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Finde den Unterschied…

…ein ministrierender Senegalese (z.B. hier)

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär

…mundkommunizierende Pullunderträger (hier und hier)

Christiane Florin, „Christ und Welt“-Redakteurin

(ein weiteres Beispiel für die Strategie der Essentialisierung und des ‚Othering‘ hier)

 

C. Becker-Lamers/ G. Lamers

„Wirf die Angel aus“

„Wirf die Angel aus“

Der erste Beitrag aus der neuen PuLa-Reihe „Vor Jahresfrist“

„Wirf die Angel aus“, so lautete das Mt 17,27 entlehnte Motto der 68. Jugendwallfahrt, zu der am 30. Mai 2015 Jugendliche aus ganz Thüringen auf dem Erfurter Domberg zusammenkamen. Musik, Aktionen, Spiele, auf der Wiese chillen (Bilder hier) und zum Abschluß ein „Ponti“ bei schönstem Sonnenschein – es war ein herrlicher Tag. Der damalige Diözesanjugendseelsorger, ein gewisser Timo Gothe, wurde anläßlich der Jugendwallfahrt verabschiedet, und alle beneideten die 6-7 jungen Leute, die zu dieser Zeit die erweiterte Weimarer Pfarrjugend bildeten. Denn zu diesem Zeitpunkt war schon seit Wochen bekannt, daß Timo Gothe neuer Gemeindepfarrer in Herz-Jesu Weimar werden sollte.

Was Wunder, daß der Name Gothe auch bei den Jugendlichen in Weimar zog. Er war die Identifikationsfigur, mit denen zwei Weimarer Mädchen, denen am Aufbau einer großen, starken Jugendgruppe mit geschärftem katholisch-kirchlichen Profil besonders gelegen war, im WhatsApp-Chat werben konnten, um den neuen Pfarrer bei seiner Ankunft mit einem Grillabend mit 45 Jugendlichen und der fast vollständig versammelten Weimarer Geistlichkeit im Pfarrgarten willkommen zu heißen.

Als Jugendpfarrer hat Timo Gothe die Angel ausgeworfen. Hat zum Beispiel die Pfarrjugend im vergangenen Jahr zu Night-Fever-Abenden und auf den Adventsmarkt nach Erfurt mitgenommen. Die Dekanatsjugend freut sich, daß bei regelmäßigen Treffen wie den Jugendgottesdiensten (vom Überraschungserfolg beim Fußballturnier der Ministranten hat PuLa ja schon berichtet) endlich auch mal wieder Kinder aus Weimar mit von der Partie sind.
Firmung findet jetzt in jedem Jahr statt – nicht wie bisher üblich im 2-Jahres-Rhythmus – und wie diesen Mai zu sehen war, ist die Kirche trotzdem brechend voll. Der Firmunterricht besteht nicht im Wesentlichen aus Filmegucken, sondern beinhaltet so coole Aktionen wie eine mehrtägige Reise nach Taizé. Das ist schon wirklich toll!

Die Gruppe der Pfarrjugend selber mußte Pfarrer Gothe allerdings im Zuge dessen dem langjährigen Gemeindereferenten überlassen. Wir hoffen, der läßt – um im Bild mit der Angel zu bleiben – die Jugendlichen nicht wieder vom Haken.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Da fehlt doch was…

Der 78. Deutsche Katholikentag vom 13.–17. August 1958 in Berlin, der letzte gesamtdeutsche vor der Wiedervereinigung, hatte das Motto:

„Unsere Sorge der Mensch, unser Heil der Herr“

Der 100. Deutsche Katholikentag vom 25.–29. Mai 2016 in Leipzig hatte das Motto:

„Seht, da ist der Mensch“

 Es will scheinen, als hätte die „anthropozentrische Theologie“ in  der Zwischenzeit „ganze Arbeit geleistet“…

Schauen Sie sich die Entwicklung der Leitworte in dieser Übersicht an (nein, es wird 2018 nicht anders 🙁 )

 

Briefmarke zum 78. Katholikentag 1858 in Berlin (Bild Wikimedia commons, NobbiP)

Briefmarke zum 78. Katholikentag 1958 in Berlin (Bild Wikimedia commons, NobbiP)

 

Gereon Lamers, Weimar

Sketch des Monats September: KaSchafüRüalProwe

Klar! Es gibt sie noch, die Wundersdorfer Schäfchen. Wir haben nur eine lange, für uns dadurch sehr entbehrungsreiche Zwischenzeit hindurch nicht von ihnen berichtet. Aber selbstverständlich waren sie immer da, in der Nähe von Wundersdorf, und wie wir gleich hören werden, haben sie auch schon wieder jede Menge geforscht und herausgefunden. Zum gestrigen Pfarrfest zu Mariä Namen machten sie unter einem strahlenden Septemberhimmel von ihrem neuerworbenen Wissen Gebrauch. Lassen Sie sich also entführen in die Welt der katholischen Pfarrei Maria Hilf! Wundersdorf in einem endlich wieder geposteten:

 

Sketch des Monats

KaSchafüRüalProwe

Ein Sketch für zwei Personen, zehn bis zwölf Schafe, zwei Lämmchen

und beliebig viele Schafstatisten

 

Wundersdorf, Oderbruch. Am Haus der Familie Langenfeld. Eine kleine, uns wohlbekannte Herde Schafe kommt, lässig, wie wir es von ihnen kennen, die Straße entlang geschlendert und bleibt etwas unschlüssig vor dem Haus stehen. Als alle Schafe sich in der kurzen Auffahrt zum Haus drängen und es langsam wirklich eng wird, erheben sich erste Stimmen, die die Situation thematisieren und auf eine Lösung drängen.

Ein Schaf: Und jetzt?

Ein anderes Schaf: Da steht ja ein Haus.

Ein drittes: Wie kommen wir denn jetzt weiter?

Das erste (etwas patzig zu Kohle): Damit wäre unser Projekt wohl gestorben.

Kohle: Immer mit der Ruhe!

Fixi (bahnt sich einen Weg durch die Menge nach vorn): Das Haus kenne ich!

Huf (drängelt Fixi hinterher): Da wohnt Teresa.

Fixi: Ich denke, da können wir einfach klingeln.

Die Schafe (durcheinander): Wir sollen irgendwo klingeln? – An einem Wohnhaus klingeln? – Wenn du dich traust, bitte! – Ich hatte gedacht, wir marschieren überall einfach durch. – Schließlich sind es unsere angestammten Wege!

Flocke: Ruhe! (Die Schafe beruhigen sich.) Ich mach das. Ich geh jetzt die paar Stufen da hoch und sehe mal, was ich machen kann.

(Unter den gebannten Blicken der restlichen Herde springt Flocke die Stufen zur Haustür hinaus und drückt mit der Schnauze einen breiten Klingelknopf. Dann kraxelt sie vorsichtig die Stufen wieder hinab und stellt sich erwartungsvoll zu den anderen.

Edith steckt den Kopf zur Tür hinaus, erschrickt und schlägt die Tür sofort wieder zu. Nach einer kleinen Weile schaut sie erneut, ob die Schafe noch da sind.)

Edith: Was macht ihr denn hier?

Die Schafe (durcheinander): KaSchafüRüalProwe – Dein Haus steht im Weg! – Wir wollen hier durch. – Es ist unser angestammtes Recht!

Edith: Waswaswaswaswas? Nicht alle durcheinander – ich verstehe ja kein Wort. Blütenweiß, sag du mal. Wie kann ich euch helfen?

Blütenweiß (errötet – wie immer – sofort): Guten Tag, Edith … also … wir hatten … das war … zu Fronleichnam hatte das Wildschaf … (rasch) wir haben den Film alle gesehen, und da kam die Idee auf … und wir dachten, wann, wenn nicht zum Gemeindefest …

Ein viertes Schaf: … und jetzt steht da euer Haus und wir kommen nicht weiter!

Edith (schaut sich um): Wo steht unser Haus?

Die Schafe: Na hier! – Auf unserem Weg.

Edith: Was für ein Weg? Kann mir mal jemand erklären, wo ihr hinwollt und warum?

Wolle: Also. Das Wildschaf hatte mal wieder ( wie hier und hier) einen Vortrag vorbereitet. Zu Fronleichnam. Zum Thema alte Prozessionswege und –verläufe. (Mit wachsender Begeisterung) Da konnte man Schafe sehen, die durch Madrid laufen. Das ist dort ganz normal.

Ein Schaf: Und wir dachten, wir müssen auch unsere alten Wege wieder erobern.

Ein anderes Schaf: Um auf uns aufmerksam zu machen.

Ein drittes Schaf blökt: KaSchafüRüalProwe! KaSchafüRüalProwe!

Andere Schafe: Pssst! – Is‘ ja gut!

Edith: Ja … und jetzt?

Kohle: Jetzt müßten wir bitte durch euer Haus gehen. (Nach einer Kunstpause) Das ist alles.

Edith: Ihr? Dreckig wie ihr seid? Durch mein Haus? Und hinten durch meine Blumenbeete? Ihr habt sie wohl nicht alle! Trollt Euch! (Sie wirft die Tür ins Schloß.)

Die Schafe sehen sich betroffen an.

Flocke (seufzt): Jaja, so ist das immer. Von weitem finden sie uns total süß, aber wenn wir vor ihrer Haustür stehen, wollen sie uns nicht reinlassen.

Curly: Das ist aber in England nicht anders!

Die Tür öffnet sich und Teresa kommt herausgestürmt. Edith tritt auch wieder hinter ihr in den Türrahmen und bleibt dort stehen.

Teresa (zu Fixi und Huf): Da seid ihr ja! (Sie umarmt die Lämmchen.)

Flocke (befriedigt): Nun – es gibt eben auch solche.

Teresa (zu ihrer Mutter gewandt): Mama, laß die Schäfchen doch durch, es ist ein uralt verbrieftes Recht, daß sie hier ihre Weidegründe haben.

Edith: Wann kommt das Winnetou-Thema aus dem Off?

Teresa: Ach, Mama!

Edith: Ich will erstmal wissen, was das für ein Film ist, den ihr gesehen habt.

Kohle: Ist im Netz!

Flocke: Ist nur ganz kurz.

Wolle: Wir haben ihn damals dreiundzwanzigmal hintereinander geguckt.

Edith: Ok, dann kommen jetzt mal drei von euch rein und zeigen mir die Ursache eures Erweckungserlebnisses auf dem Bildschirm!

Kohle macht sich konzentriert auf den Weg zur Haustür.

Edith (versperrt ihm den Weg): Kohle, du könntest in der Zeit gut mal dafür sorgen, daß hier ein bißchen Rasen gemäht wird!

Kohle (verdattert): Rasen gemäht?

Fixi (gewahrt die Restbestände an in dieser Jahreszeit schon wieder selteneren Gänseblümchen): Au ja! Rasen mähen! (Sie stürmt in den Garten.)

Flocke (ruft ihr hinterher): Fixi! Denk dran, daß du von Gänseblümchen Bauchweh bekommst! ]

Huf: Zu spät! – Laß mal, Tante Flocke! (Er grinst.) Lieber mähwütig als wehmütig.

Flocke (verdreht die Augen): Du und deine Schüttelreime! (Sie trottet Fixi hinterher.)

Kohle: Klar. Warum eigentlich nicht. Organisieren wir halt eine Rasenmähergruppe (er stupst Grauchen und Blütenweiß an, sammelt noch Wolle und Curly ein und macht sich an die Arbeit. Für sich:) Hoffentlich ist es kein ‚Politikum‘, wenn ich hier Rasen mähe. (Er beginnt zu grasen, während Edith mit drei Schafen in der Wohnung verschwindet und die Tür hinter sich zu klappt. Teresa bleibt draußen bei den Lämmchen.)

 

ENDE

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf. Eigentlich gar keine so schlechte Idee, sich mal zu kümmern, wo eigentlich die alten Prozessionswege zu  Festen wie Fronleichnam herliefen. Haben wir uns neulich auch gedacht und den Erzählungen von Freunden aus katholischen Gegenden gelauscht, die von fahnengeschmückten Fenstern entlang der Prozessionswege berichteten.

Aber nun sind wir unseren Lesern ja noch den Film schuldig, den Edith mit den Schafen gerade schaut. Er könnte etwa so aussehen wie hier oder hier.

Und für alle, die sich fragen, was die Überschrift bedeutet: Es ist selbstverständlich die Abkürzung der Worte „Katholische Schafe für die Rückgewinnung alter Prozessionswege“. Ganz einfach. 😉

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Platz da!

Was ist das, liebe Leserinnen und Leser?

Der Poller (eigenes Bild)

Der Poller (eigenes Bild)

Ja, ein Poller, aber vor allem eine große Erleichterung und ein Hoffnungszeichen!

Am Samstag, dem 20. August stand es in  der Zeitung: Das „wilde“ Parken auf dem Platz vor unserer Pfarrkirche hat endlich ein Ende!

August-Frölich-Platz mit Herz-Jesu-Kirche (Bild: Wikimedia Commons, Dr. Bernd Gross)

August-Frölich-Platz mit Herz-Jesu-Kirche (Bild: Wikimedia Commons, Dr. Bernd Gross)

Gräßlich, oder? Und wann immer man nach Ende der Hl. Messe noch ein wenig beisammen stand, konnte man froh sein, wenn einem nicht irgend ein Aus- oder Einparkender beinahe über den Fuß rollte…

Aber damit ist nun Schluß. Die Stadt Weimar hat sich auf den offenbar sehr geschickt vorgebrachten Hinweis von Hw. Pfr. Gothe hin tatsächlich bereitgefunden, die verkehrsrechtliche Situation nun mit baulichen Mitteln auch zu erzwingen.

Der Kirchvorplatz aktuell (eigenes Bild)

Der Kirchvorplatz aktuell (eigenes Bild)

Einfach wunderbar! Und haben Sie’s bemerkt? Rechtlich, so schreibt die TA (hier), hat sich nichts geändert! Was nichts anderes heißt, als daß da schon seit ganz langem niemand hätte parken dürfen!

Wie gut, daß sich mal jemand um etwas gekümmert hat, was wirklich einen ganz praktischen Nutzen bringt, auch wenn man sich damit natürlich nicht nur Freunde gemacht hat, bravo!

Der Kirchvorplatz von Süden (eigenes Bild)

Der Kirchvorplatz von Süden (eigenes Bild)

Jetzt müssen wir noch die Reinigung des bei jedem stärkeren Regen verschmutzenden Ablaufs quer vor dem Platz in die Kirchenreinigungsroutine einbinden und dann bietet sich jede Menge Raum für Phantasie. Eine der leichteren Übungen dürfte ja sein, (weitere) feste Vorrichtungen für die Fahnenmaste zur Fronleichnams-Prozession zu verankern. Und dann könnte man an die Gestaltung des Platzes gehen; wir hätten da so eine Idee:

Marienbrunnen in Xanten-Marienbaum (Bild: Wikimedia Commons, Frank Vincentz)

Marienbrunnen in Xanten-Marienbaum (Bild: Wikimedia Commons, Frank Vincentz)

Naja, man darf ja noch träumen, oder? Wobei, ob so ein Brunnen soooviel mehr kostet, als eine Glocke? 😉

Etwas anderes scheint uns jedoch unausweichlich: Der Platz hat den falschen Namen. August Frölich ist kein geeigneter Namensgeber für den Platz vor einer Kirche, vor keiner Thüringer Kirche, katholisch oder anderer Denomination!

Straßennamen (eigenes Bild)

Straßennamen (eigenes Bild)

Aber das werden wir zu gegebener Zeit noch ausführlich begründen, die vertiefte Recherche läuft gerade!

Bis dahin sind wir glücklich über die eingetretene Verbesserung (die eine der sichtbarsten aber gewiß nicht die einzige des letzten Jahres  ist!) und vergeben dankbar erstmals das Timoticon“:

timoticon

 

Gereon Lamers, Weimar

„Macht ihr euch voll Vertrauen auf“

Im vergangenen Jahr hatten wir um diese Zeit auf den Gedenktag von Ruth, der alttestamentlichen Ahnfrau Davids, hingewiesen und die Ouvertüre des gleichnamigen Kindermusicals eingestellt. Der 1. September ist aber auch der Gedenktag der Noomi/ Noëmi/ Naëmi ( vgl. hier) und hierzu haben die Cäcilini natürlich ebenfalls ein schönes Lied, mitgeschnitten bei der im letzten Jahr noch in Vorbereitung befindlichen Gottesdienstgestaltung am 1. November 2015 in der Weimarer Kreuzkirche, neuerdings auf YouTube:

Das Lied, das den Inhalt des gesamten Buches in drei Strophen zusammenfaßt und sich daher beispielsweise für den Unterricht oder die außerschulische Kinderseelsorge eignet, wird im Musical auf zwei Szenen aufgeteilt gesungen. Unserer Pianistin, der ich in puncto Tempo bei ihren Klaviervorspielen jeweils völlig freie Hand gelassen hatte, ist es zu verdanken, daß ich beide Stücke nahtlos zu einem Lied zusammenschneiden konnte: Amei Mende hatte beide Male exakt dasselbe Tempo. Tja: Wer kann, der kann! 😉

Der Refrain von „Noomi, wir wollen gehen“ taucht aber im Musical noch ein drittes Mal auf: Im Schlußchor, wenn die auf Anregung von Frau Prof. Widl 2012 noch nachkomponierte typologische Übertragung von Boas auf Jesus erläutert und die Botschaft des gesamten Musicals für die Zuhörer verdeutlicht wird: „Macht ihr euch voll Vertrauen auf wie Noomi und Rut“ … Dann singt die Darstellerin der Rut zum Halleluja des Chores auch noch einmal den Refrain des Liedes der Noomi.

Frau Professor Widl ist dem Stück übrigens treu geblieben und lud im vergangenen Semester Schüler und Schülerinnen der Edith-Stein-Schule für eine Vorstellung in ihre Vorlesung ein („Ein Musical in der Vorlesung“, hier)

Viel Freude!

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Weimars Glocken im Netz

† EN • CELVM • MATRE • QVEM • TERRA •PARIT • SINE •PATRE • PANIS • MONSTRATUR • DEVS • EST • CARO • VIVA • LEVATVR

(„Siehe, o Erde, den der Himmel von der Mutter ohne Vater gebiert, er wird als Brot gezeigt, ist Gott und wird als lebendiges Fleisch erhoben“ – Inschrift auf der Angelus- und Wandlungsglocke des Doms zu Köln)

 

Die Tage suchte ich im Netz nach einem Klang für das Angelusläuten auf meinem Handy, angemessener, als ihn die serienmäßigen Signaltöne bieten konnten. Was lag da näher, als zu schauen, ob es nicht schöne Sound-Dateien von echten Glocken gebe. Die Suche war sehr schnell von Erfolg gekrönt und das kleine mp3-file fix heruntergeladen und mit dem entsprechenden „Alarm“ mittags um 12.00 Uhr verknüpft. So mahnt mich nun also die „Angelus-Glocke“ vom Kölner Dom täglich zum Innehalten und zum Gebet. Sie finden hier etwas zur Glocke selbst und hier auch die Datei (Rechtsklick auf „Glocke als mp3“ und dann „Ziel speichern unter“).

Bei der Gelegenheit ließ sich erneut feststellen, daß es, ähnlich wie beim Thema ‚Orgeln‘, einfach überwältigend ist, mit wieviel Liebe und Mühe Menschen ihr schönes Hobby, das „Sammeln von heiligem Klang“, wenn man so will, mit anderen teilen; einfach schön ist das!

Und, was soll ich Ihnen sagen, das Weimarer Geläut, das unserer Pfarrkirche Herz-Jesu, es wird ebenfalls im Netz präsentiert, auf YouTube! Und zwar in einer ganz rezenten Aufnahme vom 9. Mai 2016.

Nun wissen treue Leser dieses Blogs: Die Art und Weise wie wir an die letzte Glocke dieses Geläuts gekommen sind, die war durchgängig von der damals hier herrschenden Intransparenz gekennzeichnet (vgl. hier, hier, und hier).

Ob sich dafür freilich heute auch noch Belege finden ließen? Man weiß es nicht…

Papiertonne 30.April 2015 (eigenes Bild)

Papiertonne 30.April 2015 (eigenes Bild)

 

Papiertonne 1. Mai 2015 (eigenes Bild)

Papiertonne 1. Mai 2015 (eigenes Bild)

Aber wir wollen von der Vergangenheit ja auch gaaar nichts mehr wissen, oder? War da eigentlich was?  😉

Schauen, bzw. hören wir also in die klangschöne Gegenwart:

Und in Zukunft? Nun, in Zukunft wäre so ein Video natürlich auch ein Kandidat für die Homepage der Pfarrei, die ja (glücklicherweise!!!) endlich umgestaltet wird.

Ob da für so etwas Platz sein wird? Das weiß man auch noch nicht.

Aber eines wissen wir jedenfalls: Wenn sie online ist, die neue Homepage, dann wollen wir diesen Relaunch hier würdigen, darauf freuen wir uns schon! 🙂

 

Gereon Lamers

„…unser Leben“ ? Gedanken zu einem Kehrvers

Seit liturgisch ja alles besser geworden ist, bei uns in Herz-Jesu Weimar, wird es bald Gelegenheit geben, die altbewährte Reihe: „Ein Sonntag morgen voller guter Laune!“ wieder aufzunehmen, die seit, ja, meine Güte, schon seit Dezember 2013 ruht; Kinder, wie die Zeit vergeht!
Aber weil ich das gestern mit der Sonntagsruhe sehr wörtlich genommen habe (der ganze Samstag war nämlich ein Arbeitstag, vgl. hier) erscheint dieser Beitrag eben erst am heutigen (freien) Montag und kann ergo nicht so heißen. 🙂

Was zu der guten Laune am gestrigen „11. Sonntag im Jahreskreis“ (zu der Bezeichnung vgl. hier) vor allem beitrug, war die herausragende musikalische Gestaltung durch die hervorragend disponierte Choralschola der Musikhochschule und den wunderbaren jungen Organisten. Herzlichen Dank!
Man kann es ja gar nicht oft genug sagen, daß es sich dabei eben NICHT um ein geschmäcklerisch kultursnobistisches Herangehen handelt, sondern daß qualitätvolles Musizieren der Andacht aufhilft, wie das viele (heilige) Päpste immer wieder betont haben! Nichts weniger als das Beste, was je und je möglich ist, kann auch nur ansatzweise genügen… (vgl. hier).

Nun, gestern hat Weimar wieder mal gezeigt, was hier möglich ist, und das war ein Grund zu großer Dankbarkeit! Hoffen wir, daß alles (notfalls auch „diplomatische“) Bemühen am Ende dazu führt, daß es bald so häufig wie möglich und zwar gerade an Sonntagen so schön ist.

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen noch eine kleine Beobachtung, die zeigt, wie sinnvoll die musikalische Gestaltung auch die Predigt kongenial ergänzen kann. Gestern stammte die zweite Lesung ja aus dem Galaterbrief (Gal 2, 16.19 – 21), eine der Stellen, wo der der Hl. Apostel Paulus von den sog. „Reformatoren“ einseitig (miß-) verstanden worden ist, und die daher in der kirchlichen (= katholischen) Verkündigung immer der Erläuterung bedürftig sind.
So gestern in der Predigt geschehen – aber eben nicht nur dort! Nein, denn wir haben dann von Angelus Silesius das wunderschöne „Ich will Dich lieben, meine Stärke“ (GL 358) gesungen und da es ein Choralhochamt war, war der Eindruck der wenigen deutschen Lieder natürlich um so stärker: „…ich will Dich lieben mit dem Werke…“, heißt es da bekanntlich weiter. Eine sehr dankenswerte Liedauswahl! 😉

Der Fairneß halber sei hinzugefügt: Das Lied ist ein „ökumenisches“ und hat überhaupt schon früh Aufnahme auch in evangelische Liedsammlungen gefunden, vgl. hier).

Weniger, wesentlich weniger erbaulich fand ich (erneut) den Kehrvers zum Antwortpsalm.

Wie wir ja alle wissen, kommt in der nach dem 21. Ökumenischen Konzil erneuerten Leseordnung gerade dem Antwortpsalm eine große Bedeutung zu, ja, regelmäßig ist er der gedanklichen Abfolge hin zum Evangelium viel besser eingepaßt als die „Epistel-Lesung“. Eine Ansicht, die man auch für den gestrigen Sonntag vertreten könnte.

Nun, jedenfalls wurde er gestern natürlich von einem Mitglied der Schola kantoriert – und zwar sehr schön.
Wenn da nur nicht der Kehrvers gewesen wäre… Doch, doch, es war der „richtige“ im Sinne des vorgesehenen. Werfen wir einen Blick in den „Schott“:

11. Sonntag, Lesejahr C (Auszug; Bild: Schott/Beuron)

11. Sonntag, Lesejahr C (Auszug; Bild: Schott/Beuron)

Dort sehen wir den für die gesprochene Rezitation vorgesehenen Kehrvers als Antwort des Volks und den Hinweis auf GL 517 wenn gesungen wird. Und Nr. 517 wird leider gar häufig „genommen“ (auch wenn er nicht vorgesehen ist…):

„Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben“

heißt es da, „Text nach Ps 103, 3-4, M[elodie] Josef Seuffert (*1926)“

Ich will mich zur Melodie nicht weiter äußern, dafür verstehe ich nicht genug davon, persönlich finde ich sie eher banal und mag sie überhaupt nicht, mit ihrer abfallenden Schlußlinie fühle ich mich jedenfalls so gar nicht „gerettet“, bzw. erhoben.

Wer den Text so gefaßt hat, davon erfährt man leider nichts, dieses „nach“, das im „Gotteslob“ so oft genutzt wird, ist mir von Herzen zuwider, denn es nutzt die Autorität des inspirierten biblischen Textes, ohne daß dieser Anspruch notwendig eingelöst wird!

Nicht, daß da in Psalm 102 (wie es nach wissenschaftlich aktueller UND katholischer Zählung heißen sollte) nicht von Vergebung der Schuld und der Rettung des Lebens die Rede wäre, das ist es natürlich.
Aber dieser Verknappung „gelingt“ es, daß ich (und nicht nur ich!) eher an die Feuerwehr als Lebensretter, denn an den Allerhöchsten denke! Die Art, wie aktuell immer wieder und gerade in den Liedern des neuen Gotteslobs in der Kirche gänzlich diesseitig von „Leben“ die Rede ist, wäre ja eine eigene, genaue semantische Untersuchung wert.

Hier müssen wir uns auf ein, zwei kurze Bemerkungen beschränken:

Der Text in seiner Verknappung banalisiert und dekontextualisiert die Aussage des Psalms.

1 Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
3 der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt

heißt es in der Einheitsübersetzung und man sieht, was alles „fehlt“ zugunsten eines sozusagen „klappernden“ Automatismus: „Schuld vergeben, Leben gerettet, zack, zack!“
Ja, ich weiß, ein Kehrvers muß knapp sein, aber so? Wie wäre es denn gewesen, man hätte sich auf nur einen Vers des Psalms konzentriert?

Durch Verallgemeinerung und „Subjektwechsel“ entsteht eine „Anonymisierung“.

1 Benedic, anima mea, Domino, et omnia quæ intra me sunt nomini sancto ejus.
2 Benedic, anima mea, Domino, et noli oblivisci omnes retributiones ejus ;
3 qui propitiatur omnibus iniquitatibus tuis, qui sanat omnes infirmitates tuas ;
4 qui redimit de interitu vitam tuam, qui coronat te in misericordia et miserationibus

Der originale Psalmtext spricht den Beter direkt an: Um Dich geht es. Deine Schuld wird vergeben, nicht „die“ Schuld. „Dein“ Leben wird gerettet, nicht „unser“.
Das sind schwerwiegende Verschiebungen und selbstverständlich gibt es alternative Kehrverse zu Psalm 31, GL 629,1 und GL 307,5, z.B. (vgl. hier)

Ob die Aufnahme dieses eher schwachen Kehrverses ins (neue) Gotteslob etwas mit dem Komponisten zu tun hat (der ja vielleicht auch für den Text verantwortlich ist)?

Das könnte man sich schon vorstellen, wenn man die Vita von Prälat J. Seuffert zur Rate zieht, ein wahres „Heldenleben ‚des‘ Konzils“ 😉 tritt da zutage und die lange Tätigkeit im DLI und in einschlägigen Gremien hat vermutlich auch geholfen vgl. hier).
Wenn man jedoch diese Lebensgeschichte historisch (und nicht „hagiographisch“…) betrachtet, ist sie sehr interessant!  Sie führt uns erneut in die so zentrale Zeit der ‚Liturgischen Bewegung‘, in die Betrachtung ihrer geistesgeschichtlichen und philosophischen Wurzeln, ihres Nachlebens nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Verhältnis zum Zweiten Vatikanum und, vielleicht noch wichtiger, dem, was aus ihm gemacht wurde.

Aber das ist ein komplexes Unterfangen. Lesen Sie doch bis dahin schon einmal, ob die Nazis das neue katholische Kirchenlied taktisch genutzt haben, trotz seiner Widerständigkeit?
Und wie war es mit dieser wirklich bestellt? (vgl. hier und hier)

Sehr spannende Lektüre!

Nur Licht. Nur Gold.

Nur Licht. Nur Gold.

Herz-Jesu Weimar beginnt die Feier des Festes vom Heiligsten Herzen Jesu mit einer Eucharistischen Anbetung am Vorabend

 

Es waren nicht sehr viele Menschen da. Nur Gold. Nur Licht. Was schade ist. Acht hohe Kerzen säumen Es war nämlich sehr schön. in leuchtender Monstranz den Leib des Herrn. Im Verlauf der drei Stunden, Bedächtig winken der Gebete Neumen in denen unsere Priester am letzten Donnerstag, dem Vorabend des Patronatsfestes von Herz-Jesu Weimar, Die Seele heim zu ihrem eig’nen Stern. zur Eucharistischen Anbetung eingeladen hatten, Und in des Innern Tiefen, weiten Räumen, versammelten sich insgesamt kaum 20 Leute. Erhellt Gewißheit: Das sah man an den kleinen Teelichten, von denen jede und jeder eines anzündete und auf die Altarstufen stellte. Gott ist dir nicht fern. Die Priester beteten vor, Und ob sich auch der Hölle Geister bäumen, wir beteten mit, wir sangen und hatten zwischendurch genug Zeit der Stille für uns. Ich will mir merken, was ich heute lern: Es war so schön, Die Liebe Jesu heilt von inn’rer Not. daß ich das Gefühl hatte, irgend etwas in mir beginne zu dichten. Mit seiner Seele grenzt der Mensch an Gott. Das Gefühl hat man ja manchmal.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

„Man merkt schon den Unterschied zu einem weltlichen Chor“

Die Mädchenkantorei am Limburger Dom nutze ihren Weimaraufenthalt
zur Gestaltung einer Messe in Herz-Jesu Weimar

Das säkulare Pendant zum Chortreffen der pueri cantores (vgl. hier) fand am vergangenen Wochenende in Weimar statt. Auf Einladung der hiesigen schola cantorum waren Kinder- und Jugendchöre aus Erfurt, Nürnberg, Limburg, Bergamo (I) und Kecskemét (H) in unserer Stadt zu Gast. Und in unserer Kirche: Zur Sonntagsmesse gestaltete der Kammerchor der Mädchenkantorei am Limburger Dom unter Leitung der Domchordirektorin Judith Kunz die Liturgie mit.

Neben dem solistischen Vortrag des Antwortgesangs sangen die in einheitliche Gewänder gekleideten Jugendlichen u.a. einen Chorsatz über die Melodie des „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ (GL 355) strophenweise mit der Gemeinde im Wechsel und übernahmen Kantorenfunktion im Agnus dei. Intonatorisch und klanglich auffallend schön gelangen dem für die Weimarer Messe 20köpfigen Ensemble die unisono-Partien sowie die Altlage. Ein begeisterter Zuhörer prognostizierte denn auch im Anschluß genau in diesem Sinne, daß mit einem solchen Chor auch positive Schlagzeilen des Bistums Limburg ja nun nicht mehr lange ausbleiben könnten.

Wirklich auf den Leib geschrieben aber war den Mädchen der 47. Psalm aus den „psalms for dancing“ von Douglas Coombes (hier), der  – wenig überraschend bei dem Text „O clap your hands“/ „Ihr Völker, klatscht all in die Hände!“ – mit rhythmischem Klatschen beginnt und endet. Das YouTube Video, den wir hierzu zeigen können, gibt eine Aufnahme des Mädchenchors am Essener Dom wieder.

Apropos Mädchenchor am Essener Dom: Diesen Chor konnte man dieser Tage hier auch hören, war er doch über Himmelfahrt zu einer Chorbegegnung beim Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom zu Besuch und sang am 5. Mai um 11.00 Uhr gemeinsam mit den Gastgebern dort in der Messe und nachmittags noch ein Konzert in der Erfurter Lorenzkirche. Tja, liebe auswärtige Leser – das ist Thüringen wie es leibt und lebt: alle 20 Kilometer ein kultureller Hotspot! 🙂

Wie ebenfalls nicht unkommentiert blieb, stellt die schola cantorum für die Kinder- und Jugendchöre in den Schulen und Gemeinden Weimars allerdings nicht nur eine Chance dar. In der Zeit, in der beispielsweise in Herz-Jesu Weimar die Musik mit Kindern und Jugendlichen nur sehr halbherzig gefördert wurde, entschieden sich viele musikalische junge Gemeindemitglieder für die schola cantorum – und sind nun dort und fehlen in den Gemeindechören. Da letztere trotz ihrer schmalen Besetzung aber regelmäßig hohes Lob einheimsen und somit großes Potential besitzen – bescheinigte Bischof Ulrich beispielsweise unserem Jugendchor zur Gestaltung des Firmgottesdienstes am 16. April 2016 doch, Weimar könne offenbar musikalisch ja doch mühelos mithalten (andere ließen sich gar berechtigterweise zu Superlativen hinreißen) – hilft nur: Die Chöre der Pfarrei weiter fördern, auf Kontinuität setzen, die Repertoire ausschöpfen und viel viel Werbung machen für die Mitgliedschaft in einem Chor, der konsequent auf die Vermittlung geistlicher Inhalte und die Übernahme liturgischer Dienste setzt. Denn – wie heißt es auf der homepage der Limburger Dommusik so schön: „In der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik erleben sie [die Kinder und Jugendlichen] einen wichtigen Zugang zu ihrem eigenen christlichen Glauben und die Möglichkeit, diesen in unserer Gesellschaft wachzuhalten und zu verkünden.“ (hierJau!
Und – wie die Chorleiterin natürlich nicht im Hinblick auf die Qualität, aber im Hinblick auf Repertoire und Habitus der Chöre beim Chorfestival der schola cantorum ganz unprovoziert sagte: „Man merkt schon den Unterschied zu einem weltlichen Chor“. Als Vizepräsidentin der pueri cantores Deutschland weiß sie, wovon sie spricht.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar