Als unsere Suche nach YouTube-Videos mit Liedern aus dem Geistlichen Jahr scheiterten, ging ich nämlich an die Beschaffung von Notenmaterial. Antiquarisch erwarb ich für wenig Geld eine Ausgabe der „Lieder und Gesänge“, die Karl Gustav Fellerer 1954 ausgewählt und herausgegeben hat. Das Büchlein enthält insgesamt 15 Kompositionen Annette von Droste-Hülshoffs, darunter Vertonungen anonymer Volksliedtexte sowie eigener und fremder Gedichte. Aus dem Geistlichen Jahr ist nur das Lied zum Gründonnerstag in die Sammlung aufgenommen.

Das mußte es also werden, wollten wir den Adventskalender zu irgendeinem Zeitpunkt mit etwas Hörbarem abrunden. Ich schrieb also die Einzelstimmen aus dem Chorsatz heraus und an einem Hausmusikabend spielten meine Töchter, eine Freundin aus dem ‚Blockflötenensemble Herz Jesu‘ und ich die Strophen 1-4, 7-8 und 10 des Liedes O Wundernacht zur Fußwaschung am Gründonnerstag ein. Wir wählten also Strophen aus, ließen die trübsinnigsten (5 und 6) weg und wandten zur Belebung des Vortrags außerdem einen Trick an, den ich im Blockflötenensemble gelernt habe: Wir variierten die Besetzung und ersetzten in der einen oder anderen Strophe einzelne Singstimmen durch Instrumente. Die Einspielung hat keinen Konzertanspruch, sondern ist eben Hausmusik und soll mithelfen, in Zukunft wenigstens einen ersten Höreindruck einer Eigenkomposition der Droste zum Geistlichen Jahr zur Verfügung zu haben.

Hier also kommt nun das Lied.

Enjoy! 🙂

 

Annette von Droste Hülshoff

O Wundernacht

(Am Grünendonnerstage)

Evangelium: Von der Fußwaschung [Joh 13, 1-20]

O Wundernacht, ich grüße!
Herr Jesus wäscht die Füße,
Die Luft ganz stille stand,
Man hört den Atem hallen
Und wie die Tropfen fallen
Von seiner heil’gen Hand.

Da Jesus sich tut beugen,
Ins tiefe Meer sich neigen
Wohl Inseln diesem Gruß.
Ist er so tief gestiegen,
So muß ich ewig liegen
Vor meines Nächsten Fuß.

Herr, ob sich gleich betöret
Die Seele mein empöret
Vor aller Niedrigkeit,
Daß ich vielmehr mein Leben
In Qualen aufzugeben
Für deinen Ruhm bereit:

So gib, daß ich nicht klage,
Wenn du in meine Tage
Hast alle Schmach gebannt,
Laß brennen meine Wunden,
So du mich stark befunden
Zu solchem harten Stand!

O Gott, ich kann nicht bergen,
Wie angst mir vor den Schergen,
Die du vielleicht gesandt,
In Krankheit oder Grämen
Die Sinne mir zu nehmen
Zu töten den Verstand!

Es ist mir oft zu Sinnen,
Als wolle schon beginnen
Dein schweres Strafgericht,
Als dämmre eine Wolke,
Doch unbewußt dem Volke,
Um meines Geistes Licht.

Doch wie die Schmerzen schwinden,
Die mein Gehirn entzünden,
So flieht der Nebelduft,
Und mit geheimem Glühen
Fühl‘ ich mich neu umziehen
Die frische starke Luft.

Mein Jesu, darf ich wählen,
Ich will mich lieber quälen
In aller Schmach und Leid,
Als daß mir so benommen,
Ob auch zu meinem Frommen,
Die Menschenherrlichkeit.

Doch ist er so vergiftet,
Daß es Vernichtung stiftet,
Wenn er mein Herz umfleußt,
So laß mich ihn verlieren,
Die Seele heimzuführen,
Den reichbegabten Geist.

Hast du es denn beschlossen,
Daß ich soll ausgegossen
Ein tot Gewässer stehn
Für dieses ganze Leben,
So will ich denn mit Beben
An deine Prüfung gehn.

 

Nachweise:

Text hier.
Text und vierstimmiger Liedsatz für Frauenchor abgedruckt in:
Annette von Droste-Hülshoff, Lieder und Gesänge, herausgegeben, ausgewählt und erläutert von Karl Gustav Fellerer, Münster/Westf.: Aschendorff 1954, S. 42f.

Zur oben referierten und zitierten Übersicht über die Droste-Vertonungen siehe:
Irmgard Scheitler, Die musikalische Rezeption des
Geistlichen Jahres von Annette von Droste-Hülshoff, in: Droste-Jahrbuch 1. Im Auftrag der Annette von Droste-Gesellschaft herausgegeben von Clemens Heselhaus und Winfried Woesler, Münster: Regensberg 1986, S. 186-202.

 

Seinlassen

„Liturgie und Theater“?

Seit langem fragen wir uns, wie wir es am geschicktesten mal formulieren könnten. Und nun wird im Pfarrblatt SPEZIAL zur Corona-Krise sogar danach gefragt. Denn „Was können wir noch alles seinlassen?“ heißt es im Editorial des  Pfarrblatt SPEZIAL, bevor unser Pfarrer gegen den „kirchlichen Aktionismus“ zu Felde zieht. Hat da einer ‚das Ohr am Volk‘? Wir bedanken uns jedenfalls für die Gelegenheit, einen Umstand zu thematisieren, der sich unseres Erachtens umso mehr als Mißstand herausgestellt hat, je länger er andauert.

Also: „Was können wir noch alles seinlassen?“

Wir hätten da was:

Die ver-rückten Bänke!

Bitte, bitte: die schiefen Bänke in den Querarmen! Einfach mal alle fünfe grade sein lassen!

Irgendwie schräg: die Bänke im nördlichen (rechten) Querarm, wie sie sich seit etlichen Monaten angeordnet finden (eigenes Bild am 9. März 2020)

Im rechten Querschiff ist diese Position der Bänke ein Problem für alle Gruppen, die in einer Messe und dabei insbesondere zum Kommuniongang musizieren. Diese Gruppen stehen nämlich ganz häufig genau da. Ich habe es mehrfach durch: Aufgrund der in den Weg ragenden Spitze der vordersten Bank weiß die Gruppe nicht, wie sie Aufstellung nehmen soll, ohne daß die Kommunikanten auf dem Rückweg zu ihrem Platz aus Versehen die Notenständer umstoßen.
Also schiebt man mittlerweile vor jeder solchen Meßgestaltung die Bänke irgendwie zur Seite aus dem Weg. Es geht nicht anders. Trotzdem ist es immer ein wenig unwürdig für alle Beteiligten: die Bänke, den Raum und die Musiker. Und peinlich. Eigentlich sollte man vor einer Messe nicht die Kirche umräumen müssen.

Dennoch ist das Problem im linken Querarm noch weitaus gravierender. Denn da geht es nicht um Musiker, sondern um stille Beter. Denn im linken Querarm ist – zwar ohne die angestammte Umgebung ihres vollständigen Seitenaltars, dessen Bestandteile nach der Ausstellung zum Kirchweihjubiläum im September 2016 alle wieder im Depot verschwanden, aber doch immerhin an ihrer angestammten Stelle – unsere schöne Marienstatue auf einer Wandkonsole aufgebaut. Derzeit, in der Krise, stehen die Bänke wieder en face zur Figur, aber regulär laufen auch diese Bänke in ihrer Aufstellung aus dem Ruder:

Die Kirchenbänke im linken Querarm: vor oder nicht vor der Marienstatue? (eigenes Bild am 9. März 2020)

So oft wir (und das heißt: nach jedem Meßbesuch in Herz Jesu) zur Marienfigur gehen, um ein Salve Regina zu beten, empfinden wir diese Anordnung der Bänke als Affront gegen die Gottesmutter. Es geht mir nicht um die Bequemlichkeit beim Knien. Ich knie auch gern auf dem Fußboden. Aber in diesen Bänken kniet man so schräg und halb auf der Bank vor der Heiligen Jungfrau, daß es einen von der Andacht ablenken kann.

Das Vorbild dieser Anordnung ist für jeden sofort ersichtlich. Es ist die Theaterbestuhlung.

„Aufgund einer optimalen Sitzanordnung ist auf allen Plätzen eine gute Sicht zur Bühne möglich.“ Sitzanordnung im Theater am Beispiel Lingen

Aber im Unterschied zum Theater existiert in der überwiegenden Mehrzahl der Kirchen nicht die eine Bühne, sondern ein Altarraum und Seitenaltäre, Kapellen oder andere Betorte. Den Marienaltar bzw. dessen Surrogat derart zu marginalisieren, macht mir Bauchschmerzen, seit die Anordnung der Bänke in die beschriebene Schieflage geraten ist. Ich komme damit nicht gut zurecht! Daher wäre ich persönlich sehr dankbar, wenn man die Sache wieder graderücken und dann einfach seinlassen könnte wie ursprünglich vorgesehen.

 

Cornelie Becker-Lamers

PS: Ich versuche ja immer, mir über die von mir nicht minder so empfundene Situation mit einem flotten Spruch hinwegzuhelfen, seit meine Familie mir ‚verboten‘ hat, jeweils eine Bank zur privaten Andacht geradezustellen (und natürlich anschließend wieder schief!), etwa so: „Man kann auch auf krummen Bänken gerade knien!“, aber das ist eben auch nicht mehr als das: Ein Spruch, der nicht wirklich hilft, die nachhaltige Irritation zu beseitigen.

Gereon Lamers

 

Un-erhört: Die Frage nach Threema

PuLa klärt auf

„Threema-Account? Hör ich zum ersten Mal“.

Liebe Kolleginnen und Kollegen im Ehrenamt an Herz Jesu Weimar, sollten auch Sie oder solltet auch ihr zu denjenigen gehören, die auf den Begriff „Threemamit „Nie gehört“ reagieren müssen, lest bitte folgende Zeilen. Es könnte sonst beim nächsten Dekanatstreffen, beim nächsten Pastoraltag oder anderen pfarreiübergreifenden Meetings zu Irritationen kommen.

Die Geschichte beginnt mit dem Datenhunger des Facebook-Konzerns, der sich 2014 den fünf Jahre zuvor aus der Taufe gehobenen Messengerdienst WhatsApp einverleibt hat. Seither gilt WhatsApp als nicht mehr sicher, weil Nachrichten und Kontakte auf einem Server in den USA gespeichert werden können.

Ganz vielen war das wurscht und sie nutzten WhatsApp weiter. So wie die berühmte 42köpfige Jugendgruppe, die zwei 15-jährige Mädchen zum Amtsantritt des damals umjubelten Jugendpfarrers als Ortsgeistlicher in Herz Jesu Weimar zusammengetrommelt hatten: Ohne WhatsApp undenkbar! So wie auch besagter ehemaliger Jugendpfarrer selber, der sich ebenfalls WhatsApps bediente, um vor Dekanatsjugend-Fahrten nach Saalfeld, Nightfever-Ausflügen nach Erfurt, Ministranten-Fußballturnieren nach Apolda und anderen Aktionen mit dem Orgateam der Jugendgruppe zu kommunizieren. (Lang, lang ist‘s her). So wie ich selber, deren Smartphone sich in der Anschaffung ganz wesentlich der Tatsache verdankt, daß eine Jugendliche im Zuge der „Rut“-Aufführung 2015 eine WhatsApp-Gruppe für die Cäcilini ins Leben gerufen hatte und Kommunikationsversuche via Email in der Gruppe von Stund an nicht mehr zuverlässig zur Verständigung führten: Die Jugendlichen schauten einfach nicht häufig genug ins Postfach. Aber auf ihr Smartphone. Also ging ich mit der Zeit und entschloß mich irgendwann zum Kauf eines solchen Kommunikationsgerätes.

Wie gesagt: Ganz vielen ist es egal, ob Herr Zuckerberg weiß, wann im Advent sie sich mit Freunden auf der Eisbahn verabreden. Für sich selber bleibt es auch jedem unbenommen, da etwaige Risiken selber bzw. in Abstimmung mit dem Elternhaus abzuschätzen.

Für Institutionen, die sich für andere in der Verantwortung sehen und diese Verantwortung auch ernst nehmen, stellt sich die Frage nach dem Datenschutz wesentlich schärfer: Kann und will ich verantworten, daß Menschen im Namen der Institution, der ich vorstehe, Namen, Daten und Kontakte austauschen, die nicht sicher sind? Unser Bischof hat für seinen Verantwortungsbereich, die Pfarreien der Diözese Erfurt, diese Frage mit „Nein“ beantwortet. Die Fürsorgepflicht, in der er sich den vielen Ehrenamtlichen in den Kirchorten seines Bistums gegenüber weiß, hat er so stark gewichtet, daß er die Nutzung des Messengerdienstes WhatsApp schon vor geraumer Zeit untersagt hat. Eine Übergangsfrist endete am 31. Dezember 2019.

Eine Übergangsfrist? Übergang wohin? Nun – es wurde nichts verboten, ohne für Ersatz zu sorgen. Im Herbst 2019 ergingen Emails an die Verantwortlichen aller Pfarreien, daß das Ordinariat ab sofort Codes für den Schweizer Messengerdienst Threema zur Vernetzung der Ehrenamtlichen in den Pfarreien finanziert. Erste Codes wurden gleich zur Verfügung gestellt. Aber es gilt: Es gibt so viele, wie jede Pfarrei braucht. Bitte gerne zusätzlich anfordern. 

Super!

Ich erfuhr über eine Bekannte davon, reagierte mit dem klassischen: „Nie gehört“ und schrieb unsere beiden Gemeindereferenten an. Eine Woche lang erhielt ich keine Antwort. Das ist eigentlich untypisch. Ich schrieb also erneut, diesmal auch an Pfarrbüro und Pfarrer, und es verging keine Stunde, bis ich die Antwort vom Chef persönlich erhielt, wir in Weimar würden das nicht einsetzen, es sei vom Bistum nur für die Hauptamtlichen gedacht und man sei ja sowieso ausreichend gut erreichbar. Viele Grüße.

Na gut, dachte ich, ist zwar schade, wo die Hauptamtlichen sich doch wöchentlich in der Dienstberatung sehen und wir Ehrenamtlichen uns nicht mal mehr einmal im Jahr – die Förderung eines Messengerdienstes schien mir von daher wie geschaffen für dialogscheue Pfarreien wie die unsere – aber des Herren Wege sind unergründlich …

Ich nahm also die Information so hin, behielt aber die Sache im Hinterkopf. Gesprächsweise erfuhr ich dann aus einer weiteren Pfarrei unseres Bistums seitens des dortigen Ortsgeistlichen, daß er in seinem Beritt Threema längst installiert hat, gerade noch einmal Codes nachbestellt hatte und seine Ehrenamtlichen mit den neuen Kommunikationswegen ausgesprochen zufrieden sind. Schließlich erfuhr ich auch direkt aus Erfurt von einem Mitarbeiter des Bischöflichen Ordinariats, daß die Threema-Accounts entsprechend der allerersten Information, die ich erhalten hatte, zur Vernetzung ausdrücklich der Ehrenamtlichen zur Verfügung stehen.

Eine erneute Anfrage bei  Pfarrer und Kirchortrat, ob es sich bei der ersten Antwort zum Thema Threema nicht vielleicht um ein Mißverständnis gehandelt habe und man bitte die Angelegenheit noch einmal prüfen wolle, erbrachte die knappe Auskunft „Interessiert mich nicht.“

Na gut – kann man sagen: muß auch nicht, denn die Accounts sind ja eben nicht für die hauptamtlichen, sondern für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchorte gedacht. Und hier liegen die Vorteile klar zutage. Wer schon einmal versucht hat, einen Kirchenputztermin vom üblichen Zeitpunkt auf einen anderen zu verschieben, wird sofort verstehen, was ich meine. Vor allem aber: Wie in jedem Messengerdienst sieht der/die Nutzer/in, wer wie ebenfalls über diesen Weg erreichbar ist (was bekanntlich für Emails gar nicht und fürs Telefon nur begrenzt zutrifft), kann Gruppen bilden und die Menschen sehr einfach kontaktieren. Das heißt, ein in der Pfarrei eigens installierter Dienst wie Threema ist der ideale Wegbereiter von Kontakten jenseits der festen Gruppen und heraus aus den kleinen Freundeskreisen, in denen sich die Gemeindearbeit gerade in Weimar nur allzu oft um sich selber dreht wie Wasser um den Abfluß. Wie schade, daß dieser Dienst nicht auch uns so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt wird.

Sprecht/ sprechen Sie also, liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte eine plausible Ausrede ab, warum in einer Pfarrei wie Herz Jesu Weimar, die in den gemeindlichen Angeboten praktisch zu 100% auf reine Privatinitiative setzt, dieser Messengerdienst derzeit noch nicht im Sinne des Sponsors zum Tragen kommt. Eure Gesprächspartner könnten diesen Umstand sonst womöglich als Symptom eines tieferliegenden Problems interpretieren. Und damit hätten sie ja gar nicht mal so Unrecht.

 

Cornelie Becker-Lamers 

 

PS: Dieser Text ist schon neun Wochen alt. Wir haben es nur immer nicht geschafft, ihn abends einzustellen. Aber in der jetzigen Zeit, in der die unmittelbare persönliche Kommunikation so sehr erschwert ist, wir aber trotzdem ‚in Verbindung bleiben‘ sollen, paßt er sogar besonders gut.

 

Das Interview

In der letzten Fastenzeit war Herz Jesu Weimar die „Pfarrei der Woche“
bei Radio Horeb.
Ein Beitrag aus der Reihe „Vor Jahresfrist“

 

Da von unserer Pfarreihomepage immer alles so schnell wie möglich wieder verschwindet, kommt PuLa nolens volens neben Aufgaben von Aufklärung, Berichterstattung und der Vermittlung geistlicher Impulse immer mehr auch die Funktion eines zwar ausschnitthaften, aber jederzeit leicht zugänglichen Archivs für unsere Gemeinde zu. In diesem Sinne möchten wir heute an den Rundfunkgottesdienst am 10. März 2019, dem ersten Fastensonntag des vergangenen Jahres, erinnern. Die Messe wurde über den Sender der Internationalen Christlichen Rundfunkgemeinschaft, Radio Horeb aus Balderschwang im Allgäu, ausgestrahlt.

Der Übertragungswagen des Senders Radio Horeb vor der Pfarrkirche Herz Jesu Weimar am ersten Fastensonntag 2019, dem 10. März (eigene Bilder)

Der Hinweis kommt, obwohl so spät, doch jetzt gerade recht, weil natürlich auch Radio Horeb in den Zeiten der Ausgangsbeschränkungen und des Verbots öffentlicher Gottesdienste ein christliches Programm für die Kar- und Ostertage besonders leicht zugänglich macht.

Im Vorfeld der Rundfunkmesse gab Pfarrer Gothe im März 2019 der Redakteurin von Radio Horeb ein Interview. Das gehört bei diesem Sender zum Konzept dazu, wenn die Rundfunkmesse unter dem Motto der „Pfarrei der Woche“ steht. Das war der Fall, und so gibt es ein Interview, das über die Homepage des Senders nach wie vor zu hören ist, hier.
Einzelne Aspekte des Interviews gingen mir nicht aus dem Kopf und ich habe lange darüber nachgedacht. Vielleicht gelingt es mir irgendwann, etwas darüber zu schreiben. Da alles mit allem zusammenhängt, werden wir allerdings auch andere Texte dazwischenschieben müssen.

Für heute einen geruhsamen Abend.

 

Cornelie Becker-Lamers

Ein Passionsweg durch die ganze Kirche

Die vorerst letzte Biegepüppchen-Geschichte

Sie erinnern sich – wir haben bereits einige Male Bilder von mit Hilfe biblischer Figuren („Biegepüppchen“) dargestellten Erzählungen gepostet. Alles begann mit unserem Kinderkreuzweg am Karfreitag 2018.

Dann hatten wir von der nachgestellten Moses-Erzählung aus der katholischen Pfarrei Torgau berichtet.

St. Bonifatius und der Heilige Franziskus bekamen jeweils zu ihrem Gedenktag ein „PuLa unterwegs“ aus einer Verbandsgemeinde in der Hinterpfalz.

Und dort schauen wir auch heute noch einmal auf die Homepage. Denn diese Seite hält eine umfangreiche Bildergalerie bereit. Und vor sechs Jahren haben die Frauen der Filialgemeinde Schopp einen Passionsweg durch die ganze Kirche gebaut. Diese Bilderstrecke können wir Ihnen unmöglich vorenthalten!

Wir posten es heute, am Freitag vor Palmsonntag. (Heute, wo ohne Ausgangsbeschränkungen der ökumenische Jugendkreuzweg durch Weimar ziehen würde.) Denn der nachgebaute Passionsweg, der sich mit in die Kirche gebauten veritablen Hügeln und Wegen an den Wänden entlang durch den Raum zog, beginnt mit Jesu Einzug in Jerusalem.

Der Passionsweg 2014 in der katholischen Kirche St. Bonifatius Schopp (Kreis Kaiserslautern); der Abschnitt zum Einzug in Jerusalem; Bilder hier

Christus kommt im Verlauf des Weges also mehrmals vor. Vor dem Altar der Kirche finden wir die Abendmahlsszene aufgebaut

Die Abendmahlsszene mit Menora und orientalischer Architektur

und der Ölberg ist wirklich ein Berg. Dargestellt wird die Erzählung aus dem Lukasevangelium (Lk 22,43), wonach Christus ein Engel erscheint und ihn stärkt. Gut zu erkennen die schlafenden Jünger rechts und die unaufhaltsam sich nähernden Schergen.

Die Szene am Ölberg

Es geht weiter mit der Verurteilung Jesu und dem langen Kreuzweg hinauf nach Golgotha.

Die Verurteilung Jesu durch Pilatus und der Weg in einer riesigen Menschentraube hinauf nach Golgotha

Der Weg endet am verschlossenen Grab.

Wir können Ihnen hier nur ausgewählte Bilder zeigen. Schauen Sie in die ganze Fotostrecke hinein. Es lohnt sich!

 

Cornelie Becker-Lamers

Die Maskenschafe

oder
Der Sonntagsausflug (2/2)
Ein Sketch für vier Personen, ein Schaf und zwei Lämmchen

 

Wundersdorf, Schafweide. Wir erinnern uns: Nach dem Konsum mehrerer Predigten zum Sonntag Judica haben sich Richard und Edith, Emily und Teresa auf ihre Fahrräder geschwungen und sind zur Schafweide raus gefahren. Nachdem sie sich über Meßverbote und rosarote Brillen zur subjektiven Hervorbringung rosaner Meßgewänder am Sonntag Laetare ausgetauscht haben, ist Edith aufgefallen, daß sie Teresa schon eine Weile nicht gesehen hat. Mit Richard, Emily und Kohle macht sie sich auf die Suche. Rasch gelangen sie zum Unterstand …

 

Edith (beugt sich über die halbe Tür, die in den Unterstand führt und sieht Teresa mit Fixi und Huf am Tisch sitzen. Sie scheinen etwas zu basteln): Hallo ihr drei! Was macht ihr denn da Schönes?

Fixi: Hallo Edith! Wir basteln. (Sie setzt sich eine spitze Maske auf.)

Richard (lehnt sich neben Edith): Das sieht ja lustig aus!

Edith: Ihr wollte euch wohl Atemschutzmasken bauen?

Fixi: Nein. (Sie nimmt die Maske wieder ab.)

Richard: Sondern?

Huf: Wir stellen eine uralte Bildgeschichte von Robert Gernhardt nach, der wir in der heutigen Zeit eine ungeahnte Aktualität attestieren können!

Teresa (weist auf ein paar Malblätter auf dem Tisch): Kommt doch mal rein und guckt. Es ist total witzig!

Edith und Richard betreten den Unterstand, gehen zum Tisch und fangen an zu lachen. Was haben sich Fixi und Huf da nur wieder ausgedacht?

Mit der Erlaubnis der beiden Lämmchen dürfen wir hier ihre Bilder reproduzieren. Auf das Original von Robert Gernhardt verlinken wir lieber nur, es ist aber sehr zuverlässig im Netz zu finden. Der gemalte Aphorismus heißt „Maskenmenschen“.

„Maskenschafe“ Eine kleine Bildgeschichte aus Wundersdorf nach Robert Gernhardt (eigene Bilder)

Aus Gründen der Komplexitätsreduktion verzichten wir an dieser Stelle auf die Diskussion der Frage, ob die Schafe sich Gott nicht eigentlich als Schaf vorzustellen hätten. Die Idee des „deus absconditus“ finden wir hier durch Robert Gernhardt (von dem wir durchaus nicht alle Comics schätzen!) allerdings witzig, sehr schön verarbeitet und auch nicht blasphemisch.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

Die Internetmesse

oder
Der Sonntagsausflug (1/2) 
Zugleich Beitrag 10/n zum Thema „Rosa Meßgewand“
Ein Sketch für vier Personen, ein Schaf und beliebig viele
(natürlich im Abstand von mindestens anderthalb Metern weidende) Schafstatisten

Wundersdorf, Oderbruch. Im Wohnzimmer der Familie Langenfeld. Richard und Edith, Teresa und Emily sitzen vor einem Laptop und scheinen gerade einer Gottesdienstübertragung gefolgt zu sein. Alle sind sonntäglich gekleidet. Denn obwohl Richard sich in Ermangelung offener Friseursalons die Haare mittlerweile zu einem Manbun zusammenbinden muß, steht für die Familie fest: Sonntag ist Sonntag, und für den Herrn zieht man sich gut an. Auch wenn man zur Messe nicht in die Kirche gehen darf. 

Edith (klappt den Laptop zu): Puh! (Sie reibt sich die Augen.)

Emily (streckt sich): Ich finde auch, langsam reicht es …

Richard (schaut in die Runde): Sowas verrücktes: Jetzt, wo man die Messe nicht besuchen darf, kann man sich vor lauter Angeboten im Netz nicht entscheiden und guckt mehrere Predigten hintereinander.

Teresa: Das mit dem Pestkreuz fand ich cool!

Emily: Ich finde, wir sollten ein Päckchen Kerzen nach Oschersleben schicken! Mit einem Briefchen, daß Pfarrer Sperling es für uns vor diesem Kreuz da anzünden soll.

Richard: Gute Idee!

Edith: Aber jetzt finde ich, wir müssen ein bißchen an die Luft.

Teresa (springt auf): Laßt uns Fixi und Huf besuchen!

Emily (mault): So weit???

Edith: Ich finde, Teresa hat Recht! Ein Spaziergang zur Schafweide wäre jetzt genau das Richtige.

Emily: Können wir nicht vorher was essen?

Richard: Mach dir noch ein Brot, ich trinke auch noch ein bißchen Tee, und dann geht’s los. Es ist bestimmt vernünftig!

Edith: Wir können ja die Räder nehmen …

Teresa: Ich zieh mich schon mal an! (Sie läuft aus dem Zimmer).

Gesagt, getan. Ein halbes Stündchen später sitzen die Langenfelds auf ihren Fahrrädern und biegen in die Große Schaftrift ein, die zur allseits bekannten Weide vor den Toren von Wundersdorf führt. Dort angekommen, schließen sie ihre Fahrräder zusammen und schlendern Richtung Weidegatter. Die Schafe traben über die Fläche, grasen hier und da ein bißchen und halten jedenfalls brav den nötigen Sicherheitsabstand ein. Nur die Mutterschafe liegen mit ihren dieser Tage neugeborenen Lämmchen dicht beieinander.

Die Gäste aus dem Städtchen bleiben nicht lange unbemerkt …

Kohle (kommt ans Gatter getrabt): Grüß euch! Lange nicht gesehen!

Edith: Das kannst du laut sagen!

Emily: Stimmt doch gar nicht – wir waren doch Anfang März erst da!

Kohle (überlegt kurz): Stimmt ja!

Richard: Es kommt einem nur so lange vor – weil wir in einer so … geschlossenen Zeit leben …

Teresa: Alles, was vor der Schulschließung passiert ist, kommt einem vor wie aus einem anderen Jahrhundert!

Kohle: Ich habt vollkommen Recht! So geht es uns auch! – Aber sagt mal, wollt ihr nicht reinkommen? (Er stupst das Gatter auf.)

Teresa: Na klar! (Sie stürmt auf die Weide und sucht Fixi und Huf mit den Augen.)

Kohle (ruft ihr nach): Paß auf die Neugeborenen auf! Die Kleinen sind noch ziemlich dödelig!

Teresa (über die Schulter): Mach ich! (Sie läuft Richtung Unterstand.)

Richard (auf der Weide, zu Kohle): Na – wie geht es euch so, mit den Coronamaßnahmen …

Kohle: Oooch – Tatze spielt ein bißchen „Freund und Helfer“ und scheucht uns ab und zu auseinander … aber sonst … eigentlich ganz entspannt …

Emily: Nun hat sich euer Weide-Altar ja doch noch als sinnvoll herausgestellt …

Kohle (schnaubt): Hör bloß auf …

Edith: Pfarrer Sperling hat gesagt, ein System, das die Verehrung des Allerhöchsten bloß als verzichtbares kulturelles Luxusgut betrachtet, ist tot.

Richard: So ähnlich jedenfalls hat er es gesagt.

Kohle: Der Staat dürfte Gottesdienste nicht verbieten. Hab ich auch gehört.

Emily: Ehrlich? Ihr schaut hier Messen auf YouTube?

(Sie bemerkt Flocke, Wolle, Grauchen und Blütenweiß, die sich vorbildlich auf Abstand halten. Sie winken sich zu.)

Kohle (grüßt auch kurz rüber zur den andern Schafen): Ja. Aber damit wir schön Abstand halten können, haben wir das Tablet auf unseren Behelfsaltar gestellt. Vom Wetter her ging‘s ja bisher.

Richard (ist baff): Donnerwetter! (Sie kommen zum Altar, den die Schafe zu Beginn der Coronakrise auf der Weide gebaut haben.)

Edith: Was ist denn das? (Sie weist auf einen Stapel Plastebrillen, die sich auf dem Altar türmen.)

Emily (nimmt eine der Brillen in die Hand und schaut hindurch): Rosa …

Kohle: Ach das! Ja, das liegt hier noch von letztem Sonntag …

Richard: Was war denn da?

Kohle: Na, Laetare … (er grinst).

Edith (schwant etwas): Sag nicht …

Kohle: … wir haben ein bißchen mit farbigen Brillen experimentiert, na klar! (Er lacht.) Also: Einen Vorteil muß es doch haben, daß man die Messen jetzt im Netz gucken muß!

Emily (legt die Brille wieder hin): Hä? Versteh ich jetzt nicht …

Kohle: Na, wir wollten endlich mal zu Laetare ein rosa Gewand sehen.

Edith: Und da habt ihr euch rosarote Brillen aufgesetzt. (Sie lacht)

Kohle: Nachdem wir ein bißchen mit Blaufilter und so experimentiert hatten … ja. Bringt aber alles nichts.

Richard: Na, solange ihr das Herdenleben nicht durch die rosarote Brille anguckt, sondern darauf achtet, was wirklich los ist, mag’s angehen! 

Kohle: Wir haben  die Brillen auch letztlich nicht gebraucht. Wir haben dann Woelki über Domradio geguckt. Der war in rosa.

Emily: Klar!

Kohle: Aber einen Versuch war’s wert!

Richard: Klar! Und man wird ja nicht dümmer!

Edith: Aber sagt mal … wo steckt denn Teresa eigentlich?

 

Fortsetzung folgt

 

Cornelie Becker-Lamers

Selber Schreiben bewegt!

Eine Ermunterung

Nach der Erfahrung mit den Texten der Cäcilini für den Kinderkreuzweg 2018, den Erfahrungen mit den Erwachsenenkreuzwegen 2019 und 2020, nach der Erfahrung mit der Entstehung dieser Texte und vor allem ihrer Wirkung auf die Mitfeiernden – ob klein, ob groß – kann ich nur alle Gruppen und Kreise, die Kreuzwegandachten in unserer Pfarrei ausrichten, ermutigen, Kreuzwegtexte selber zu verfassen.

Beispiellos ist das, wie wir gesehen haben, unter Jugendlichen nicht – siehe der große Kreuzweg, den ich gestern als multimediales Projekt beschrieben habe, von Beginn der 90er Jahre. Aber auch unter Erwachsenen ist es nicht ohne Beispiel: Am 16. März 2018 bot der ‘SamstagAbendKreis’ unserer Pfarrei beispielsweise die sehr aufwendige Kreuzwegandacht „Das Leiden unseres Bruders Jesus Christus nach Lukas“ aus sieben Stationen, mit eindrucksvollen Lichtinstallationen und selbstverfaßten, ganz in die heutige Zeit hineingenommenen gesellschaftspolitischen Texten an.

„Bruder“, nicht „Herr“: Das Begleitheft mit allen Texten und dem Ablauf der Kreuzwegandacht vom 16. März 2018 des SamstagAbendKreises unserer Pfarrei (eigenes Bild)

 

Cornelie Becker-Lamers

 

PS: Wiewohl ich aufrichtig nicht weiß, ob ich das könnte, solche Texte selber verfassen, möchte ich mich dem aus vollem Herzen anschließen! Die Texte, die bei den Jugendlichen entstanden sind, machen staunen. Im positiven Sinne!
Und auch wenn ich über den Ansatz des sinnigerweise „SAK“ abgekürzten oben erwähnten Kreises alles andere als spontan begeistert bin (aus eigenem Erleben kann ich leider nichts dazu sagen), so ändert das nichts. Denn es ist allemal besser, da entsteht etwas, das eben wirklich „heutig“ ist, als die de facto Alternative, die leider allzu häufig anzutreffen ist: Kreuzwegtexte aus Büchern, die ihre 30-40 Jahre auf dem Buckel haben, und das in der verwendeten Sprache und dem Geist, den diese transportiert, auch überdeutlich verraten! Wie so etliches aus dieser Zeit, das in so großer Zahl in unseren Pfarreien rumgeistert (Meßgewänder, z.B.!!) taugen sie m.E. bloß noch zur historischen Betrachtung (um den häßlichen Begriff des „Gruselkabinetts“ zu vermeiden 😉 ).
Ceterum censeo: Kreuzwegandachten sind am Freitag zu feiern.

Gereon Lamers

 

Ein Hauch von Pfarrjugend

Die Cäcilini gastierten am 8. März um 17 Uhr mit ihren selbstverfaßten Kreuzwegtexten in St. Franziskus Sömmerda

Alles begann, wenn ich mich recht erinnere, um Ostern 2017 herum, als ich in einer Gruppe von Freunden vor der Kirche stand und mich mit einem jüngeren Kirchenchormitglied über das Thema „Jugend-“ oder „Kinderkreuzweg“ unterhielt. Wie wir darauf kamen, weiß ich nicht mehr, aber ich erzählte, daß ich bei aller Erfahrung, die ich mittlerweile im Schreiben und Komponieren von Liedern gewonnen habe, vor dem Thema Passion immer einen Heidenrespekt empfunden und mich an das Thema nie herangewagt hätte. Viel zu groß schien mir die Gefahr, der Ernsthaftigkeit nicht gewachsen zu sein, unbewußt auf irgendwie Vorgefertigtes zurückzugreifen oder gar etwas zu verkitschen. Mein Gesprächspartner erzählte seinerseits von einem Jugendkreuzweg, den er Anfang der 90er Jahre selber mitgefeiert und -gesungen habe. Ein Altersgenosse aus der damals sehr großen Weimarer Pfarrjugend hatte ein über einstündiges – heute würde man sagen: multimediales Gesamtwerk angestoßen, das aus Bildbetrachtungen, eigenen Orgelkompositionen (mit der ebenso unbeabsichtigten wie symbolischen Gesamtlänge von 33 Minuten) und selbstverfaßten Liedern der Jugendlichen bestand. Die acht Stationen begannen mit Verrat und Gefangennahme und endeten mit der Auferstehung. Heute ist besagter Musiker promovierter Theologe, dabei noch immer, wenn es seine Zeit erlaubt, Musiker und Komponist, vor allem aber Pfarrer in Sömmerda,

Die Erzählung faszinierte mich. Wie wäre es, diesen Jugendkreuzweg wieder aufzuspüren? Mit Jugendlichen Texte zu verfassen, die heute passen? Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Wünsche beider Generationen zusammen zu reflektieren und die gesamte Andacht erneut aufzuführen? Wer weiß, wie viele Menschen sich erinnern würden, weil sie damals mit in den Bänken oder gar hinter einem Instrument saßen? Eine wunderbare Gelegenheit, dazu angetan, die neue Generation der Jugendlichen mit älteren Einheimischen zusammenzubringen. Man braucht ja doch immer irgendein Thema und einen Anlaß. Die Idee setzte sich in mir fest und ich beschloß – da Sömmerda nicht aus der Welt, sondern unsere Nachbarpfarrei ist, den Kontakt zu Pfarrer Bock anzuknüpfen.

Zu meiner großen Freude stellte ich nach dem ersten Anruf im Sekretariat und einer ausführlichen Antwortmail seitens des Pfarrers fest, daß ich mit meinem Anliegen die sprichwörtlichen offenen Türen einrannte. Auch er erinnerte sich sehr gerne an das Projekt, versprach, alle alten Unterlagen und handschriftlichen, kopierten Noten herauszusuchen und mich zu einem Gespräch in seinem Gemeindehaus zu empfangen.

Nach dem Gespräch in Sömmerda wieder zuhause angelangt, machte ich mich mit den Bildern und der insgesamt sehr umfangreichen Musik vertraut. Daraufhin stellte ich die ganze Sache in einer Koordinierungsrunde der LeiterInnen der Gruppen und Kreise vor. Da mir beschieden wurde, die Pfarrjugend sei derzeit zahlenmäßig nicht in der Lage, solch ein Projekt zu stemmen und der kleine Jugendchor sei uns ebenfalls abhanden gekommen, mußten, da dennoch ein Kreuzwegtermin abzudecken war, die Cäcilini ran. Und die sieben (!) Jugendlichen haben es mit Bravour gemeistert: Zunächst, 2018, mit Kreuzwegtexten für Kinder.
Im Jahr 2019 dann, und hiervon will ich im folgenden berichten, mit einer Kreuzwegandacht für die ganze Gemeinde. Für diese Andacht besprachen wir über vier Proben hinweg die Texte. Verfaßt wurden sie von den Jugendlichen selbständig zuhause.

Was macht den neuen Kreuzweg der Cäcilini aus? Die Jugendlichen wählten neun Stationen: die neun Stationen der Begegnung Christi mit anderen Menschen. Die entsprechenden Texte meditieren nicht über die einzelnen Aspekte der Passion, wie man das ja bei den meisten Kreuzwegandachten antrifft, sondern führen die Mitfeiernden direkt in das biblische Geschehen hinein und überlassen die Reflexion und das Nachempfinden den Zuhörenden. Jede Station wird aus der Perspektive einer der handelnden, leidenden oder beobachtenden Personen geschildert. So erleben wir die erste Station nicht im Gerichtssaal des Pilatus, sondern im Gemach seiner Frau Claudia Procula, die ihren Mann wegen eines Traumes vor der Verurteilung Jesu warnt (Mt 27, 19). Wenn man bedenkt, welche Rolle Träume in den Texten der Bibel spielen, ist es verwunderlich, daß dieser Aspekt häufig komplett aus der Betrachtung der Passion ausgespart wird.
In diesem Falle nicht. Hier wird genau dieses Motiv inhaltlich gefüllt. Dann spricht Maria zu uns, Simon von Cyrene und Veronika, ein gehässiger Soldat und ein mitleidiger Beobachter. Sogar in Jesus selbst hat eine der jungen Autorinnen sich hineinversetzt. Es ist berührend und neu. Unterbrochen werden die Texte von neun kurzen Musikmeditationen für zwei Blockflöten und Cello. Am 24. März 2019 haben wir diese Andacht in Herz-Jesu Weimar, am 8. März 2020 in St. Franziskus Sömmerda gefeiert.

Bei der Ankunft vor dem Gemeindehaus Sömmerda (eigenes Bild)

Eines der Zwischenspiele, das im abschließenden Film erklingt, ist bereits dem Kinderkreuzweg am Karfreitag 2018 entnommen und auch mit einem der für Kinder bestimmten, sehr kurzen Text versehen.

 

Cornelie Becker-Lamers