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„Kommet zuhauf!“

Nicht mehr ganz zu Beginn unserer Sommerferien – die RKW war schon durch und der Pfarrer war schon mit einigen Jugendlichen in der Tatra – erhielt ich den Anruf eines Kirchenmusikers aus Oberhausen. Er leitet seit 15 Jahren den Kinder- und Jugendchor an der Pfarrei St. Clemens, die Klosterspatzen, und plante die diesjährige Sommerreise seiner Schützlinge. Nachdem man im vergangenen nach Rom gepilgert war, geht die diesjährige Fahrt nach Weimar, und zwar ab heute. Zur Stunde, ich schreibe das hier kurz nach 13.00 Uhr, dürfte die 16-köpfige Gruppe im Zug irgendwo zwischen Kassel und Eisenach unterwegs sein.

Herr Zimmermann, so der Name des Oberhauser Chorleiters, hatte mich als Leiterin unseres Kinderchors, der Cäcilini, und damit passende Ansprechpartnerin auf der Homepage unserer Pfarrei ausgemacht und sich daher an mich gewandt. Ich war gerne zu gemeinsamen Aktionen bereit und versuchte auch, durch Informationen an den Familienliturgiekreis und den Kirchortrat, eine Betreuung der Besucher in der kommenden Woche auf mehrere Schultern zu verteilen. Zelebrant und Organist des heutigen Abends waren gerne bereit, sich auf das Abenteuer einzulassen und an der gemeinsamen Meßgestaltung der beiden Chöre mitzuplanen.

Heute nachmittag treffen sich erstmal Klosterspatzen und Cäcilini in der Kirche, um die im Verlauf der Ferien telefonisch abgesprochenen Lieder anzusingen und zu proben. So Gott will, werden die Klosterspatzen dann um 18 Uhr die Abendmesse eröffnen, wir werden etwas gemeinsam singen, was beide Gruppen im Repertoire haben, und die Cäcilini werden mit einem Lied zu Mariä Himmelfahrt und Mariä Krönung an die beiden Marienfeste erinnern, die den heutigen Sonntag einrahmen. Je nach Disponiertheit singen die Klosterspatzen im Anschluß an die Messe noch einige weitere Lieder ihres Repertoires, das u.a. eine Messe von Tambling (aus der wir im Gottesdienst das Sanctus hören werden) und etliche englischsprachige Gospels umfaßt.

In einem gemeinsamen Abendessen werden wir den Kontakt vertiefen und ich werde die Klosterspatzen mit Veranstaltungshinweisen wie die auf die Aufführungen des Lyric Opera Studio der kommenden Woche versorgen. Eine gemeinsame Probe am kommenden Donnerstag zur gewohnten Probenzeit – Elisabethsaal, 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr –, die auch als Schnupperstunde für neue Mitglieder der Cäcilini dient und als solche in den Vermeldungen angekündigt ist, möchten wir uns gegenseitig Anregungen zur Erweiterung des Repertoires geben und in der großen Runde singen. Was sich an weiteren gemeinsamen Aktivitäten ergeben kann, wird sich zeigen.

 

Cornelie Becker-Lamers

Weimar, Kirchvorplatz aktuell (eigenes Bild)

Thüringer Bischof fordert mehr Latein…

…Bischof Wolfgang Ipolt, genauer gesagt, der Oberhirte des Bistums Görlitz, tut dies, im Gespräch mit der stv. Chefredakteurin der TLZ, Gerlinde Sommer (die TLZ hat sich wirklich sehr herausgemacht, wenn man da so an frühere Zeiten denkt… 😉 ).

Bischof Wolfgang ist nämlich aus Gotha gebürtig, ergo Thüringer, mehrere Mitglieder der Familie Ipolt leben nach wie vor hier in Thüringen. Er selbst hat, vor seiner Ernennung zum Bischof, das Priesterseminar in Erfurt geleitet.

Bischof Wolfgang Ipolt bei einer Firmung in Finsterwalde (Bild Wikimedia Commons, Nutzer AlterFritz)

Und auf dieses sehr lesenswerte Interview von Ende Juli wollten wir unsere Leser unbedingt auch jetzt noch aufmerksam machen, Sie finden es hier.

Was den Gebrauch des Lateinischen in der Liturgie angeht, so fordert Bischof Ipolt seine regelmäßige und häufigere Verwendung nicht etwa bloß in besonderen Fällen, nein, er sagt ausdrücklich:

Man kann das im normalen Gottesdienst pflegen

und er verweist völlig zurecht darauf, daß dies eine Forderung des letzten Konzils sei; wie schön, das einmal aus dem Munde eines Bischofs zu hören, Danke!

Und bemerkenswert ist auch der Kontext, in den er seine Forderung stellt: Es geht ihm nämlich u.a. um den weltkirchlichen Charakter, der durch die Verwendung der gemeinsamen Weltsprache der Liturgie (und des Rechts, ergänzen wir) betont wird. Genau dieses Empfinden für die Weltkirche nämlich sei im „Gefängnis DDR“ akut bedroht gewesen.

Und, so würden wir gerne sinngemäß ergänzen, die Versuchung, sich ein-zuschließen im jeweiligen „Eigenen“, ob das die kleine Diaspora-Gemeinde in Mitteldeutschland ist, das Bistum „in der Provinz“, oder gar die Kirche in Deutschland insgesamt („keine Filiale von Rom“, wie Kard. Marx formulierte, Sie erinnern sich?!), sich ab-zuschließen von dem, was in der Weltkirche geschieht und verbindlich ist, die besteht in vielerlei Ausprägungen fort. Da kann, nein da wird es natürlich helfen, wenn man durch die Auseinandersetzung mit einer anderen Sprache gezwungen wird, den Blick zu weiten. Es ist eben, wie wir immer schon gesagt haben, nicht etwa so, daß Leben aus der Tradition verengt, das exakte Gegenteil ist der Fall.

Wie gut es doch tut, dies aus berufenem Munde zu hören, aus dem kleinsten der Bistümer Deutschlands, ganz an seinem östlichen Rande.

Da verblüfft es auch nicht mehr, daß dort die Feier der Hl. Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus seit einiger Zeit schöne und unaufgeregte Normalität ist, gewährleistet durch Priester des Instituts Philipp Neri in Berlin; trotzdem war dieses Faktum manchen, selbst gut informierten Menschen in unserem Umkreis unbekannt.

Ob für Bischof Wolfgang seine Familiengeschichte zu dieser „gelassenen Weite“ beigetragen haben mag? Die Ipolts kommen nämlich ursprünglich aus dem Sudetenland, er weiß also ganz unmittelbar davon, daß die Kirche hier in Mitteldeutschland ‚Wanderungskirche‘ ist, seit vielen, vielen Jahrzehnten. Mir scheint klar, es liegt eine Chance darin, je und je Neues und „Neue“ aufzunehmen, ob es damals Vertriebene waren, vor mehr als 25 Jahren ‚Wessis‘ oder heute junge Familien aus Polen und auch Flüchtlinge , wovon in dem Interview ebenfalls die Rede ist.

Daß dies in den allermeisten Fällen gelingt, bzw. längst gelungen ist, hängt natürlich genau damit zusammen: Daß es einen gemeinsamen, verbindlichen Rahmen gibt, der zusammenhält und einen über die wechselseitigen örtlichen wie geistigen Schranken hinweghebt. Klar auch, daß es umso besser funktioniert, je robuster dieser Rahmen ist, anders ausgedrückt: Tradition fördert Integration, ja, das eine ist schlicht eine Voraussetzung für das andere.

Und so kann das Fundament dafür wachsen, missionarisch zu wirken:

Wir Christen haben einen Auftrag – und zwar: die Welt zu durchdringen mit dem Geist des Evangeliums

antwortet der Bischof auf die säkularistische Zumutung, Religion habe gefälligst Privatsache zu sein.

Mir scheint, und das nicht erst seit diesem erhellenden Gespräch, da ist vieles sehr in Ordnung , im Bistum Görlitz und ich bin froh, daß es so kleine und (relativ) „arme“ Bistümer gibt. Das Streben nach vermeintlicher Effizienz in (räumlich) größeren Strukturen kann nur allzu leicht der Bewahrung und Herausbildung eigenen Profils sehr schaden; unsere evangelischen Geschwister wissen, wie ich in so manchen Gesprächen heraushöre, seit der Gründung der „Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland“ (die bezeichnenderweise auch nicht alle hiesigen Protestanten mitgemacht haben), wovon die Rede ist!

PuLa war übrigens im letzten Herbst erneut zu Besuch im nördlichen Teil des Bistums Görlitz; davon zu berichten steht auch noch aus, viele interessante Sachen!, ach, man kommt nicht rum… 😉

 

PS: Auch wenn Frau Sommer so gar nicht mit unrühmlichen Vorgängern verglichen werden kann: Wie deutsche Journalisten mit aller Gewalt an ihrem Bild (!) von Papst Franziskus festhalten, ist immer wieder putzig zu beobachten: „Dieser aber geht seinen Weg“, schreibt sie; nun ja! Lesen Sie dagegen selbst, wie Bischof Ipolt auf dem Wege bedachter Formulierung („eine Reihe guter ‚Anliegen‘“ [Hervorhebung von mir]) und gekonnter Auslassung (welches Dokument erwähne ich und welches nicht) für jeden kundigen Beobachter durchaus auch Skepsis anklingen läßt, das ist köstlich! 🙂

PPS: Wenn Sie gerade nichts besseres zu tun haben und bitte wirklich nur dann, können Sie auch, gerade wenn Sie nicht in Mitteldeutschland wohnen, hier auch noch eine Leserzuschrift zu dem Artikel studieren, so ganz aus dem mäkeligen Geist des Ressentiments derjenigen, die hier ehemals leider Gottes etwas zu sagen hatten. Wie gesagt, inhaltlich unerheblich aber als Phänomen typisch. Und mit einem sehr typischen Druckfehler: 🙂

„Die Finanzsituation wird immer besser“ Screenshot aus „meinanzeiger.de“ vom 2.8.2017 (vgl. Link im Text)

 

Unterhalten sich eine evangelische Theologin und ein Soziologe…

 

…auf Twitter  und heraus kommt das:

Twitter, 3. August 2017 (Screenshot)

„Es gibt eben Steigerungsmöglichkeiten! ;-)“ schreibt Armin Nassehi, der bekannte Soziologe mit iranischen Wurzeln, der sich im Alter von 18 Jahren katholisch hat taufen lassen, auf den sympathischen Tweet der „Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers“ (Uff! 😉 ) Petra Bahr.

Schöner hätten wir es auch nicht sagen können… 🙂
Frau Bahr (die auf PuLa nicht zum ersten Mal vorkommt, wenn auch sehr versteckt) wiederum zeichnet ihre gelassene, rein faktenorientierte Antwort aus, findet PuLa, Danke!

Außerdem wiederholen wir, daß Twitter Spaß machen kann UND ggf. sogar klüger macht, daher folgen Sie doch z.B. @bellabahr und @ArminNassehi auf  Twitter.

Spaß mit (Gotteslob-) Hüllen V, PuLa unterwegs (Ankündigung)

Anläßlich unseres Besuchs im Spreewald vor gut zwei Jahren (hier) hatten wir es zuletzt (und erneut) gesagt: Das Thema Gotteslob-Hüllen ist quasi unerschöpflich! Wie sollte es auch anders sein,  ist doch die Notwendigkeit, das „Neue HB-Männchen“ (vgl. hier) dem Blick zu entziehen, unverändert gegeben…

Heute knüpfen wir aber noch an einen noch früheren Beitrag an. Erinnern Sie sich an dieses gute Stück?

Neoprenhülle pur (eigenes Bild)

Das haben wir Ihnen im Juni 2014 präsentiert in diesem Beitrag. In der Folge haben wir die quietschgrüne Neoprenhülle eher wenig verwendet, bei Schlechtwetter eben – bis vor kurzem!

„Auftauchen“ (eigenes Bild)

Jetzt macht sie sich nämlich anderweitig nützlich, als Aufbewahrung für ein Tablet!

Tablet – und Kreuz (eigenes Bild)

(Überflüssig zu sagen, daß die Firma Samsung mit diesem Beitrag nichts zu schaffen hat – wir sind und bleiben vollständig unabhängig!)

Wir haben auch einen Ständer dafür angeschafft, der die richtige, wie sagt man doch gleich?, ‚Akzentfarbe‘ hat. 🙂

„Akzentfarbe“ (eigenes Bild)

Und auf diesem Bild findet sich auch der Hinweis auf das bevorstehende „PuLa unterwegs“, das wir hoffentlich bald liefern können.

Jaja, es bleibt dabei: Mit dem Thema werden wir noch eine Menge Spaß haben, denn der Trend geht zur Sechst-Hülle… 🙂

 

PS: Übrigens: Leider haben wir mit der Vermutung in diesem Beitrag recht behalten: Die Klarsichthüllen, die unter der Ägide der damaligen „Gemeindeleitung“ für die Gotteslobe in der Pfarrkirche angeschafft wurden, zeigen mittlerweile schon recht deutliche Abnutzungserscheinungen; na, wer weiß, vielleicht wird der bald anstehende Ersatz ja hochwertiger und – „undurchsichtiger“… 😉

Lauretanische Litanei, eine Ankündigung!

Vor nicht allzu langer Zeit haben wir hier die Herkunft des Namens der Lauretanischen Litanei geklärt und im Zuge dessen bedauert, daß sie nur noch so selten (öffentlich) „vorkommt“.

Nun, morgen ist es wieder einmal so weit und zwar in unserer Pfarrkirche Herz-Jesu zu Weimar!
Im Rahmen der Marienvesper um 18.00 Uhr soll sie, neben anderen Stücken, erklingen, mit unserem Kirchenchor. Wenn Sie hier schauen, sehen Sie die Ankündigung der Vesper, leider ohne Erwähnung dieser Besonderheit und, ebenso bedauerlich, ohne einen Hinweis auf den Organisten, den geistigen Vater unserer „Franz-Liszt-Orgel“, Prof. Michael Kapsner, den wir leider nach wie vor viel zu selten an diesem („seinem“) Instrument hören dürfen.

Schließlich ist die Vesper im Pfarrblatt (das man hier herunterladen kann) mit dem Zusatz versehen: „…im Rahmen des Kirchentages auf dem Weg“.
Und das findet PuLa ja nun mal eine ganz ausgezeichnete Idee! Denn, wie wir in diesen Zeilen schon angelegentlich vermerkt haben, Ökumene funktioniert ja genau nicht durch das Abschleifen der jeweiligen konfessionellen Eigenheiten und Schätze, sondern durch ihr selbstverständliches und selbstbewußtes Zeigen!

Hoffentlich werden wir recht viele Gäste haben, wenn wir den Preis der Jungfrau mit der Lauretanischen Litanei durchaus ‚typisch katholisch‘ und gewiß musikalisch hochklassig präsentieren. Und wie schön, daß das im Marienmonat Mai, ja am Tag des Hl. Phillip Neri geschieht, dem Gestalter eigener Rosenkränze! (vgl. hier)

Wir werden (deo volente) berichten !

 

Gereon Lamers

 

Ecce homo

Ecce homo

Eine Bitte um Nach-Sicht

Wann wenn nicht heute, am Karsamstag 2017, könnte ich sie rezensieren, die Ausstellung mit dem Titel „Jesus Reloaded“, die als vierte Station ihrer Rundreise über Stade, Regensburg und Abtei Liesborn im Westfälischen vom 15. Januar bis zum 26. März 2017 auch hier um die Ecke, im Kunsthaus Apolda Avantgarde, zu sehen gewesen ist und auf die ich nicht rechtzeitig aufmerksam zu machen geschafft habe. Bitte um Nachsicht.

Die Ausstellung des Kuratorenduos aus der Kunsthistorikerin Andrea Fromm und dem Literaturwissenschaftler Tom Beege stellte Werke der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg zum Thema „Das Christusbild im 20. Jahrhundert“ aus – wobei sich im Eifer des Gefechts auch das eine oder andere Bild eines großen Meisters dazwischen mischte, das mit Jesus nicht direkt zu tun hatte.
So wollte man sich offenbar einen Picasso der Wittenberger Sammlung nicht entgehen lassen und irritierte den Besucher zwischen den Schweißtüchern und Kreuzigungsdarstellungen mit dessen Lithographie „David und Bathseba“ aus dem Jahr 1947 (Katalog S. 61). Freilich: „Jesus is in every book of the bible“, aber es wäre mir neu, wenn er in der Bathsebageschichte typologisch versteckt sein sollte. 😉

Wie auch immer – die Ausstellung war eine sehr gelungene Zusammenschau impressionistischer wie expressionistischer Werke und dehnte ihren Fokus Moderne noch bis auf die fotografischen Dokumentationen der Installationen von Joseph Beuys oder auf Werke wie die „Auferstehung“ des Chemnitzer Graphikers Michael Morgner aus (zur Einführung und zu einer Auswahl der Namen der ausgestellten Künstler s. hier. Zum Exponat Michael Morgners vgl. hier den Text eines der begleitenden, sehr fruchtbaren und leider viel zu spärlich besuchten „Bilddialoge“ der insgesamt sieben abendlichen Begleitveranstaltungen).

Der übersichtlich gegliederte und besonders in der Qualität der Abbildungen sehr sorgfältig erarbeitete Katalog (es gibt ihn in Apolda noch zu kaufen, hier, wenn auch ein Hinweis auf die Ausstellung selber gerade in den Ritzen der Kategorien von Aktuellem und Bisherigem verschwunden ist) steigt mit einem Überblick über Christusdarstellungen der letzten 2000 Jahre ein und stellt dann Bild für Bild die Exponate und kontextbezogen die einzelnen Künstler mit ihren Biographien, vergleichbaren Werken und ihren Intentionen vor. Dabei stehen die Kuratoren diesen Intentionen und Befindlichkeit vielleicht ein wenig zu unkritisch gegenüber.
Denn der vorherrschende Schaffenstrieb zum Thema Christus ist im 20. Jahrhundert die Identifikation des Künstlers mit dem leidenden Erlöser. Den Schützengräben entronnen, parallelisieren die Künstler ihr eigenes Schicksal mit dem des Gekreuzigten. (Manchmal sind es auch nicht die traumatischen Erlebnisse des Ersten Weltkriegs, sondern schlicht das Leiden daran, als Künstler unterschätzt und unverstanden am Existenzminimum ein entbehrungsreiches Leben fristen zu müssen.) Das kann so weit gehen, daß Christus mit den eigenen Zügen dargestellt wird bzw. auf einer Radierung James Ensors (1860-1949) auf des Pilatus Schild über dem Gekreuzigten nicht INRI, sondern ENSOR steht.

In der bald vollständigen Ausblendung der Tatsache, daß es sich bei Christus nicht um einen Menschen wie du und ich, sondern um einen Menschen handelt, der ganz Mensch und ganz Gott ist, müssen manche Kunstwerke die Gestalt des Erlösers heillos verfehlen. Da wird bei Fritz Cremer – in Weimar besonders bekannt durch seine übergroße Figurengruppe am Mahnmal von Buchenwald – in den Graphiken die Kreuzigung in eine lange Reihe solcher Hinrichtungen eingereiht (Katalog S. 134). Jesus reißt sich die Dornenkrone herunter und zerbricht das Kreuz:

Fritz Cremer, „Genug gekreuzigt“ (eigenes Bild – nicht im Katalog)

„Genug gekreuzigt“, befindet der Künstler. Und wer wollte ihm widersprechen? Wer in Jesus nur einen armen, zu unrecht hingerichteten Judäer erblicken kann, der wird Christi Tod keinen Sinn ablesen können. Wer den Aspekt des eben nur Gott möglichen erlösenden Leidens ausklammert, muß den leidenden Erlöser in seiner Darstellung verfehlen. Die implizierte Religionskritik läuft entsprechend ins Leere.

 

ENDE ERSTER TEIL

Cornelie Becker-Lamers

Lex Weimar

Ecce parturiit iniustitiam; concepit dolorem, et peperit iniquitatem.
(Ps 7, 15)

Immer wieder kommt es vor, daß uns vorgeworfen wird, wir ergingen uns in dunklen Andeutungen, so mit dem Unterton: „Ob da wirklich was dran ist? Wollen die am Ende nur verunsichern?“
So auch in Bezug auf diese Zeilen, erschienen am 31. März (hier):

„Dies umso mehr, als Teile der alten Kräfte nach wie vor am Werk sind, Desinformation zu verbreiten. Und sie sind dabei in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich, wie PuLa erst Ende November vergangenen Jahres wieder einmal hat feststellen müssen, […].“

Richtig ist, wir schreiben nicht immer alles, von dem wir wissen. Aus Klugheit, aus Rücksichtnahme.
Richtig ist aber auch: Wenn wir so etwas schreiben, dann haben wir dafür einen konkreten (Hinter-) Grund. Immer! Und das war auch schon immer so. Das Verbreiten haltloser Gerüchte war unser Geschäft nie, das haben andere „erledigt“…
Und weil das schon seit jeher so war, wundern wir uns immer ein wenig, warum es nach über 6 Jahren PuLa immer noch solche Zweifel gibt, denn es hat ja in diesen Jahren jeder selber sehen können, wie sich ein ums andere Mal herausgestellt hat, an dem, was wir geschrieben haben, war (in der Vergangenheit meistens: „leider“) sehr wohl etwas dran.

Nun bietet sich aktuell eine ganz wunderbare Gelegenheit, dies erneut höchst amtlich unter Beweis zu stellen. Die Bestätigung kommt von niemand geringerem als Bischof Ulrich selbst, von dem seit 5. April auf der Homepage der Pfarrei ein Dekret zu lesen ist, ein „Dekret über die Größe des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinde Herz-Jesu Weimar für die Wahlperiode 2017 bis 2021“, schauen Sie bitte hier.

Pfr. Gothe schreibt dazu: „Bischof sorgt in Weimar für Klarheit! DANKE“ und: „Ein wochenlanger Schwebezustand in puncto Kirchenvorstand ist beendet. Bischof Ulrich Neymeyr hat per Dekret vom 30.3.2017 den im Januar 2017 gewählten Kirchenvorstand bestätigt und Klarheit geschaffen. […]“

Manche und mancher wird sich die Augen gerieben haben, bei diesen Sätzen, aber so war‘s: Die Wahl zum Kirchenvorstand im Januar (PuLa berichtete) war angefochten worden!
Leider, da beißt die Maus keinen Faden ab, nicht völlig grundlos, wofür aber die in unserer Pfarrei Handelnden keinerlei Verantwortung tragen: Sie wurden falsch informiert! Daß der Bischof in seinem Dekret so deutlich Roß und Reiter nennt („Aufgrund eines unrichtigen Hinweises aus dem Bischöflichen Ordinariat (Generalvikar) […]“) zeigt, daß auch er ‚nicht amüsiert‘ gewesen sein wird, über die Fehlleistung seines Verwaltungschefs…

Und jetzt zeigt sich, was wir hier auf PuLa ja schon immer gesagt haben: Dieser Bischof ‚kann auch altmodisch‘, wenn er es für geboten hält, und damit meinen wir keineswegs nur die Verwendung des starken Genitivs („Kirchenvorstandes“) 😉
Nein, mit diesem Dekret tritt er in schöner Selbstverständlichkeit in seiner Rolle als Gesetzgeber auf; und schafft nichts weniger als (zeitlich begrenztes) Sonder-Recht für die Pfarrei Weimar, eine ‚Lex Weimar‘ eben! Bemerkenswert.

Lacum aperuit, et effodit eum; et incidit in foveam quam fecit.
(Ps 7, 16)

Kein Weimarer Gemeindemitglied dürfte über die Identität derjenigen, die da so offenkundig erneut versucht haben, den Neuaufbau (dessen Notwendigkeit nicht zuletzt sie selbst verschuldet haben!) zu torpedieren, in Zweifel sein, deswegen wollen wir hier noch einmal über die PuLa natürlich bekannten Namen schweigen (wie oft haben wir diese Leute schon geschont?!), es sind exakt die gleichen, einmal nachweislich und einmal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, die auch im vergangenen November erneut versucht haben, mit Schreiben an „hochgestellte Persönlichkeiten“ Unheil anzurichten, Mitkatholiken persönlich zu schaden, von ihrem persönlichen Versagen und ihrer Verantwortung abzulenken und dabei, wie schon so oft, in Kauf nahmen, den Ruf unserer Gemeinde in der Öffentlichkeit zu beschädigen, was hier, in der Diaspora immer den Ruf alles Katholischen gefährdet!

Convertetur dolor eius in caput eius, et in verticem ipsius iniquitas eius descendet.
(Ps 7, 17)

Nun, sie haben den Bogen überspannt, mit ihren Briefen und haben in beiden Fällen die Antwort erhalten, die sie verdienen! PuLa schließt sich für den aktuellen Fall dem Dank an Bischof Ulrich von Herzen an; wie gut, daß diese Last noch rechtzeitig vor der Heiligen Woche von uns genommen werden konnte.

Wir wünschen allen unseren Lesern segensvolle Kar- und Ostertage!

Confitebor Domino secundum iustitiam eius, et psallam nomini Domini altissimi.
(Ps 7, 18)

Die einschlägigen Verse aus Psalm 7 in einem französischen Stundenbuch des 15ten Jahrhunderts (Bild: Wikimedia Commons, Nielspf)

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“ – Teil 4

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“ – Teil 4

Versuch einer Verteidigung eines Gedichtes gegen seine Vertonung

Tja – jetzt sind tatsächlich ganze acht Wochen ins Land gegangen seit unserem letzten Beitrag zum Thema „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und der Vertonung dieses Gedichts von Dietrich Bonhoeffer durch Siegfried Fietz. Und so Vieles ist in dieser Zeit geschehen, daß es mir nicht möglich war, vorher weiterzuschreiben. Auch dieses Wochenende bin ich schon wieder auf Achse, so daß der Abschlußtext hier noch nicht vollständig zu lesen sein wird. Aber ich wollte Bonhoeffers Todestag, der sich am heutigen 9. April zum 72. Mal jährt, nicht verstreichen lassen, ohne seiner zu gedenken und das Thema auf PuLa erneut aufzugreifen.

Hören Sie also bei Interesse schon einmal in die unten folgende Interpretation des angesprochenen Liedes hinein. Sie ist sicherlich das, was man als eine Station auf dem „Siegeszug“ dieser Komposition bezeichnen könnte. Es handelt sich nicht um einen Teil einer Messe – Aufführungen während Hochzeiten [Anm. der Redaktion: Was allerdings vermutlich in der Mehrzahl sog. ‚Brautämter‘ gewesen sein dürften; PuLa sagt: Daß kaum mehr jemand im Rahmen einer  Gemeinde-MESSE die Ehe schließt, ist ein klares Verfallszeichen, dem entgegengewirkt werden sollte] findet man freilich auch im Netz –, sondern um einen Livemitschnitt aus einem Konzert, das 2005 in einer Fabrikhalle stattfand. Das Motto der damaligen Veranstaltung lautete „Sakral trifft Profan“ – falsch! Es lautete „Classic meets Pop“ und tat erst gar nicht so, als wären Inhalte in irgendeiner Hinsicht von Belang.

Falls Sie gleich in das Lied hineinhören, achten Sie doch bitte einmal auf die Interpretation der dritten Strophe, „Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern“, die um Minute 2:28 beginnen müßte.

Ok. Demnächst geht’s weiter, mit weiteren Beispielen und Erläuterungen.

Einen schönen Palmsonntag wünscht

 

Cornelie Becker-Lamers

 

An dieser Stelle sei auch noch ausdrücklich auf den (vorerst! 😉 ) letzten Kommentar von ‚Monticola‘ hingewiesen, Nr. 5, den Sie hier, unter dem Beitrag vom 8. Februar finden.

 

 

Ist das etwa…?

Erinnern Sie sich, liebe Leser, daß wir Ihnen ein ganz ähnliches Bild wie das folgende schon einmal präsentiert haben?

„Das Tor zur Farm“ II (eigenes Bild)

 Anfang November 2014 war‘s, da mußten wir Ihnen die traurige Geschichte vom Verlust unseres alten Boni-Busses erzählen, hier und hier.

Weniger als anderthalb Jahre später ist nun Wirklichkeit geworden, was aus informierten Kreisen schon einige Zeit vorher zu vernehmen war: Ja, das ist ein Boni-Bus, was da vor dem Pfarrhaus steht, wir haben einen neuen!

„Ist das etwa…?“ (eigenes Bild)

 Einen funkelnagelneuen Boni-Bus hat die Pfarrei Herz-Jesu vor kurzem in Empfang nehmen können, und wer regelmäßig die Pfarrkirche besucht 😉 , der hat ihn sicher schon gesehen, denn (ist Ihnen das auch schon aufgefallen?) der Neue darf einen anderen Parkplatz nutzen, als sein Vorgänger. Das Schmuckstück steht gut gesichert auf dem privilegierten Platz hinter dem kleinen Rolltor; der wurde früher (also: deutlich ‚früher‘!) anders genutzt…

„Tatsächlich“ (eigenes Bild)

 Diese uneingeschränkt gute Nachricht ist auch in unserer pfarrlichen Öffentlichkeitsarbeit bereits gebührend gewürdigt worden, unter anderem unter der richtigen Überschrift, die Pfarrjugend habe den Bus schon „ in Besitz genommen“. Genau, denn es ist ganz wie wir damals geschrieben haben: So ein Gefährt wird gebraucht!

„Er ist’s!“ (eigenes Bild)

 Ebenfalls erneut herausgestellt hat sich, wir recht wir hatten, die mangelnde Transparenz anzuprangern, die rund um den Verlust des alten Busses herrschte (vgl. auch hier). „Verlust“ müssen wir so unscharf schreiben, weil jedenfalls uns immer noch nicht klar ist, ob er nun verschenkt (sehr unwahrscheinlich) oder verkauft (wofür?!) wurde und wenn ja wem und wohin. Denn wie ein erneuter Blick in den Haushalt zeigte: Der Vorgang taucht dort für 2014 nicht auf. Was er aber natürlich müßte.

Bei dieser Gelegenheit auch gleich noch gelernt zu haben, daß das, was uns jahrelang als „Haushalt“ vorgelegt worden ist, tatsächlich nur der Entwurf desselben war, sollte einmal mehr jeder und jedem deutlich machen, von welch dreister Rechtsverweigerung die Phase vor September 2015 leider geprägt war!

Leider scheinen aber immer noch nicht alle Pfarrkinder so richtig realisiert zu haben, wie gut es ist, daß wir seitdem unter neuer Führung voranschreiten können, trotz solch greifbarer Zeichen, wie der neue Boni-Bus eines ist.

Freilich, an einer umfassenden, sozusagen ‚offiziellen‘ Einordnung der vorangegangenen  Phase in der Geschichte der Pfarrei fehlt es ja auch nach wie vor und wir glauben mehr denn je, es wird ohne dem auf Dauer nicht gutgehen können.

Dies umso  mehr, als Teile der alten Kräfte nach wie vor am Werk sind, Desinformation zu verbreiten. Und sie sind dabei in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich, wie PuLa erst Ende November vergangenen Jahres  wieder einmal hat feststellen müssen, kurz nachdem wir das hier veröffentlicht hatten. Hat nur alles nichts genutzt, wir lassen uns nicht mundtot machen und wenn nötig, fahren wir die Frequenz der Beiträge hier auch ganz schnell wieder hoch, darauf können Sie sich verlassen! 😎

Jedoch hoffen wir natürlich, das wird nicht nötig sein, genießen es, auch einmal längere Blog-Pausen einlegen zu dürfen und vergeben vorerst für den neuen Bus zwei Timoticons!

 

Gereon Lamers

 

 

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“ – Teil 3

„all Deiner Kinder hohen Lobgesang“ – Teil 3

Versuch einer Verteidigung eines Gedichtes gegen seine Vertonung

 

Denn von wessen Lobgesang als dem der Engel sollte denn sonst in Strophe 6 des Bonhoeffer-Gedichtes „Von guten Mächten“ die Rede sein? Wir werden – wenn auch erst in der nächsten Folge dieses mehrteiligen Textes – anhand eines youtube-Videos auf diese Frage zurückkommen.

Das Lied wurde 2013 ins Gotteslob integriert. Zuvor waren im Jahr 2002 unter Nummer 937 die – wenn ich das im „Geistlichen Wunderhorn“ S. 459 richtig aufgefaßt habe – überhaupt allererste Vertonung von Otto Abel (inklusive des vierstimmigen Satzes, der nach wie vor im Gesangbuch der evangelisch-lutherischen Kirchen Bayerns und Thüringens unter Nummer 65 zu finden ist) von 1959 sowie unter Nummer 936 die Vertonung von Siegfried Fietz (1970 oder später) in den Erfurter Bistumsanhang aufgenommen worden. Im neuen Gotteslob wurde der Abelsche Satz gegen die Vertonung von Kurt Grahl aus dem Jahr 1976 ausgetauscht, der von Fietz blieb drin, wenn auch, und zwar wohl aus theologischen Gründen – auch dazu kommen wir noch –, wiederum in den Regionalteilen.

Tja – Melodie und Satz von Siegfried Fietz scheinen das angetreten zu haben, was man einen „Siegeszug“ nennt. Schauen wir uns die Komposition des  Liedes (GL 804) einmal genauer an. Acht Takte einer sehr bewegungsarmen Melodie werden wiederholt, so daß beide Hälften jeder Strophe melodisch und harmonisch bis auf die Schlußfloskel identisch sind. Dasselbe gilt für den Refrain. Was die Harmonien anbelangt, folgen sie in Strophe wie Refrain dem sehr simplen Schema Tonika (D-Dur) – Dominante (A-Dur – das Zeichen C# meint hier nicht Cis-Dur, sondern bezieht sich auf den Gitarrenakkord und gibt den Baßton an) – parallele Molltonart (h-moll); das waren jetzt die Takte 1-4. Dieses Kompositionsschema wiederholt sich in den Takten 5-8 auf der IV. Stufe, also Subdominante (G-Dur) – deren Dominante (D-Dur/F#) und deren parallele Molltonart (e-moll). Alles wiederholt sich mit der Wiederholung der Melodie sowie zweimal im Refrain, kommt also nochmal und nochmal; und nochmal und nochmal; und nochmal und nochmal, zuletzt mit einer Schlußfloskel, die wir gleich noch besonders betrachten werden.

Dieses sehr einfache Harmonisierungsmuster gründet seine Beliebtheit und Eingängigkeit auf seiner glasklaren Baßlinie. Wenn Sie vom Grundton – in diesem Fall D – einen Halbton tiefer gehen, landen Sie beim Cis. Das ist die Durterz der Dominante A-Dur und Sie können darauf einen A-Dur-Akkord in der ersten Umkehrung aufbauen – mit der Terz im Baß (s. die Gitarrenakkordbezeichnung C#). Wieder einen Ton tiefer und Sie landen beim H, dem Grundton der parallelen Molltonart von D-Dur. Noch einen Ton tiefer und Sie haben ein A als Durchgangston (so auch notiert in Takt 4 des Liedes, GL 804) und können zum nächsten Ton weiterschreiten, dem G und sind beim Grundton der Subdominante von D-Dur, also bei G-Dur. Von G-Dur aus bauen Sie das ganze von vorne auf – Halbton tiefer im Baß – Fis als Terz des D-Dur-Akkords und weiter zum E für e-moll, der parallelen Molltonart von G-Dur. Über das A als Dominante von D kommen Sie zur ursprünglichen Tonart D-Dur zurück und das Ganze kann von vorne beginnen.

Diese schöne, klare und einfache Baßlinie können Sie also auf einem Klavier nachspielen, ob Sie Klavier spielen können oder nicht, denn es ist einfach eine Dur-Tonleiter. In der Melodieführung sind der Phantasie durch diese Harmonienfolge dennoch keine allzu engen Grenzen gesetzt.

Daher fiel mir am vergangenen Sonntag in der Messe in Oberweimar etwas auf, was ich längst hätte realisieren können, was mir aber so noch nicht klar gewesen war. Organist oder Priester hatten nämlich zur Wandlung das Lied GL 188 herausgesucht, bei dem einer Melodie von Andrew Lloyd Webber 2009 von Raymund Weber der Text „Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen“ unterlegt wurde. Das ist auf den ersten Blick passend, denn beim Original handelt es sich um die Melodie des Stückes „The Last Supper“ (Das letzte Abendmahl) aus Webbers Rockmusical „Jesus Christ Superstar“ (1970), das im Oktober 1971 in New York City uraufgeführt wurde.

Hören Sie einmal in das Original hinein:

Apostles: “Look at all my trials and tribulations/ Sinking in a gentle pool of wine/ Don’t disturb me now I can see the answers/ Till this evening is this morning life is fine

Always hoped that I’d be an apostle/ Knew that I would make it if I tried/ Then when we retire we can write the gospels/ So they’ll still talk about us when we’ve died”

Wenn man sich den Text vor Augen führt, welcher davon handelt, daß die Apostel sich vornehmen, im Ruhestand die Evangelien niederzuschreiben, um über den Tod hinaus von sich reden zu machen, kommt man schnell zu dem Schluß, daß die Kontrafaktur von Raymund Weber das Original an Spiritualität weit übertrifft – so problematisch es sein mag, beim eucharistischen Opfer so viel von den Menschen und so wenig von Jesus Christus zu singen.

Aber um den Text geht es ja heute nicht, sondern um die Melodie und Harmonik. Sicherlich ist Ihnen aufgefallen, wie ähnlich sich Webbers Musicalsong und Fietz‘ Vertonung des Bonhoeffer-Gedichtes sind. In Teilen sind sie sogar identisch, nur unterschieden durch die Taktart: Webber schreibt einen 4/4-Takt, Fietz einen 6/8-Takt. Ich habe die Melodieteile, um die es geht, einmal abgetippt und gegenüber gestellt, damit man es schneller sehen kann, hier:

Melodiegegenüberstellung (eigenes Bild)

Durch die verschiedenen Taktarten – 4/4 bzw. 6/8-Takt – schreibt das Computerprogramm die sich entsprechenden Töne nicht exakt untereinander. Aber man sieht auch so, daß Melodie und Harmonisierung identisch sind, und zwar was den Anfang von Webber und den Beginn des Refrains von Fietz sowie die Schlußfloskel beider Lieder betrifft.

Als mir das aufgefallen war, wurde mir klar, warum ich den schunkeligen 6/8-Takt in Fietz‘ Vertonung immer als besonders unpassend empfunden und lieber geradeaus gesungen habe. Und meine Tochter verstand, warum sie nach dem Schluß des einen Liedes mit dem anderen weiter singen wollte.

Also schon auffallend. In den Gesangbüchern werden beide Kompositionen in der Entstehung auf 1970 datiert. Wie man im Vergleich mit der Vertonung desselben Gedichtes durch Kurt Grahl sieht (vgl. GL 430), kann die Datierung einer Melodie auch mal ganz unterbleiben. Im Falle Kurt Grahls wird lediglich das Geburtsdatum des Komponisten angegeben. Für die Vertonung von Siegfried Fietz wird die Entstehung der Komposition im Jahre 1970 festgehalten – obwohl das Lied auf einer CD des renommierten Gerth-Verlages unter den „schönsten Liedern von Siegfried Fietz – Das Beste aus den Jahren 1971-1974“ auftaucht. Deshalb habe ich oben zur Datierung der Fietzschen Komposition „1970 oder später“ geschrieben. Bei einem Entstehungsjahr 1971 oder später könnte er das Rockmusical von Webber bereits gekannt haben.

Aber ob hier ein Komponist Anregungen von einem anderen übernommen hat und wenn ja, wer von wem, möchte ich hier nicht diskutieren. Im Gegenteil: In meine Argumentation paßt es sogar noch besser, wenn die Stücke unabhängig voneinander im deutschen wie im angloamerikanischen Raum in solcher Ähnlichkeit entstanden wären, denn dann sähe man, wie sehr diese Art der Komposition damals in der Luft lag. Die interessante, aber eben auch verräterisch-charakteristische harmonische Wendung aus Webbers Stück, in Takt 10 die Dominante der parallelen Molltonart einzusetzen und so die unerwartete chromatische Melodieführung aufwärts vom a‘ über das ais‘ zum h‘ zu ermöglichen, finden wir bei Fietz nicht (s. in GL 188 die Melodie auf das Wort „Scheitern“; hier meint das Zeichen F# die Tonart Fis-Dur, nicht den D-Dur-Gitarrengriff , es steht also Fis-Dur zwischen D-Dur und h-moll).

Frappierend aber ist der identische Schluß bei Fietz und Webber. Was passiert in den letzten Takten? Woher das Gefühl von Western-Romantik?

Harmonisch ist für den Schluß ein Dominantseptakkord (A7 bei Webber) bzw. eine Dominantakkord (A) bei Fietz notiert. Durch die Melodieführung, die vom d‘ noch einmal eine kleine Terz abwärts zum h absinkt (drittletzter Ton), um dann final beim Schlußton d‘ und in D-Dur zu landen, durch diese Melodieführung kommt ein „Sieben-Neuner“, ein Dominantseptnonakkord zustande. Das besondere an diesem Akkord – für D-Dur lautet er a-cis-e-g-h – ist, daß er Töne der Dominante – im vorliegenden Fall a-cis-e – und der Subdominante – hier g-h-d – verschmilzt. In den beiden Liedern von Webber und Fietz wird diese Besonderheit deutlich herausgestrichen, da wie gesagt d und h den charakteristischen Melodieverlauf ausmachen.

In Harmonielehrebüchern heißt es: „Der große Nonakkord hat trotz der Doppelspannung von Sept und Non einen überschwänglich-weichen, fast sentimentalen Charakter […]. Dieser im Zwielicht der Dominante und Subdominante schillernde Doppelklang hat in der romantischen Musik einen besonderen Platz eingenommen […] Auch im neuen Volkslied […] findet er sich oft.“ (Dachs-Söhner, Harmonielehre. Erster Teil, München: Kösel 1953, S. 139)

Es verwundert daher nicht, daß diese melodische Schlußfloskel auch in die Filmmusik Eingang fand, und aufgrund des „sentimentalen Charakters“ des Sieben-Neuners eben auch in die musikalische Untermalung der sentimental aufbereiteten Geschichten schlechthin: der Indianer- und Wildwestromantik. 1962 schuf der deutsche Komponist und Arrangeur Martin Böttcher für die Verfilmung von Karl Mays „Schatz im Silbersee“ die Themen der Figuren Old Shatterhand und Winnetou, die dann in den folgenden drei Winnetou-Filmen bis 1965 bekannt und beliebt wurden und weite Verbreitung fanden (Ein Klavieralbum mit den Melodien ist bspw. in Hamburg bei Schacht erschienen).

Wir müssen also leider, leider 😉 mal wieder ein Winnetou-youtube in einen Text einbauen. Bitte, hören Sie die Melodie einmal zu Ende und achten Sie auf die Tonfolge des Schlusses (Minute 0:43-44):

Gehört? Der Sept-Nonakkord als Melodiebaustein in der Schlußfloskel. Unverkennbar.

So. Zurück zu unserem Ausgangspunkt, der Vertonung von Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“ durch Siegfried Fietz. Wir haben jetzt einige Aspekte zusammengetragen, um diese Musik zu analysieren – ihre Harmoniefolge, die Redundanz ihrer vielen Wiederholungen in Strophen und Refrain, ihren Schluß. Stellt man die Vertonung in den Kontext ähnlicher Kompositionen bzw. konkreter Vorbilder, so fällt auf, daß diese Vorbilder sich in Bühnenwerken und Filmmusiken finden.

Damit lassen wir es für heute bewenden. Zu den Folgen dieses Tatbestandes kommen wir dann im nächsten Text dieser Reihe (von der ich, als ich sie zu Bonhoeffers Geburtstag begann, niemals gedacht hätte, daß sie sich so ausdehnen würde)

 

Cornelie Becker-Lamers

Fortsetzung folgt