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Die Spracherkennung 1/4: Smart Confession

Das nachgeholte Sketchlet zum Ersten Advent 2018.
Für drei Personen

Wundersdorf, Oderbruch. In Vorbereitung des nächsten Putzeinsatzes sind Ines und Helene in der Sakristei zugange, heizen das Wasser, binden sich vielleicht eine Schürze um, holen schon einmal die Besen und Eimer aus den verschiedenen Teilen des Schrankes und machen Licht. Reimers, Ines’ halbwüchsiger Sohn, sucht sich natürlich den besten Schrubber zum Kniebänkewischen aus. Da sich die drei schon auf dem Weg zur Kirche getroffen haben, sind die beiden Frauen bereits mitten in der Diskussion. Aufgeschreckt durch die Schlagzeilen über einen irrtümlichen Datentransfer durch das System „Alexa“ sind sie über das Thema künstliche Intelligenz ins Gespräch gekommen. In der Bewertung sind sie sich eigentlich einig – nur die Ängste sind unterschiedlich groß. Hören wir mal rein.

Helene (mit dramatischem Pathos): Also ich würde lieber sterben, als von einem Pflegeroboter versorgt zu werden! (Sie hängt ihren Mantel auf.)

Ines (steckt den Boiler in die Steckdose): Na, das kommt ja so auch gar nicht!

Helene (sucht in ihrer Tasche nach ihrer Schürze): Reden sie nicht immer davon? Und dann sieht man im Fernsehen die weißen Männchen, die den Leuten eine Tasse Kaffee bringen.

Ines (öffnet die Sakristeischranktür zum Putzzeug): Ja, Kellner vielleicht. Aber Pfleger? Nein!

Helene (bindet sich die Schürze um): Wie kannst du da so sicher sein?

Ines (kommt mit zwei Eimern zum Waschbecken): Weil das durch die Presse ging. Die Japaner haben da eine Menge Geld in die Forschung gesteckt, mit dem Ergebnis, daß man Maschinen eben doch nicht sensibel genug gesteuert kriegt, um sie für den Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen tauglich zu machen. (Sie stellt die Eimer im Waschbecken ab.) Und da ging’s noch nicht mal ums Füttern oder so – erstmal nur ums Umbetten.

Helene: Na, hoffen wir, daß sie weitere Forschungsgelder einsparen!

Reimer (kommt mit einem Schrubber): Kann ich den nehmen, Mama?

Ines: Ja, klar, der ist gut!

(Reimer verschwindet wieder und sucht nach einem geeigneten Wischlappen.)

Ines (schließt die Tür zur Kirche auf): Na, Geld müssen sie schon weiterhin ausgeben – jetzt haben sie ja einmal ihre Professuren (sie lacht.) Aber ich glaube, sie sehen die Zukunft jetzt in intelligenten Tischen und so was – also, die ihre Höhe von selber auf den Nutzer einstellen und so.

Helene (schaltet am Sicherungskasten alle notwendigen Lichter in der Kirche ein): Aha – vermutlich auch mit Spracherkennung? Also ich danke! Dann erzählt mein intelligenter Tisch meinem Arzt, daß mein Barfach mir schon wieder einen Schnaps genehmigen mußte. (Sie lacht). Kein Privatleben mehr!

Ines: Das kann dir allerdings mit deinen Kindern irgendwann genauso gehen. (Sie prüft am Waschbecken die Temperatur des warmen Wassers und beginnt, einen Eimer zu füllen.) Aber das mit dem Ende der Privatsphäre ist tatsächlich ein Problem. Du weißt ja nie, in welchem Zimmer ein Lautsprecher oder Fernseher mit integriertem Mikrophon herumsteht. Also bei Freunden zu Hause, mein ich jetzt.

Helene (schließt den Sicherungskasten wieder): Wie früher mit den Wanzen der Stasi.

Ines: Nur daß die Leute heute für ihre Wanzen auch noch selber bezahlen! (Sie hebt den Eimer aus dem Waschbecken.)

Helene: Also wichtige Gespräche kann man wie eh und je nur auf Spaziergängen führen!

Ines: Ja – oder im Beichtstuhl natürlich!

Helene (zieht die Augenbrauen hoch): Was bedeutet, man sollte die Beichtstühle wieder etwas besser behandeln und nicht alle herausreißen oder vollstellen.

So ein schöner alter Beichtstuhl! (Franziskanerkirche Salzburg, Sommer 2016, eigenes Bild)

Ooooops! Da hat ja jemand einen Haufen Holz zu beichten! (eigenes Bild)

Reimer (mit Eimer, Schrubber und Eimer bewehrt, ruft): Ich geh dann mal!

(Er will in die Kirche stürmen, als ein ohrenbetäubendes Rumpeln und ein einmaliger Plumps ihn in der Bewegung erstarren läßt. Irritiert stecken Ines, Helene und Reimer den Kopf aus der Sakristeitür. Am Hauptportal der Kirche bemerken sie Edith und Teresa, die scheinbar soeben den Kirchenraum betreten haben und über den Lärm genauso verwundert sind.

Tja, und den Rest dieser Szene kennen wir ja schon. An dieser Stelle geht es nämlich weiter mit dem jüngsten Nikolaus-Sketch, „Der Weihnachtsmann“, hier

Fortsetzung folgt

Cornelie Becker-Lamers

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