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Sketch des Monats: Das Copy-right

Wer etwa glaubte (hoffte?) der Nachrichtenfluß über unsere Brüder und Schwestern aus Wundersdorf sei versiegt, weil der Sketch des Monats diesmal so spät kommt, der irrt!

Ganz im Gegenteil: Es haben sich so viele wunderliche, ja absurde Ereignisse zugetragen, daß die Auswahl zwischen einem guten halben Dutzend Texten richtig schwer fiel; aber die sind ja nicht verloren…

Jedenfalls scheinen die Nerven der „Gemeindeleitung“ dort ziemlich blank zu liegen, so zwischen widerborstigen Schafen und renitenten Ehrenamtlern. Traurig nur, daß andere den Kontrollfimmel ausbaden müssen…

 

 

Das Copyright

Ein Sketch für vier Personen

Wundersorf im Oderbruch. Das Pfarrbüro der Gemeinde Maria Hilf! Frau Schramm, die neue Pfarrsekretärin, sitzt am Computer und telefoniert parallel. Hanna und Edith betreten das Büro.

 

Hanna und Edith: Guten Morgen! (Hanna kramt aus ihrer Tasche zwei Blatt Papier.)

Frau Schramm (nickt ihnen zu; ins Telefon): Ja, da schau ich gleich mal nach! (Sie macht sich Notizen).

Hanna und Edith (gestikulieren, um deutlich zu machen, daß sie im Nebenraum kopieren gehen.)

Frau Schramm (hält den Hörer zu): Warten Sie damit bitte noch!

Hanna und Edith warten und schauen aus dem Fenster, während Frau Schramm ihr Telefonat beendet.

Frau Schramm: Das machen jetzt nur noch wir! (Sie erhebt sich und nimmt Hanna die Blätter aus der Hand.)

Hanna (verblüfft): Seit wann das denn?

Frau Schramm (ihre Verlegenheit überspielend): Eigentlich schon immer, hieß es. Das war nur … (Sie verschwindet im Nebenraum. Ruft): Beides einmal?

Hanna: 25 mal bitte, werden Handzettel. Sie müßten bitte erst die kleinen Vorlagen erstellen, indem Sie zweimal von A3 auf A4 verkleinern. Und das Ganze dann auf das gelbe Papier, wenn’s geht! (Sie schließt die Tür zwischen beiden Büros.): Na, dann muß sie sich wenigstens nicht mehr irgendeine Scheintätigkeit suchen, wenn ich drüben drin bin.

Edith (mit verschränkten Armen): Is passiert?

Hanna: Die letzten paar Male, ja. Da hat sie Papier aus- und wieder eingepackt, während ich kopiert habe. (Beide lachen.)

Edith: Die Arme! Die letzten Meter vor der Rente und dann ausgerechnet unsere Pfarrei!

Frau Schramm kommt wieder ins Büro gestürmt und läuft ziellos herum. Von nebenan hört man den Kopierer arbeiten.

Hanna (sachlich): Entschuldigen Sie, daß ich die Tür zu gemacht habe. Das hat uns Monique antrainiert, weil hier geheizt ist und drüben nicht.

Frau Schramm (verlegen): Jaja, ist schon recht, das war jetzt nicht deswegen … (Sie geht nach nebenan, stößt die Tür dabei aber ganz auf.)

Es klopft und Hedwig betritt den Raum. Sie legt einen Stapel Papier auf den Schreibtisch, während sie sich den Schal aufknüpft.

Hedwig: Guten Morgen allerseits!

Hanna und Edith: Grüß dich!

Hedwig: Ich wollte eben die Noten für den Unterricht kopieren.

Hanna: Da mußt du warten, das ist ab jetzt eine geheime Staatsaktion.

Hedwig: Wie bitte?

Edith: Macht nur noch die Sekretärin.

Hedwig: Oh Mensch, schafft sie das denn alles?

Frau Schramm (kommt wieder rein): So, bitte. (Sie händigt Hanna zwei Kopienstapel aus. Das Telefon klingelt. Während sie abnimmt noch rasch): Kleinen Moment, Frau Sommer, ich bin gleich für Sie da.

Hanna: Ich geh dann mal eben die Handzettel schneiden.

Frau Schramm (hält die Hörermuschel zu und schreit): Nein! Halt! Die Schneidemaschine steht doch im oberen Büro! (Ins Telefon): Entschuldigung, wie sagten Sie gerade? – Ja, das wäre nett! (Sie schreibt eine Telefonnummer auf) – Ja, habe ich mir notiert! – Ja. Ich rufe Sie gleich zurück! Auf Wiederhören. (Sie legt auf.)

Hedwig (hält ihr den Blätterstapel hin): Könnten Sie parallel – ich muß zum Zug…

Das Telefon klingelt. Frau Schramm hebt ab und sucht jemandem etwas aus einer Computerdatei.

Hanna: Also, bis morgen wollte ich hier auch nicht stehen. (Sie nimmt sich die beiden gelben Stapel und verläßt den Raum in Richtung oberes Büro.)

Hedwig: Ich muß jetzt zum Zug. (Sie nimmt sich ihre Blätter und läßt sie durch den Kopierer laufen).

Frau Schramm (schmeißt den Hörer auf die Gabel): Nein! Halt! (Sie läuft hinter Hanna her.)

Edith (nimmt sich einen dicken Kugelschreiber und spricht wie eine Sportmoderatorin in ein gedachtes Mikrofon): Ah! Drei Räume – drei Ehrenamtler! Wird Frau Schramm es schaffen, sie alle gleichzeitig zu überwachen?

Frau Schramm (kommt die Treppe heruntergestürmt und wirft ein Auge auf den Kopiervorgang. Schwer atmend): Furchtbar! Und Sie machen sich auch noch über mich lustig! (Sie läßt sich auf ihren Schreibtischstuhl fallen und bricht in Tränen aus.)

Edith (sofort ganz lieb): Aber Frau Schramm! Ich habe doch nur Spaß gemacht!

Hanna und Hedwig (kommen mit ihren Papierstapeln ins Büro zurück): Frau Schramm! Was ist denn los?

Frau Schramm (sucht nach einem Taschentuch.): Huhuhuhuhu!

Edith (erschrocken): Um Gottes Willen, sie ist ja völlig fertig! Ich hol mal ein Glas Wasser! (Sie greift zur Türklinke)

Frau Schramm: Die Küche – h – h – die Küche ist abgeschlossen! (Sie beginnt wieder zu weinen.)

Edith: Dann geh ich in den Toilettenraum. Darf ich da alleine hingehen?

Hanna (grinsend): Mach! Wir stehen Schmiere!

Hedwig: Sie Arme! Auf Ihre alten Tage noch so einen Streß!

Hanna: Wirklich! So kurz vor der Rente, und Sie landen ausgerechnet in unserem Pfarrbüro…

Frau Schramm: Das Arbeitsamt … Sie hielten das hier für eine zumutbare Tätigkeit.

Hedwig: Da hatten die Vermittler leider Recht. Unsere Pfarrei ist zur Zeit wirklich eine Zumutung – für jeden, der damit zu tun hat…

Edith (kommt mit einem Glas Wasser zurück): So, Frau Schramm, bitte! (Sie stellt das Glas auf den Schreibtisch.)

Hedwig: Ich muß los! Alles Gute, Frau Schramm! (Zu allen) Bis morgen!

Hanna und Edith: Tschüß, bis morgen! (zu Frau Schramm) Können wir Sie denn jetzt allein lassen?

Das Telefon klingelt.

Frau Schramm (hat sich halbwegs gefangen): Ja, danke! Es geht schon wieder! Ich hab ja bald Feierabend! (Sie hebt das Telefon ab und meldet sich.)

Hanna und Edith packen ihre Handzettel zusammen und verlassen mit der Hand grüßend den Raum.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß wir in Weimar so gute und belastbare Sekretärinnen haben – ganz abgesehen davon daß es hier ja auch Ehrenamtliche gibt, die über einen Generalschlüssel verfügen und damit ihre Arbeit in der Gemeinde jederzeit (zu jeder-Zeit!) in Selbstbedienung ausführen können. Von Kontrolle ist dann übrigens keine Rede – komisch eigentlich.

 

6 Kommentare

  1. Else schrieb:

    Else fragt sich so langsam, wie tief [hier stand meine dienstliche Amtsbezeichnung, die auf einem rein privaten Projekt aber nichts zu suchen hat, GL] Lamers noch sinken möchte, wenn er seine Ehefrau weiterhin soviel unsachliche Boshaftigkeiten veröffentlichen lässt. Die Betrachterin von außen kann da nur den Kopf schütteln. Seit Monaten fragt sich Else, wie lange sich eine Kirchengemeinde sowas stillschweigend gefallen lässt.

    Samstag, 28. Januar 2012 um 10:17 | Permalink
  2. Immer wieder gibt es Kommentare, die dürfen einfach nicht bloß im Kommentarbereich verdämmern, auf die kann man hier einfach nicht adäquat reagiren. So auch dieser; vgl. also Beitrag vom 29. Januar 2012: „Boshaft?“

    Sonntag, 29. Januar 2012 um 11:17 | Permalink
  3. Peter schrieb:

    Werte Frau Cornelie Becker-Lamers, ich würde meine Zeit mit vernüftigeren Tätigkeiten ausfüllen und nicht diesen Schrott verfassen. Aber jeder kann ja seine Meinung äußern, ich auch! Gruß Peter

    Montag, 30. Januar 2012 um 19:06 | Permalink
  4. Werter „Peter“,

    stimmt, können Sie. Aber interessanter wäre Ihre (Minderheits-!) Meinung, wenn Sie die Einschätzung auch begründen würden. Das fände ich eine richtig „vernünftige Tätigkeit…

    Donnerstag, 2. Februar 2012 um 09:42 | Permalink
  5. Cornelie schrieb:

    Lieber Peter! Sie haben ja sowas von Recht! Das würde ich auch gerne. Aber wissen Sie: Schreiben und Komponieren ist nicht wie Kuchenbacken, das in jeder Verfassung noch irgendwie geht. Und in Wundersdorf ist es doch zur Zeit gar zu schrecklich, das nimmt einen richtig mit, wenn man so vielen Menschen dort nahesteht. Falls auch Sie jemanden dort kennen, vielleicht sogar in den Gremien, – bestärken Sie ihn doch, tatkräftig an der Verbesserung des Gemeindeklimas mitzuwirken – z.B. durch Schaffung von Kommunikationsmöglichkeiten, das ist ja das A und O, woran es dort oben, nach allem, was man hört, so gänzlich mangelt. Da wäre m.E. schon viel gewonnen, und wir könnten vielleicht bald viele viele schöne und lobende Texte auf den Blog setzen und Sketche schreiben, über die auch Sie dann angstfrei lachen können.

    Donnerstag, 2. Februar 2012 um 10:53 | Permalink
  6. Frischer Wind schrieb:

    Es sind ja im Grunde wohl traurige Anlässe, aber Ihr meistert das mit soviel Witz und Gelassenheit (wenigstens äußerlich, sag ich mal), dass es fast den Eindruck einer göttlichen Komödie erweckt!

    Donnerstag, 2. Februar 2012 um 15:13 | Permalink

2 Trackbacks/Pingbacks

  1. […] sonst? Aber im Ernst, man muß sich den Kontext vor Augen halten, in dem die „Schlüsselfrage“ hier auf PuLa vorgekommen […]

  2. […] Gemeinde, „Das Nikolausgeschenk“ (Dezember) ihre Monopolisierung der gemeindeeigenen Medien und „Das Copy-Right“ (Januar) den Druck, unter dem die Sekretärin der Wundersdorfer Gemeinde […]

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