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Rückblick auf den Adventskalender mit dem Hl. Hilarius

Am heutigen Sonntag, an dem nach gerade aktuellem Verständnis ja der Weihnachtsfestkreis endet (unser Baum steht aber bis Lichtmeß! 😉 ), bietet es sich an, den angekündigten Blick zurück auf den Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers zu werfen.

Am Vorabend (30. November, hier) hatte ich geschrieben: „mal sehen, wohin uns das bringt“, denn ich wußte es eben selbst nicht so genau.
Im Rückblick hat sich diese Ungewißheit insofern bestätigt, als das Ergebnis nicht dem vorher gefasstenPlan entspricht: Ich bin viel mehr dem Buch über die Psalmen und dort besonders der Vorrede verbunden geblieben, als das eigentlich beabsichtigt war.
Das hängt nun aber nicht nur mit meiner persönlichen Vorliebe für das Thema zusammen, sondern auch damit, daß ich mir eingestehen mußte, das Vorhaben, etwa jeden zweiten Tag einen Abschnitt aus den dogmatischen Werken zu bringen, war von mir zu diesem Zeitpunkt nicht zu leisten!

Denn das Wirken des Kirchenlehrers fiel eben in die Zeit intensivsten Ringens um die zentralen dogmatischen Grundlagen, insbesondere der Christologie nach dem Ersten Konzil von Nicäa. Damals ging es, ‚wenn ich das mal so flapsig ausdrücken darf‘, über lange Zeit ganz schön drunter und drüber; hören wir den Heiligen selbst:

[…S] o entstand mehr ein Glaube der Zeiten, als der Evangelien; […]. Sehr gefährlich ist es für uns und beklagenswert, daß es jetzt so viele Glauben [-sbekenntnisse] gibt, als Willensmeinungen […].
Und da, wie Ein Gott und Ein Herr und Eine Taufe, so auch Ein Glaube ist, weichen wir von jenem Glauben ab, welcher der einzige ist; und da mehrere [Bekenntnisse] entstehen,kommt es soweit, daß sie eher dazu da sind, daß es gar keinen [Glauben] mehr gebe!

Denn wir sind uns bewußt , daß seit dem [Ersten] Konzil von Nicäa, nichts anderes als Glaubensbekenntnisse, niedergeschrieben wurden. Während über Worte gestritten, während über die Neuerungen Untersuchung angestellt, während über Zweideutigkeiten zu sprechen Gelegenheit geboten wurde, während über die Urheber Klage erhoben, während über die Ansichten Streit erregt, während Übereinstimmung erschwert wird, während einer dem anderen verflucht zu sein anfängt; gehört fast niemand mehr Christus an.
Denn wir schwanken, von dem unsicheren Winde der Lehren getrieben, umher, und verwirren, wenn wir lehren, oder irren, wenn wir belehrt werden.
Welche Veränderungen umfassen nicht auch nur die Glaubensbekenntnisse des letzten Jahres in sich?
Erstens das, welches beschließt, daß man von dem homousios schweigen sollte; zweitens wieder das, welches das homousios ausspricht und verkündigt; dann drittens das, welches die von den Vätern einfach angenommene ousia aus Nachsicht entschuldigt; und endlich viertens jenes, welches nicht etwa entschuldigt, sondern verdammt.

Und wie weit ging man endlich, so daß weder bei uns, noch bei jemandem vor uns von nun an etwas heilig und unverletzt bleibt.
Was aber die Gleichheit Gottes des Sohnes mit Gott dem Vater betrifft, so setzen wir durch unsere Glaubensbekenntnisse, wenn unsere erbärmliche Zeit ja noch einen Glauben hat, […] wir trefflichen Schiedsrichter über die himmlischen Sakramente, und Durchforscher der unsichtbaren Geheimnisse den Glauben an Gott herab.

(Ad Const. [d.i. Zweites Schreiben des heiligen Hilarius an Konstantius Augustus] 2, 4f.)

Wer sich bei diesen Sätzen an gegenwärtige Sorgen um die Einheit des Glaubens („keine Filiale von Rom“) erinnert fühlt… – den verstehe ich, sage aber zugleich: Schauen wir einfach hoffnungsvoll auf den Ausgang des damaligen Ringens!

Ich sah mich jedenfalls mit meiner schwachen Kraft nicht in der Lage, Zitate, die sich auf die damalige verworrene Lage bezogen, mehr als 1.700 Jahre später so in tageweise „Häppchen“ zu verpacken, daß sie (vor allem!) nicht falsch, dann aber auch noch verständlich und gewinnbringend gewesen wären; ich könnte mir allerdings immerhin vorstellen, daß es auch für Menschen, die mehr davon verstehen, schwer würde, könnten doch auch sie, ganz unabhängig von der eigenen Qualifikation, schwerlich von einem besonders fundierten Vorverständnis ausgehen.

Und so bin ich, ein ums andere Mal, an den Ausführungen über das Psalmenbuch „hängengeblieben“, wovon ich immerhin ein bißchen (!) mehr verstehe, und habe dabei sehr viel gelernt – über eine sehr andere Sprache einerseits, über einen Argumentationsstil andererseits, den ich immer wieder unmittelbar anschlußfähig finde und zwar gerade an die Themen wirklich aktueller Forschung!
Wenn Sie sich z.B. an den Beitrag vom Heiligen Abend erinnern, wo der Hl. Hilarius davon spricht, der Psalter gleiche einer,

[…] schönen und großen Stadt, welche viele und verschiedene Häuser hat, deren Türen mit eigenen und verschiedenen Schlüsseln geschlossen werden.
Würde man diese an einem Orte zusammenhäufen und unter einander werfen, so würde es für den, welcher ein jedes Haus aufschließen wollte […] sehr schwer sein, den Schlüssel zu jedem Hause zu finden. Denn es würde […] eine ungemein große Mühe angewendet werden müssen, um den passenden und gehörigen Schlüssel zur Öffnung eines jeden Einganges zu finden, weil das Verhältnis und die Beschaffenheit es nicht gestattet, daß man fremde Schlüssel zu verschiedenartigen Schlössern gebrauche.

Dieses ungeordnete „Zusammenhäufen“ mit der Konsequenz, daß viele Psalmen lange Zeit nicht mehr „aufgeschlossen“ und nach ihrem ganzen Sinngehalt befragt werden konnten, scheint mit ein ganz wunderbar treffendes Sprachbild für die Konsequenzen der jahrzehntelangen Dominanz des sog. „Formen- und Gattungskritischen Ansatzes“ zu sein, mit seiner teils geradezu manischen Suche nach einem ohnehin allermeist hypothetischen „Sitz im Leben“!
Zum Glück sind das mittlerweile aber ja tempi passati.

Schließlich muß ich zugeben, die Reaktionen auf diesen Adventskalender waren zurückhaltender als in den Vorjahren und ich verstehe das auch, es war, ohne ein besonderes Interesse an dem Thema, schon ein wenig spröde, wozu sicher auch der weitgehende Mangel an Illustration beigetragen hat! Umso mehr habe ich mich über die positiven Rückmeldungen gefreut, die es auch gab; Danke!

Jedenfalls gilt aber der alte Satz: „Nach dem Adventskalender ist vor dem Adventskalender“ und so kann ich heute bereits ankündigen, daß es für die nächste Saison schon eine recht konkrete inhaltliche Idee gibt und eine zur durchgängigen Illustration!
Letzteres ist allerdings abhängig vom Einverständnis der Bildrechteinhaber, daher, wenn sie mögen, drücken Sie dem Adventskalender des kommenden Kirchenjahrs bitte ein bißchen die Daumen, ja? 🙂

Hoffnungszeichen

Da ich es leider „verboten bekommen“ habe 😉 , heute, nachdem doch immerhin ein ganzes Jahr vergangen ist! , aufs neue das Lied zum heutigen Epiphanias-Fest zu bringen (aber, wenn Sie mich nicht verraten, Sie finden es hier! Psst!! 🙂 ) will ich nun ein Bild präsentieren:

Stern der Hoffnung (eigenes Bild)

Dieses Photo des Sterns über der Krippe in unserer Pfarrkirche Herz-Jesu, schon am Heiligen Abend entstanden, ist jedoch ein durchaus sprechendes Bild. Und dabei meine ich diesmal gar nicht den eigentlichen Gehalt, die ‚selige Hoffnung‘, für die der Stern steht!
Daran sollten wir alle heute natürlich in ganz besonderer Weise denken, klar, und so haben wir uns auch sehr gefreut, als wir, so gegen 09.00 Uhr, denn es gab vorbildlicherweise eine übrigens gut frequentierte Messe zum Hochfest um 8.00 Uhr!, einen Glückwunsch zum Fest erhielten, wie schön!

Für Weimarer Pfarrkinder ist aber schon die erneuerte Gestalt des ganz unsymbolischen, ganz konkreten und materiellen Sterns wie er da hängt und glänzt (glänzt!) ein Hoffnungszeichen! Denn auch der Stern über der Krippe hat sich gegenüber den Vorjahren, in denen auch er ein Zeichen für die damalige Situation war, deutlich verändert, o ja!

Nun, das wollen wir an einem so schönen Tag (der hier in Mitteldeutschland strahlend schön und klirrend kalt war) gar nicht weiter vertiefen, wer sich auskennt, weiß ohnehin, wovon wir reden.
Es paßt aber ganz großartig zu einem Thema, das Sie u.U. schon vermißt haben: Den am 15. Januar bevorstehenden Gremienwahlen.
Für diese Wahlen stehen seit dem 31. Dezember 2016 die endgültigen Kandidatenlisten fest (vgl. hier). Wenn Sie sich erinnern, wir hatten Anfang November angekündigt, diese Entwicklung genau beobachten zu wollen (hier) und ggf. mit deutlicher Ansage zu reagieren.
Heute können wir voller Dankbarkeit und Freude feststellen: Das ist nicht erforderlich. Nein, nach unserem besten Wissen halten wir samt und sonders alle Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchenvorstand und die Kirchorträte für wählbar. Das ist eine überaus erfreuliche Situation, deren Eintreten überhaupt nicht selbstverständlich war; wir kommen u.U. irgendwann auf spezifische Geschehnisse in den zwei Monaten November und Dezember 2016 noch zurück, ebenso wie wir uns eine grundsätzliche Würdigung der Neukonstruktion der Gremien im Bistum Erfurt natürlich vorbehalten!

Heute aber wollen wir ausdrücklich dafür werben, das Wahlrecht auch wahrzunehmen. Man kann ja von „Gremien“ im allgemeinen und im katholischen Kontext im besonderen halten, was immer man will, aber sie sind eine Realität und sie werden bestimmt nicht besser, indem man sie ignoriert!

Gereon Lamers

PS: Daß wir grundsätzlich gegen alle Kandidatinnen und Kandidaten nichts einzuwenden haben, heißt natürlich nicht, daß wir persönlich alle gleichermaßen wählen würden; eine Kandidatin hat sich zumindest uns gegenüber als derart voreingenommen und wenig kommunikationsfähig erwiesen, daß sie mit unseren Stimmen nicht rechnen darf – Wahl heißt Aus-wahl – glücklicherweise…

„Konditional“ (Rosa Gewand (5/n))

„Konditional“
Ein Zwischenruf zum Thema Rosa Gewand (5/n)

Wenn, sagen wir, ein Priester in der mitteldeutschen Diaspora seine Neujahrspredigt mit dem launigen Aperçu, im Jahreshoroskop einer seriösen deutschen Sonntagszeitung habe für sein Sternzeichen gestanden, es sei Zeit für eine Veränderung im Kleiderschrank, begonnen hätte, und hätte diesen Einstieg damit abgeschlossen, die Anschaffung weiterer, u.U. andersfarbiger Collarhemden könne ja nun nicht wirklich das sein, was für das Jahr 2017 anstehe und hätte im weiteren, ganz ernsthaften Verlauf der Predigt Kardinal Meisner zitiert, der vor 30 Jahren in Dresden den berühmten Satz geprägt hat: „Wir folgen keinem anderen Stern als dem von Bethlehem“, dann…

Ja, dann würde PuLa sagen: Wunderbar! Denn erstens gehört ja in der heutigen deutschen Kirche mittlerweile schon Mut dazu, den ehemaligen Erfurter Weihbischof, Bischof von Berlin und Erzbischof von Köln zu erwähnen und zweitens, sagen wir, wie wohltuend, wenn unser Priester beim Stichwort „Kleidung“ an angemessene priesterliche Kleidung dächte, solche, mit der er als Priester jederzeit zu erkennen ist – so muß das sein!, wie wir hier schon mehrmals geschrieben haben.

Allein, wir finden auch, man muß selbst Horoskope richtig zu lesen verstehen. Und das heißt im vorliegenden Fall: Vollständig zu lesen verstehen.

Und so scheint uns, es könne hier offenbar nicht bloß um den privaten Kleiderschrank gegangen sein, sondern um den Bestand an liturgischen Gewändern einer Pfarrei!

So wartet ja, nur so als Beispiel, der Sakristeischrank in Weimar schon gar lange auf die Wiederbeschaffung mindestens eines rosafarbenen Gewandes für die Sonntage Laetare und Gaudete, worauf wir zuletzt hier aufmerksam gemacht haben.

Ob dieses Desiderat wohl im laufenden (Kirchen-) Jahr erfüllt wird?
Das steht – ‚in den Sternen‘. 😉

Gereon Lamers

Der Jahresrückblick – Sketchlet zum Advent No. 4

 

Der Jahresrücklick
Ein (dramatisch verspätetes) Sketchlet zum Vierten Advent für fünf Schafe, zwei Lämmchen und beliebig viele Schafstatisten

Wundersdorf, Schafweide. Aufgrund verknappter Feiertage, fehlendem Urlaub und vielfachem ehrenamtlichem Tun um Heiligabend und den vierten Advent berichten wir erst heute vom Leben der allseits bekannten Schafherde in der vierten Adventswoche 2016.

Die Schafe haben sich diesmal etwas besonderes vorgenommen. Für die neue Homepage der Pfarrei möchten sie einen Jahresrückblick zusammenstellen. Grauchen, Blütenweiß, Wolle und Flocke hocken vor Kohles Tablet und reden sich die Köpfe darüber heiß, auf welche Ereignisse man wie ausführlich eingehen, was unter den Tisch fallen und was unter den Teppich gekehrt werden sollte. Punkt für Punkt eine schwierige Entscheidung – und dann hat man nicht mal seine Ruhe …

Grauchen: Ich fand es unmöglich, wie Edith reagiert hat!

Blütenweiß: Aber sie ist uns normalerweise wohlgesonnen – vielleicht sind wir wirklich ein bißchen zu weit gegangen?

Flocke: Das auf keinen Fall! Im Gegenteil! Das müssen wir im kommenden Jahr noch deutlich mehr ausbauen …

Wolle (fällt ihr ins Wort): … aber mit einer besseren Vorbereitung der Anwohner!

Flocke: Wollt ich gerade sagen! Mit besserer Vorbereitung und vorneweg Kommunizieren der ganzen Angelegenheit.

Grauchen (nickt): Ihr habt recht! Das kann möglicherweise die Akzeptanz für unsere Anliegen bei den Menschen stärken!

Kohle (steckt die Nase zur Tür herein): Na? Worum geht’s grade?

Wolle: KaSchafüRüalProwe

Kohle will gerade etwas sagen, als Fixi und Huf in den Unterstand stürmen und ihn fast umrennen .

Fixi: Tante Flocke!

Flocke: Ja, was ist denn?

Huf: Wenn wir alle solche Glöckchen hätten, könnten wir ein kleines Lied zu Weihnachten aufführen!

Flocke: Ihr Lieben – können wir das ein andermal verhandeln – es paßt jetzt gerade überhaupt nicht!

Huf: Unter unserer Tanne!

Kohle (zum eigentlichen Thema): Ich fand unsere Demonstration im September ausgesprochen erfolgreich!

Fixi (in eigener Sache): Und alle könnten mitsingen!

Blütenweiß: Es ist schon wahr, daß wir auf unser Anliegen immerhin ein erstes Mal aufmerksam gemacht haben.

Huf: Es käme der ganzen Herde zugute!

Grauchen (zu Kohle): Aber denk doch mal, wie Edith reagiert hat! Die Tür vor der Nase hat sie uns zugeschlagen und dann durftest du als Mitinitiator nicht mit hinein, sondern solltest eine Gruppe zum Rasenmähen zusammenstellen! Das ist doch unmöglich, sowas! Also gerade du müßtest doch der erste sein, der da auf eine etwas kritischere Art der Berichterstattung abzielen sollte.

Fixi: Wenn wir Xenia und Euterpe wieder einladen würden, wären wir zusammen neun Schafe und Lämmchen …

Kohle (wiegelt ab): Ich würde das mit Edith nicht zu hoch hängen! So etwas kommt schon mal vor. Ich glaube, sie war fürchterlich erschrocken und wir sollten ihre Reaktion da nicht zu ernst nehmen.

Huf: … nämlich Fixi und ich, Xenia, Euterpe, Kohle, Flocke, Wolle, Blütenweiß und Grauchen. (stolz): Macht neun.

Flocke (zu Huf): Curly könnten wir auch noch dazunehmen. Die kapselt sich in letzter Zeit so ab!

Grauchen (zu Flocke): Sag mal! Fängst du jetzt auch schon an, dich hier aus der Arbeit auszuklinken?

Blütenweiß (zu den Lämmchen): Worum geht es euch eigentlich?

Fixi (triumphierend): Wir möchten auch solche Glöckchen an einem Halsband haben, wie wir Xenia eins zu Nikolaus geschenkt haben …

Huf: … und wir haben uns gedacht, wenn wir unterschiedliche Glöckchen beschaffen, könnten wir ein kleines Liedchen spielen.

Fixi: Wir müßten nur zum richtigen Zeitpunkt in die Höhe springen und läuten – und schon wäre das Lied fertig. (Sie strahlt.)

Wolle (skeptisch): Ich soll in die Höhe springen und läuten?

Kohle: Hm! Und an welches Lied hattet ihr da so gedacht?

Huf: Jingle Bells zum Beispiel.

Flocke: Hmja – das liegt ja nun nahe, allein schon vom Titel her.

Fixi: Und der Tonumfang in eine None – und wir sind neun Schafe.

Blütenweiß: Plus Curly.

Huf: Gut – wir brauchen ja auch eine Dirigentin … vielleicht.

Wolle: Vielleicht wollen ja auch gar nicht alle mitmachen?

Kohle (übergeht Wolles defaitistische Äußerung): Ok – Schafe – das wäre im Grunde genommen eine gute Aktion!

Grauchen: Soll das noch mit in den Jahresrückblick?

ENDE

Cornelie Becker-Lamers

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Immer etwas los. Bloß gut, daß wir nicht entscheiden müssen, was man wie in einem Jahresrückblick Revue passieren lassen sollte.
PuLa schaut lieber optimistisch nach vorne und wünscht allen ein gutes und friedvolles Jahr 2017.

Quia veniens veniet…

..sed tardabit. (frei nach Hab 2,3, vgl. hier)

Aber nur um ein weniges!
Treue PuLa-Leser mögen in den letzten Tagen etwas vermißt haben, gehört doch seit nunmehr fünf Jahren zur Tradition nach den Weihnachtsfesttagen ein kurzer Rückblick auf den zurückliegenden Adventskalender und – „Das Bildnis des Bloggers mit seltsamer Kopfbedeckung“.
Ganz zu schweigen davon, daß noch ein Sketchlet mit den Schafen fehlt!

Nun, letzteres erscheint gleich, ja, gleich!, noch, auf die zauberhaften Tiere aus Wundersdorf ist eben Verlaß!

Die beiden anderen angesprochenen Elemente hingegen kommen erst im neuen Jahr; dafür vielleicht verbunden mit ein wenig mehr Rückblick auf das vergangene Jahr, als bisher üblich, mal sehen…

PuLa wünscht einen guten und gesunden Jahreswechsel und ein erfülltes, frohes Jahr 2017!

Gereon Lamers

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 24

Nun gilt es aber, der Erklärung eines jeden Psalms eine genaue und abgewogene Beurteilung zu widmen, damit man erkenne, mit welchem Schlüssel der Erkenntnis ein jeder aufgeschlossen werden müsse.
Denn das ganze Buch gleicht einer schönen und großen Stadt, welche viele und verschiedene Häuser hat, deren Türen mit eigenen und verschiedenen Schlüsseln geschlossen werden.
Würde man diese an einem Orte zusammenhäufen und unter einander werfen, so würde es für den, welcher ein jedes Haus aufschließen wollte, und sie nicht kennen würde, sehr schwer sein, den Schlüssel zu jedem Hause zu finden. Denn es würde entweder eine genaue Kenntnis dazu erforderlich sein, um den Schlüssel sogleich zu kennen, und ihn aus jener Menge der an einer Stelle zusammengehäuften mannigfaltigen Schlüssel herauszusuchen, oder eine ungemein große Mühe angewendet werden müssen, um den passenden und gehörigen Schlüssel zur Öffnung eines jeden Einganges zu finden, weil das Verhältnis und die Beschaffenheit es nicht gestattet, daß man fremde Schlüssel zu verschiedenartigen Schlössern gebrauche.
Deshalb werden wir nun, nach der Barmherzigkeit Gottes, den Schlüssel zur Aufschließung eines jeden Psalms finden und den Eingang zu den folgenden […] Psalmen mit den ihnen eigenen und zu ihnen passenden Schlüsseln öffnen.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 24)

So endet der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius von Poitiers für das Jahr 2016;
PuLa wünscht einen Gesegneten und fröhlichen Heiligen Abend!

Am heutigen Festtag möchte ich mich über den heutigen Abschnitt, mit dem die Vorrede zum Psalmenkommentar endet, über das schöne Sprachbild des Psalters als Stadt mit vielen Gebäuden nur freuen.
Die weitere Symbolik ließe sich aber durchaus auch anwenden, recht aktuell anwenden sogar, aber: Nicht heute! 😉

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 23

Es begehrt also jetzt der, […] welcher bittet, daß auf seine Hilfe Bedacht genommen werden möchte, Strafe gegen diejenigen, die ihm widerstreben, indem er spricht:

„Diejenigen sollen beschämt werden und sich schämen, welche nach meiner Seele streben.
Hinweg und zurück gewiesen werden und erröten sollen die, welche Böses gegen mich denken.
Errötend sollen sogleich hinweggewiesen werden die, welche zu mir sagen: Recht so, recht so.“

Die göttlichen Worte müssen nach unserer Weise zu sprechen und uns auszudrücken erwogen werden. Scham und Beschämung sind Folgen der Schande, die Wegweisung ist eine Folge der Abweisung; eine Rückkehr aber findet an keine anderen Orte statt, als in die, von denen ausgegangen wurde.
Diejenigen nun, welche nach der Seele dieses Heiligen streben, welcher bittet, daß auf seine Hilfe Bedacht, genommen werden möchte, werden zuerst beschämt werden, dann auch hinweggewiesen werden, ferner nicht anderswohin gewiesen werden, sondern zurück.
Und die Ordnung der Worte ist dieselbe, wie die der Sachen.
Denn sie werden beschämt werden, weil sie nach der Seele dessen streben, von dem sie, nachdem sie ihn getötet haben, wissen werden, daß er lebe; denn Gott ist der Herr des Lebens und der Auferstehung. Ferner werden sie dann hinweggewiesen werden, damit sie nicht mit den Heiligen, in den Wolken hingerückt, Christus entgegen kommen.
Endlich aber werden sie nicht an andere Orte gewiesen, sondern zurück.
Denn bei ihrer Auferstehung von den Toten werden sie wieder zum Strafe- und Rache-Gerichte in den Abgrund der Erde, woher sie gekommen sind, zurückkehren. „Denn alles Fleisch wird auferstehen, aber nicht alles wird verwandelt werden;“ (cf. 1 Kor 15, 51) und es ist bestimmt, daß ein jeder im Fleische Gutes oder Übles, je nachdem er gehandelt hat, empfange.
Daher werden diejenigen, welche nach der Seele des Gerechten streben, welche Übles denken, und welche sagen: „Recht so, recht so! beschämt werden, hinweggewiesen werden, und zurückkehren, [d.h.] bei der Auferstehung beschämt, von dem Entgegenkommen zurückgetrieben, und in den Abgrund wieder hinabgerufen.
“Recht so, recht so! aber ist der Ruf der Spötter, nämlich solcher, welche sagten: „Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.“ (Mk 15,31)

(Tractatus in LXIX Psalmum [zu Ps. 69] 3)

Der Hl. Hilarius liest den Psalm auf Christus als Beter („von dem sie, nachdem sie ihn getötet haben, wissen werden, daß er lebe“).
Mich hat persönlich an diesem Kommentar „gepackt“ in welchen Kontext Hilarius die rückt, die das „Recht so!“ (oder „Gut so!“, lat. „Euge“) rufen, jene, die uns glauben machen wollen, es wäre „alles in Ordnung“, wir „sollten uns doch nicht so haben“: Unter das Kreuz.
Ein konsequenter, schrecklicher, großartiger Gedanke!

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 22

Bei mehreren von uns hat das Zeugnis des Apostels den Zweifel erregt, ob sie [den zweiten] Psalm als mit dem ersten zusammenhängend, und gleichsam als das Ende des ersten ansehen sollten, oder ob sie ihn vielmehr als nachfolgend und als den zweiten aufzählen dürften. Denn in der Apostelgeschichte erfahren wir in der Rede des heiligen Paulus, daß dieser für den ersten gehalten werde […]: „[…] wie in dem ersten Psalm geschrieben steht: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt, da er ihn von den Toten auferweckt hat, und er nun nicht mehr zur Verwesung zurückkehren wird.“
Wegen dieses Zeugnisses des Apostels also glaubt man, es geschehe durch
einen Irrtum der Abschreiber, daß dieser Psalm als der zweite der Reihe nach angeführt wird, da er doch nach dem Zeugnisse des Lehrers der Heiden selbst als der erste erkannt werde. Man muß also den Grund kennen lernen, warum er teils von uns für den zweiten angesehen werden müsse, [andererseits aber] von dem Apostel als der erste angeführt wurde.

Der heilige Apostel Paulus hat nun, nach seinem eigenen Geständnisse ein Hebräer aus den Hebräern, auch nach dem hebräischen Wissen und Glauben diesen Psalm den ersten genannt, ohne von der Unterscheidung der Übersetzer Gebrauch zu machen; er, welcher in seiner Rede an die Häupter der Synagoge aus der Lehre des Gesetzes vorzüglich zu zeigen strebte, daß unser Herr Jesus Christus der Sohn Gottes sei, daß er geboren wurde, daß er gelitten habe, daß er auferstanden sei, und daß er in Ewigkeit herrsche.
Er hielt sich demnach an diese Weise, daß er, selbst ein Hebräer, auch bei seinem Vortrage an die Hebräer sich der Gewohnheit der Hebräer bediente.
Wir hingegen müssen uns
der Autorität der Übersetzer bedienen, und das Gesetz nicht nach der Zweideutigkeit der Buchstaben, sondern nach der Kenntnis der Lehre übertragen.

(Tractatus super psalmos, Psalm 2, 1.4)

Was für ein wunderbarer, im besten Sinne zeitloser, Schlußsatz dieses so nüchtern und in seiner Argumentation mit dem Kontext, d.h. der Kommunikationssituation des Hl. Paulus, ganz „heutig“ argumentierenden Abschnitts:
„Sed nobis translatorum utendum auctoritate est, legem non ambiguitate litterae, sed doctrina scientia transferendo.“ 🙂

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 21

In den mittleren Zeiten des Gesetzes nämlich, ehe der eingeborene Sohn Gottes, von Ewigkeit her Gott das Wort, als Mensch geboren wurde, haben auf Verlangen des Königs Ptolemäus die siebzig Ältesten die Bücher des alten Testamentes aus der hebräischen Sprache in die griechische übersetzt. Es war aber schon von Moses früher die Anordnung getroffen worden, daß in der ganzen Synagoge siebzig Lehrer sein sollten. […]
Die Lehre dieser Männer, welche von dem Gesetzgeber selbst empfangen hatten, nun blieb in der Folge in dieser Zahl und diesem Amte der Ältesten aufbewahrt. Diese Ältesten also, welche diese Bücher übersetzten, und nach Moses Überlieferung die höhere Wissenschaft […] erlangt hatten, übersetzten die zweideutigen Ausdrücke der hebräischen Sprache, welche an sich verschiedenes bedeuteten, nach dem wirklichen Inhalte durch bestimmte und geeignete Wortbezeichnungen, indem sie durch die Kenntnis der Lehre jenen vielfachen Sinn der Ausdrücke beschränkten.
Und daher kommt es, daß die späteren Übersetzer auf verschiedene Arten erklärten, und so den Völkern einen großen Irrtum verursachten; indem sie, mit jener geheimen und von Moses ausgegangenen Überlieferung unbekannt, das, was in der hebräischen Sprache zweideutig angeführt ist, weil sie in der Ungewißheit waren, selbst nach eigenem Gutdünken übertrugen.
Von der Doppelsinnigkeit der hebräischen Sprache aber wollen wir ein Beispiel anführen, […]
Bresith ist ein hebräisches Wort. Es hat drei Bedeutungen, nämlich : Im Anfange, im Haupte, und im Sohne. Aber die siebzig Übersetzer haben es mit „im Anfange“ gegeben, während andere es auf verschiedene Weise übersetzten, und in Folge dieser Zweideutigkeit wurde von ihnen in der Übersetzung (-sfrage) Verwirrung herbeigeführt.
So aber bleibt die Autorität dieser siebzig Übersetzer vollkommen; erstens, weil sie vor der Ankunft des Herrn im Fleische übersetzt haben, und ihnen in der Übersetzung keine Schmeichelei, welche sie sich zu Gunsten der Zeit erlaubt hätten, vorgeworfen werden kann, da die Zeit der Übertragung um so viel früher war; zweitens, weil eben jene Vorsteher und Lehrer der Synagoge, welche nebst der Kenntnis des Gesetzes durch Moses auch noch durch eine geheimere Lehre vervollkommnet waren, als Schiedsrichter im Übersetzen anerkannt werden mußten, da sie die zuverlässigsten und ehrwürdigsten Lehrer waren. […]

(Tractatus super psalmos, Ps 2, 2f)

LXX interpretum auctoritas“, die „Autorität der siebzig Übersetzer“, also der Septuaginta, so überschreiben die Patrologia Latina (PL) Abschnitt 3 zu Psalm 2 aus dem Kommentar des Hl. Hilarius.

Die mehr oder weniger vorgenommene Identifizierung, bzw. die direkte Verbindung des jüdischen Sanhedrins (cf. Ex 24, Num 11) mit der Übersetzungsarbeit in Alexandria ist so freilich wohl kaum haltbar (Allerdings achtet man seit einiger Zeit in der Forschung auf den hohen Grad der Zuverlässigkeit der Septuaginta-Übertragung wieder viel stärker, als das zwischenzeitlich einmal der Fall war…)
Erneut finde ich es aber viel interessanter, auf die Struktur der Argumentation zu schauen, als auf derartige Einzelheiten.
Dann sieht man, Hilarius begründet und verteidigt die Autorität der Septuaginta zunächst ganz aus der jüdischen Tradition. Dann weist er auf die historische Vorgängigkeit der Septuaginta in Bezug auf das Christus-Ereignis hin, und bringt obendrein ein ganz praktisches Beispiel, worauf es bei der Qualität der Übertragung ankomme.
Man sollte sich also, glaube ich, bei der Bewertung dieser alten Texte nicht von vordergründigen Signalwörtern wie „Autorität“, „ehrwürdig“ und „höhere Wissenschaft“ in die Irre führen lassen, es handele sich hier irgendwie um verstaubten und irrationalen „alten Kram“, der uns nichts mehr zu sagen hätte.

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 20

[…] Mittels dieser Eigentümlichkeiten der Überschriften also wird man den Sinn der Psalmen suchen müssen; […]
Was aber diejenigen betrifft, welche keine Überschrift mit irgend einer Bezeichnung haben, wie der erste oder der zweite, und noch mehrere andere, so muß man annehmen, daß sie nach der Lehre des heiligen Geistes zur geistigen Erkenntnis des allgemeinen Wissens gesungen worden sind, damit aus ihnen jeder nach der Ernsthaftigkeit seines Glaubens die Weise der geistigen Einsicht schöpfen könnte.

(Tractatus super psalmos, Vorrede 21)

Psalm 1 und 2 bilden, zusammen mit dem ‚Schluß-Hallel‘ (Ps. 146 – 150) einen „Rahmen“ um den ganzen Psalter, „ad spiritalem cognitionem generalis scientiae“… 🙂