Zurüruck zum Inhalt

Das hat Martin Luther nicht verdient! 

Den heutigen freien Tag, denn ein Feier-Tag kann es ja für Katholiken nicht sein und an unserem morgigen Fest, Allerheiligen, müssen wir ja leider arbeiten, wollen wir für so allerhand nutzen, so auch für eine Ehrenrettung, streng begrenzt versteht sich, Martin Luthers. Ja, wirklich, PuLa, voll ökumenischer Gesinnung, wie schon immer ❗ findet, was da an Thüringer Autobahnen mit ihm geschieht, das hat der “Reformator” objektiv nicht verdient, das verstößt gegen elementare Gebote der Fairness!

“Autobahnen”, so fragen sie sich jetzt hoffentlich 😉 , was geschieht denn dem mitteldeutschen ‘Säulenheiligen’ ausgerechnet an hiesigen Fernstraßen? Tja…

Hintergrund der Angelegenheit ist, daß in diesem und dem vergangenen Jahr unseren weitestgehend antichristlichen Landstrichen ja schon wieder ein Jubiläum aus dem Umfeld der „Reformation“ aufgedrängt wurde:  500 Jahre Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg.

Ungeachtet aller damit auch heute noch verbundenen “Propaganda” (von dem anscheinend unausrottbaren populären Aberglauben, es habe sich um die erste Übersetzung ins Deutsche gehandelt, mal ganz abgesehen 🙄 ) wollen wir am heutigen Tag gerne zugestehen, es war, in elf Wochen, eine erhebliche persönliche Leistung, manche sprachliche Lösung war beeindruckend (und schön wäre es, hätten folgende Ausgaben seine kraftvolle frühneuzeitliche Sprache in Ruhe gelassen!) und von der erheblichen Auswirkung dieses Geschehens vor 500 Jahren schließlich kann man die Augen tatsächlich nicht verschließen.

Das hat man sich, immerhin, wohl auch in der Thüringer Landesregierung gedacht, dort, wo man sich um den Tourismus kümmert, näherhin um die Ihnen sicher auch bekannten braungrundigen Schilder, die an der Autobahn stehen, und einen im Vorbeifahren auf dauerhafte (wie etwa die Wartburg) oder eben auch je aktuelle kulturelle Sehenswürdigkeiten, bzw. Gegebenheiten aufmerksam machen sollen.
Nun ist es heutzutage leider so, daß man “der Verwaltung” leider nur noch wenig zutraut und sie sich selbst auch nicht mehr – was noch bedauerlicher ist. Und deswegen, so vermute ich, wird der Auftrag ausgeschrieben worden sein und eine Werbeagentur mit der Gestaltung dieser Schilder beauftragt…

Berlin, Prenzlauer Berg, in den Räumen der jungen Werbeagentur ‘artheroes&friends’ sitzt man beim allwöchentlichen clearup der laufenden Projekte. Es ist kurz nach Ende der Mittagspause, also etwa 14.30 Uhr, und der Geschäftsführer der Agentur, früher mal in Diensten der NVA, aber in dem Gewerbe fragt ja keiner nach, wendet sich an die junge Kreative (gut, 37,5 Jahre ist nicht mehr soo jung, aber zwei Studiengänge und mehrere Auslandspraktika kosten halt Zeit…): 

Hasko K., Anne, was hast Du denn für uns, da für diesen Auftrag aus, äh, ‘Thüringen’, Luther, Bibelübersetzung, diese Autobahnschilder, Du weißt schon? Das drängt jetzt ein bißchen. 

Anne St.-K. (setzt ihren Vegan Latte ab), Ja, Hasko, da bin ich, denk‘ ich, fertig. Konnte man ja nur radikal dekonstruieren, den Kram, ich meine, Bibelübersetzung, wem sagt denn das noch etwas? Also bloß kein altes Buch, oder so was, das ging gar nicht. Und der ganze Krempel mit der Lutherrose, ausgelutscht bis zum get no dieses ikonologische Feld. Von ‘Kreuz’ ganz zu schweigen, es werden ja wohl sogar durch Thüringen auch ein paar Muslime fahren, zumindest durchfahren müssen (lacht bitter), auf deren Gefühle wir Rücksicht nehmen müssen! 

Hasko K., Unbedingt, Anne, unbedingt, da legen auch die Auftraggeber großen Wert drauf!

Anne St.-K. (lächelt), Und außerdem mußte es ja extrem gedrängt sein, so für’s Vorbeifahren; da hab ich’s auf nur zwei Wörter kondensiert: Welt übersetzen. Das ist knapp, das ist frisch, das ist anschlußfähig, heutig… 

Hier meldet sich Hermann L., ein ganz gewiß nicht mehr junger Kreativer, er ist einst aus Niedersachsen vor der Wehrpflicht nach Westberlin geflohen (wofür ihn Hasko K. verachtet, aber er kennt den “Alten Westen” und hat Kontakte…)

Hermann L., Ja, Anne, geniale Verkürzung, keine Frage, aber ich weiß nicht, “Welt”? Ich meine mich aus dem Konfirmationsunterricht zu erinnern, daß in der Bibel “Welt” immer wieder, ja, irgendwie auch negativ besetzt kommt. Denkst Du, das paßt wirklich? 

Anne St.-K. (lächelt süffisant), Also, Hermann, Deine Erinnerungen aus alter Zeit in allen Ehren, aber „Konfirmationsunterricht”, really? Wie lange ist das jetzt her? Vierzig oder fünfzig Jahre? 

Hermann L. (steckt die Invektive aus Gewohnheit weg) Aber glaubt Ihr nicht, da in Thüringen könnte es noch ein paar Leute geben, die mit Martin Luther eben die Bibel verbinden? 

Hasko K. (widerwilig), Hm, naja…

Anne St.K. (sehr schnell und leicht panisch) Also, Hasko, Du hast selbst gesagt, das eilt jetzt, ich kann mir doch nicht jeden Tag was neues einfallen lassen, um so ein paar Hinterwäldler zu befrieden, und haben immerhin einen Ruf zu verlieren, in der Szene; willst Du da mit Religion kommen?!. Und außerdem muß ich jetzt auch wirklich los, Noah-Elias aus der integrativen Wald-KiTa abholen, er hat mir eben getextet, daß er sich beim Baum-Umarmen eine Schürfung zugezogen hat, du sagst immer, das hier ist ein Job, in dem die Vereinbarkeit von…

Hasko K. (mehr als leicht panisch), Ok, ok, Anne, du hast recht, für Thüringen allemal gut genug, was sag’ ich, mehr als sie verdienen, viel mehr, mach’ es bitte morgen fertig, damit wir es denen schicken können! Und guten Weg zur KiTa. So, was haben wir noch?

So könnte es gewesen sein, denn so sieht das Schild aus:

Autobahnschild 500 Jahre Bibelübersetzung (Bild: Pauline Lamers)

Das Problem ist nur, Hermanns Erinnerungen haben ihn nicht getrogen und Luther selbst hat es in der ihm eigenen Deutlichkeit formuliert. Und es gab einmal eine Zeit, da hat man das auch öffentlich sichtbar gemacht, so beispielsweise auf diesem Denkmal in Annaberg, wo wir es im März gesehen haben.

Luther-Denkmal vor der Annenkirche, Annaberg, Erzgebirge (eigenes Bild)

Luther-Denkmal. Annaberg, Detail Sockel (eigenes Bild)

“Das Evangelium, welches der HErr den Aposteln in den Mund gelegt hat, ist sein Schwert, damit schlägt er die Welt mit Blitz und Donner”

Ich glaube, wir alle können uns vorstellen, wie Luther, der, von allem anderen einmal abgesehen, jedenfalls ein leidenschaftlich Glaubender war, reagiert hätte, hätte man ihn in Bezug auf seine Bemühung um die Verdeutschung der Hl. Schrift mit “Welt übersetzen” konfrontiert, oder? 

Und deswegen wiederhole ich, auch aus katholischer Sicht, diese völlige Abwesenheit jeden Verständnisses, diese dreiste Mißachtung, die hat er nicht verdient und das wollten wir gerade heute gesagt haben. 

Gereon Lamers 

 

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*

*