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Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 8

Du fragst, wie dem Geiste nach der Sohn geboren worden sei: ich frage dich über körperliche Dinge. Ich frage nicht, wie er aus der Jungfrau geboren worden sei; ob ihr Leib einen Verlust erlitten habe, als sie seinen vollkommenen Leib gebar. Sicherlich empfing sie nicht, was sie gebar, sondern ihr Leib schenkte seinen Leib dem Leben, ohne die Beschämung unserer grundlegenden Naturgebundenheit; und als vollkommen gebar sie ihn, ohne selbst Verlust zu erleiden. Und es wäre gewiß angebracht, dasjenige nicht bei Gott für unmöglich zu halten, von dem wir erkennen, daß es durch seine Kraft in einem Menschen möglich gewesen sei.

(De Trinitate 3, 19)

Das Dogma:
„Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“
(Pius IX., Apostolisches Schreiben „Ineffabilis Deus“, verkündet am 8. Dezember 1854)

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 7

Und zwar muß man annehmen, daß dieses in Bezug auf jede Art der prophetischen Schriften gesagt sei; so daß, wenn man dieselben nicht auf die Ankunft des Herrn, welcher als Mensch aus der Jungfrau geboren werden sollte, bezieht und von dieser versteht, man ihr Verständnis und ihren Sinn versiegelt und verschlossen findet.
Daß jedoch das Buch der Psalmen nicht anders, als durch den Glauben an Seine Ankunft verstanden werden könne, dieses lehrt uns die Offenbarung des heiligen Johannes mit folgenden Worten: „Und dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia schreibe: Dieses spricht der Heilige und Wahrhaftige, welcher den Schlüssel Davids hat; wenn er öffnet, schließt Niemand, wenn er schließt, öffnet Niemand.“ Er hat also den Schlüssel Davids; weil er durch diese sieben Weissagungen, welche gleichsam sieben Siegel sind […] über ihn in den Psalmen weissagt, auflöst, indem er öffnet, was Niemand verschließen, und verschließt, was Niemand öffnen wird; denn gerade durch diese Weissagung, welche an ihm in Erfüllung gegangen ist, wird er öffnen, was Niemand verschließen wird; und im Gegenteil wird er, wenn man der an ihm erfüllten Weissagung den Glauben versagt, verschließen, was Niemand öffnen kann. Denn Niemand, als derjenige, auf welchen dieses geweissagt und an welchem es erfüllt worden ist, wird den Schlüssel dieser Erkenntnis erteilen.
Aber eben dasselbe bezeugte auch der Herr nach der Auferstehung, indem er sprach: „Daß Alles erfüllt werden müsse, was im Gesetze Moses, und in den Propheten und Psalmen von mir geschrieben steht.“ Hierdurch also ist das Buch der ganzen Weissagung versiegelt und verschlossen: denn wenn man das glaubt, was durch ihn erfüllt worden ist, so wird alles das, was versiegelt und verschlossen ist, geöffnet und gelöst werden.

(Tractatus in psalmos Vorrede, 6)

Das griechische Geschenkfest, Ein Sketchlet zum Nikolaustag

Das griechische Geschenkfest

Ein Sketch zum Nikolaustag für die allseits bekannte Schafherde,
ein zusätzliches Schaf und ein zusätzliches Lämmchen

Wundersdorf, Oderbruch. Die allseits bekannte Schafweide. Zum Fest des Heiligen Nikolaus, in dessen Kapelle die Schafe unlängst früh um 6 Uhr eine wunderschön feierliche Roratemesse miterlebt haben, haben Fixi und Huf ihre neue Freundin eingeladen: Xenia, das griechische Lämmchen, das sie beim gemeinsamen Frühstück im Anschluß an die Roratemesse kennengelernt haben, samt Tante Euterpe. Die nüchterne Auskunft der äußerst gefaßten Xenia, sie bekomme zu Nikolaus keine Geschenke, hatte Fixi und Huf bis ins Mark erschüttert. Hatten sie doch bisher immer nur davon gehört, es gebe Lämmchen auf der Welt, deren Eltern so arm seien, daß sie keine Geschenke bekommen könnten. Und nun hatten sie ein solches Lämmchen leibhaftig vor sich! Der Gänseblümchensalat war ihnen im Hals stecken geblieben und in ihrer uns ja schon zur Genüge bekannten Tatkraft hatten sie nach einer kurzen Nachricht an Wolle und Tante Flocke kurz entschlossen die halbe Herde zu einer Spende zusammengetrommelt.

Und da stehen sie nun am Gatter und warten auf ihre beiden Gäste.

Fixi (die Nase am Zaun, triumphierend): Ich sehe sie! Sie kommen!

Huf: Das sind sie!

Xenia und Euterpe (kommen den Feldweg entlang): Hallo – guten Tag allerseits! – Kaliméra!

Kohle: Kaliméra, Euterpe, kaliméra, Xenia, kommt rein! Herzlich willkommen auf unserer Weide. (Er stupst das Gattertor mit der Schnauze auf.)

Die Schafe begrüßen die Gäste und führen sie in den seit dem ersten Advent ja schon festlich geschmückten Unterstand, wo sie eine Kleinigkeit zur Begrüßung vorbereitet haben. Nachdem die Gäste sich ein wenig gestärkt haben:

Fixi (ein wenig verlegen): Du-u, Xenia …

Xenia: Ja, Fixi?

Fixi: Wir haben etwas für dich.

Xenia: Das ist aber nett! Was ist es denn?

Huf (holt ein kleines Geschenk aus seinem Rucksack im Unterstand): Hier, bitte.

Fixi: Weil doch heute Nikolaus ist.

Xenia (lacht): Ach ja! Da bekommt man bei euch ja Geschenke! Stimmt! Hattet ihr erzählt! (Sie packt das Päckchen mit der Schnauze aus und jubelt): Oh! Das ist aber schön! Vielen Dank!

Euterpe (kommt heran): Zeig mal.

Xenia: Schau! Ein kleines Halsband mit einem winzigen Glöckchen dran. Das ist ja süß! (Sie bimmelt.) Vielen Dank! (Sie bimmelt noch einmal, dann umarmt sie Fixi und Huf und bedankt sich noch mehrmals.)

Euterpe: Das ist aber lieb von euch! Dann müßt ihr uns aber auch unbedingt zu Basilios besuchen kommen!

Xenia: Genau! Dann lernt ihr unsere Bräuche kennen!

Fixi und Huf (wie aus einem Munde): Basilios?

Euterpe: Ja! Basilios der Große – Vasileios von Caesarea – einer der drei großen Kirchenväter der orthodoxen Kirche – wir feiern ihn am 1. Januar. Das ist unser großes Geschenkfest, fast noch wichtiger als Weihnachten. Geschenke zu Nikolaus kennen wir ja gar nicht.

Fixi (betreten): Ah!

Flocke (tritt hinzu): Ihr habt zu Nikolaus in Griechenland gar kein Geschenkfest?

Wolle (will auch dabei sein): Aber Nikolaus kommt doch aus Griechenland.

Euterpe: Tja – weiß auch nicht. Trotzdem. Wir feiern Vasileios zu Neujahr. Alle backen einen Kuchen, in den sie eine Gold- oder Silbermünze einbacken. Wer sie findet, hat das Jahr über Glück.

Xenia: Das hängt halt auch mit Basilios zusammen.

Euterpe: Der Kaiser wollte die Steuern erhöhen, aber die Menschen hatten kein Geld mehr.

Huf: Wann?

Euterpe: Im 4. Jahrhundert, als Vasileios gelebt hat.

Flocke: Ah – ich dachte schon  …

Xenia: Und Basilios sammelte von allen Leuten Schmuckstücke ein und brachte sie zum Kaiser. Als Ersatz.

Euterpe: Da war der Kaiser gerührt und erließ die Steuern und schickte Vasileios mit dem Schmuck wieder nach Hause.

Xenia: Jetzt wußte er aber nicht mehr, von wem welches Schmuckstück war …

Euterpe: … und buk Brote und Kuchen und tat in jedes ein Schmuckstück hinein. Dann betete er, daß jeder sich das Gebäck nehmen würde, in dem sein Schmuck ist – und das klappte.

Flocke: Ein Wunder!

Xenia: Ja! Ein Wunder.

Euterpe: Und um daran zu erinnern, backen wir das Neujahrsbrot.

Xenia: Und bekommen Geschenke (sie strahlt.)

Huf (mit belegter Stimme): Äh … Xenia … wir müssen dir was erzählen …

Fixi (rempelt Huf an): Nein! Oder besser: Doch … äh … weißt du … es gibt doch auch Lämmchen, die bekommen niemals Geschenke, weder heute noch zu Neujahr.

Euterpe: Ja! Das gibt es. Das ist traurig!

Xenia: Wir könnten doch gemeinsam ein Weihnachten-im-Schuhkarton-Paket packen.

Fixi (wie ausgewechselt): Au ja! Das machen wir! Tante Flocke!

Flocke: Ich höre schon, es gibt wieder eine Rechercheaufgabe …

Huf: Genau! Wir werden herausfinden, wohin man Weihnachten-im-Schuhkarton-Pakete dieses Jahr hinschicken kann. (Mit hinreißendem Augenaufschlag) Hilfst du uns?

Flocke (mütterlich): Aber natürlich tue ich das!

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Tja – so hat sich ja alles in Wohlgefallen aufgelöst auf der Wundersdorfer Schafweide. Xenia hat sich trotzdem über ihr kleines Halsband total gefreut und es auch gleich umgebunden. Dann haben die Lämmchen noch jede Menge gefeiert und irgendwann einen Sirtaki tanzen gelernt. Und sich beim Abschied vorgenommen, sich bald wieder zu treffen, um das Weihnachtspaket für ein fremdes Lämmchen zu packen.

Die Geschichte vom Neujahrsbrot steht übrigens bei Manfred Becker-Huberti, Lexikon der Bräuche und Feste, Freiburg: Herder 42007, S. 33. Die Herleitung, also die alte Legende verdanke ich aber meiner lieben griechischen Freundin E.T. 🙂

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 6

An jenem Tag aber ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See. Und es versammelte sich eine große Volksmenge zu ihm, so daß er in das Schiff stieg und sich setzte; und alles Volk stand am Ufer. Und er redete zu ihnen vieles in Gleichnissen […] Da traten die Jünger herzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen mit ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu verstehen; jenen aber ist es nicht gegeben. […] Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen; und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt, welche lautet: ‚Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen‘!

(Mt 13, 1-3, 10f., 13f.)

Daß sich der Herr in ein Schiff setzte und das Volk draußen stand, davon ergibt sich der Grund aus den beigefügten Umständen. Er wollte nämlich in Gleichnissen reden; und durch die Beschaffenheit jenes Verfahrens gibt er zu verstehen, daß diejenigen, welche außerhalb der Kirche gestellt sind, keine Kenntnis des göttlichen Wortes erhalten können. Denn das Schiff bietet das Vorbild der Kirche dar; und diejenigen, welche draußen sind, und wie Sand unfruchtbar und unnütz daliegen, können das Wort, welches in derselben wohnt und verkündigt wird, nicht fassen.

In diesem Abschnitt aus dem Matthäuskommentar (13, 1) wird die gemeinsame Überzeugung der Väter-Theologie deutlich, daß zum angemessenen Verständnis der Hl. Schrift das „Eintreten in die zeitübergreifende Erkenntnisgemeinschaft der Kirche unerläßlich“ ist, „weil nur in ihr der Geist fortlebt, der die Schrift hervorgebracht hat.“ (Fiedrowicz, a.a.O., S. 176 f.)

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 5

Doch hinsichtlich dieser Gedanken haben sich einige Geister von gottloser Verwegenheit erhoben, die an sich selber verzweifelten und gegen alle wüteten: sie schlossen das machtvolle Wesen Gottes in Schranken ein nach Maßgabe der Schwachheit ihres eigenen Wesens. Sie wollten sich nicht bis zum unendlichen Glauben über unendliche Dinge erheben, sondern das Unfaßbare in die Grenzen ihrer eigenen Erfahrungsreichweite einschließen; sie wollten selbst über den Glauben entscheiden, während doch die Betätigung des Glaubens Leistung des Gehorsams ist. Sie vergaßen überheblich ihn selbst, sie verschmähten das Göttliche, sie verkehrten die Gebote.

(De Trinitate 1, 15: ‚Die geistige Verfassung der Irrlehrer‘)

Die Bezüge zur aktuellen Debatte über Reichweite und Grenzen der historisch-kritischen Exegese liegen klar zutage: „Analog zur gnostischen Exegese, die die biblischen Texte so zu deuten suchte, daß sie den philosophischen Prämissen des eigenen Weltverständnisses nicht widersprachen, waren auch die Ergebnisse der neuzeitlichen Bibelauslegung vielfach nur Spiegelbild der Plausibilitäten heutiger Durchschnittserfahrung, bzw. Reflex dessen, was eine bestimmte Epoche als Postulat aufgeklärter Wissenschaftlichkeit betrachtete.“
(Fiedrowicz a.a.O., S. 123, vgl. J. Ratzinger/Benedikt XVI., Jesus v. Nazareth, Bd. 1, S. 11 – 20, bes. 16f.)

Die Roratemesse, ein Sketchlet zum zweiten Advent

Die Roratemesse

Ein Sketchlet zum Zweiten Advent für mindestens fünf Schafe, drei Lämmchen,
einen Hütehund und eine Choralschola

 

Wundersdorf, Oderbruch. Es ist pechschwarze, mondlose Nacht. Die Sterne funkeln über den rauhreifüberzogenen Feldern, sonst herrscht tiefe Dunkelheit über den hügellosen Weiten des Urstromtals.

Noch finsterer ist es unter dem dichten Geäst der märkischen Kiefern. Doch was ist das? Da irrlichtern doch irgendwelche Leuchtpunkte umher. Rascheln und trapsen hört man es auch. Moment – das ist doch – das gibt’s doch gar nicht! Aber klar. Das sind die Schafe. Kohle geht, eine Art Grubenlampe um die Hörner geschnallt, vorweg, und auch Flocke und Grauchen haben sich diverse Stirnlampen umgebunden. Im Wortsinne das Schlußlicht bildet Tatze, der Hütehund, der hinter der Herde hergeht und aufpaßt, daß alle zusammen bleiben und keines der Tiere sich im Dunkeln verläuft.

Vorsichtig traben sie den Waldweg entlang – und jetzt beginnt jemand zu singen. Das müssen Fixi und Huf sein. Klar, jetzt hört man es ganz deutlich.

 

Fixi (singt): Zwei kleine Wölfe gehen des Nachts im Dunkeln,/ man hört den einen zu dem andern munkeln …

Blütenweiß (besorgt für sich): Diese Verniedlichung von Wölfen gefällt mir ja eigentlich gar nicht…, sie sind wirklich gefährlich!

Huf überhört Blütenweiß‘ Einwurf und fällt in das Lied, das eigentlich ein Kanon ist, ein. Bald singen auch Wolle und Flocke mit. Dum – badum – badum – badumbadum – badum … Nach einer Weile verstummt der Kanon, aber die Schafe haben es immerhin schon wieder aufs freie Feld und bis zum Stobber geschafft. Gleich muß die Nikolauskapelle kommen, in der der neue Pfarrer heute früh eine adventliche Roratemesse abhalten will.

Fixi (mault): Tante Flocke, wann sind wir da-a?

Huf (jammert): Es ist so lausig kalt!

Fixi: Bei dem Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür!

Tatze: Wem sagst du das?!

Flocke: Es dauert nicht mehr lange, Lämmchen – und ihr werdet sehen, es hat sich hundertprozentig gelohnt, das verspreche ich euch!

Kohle (mit Erziehungsgewalt): Einmal in seinem Leben muß man eine Roratemesse mitgemacht haben – und ihr seid jetzt alt genug!

Fixi (diskutiert): Aber muß es früh um 6 Uhr sein? (Sie hustet möglichst wirkungsvoll.)

Huf: Um 7 ist es im Advent doch immer noch dunkel.

Fixi: Und ohne Frühstück!

Flocke: Frühstück gibt’s nach der Messe mit allen gemeinsam.

Huf (mault weiter): Wenn wir wenigstens den Pritschenwagen noch hätten …

Fixi: Genau! Der hätte uns abholen können.

Kohle: Das ist wieder eine andere Geschichte – aber wenn ich unseren Ruhestandshirten neulich richtig verstanden habe …

Fixi (elektrisiert): Bekommen wir wieder einen?

Huf (neugierig): Klappt das mit der alten Karre von Jabba?

Fixi: Dann könnten wir ja endlich unsere Wallfahrt nach Neuzelle machen?!

Kohle: Also – mal langsam! Noch ist das Gefährt nicht auf der Weide!

Grauchen: Aber das mit Neuzelle muß jetzt sowieso über kurz oder lang einmal klappen! Und wenn wir mit dem Zug fahren …

Blütenweiß (ungewöhnlich selbstbewußt): Ja, das finde ich auch! Jetzt, wo das Stift Heiligenkreuz das Kloster wieder zum Leben erweckt!

Wolle: Das ist großartig!

Über das Sprechen ist die Zeit schnell vergangen. So ist es den Schafen gar nicht aufgefallen, daß sie die Kapelle schon erreicht haben.

Flocke: Da ist ja schon die Kapelle!

Die Herde trabt auf die Eingangsstufen zu, aus der bereits wunderschöner gregorianischer Gesang zu hören ist.

Fixi: Sind die Mönche aus Heiligenkreuz schon da?

Wolle: Keine Ahnung! Klingt beinahe so.

Flocke: Ich glaube, die Choralschola von Wundersdorf kann sowas auch.

Grauchen: Wir gucken mal!

Sie betreten die Kapelle, die nur von einigen Kerzen im Altarraum erleuchtet ist. Der Kirchenraum, die Dunkelheit, das weiche Licht der Kerzen, der a-capella-Gesang … all das ist einfach umwerfend.

Fixi (bleibt andächtig stehen): Ooooh! Das ist ja wunderschön!!!

Huf: Dabei proben sie erst noch.

Die Herde sammelt sich im Altarraum. Der Gesang war wirklich nur das Einsingen. Bald geht die Messe los, die Schafe hören eine Geschichte aus dem Evangelium, sie singen und beten zusammen und hören die Gesänge der Tagesliturgie. Nach der Messe besuchen sie noch die Marienfigur und beten ein Salve Regina davor. Dann bummelt die Herde nach draußen, wo auf dem Grundstück um die Kapelle herum eine kleine Weide abgesteckt ist. Ein kleiner Unterstand ist für das Frühstück zurechtgemacht. Fixi und Huf grasen an der Seite eines Lämmchens, das sie noch nie gesehen haben.

Fixi: Guten Morgen! Ich heiße Fixi.

Das fremde Lämmchen: Guten Morgen! Ich bin Xenia.

Huf: Hallo, Xenia. Ich bin Huf. Woher kommst du?

Xenia: Ich komme aus Griechenland.

Fixi: Bist du alleine hier?

Xenia: Nein, meine Tante ist dabei. Sie ist dort drüben. (Sie zeigt mit der Schnauze Richtung Sonnenaufgang.)

Huf (um etwas zu sagen): Und? Freust du dich auch schon auf übermorgen?

Xenia: Übermorgen? Nein, wieso?

Fixi: Na, da ist doch Nikolaustag.

Xenia: Ah!

Huf: Und da bekommt man doch Geschenke …

Xenia: Geschenke? Ich bekomme keine Geschenke zu Nikolaus.

 

Fortsetzung folgt (übermorgen)

Cornelie Becker-Lamers

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Das Gute an Wundersdorf ist nämlich, daß es so bedeutend ist, daß sich dort Geschöpfe aus aller Herren Länder tummeln, aber zugleich so klein, daß sich viele davon in der katholischen Gemeinde wiederfinden, auch wenn sie eigentlich einer z.B. orthodoxen Glaubensrichtung angehören. So lernen auch Fixi und Huf immer wieder fremde Bräuche kennen. So auch jetzt die Besonderheit des griechischen Geschenkfestes, das nicht auf dem Nikolaustag liegt. Aber wann Xenia es feiert und welche Aufregung unter den Schafen ihre Antwort zunächst einmal auslöst, davon lesen Sie übermorgen.

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 4

Beatus vir qui non abiit in consilio impiorum,
et in via peccatorum non stetit,
et in cathedra pestilentiæ non sedit
(Ps 1,1 Vg)
(Selig der Mann, der nicht im Rat der Gottlosen wandelt, nicht auf dem Wege der Sünder steht, und nicht auf dem Stuhle der Seuche sitzt)

Es gibt noch andere Ratschläge der Gottlosen, nämlich die derjenigen, welche, in die Ketzerei verfallen, sich weder an die Gesetze des neuen, noch an die des alten Bundes halten.
Die Reden solcher Menschen drehen sich immer im Kreise des Irrtums herum, halten sich an nichts fest, bleiben nirgends stehen, und werden durch das Hin- und Herschwanken der unbestimmten Ansicht hin und her getrieben.
Ihre Gottlosigkeit besteht darin, daß sie Gott nicht nach dem Ausspruch Gottes selbst (ex Dei ipsius professione), sondern nach der Neigung ihrer Willkür bemessen, indem sie nicht wissen, daß es nicht minder gottlos ist, einen Gott sich zu erdichten, als ihn zu leugnen. […]
Selig also ist der Mann, welcher in diesem Rate der Gottlosen nicht wandelt, das heißt, welcher selbst jenem Willen, in diesem Rate zu wandeln, nicht Raum gegeben hat; weil auch der Gedanke dessen, was gottlos ist, schon Sünde ist.

(Tractatus in psalmos 1, 3)

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 3

Deus de cælo prospexit super filios hominum, ut videat si est intelligens, aut requirens Deum.
(Ps. 52, 3 Vg)
(Gott blickt vom Himmel herab auf die Menschen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.)

Aber nichts Geringes ist dasjenige, wegen dessen sich Gott würdiget, herabzuschauen, um zu sehen; und etwas Großes ist das, wonach so sorgfältig geforscht wird, ob es bei Jemand gefunden werden könne. Denn Gott schaut vom Himmel, daß er sehe, ob Jemand unter den Menschen auf eine verständige Weise nach ihm frage.
Denn wie viel Menschen wirst du finden, welche gemäß der vollkommenen Erkenntnis nach Gott fragen; welche zuerst die Ursachen der Geschöpfe, und dann die Gründung des Menschengeschlechtes erwägen, und mit Vernunft und Einsicht nach dem Urheber und Vater des so großen Weltalls fragen? Dann warum die Welt, warum die Menschen, warum die Zeiten der Welt da seien; warum der Patriarch erwählt, warum das Gesetz gegeben, warum der Prophet vorausgesandt worden, und zu welchem Zwecke der Ursprung aller Ursachen Statt gefunden habe? […]
Um also diesen Mann, welcher ihn mit Verstand sucht, zu sehen, schaut Gott herab.

Denn nicht gering ist das Verdienst der Erkenntnis, nach Salomons Worten: „Erkenntnis ist für Alle gut, welche sie finden“ (Spr. 3,13).

Hier findet der Hl. Hilarius für die Entscheidung zum verstandesmäßigen Bezug zum Glauben (vgl. Tag 2) in seinem Psalmkommentar (Tractatus in palmos 52, 6f.) die göttlich inspirierte Legitimierung.

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 2

Zunächst mußten diejenigen Menschen, die ein rechtgläubiges Wissen um die göttlichen Dinge vorzogen, die gewundenen Fragereien einer verschlagenen Weltweisheit wegwerfen und mehr dem Glauben folgen, der in Gott gegründet ist, und zwar überall da, wo die Wahrheit der evangelischen und apostolischen Verkündigung im Vorrang war.
Leicht nämlich kann die Verschlagenheit einer verfänglichen Frage einen schwachen Geist des Schutzes seines Glaubens berauben, wenn eine verfängliche vorgelegte Frage eine einfältige Antwort bis fast zum letzten des Sinnes hin durch die Befragung ausplündert […]

Zurückhalten muß man sich also gegen die Weltweisheit; und die Bemühungen menschlicher Überlieferungen gilt es nicht so sehr zu meiden als zu widerlegen.

[…] Wir nämlich verkünden Christus als die Kraft Gottes und die Weisheit Gottes; darum ist es nur billig, […] den allzu Schlichten mit Wehr und Lehre beizuspringen, damit sie von ihnen nicht beraubt werden. Denn da die Weisheit alles vermag und Gott eben in ihr alles […] vermag und weder der Kraft die Vernunft, noch der Vernunft die Kraft fehlt, so müssen diejenigen, die Christus der Welt verkünden, den falschgläubigen und unvollkommenen Lehren der Welt mit dem Wissen allmächtiger Weisheit begegnen […]

Der Apostel [sc. Paulus] hat keinen hilf- und vernunftlosen Glauben hinterlassen. Wenn er auch vor allem zum Heile dient, so kann er doch nur durch Lehre dargelegt werden. Zwar besitzt er unter den Widrigkeiten einen sicheren Hort der Zuflucht, nicht aber behält er eine fortdauernde Behütung davor, sich nicht wehren zu müssen.

In diesen Zeilen des Hl. Hilarius aus De Trinitate 12, 19f. spiegelt sich die Debatte der frühen Christenheit über die Notwendigkeit oder umgekehrt gar die Schädlichkeit (wissenschaftlicher) Theologie, erschien diese doch zunächst eher „weltlich“, bzw. gar heidnisch besetzt. An der Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert lassen sich Auseinandersetzungen über die Frage, ob das Ideal der ‘simplicitas fidei’ hinreiche, oder nicht an etlichen Orten nachweisen. Der Hl. Hilarius hat sich, wenn auch nicht undifferenziert, im Anschluß besonders an Origenes, klar für den verstandesmäßig vertieften Glauben entschieden.
Die Gefahr des Fideismus in der ein oder anderen Erscheinungsform taucht jedoch immer wieder auf.

Der Adventskalender mit dem Hl. Hilarius v. Poitiers, Tag 1

Man darf aber nicht bezweifeln, daß das, was in den Psalmen gesagt ist, auf eine der Lehre des Evangeliums gemäße Weise verstanden werden müsse, so daß, aus was immer für einer Person der prophetische Geist geredet haben mag, dennoch dieses ganz auf die Erkenntnis der Ankunft unseres Herrn Jesu Christi, seiner Menschwerdung, seines Leidens, und seines Reiches, und auf die Herrlichkeit und Kraft unserer Auferstehung sich bezieht.

Es sind aber alle Weissagungen für den Verstand und die Klugheit der Welt verschlossen und versiegelt nach jenem Ausspruch des Isaias: ‚Und es werden für euch alle diese Worte sein, wie die Aussprüche dieses versiegelten Buches. Denn mag man auch zu einem Manne, welcher die Schrift kennt, sagen: Lies dieses ! so wird er antworten: Ich kann es nicht lesen, denn es ist versiegelt.‘ [Jes 29,11]

(Tractatus in psalmos 5, Hervorhebung von mir)