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Rückblick auf den Adventskalender mit dem Hl. Hilarius

Am heutigen Sonntag, an dem nach gerade aktuellem Verständnis ja der Weihnachtsfestkreis endet (unser Baum steht aber bis Lichtmeß! 😉 ), bietet es sich an, den angekündigten Blick zurück auf den Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers zu werfen.

Am Vorabend (30. November, hier) hatte ich geschrieben: „mal sehen, wohin uns das bringt“, denn ich wußte es eben selbst nicht so genau.
Im Rückblick hat sich diese Ungewißheit insofern bestätigt, als das Ergebnis nicht dem vorher gefasstenPlan entspricht: Ich bin viel mehr dem Buch über die Psalmen und dort besonders der Vorrede verbunden geblieben, als das eigentlich beabsichtigt war.
Das hängt nun aber nicht nur mit meiner persönlichen Vorliebe für das Thema zusammen, sondern auch damit, daß ich mir eingestehen mußte, das Vorhaben, etwa jeden zweiten Tag einen Abschnitt aus den dogmatischen Werken zu bringen, war von mir zu diesem Zeitpunkt nicht zu leisten!

Denn das Wirken des Kirchenlehrers fiel eben in die Zeit intensivsten Ringens um die zentralen dogmatischen Grundlagen, insbesondere der Christologie nach dem Ersten Konzil von Nicäa. Damals ging es, ‚wenn ich das mal so flapsig ausdrücken darf‘, über lange Zeit ganz schön drunter und drüber; hören wir den Heiligen selbst:

[…S] o entstand mehr ein Glaube der Zeiten, als der Evangelien; […]. Sehr gefährlich ist es für uns und beklagenswert, daß es jetzt so viele Glauben [-sbekenntnisse] gibt, als Willensmeinungen […].
Und da, wie Ein Gott und Ein Herr und Eine Taufe, so auch Ein Glaube ist, weichen wir von jenem Glauben ab, welcher der einzige ist; und da mehrere [Bekenntnisse] entstehen,kommt es soweit, daß sie eher dazu da sind, daß es gar keinen [Glauben] mehr gebe!

Denn wir sind uns bewußt , daß seit dem [Ersten] Konzil von Nicäa, nichts anderes als Glaubensbekenntnisse, niedergeschrieben wurden. Während über Worte gestritten, während über die Neuerungen Untersuchung angestellt, während über Zweideutigkeiten zu sprechen Gelegenheit geboten wurde, während über die Urheber Klage erhoben, während über die Ansichten Streit erregt, während Übereinstimmung erschwert wird, während einer dem anderen verflucht zu sein anfängt; gehört fast niemand mehr Christus an.
Denn wir schwanken, von dem unsicheren Winde der Lehren getrieben, umher, und verwirren, wenn wir lehren, oder irren, wenn wir belehrt werden.
Welche Veränderungen umfassen nicht auch nur die Glaubensbekenntnisse des letzten Jahres in sich?
Erstens das, welches beschließt, daß man von dem homousios schweigen sollte; zweitens wieder das, welches das homousios ausspricht und verkündigt; dann drittens das, welches die von den Vätern einfach angenommene ousia aus Nachsicht entschuldigt; und endlich viertens jenes, welches nicht etwa entschuldigt, sondern verdammt.

Und wie weit ging man endlich, so daß weder bei uns, noch bei jemandem vor uns von nun an etwas heilig und unverletzt bleibt.
Was aber die Gleichheit Gottes des Sohnes mit Gott dem Vater betrifft, so setzen wir durch unsere Glaubensbekenntnisse, wenn unsere erbärmliche Zeit ja noch einen Glauben hat, […] wir trefflichen Schiedsrichter über die himmlischen Sakramente, und Durchforscher der unsichtbaren Geheimnisse den Glauben an Gott herab.

(Ad Const. [d.i. Zweites Schreiben des heiligen Hilarius an Konstantius Augustus] 2, 4f.)

Wer sich bei diesen Sätzen an gegenwärtige Sorgen um die Einheit des Glaubens („keine Filiale von Rom“) erinnert fühlt… – den verstehe ich, sage aber zugleich: Schauen wir einfach hoffnungsvoll auf den Ausgang des damaligen Ringens!

Ich sah mich jedenfalls mit meiner schwachen Kraft nicht in der Lage, Zitate, die sich auf die damalige verworrene Lage bezogen, mehr als 1.700 Jahre später so in tageweise „Häppchen“ zu verpacken, daß sie (vor allem!) nicht falsch, dann aber auch noch verständlich und gewinnbringend gewesen wären; ich könnte mir allerdings immerhin vorstellen, daß es auch für Menschen, die mehr davon verstehen, schwer würde, könnten doch auch sie, ganz unabhängig von der eigenen Qualifikation, schwerlich von einem besonders fundierten Vorverständnis ausgehen.

Und so bin ich, ein ums andere Mal, an den Ausführungen über das Psalmenbuch „hängengeblieben“, wovon ich immerhin ein bißchen (!) mehr verstehe, und habe dabei sehr viel gelernt – über eine sehr andere Sprache einerseits, über einen Argumentationsstil andererseits, den ich immer wieder unmittelbar anschlußfähig finde und zwar gerade an die Themen wirklich aktueller Forschung!
Wenn Sie sich z.B. an den Beitrag vom Heiligen Abend erinnern, wo der Hl. Hilarius davon spricht, der Psalter gleiche einer,

[…] schönen und großen Stadt, welche viele und verschiedene Häuser hat, deren Türen mit eigenen und verschiedenen Schlüsseln geschlossen werden.
Würde man diese an einem Orte zusammenhäufen und unter einander werfen, so würde es für den, welcher ein jedes Haus aufschließen wollte […] sehr schwer sein, den Schlüssel zu jedem Hause zu finden. Denn es würde […] eine ungemein große Mühe angewendet werden müssen, um den passenden und gehörigen Schlüssel zur Öffnung eines jeden Einganges zu finden, weil das Verhältnis und die Beschaffenheit es nicht gestattet, daß man fremde Schlüssel zu verschiedenartigen Schlössern gebrauche.

Dieses ungeordnete „Zusammenhäufen“ mit der Konsequenz, daß viele Psalmen lange Zeit nicht mehr „aufgeschlossen“ und nach ihrem ganzen Sinngehalt befragt werden konnten, scheint mit ein ganz wunderbar treffendes Sprachbild für die Konsequenzen der jahrzehntelangen Dominanz des sog. „Formen- und Gattungskritischen Ansatzes“ zu sein, mit seiner teils geradezu manischen Suche nach einem ohnehin allermeist hypothetischen „Sitz im Leben“!
Zum Glück sind das mittlerweile aber ja tempi passati.

Schließlich muß ich zugeben, die Reaktionen auf diesen Adventskalender waren zurückhaltender als in den Vorjahren und ich verstehe das auch, es war, ohne ein besonderes Interesse an dem Thema, schon ein wenig spröde, wozu sicher auch der weitgehende Mangel an Illustration beigetragen hat! Umso mehr habe ich mich über die positiven Rückmeldungen gefreut, die es auch gab; Danke!

Jedenfalls gilt aber der alte Satz: „Nach dem Adventskalender ist vor dem Adventskalender“ und so kann ich heute bereits ankündigen, daß es für die nächste Saison schon eine recht konkrete inhaltliche Idee gibt und eine zur durchgängigen Illustration!
Letzteres ist allerdings abhängig vom Einverständnis der Bildrechteinhaber, daher, wenn sie mögen, drücken Sie dem Adventskalender des kommenden Kirchenjahrs bitte ein bißchen die Daumen, ja? 🙂

Ein Trackback/Pingback

  1. Pulchra ut Luna › Laus Lauri – Laus Mariae on Donnerstag, 2. Februar 2017 um 16:50

    […] ist es wirklich soweit: Das Ende der Weihnachtszeit ist herangekommen, Bäume und Krippen werden abgeschmückt, um […]

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