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„Man merkt schon den Unterschied zu einem weltlichen Chor“

Die Mädchenkantorei am Limburger Dom nutze ihren Weimaraufenthalt
zur Gestaltung einer Messe in Herz-Jesu Weimar

Das säkulare Pendant zum Chortreffen der pueri cantores (vgl. hier) fand am vergangenen Wochenende in Weimar statt. Auf Einladung der hiesigen schola cantorum waren Kinder- und Jugendchöre aus Erfurt, Nürnberg, Limburg, Bergamo (I) und Kecskemét (H) in unserer Stadt zu Gast. Und in unserer Kirche: Zur Sonntagsmesse gestaltete der Kammerchor der Mädchenkantorei am Limburger Dom unter Leitung der Domchordirektorin Judith Kunz die Liturgie mit.

Neben dem solistischen Vortrag des Antwortgesangs sangen die in einheitliche Gewänder gekleideten Jugendlichen u.a. einen Chorsatz über die Melodie des „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ (GL 355) strophenweise mit der Gemeinde im Wechsel und übernahmen Kantorenfunktion im Agnus dei. Intonatorisch und klanglich auffallend schön gelangen dem für die Weimarer Messe 20köpfigen Ensemble die unisono-Partien sowie die Altlage. Ein begeisterter Zuhörer prognostizierte denn auch im Anschluß genau in diesem Sinne, daß mit einem solchen Chor auch positive Schlagzeilen des Bistums Limburg ja nun nicht mehr lange ausbleiben könnten.

Wirklich auf den Leib geschrieben aber war den Mädchen der 47. Psalm aus den „psalms for dancing“ von Douglas Coombes (hier), der  – wenig überraschend bei dem Text „O clap your hands“/ „Ihr Völker, klatscht all in die Hände!“ – mit rhythmischem Klatschen beginnt und endet. Das YouTube Video, den wir hierzu zeigen können, gibt eine Aufnahme des Mädchenchors am Essener Dom wieder.

Apropos Mädchenchor am Essener Dom: Diesen Chor konnte man dieser Tage hier auch hören, war er doch über Himmelfahrt zu einer Chorbegegnung beim Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom zu Besuch und sang am 5. Mai um 11.00 Uhr gemeinsam mit den Gastgebern dort in der Messe und nachmittags noch ein Konzert in der Erfurter Lorenzkirche. Tja, liebe auswärtige Leser – das ist Thüringen wie es leibt und lebt: alle 20 Kilometer ein kultureller Hotspot! :-)

Wie ebenfalls nicht unkommentiert blieb, stellt die schola cantorum für die Kinder- und Jugendchöre in den Schulen und Gemeinden Weimars allerdings nicht nur eine Chance dar. In der Zeit, in der beispielsweise in Herz-Jesu Weimar die Musik mit Kindern und Jugendlichen nur sehr halbherzig gefördert wurde, entschieden sich viele musikalische junge Gemeindemitglieder für die schola cantorum – und sind nun dort und fehlen in den Gemeindechören. Da letztere trotz ihrer schmalen Besetzung aber regelmäßig hohes Lob einheimsen und somit großes Potential besitzen – bescheinigte Bischof Ulrich beispielsweise unserem Jugendchor zur Gestaltung des Firmgottesdienstes am 16. April 2016 doch, Weimar könne offenbar musikalisch ja doch mühelos mithalten (andere ließen sich gar berechtigterweise zu Superlativen hinreißen) – hilft nur: Die Chöre der Pfarrei weiter fördern, auf Kontinuität setzen, die Repertoire ausschöpfen und viel viel Werbung machen für die Mitgliedschaft in einem Chor, der konsequent auf die Vermittlung geistlicher Inhalte und die Übernahme liturgischer Dienste setzt. Denn – wie heißt es auf der homepage der Limburger Dommusik so schön: „In der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik erleben sie [die Kinder und Jugendlichen] einen wichtigen Zugang zu ihrem eigenen christlichen Glauben und die Möglichkeit, diesen in unserer Gesellschaft wachzuhalten und zu verkünden.“ (hierJau!
Und – wie die Chorleiterin natürlich nicht im Hinblick auf die Qualität, aber im Hinblick auf Repertoire und Habitus der Chöre beim Chorfestival der schola cantorum ganz unprovoziert sagte: „Man merkt schon den Unterschied zu einem weltlichen Chor“. Als Vizepräsidentin der pueri cantores Deutschland weiß sie, wovon sie spricht.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Man hört den Text förmlich aufseufzen

Unter dem Titel „Reporter zeigen Mißstände auf. Heute ist Welttag der Pressefreiheit“ erklärt die heutige Ausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) auf ihrer Kinderseite – „KLAR!“ – ihren kleinen Leserinnen und Lesern den Wert des hohen Gutes Pressefreiheit (hier).

„In Deutschland“, heißt es da, „sollen sie [die Journalisten] auch dazu beitragen, daß die Menschen sich eine Meinung bilden können über bestimmte Themen.“ Der Artikel wählt dann als Beispiel die Regierungsarbeit von Politikern und fährt fort: „Wenn Journalisten finden, daß etwas schiefläuft, können sie darauf aufmerksam machen. Dieses Recht garantiert in Deutschland die Pressefreiheit. Diese steht im Gesetz.“ Hierzulande jedenfalls, so daß hierzulande nicht mal die Regierung es verbieten kann, wenn ein Journalist berichtet, daß sie „ihre Arbeit nicht richtig macht“.

Und jetzt kommt’s: „Doch das läuft nicht überall so.“

Absatz. Man hört den Text förmlich aufseufzen. Den Kindern wird berichtet, „daß Journalisten an vielen Orten nicht frei berichten können. Zum Beispiel weil Politiker sie unter Druck setzen. Manchmal werden Reporter sogar von Menschen angegriffen, denen die Berichte nicht passen.“ Der Welttag der Pressefreiheit „soll daran erinnern, daß jeder Reporter auf der Welt die Möglichkeit haben sollte, frei zu berichten.“

Soweit der Artikel in der TLZ.

Das hört sich ja wirklich immer wieder gruselig an. Reporter werden eingesperrt. Oder ausgesperrt. Je nachdem. Man versucht sie überall rauszuhalten, damit sie die anderen Menschen ja nicht über die Mißstände, die zu beobachten sind, informieren können.
Also – anderswo ist das unter Umständen so. Hier ja nicht. Kann ja gar nicht. Wäre ja gegen das (Grund-) Gesetz. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe.

Bloß gut, daß, wie es der Zufall will, der verantwortliche Redakteur der „KLAR!“-Seite ein engagiertes Mitglied unserer Pfarrgemeinde ist. In Herz-Jesu Weimar sind wir also auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Denn wenn der Redakteur das mit der Pressefreiheit so gut erklären kann, daß es Kinder sofort verstehen, dann wird er es gegebenenfalls sicherlich auch Erwachsenen erläutern können, sollte es in diesem Punkt jemals Irritationen gegeben haben.

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Jaja… Zum Thema Presselandschaft in Thüringen gibt es so allerlei (Problematisches!) zu erzählen, aber das wird noch ein wenig dauern müssen, was aber nichts macht, weil sich die Situation vermutlich nicht so schnell ändern wird).

Übrigens: In Weimar haben wir die verfassungsmäßige Garantie der Pressefreiheit schon seit genau 200 Jahren (ok, fast genau, das Datum war der 5. Mai 1816); schauen Sie hier, was ich heute dienstlich getwittert habe:

K1024_Landtagslöwe 1816

 

Und auch wenn ich die beiden Sphären ja normalerweise nicht vermischt wissen will, wenn Sie auf Twitter sind, folgen Sie bitte dem „Landtagslöwen“, er freut sich! 😉

Der Landtagslöwe oder @ThuerLandtag

„Gesù ha bisogno delle vostre voci“ – „Jesus braucht eure Stimmen“: Pueri cantores

„Die Chorleiter sollen sich bitte an die Ränder setzen, damit die Kinder nach vorne schauen können!“ – „Nur daß bei uns die Kinder größer sind als die Chorleiter …“

Ja! In diesem Jahr hat das Chortreffen der pueri cantores (dort zahlreichee Links) endlich auch etwas auf einer Seite mit dem Untertitel „Katholisch in Weimar“ zu suchen! Denn pünktlich zur Gründungsveranstaltung des Regionalverbandes aller fünf „Ost“-(Erz)Bistümer Berlin, Erfurt, Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg sind die Cäcilini Weimar wieder ein Gemeindechor, hat sich ein Jugendchor an Herz-Jesu Weimar neu gegründet und sind die derzeit nicht regelmäßig probenden Herz-Jesu-Finken zuverlässig zur Stelle, wenn es etwas zu singen gibt.

Pueri cantores, ein Verband der katholischen Kinder- und Jugendchöre – ob einstimmig oder „SATB“, ob reiner Knaben-, reiner Mädchen- oder gemischter Chor –, ist eigentlich allein in Deutschland schon würdige 65 Jahre alt und wurde 1907 ursprünglich in Frankreich gegründet. Hintergrund war der Anstoß zur Wiederbelebung gregorianischen liturgischen Gesangs durch den heiligen Papst Pius X. in dessen Motu proprio „Tra le sollecitudini“.

Während sich die deutsche Beteiligung an den pueri cantores bisher auf Diözesanverbände der alten Bundesrepublik beschränkte und bei den Chortreffen aus den östlichen Bistümern nur ausgewählte Chöre als Verbandsmitglieder anreisen konnten, wurde die Chorvereinigung am 8. März 2016 in Leipzig mit der Gründung des Regionalverbandes Ost auf die Neuen Länder ausgedehnt.

Gefeiert wurde das am Samstag, dem 9. April 2016 in der Stadtkirche St. Moritz in Halle/Saale. Von Ahrenshoop bis Zittau war der Aufruf zur Teilnahme erklungen, und beinahe aus diesem gesamten Umkreis waren denn auch kleine und große Chöre angereist (kannten Sie zum Beispiel Schirgiswalde? Schirgiswalde bei Bautzen, an der tschechischen Grenze? Nein? Das gibt es aber und es hat eine kleine katholische Singschar :-) )

Wie zu den pueri-cantores-Treffen üblich, waren nach Anmeldung unserer Chöre Liederhefte in der angegebenen Sängeranzahl ans Pfarrbüro von Herz-Jesu Weimar gesandt worden, damit die mehrstimmigen Stücke geübt werden konnten. Es war auch viel englischer Liedtext erstmal mit den Kindern zu lesen und zu übersetzen (für meinen Geschmack ein bißchen zu viel, aber das ist nicht so wichtig): ein langes Magnificat beispielsweise, das im Begleitschreiben der Organisatoren als musikalischer Höhepunkt der gemeinsam zu feiernden Vesper angekündigt wurde. Nach einer Probe am Samstagvormittag, schon in St. Moritz, und einem Gesamtdurchlauf mit Instrumentalisten am Nachmittag sollten die Lieder der liturgischen Gestaltung eines Gottesdienstes – in diesem Fall eben einer Vesper mit Erzbischof Heiner Koch (Berlin) – dienen.

Das Chorheft der pueri cantores zur Gründungsfeier des Regionalverbandes Ost am 9. April 2016 in der Moritzkirche zu Halle (eigenes Bild)

Das Chorheft der pueri cantores zur Gründungsfeier des Regionalverbandes Ost am 9. April 2016 in der Moritzkirche zu Halle (eigenes Bild)

Alles war hervorragend organisiert (wenn man von dem vernachlässigbaren Zufall absieht, daß genau mit dem Teilnehmer vor mir das Mittagessen alle wurde 😉 ) und unsere regionale Betreuerin, die Leiterin des Kinder- und Jugendchores am Erfurter Domberg Elisabeth Lehmann-Dronke, hatte sich per Email und Telefon fürsorglich um uns Weimarer gekümmert. Wir – vier Erwachsene und knapp 20 Kinder und Jugendliche – hatten uns für die Anreise per an diesem Tag wirklich vorbildlich funktionierender Regionalbahn entschieden und im komfortablen Lounge-Bereich eines abellio-Triebwagens auf der Hinfahrt schon mal eine Runde gesungen.

 

Gereon hat schon bemängelt, daß ich keinen Fotoapparat mit in Halle hatte – hier also ein Werbefoto von abellio von einem dieser Sofa-Wagen, in den wir genau alle hineinpaßten (Bild: ZVNL/Abellio)

Gereon hat schon bemängelt, daß ich keinen Fotoapparat mit in Halle hatte – hier also ein Werbefoto von abellio von einem dieser Sofa-Wagen, in den wir genau alle hineinpaßten (Bild: ZVNL/Abellio)

Am Hauptbahnhof Halle erwartete uns wie angekündigt eine freiwillige Helferin, die uns in einer knappen halben Stunde zur Moritzkirche geleitete und unserem Chor den ganzen Tag über nicht von der Seite wich. Die Proben in der Kirche waren sehr schön – wenn auch die Riesengruppe von 6-700 Kindern erwartungsgemäß erst in den Takt finden mußte: Die Knirpse zum Beispiel, die man hinter uns plaziert hatte, sahen einfach mal den Dirigenten nicht, bis man ihm in der Mittagspause ein zusätzliches Podest herangeschafft hatte. Seine Aufforderung „Schaut raus, ihr kennt doch die Lieder bestimmt schon auswendig“ sorgte aufgrund unserer Möglichkeit zu genau einer Probe für angemessene Heiterkeit.

Überhaupt war die Stimmung sehr gut und aufgeräumt. Der Plan, gerade auch Kindern und Jugendlichen aus kleineren Chören mit dem Singen in einer so großen Gruppe ein unvergeßliches Erlebnis zu bescheren, ging aus meiner Sicht zu 100% auf. Da sind wir alle den Initiatoren und Organisatoren tatsächlich zu großem Dank verpflichtet! (Bilder auch hier)

Wieder vertreten (eigenes Bild)

Wieder vertreten (eigenes Bild)

Der ostdeutsche Episkopat war denn auch ausgesprochen bemüht, der Veranstaltung seine Wertschätzung auszudrücken: Nicht nur Dr. Heiner Koch war aus dem Erzbistum angereist und predigte aus dem Bad in der Menge heraus über Joh 6, 16-21, wobei er die Textstelle mit einer Entsendung der Jünger enden ließ und diese Botschaft auf all die von Gott singenden Kinder übertrug. Nein: Auch aus Dresden, Erfurt und Magdeburg waren Diözesanadministrator, Weihbischof oder Bischof gekommen und lobten unser Tun.

Unser Tun, welches sich zuhause fortsetzen sollte: Die Lieder der pueri-cantores-Hefte werden nicht nur für die jährlichen Treffen zusammengestellt. Die Liedhefte bleiben Eigentum der teilnehmenden Pfarreien und sollen immer wieder in Gottesdiensten genutzt werden. Das haben wir in Herz-Jesu Weimar umgehend praktiziert. Zu einem Jugendgottesdienst, der zugleich den Abschluß eines Familiennachmittages für die diesjährigen Erstkommunionkinder bildete, fand sich ein Gutteil der Halle-Fahrer am 15. April ein und trug den Antwortgesang, das Vater unser mit der versammelten Gemeinde, die Musik zur Kommunion und das Danklied aus dem Fundus des pueri-cantores-Heftes zur Gestaltung der Messe bei.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Die Überschrift entlehnt Worte Papst Pauls VI aus dem Jahr 1967, die auf der homepage der pueri cantores zitiert werden.

Das Hirtenwort

Das Hirtenwort

Ein ganz kurzer Sketch für fünf Schafe, zwei Lämmchen und überhaupt die ganze Herde

 

Wundersdorf, Schafweide. Sonne!

Kohle: Das ging ja runter wie Öl. (Er grinst)

Wolle: Was war los?

Flocke (rollt sich wohlig auf dem Grasboden): Der Bischof hat allen, die es vergessen hatten, erklärt, was die Schafherde doch für ein schönes Bild für die christliche Gemeinde ist.

Grauchen: Der Priester als Hirte, der sich in allen Widrigkeiten kümmert …

Blütenweiß: … und seinen Schäfchen die saftigsten Weideplätze sucht …

Fixi: … und sich nicht damit zufrieden gibt, wenn er 99 gut im Stall hat, sondern auch das Hundertste suchen geht …

Huf: … und daß Schafe schlau sind und ihre Mitschafe erkennen…

Kohle: Und ihren Hirten auch.

Wolle: Na, endlich sagt es mal einer!

Grauchen: Was heißt hier endlich? Das steht doch schon in der Bibel.

Blütenweiß: Also, höher anbinden kann man’s ja wohl nicht!

Wolle: Schon gut! Und wann und wo war das?

Kohle: Gerade eben, in einer Predigt. Ganz offiziell.

Wolle: Ach so? Na, dann wäre das ja geklärt.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

„42“

Zweiundvierzig, oder: Der doppelte Geburtstag

Die „vierteilige Trilogie in fünf Bänden“ Per Anhalter durch die Galaxis dreht sich bekanntlich weitgehend darum, wie wohl die Frage zu formulieren wäre, deren Antwort man bereits kennt, und die „Zweiundvierzig“ lautet.

Denn auf der Suche nach dem „Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests“ konstruieren in diesem Roman von Douglas Adams Techniker aus „Magrathea“ vor zehn Millionen Jahren die Erde als Supercomputer, der dann  die Frage zu der von ihrem Vorgängermodell, dem Computer „Deep Thought“ errechneten Antwort, eben jener „Zweiundvierzig“, nachträglich erst zu formulieren hat.
Aus Gründen, die wir hier nicht referieren möchten, bleibt die Frage letztlich ungestellt – der Leser legt Band um Band der Serie so schlau wie vorher, aber um etliche Lachkrämpfe und etliche Aha-Momente reicher, aus der Hand.

Als wir heute früh aufwachten, fiel einem von uns eine mögliche Frage ein. Aber wir verraten sie nicht. Wir möchten nicht indiskret sein. 😉

Aber jedenfalls gratulieren wir unserem Pfarrer Timo Gothe, hiermit herzlich zum Geburtstag!

Aber wieso „doppelter Geburtstag“?
Weil heute noch eine andere Institution von Herz-Jesu Weimar ein Jubiläum begeht.
Na, wer könnte  das sein?
Wird fünf.
Genau: PuLa.

PuLa wird heute fünf.

Im letzten Jahr haben den Geburtstag die Wundersdorfer Schäfchen ausgerichtet, am 26. März, ganz lieb (hier). Das war der vierte Jahrestag unseres allerersten Postings, eines Links auf einen Vortrag von Pater Wallner. In diesem Jahr haben es die Schäfchen nicht geschafft. Sie haben ein Jahr lang an Reimwörtern auf „fünf“ herumgedacht und sind zu keinem Ergebnis gekommen. Das haben sie uns aber erst so knapp gestanden, daß wir beschlossen haben, den Geburtstag heute, am Jahrestag des zweiten Postings und damit unserer ersten inhaltlichen Vorstellung zu begehen (hier).
Wo sich doch daraus ein so schöner doppelter Geburtstag ergibt. :-)

Die Stoffsammlung

Die Stoffsammlung

Ein Sketchlet für fünf Personen

 

Wundersdorf, Oderbruch. Auf dem Pfarrhof der katholischen Gemeinde Maria Hilf! Silke will gerade im Pfarrbüro die nächsten Kantorendienste absprechen, als auch Emma angeradelt kommt. Beide begrüßen sich schon aus der Ferne und schließen ihre Fahrräder an. Als Emma ewig an einem riesigen Paket in ihrem Fahrradkorb herumhebt, kommt Silke auf sie zu.

Silke: Grüß dich, Emma!

Emma (zerrt an dem Paket): Ja! Guten Morgen erstmal! (Sie umarmen sich.)

Silke: Sag mal! Was schleppst du hier für ein Paket an?

Emma (hat es herausgewuchtet): Na, die Stoffreste.

Silke: Was für Stoffreste?

Emma: Hast du nicht gelesen? Stand doch in den jüngsten Vermeldungen – es wird dringend rosafarbener Stoff gesucht für ein rosa Gewand!

Silke: Wie? – Was? – Sternsinger? Was für ein rosa Gewand?

Emma: Nicht Sternsinger! Ein rosa Gewand für Laetare und Gaudete! Das fehlt hier doch seit Jahren.

Silke: Das fehlt, stimmt! Aber sie können doch für liturgische Gewänder nicht …

Emma: Da stand, jeder, der irgendwelche rosanen Stoffreste übrig hat … (läßt Silke in ihr Paket gucken): Schau! Rosa! (Sie blickt Silke erwartungsvoll an.)

Silke (faßt in das Paket): Ja, aber … das ist ja … dieser Baumwolljersey … für was war das denn mal gedacht?

Emma: Das ist Sweatshirtstoff. Ok – du hast recht, nicht das tollste … aber besser als nichts – so wie es jetzt die ganzen Jahre über war!

Silke (zieht ein Stück des Stoffes heraus und entdeckt, daß er bedruckt ist; entsetzt): Hör mal! Das ist doch – ist das nicht Prinzessin Lilifee? (Sie breitet das Bild aus und schaut es kopfschüttelnd an.)

Emma (verlegen): Ja – das ist natürlich Mädchenstoff, ich meine – ohne was kriegt man das ganz schwer!

Silke: Aber du kannst doch nicht …

Emma (wiegelt ab): … das Bild machen wir auf die Schauseite, die sieht doch heute keiner mehr! (Sie blickt zur Uhr.) Um Himmels Willen! Schon achtunddreißig! Silke! Sei ein Schatz und gib du das für mich beim Pfarrsekretär ab – ich muß unbedingt zur Bahn! (Sie drängt Silke ihr Stoffpaket auf.)

Silke (läßt sich das Paket in die Arme drücken): Na, du hast Nerven – aber ok, ich muß ja sowieso rein. Gib her! (Sie rüttelt das Paket zurecht, um es besser tragen zu können.)

Emma (schwingt sich auf ihr Fahrrad): Vielen Dank, Silke! Du hast was gut bei mir! (Sie radelt vom Hof.)

Silke: Frohes Schaffen!

(Als Silke eben versucht, bepackt wie sie ist die Tür des Pfarramtes zu öffnen, klingelt es hinter ihr und Hanna schwingt sich von ihrem Fahrrad.)

Hanna: Guten Morgen! Na? Was schleppst du denn da an?

Silke: Von Emma. Stoffe.

Hanna (hält ihr die Tür auf): Ouh! Was besonderes. Ich will mal wieder bloß den Schlüssel holen (sie lacht). Was denn für Stoff?

(Sie klopfen und betreten das Pfarrbüro, in dem der neue Pfarrer und der Pfarrsekretär gerade vor dem Bildschirm sitzen und irgendeine Problemlösung auszubrüten scheinen. Sie sehen nachdenklich aus. Ihr Gesichtsausdruck ändert sich schlagartig, als sie die beiden Frauen begrüßen – und vor allem, als Silke ihr Paket auszupacken beginnt.)

Silke: Hier. Das ist von Frau Schramm. Stoffe.

(Der Pfarrsekretär fängt als erstes an zu lachen.)

Silke (irritiert): Ich hatte die Notiz übersehen, aber Frau Schramm sagte, wegen des rosa Gewandes …

(Jetzt lacht auch der Pfarrer.)

Hanna (fängt an, die Lage zu peilen, zu Silke): Sag nicht, ihr habt rosa Stoffreste angeschleppt … (sie lacht jetzt auch.)

Silke: Naja – ich wie gesagt nicht, aber Frau … (blickt von einem zum andern) Sagt mal – was ist eigentlich los?

Der Pfarrsekretär: Haben Sie mal aufs Datum geschaut?

Der neue Pfarrer: Am Freitag war der 1. April.

Silke (sinkt auf einem Stuhl zusammen, das Stoffpaket auf dem Schoß, und fängt auch an zu lachen.)

Hanna: Das kann doch nicht wahr sein!

Der Pfarrsekretär: Rosa Sweatshirtstoff – also ganz so nötig haben wir’s doch noch nicht!

Silke: Sie haben Nerven!

Der neue Pfarrer: Ich habe nicht wirklich geglaubt, daß jemand darauf hereinfällt – es ist eigentlich zu irre! Stoffspenden für ein liturgisches Gewand …

Hanna: Die Wundersdorfer nehmen alles ernst! (Sie lacht.)

Silke: Tja – wir sind eben hilfsbereit! Aber jetzt mal Spaß beiseite: Maria Hilf! hatte früher ein rosa Gewand. Ich bin ganz sicher!

Hanna: Na klaaar!!! Wir hatten immer ein rosa Gewand! Bis vor ein paar Jahren – seit ein paar Jahren ist es weg.

Silke: Und Triebschens aus Petershagen haben erzählt, dort wär seit einigen Jahren eins, das sie früher nicht hatten.

Hanna: Du meinst – ob das unsers ist?

Der neue Pfarrer: Wieso sollte das unseres sein?

Silke: Frau Bischof hat alles versilbert! Denken Sie doch nur mal an den Pritschenwagen… Also – ich würde ihr zutrauen, daß mal wieder an irgendeiner Ecke Geld für eines ihrer Bauprojekte fehlte …

Hanna: Wir sollten es jedenfalls in Augenschein nehmen!

(Das Telefon klingelt.)

Der Pfarrsekretär (nimmt den Hörer ab): Pfarrbüro Maria Hilf! Wundersdorf – einen wunderschönen guten Morgen! (Er lauscht) Ah! Frau Engelke! (Er lauscht und beginnt zu schmunzeln.) Haben Sie recht herzlichen Dank, Frau Engelke, das ist wahnsinnig nett von Ihnen! Aber ich glaube, wir lösen das Problem gerade auf andere Weise! (Er lauscht) Genau so ist es! Herzlichen Dank nochmal! Auf Wiederhören! (Er legt auf. Alle schauen ihn erwartungsvoll an.) Das war Frau Engelke. Sie sagte, Stoffreste hätte sie leider nicht, aber sie würde anbieten, das Gewand zu nähen.

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß das Kirchenjahr jetzt erstmal ein bißchen Zeit läßt, um allerorten den möglichen Verbleib liturgischer Gewänder in Ruhe zu prüfen…

Die Eilmeldung

*** EIL*** Solidarität mit Erdogan? *** EIL***

Ankara/Heiligenstadt dpa/kna

Bisher unbestätigten Berichten zufolge ist bei der Pressestelle des türkischen Präsidenten in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages eine E-Mail eingegangen, in welcher ein vor einiger Zeit auf eigenen Wunsch aus der Gemeindeseelsorge ausgeschiedener katholischer Geistlicher aus der mitteldeutschen Diaspora dem Präsidenten weitschweifig zu seiner „energischen Reaktion“ auf ein satirisches Lied gratuliert.

Er könne die Reaktion des Präsidenten nur zu gut verstehen, soll der Absender geschrieben haben: „Ich habe Satire auch immer bloß als Beleidigung meiner hohen Person verstanden“, heißt es in dem Text angeblich, „und wünschte, ich hätte Ihre Möglichkeiten gehabt.“ In Ermangelung derselben seien jedoch die Versuche, mithilfe von Verleumdung und Rufmord u.a. in der lokalen Presse gegen aufsässige Blogger in seiner ehemaligen Gemeinde vorzugehen, leider gescheitert.

Unklar ist bisher, ob es eine Reaktion von Seiten des Präsidenten geben wird. Spekulationen, nach denen es zu einem Erfahrungsaustausch im Amtssitz von Präsident Erdogan kommen solle, wurden bisher von der Botschaft in Berlin nicht bestätigt.

 

(von unseren Korrespondenten)

Sketch des Monats: Der Fastenvortrag

Sketch des Monats: Der Fastenvortrag

Ein Sketch zum Osterlachen für sieben Personen und 19 Statisten

Wundersdorf, Oderbruch. Im Gemeindehaus der katholischen Pfarrei Maria Hilf! Es ist mitten in der Fastenzeit. Die melaminbeschichteten Tische sind zusammengerückt, so daß Arbeitsgruppen von 6-8 Personen im Kreis um die Tische Platz nehmen können.

Für den Fastenvortrag des heutigen Abends ist eigens aus dem Ordinariat ein Referent der Pressestelle angereist, um zum Thema der jüngsten Publikation von Bischof Hofmann, Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“ vorzutragen.

Die Sitzung ist schon in vollem Gange, als Hanna leise hereinschleicht und sich entschuldigend an einen Tisch klemmt, an dem Edith, Silke, Hedwig, Richard und Karl bereits sitzen und – ja, irgendwie arbeiten. Der Vortragende schlendert zwischen den Tischen umher, an denen man offenbar nach einer ersten Einführung bereits zur Stillarbeit übergegangen ist: Auf mittig ausgebreiteten DIN A2-Blättern fahren die Menschen mit dicken Textmarkern in Schlangenlinien herum.

Hanna (flüstert): Entschuldigung! Meine Mutter rief gerade noch an, die konnte ich nicht so abhängen.

Edith (flüstert zurück): Hast nichts verpaßt.

Hanna (immer flüsternd): Was macht ihr denn da?

Edith (ebenso): Wir sollen Figuren malen wie sie im neuen Gotteslob sind, um zu sehen, was das mit uns macht. (Sie zeichnet eine Art kaputten Kelch.)

Hanna (schaut sich irritiert um): Aber das sind hier nicht die „Neuen Wege in der Kleinkindpädagogik“?

Karl: Nein. Die Erzieherinnen sind oben.

Hedwig: Haben wir vorhin trommeln hören.

Hanna: Ah! Ok. (Sie nimmt sich einen Textmarker und beginnt unzusammenhängende Bögen zu malen. Nach einer Weile) Wie hieß das Thema nochmal?

Silke: Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“.

Hanna: „Künstlerisch“ in Anführungsstrichen …

Richard: Nein. „Gotteslob“ in Anführungsstrichen. (Die Gruppe prustet los.)

"Zeichnung als Zwiesprache" (eigenes Bild)

„Zeichnung als Zwiesprache“ (eigenes Bild)

Der Pressereferent (kommt vorbeigeschlendert, jovial): Ah! Ist hier ja schon jede Menge Kommunikation im Gange! Schön, wenn die Kunst im Gebetbuch solche Anstöße gibt.

Silke (brummt): Na, sagen wir mal: Wir nehmen Anstoß.

Der Pressereferent (beugt sich lächelnd vor): Das habe ich akustisch nicht verstanden.

Karl (rasch): Sie sagte, es ist halt ein Geben und Nehmen.

Der Pressereferent: Jaja, ganz recht! (Er wendet sich dem nächsten Tisch zu.)

(Hanna legt ihren Stift weg und greift sich eines der Bücher, die an jedem Platz zur Nutzung und womöglich sogar zum Kauf ausliegen. Karl folgt ihrem Beispiel, und im folgenden werfen die beiden sich gegenseitig die Zitate der Künstlerin, Monika Bartholomé, und ihres Mentors, Bischof Friedhelm Hofmann zu.)

Edith (malt ein bißchen lustlos herum): Wenn mir irgend jemand erklären könnte, was diese Zeichnungen sollen …

Hanna (grinst und zitiert von S. 23): Da kann ich dir helfen. Hier. „Der Benutzer wird zum Nachdenken aufgefordert. Er soll sich die Frage stellen: Was hat diese Zeichnung mit dem Inhalt zu tun?“ (Alle müssen lachen. Silke legt ihren Stift weg und nimmt sich eines der Bücher.)

Karl: Gut – das funktioniert immerhin. Ich habe mich immer gefragt, warum ich mir beim Gebet zum Heiligen Geist den Stuhl von Frau Bartholomé angucken soll.

Hanna (wird rot): Karl!

Karl (verteidigt sich): Das heißt so! Das Bild heißt „Stuhl“, die Ameise hier.

Silke (zitiert S. 31): Hört mal, das hier ist auch schön. Sie sagt: „Die Zeichnungen möchten Denk- und Empfindungsräume schaffen …. Mmm … diese Sprache entzieht sich der Eindeutigkeit, die Zeichnungen zeigen nicht auf den Text und sagen, so möchte ich gelesen werden. Sie beziehen Position in einem Dazwischen … es geht um Empfindungen, Erinnerungen, nicht um die Bestätigung und Verstärkung des Wortes.“

Richard (von dem Text genervt): Heidernei!!! Kein Wunder, daß Bischof Hofmann Angst hatte, Tebartz-van Elst könnte angefahren kommen und über die „Suche nach einer Verkündigung der Verläßlichkeit“ sprechen.

Hedwig: Bischof Tebartz-van Elst?

Richard (nickt): War vom FdK zum „Fest des Glaubens“ nach Aschaffenburg eingeladen worden, als Vortragender.

Hanna (blickt auf): Stimmt! Was hat er jetzt für eine Aufgabe in Rom?

Richard: Delegat im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung, zuständig für Katechese.

Karl: Und weil Aschaffenburg im Bistum Würzburg liegt, hat Bischof Hofmann sich ein paar Monate, nachdem die Sache bekannt geworden war, eingemischt und Tebartz angeblich gebeten, sein Kommen nochmal zu überdenken.

Edith (schnaubt): Der wird sich gedacht haben: Mein lieber Bruder – hast du vielleicht diese dummen Zeichnungen überdacht, als ich gesagt habe, in Limburg kommt ein ordentliches Kreuz aufs Cover?!

Hanna (liest wieder vor, S. 44): Hier, Friedhelm Hofmann: „Ein Weniger an Reduzierung künstlerischer Ausdruckskraft ist kaum denkbar.“ (Alle lachen.)

Silke: Da steht ja mal was Wahres!

Edith (greift nun auch zu einem der Bücher, grübelnd): „ein Weniger an Reduzierung“ … das ist eine doppelte Verneinung … oder?

Karl: Komm! So genau haben die beim Formulieren nicht nachgedacht.

Hanna (prustet): Scheint mir auch schon so! Hier, S. 62: „wie zwei Arme zwischen elektrisch geladenen Drähten“ …

Hedwig (lacht kurz auf): Na, dann sind die Arme nicht mehr lange da!

Karl: Das ist noch gar nichts! Hört mal. Zu diesen drei Linien hier schreibt er: „Eine weitere Möglichkeit [der Deutung] weist auf einen Menschen hin, der gebeugt unter einer Last dahergeht. Diesen Gedanken stützt das auf der gegenüberliegenden Seite plazierte Lied ‚Holz auf Jesu Schulter‘ (GL 291)“ (Alle stöhnen) Moment! Geht noch weiter: „Wichtig ist, daß der Betrachter die im Bild aufscheinende Melodie, das Beschwingte, die befreiende Leichtigkeit auf sich wirken läßt.“

Silke (in die am Tisch aufkommende Empörung hinein): „befreiende Leichtigkeit“? Beim Kreuztragen? Jesus hat das nicht leicht getragen …

Hedwig: … genau! Er hat doch gelitten, er war doch ganz Mensch …

Edith: … ist ja auch mehrmals unter dem Kreuz hingefallen. (Alle schnauben und blättern in dem Machwerk. Die kleine Gewitterwolke über dem Tisch ist beinahe sichtbar.)

Richard (zitiert S. 58): „Wer hat den Mut, diese Sprossen hochzusteigen?“ (Er schüttelt den Kopf.)

Karl (zitiert von S. 64): „Mir drängt sich der Gedanke auf, daß Gott uns auf unserem Lebensweg berührt – zärtlich und unaufdringlich.“

Hanna (schaut in Karls Buch): Wo ist das?

Karl: S. 64, zu nochmal drei so Linien nebeneinander. (ironisch) Der unaufdringliche Eingriff Gottes in unser Leben – besonders gut zu merken, wenn man sich verliebt … (Er grinst seine Frau an.)

Hanna (lacht): … genau! Völlig unaufdringlich …

Silke (lacht auch): Ich kann mich noch gut erinnern: Man konnte in aller Ruhe mit allem weitermachen …

Edith (grinst): Ganz zu schweigen von Geburten …

Hedwig: … mal ganz unaufdringlich zwölf Stunden Wehen …

Karl: Da lob ich mir die antiken Erzählungen – Semele oder so: Kein Sterblicher kann Gott begegnen, ohne zu sterben.

Edith: Hm! Deshalb tritt Gott ja auch nur als Engel des Herrn auf – alles andere hält man nicht aus.

Hedwig: Weil Gott halt mal so unaufdringlich ist.

Silke: Wie man sich das vom Allmächtigen eben vorstellt.

Richard: Es ist nicht zu fassen! Diese beziehungslosen Linien, die die Tante da hinmalt (Er sucht ein Zitat, findet es und liest): Hört mal: „Die Linie ist wesenhaft oder Grenze oder beides.“

Edith: Hä?

Richard: S. 30.

Hedwig: „Oder beides“?!

(Edith hat zuletzt wieder nach ihrem Stift gegriffen und einige Striche auf das DIN A2-Papier geworfen. Die andern schauen, lachen, stehen auf und werfen ihre Bücher auf den Tisch. Indem sie in die Runde grüßen, gehen sie zur Garderobe, holen ihre Mäntel und verlassen den Saal.)

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Jetzt müssen wir natürlich auch erst einmal schauen, was Edith da zuletzt gezeichnet hat:

Wesenhaft (eigenes Bild)

Wesenhaft (eigenes Bild)

Besenschaft (eigenes Bild)

Besenschaft (eigenes Bild)

Oder beides (eigenes Bild)

Oder beides (eigenes Bild)

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf. Bloß gut, daß wir diese Bildchen schon vor Monaten analysiert haben, hier, hier und hier (und öfter) und sich darauf folgend zumindest in unserem Freundeskreis die Menschen zu helfen wissen und die Zeichnung einfach mit inhaltsreichen und aussagekräftigen Bildern zuzukleben beginnen.

Gottesdienstliche Feiern (Bild: S. G.)

Gottesdienstliche Feiern (Bild: S. G.)

 

Hl. Thomas v. Aquin (Bild S.G.)

Hl. Thomas v. Aquin (Bild S. G.)

 

Auferstanden (Bild: S.G.)

Auferstanden (Bild: S. G.)

 

PS: Nur so für alle Fälle: Das Buch haben wir uns NICHT etwa ausgedacht! (vgl. folgendes Bild der ISBN) Wir können uns ja vielleicht so allerlei ausdenken, aber das… Vielmehr bin ich mehr als dankbar für diese Form der, nun ja, ‚Verarbeitung‘; ich war daran gescheitert, mich damit etwa ganz ernst zu beschäftigen – wer weiß, wie das geendet hätte…

Gereon Lamers

Zeichnung als Zwiesprache, ISBN (eigenes Bild)

Zeichnung als Zwiesprache, ISBN (eigenes Bild)

„die zwei untrennbaren Schwerpunkte des einen Glaubens“

Es sind besondere Jahre, wenn – wie das gestern der Fall war – Karfreitag und Mariä Verkündigung auf denselben Tag fallen, den
25. März. Um nicht zu sagen: So ist es gedacht. Besagt doch die vorherrschende Theorie zur Festlegung dieser Daten, daß hier die antike Vorstellung einfloß, der perfekte Mensch sterbe am Tag seiner Geburt.

Sicherlich ist das Osterereignis das älteste der begangenen christlichen Feste. Da waren schließlich genügend Jüngerinnen und Jünger selber dabei. Unterm Kreuz, nach allem, was man liest, eher die Jüngerinnen. Denn es war nicht ungefährlich, zu einem verurteilten Verbrecher zu halten.

Bald aber wurde man sich bewußt, daß dieses Heilsgeschehen nicht ohne die Inkarnation Christi zu haben war. Die Fleischwerdung des Wortes aus der Mutter Maria ist die Grundlage all dessen, was folgt. Und wenn ich schreibe: „bald“, dann heißt das in dem Fall: wirklich bald, nämlich noch zur Zeit der Niederschrift der Evangelien.

Im „Geist der Liturgie“ (Freiburg: Herder ²2007) schreibt Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI:

Im Johannesevangelium als der abschließenden Synthese des neutestamentlichen Glaubens steht die Inkarnationstheologie gleichrangig neben der Ostertheologie, oder besser: Inkarnationstheologie und Ostertheologie stehen nicht nebeneinander, sondern erscheinen als die zwei untrennbaren Schwerpunkte des einen Glaubens an Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes und Erlöser. Kreuz und Auferstehung setzen die Inkarnation voraus. Nur weil wirklich der Sohn und in ihm Gott selbst ‚herabgestiegen ist‘ und ‚Fleisch angenommen hat aus Maria der Jungfrau‘, sind Tod und Auferstehung Jesu Ereignisse, die uns allen gleichzeitig sind und die uns alle berühren, uns aus der vom Tod gezeichneten Vergangenheit herausreißen und Gegenwart und Zukunft eröffnen. (S. 92)

Um nun einen Weihnachtsfestkreis liturgisch begründen zu können, nahm man – nicht die römische sol invictus-Feier, um sie christlich zu überformen. Ratzinger legt sich fest:

Die alten Theorien, der 25. Dezember sei in Rom im Gegensatz zum Mithras-Mythos oder auch als christliche Antwort auf den Kult der unbesiegten Sonne geformt worden, der von den römischen Kaisern im 3. Jahrhundert als Versuch einer neuen Reichsreligion gefördert wurde, lassen sich heute nicht mehr halten. (ebd. S. 93f.)

Was nicht heißt, daß man sich zur Berechnung der Geburt der neuen Sonne Jesus Christus so gar nicht nach der geschaffenen, der materiellen Sonne gerichtet hätte. Aber man nahm als Vorbild eben nicht die zyklische Wiederkehr langer Tage nach der Wintersonnenwende, sondern die einmalige Erschaffung der Sonne am vierten Schöpfungstag. Nicht Mariä Verkündigung wurde vom 25. Dezember nach vorne gezählt, sondern umgekehrt: Weihnachten feiern wir neun Monate nach dem 25. März. (Hier können wir ausnahmsweise mal nicht auf den entsprechenden wikipedia-Artikel verlinken, dort steht es nämlich bisher noch falsch.) Noch einmal Joseph Ratzinger:

Den Ausgangspunkt für die Festlegung von Christi Geburtstag bildet erstaunlicherweise das Datum des 25. März.“ (S. 93)

Inkarnation und Menschwerdung geschahen, als der Engel des Herrn Maria heimsuchte und ihr „fiat mihi secundum verbum tuum“ als Antwort zurückbrachte. Ganz folgerichtig wäre mir keine Krippendarstellung bzw. Anbetung der Könige bekannt, in der ein Kreuz an irgendwie prominenter Stelle in den Bildraum aufgenommen wäre. In den Verkündigungsbildern ist das Kreuz, das der winzige, in den Schoß seiner Mutter herabschwebende Christus geschultert hat, hingegen Standard: Grundlage für das Heilsgeschehen der Passion und Auferstehung ist die Inkarnation, die wir am 25. März begehen. Schwangerschaft und Geburt sind demgegenüber gewissermaßen reine Formsache.

Und so berechnete man aus der Schöpfungsgeschichte die Geburt der neuen Sonne Christus und ging offenbar ganz selbstverständlich davon aus, daß sein Todestag kein anderes Datum tragen könne. Ratzinger:

Soweit mir bekannt, findet sich die älteste Notiz darüber bei dem afrikanischen Kirchenschriftsteller Tertullian (ca. 150 – ca. 207), der es offenbar als eine bekannte Überlieferung voraussetzt, daß Christus am 25. März den Tod am Kreuz erlitten hatte. In Gallien wurde dieser Tag noch bis ins 6. Jahrhundert als unbewegliches Osterdatum festgehalten. (ebd.)

Man stelle sich vor: ein unbewegliches Osterdatum! Da sich aber inzwischen alle Feste der neuen Sonne nach dem Mond richten, kommt es meist zum Auseinanderfallen von Inkarnations- und Passionsdatum. Aber manchmal – wie dieses Jahr – klappt es. Zu Lasten freilich der Marienfeierlichkeiten, die heuer wieder weit weg vom eigentlichen Datum auf den Montag nach dem Weißen Sonntag geschoben werden – beinahe eine Garantie dafür, daß sie völlig unter den Tisch fallen: Sitzen an diesem Montagmorgen, dem 4. April, doch die Erstkommunionkinder in den Bänken und ziehen in der Regel alle Hinwendung des Priesters auf sich.

Aber letztendlich – was macht das? Der Verkündigung an Maria können wir bekanntlich jeden Tag dreimal gedenken: Um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr im Angelus, dem Engel des Herrn.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Die Allmende

Die Allmende

Ein Sketch für sieben Personen und ein Insider-Wortspiel

 

Wundersdorf/ Oderbruch. Das allseits beliebte griechische Restaurant „Bacchos“. Hanna und Karl, Edith und Richard, Emily, Teresa und Silke sitzen bei einem der letzten abendlichen Kräutertees, die ihnen die diesjährige Fastenzeit noch auferlegen wird. Dazu haben sie einige Scheiben Knoblauchbrot bestellt. Vom Nebentisch zieht verführerisch der Duft von gebratenem Lammfleisch mit Pommes herüber und die Biergläser klacken aneinander. Aber man weiß ja, was man sich schuldig ist. Schließlich ist heute nicht irgendein Tag, sondern der Dienstag der Karwoche.

Aber wenigstens ist ab morgen schulfrei, und Emily und Teresa sind entsprechend guter Dinge. Gerade fachsimpeln unsere Freunde über den gestrigen Tag: Zu Bachs Geburtstag, der im allgemeinen am 21. März begangen wird, hatte der neue Pfarrer das Pfarrhaus von Maria Hilf! Wundersdorf für Musik und Begegnung geöffnet. „Bach in the subways“ nennt sich die weltumspannende Organisation, die die Hochkultur in die vermeintlichen Niederungen des Alltags transportieren will und in die man sich da mutig eingeklinkt hatte.

 

Hanna: Aber ist doch super gelaufen, gestern.

Richard: Ich sage ja immer: „Just do it!“

Silke: War ja schon auch ein Risiko.

Edith: Klar! Wir wußten ja wirklich alle nicht, wer überhaupt die Werbung gelesen hat, wer kommen würde …

Emily: … ob wir zu viel Programm haben würden oder zu wenig … (Sie beginnt mit Teresa zu flüstern und Teresa verschwindet daraufhin in Richtung Garderobe.)

Karl: Aber es war ein voller Erfolg!

Richard (resümiert): Ich denke auch: Da hat der Pfarrer einen Grundstein gelegt.

Silke: Das kann sich jetzt weiterentwickeln und einbürgern.

Hanna: Wie das Treppenhauskonzert im Schloß: Einer muß es erstmal initiieren, damit es irgendwann zum Allgemeingut werden kann.

Edith: Zur „Allmende“ – wie man früher so schön sagte.

Teresa (kommt mit ein paar Zetteln von der Garderobe zurück): Was ist alles Mende?

Hanna: Das Treppenhauskonzert im Schloß.

Edith: Allmende hab ich gesagt – Allgemeingut. Das war im übertragenen Sinne gemeint.

Emily: Ich dachte, Allmende war der Löschteich.

Karl: Alles mögliche war Allmende. Früher.

Teresa (breitet einige Zettel vor sich aus): Also, wir haben ja übrigens was zu „O Haupt voll Blut und Wunden“ herausgesucht …

Silke (energiegeladen): So muß es mit unserer „Musik im Pfarrhaus“ auch werden: Kulturelle Allmende.

Emily: „Bach im Pfarrhaus“ als geistiger Löschteich?

Edith (lacht): Genau: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie wieder Durst haben!“

Teresa: Könnten wir jetzt mal anfangen?

Alle (durcheinander): Wir hören! – Entschuldigt! – Legt los, ihr zwei!

Silke: Was war denn los mit „O Haupt voll Blut und Wunden“?

Emily: Irgendwie hatte jemand zwischen zwei Keksen thematisiert, ob das überhaupt von Bach ist.

Silke: Na klar! Matthäuspassion.

Teresa: Langsam!

Emily: Jeder kennt es aus der Passion …

Edith: … und aus dem WO – „Wie soll ich dich empfangen“

Karl: Genau. Das soll sich ja sogar aufeinander beziehen.

Hanna: Stimmt! Stand im alten Gotteslob, Bach wollte eine Brücke zur Passion schlagen.

Emily: Jetzt laßt uns doch mal ausreden! Das ist alles Blödsinn!

Karl: Ouh!

Edith: Was ist denn richtig?

Emily: Theologisch ist das ja alles sehr verführerisch …

Teresa: … in den Verkündigungsbildern kommt Jesus ja auch mit dem Kreuz auf der Schulter zu Maria herabgeschwebt …

Emily: … aber was die Musik betrifft, stimmt es trotzdem nicht.

Teresa: Also: Der Text von „O Haupt voll Blut und Wunden“ ist von Paul Gerhardt, und zwar eine Übersetzung von (sie konzentriert sich) „salve caput cruentatum“ von Arnulf von Löwen, der lebte von 1200 bis 1250.

Richard (halb für sich): Oh ja, damals als es in Löwen noch garantiert häresiefrei zuging…

Teresa (blickt ihren Vater streng an und fährt fort): Die Musik ist von Johann Crüger.

Emily: Hä? Hatten wir nicht gesagt …

Teresa: … der ein älteres Lied von Hans Leo Haßler, 1564-1612, dafür hergenommen und rhythmisch ein bißchen vereinfacht hat.

Emily: Genau. Ein Liebeslied mit dem Titel „Mein gmüth ist mir verwirret, das macht ein junckfraw zart“. (Sie hebt die Augenbrauen).

Teresa: Also, ich würde sagen, eigentlich ist die Melodie von diesem Hans Leo Haßler.

Emily: Und Johann Crüger, der übrigens in Berlin Organist war, in Sankt Nicolai, hat die Zuordnung zu dem Paul-Gerhard-Text vorgenommen.

Edith: Hm! Okay. Und wie kommt die ganze Chose ins Weihnachtsoratorium?

Emily: Daaaas ist wieder etwas anderes: Das Lied von dem Haßler war nämlich schon einmal mit einem anderen Text unterlegt worden …

Teresa: … Kontrafaktur heißt das.

Emily: Genau. In dem Fall eine geistliche Kontrafaktur auf dieses weltliche Lied.

Teresa: Moment! Da stand doch, die Anfangsbuchstaben von den fünf Strophen bilden den Namen „Maria“ und man kann das Lied auch als Liebeslied an die Gottesmutter verstehen.

Emily: Ui! Stimmt! Hatte ich vergessen. Dafür würde ja dann auch der Dreiertakt sprechen.

Karl (anerkennend): Die hatten‘s früher einfach drauf! (Er trinkt einen Schluck Tee.)

Silke: Wie die Minnesänger. Da changiert die Verehrung der weltlichen Herrin und der Gottesmutter auch immer.

Emily: Jedenfalls war das Lied zu Bachs Zeiten ein beliebtes Weihnachtslied. Also „Mein gmüth ist mir verwirret“ ist von 1601 und 1613 war dann schon die Kontrafaktur, „Herzlich thut mich verlangen“.

Edith: Ja gut, das war dann, als Bach das WO geschrieben hat, schon 120 Jahre alt. Oder?

Emily: Ja, kommt ziemlich genau hin. Und Bach hat die Melodie im WO genutzt, eben weil sie bekannt war – damit die Leute den Choral mitsingen können. Dann reichte es halt, den Text abzudrucken.

Hanna: Ah!

Silke: Schlau!

Karl: Ja, Mensch! Vielen Dank, ihr beiden! Da habt ihr ja richtig geschuftet!

Edith: Und wir haben wieder was gelernt.

Richard: Also – nicht von Bach!

Emily: Nee, nicht von Bach. Nur der spezielle Satz. Also die Harmonien und so.

Hanna: Gut – will auch gelernt sein.

Silke: Aber – wo Sie grad sagen: „Nun seid ihr wohl gerochen“ – ich könnte gut noch so ein Knoblauchbrot essen.

Alle lachen und Karl schaut sich nach dem Wirt um.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß es in diesem kleinen Städtchen so verläßliche Bibliotheken gibt. Für alle, die nicht nur bei Wikipedia nachlesen wollen, hier Teresas Literaturliste:

  • Bach-Handbuch, hg. Konrad Küster, Kassel: Bärenreiter 1999, S. 477: „Wie soll ich dich empfangen“ geht nicht auf „O Haupt voll Blut und Wunden“, sondern auf ein seinerzeit beliebtes Weihnachtslied von Hans Leo Haßler zurück.
  • Bach-Lexikon, hg. Michael Heinemann, Laaber 2000: Das Kirchenlied „Herzlich thut mich verlangen“ von H.L. Haßler ist die Grundlage für den ersten („Wie soll ich dich empfangen“) wie abschließenden („Nun seid ihr wohl gerochen“) Choral des WO.
  • MGG, Personenteil Bd. 8, Sp. 840, Artikel zu Hans Leo Haßler; darin zur Entstehung des „Herzlich thut mich verlangen“.
  • Meinrad Walter, Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, Kassel: Bärenreiter 2006, kommentiert zur Rahmung des Werkes mit ein und demselben Cantus Firmus („Wie soll ich dich empfangen“ als erster Choral in Teil I, „Nun seid ihr wohlgerochen“ als letzter in Teil VI und damit im Gesamtwerk): „Daß gerade diese Melodie mittels des ebenfalls auf sie gesungenen Chorals „O Haupt…“ zugleich – und vor allem für heutige Ohren – eine Brücke von Weihnachten zur Passion schlägt, ist zwar nicht Bachs unmittelbare Absicht oder gar Erfindung, aber doch in der damaligen mehrfachen Verwendung solcher Melodien begründet. Die ‚Kontrafaktur‘ genannte Praxis verdeutlicht, wie sehr die das Kirchenjahr prägenden Heilsgeheimnisse (Mysterien) Christi, hier ‚incarnatio‘ und ‚passio‘, zusammengehören und wie wenig sie überdies von der ‚Welt‘ getrennt werden dürfen; man denke an den bekannten weltlichen Ursprung dieses Liedes bei Hans Leo Hassler“. (S. 33f.)

    Edith würde sagen: Als nicht intendierte verweist die heute gehörte „Brücke von Weihnachten zur Passion“ auf die Bedeutungstiefe großer Kunst, die sich in jeder Generation, für jede Hörerschaft neu erschließt und in ihrer Tiefe stets neue Erkenntnisse zutage fördert.