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„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“ – Teil 2

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“ – Teil 2

Zur Verteidigung eines Gedichtes gegen seine Vertonung

 

Es geht langsam. Weil auch ich nach der Grippe Ende Januar immer noch nicht wieder ganz auf den Beinen bin. So kommt es, daß Freunde via Email oder Kommentarfunktion schon sehr sehr kluge Beiträge zum aktuellen PuLa-Text über Bonhoeffers „Von guten Mächten treu und still umgeben“ beigesteuert haben, bevor ich weiterschreiben und inhaltlich zum Thema Vertonungen überhaupt richtig loslegen konnte.

Aber heute geht’s weiter. Zunächst einmal mit der Reaktion auf die beiden Kommentare von Monticola, dessen „close reading“ ihn zu der Überzeugung führt, daß mit den guten Mächten „die positiven Familienerfahrungen“ beschrieben werden, „die die Fähigkeit, sich geborgen fühlen zu können, überhaupt erst begründen“.

Hier erst nochmal der Text des Autographs, den brauchen wir nämlich gleich wirklich genau:

  1. Von guten Mächten treu und still umgeben,/ behütet und getröstet wunderbar,/ so will ich diese Tage mit euch leben/ und mit euch gehen in ein neues Jahr.
  2. Noch will das Alte unsre Herzen quälen,/ noch drückt uns böser Tage schwere Last./ Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen/ das Heil, für das Du uns geschaffen hast.
  3. Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern/ des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,/ so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern/ aus Deiner guten und geliebten Hand.
  4. Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken/ an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,/ dann woll‘n wir des Vergangenen gedenken,/ und dann gehört Dir unser Leben ganz.
  5. Laß warm und hell[8] die Kerzen heute flammen,/die Du in unsre Dunkelheit gebracht,/ führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen./ Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
  6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,/ so laß uns hören jenen vollen Klang/ der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,/ all Deiner Kinder hohen Lobgesang.
  7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,/ erwarten wir getrost, was kommen mag./ Gott ist bei uns am Abend und am Morgen/ und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer)

Analog der hierarchisch gegliederten Gemeinschaft der Heiligen, die uns als „unsichtbare Welt“ umgibt, entwirft Bonhoeffer Monticola zufolge in seinem Gedicht „seine persönliche unsichtbare Welt […], in der sämtliche positiven zwischenmenschlichen Beziehungen (‚Du, die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld‘) in ebenfalls hierarchischer Ordnung präsentiert werden.“  Zur Untermauerung zieht Monticola Formulierungen des Brieftextes heran, in welchen Bonhoeffer die ihn im Gefängnis tragenden familiären und freundschaftlichen Beziehungen als „großes unsichtbares Reich“ bezeichnet. Er kommt zu dem sehr schönen Schluß: „Das ist kein ‚Engellied‘, sondern ein ‚Familienlied‘“ und vermutet: „Es handelt sich hierbei nämlich um ein sehr privates Weihnachtsgedicht, das in erster Linie die persönlichen bzw. bürgerlich-familiären Aspekte des Weihnachtsfests besingt. Hinzu tritt der Gebetscharakter durch die Einbeziehung des göttlichen Du. Nicht beabsichtigt war es, ein theologisch durchgearbeitetes Kirchenlied zu verfassen. Daß es in rauschhafter Besoffenheit zu einem solchen wurde, wäre dem Verfasser, so er noch lebte, vermutlich überaus unangenehm.“

Soweit Monticola.

Wunderbar!

Für seine Einschätzung, das Gedicht sei nicht zur Vertonung bestimmt gewesen, findet Monticola Rückendeckung bei Jürgen Henkys. In dessen von uns bereits zitiertem Artikel zu „Von guten Mächten“ im „Geistlichen Wunderhorn“  heißt es nach einigen Bemerkungen zur Metrik von Bonhoeffers Gedicht: „[I]n der [Bonhoeffer] vertrauten evangelischen Gesangbuchdichtung dürfte es keine Melodie gegeben haben, die ihn bei seinen Strophen begleitet hat. […] So hat man damit zu rechnen, daß hier ein privates Gedicht, ein persönlich adressierter Weihnachts- und Neujahrswunsch, [durch nachträgliche Vertonungen] ins Gesangbuch gekommen ist.“ (ebd. S. 455). Der „Einklang von Biographie und Theologie“ Dietrich Bonhoeffers bilde dabei überhaupt die Grundlage dafür, daß eine Gedichtinterpretation „beiden Sachverhalten gerecht werden [könne]: der Privatheit dieser Strophen und der ihnen gleichwohl eignenden Übertragbarkeit und Allgemeinheit.“ (ebd.)

Obwohl Henkys die „Privatheit dieser Strophen“ hervorhebt, ist ihm ebender Briefausschnitt, dem Monticola die Deutung der „guten Mächte“ als „positive Familienerfahrungen“ abliest, ein Nachweis für seine Interpretation als „Engellied“. Henkys weiß, daß Bonhoeffer sich in der Haftzeit intensiv mit den Psalmen beschäftigt hat und erkennt daher in dessen Gedicht Formulierungen, die „die biblische Rede dem Wirken Gottes durch Engel vorbehält.“ In den beiden Eingangsversen des Gedichts findet er bewußte Anspielungen auf Ps 139,5: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ und Ps 91,1: „Er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ (ebd. S. 456, Hervorhebungen durch Henkys).

So gut mir Monticolas These vom Familienlied gefällt, finde ich, daß Jürgen Henkys hier einen Punkt hat. Zumal ich – da Monticola ja ganz zu Recht auf Gott als lyrisches Du hingewiesen hat – die Strophen noch einmal auf die Frage hin anschauen möchte, wie hier direkte Ansprachen und Bitten einerseits und ein objektivierter Blick auf Gott andererseits alternieren: Auf das lyrische Du, groß geschrieben und in jedem Fall auf Gott den Herrn bezogen, treffen wir nur in den Binnenstrophen 2-6. Es steht neben dem klein geschriebenen lyrischen „euch/uns/wir“ der familiären und freundschaftlichen Beziehungen. Die Randstrophen 1 und 7 sind von einer objektivierten Außensicht auf die guten Mächte und Gott getragen. Deshalb lese ich das „euch“ in Strophe 1 letztlich doch nicht als Identifizierung der „guten Mächte“. Das „euch“ ist den guten Mächten vielmehr ebenfalls anvertraut und von ihnen unterschieden.

Ich tendiere also doch zur Engelliedthese von Jürgen Henkys und habe mich entschlossen, in diesem Sinne auch die sechste Strophe zu verstehen: „Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,/ so laß uns hören jenen vollen Klang/ der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,/ all Deiner Kinder hohen Lobgesang.“

[Nebenbei bemerkt: Bonhoeffer, mit den Psalmen vertraut, wird auch hier einen Vers im Kopf gehabt haben: Psalm 4, 2 […] „in tribulatione dilatasti mihi“, „in der Bedrängnis hast Du mich ins Weite geführt“ GL]

Das Gedicht ist gesättigt von Todesahnung. Daß ich „die Stille“ beim Gemeindegesang in der Jahresschlußandacht daher ausschließlich mit dem Tod assoziiert habe, hatte allerdings vielleicht auch ein bißchen mit der hiesigen Christmette eine Woche zuvor zu tun, war die Weihnachtspredigt doch zu guten Teilen eher auf den Karfreitag zugeschnitten und entließ uns mit den Worten „leiden und sterben – so bringen wir Frieden“ in den Jubel der Heiligen Nacht. Wie auch immer – durch die Beschäftigung mit der Forschungsliteratur zu Bonhoeffers Gedicht weiß ich nun, daß man die Stille auch als die Stille des Gefängnisses deuten kann, die dem Häftling alle Freunde und Familienangehörigen intensiv vor Augen führt. Noch einmal Bonhoeffer: „[I]ch habe immer wieder die Erfahrung gemacht, je stiller es um mich herum geworden ist, desto deutlicher habe ich die Verbindung mit euch gespürt. Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit Organe ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen.“ (zit. nach Geistl. Wunderhorn, S. 456)

„Die Stille“ aus Strophe 6 also lediglich die Taubheit der unterirdischen Haftzellen, die bleierne Sprachlosigkeit der Wärter, die hypersensibilisierende Einsamkeit der Isolation? Die „unsichtbare Welt“ entsprechend die emotionalen Bindungen an Familie und Freunde?

Nein! Nein, ich glaube es nicht. Mögen sich die beiden ersten Verse der Strophe 5 auf das heimische und heimelige großbürgerliche Weihnachtsfest beziehen – im letzten Vers schlägt die Sprache ins Metaphorische um: „Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht“ – das ist bereits die Nacht des Todes, in der ihm, dem Aufrechten, ganz gewiß das Licht der ewigen Herrlichkeit aufleuchten wird. Und es ist – „führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!“ – der Raum und die Zeit, in der wir mit all unseren Lieben vereint zu werden hoffen dürfen. „Die Stille“ aus Strophe 6 – das ist die Stille des Todes, in der der „volle Klang“ der unsichtbaren Welt, der Lobgesang der göttlichen Kinder den Hörenden als das „Heilig heilig heilig“ der Engel umfängt.

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“

Prolegomena zur Verteidigung eines Gedichtes gegen seine Vertonung

 

Nein – hundertelf wäre Dietrich Bonhoeffer heute wohl nicht geworden. Hundertelf wird man normalerweise nicht. Aber deutlich älter als 39 hätte er sicherlich werden können, hätte die Gestapo ihn, den heute vor genau einhundertelf Jahren am 4. Februar 1906 in Breslau Geborenen, nicht noch am 9. April 1945 auf ausdrücklichen Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg umgebracht.

Fast genau zwei Jahre lang war er in Gestapohaft gewesen. Am 5. April 1943 hatte man ihn zugleich mit seinem Schwager Hans von Dohnanyi wegen „Wehrkraftzersetzung“ gefangengenommen und nach und nach Beweise seiner Zugehörigkeit zu den Widerstandsgruppen auch des 20. Juli zusammentragen können. Im Verlaufe solcher Ermittlungen wurde Bonhoeffer am 8. Oktober 1944 aus der berühmten „Zelle 92“ in Berlin-Tegel in das Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in der Prinz-Albrecht-Straße – heute nach der Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner benannt – in Berlin-Mitte verlegt. „Hier ist die Hölle“, erfuhr er schon bei der Ankunft, und einem Mitgefangenen, dem Vetter seiner Verlobten, gegenüber beschrieb Bonhoeffer die nun folgenden Verhöre als „kurz und bündig widerlich“ (Brautbriefe Zelle 92. Dietrich Bonhoeffer – Maria von Wedemeyer 1943-1945, München: Beck Sonderausgabe 2006, S. 206).

Schriftverkehr mit der Außenwelt war fast vollständig untersagt. Drei Briefe durfte Bonhoeffer dennoch losschicken und einer davon ging zu Weihnachten 1944 an Maria von Wedemeyer, seine Verlobte. Er beschreibt darin die tiefe Geborgenheit, die er beim Gedanken an seine große Familie, an seine Braut und an seine Schüler und Studenten an der Front empfindet:

Du, die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied [dem sog. „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“, Anm. d. Verf.] von den Engeln heißt: ‚zweie die mich decken, zweie, die mich wecken‘, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.
(zit. nach Brautbriefe, S. 208)

Weiteren Ausführungen des Briefes schließen sich zuletzt „noch ein paar Verse“ an, „die mir in den letzten Abenden einfielen. Sie sind der Weihnachtsgruß für Dich und die Geschwister“. Es ist das siebenstrophige Gedicht mit dem Anfang „Von guten Mächten treu und still umgeben“ – ein „Engellied“, wie Jürgen Henkys in seiner Analyse des mittlerweile zwischen 25 und 50 mal vertonten Gedichtes festhält (Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder, München: Beck 2009, S. 452-461, S. 456):

Die es heute singen, wissen das allerdings kaum. Sie verbinden mit den ‚guten Mächten‘ meist wohl viel allgemeinere, nicht selten freilich auch ganz individuell gepflegte Vorstellungen. Wenn der von sehr handgreiflichen bösen Mächten umgebene Bonhoeffer die biblischen Engel als die verborgen wirkenden und in seiner eigenen Geschichte erfahrbaren ‚guten Mächte‘ deutet, dann gibt er – hier wie auch sonst in seinen Briefen – einen neuen Zugang zu fremd gewordener Glaubensüberlieferung frei.
(ebd.)

Zum geistlichen Lied wurde Bonhoeffers Text, Jürgen Henkys zufolge, in Kreisen der evangelischen Pfarrjugend der DDR, der staatlicherseits bespitzelten „Jungen Gemeinde“, die zum Abschluß ihrer Treffen häufig ausschließlich die siebente Strophe (die heute, bspw. in der Vertonung von Siegfried Fietz als Refrain genutzten Zeilen „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“) sprachen, bis der Kirchenmusiker Theophil Rothenberg bei Otto Abel eine erste Vertonung in Auftrag gab und diese umgehend in seine Sammlung „Die singende Schar“ aufnahm.

Im katholischen Gotteslob war das Lied noch in der Ausgabe von 1995 nicht vertreten. Im neuen Gotteslob hingegen findet es sich in gleich zwei verschiedenen Vertonungen – einmal der von Kurt Grahl unter Nr. 430 und zum anderen der von Siegfried Fietz unter Nr. 804 (Regionalteil Ost) – wieder.

In der Jahresschlußandacht 2016 haben wir hier in der Weimarer Pfarrkirche alle sechs Strophen der Vertonung von Siegfried Fietz gesungen. Ab Strophe 4 blieben mir die Worte final im Hals stecken und ich beschloß, mehr über Text und Musik herauszufinden als ich bis dato wußte, um auf PuLa etwas zu schreiben. Was und warum – das lesen Sie morgen in den nächsten Tagen.

Für heute eine geruhsame Nacht!

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Laus Lauri – Laus Mariae

Jetzt ist es wirklich soweit: Das Ende der Weihnachtszeit ist herangekommen, Bäume und Krippen werden abgeschmückt, um schließlich aus Wohnungen und Kirchen zu verschwinden und es ist mehr als eine nostalgische Anwandlung, wenn einem dabei ein bißchen wehmütig ums Herz wird.
Denn es ist ja wirklich so: Wir verlassen eine von Freude geprägte liturgische Zeit und am Horizont ziehen langsam Gedanken an Ernst und auch Trauer der Fastenzeit herauf, bevor wir dann an Ostern denken dürfen.
Immerhin ist dieser Ablauf aber in jedem Jahr erneut Grund zu einer ganz speziellen Genugtuung! Denn nach dem aktuell geltenden Kalender wäre die Tatsache, daß weihnachtliche Elemente in den  Kirchen verbleiben, ja im Grunde ein Anachronismus, ist doch die Weihnachszeit offiziell seit dem 8. Januar bereits beendet.
Daß und warum das schlicht ein Schmarrn ist, sieht man leicht, wenn man den Blick darauf lenkt, wie denn die liturgische Zeit heißt, die stattdessen herrschen soll.
Auf englisch heißt sie „Ordinary time“. Auf französisch „Temps ordinaire“. Und auf deutsch also „Ordinäre Zeit“.
Nein, so heißt sie natürlich nicht, wie wir alle wissen, und die kleine Gegenüberstellung zu anderen europäischen Sprachen zeigt auch sehr schön warum: Weil „ordinär“ im Deutschen einen ganz spezifischen Beigeschmack hat, da bedeutet das Wort eben nicht (wie auf englisch und französisch) „ordnungsgemäß“, sondern „gewöhnlich“ mit pejorativem Beiklang.
Und wenn man dem Gedanken einen Augenblick Raum gibt: Kann es das eigentlich geben im Kirchenjahr, „(Ganz) Gewöhnliche Zeit“? Sind wir nicht vielmehr immer (wenn auch sicherlich in unterschiedlichem Ausmaß) in der Spannung der Heils-Zeit, die das Jahr ja doch spiegeln will und soll?
Wenn wir einmal schauen, wie das früher hieß, da war z.B. der letzte Sonntag (29. Januar) der „Vierte Sonntag nach Epiphanias“ (und ist es in der älteren Form des Römischen Ritus natürlich unverändert). Und strukturell benennen auch z.B. unsere protestantischen Geschwister nach wie vor die Sonntage so: Nach einem zurückliegenden oder noch zukünftigen Ereignis im Kirchenjahr.
Und ist das nicht viel logischer? Spiegelt sich nicht darin sehr schön die ganze Struktur christlichen Lebens, das ja, wie exemplarisch die Liturgie, immer ausgespannt ist zwischen Erinnerung und Erwartung? Ich finde schon.
Und die deutsche uns allen so sattsam vertraute Formulierung von der „Zeit im Jahreskreis“, die macht es bei Licht betrachtet überhaupt nicht besser. Diese Formulierung ist nämlich erstens völlig „neutral“, man könnte auch sagen inhaltslos, und birgt zweitens sogar die Gefahr, einem gänzlich unchristlichen zirkulären, „Kreis-förmigen“ eben, Verständnis von Zeit Vorschub zu leisten, dabei sind wir doch immer „Hin-zu“ unterwegs, letztlich zum Jüngsten Tag, an dem spätestens es sich „ausge-kreist“ haben wird! 😉
Also, diese eigentümlich bürokratisch anmutenden momentan aktuellen Regelungen, sie werden bei der großen „Reform der Reform“ keinen Bestand haben können, weil sie den mechanistischen Ungeist ihrer Entstehungszeit widerspiegeln, über den wir ja auch sonst gründlich hinweg sind.
Ja, und so ist jeder Baum und jede Krippe, die bis Lichtmeß stehen, auch in dieser Beziehung ein Hoffnungszeichen und ein Zeichen des Widerstands, den der Glaubenssinn vor Ort nun schon seit Jahrzehnten leistet – ist ja nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte…

 

Für PuLa aber birgt das (echte) Ende der Weihnachtszeit ein ganz praktisches Problem: Es fehlt noch was! Wir haben Ihnen bisher das auch zu Weihnachten 2016/17 gehörende „Bildnis des Bloggers mit eigentümlicher Kopfbedeckung“ (vgl. hier,  mit Links zu den Vorjahren) noch nicht präsentiert! Dabei existiert es schon seit Mitte Oktober 2016!
Ja, doch, wir gehen schon davon aus, daß Sie auch ohne dem weiterleben können 😉 , aber auf diesem Blog wird es keinen Abbruch von Traditionen geben, solange wir es verhindern können! 🙂
Daß es jetzt so sehr spät geworden ist, tut uns leid! Es liegt zum einen an außergewöhnlichen Belastungen durch Arbeit und durch Feste (!), zum anderen ganz aktuell auch an gerade erst knapp überstandener „Grippe“…; sorry!

Und wieder andererseits lag es auch nicht „nur“ daran! Nein, es gab auch einen Grund, der lag in dem Bild selbst, bzw. der damit verbundenen Symbolik und ich habe mir lange den Kopf zerbrochen, wie das zu vermitteln sein könnte!
Aber, dies ist ein katholischer Blog, die Hilfe kam, natürlich kam sie!, und die Antwort auf die Frage, „Wie erzählen?“ lautet einfach: „Von Anfang an!“:

Der Anfang der Geschichte liegt zeitlich im vergangenen Oktober, örtlich in Opatija, wo wir, vielleicht erinnern Sie sich, unsere Herbstferien begonnen haben. Und dieser Teil der kroatischen Adriaküste ist,  seit er Ende des 19. Jahrhunderts zu einem angesagten k.u.k Bade- und Kurort wurde, weithin bekannt für den besonders üppigen Wuchs des Lorbeers (Laurus nobilis), der dort, so lasen wir vorher, regelrechte kleine Wälder bilde. Und so fanden wir es tatsächlich vor. Die ‚edle‘ Gewürzpflanze, sie wächst dort wie das sprichwörtliche Unkraut aus jeder Ritze im Asphalt, wenn man sie nur läßt!
Als wir nach nur einer  Woche von Opatija nach PuLa, äh, Pula natürlich 🙂 aufbrechen mußten, ärgerten wir uns ein wenig, den nahegelegenen Marienwallfahrtsort Trsat, der heute zur etwas „ruppigen“ Stadt Rijeka, italienisch Fiume gehört, nicht mehr besucht zu haben, aber immerhin befanden sich im Auto etliche Lorbeerzweige. Wir hatten sie nicht mal selbst schneiden müssen, sondern sie fanden sich als „Gartenschnitt“ – dabei ist das getrocknete Resultat aromatischer, als das meiste, was Sie hier im Gewürzregal finden…

Und diese Fahrt entlang der istrischen Küste, denn wir hatten die Inlandsautobahn verschmäht, hatte noch kaum begonnen, da stand, wir wissen nicht warum, die Frage nach „der nächsten Kopfbedeckung auf dem Blog“ im Raum, auf die das jüngere Kind von der Rückbank flugs die Antwort gab: „Einen Lorbeerkranz natürlich!“ Duh!
Gesagt, getan, die Bilder haben wir dann gleich in Pula gemacht, solange die Zweige noch grün und biegsam waren:

Mit Lorbeer (eigenes Bild)

Das kommt davon wenn auch die nächste Generation Asterix liest, wo Julius Caesar spricht: „Sieh da! Meine Lorbeeren, ganz zerdrückt. Ich muß mich versehentlich darauf ausgeruht haben!“ (Asterix in Spanien, Stuttgart 1973, S. 6) 🙂
Aber bestimmt verstehen Sie jetzt auch, woher meine Probleme, ein Bild von mir mit gerade dieser Kopfbedeckung zu veröffentlichen, kamen, nicht? Der Lorbeer, er beschwört eben immer mindestens besondere Würde, Ruhm (vgl. den Poeta laureatus) oder gar (militärischen) Triumph herauf , doch das liegt mir für meine Person und uns für unseren bescheidenen Provinzblog durchaus fern!

Nur, wie dem Mißverständnis wehren? Bloße Behauptung ist schwach, das war uns klar, Verzicht auf das Motiv hingegen kam auch nicht in Frage: Wir nehmen immer das Bild mit der Kopfbedeckung, die sich uns aufdrängt, denn das ist eben die, die zu dem Jahr gehört!
Was war also zu tun? Was vom Lorbeer zu erzählen, das deutlich zu machen geeignet war, hier ging es wirklich nicht um unsere Selbstüberhebung, nicht mal in irgendeiner noch so ironisch gebrochenen Art und Weise?
Die Geschichte, die sich schließlich nach geduldigem Warten (denn‚ ‚Hilfe kommt bestimmt‘!) ergab, ist aber viel unglaublicher und wunder-voller, als wir uns das hätten vorstellen können. Aber wo die MutterGottes im Spiel ist…

Und es begann – mit einem Gespräch über Mineralwasser!

Lauretana in PET (Bild: lauretana.com)

Lauretana, so heißt das nach seiner Selbstbeschreibung „leichteste Wasser Europas“, das aus einer artesischen Quelle in den italienischen Alpen dringt. Ich nutze es vorwiegend, um daraus Grünen Tee zu bereiten (was ich nur empfehlen kann!). Jedenfalls warf eines Tages meine liebe Frau die Frage auf, ob Lauretana  denn wohl  mit der Lauretanischen Litanei zusammenhinge, wo es doch so ähnlich klänge. Was natürlich hieß zu fragen, woher denn die Litanei ihren Namen trüge.
An dieser Stelle werden vermutlich viele ältere Katholiken milde schmunzeln, aber wir armen Kinder der „Konzilsgeneration“, wir wußten es wirklich nicht, es hat uns niemand erzählt! Und, Hand aufs Herz, wann haben Sie denn die Litanei das letzte Mal öffentlich beten können, bzw. „dürfen“??!
Nun, wie dem auch sei, „lauretanisch“ kommt von Loreto, dem bedeutenden Marienwallfahrtsort gleich „gegenüber“ auf der anderen Seite der Adria in den italienischen Marken.
Im Kern aber der dortigen Basilika steht das ‚Heilige Haus‘, die Santa Casa, verehrt als das Haus Mariens aus dem Hl. Land, in dem an ihr die Verkündigung geschah.

 

Über die Santa Casa können wir hier auch nicht ansatzweise genug schreiben, lesen Sie außer dem, was Sie schon hier , hier und hier finden am besten bei Michael Hesemann nach: „Maria von Nazareth, Geschichte, Archäologie, Legenden, Trier 3. Aufl. 2015, S. 89 – 112.
Wichtig ist: Nach den aktuellsten archäologischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen handelt es sich beim „Heiligen Haus“ tatsächlich um ein Gebäude aus Palästina, aus Nazareth, das dort in Mittelitalien ohne Fundamentierung auf dem Rest einer alten Straße steht. In seinem Innern aber befinden sich christliche Graffiti in griechischer Sprache und an versteckter Stelle fanden sich Textilien, die von Experten als Teile der Mäntel von Kreuzfahrern identifiziert wurden.

 

Für unsere Geschichte ist nun entscheidend, was darüber berichtet wird, wie denn das Haus dorthin gelangt ist. Es sei, so weiß die Legende, von Engeln aus dem Hl. Land herangetragen worden, als dort 1291 die letzten Kreuzfahrerstaaten unter der Aggression der Sarazenen weichen mußten.

Englischer Transfer (Bild: WikiCommons, Georges Jansoone, Ausschnitt)

Nur – es gelangte eben keineswegs gleich auf die Westseite der Adria! Nein, vielmehr stand die Santa Casa zunächst im heutigen Kroatien in, Sie ahnen es sicher, genau, in Trsat! Von dort hatte es gewiß eine Zeitlang einen hervorragenden Ausblick auf die Lorbeerwälder an,dem Ort der später Opatija heißen sollte.
Allein, so heißt es weiter, die damaligen Bewohner erwiesen sich der gnadenhaften Gabe, die da auf sie gekommen war, als unwürdig und so griffen die Engel ein zweites Mal zu und trugen es am 9.12.1294 ein wenig weiter übers Meer in einen – Lorbeerhain! (oder, hier differieren die Angaben, auf das Grundstück einer Familie namens Laureta, was aber auf dasselbe hinauskommt, denn die Etymologie dieses Namens brauchen wir jetzt wohl nicht mehr zu erklären. 😉 ).
Jedoch bedurfte es noch einer dritten und vierten Translatio, bis der heilige Gegenstand schließlich seinen dauerhaften Ort gefunden hatte, um von nun an fest verknüpft mit dem Namen der wohlriechenden und heilkräftigen Pflanze, der auch zum Namen dieses Ortes geworden war, einmal mehr den Ruhm und die Verehrung der MutterGottes in die Welt zu tragen.
Und wie in die Welt zu tragen! Was wir Armen (s.o.) nie geahnt hätten, es gibt weltweit ca. 2.000 Adaptionen der originalen Santa Casa, und eine davon steht auch in Graglia, Piemont, dem Quellort des Lauretana-Wassers! (leider haben wir allerdings keine mitteldeutschen ‚Sante Case ‘ gefunden, denn ihre  Verbreitung begann just, als im 16. Jahrhundert in diesem Teil Deutschlands die Marienverehrung stark nachzulassen begann, Sie wissen schon… Wenn aber doch jemand auch hierzulande eines kennt: Wir freuen uns über jeden  Hinweis, wäre das doch ein ganz wunderbarer Anlaß für ein ‚PuLa unterwegs‘!)

So ist hoffentlich klar geworden: ‚Laus Lauri – Laus Mariae‘, das Lob des Lorbeers ist Marienlob und vermutlich hätte es einem nirgendwo besser deutlich werden können als eben dort in jener heute etwas abgelegenen „Ecke“ der Adria zwischen Opatija und Rijeka.
Wir aber sagen voll demütiger Dankbarkeit: Wie reich und tief die Welt dem wird, der mit dem katholischen Blick auf sie schaut, das haben wir anhand dieser Geschichte erneut erfahren dürfen: ‚Dove Sveta‘ können wir da nur wiederum sagen und – Ihnen diesen Blick von Herzen wünschen!

 

Gereon Lamers

Rückblick auf den Adventskalender mit dem Hl. Hilarius

Am heutigen Sonntag, an dem nach gerade aktuellem Verständnis ja der Weihnachtsfestkreis endet (unser Baum steht aber bis Lichtmeß! 😉 ), bietet es sich an, den angekündigten Blick zurück auf den Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers zu werfen.

Am Vorabend (30. November, hier) hatte ich geschrieben: „mal sehen, wohin uns das bringt“, denn ich wußte es eben selbst nicht so genau.
Im Rückblick hat sich diese Ungewißheit insofern bestätigt, als das Ergebnis nicht dem vorher gefasstenPlan entspricht: Ich bin viel mehr dem Buch über die Psalmen und dort besonders der Vorrede verbunden geblieben, als das eigentlich beabsichtigt war.
Das hängt nun aber nicht nur mit meiner persönlichen Vorliebe für das Thema zusammen, sondern auch damit, daß ich mir eingestehen mußte, das Vorhaben, etwa jeden zweiten Tag einen Abschnitt aus den dogmatischen Werken zu bringen, war von mir zu diesem Zeitpunkt nicht zu leisten!

Denn das Wirken des Kirchenlehrers fiel eben in die Zeit intensivsten Ringens um die zentralen dogmatischen Grundlagen, insbesondere der Christologie nach dem Ersten Konzil von Nicäa. Damals ging es, ‚wenn ich das mal so flapsig ausdrücken darf‘, über lange Zeit ganz schön drunter und drüber; hören wir den Heiligen selbst:

[…S] o entstand mehr ein Glaube der Zeiten, als der Evangelien; […]. Sehr gefährlich ist es für uns und beklagenswert, daß es jetzt so viele Glauben [-sbekenntnisse] gibt, als Willensmeinungen […].
Und da, wie Ein Gott und Ein Herr und Eine Taufe, so auch Ein Glaube ist, weichen wir von jenem Glauben ab, welcher der einzige ist; und da mehrere [Bekenntnisse] entstehen,kommt es soweit, daß sie eher dazu da sind, daß es gar keinen [Glauben] mehr gebe!

Denn wir sind uns bewußt , daß seit dem [Ersten] Konzil von Nicäa, nichts anderes als Glaubensbekenntnisse, niedergeschrieben wurden. Während über Worte gestritten, während über die Neuerungen Untersuchung angestellt, während über Zweideutigkeiten zu sprechen Gelegenheit geboten wurde, während über die Urheber Klage erhoben, während über die Ansichten Streit erregt, während Übereinstimmung erschwert wird, während einer dem anderen verflucht zu sein anfängt; gehört fast niemand mehr Christus an.
Denn wir schwanken, von dem unsicheren Winde der Lehren getrieben, umher, und verwirren, wenn wir lehren, oder irren, wenn wir belehrt werden.
Welche Veränderungen umfassen nicht auch nur die Glaubensbekenntnisse des letzten Jahres in sich?
Erstens das, welches beschließt, daß man von dem homousios schweigen sollte; zweitens wieder das, welches das homousios ausspricht und verkündigt; dann drittens das, welches die von den Vätern einfach angenommene ousia aus Nachsicht entschuldigt; und endlich viertens jenes, welches nicht etwa entschuldigt, sondern verdammt.

Und wie weit ging man endlich, so daß weder bei uns, noch bei jemandem vor uns von nun an etwas heilig und unverletzt bleibt.
Was aber die Gleichheit Gottes des Sohnes mit Gott dem Vater betrifft, so setzen wir durch unsere Glaubensbekenntnisse, wenn unsere erbärmliche Zeit ja noch einen Glauben hat, […] wir trefflichen Schiedsrichter über die himmlischen Sakramente, und Durchforscher der unsichtbaren Geheimnisse den Glauben an Gott herab.

(Ad Const. [d.i. Zweites Schreiben des heiligen Hilarius an Konstantius Augustus] 2, 4f.)

Wer sich bei diesen Sätzen an gegenwärtige Sorgen um die Einheit des Glaubens („keine Filiale von Rom“) erinnert fühlt… – den verstehe ich, sage aber zugleich: Schauen wir einfach hoffnungsvoll auf den Ausgang des damaligen Ringens!

Ich sah mich jedenfalls mit meiner schwachen Kraft nicht in der Lage, Zitate, die sich auf die damalige verworrene Lage bezogen, mehr als 1.700 Jahre später so in tageweise „Häppchen“ zu verpacken, daß sie (vor allem!) nicht falsch, dann aber auch noch verständlich und gewinnbringend gewesen wären; ich könnte mir allerdings immerhin vorstellen, daß es auch für Menschen, die mehr davon verstehen, schwer würde, könnten doch auch sie, ganz unabhängig von der eigenen Qualifikation, schwerlich von einem besonders fundierten Vorverständnis ausgehen.

Und so bin ich, ein ums andere Mal, an den Ausführungen über das Psalmenbuch „hängengeblieben“, wovon ich immerhin ein bißchen (!) mehr verstehe, und habe dabei sehr viel gelernt – über eine sehr andere Sprache einerseits, über einen Argumentationsstil andererseits, den ich immer wieder unmittelbar anschlußfähig finde und zwar gerade an die Themen wirklich aktueller Forschung!
Wenn Sie sich z.B. an den Beitrag vom Heiligen Abend erinnern, wo der Hl. Hilarius davon spricht, der Psalter gleiche einer,

[…] schönen und großen Stadt, welche viele und verschiedene Häuser hat, deren Türen mit eigenen und verschiedenen Schlüsseln geschlossen werden.
Würde man diese an einem Orte zusammenhäufen und unter einander werfen, so würde es für den, welcher ein jedes Haus aufschließen wollte […] sehr schwer sein, den Schlüssel zu jedem Hause zu finden. Denn es würde […] eine ungemein große Mühe angewendet werden müssen, um den passenden und gehörigen Schlüssel zur Öffnung eines jeden Einganges zu finden, weil das Verhältnis und die Beschaffenheit es nicht gestattet, daß man fremde Schlüssel zu verschiedenartigen Schlössern gebrauche.

Dieses ungeordnete „Zusammenhäufen“ mit der Konsequenz, daß viele Psalmen lange Zeit nicht mehr „aufgeschlossen“ und nach ihrem ganzen Sinngehalt befragt werden konnten, scheint mit ein ganz wunderbar treffendes Sprachbild für die Konsequenzen der jahrzehntelangen Dominanz des sog. „Formen- und Gattungskritischen Ansatzes“ zu sein, mit seiner teils geradezu manischen Suche nach einem ohnehin allermeist hypothetischen „Sitz im Leben“!
Zum Glück sind das mittlerweile aber ja tempi passati.

Schließlich muß ich zugeben, die Reaktionen auf diesen Adventskalender waren zurückhaltender als in den Vorjahren und ich verstehe das auch, es war, ohne ein besonderes Interesse an dem Thema, schon ein wenig spröde, wozu sicher auch der weitgehende Mangel an Illustration beigetragen hat! Umso mehr habe ich mich über die positiven Rückmeldungen gefreut, die es auch gab; Danke!

Jedenfalls gilt aber der alte Satz: „Nach dem Adventskalender ist vor dem Adventskalender“ und so kann ich heute bereits ankündigen, daß es für die nächste Saison schon eine recht konkrete inhaltliche Idee gibt und eine zur durchgängigen Illustration!
Letzteres ist allerdings abhängig vom Einverständnis der Bildrechteinhaber, daher, wenn sie mögen, drücken Sie dem Adventskalender des kommenden Kirchenjahrs bitte ein bißchen die Daumen, ja? 🙂

Hoffnungszeichen

Da ich es leider „verboten bekommen“ habe 😉 , heute, nachdem doch immerhin ein ganzes Jahr vergangen ist! , aufs neue das Lied zum heutigen Epiphanias-Fest zu bringen (aber, wenn Sie mich nicht verraten, Sie finden es hier! Psst!! 🙂 ) will ich nun ein Bild präsentieren:

Stern der Hoffnung (eigenes Bild)

Dieses Photo des Sterns über der Krippe in unserer Pfarrkirche Herz-Jesu, schon am Heiligen Abend entstanden, ist jedoch ein durchaus sprechendes Bild. Und dabei meine ich diesmal gar nicht den eigentlichen Gehalt, die ‚selige Hoffnung‘, für die der Stern steht!
Daran sollten wir alle heute natürlich in ganz besonderer Weise denken, klar, und so haben wir uns auch sehr gefreut, als wir, so gegen 09.00 Uhr, denn es gab vorbildlicherweise eine übrigens gut frequentierte Messe zum Hochfest um 8.00 Uhr!, einen Glückwunsch zum Fest erhielten, wie schön!

Für Weimarer Pfarrkinder ist aber schon die erneuerte Gestalt des ganz unsymbolischen, ganz konkreten und materiellen Sterns wie er da hängt und glänzt (glänzt!) ein Hoffnungszeichen! Denn auch der Stern über der Krippe hat sich gegenüber den Vorjahren, in denen auch er ein Zeichen für die damalige Situation war, deutlich verändert, o ja!

Nun, das wollen wir an einem so schönen Tag (der hier in Mitteldeutschland strahlend schön und klirrend kalt war) gar nicht weiter vertiefen, wer sich auskennt, weiß ohnehin, wovon wir reden.
Es paßt aber ganz großartig zu einem Thema, das Sie u.U. schon vermißt haben: Den am 15. Januar bevorstehenden Gremienwahlen.
Für diese Wahlen stehen seit dem 31. Dezember 2016 die endgültigen Kandidatenlisten fest (vgl. hier). Wenn Sie sich erinnern, wir hatten Anfang November angekündigt, diese Entwicklung genau beobachten zu wollen (hier) und ggf. mit deutlicher Ansage zu reagieren.
Heute können wir voller Dankbarkeit und Freude feststellen: Das ist nicht erforderlich. Nein, nach unserem besten Wissen halten wir samt und sonders alle Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchenvorstand und die Kirchorträte für wählbar. Das ist eine überaus erfreuliche Situation, deren Eintreten überhaupt nicht selbstverständlich war; wir kommen u.U. irgendwann auf spezifische Geschehnisse in den zwei Monaten November und Dezember 2016 noch zurück, ebenso wie wir uns eine grundsätzliche Würdigung der Neukonstruktion der Gremien im Bistum Erfurt natürlich vorbehalten!

Heute aber wollen wir ausdrücklich dafür werben, das Wahlrecht auch wahrzunehmen. Man kann ja von „Gremien“ im allgemeinen und im katholischen Kontext im besonderen halten, was immer man will, aber sie sind eine Realität und sie werden bestimmt nicht besser, indem man sie ignoriert!

Gereon Lamers

PS: Daß wir grundsätzlich gegen alle Kandidatinnen und Kandidaten nichts einzuwenden haben, heißt natürlich nicht, daß wir persönlich alle gleichermaßen wählen würden; eine Kandidatin hat sich zumindest uns gegenüber als derart voreingenommen und wenig kommunikationsfähig erwiesen, daß sie mit unseren Stimmen nicht rechnen darf – Wahl heißt Aus-wahl – glücklicherweise…

„Konditional“ (Rosa Gewand (5/n))

„Konditional“
Ein Zwischenruf zum Thema Rosa Gewand (5/n)

Wenn, sagen wir, ein Priester in der mitteldeutschen Diaspora seine Neujahrspredigt mit dem launigen Aperçu, im Jahreshoroskop einer seriösen deutschen Sonntagszeitung habe für sein Sternzeichen gestanden, es sei Zeit für eine Veränderung im Kleiderschrank, begonnen hätte, und hätte diesen Einstieg damit abgeschlossen, die Anschaffung weiterer, u.U. andersfarbiger Collarhemden könne ja nun nicht wirklich das sein, was für das Jahr 2017 anstehe und hätte im weiteren, ganz ernsthaften Verlauf der Predigt Kardinal Meisner zitiert, der vor 30 Jahren in Dresden den berühmten Satz geprägt hat: „Wir folgen keinem anderen Stern als dem von Bethlehem“, dann…

Ja, dann würde PuLa sagen: Wunderbar! Denn erstens gehört ja in der heutigen deutschen Kirche mittlerweile schon Mut dazu, den ehemaligen Erfurter Weihbischof, Bischof von Berlin und Erzbischof von Köln zu erwähnen und zweitens, sagen wir, wie wohltuend, wenn unser Priester beim Stichwort „Kleidung“ an angemessene priesterliche Kleidung dächte, solche, mit der er als Priester jederzeit zu erkennen ist – so muß das sein!, wie wir hier schon mehrmals geschrieben haben.

Allein, wir finden auch, man muß selbst Horoskope richtig zu lesen verstehen. Und das heißt im vorliegenden Fall: Vollständig zu lesen verstehen.

Und so scheint uns, es könne hier offenbar nicht bloß um den privaten Kleiderschrank gegangen sein, sondern um den Bestand an liturgischen Gewändern einer Pfarrei!

So wartet ja, nur so als Beispiel, der Sakristeischrank in Weimar schon gar lange auf die Wiederbeschaffung mindestens eines rosafarbenen Gewandes für die Sonntage Laetare und Gaudete, worauf wir zuletzt hier aufmerksam gemacht haben.

Ob dieses Desiderat wohl im laufenden (Kirchen-) Jahr erfüllt wird?
Das steht – ‚in den Sternen‘. 😉

Gereon Lamers

Der Jahresrückblick – Sketchlet zum Advent No. 4

 

Der Jahresrücklick
Ein (dramatisch verspätetes) Sketchlet zum Vierten Advent für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Wundersdorf, Schafweide. Aufgrund verknappter Feiertage, fehlendem Urlaub und vielfachem ehrenamtlichem Tun um Heiligabend und den vierten Advent berichten wir erst heute vom Leben der allseits bekannten Schafherde in der vierten Adventswoche 2016.

Die Schafe haben sich diesmal etwas besonderes vorgenommen. Für die neue Homepage der Pfarrei möchten sie einen Jahresrückblick zusammenstellen. Grauchen, Blütenweiß, Wolle und Flocke hocken vor Kohles Tablet und reden sich die Köpfe darüber heiß, auf welche Ereignisse man wie ausführlich eingehen, was unter den Tisch fallen und was unter den Teppich gekehrt werden sollte. Punkt für Punkt eine schwierige Entscheidung – und dann hat man nicht mal seine Ruhe …

Grauchen: Ich fand es unmöglich, wie Edith reagiert hat!

Blütenweiß: Aber sie ist uns normalerweise wohlgesonnen – vielleicht sind wir wirklich ein bißchen zu weit gegangen?

Flocke: Das auf keinen Fall! Im Gegenteil! Das müssen wir im kommenden Jahr noch deutlich mehr ausbauen …

Wolle (fällt ihr ins Wort): … aber mit einer besseren Vorbereitung der Anwohner!

Flocke: Wollt ich gerade sagen! Mit besserer Vorbereitung und vorneweg Kommunizieren der ganzen Angelegenheit.

Grauchen (nickt): Ihr habt recht! Das kann möglicherweise die Akzeptanz für unsere Anliegen bei den Menschen stärken!

Kohle (steckt die Nase zur Tür herein): Na? Worum geht’s grade?

Wolle: KaSchafüRüalProwe

Kohle will gerade etwas sagen, als Fixi und Huf in den Unterstand stürmen und ihn fast umrennen .

Fixi: Tante Flocke!

Flocke: Ja, was ist denn?

Huf: Wenn wir alle solche Glöckchen hätten, könnten wir ein kleines Lied zu Weihnachten aufführen!

Flocke: Ihr Lieben – können wir das ein andermal verhandeln – es paßt jetzt gerade überhaupt nicht!

Huf: Unter unserer Tanne!

Kohle (zum eigentlichen Thema): Ich fand unsere Demonstration im September ausgesprochen erfolgreich!

Fixi (in eigener Sache): Und alle könnten mitsingen!

Blütenweiß: Es ist schon wahr, daß wir auf unser Anliegen immerhin ein erstes Mal aufmerksam gemacht haben.

Huf: Es käme der ganzen Herde zugute!

Grauchen (zu Kohle): Aber denk doch mal, wie Edith reagiert hat! Die Tür vor der Nase hat sie uns zugeschlagen und dann durftest du als Mitinitiator nicht mit hinein, sondern solltest eine Gruppe zum Rasenmähen zusammenstellen! Das ist doch unmöglich, sowas! Also gerade du müßtest doch der erste sein, der da auf eine etwas kritischere Art der Berichterstattung abzielen sollte.

Fixi: Wenn wir Xenia und Euterpe wieder einladen würden, wären wir zusammen neun Schafe und Lämmchen …

Kohle (wiegelt ab): Ich würde das mit Edith nicht zu hoch hängen! So etwas kommt schon mal vor. Ich glaube, sie war fürchterlich erschrocken und wir sollten ihre Reaktion da nicht zu ernst nehmen.

Huf: … nämlich Fixi und ich, Xenia, Euterpe, Kohle, Flocke, Wolle, Blütenweiß und Grauchen. (stolz): Macht neun.

Flocke (zu Huf): Curly könnten wir auch noch dazunehmen. Die kapselt sich in letzter Zeit so ab!

Grauchen (zu Flocke): Sag mal! Fängst du jetzt auch schon an, dich hier aus der Arbeit auszuklinken?

Blütenweiß (zu den Lämmchen): Worum geht es euch eigentlich?

Fixi (triumphierend): Wir möchten auch solche Glöckchen an einem Halsband haben, wie wir Xenia eins zu Nikolaus geschenkt haben …

Huf: … und wir haben uns gedacht, wenn wir unterschiedliche Glöckchen beschaffen, könnten wir ein kleines Liedchen spielen.

Fixi: Wir müßten nur zum richtigen Zeitpunkt in die Höhe springen und läuten – und schon wäre das Lied fertig. (Sie strahlt.)

Wolle (skeptisch): Ich soll in die Höhe springen und läuten?

Kohle: Hm! Und an welches Lied hattet ihr da so gedacht?

Huf: Jingle Bells zum Beispiel.

Flocke: Hmja – das liegt ja nun nahe, allein schon vom Titel her.

Fixi: Und der Tonumfang in eine None – und wir sind neun Schafe.

Blütenweiß: Plus Curly.

Huf: Gut – wir brauchen ja auch eine Dirigentin … vielleicht.

Wolle: Vielleicht wollen ja auch gar nicht alle mitmachen?

Kohle (übergeht Wolles defaitistische Äußerung): Ok – Schafe – das wäre im Grunde genommen eine gute Aktion!

Grauchen: Soll das noch mit in den Jahresrückblick?

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Immer etwas los. Bloß gut, daß wir nicht entscheiden müssen, was man wie in einem Jahresrückblick Revue passieren lassen sollte.
PuLa schaut lieber optimistisch nach vorne und wünscht allen ein gutes und friedvolles Jahr 2017.

Quia veniens veniet…

..sed tardabit. (frei nach Hab 2,3, vgl. hier)

Aber nur um ein weniges!
Treue PuLa-Leser mögen in den letzten Tagen etwas vermißt haben, gehört doch seit nunmehr fünf Jahren zur Tradition nach den Weihnachtsfesttagen ein kurzer Rückblick auf den zurückliegenden Adventskalender und – „Das Bildnis des Bloggers mit seltsamer Kopfbedeckung“.
Ganz zu schweigen davon, daß noch ein Sketchlet mit den Schafen fehlt!

Nun, letzteres erscheint gleich, ja, gleich!, noch, auf die zauberhaften Tiere aus Wundersdorf ist eben Verlaß!

Die beiden anderen angesprochenen Elemente hingegen kommen erst im neuen Jahr; dafür vielleicht verbunden mit ein wenig mehr Rückblick auf das vergangene Jahr, als bisher üblich, mal sehen…

PuLa wünscht einen guten und gesunden Jahreswechsel und ein erfülltes, frohes Jahr 2017!

Gereon Lamers

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 24

Nun gilt es aber, der Erklärung eines jeden Psalms eine genaue und abgewogene Beurteilung zu widmen, damit man erkenne, mit welchem Schlüssel der Erkenntnis ein jeder aufgeschlossen werden müsse.
Denn das ganze Buch gleicht einer schönen und großen Stadt, welche viele und verschiedene Häuser hat, deren Türen mit eigenen und verschiedenen Schlüsseln geschlossen werden.
Würde man diese an einem Orte zusammenhäufen und unter einander werfen, so würde es für den, welcher ein jedes Haus aufschließen wollte, und sie nicht kennen würde, sehr schwer sein, den Schlüssel zu jedem Hause zu finden. Denn es würde entweder eine genaue Kenntnis dazu erforderlich sein, um den Schlüssel sogleich zu kennen, und ihn aus jener Menge der an einer Stelle zusammengehäuften mannigfaltigen Schlüssel herauszusuchen, oder eine ungemein große Mühe angewendet werden müssen, um den passenden und gehörigen Schlüssel zur Öffnung eines jeden Einganges zu finden, weil das Verhältnis und die Beschaffenheit es nicht gestattet, daß man fremde Schlüssel zu verschiedenartigen Schlössern gebrauche.
Deshalb werden wir nun, nach der Barmherzigkeit Gottes, den Schlüssel zur Aufschließung eines jeden Psalms finden und den Eingang zu den folgenden […] Psalmen mit den ihnen eigenen und zu ihnen passenden Schlüsseln öffnen.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 24)

So endet der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius von Poitiers für das Jahr 2016;
PuLa wünscht einen Gesegneten und fröhlichen Heiligen Abend!

Am heutigen Festtag möchte ich mich über den heutigen Abschnitt, mit dem die Vorrede zum Psalmenkommentar endet, über das schöne Sprachbild des Psalters als Stadt mit vielen Gebäuden nur freuen.
Die weitere Symbolik ließe sich aber durchaus auch anwenden, recht aktuell anwenden sogar, aber: Nicht heute! 😉

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 23

Es begehrt also jetzt der, […] welcher bittet, daß auf seine Hilfe Bedacht genommen werden möchte, Strafe gegen diejenigen, die ihm widerstreben, indem er spricht:

„Diejenigen sollen beschämt werden und sich schämen, welche nach meiner Seele streben.
Hinweg und zurück gewiesen werden und erröten sollen die, welche Böses gegen mich denken.
Errötend sollen sogleich hinweggewiesen werden die, welche zu mir sagen: Recht so, recht so.“

Die göttlichen Worte müssen nach unserer Weise zu sprechen und uns auszudrücken erwogen werden. Scham und Beschämung sind Folgen der Schande, die Wegweisung ist eine Folge der Abweisung; eine Rückkehr aber findet an keine anderen Orte statt, als in die, von denen ausgegangen wurde.
Diejenigen nun, welche nach der Seele dieses Heiligen streben, welcher bittet, daß auf seine Hilfe Bedacht, genommen werden möchte, werden zuerst beschämt werden, dann auch hinweggewiesen werden, ferner nicht anderswohin gewiesen werden, sondern zurück.
Und die Ordnung der Worte ist dieselbe, wie die der Sachen.
Denn sie werden beschämt werden, weil sie nach der Seele dessen streben, von dem sie, nachdem sie ihn getötet haben, wissen werden, daß er lebe; denn Gott ist der Herr des Lebens und der Auferstehung. Ferner werden sie dann hinweggewiesen werden, damit sie nicht mit den Heiligen, in den Wolken hingerückt, Christus entgegen kommen.
Endlich aber werden sie nicht an andere Orte gewiesen, sondern zurück.
Denn bei ihrer Auferstehung von den Toten werden sie wieder zum Strafe- und Rache-Gerichte in den Abgrund der Erde, woher sie gekommen sind, zurückkehren. „Denn alles Fleisch wird auferstehen, aber nicht alles wird verwandelt werden;“ (cf. 1 Kor 15, 51) und es ist bestimmt, daß ein jeder im Fleische Gutes oder Übles, je nachdem er gehandelt hat, empfange.
Daher werden diejenigen, welche nach der Seele des Gerechten streben, welche Übles denken, und welche sagen: „Recht so, recht so! beschämt werden, hinweggewiesen werden, und zurückkehren, [d.h.] bei der Auferstehung beschämt, von dem Entgegenkommen zurückgetrieben, und in den Abgrund wieder hinabgerufen.
“Recht so, recht so! aber ist der Ruf der Spötter, nämlich solcher, welche sagten: „Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.“ (Mk 15,31)

(Tractatus in LXIX Psalmum [zu Ps. 69] 3)

Der Hl. Hilarius liest den Psalm auf Christus als Beter („von dem sie, nachdem sie ihn getötet haben, wissen werden, daß er lebe“).
Mich hat persönlich an diesem Kommentar „gepackt“ in welchen Kontext Hilarius die rückt, die das „Recht so!“ (oder „Gut so!“, lat. „Euge“) rufen, jene, die uns glauben machen wollen, es wäre „alles in Ordnung“, wir „sollten uns doch nicht so haben“: Unter das Kreuz.
Ein konsequenter, schrecklicher, großartiger Gedanke!