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Der Meßbesuch 1/4

Ein Sketchlet zum Ersten Advent für fünf Schafe
und zwei Lämmchen

 

Irgendwo am Stadtrand von Berlin. Der uns wohlbekannte Pritschenwagen tuckert im Sonntagsfahrertempo die B 1 entlang Richtung Osten und biegt soeben auf die Landstraße nach Wundersdorf ein. Nanu? Was gibt es denn am ersten Advent zu transportieren? Schauen wir mal auf die Ladefläche. Oh! Sie ist wegen der Kälte mit einer Plane überspannt. Darunter hört man aber den eifrigen Disput uns wohlbekannter Stimmen: Die Schafe! Na endlich! Das wurde aber auch Zeit, daß sie mal wieder von sich hören lassen. Sie sind also unterwegs. Ok. Wo mögen sie sich herumgetrieben haben? Moment … irgendwie scheinen sie … kann das sein? Sie kommen aus einem lateinischen Hochamt?

 

Huf: Wie der Priester sich immer herumgedreht hat bei der Feier Eucharistie. Immer von Gott zu den Menschen und wieder zurück. Wie ein Vermittler zwischen den Welten.

Kohle: Das hast du gut beobachtet, Huf!

Fixi: Die eine Sache hast du aber falsch mitgebetet, Tante Flocke!

Flocke: Ich? Kann nicht sein! Ich hab doch alles abgelesen – wie alle andern Neulinge auch!

Fixi: Aber alle anderen haben es anders gesagt!

Huf: Genau. Du warst die einzige.

Flocke: Und wann soll das bitte schön gewesen sein?

Fixi: Das direkt vor der Kommunion.

Huf: Wenn man normalerweise betet „Herr ich bin nicht würdig…“

Blütenweiß: Was heißt hier: Normalerweise? Im novus ordo halt.

Wolle: Ich hab’s auch gehört: „Domine, non sum digna“, hast du gesagt. Dreimal.

Fixi: Statt dignus!

Kohle: Na, das dreimal ist ja nicht ihre Schuld – das ist im vetus ordo einfach so! Aber stimmt: warum „digna“?

Flocke (nicht ohne Stolz): Natürlich habe ich „digna“ gebetet. Ich bin doch weiblich! (zu Fixi und Huf) Habt ihr nicht aufgepaßt in Latein? Die Adjektive werden doch an das genus angepaßt! Dignus – digna – dignum.

Kohle: Ja … aber … Moment! Das ist doch ein Zitat aus der Bibel, vom Hauptmann von Kafarnaum …

Grauchen: … wo der Knecht krank ist …

Blütenweiß: … oder der Sohn …

Kohle: …und wo der Hauptmann dann sagt: „Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter mein Dach“…

Flocke (angriffslustig): Ja? Und dann? Dann geht es weiter: „Aber sprich nur ein Wort, so wird mein Diener gesund“.

Wolle: Flocke hat Recht! In der Messe beten wir was anderes. Das ist kein reines Bibelzitat!

Flocke: Das ist auf die einzelnen Gläubigen zugeschnitten: „sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“! Also – das kann ich nicht beten, als wäre ich ein Schafbock wie du, Kohle!

Kohle: Hm … Vielleicht hast du Recht …

Huf (zu Fixi): Dann mußt du das auch anders lernen!

Fixi: „Domine, non sum digna, ut intres sub tectum meum.

Alle Schafe (fallen ein): Sed tantum dic verbo, et sanabitur anima mea“!

Grauchen: Das ist schön!

Blütenweiß: Mir hat das auch alles gleich gut gefallen.

Kohle: Eine Liturgiesprache hebt alles eben automatisch aus dem Alltag heraus!

Die Schafe: So ist es!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Diese Schafe! Da machen sie sich auf den Weg und organisieren sich auf eigene Faust einen Meßbesuch im vetus ordo. Tja – wenn diese Messen nicht zu den Schäfchen kommen, müssen die Schäfchen eben irgendwie zu dieser Messe kommen. Von Wundersdorf aus … mal überlegen. Ach ja! In St. Afra werden sie gewesen sein, im Institut Philip Neri, der Gesellschaft päpstlichen Rechts, die Benedikt XVI. ausgestattet und gefördert hat. Na – da bin ich ja mal gespannt, was ihnen sonst noch dazu einfällt … außer Flockes gegendertes, aber eben darum völlig korrektes Domine, non sum digna …

Wir werden sehen! Und das mit dem Hauptmann aus Kafarnaum … dazu geht’s gleich morgen bei Annette von Droste-Hülshoff weiter – wenn auch mit der Parallelstelle bei Joh 4.

 

Fortsetzung folgt am zweiten Advent

 

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