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Nah und Fern im Geist

 

“Wie nah sind uns manche, die tot sind, und wie tot sind uns manche, die leben.”

(Wolf Biermann, Der Hugenottenfriedhof)

Kennen Sie das? Man stolpert über ein Zitat, sagt sich: „Ja, genau!“ und bemerkt, wenn man nur einen Moment länger drüber nachdenkt, in welchem Ausmaß man quasi automatisch auch schon ein bestimmtes Vorverständnisses gleich mitdenkt. So ging es mir mit der obigen Zeile von Wolf Biermann. Nur daß sich herausstellte, mein Vor-Verständnis war ein Miß-Verständnis, jedenfalls ein chronologisches.

Denn weil ich mich in Biermanns Werk nun nicht gerade intensiv auskenne, dachte ich: „Ach ja, der alte Sozialist. Da ist er im vorgerückten Alter doch zu einer sehr vernünftigen Position gelangt.“ Nur um bei näherer Recherche festzustellen: Das Lied stammt bereits aus dem Album „Warte nicht auf beßre Zeiten“ von 1973! Also drei Jahre vor seiner Ausbürgerung und deutlich bevor er sich von der Idee des Sozialismus abwandte, was nach eigenem Bekunden „Anfang der 80er Jahre“ geschah. Und so werden denn auch in dem Text des Liedes, dem die Zeile als Refrain (!) dient, auf dem “Hugenottenfriedhof” alle möglichen „sozialistischen Heiligen“ besungen, bzw. „besucht“: Liebknecht und Luxemburg, Heartfield und Brecht, aber auch Helene Weigel und, sehr stimmig, Hegel.

Zehn Jahre später, Wolf Biermann ist schon lange zwangsweise im „Westen“, singt Roland Jahn diese Zeilen in der Stasi-Haft vor sich hin, bis auch er abgeschoben wird.

Wenn man es recht betrachtet, glaube ich, wird schon aus diesen wenigen Worten klar, warum Biermann im real existierenden Sozialismus nicht klarkommen konnte.

Denn warum hat er recht mit seiner Feststellung von der (möglichen) Nähe der Toten? Weil wir geistige Wesen sind!

Wer so etwas formulieren konnte, der konnte in einem System, dessen Weltanschauung den „Historischen Materialismus“ verfocht, nur scheitern. Und der war offensichtlich der jüdischen Tradition seiner Vorfahren letztlich immer schon stärker verpflichtet als der kommunistischen. Schade, daß es solange dafür brauchte, wie für so viele gute Köpfe im fürchterlichen 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Ideologien.

Wie gut haben wir es doch. Wir wissen, daß wir geistige Wesen sind, ja mehr, viel mehr noch, wir wissen auch, wer es ist, der diese Existenzform verbürgt, denn: „Gott ist Geist […]“ Joh 4, 24

„Dank sei dem HErrn, der mich aus Gnad in seine Kirch berufen hat […]!“

Und hier, in großem Respekt für die Bereitschaft zu lebenslanger geistiger Beweglichkeit, das Lied auf Youtube, auch wenn’s sonst in die Musik auf PuLa so gar nicht paßt:

 

PS: Ich kann es mir doch nicht verkneifen! Schauen Sie mal, was ein anderer Blog (nicht Teil der Blogozese!) aus dem Zitat macht und versäumen Sie nicht, auch den (kurzen) Menüpunkt “Warum ich schreibe” zu lesen. Es gibt eine Art von Egozentrik, die macht mich (beinahe) sprachlos (Dann spiegeln Sie sich mal schön, “Peter”…).

Herzlichen Glückwunsch, Professor Spaemann!

Wenn auch eigentlich unverzeihlich spät am Tag, kann PuLa doch den heutigen 85. Geburtstag des großen Philosophen Robert Spaemann nicht unerwähnt lassen!

Das ist nun schon wieder ein Jubilar, über den etwas halbwegs Adäquates zu schreiben, ich mir nicht einmal von ferne zutraue! Sein in der deutschen Nachkriegsphilosophie einzigartiges Werk zu umreißen ist aber auf einem katholischen Blog wohl auch gar nicht unbedingt gefragt.

So beschränke ich mich darauf, zu tun was hoffentlich alle Schreibenden, selbst die Größten, freut: Ich empfehle Spaemann Ihrer Lektüre!

Lesen Sie z.B. hier eine in Rom gehaltene Rede von 1991, in der etliche der Elemente seines, im Ergebnis so überaus engagierten, Denkens anklingen.

Und, wenn Sie das nächste Mal eine Buchhandlung betreten: Gönnen Sie sich eine kleine Aufsatzsammlung von Spaemann: Das unsterbliche Gerücht, Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne, Stuttgart 2007. Aus Erfahrung kann ich sagen, daß eine bessere, nachhaltigere Ferienlektüre (es ist ein kleines, handliches Büchlein!) kaum denkbar ist.

Spaemanns in Variationen wiederkehrendes Motto: „Wichtig ist, was immer ist!“ hilft aus so manchem Dickicht des Denkens.

Ad multos annos, verehrter, lieber Professor Spaemann!

 

Übersetzungshilfe oder: We’re here to stay!

Aufmerksamen Lesern ist es natürlich bewußt: Ich lasse Sie seit dem 31. März auf etwas warten! Die angekündigte weitere Auseinandersetzung mit der berüchtigten „Seite 11“ des Osterpfarrbriefs steht noch aus.

Was soll ich sagen, die Beschäftigung mit diesem Text, bzw. der dahinter stehenden Geisteshaltung, die schiebt man gerne raus, zumal in einer so schönen Zeit wie der nach dem Osterfest… Aber, wenn es je zur Debatte gestanden hätte, diese abenteuerlichen Anwürfe einfach im Raum stehen zu lassen, inzwischen bestimmt nicht mehr, denn zwischendurch ist schon wieder so viel passiert, was dazu angetan ist, zahlreiche Gemeindemitglieder in die Irre zu führen, über das, was hier wirklich geschieht.

Da tut Information not. Also, gehen wir’s an; haben Sie das bemerkenswerte Schriftstück parat? Wenn nicht, ich werde ausführlich zitieren!

Zunächst ist es leider erforderlich, auf den Punkt zurückzukommen, den ich eigentlich schon abgearbeitet wähnte (hier), die unsinnige Behauptung, PuLa, bzw. PuLa verbundene Personen(gruppen) beabsichtigten die Amtsentfernung unseres Pfarrers und sammelten zu diesem Zwecke Unterschriften. Wie gesagt, schiere Erfindung.

Das hat aber offenbar bestimmte Leute nicht daran gehindert, sozusagen virtuell den Kreis derjenigen, die angeblich Unterschriften zu diesem Zwecke gesammelt haben sollen, sowohl personell als auch räumlich zu erweitern: Nun wird nämlich auch noch in Bad Berka und in Buttstädt erzählt, daß derartige Aktionen stattgefunden haben sollen. Nun, wer solche „Sammler“ gesehen hat, der hat auch den Osterhasen gesehen ;-) Nochmals: Niemand hat Unterschriften mit dem Zweck der Versetzung unseres Pfarrers gesammelt. Lassen Sie sich keinen Hasen, äh, Bären aufbinden!

Aber, damit ist das Thema leider immer noch nicht erledigt, denn: Es hat schon eine Unterschriftensammlung stattgefunden! Allerdings für Pfr. Kämpf! Im Ernst, wenige Tage vor dem Triduum sind tatsächlich verbürgt Menschen unterwegs gewesen, die haben Unterschriften zur Unterstützung eines rechtmäßig im Amt befindlichen katholischen Geistlichen gesammelt. Und da schreibe ich Ende März noch so blauäugig (bloß in einer Klammer, weil es mir so undenkbar erschien!) daß alle die Gründe, die gegen eine solche Unterschriftensammlung gegen einen Pfarrer sprechen, auch gegen die Unterschriftensammlung für einen Pfarrer sprechen und dann passiert das tatsächlich; Unglaublich!

Meinen diejenigen, die das betrieben haben wirklich, es ließe sich für einen katholischen Geistlichen auf diese Weise auch nur ein Jota mehr an Legitimität erreichen? Wie absurd! Da braucht man dann auch nicht mehr darüber nachzudenken, daß die Aktion teilweise offenbar nicht sehr geschickt durchgeführt wurde (auch in der Kirche!!) und bloß von so kurzer Dauer war, daß vermutlich eh nur ein sehr kleiner Kreis von Gemeindemitgliedern davon erfahren hat. Jedenfalls sollen die Ergebnisse nach Erfurt ans Bistum weitergeleitet worden sein. Na, die werden sich aber gefreut haben! So, wie sich jede personalführende Stelle freut, wenn sich jemand ungefragt in ihre Angelegenheiten mischt. Wenn Sie mich fragen, damit hat man dem Betroffenen einen Bärendienst erwiesen.

Aber kommen wir zu den Teilen des Textes, mit denen wir uns bisher noch nicht beschäftigt haben, und fangen, so zur Abwechslung, mal ganz unten an!

Da lesen wir: „(Die Finanzierung dieser Seite wurde privat übernommen, die Kasse der Pfarrei Weimar wird damit nicht belastet.)“ Wie bitte? Es gibt private Teile im Pfarrbrief? Das ist ja interessant. Kann ich da auch eine Seite buchen, um eine Richtigstellung zu bringen? ;-) Aber ernstlich, was soll das denn? Entweder, man hält das, was im Pfarrbrief steht, für so wichtig und für von so allgemeinem Interesse, daß es ganz normal dort erscheint, oder, ja, oder es hat dort überhaupt nichts zu suchen! Auf die Idee, die Finanzierung dieser Seite zu hinterfragen wäre ich sicher zu allerletzt gekommen, aber wie schon Ende März gesagt, man merkt eben, es war den für diesen Text Verantwortlichen offenbar nicht wohl in ihrer Haut!

Und dann springen wir eins höher und sehen uns die Unterschriften an. Oder vielmehr das, was dafür herhalten muß, denn Namen sind da wieder nicht zu finden, ebenso wie ja auch die Eingangstexte unserer wöchentlichen Vermeldungen weiterhin anonym erscheinen… Stattdessen stand dort also: „Geistliche, hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mitglieder des Pfarrgemeinderates, des Kirchenvorstands und der Kirchengemeinde“ Das ist nicht ungeschickt, denn beim flüchtigen Lesen entsteht der Eindruck, es seien jeweils alle Mitglieder der zuerst genannten Personengruppen gemeint.

Das steht da aber nicht. Denn so war es auch nicht, wir kennen definitiv Menschen aus PGR und Kirchenvorstand, die haben mit diesem Elaborat nichts zu tun. Traurig genug, wenn es wirklich mehrere (wenn auch eben nicht alle) Geistliche(n) mitgetragen haben.

Die hätten doch nämlich zum mindesten, und damit springen wir an den Anfang des Textes, die schon bemerkenswerte implizite Gleichsetzung der Verfasser mit dem HErrn selbst monieren müssen, die da vorgenommen wird. Zitiert wird der Abschnitt mit dem Rauswurf der Händler aus dem Tempel (Joh 2,13-15): „Das ist nicht der milde Jesus, der uns sonst in den Evangelien begegnet. Jesus ist einfach nur wütend. Er diskutiert nicht, sondern lässt seinem Zorn freien Lauf. Auch wir sind zornig: Im Internet gibt es einen Blog, eine Seite, die sich „Katholisch in Weimar“ nennt.“(Hervorhebung von mir). DAS kommentiere ich mal lieber nicht, für den Maßstab seiner Vergleiche ist jeder selbst verantwortlich (vgl. aber Ex 20, 7).

Und dann geht’s gleich in die Vollen: „Auf dieser Internetseite werden Mitglieder unserer Kirchengemeinde beschimpft, verleumdet, verunglimpft und beleidigt.“

Wie nett. Und wie inhaltsarm. Ohne Belege kann ich nur allgemein sagen: Verleumdung und Beleidigung sind Straftatbestände. Mit solchen Begriffen sollte man nicht leichtfertig um sich werfen. Und im übrigen stehen auf diesem Blog die Autoren mit ihrem Namen für ihre Beiträge ein, während alles nicht extra Gekennzeichnete natürlich von mir und nur von mir ist. Immer. Wie wäre es für den Anfang, man nähme sich an dieser Offenheit ein Beispiel?

Aber kommen wir zu den Vorwürfen im Einzelnen.

„An erster Stelle und immer wieder wird unser Pfarrer Kämpf diffamiert. Egal, ob er zu Fortbildungen, Werkwochen, Exerzitien oder auf Dienstreisen ist – ihm wird immer wieder vorgehalten, er sorge sich nicht um die Gemeinde.“

Nun, unter „diffamieren“ versteht man die gezielte Verbreitung ehrverletzender Behauptungen, obwohl man weiß, daß sie unwahr sind.

Die in diesem Text aber nicht behaupteten, sondern festgestellten Abwesenheiten von Pfr. Kämpf ließen sich belegen, waren also keineswegs „unwahr“. Über die Gründe für diese Abwesenheiten habe ich damals nicht spekuliert und habe es heute ebensowenig vor, das Ausmaß derselben erschien mir aber unabhängig von den Gründen übertrieben und zu dieser Meinung stehe ich nach wie vor. Ebenso ist „immer wieder“ einfach falsch Ich habe von mir aus an diesen leidigen Komplex um das Fernbleiben unseres Pfarrers vom Papstbesuch schon lange nicht mehr erinnert (womit wir wieder beim „Bärendienst“ sind…).

Und weiter: „Von einem langjährigen, treuen Mitglied der Kirchengemeinde wird penetrant mehrmals behauptet, es sei nicht katholisch.“ Hilfe!, hier habe ich ja erstmal nachdenken müssen, was überhaupt gemeint ist, solange ist das her. Also, es handelte sich in der Tat um eine Fehlinformation, die ich sofort klargestellt habe (hier) und ich kann bis heute nur sagen, was ich damals geschrieben habe: „ […] findet jemand, es ist eine Beleidigung zu sagen: „Sie sind Protestant.“ Also ich nicht.“

Dann folgt etwas, das leider ernster zu nehmen ist: „Der Leiterin unseres Kindergartens wird unterstellt, sie habe Probleme mit dem Kirchenvorstand und gebe deshalb ihre berufliche Karriere auf.“ Autsch! Von „Karriereaufgabe“ habe ich, selbstverständlich, kein Sterbenswörtchen geschrieben, überzeugen Sie sich, hier, nur jetzt, jetzt steht das böse Wort da. Und schon wieder dürfte es jemanden geben, der sich für die „Seite 11“ schön bedankt haben wird.

Hinsichtlich des folgenden Anwurfs muß ich ein wenig an mich halten. Dazu fiele mir noch einiges mehr ein, als ich jetzt hier schreiben werde, aber jeder, der sich in den Weimarer Verhältnissen auch nur ein wenig auskennt, wird sich sowieso sein Teil denken:

„Ehrenamtliche Mitarbeiter, die vom Pfarrer zur Ausübung ihres Dienstes einen Schlüssel übertragen bekommen haben, werden in Misskredit gebracht.

Hier offenbaren die Autoren der Internetseite, dass Schlüsselbesitz für sie nur mit Macht zu tun hat.

Dabei gehören in unserer Kirchengemeinde zur Schlüsselgewalt in erster Linie die Sorge um eine würdige Feier der Liturgie, Putzen und Aufräumen, Mühe um alte und junge Menschen, viele Stunden des Arbeitseinsatzes und große Verantwortung.“

Soso, „in erster Linie“ Und sonst? ;-) Aber im Ernst, man muß sich den Kontext vor Augen halten, in dem die „Schlüsselfrage“ hier auf PuLa vorgekommen ist:

„[…] ganz abgesehen davon daß es hier ja auch Ehrenamtliche gibt, die über einen Generalschlüssel verfügen und damit ihre Arbeit in der Gemeinde jederzeit (zu jeder-Zeit!) in Selbstbedienung ausführen können. Von Kontrolle ist dann übrigens keine Rede – komisch eigentlich.“

Es geht und ging um eine krasse Ungleichbehandlung. Es geht und ging darum, daß eine Person, die auch bloß ehrenamtlich tätig ist, wie andere, sich mit einem General-Schlüssel völlig frei bewegen kann, räumlich und zeitlich, und daß alle anderen, seien es Kirchenputzer, Jugend oder Chorleiter, ja sogar Hauptamtliche, immer wieder um den jeweiligen Schlüssel geradezu „betteln“ müssen, ständigem entwürdigendem Mißtrauen ausgesetzt sind und in einer Weise kontrolliert werden, die einfach nicht zum Charakter kirchlicher Räume paßt. Das Otto-Neururer-Haus, das übrigens auch mit staatlichen Fördermitteln renoviert wurde, kann unter diesen Umständen einfach nicht so genutzt werden, wie es eigentlich selbstverständlich wäre.

Und das hat in der Tat etwas mit Macht zu tun. Aber mit einer Macht, die bereits ausgeübt wird, ungerecht ausgeübt wird, und bestimmt nicht mit einer, die irgend jemand, der hier schreibt, anstrebt, weiß Gott nicht… (Die penetrante Selbsterhöhung im letzten Abschnitt des Zitats spricht im übrigen glaube ich für sich, die muß ich nicht kommentieren).

„Immer wieder versuchen diese Autoren aktiv, Mitglieder unserer Kirchengemeinde, ja sogar kirchliche Mitarbeiter anderer Pfarreien und Christen anderer Konfession zu verunsichern und gegen Gemeindemitglieder zu hetzen.“ (Hervorhebung von mir)

Wäre mal interessant, wie so was auch „passiv“ ginge ;-) Leider, liebe Leser, bin ich an dieser Stelle mit dem Versuch gescheitert, herauszufinden, was hier gemeint sein könnte. Nur, denkt hier jemand, Herz-Jesu-Weimar sei eine Insel, ein Dornröschenschloß mit einer hohen undurchdringlichen Hecke darum, so daß niemand etwas davon erfährt, was drinnen vorgeht? Wie absurd! Auf diesen Aspekt wird in der abschließenden allgemeinen Betrachtung zurückzukommen sein!

Aber widmen wir uns vorher noch meinem zweitliebsten Vorwurf (den „Höhepunkt“ bewahren wir uns bis zum Schluß auf, wie sich das gehört!):

„Sie betreiben gezielt die Manipulation der im Herbst anstehenden Wahlen zu Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand.“

Die anstehenden Wahlen also. Auf PuLa war von diesen Wahlen doch noch gar nicht die Rede. Halt, doch, einmal, als es um den Abschluß der Strukturreform ging, aber da stand ja noch lange nicht mal das Datum, der 2. September, fest…

„Wahlmanipulation“! Wer auf so einen Vorwurf kommt, der gibt wirklich eine Menge über sich preis! Ich wäre jedenfalls auf so einen Gedanken einfach gar nicht gekommen. Erstens tut man so was nicht. Zweitens habe ich als Beamter auf das Funktionieren demokratischer Spielregeln einen Eid geleistet und drittens: Wie geht denn das, Wahlen manipulieren? Gibt’s da schon Erfahrungswerte? ;-) Ernstlich: Wie soll man sich das auch nur hypothetisch vorstellen? Über welche rein tatsächlichen Voraussetzungen sollte ich, sollten wir, zu einer solchen Manipulation verfügen? Die Auszähler hypnotisieren? Nachts ins Pfarrhaus einbrechen und die Ergebnisse fälschen? Wir haben ja keinen Generalschlüssel…

Entweder, bei diesem völlig abgedrehten Vorwurf hat jemand auch in der Fastenzeit zu tief ins Glas geschaut, oder – ja, oder hat da jemand so viel Angst vor Veränderung, daß er das ganz normale und gewollte Funktionieren demokratischer Mechanismen, das akkurat darauf abzielt, daß sich etwas verändern kann, mit dem rechtswidrigen und unanständigen Versuch einer Manipulation gleichsetzt? Ich biete jedenfalls hiermit schon mal an, mich an diesem Tag als Wahlhelfer zu Verfügung zu stellen, dann können sich alle sozusagen gegenseitig kontrollieren! ;-)

„Unser Pfarrgemeinderat hat in der Sitzung Anfang März deutlich gemacht, dass diese Aktivitäten in unserer Gemeinde nicht geduldet werden […]“

Der Pfarrgemeinderat hat nichts dergleichen getan, für so etwas hätte er auch gar nicht die Kompetenz. Allerdings hat er, mehrheitlich, nicht einstimmig, unter einer fadenscheinigen und fabrizierten Begründung (dazu bei Gelegenheit mehr) dazu beigetragen, daß ein musikalisches Angebot für Kinder bis auf weiteres aus der Gemeindearbeit gestrichen wurde. Ansonsten sollten die Verantwortlichen endlich, wie andernorts allgemein üblich, die Protokolle der Sitzungen öffentlich zugänglich machen, jedenfalls aber den unmittelbar Betroffenen zukommen lassen.

„[…] denn hier versuchen Katholiken, anderen Katholiken vorzuschreiben, wie man katholisch zu sein hat.“

Ha! Herr Kapellmeister, bitte einen Tusch für diesen Halbsatz! Diesen entlarvenden und deshalb hilfreichen Halbsatz. Es gab ja zwischendurch wirklich schon Momente, da habe ich gedacht: „Laß sie doch machen in ihrem Klein-Klein, um mehr geht’s ja offensichtlich wirklich nicht.“ Aber genau hier sieht man: Es geht sehr wohl um mehr!

PuLa will niemandem etwas vorschreiben. PuLa erinnert lediglich an die Tatsache, daß es substantiell verschiedene Arten „katholisch zu sein“ nicht gibt und nicht geben kann. Was es geben kann, sind verschiedene Stile der Frömmigkeit, und da ist PuLa tolerant, vgl. z.B. hier (obwohl man sich auch über die „Stile“ sehr wohl schon unterhalten und sogar streiten kann!).

Worüber man sich aber unter Katholiken nicht streiten können sollte, sind die Inhalte des Credo, oder? Und da ist nun mal u.a. die Rede von der „einen Kirche“, die wir glauben. Und die eine Kirche, das ist nicht (bloß) die Kirche in Weimar, in Erfurt, oder in Deutschland, das ist die Kirche auf der ganzen Welt und für die ganze Welt. Und ihre Einheit wird verbürgt und verwirklicht im Amt des Nachfolgers Petri.

Aber: Es geht natürlich umgekehrt auch in Weimar um die Kirche, die EINE Kirche! Und daher wird hier auch in Zukunft versucht werden, das, was uns begegnet, an dem zu messen, was uns der Hl. Vater sagt und was römisches Gesetz ist, auch wenn das mancherlei „deutsche“ Phantastereien (zer-) stört, denn von der Vorstellung: „Wir machen hier unser Ding“ zum liturgischen Mißbrauch, der uns von der Weltkirche trennt, ist es manchmal nur ein kleiner Schritt (auch dazu bei Gelegenheit mehr).

So, und nachdem uns damit die “Seite 11“, wenn auch auf unerfreuliche Weise, fast so etwas wie einen Jahresrückblick auf PuLa, das März/April 2011 seine Tätigkeit aufgenommen hat, spendiert hat, sehen wir langsam etwas klarer, wenn wir nämlich beginnen, die hier formulierten Vorwürfe ein bißchen zu „übersetzen“, um so herauszufinden, was eigentlich dahinter stecken könnte!

Wie bitte? Ach, Sie haben so gut aufgepaßt, daß Sie bemerkt haben, nach all den Kübeln Schmutz, in die wir schon geschaut haben, fehlen immer noch einige einzelne Anwürfe. Stimmt. Die sind aber nicht vergessen, Reaktion folgt bald. Bis dahin wollen wir aber die Geduld der Leser außerhalb Weimars nicht allzusehr auf die Probe stellen, denn was jetzt folgt, ist hoffentlich auch außerhalb unseres engen räumlichen Kontexts von einem gewissen grundsätzlichen Interesse.

Wenn Sie sich mal die Grundstruktur der „Seite 11“ wie auch einiger Kommentare der notorischen „Else Franke“ anschauen, da fällt eines stark ins Auge: Von Interesse sind eigentlich nicht die Inhalte dessen, was hier verhandelt wird. Überhaupt nicht. In gut einem Jahr PuLa hat sich von dieser Seite noch keine einzige inhaltliche Erwiderung in meinem Postfach gefunden! Nicht eine! Statt dessen wird alles auf einer ausschließlich persönlichen Ebene betrachtet und das in einem klarem Freund/Feind Denken: „Die (Bösen) und Wir (Guten)“. Das gipfelte dann eben in der expliziten Dämonisierung auf der „S. 11“: „Denn das tut der teuflische Diabolus […]“, die sich an die Bezeichnung von Mitmenschen/Nächsten als „Schädlinge“ nahtlos anschließt (und, nebenbei bemerkt, überdeutlich macht, daß diese Bezeichnung niemals als „Scherz“ gemeint gewesen ist, wie es jetzt gerne dargestellt wird!).

Und dann ist immer wieder die Rede vom gestörten Frieden, bzw. dem Unfrieden, den PuLa hervorgerufen hätte. “Übersetzt”: „Wir“ haben hier in Ruhe gemacht, was wir schon immer gemacht haben, und „Die“ sind die Störenfriede. PuLa hat ja schon analysiert (hier), wie man sich auf Seite des selbsterklärten „Wir“ diese Ruhe vorstellt: „Wir“ sagen, was hier in Weimar „erwünscht“ ist, und wer sich mit was betätigen darf.

Wohlgemerkt, mich interessiert im Augenblick nicht die Frage, ob das in einer christlichen Gemeinschaft eine angemessene Haltung ist/ein pastorales Konzept sein kann, sondern bloß der gewissermaßen soziologische Aspekt. Den hat vor einiger Zeit die Erfurter Pastoraltheologin, Prof. Maria Widl, bei uns ja nicht unbekannt, in einem Interview treffend beschrieben: „Die bislang weitverbreitete Gemeindestruktur im Sinne der Dorflogik ist hingegen die des Clans, in der wichtige Leute über unwichtigen Leuten stehen und vorgeben, wo es lang geht.“ Und zu dieser Logik des „Dorfs“ gehört natürlich die Kontrolle. Zuvörderst die Kontrolle der Kommunikation und ihrer Mittel. Dumme Sache bloß, daß ein Blog solcher Kontrolle prinzipiell entzogen ist. Diese Erkenntnis erklärt vermutlich einen Teil der Aggressivität auf der „Seite 11“.

An dieser Stelle ist es natürlich erforderlich zu fragen, ob denn PuLa nicht wirklich die Ruhe und den Frieden gestört hat (und ggf. warum).

Die Ruhe schon, den Frieden nicht! lautet die Antwort. Denn es gab keinen Frieden.

Die Motivation für PuLa war und ist eine zweifache: Persönlich war für mich ein Punkt gekommen, an dem ich, nach Jahrzehnten des Leidens an bestimmten Erscheinungsformen der „real existierenden Kirche in Deutschland“, ihren Stuhlkreisen und Mittelaltären, ihren Gitarren und „gestalteten Gottesdiensten“ schlicht die Nase voll hatte, was, denke ich, vielen Kollegen in der Blogozese genau so ging.

Aber das hätte mich alleine niemals dazu bewegen können, wirklich selber zu schreiben. Es gibt so wunderbare katholische Blogs, viel schöner und gelehrter, bunter und fröhlicher als meiner.

Aber es gab keinen, der die trügerische Ruhe in dieser Gemeinde anpackte. Der zumindest versuchen konnte, die kranke Kommunikation, die hier eingerissen ist, aufzubrechen. Oder finden Sie es normal, wenn alle nur hinterrücks darüber stöhnen, „…daß ja schon wieder…”?

Ich nicht, und PuLa ist immer noch der Versuch, eine Dialog-Plattform zu bieten, denn was in der Gemeinde vor sich geht, das sind unsere eigenen Angelegenheiten! „Ruhe“ kann es auch geben, wenn alle hilflos mit den Zähnen knirschen, „Frieden“ gibt es nur in der Wahrheit, auch wenn die unbequem ist. Nein, PuLa bietet keine „bösen Lügen“ (wie die “Seite 11″ behauptet), sondern berichtet über unbequeme Wahrheiten.

Und Weimar ist eben kein „Dorf“ im oben beschriebenen Widlschen Sinne, Weimar ist eine „Stadt“, auch in dem Sinne, daß sich die hiesige Gemeinde ständig in ihrer Zusammensetzung verändert, nicht zuletzt durch Zuzüge und das, bedingt z.B. durch die Hochschulen, schon seit etlichen Jahrzehnten. Und sie wird es weiterhin tun! Und parallel dazu haben sich eben die Kommunikationsmöglichkeiten durch das weltweite Netz grundlegend verändert. Wer heute „sein eigenes Ding machen“ will, ohne die, die es betrifft, einzubeziehen, auf sie Rücksicht zu nehmen, der darf eben nicht mehr damit rechnen, daß das nicht öffentlich, nicht zum Gegenstand der Debatte wird.

Und dann stellte sich etwas Interessantes heraus: Das „Sein eigenes Ding machen wollen“, das begegnet einem als Strukturproblem nämlich auf beiden Ebenen, daran krankt die Kirche in Deutschland im Ganzen wie diese relativ unbedeutende Diasporagemeinde. Und die beiden „Mir san mir-Trips“, die hängen enger miteinander zusammen, als ich anfangs annahm (weswegen ich eben für den Satz mit dem „Vorschreiben, wie man katholisch zu sein hat“ als Beleg so dankbar bin!). Nach Jahrzehnten, in denen nur allzuoft eine abgehobene und selbstreferentielle (Universitäts-) Theologie so manchem Geistlichen und erst recht manchem „engagierten Laien“ alles mögliche eingeredet hat, was so alles „ginge“ und vor allem, wie blöde und zurückgeblieben die doch in Rom seien, da ist mittlerweile so einiges “vor Ort” angekommen. Nur erleben wir gerade, und nicht erst in diesem Pontifikat, in der Kirche eine wahrhaft „katholische“, eben eine „allgemeine“, weltumspannende Bewegung in die entgegengesetzte Richtung und PuLa ist insofern nur ein klitzekleiner Teil dieser Bewegung (aber stolz darauf!).

Und jetzt wissen wir auch endlich, was es ist, wovon Weimar wird „Abschied nehmen“ müssen, wie im Beitrag vom 31. März angekündigt: Von der aufgezwungenen Widlschen „Dorflogik“ und von der falschen Ruhe, die mit Frieden nichts zu tun hat.

Denn das gilt eben für alle die, die in „Ruhe“, also unbemerkt, ihr eigenes Süppchen kochen wollen, und sich eben damit tatsächlich vom „Katholischen“ zu entfernen drohen: Game over! Das Spiel ist vorbei.

Für alle die aber, die sich aus gutem Grund vorgenommen haben, immer wieder in diese Suppe zu spucken gilt: We’re here to stay!

Wir gehen nicht wieder weg, nicht aus Berlin und nicht aus Brighton, nicht aus Chicago und nicht aus Colombo, nicht aus Wigratzbad und auch nicht aus Weimar.

 

Von guten und schlechten Hirten

Am 4. Sonntag der Osterzeit sieht die Perikopenordnung als Evangelium den zweiten Teil der „Hirtenrede“ in Joh. 10 vor, die Verse 11-18.

Da auch beide Lesungen aus dem NT stammen, ergibt sich leider nicht die Möglichkeit, den wichtig(st)en alttestamentarischen Text zu Gehör zu bringen, der sozusagen die Folie für die „Hirtenrede“ bildet: Ezechiel 34, 1-31 (und 37, 24).

Daher hier, sozusagen als Service für treue PuLa-Leser, leicht gekürzt und auf den Aspekt des einen, kommenden Hirten zugespitzt:

Die schlechten Hirten Israels und der gute Hirte

1 Das Wort des Herrn erging an mich:

2 Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden?

3 Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide.

4 Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken mißhandelt ihr.

5 Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere.

[…]

9 darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn:

10 So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein.

11 Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.

12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.

[…]

16 Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

[…]

23 Ich setze für sie einen einzigen Hirten ein, der sie auf die Weide führt, meinen Knecht David. Er wird sie weiden und er wird ihr Hirt sein.

24 Ich selbst, der Herr, werde ihr Gott sein und mein Knecht David wird in ihrer Mitte der Fürst sein. Ich, der Herr, habe gesprochen.

31 Ihr seid meine Schafe, ihr seid die Herde meiner Weide. Ich bin euer Gott – Spruch Gottes, des Herrn.

Kapitel 37

24 Mein Knecht David wird ihr König sein und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden nach meinen Rechtsvorschriften leben und auf meine Gesetze achten und sie erfüllen.

 

Die Großherzogin und ein Privileg

Luxemburg ist zu Besuch! II.KK.HH. Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg weilen heute im Rahmen ihres Deutschlandbesuchs in Thüringen und werden sich ab dem Mittag in Weimar aufhalten, zu einem Mittagessen im Hotel Elephant, zu einer Stadtrundfahrt und zu einer anschließenden Besichtigung der Anna-Amalia-Bibliothek (Medieninformation der TSK).

„Huch!“ höre ich Sie da sagen, „Was interessiert uns das denn auf einem katholischen Blog?“ PuLa goes glamour? ;-)

Nein, keine Sorge, es gibt sehr wohl einen katholischen Bezug und er liegt nicht nur darin, daß mit dem Präsidenten der Klassik-Stiftung ein Mitglied unserer Gemeinde den Hoheiten die  Kunstschätze erläutern wird.

Vielmehr besucht mit Großherzog Henri einer von nur noch drei verbliebenen „Katholischen Monarchen“ die Stadt. Außer ihm tragen diesen von den Päpsten verliehenen Ehrentitel nur noch die Könige von Belgien und, natürlich, von Spanien.

Und im vorliegenden Fall ist der Titel keineswegs nur Schall und Rauch oder eine nette historische Reminiszenz. Nein, Großherzog Henri hat nach seinen Überzeugungen gehandelt, als er im Jahr 2008 die Gegenzeichnung des luxemburgischen Euthanasie-Gesetzes verweigerte. Mit diesem Aufstehen gegen die „Kultur des Todes“ (Johannes Paul II.) hat er damals viel riskiert, letztlich nichts weniger als den Fortbestand der Dynastie als erbliche Staatsoberhäupter Luxemburgs. Da aber die Luxemburger in ihrer großen Mehrheit ihr „regierendes Haus“ behalten wollten und wollen, wurde, auch da schon unter der Führung der „Allzweckwaffe“ Jean Claude Juncker, in wenigen Tagen eine Verfassungsänderung durchgepeitscht, die die Notwendigkeit der großherzoglichen Billigung von Gesetzen eliminierte und damit das Problem aus der Welt schaffte.

In diesem Sinne: Herzlich willkommen, Königliche Hoheit!

So, und warum verspricht die Überschrift etwas von der Großherzogin? Weil der Titel des Katholischen Monarchen eine ganz bestimmte kleine protokollarische Folge hat: Das „Privilège du blanc“.

Ausschließlich „Katholische Königinnen“ (regierende) oder eben die Ehefrauen „Katholischer Monarchen“ dürfen nach vatikanischem Protokoll in Gegenwart des Hl. Vaters in Weiß erscheinen, statt des ansonsten obligatorischen Schwarz.

Schauen Sie hier, anläßlich der Seligsprechung von Johannes Paul II.:

Gute Laune bei der Seligsprechung

Ist das nicht zauberhaft?

 

China und die Kirche in Cottbus

Ich geb’s ja zu: Daß PuLa im Moment mehr auf fremde Texte verlinkt, als Selbstgeschriebenes bringen zu können, irritiert mich ein bißchen. Aber es kommen wieder andere Zeiten, ganz bestimmt!

Bis dahin darf aber ein gerade für uns Katholiken in der mitteldeutschen Diaspora wichtiges Interview wie das mit Martin Mosebach in WELT Online vom 20. April auf keinen Fall unerwähnt bleiben (wieder einmal herzlichen Dank an A. Kissler für den Hinweis)!

Unter dem Titel: „Der Unglaube im Osten ist ein Erbe Preußens“ entwickelt Mosebach seine Thesen, warum denn nach einer neueren amerikanischen Studie der Osten Deutschlands die atheistischste Weltgegend überhaupt ist. Stichworte: Reformation und preußisches Staatskirchentum, aber auch schon die Frage nach den Grenzen des antiken römischen Herrschaftsbereichs! Sehr anregend, auch wenn ich z.B. über den Vergleich mit dem nachkommunistischen Rußland unter dem Aspekt des antiken Erbes, bzw. der Frage, inwieweit man denn hier oder dort „barbarischer“ geblieben sei, gern noch einmal nachdenken würde…

Aber: Mosebach bleibt auch in diesem Text nicht in einer jammerigen Nabelschau befangen, sondern zeigt wieder einmal echten katholischen Weitblick: „Die Kirche wandert über den Erdkreis. Jetzt entwickelt das Christentum zum Beispiel eine große Strahlkraft in China. Das dürfte politisch gesehen die interessantere Nachricht sein als die, ob in Cottbus die Kirche voll ist.“ Genau! Ein ganz ähnlicher Gedanke, wie ich ihn in der Einführung zu diesem Blog einmal formuliert habe: „Wir werden Weltkirche sein, oder wir werden nicht sein“.

Es ist natürlich bezeichnend, daß Mosebach, der übrigens Weimar gut kennt, für die kaum zu überschätzenden Verdienste, die er sich mit seinem zuerst wohl 2002 erschienenen Buch: „Die Häresie der Formlosigkeit – Die römische Liturgie und ihr Feind“ von interessierter Seite beständig als „Feuilleton-Katholik“ beschimpfen lassen muß, aber zu diesem Begriff und seiner polemisch-ideologischen Verwendung muß ich dann wirklich in Zukunft mal selber was schreiben… ;-)

Ein “Mystiker aus Einsicht”, A. Kissler zum Papstgeburtstag

Als kleiner Nachtrag zum Papstgeburtstag folgt hier der Link zu einem sehr schönen Text von Dr. Alexander Kissler im heute erscheinenden „Vatican-Magazin“ (das übrigens auch am Weimarer Bahnhof erhältlich ist, für alle, die Papier bevorzugen!): “Mystiker aus Einsicht“.

Kissler ist immer lesenswert, aber was mich gerade an diesem Text besonders gefreut hat, ist die Tatsache, daß er die ja gern ein bißchen stiefmütterlich behandelte Predigt des Hl. Vaters auf dem Erfurter Domplatz in seiner Argumentation heranzieht! Hier der Abschnitt, auf den sich Kissler bezieht:

„[…] Christus kommt auch heute auf uns zu, er spricht jeden einzelnen an, wie er es eben im Evangelium getan hat, und lädt jeden von uns ein, ihm zuzuhören, ihn verstehen zu lernen und ihm nachzufolgen. Diesen Anruf und diese Chance haben die Heiligen genutzt, den konkreten Gott haben sie anerkannt, ihn gesehen und gehört und sind auf ihn zugegangen, mit ihm gegangen; sie haben sich von innen her sozusagen von ihm anstecken lassen und haben sich ausgestreckt auf ihn – in der beständigen Zwiesprache des Gebets – und von ihm das Licht erhalten, das ihnen das wahre Leben erschließt.“

(Zur Predigt auf dem Domplatz mit ganzem Text auf PuLa: hier)

Danke, Dr. Kissler!

Herzlichen Glückwunsch, Heiliger Vater!

Papst Benedikt feiert heute seinen 85. Geburtstag.

Ob ich in der Lage wäre, zu diesem Anlaß etwas auch nur ansatzweise Angemessenes zu schreiben? Vermutlich eher nicht! Den Schub, den dieser Papst vielen Gläubigen (und sogar Nicht-Gläubigen!) auf dieser Welt geschenkt hat, den wird man wohl erst im zeitlichen Abstand wirklich würdigen können und ich fürchte, alles Persönliche geriete mir leicht zu persönlich…

Wie schön, daß PuLa sich dankbar an der wunderbaren Initiative einiger Kolleginnen und Kollegen beteiligen konnte, die dem Jubilar einen Blumenstrauß papsttreuer Blogs gebunden haben. Enjoy!

You’ll never walk alone…

Edit: Und (mit herzlichem Dank für den Hinweis!) hier noch ein sehr launiger und gelungener Beitrag von M. Matussek auf Spiegel-Online.

Ein Sonntagabend voller guter Laune

Seufz! Bis man nach so einem Wochenende, das man mit der Familie fast völlig außerhäusig verbracht hat, wieder an die Tastatur kommt…

Aber es gibt heute abend etwas zu berichten. Etwas Schönes! Nun ist eigentlich die Abendmesse nach dem Weißen Sonntag ja nichts Aufregendes und auch die schöne und sorgfältige Gestaltung (Embolismus!) durch Pfr. Riethmüller und die ebensolche Predigt hätten mich um kurz vor 23.00 Uhr nicht mehr dazu gebracht, das Notebook anzufeuern.

Nein, heute abend war es die Musik, die den Gottesdienst besonders ausgezeichnet hat. Ich saß relativ weit hinten und vor mir wandten sich immer wieder etliche Gemeindemitglieder erstaunt um, was sich denn da so erfreuliches auf der Orgelempore tat. Sichere und geschmackvolle Registrierung, schöne und, für unsere Verhältnisse, ausführliche Liedvorspiele, die Aufzählung ließe sich fortsetzen! Klar, daß es nach dem abschließenden Marienlied (!) auch noch ein schönes Nachspiel gab. Als im Anschluß mehr als ein Besucher dieser Messe das Bedürfnis verspürte, sich dafür beim Organisten zu bedanken, stellte sich heraus, daß es sich um einen Studierenden der Musikhochschule handelte, der, nach eigenem Bekunden, nicht einmal Kirchenmusik im Hauptfach betreibt!

Um so bemerkenswerter, wie sensibel gerade der liturgische Aspekt des Spiels an zwei zentralen Stellen gelungen war. Wir hatten es auf diesen Seiten schon einmal: Der an und für sich schöne und sinnvolle „Friedensgruß“ wird durch seine Plazierung unmittelbar vor dem Agnus Dei zum Problem. Wie überaus wohltuend und hilfreich war es da, durch den kleinen aber professionellen Kunstgriff eines etwas längeren Liedvorspiels wieder die Chance zur Konzentration auf das Wesentliche, die sakramentale Gegenwart des HErrn, zu bekommen! Und ebenso nach der Kommunion. Wie oft wird man aus diesem Moment der Andacht und des Gebets, im besten Fall des wirklich innigen Gebets, gerissen, weil auf der Empore jemand meint, jetzt müsse es „aber mal weiter gehen“; zum Aus-der-Haut-fahren! Nicht so heute: Sehr sensibel begann das Lied nach der Kommunion einmal erst zum angemessenen Zeitpunkt. Danke, Herr B., nochmals ganz herzlichen Dank!

Was man an diesem schönen Erlebnis sieht, ist, was Amei Mende vor einiger Zeit den Verantwortlichen der Gemeinde detailliert und mit etlichen Nachweisen nahe zu bringen versucht und via PuLa mit uns allen geteilt hat: Gute Kirchenmusik ist nichts für abgehobene Schöngeister, nein, sie dient der Liturgie in entscheidender, wenn auch manchmal durchaus unaufdringlicher Weise. Und zwar nicht an derem Rande, sondern in ihrem Zentrum! Nicht nur die musikalischen Experten (zu denen ich mich auch nicht zählen darf, obwohl es davon gerade bei uns auch ziemlich viele gibt) erfreut sie, sondern sie nützt jedem einzelnen Gläubigen, der sich um seine Andacht müht!

Jetzt werden sich vermutlich gerade die externen PuLa-Leser fragen: Warum ist denn das offenbar so etwas Besonderes? Warum hat man denn solche Erlebnisse in einer Stadt mit einer Musikhochschule nicht öfter? Müßte das nicht möglich sein? Ja, liebe Leser, das wäre es. Aber die Studierenden spielen nicht regelmäßig. Dahinter steht eine Geschichte, die ungeachtet ihrer deprimierenden Gründe von der Solidarität zwischen Lernenden und Lehrenden erzählt und so nicht einmal nur traurig ist. Aber zu traurig und zu lang, um heute abend erzählt zu werden.

Vielleicht muß man sie ja auch gar nicht mehr erzählen, wenn, ja wenn ein, zwei Menschen über ihren Schatten springen und wirklich etwas tun, statt nur so zu tun, als ob sie etwas täten…

 

 

Osterlachen – Mit Stern!

Anders als im vergangenen Jahr ist das Osterlachen auf PuLa heuer weniger innerkirchlich als historisch/gesellschaftspolitisch.

Viel Spaß! (bevor wir uns, mehr nolens denn volens, vorrübergehend unangenehmeren Themen zuwenden müssen…)

Verwaltungssitz des Kreises Weimarer Land ist Apolda, ein häufig zu Unrecht unterschätztes Städtchen mit bemerkenswertem kulturellem Leben und im kirchlichen Zusammenhang interessant aufgrund seiner großen Vergangenheit im Glockenguß!

Wenig überraschend ist das Autokennzeichen des Kreises „AP“.

Und erinnern Sie sich noch an die „Außerparlamentarische Opposition“? Eines der ganz besonders problematischen Phänomene der an solchen nicht armen 60er Jahre, abgekürzt „APO“. Ihren Höhepunkt hatte diese „Bewegung“ nach allgemeiner Meinung im emblematischen Jahr 1968.

Ahnen Sie schon, worauf das hinausläuft? Genau, auf das Autokennzeichen AP-O 1968.

Und das gibt’s tatsächlich:

Als ich das sah, dachte ich zuerst: „Ich hätte mich ja eher mit dem Landrat duelliert, als dieses Kennzeichen zu akzeptieren! Ob sich der Halter nichts dabei gedacht hat?“

Aber das ist ja fast unmöglich!

Doch der zweite Blick offenbart: Der oder die Betreffende scheint ein Mensch von beträchtlicher Coolness zu sein!

Schauen Sie nur:

Das Kennzeichen befindet sich auf einem Mercedes! Einem schwarzen Mercedes!! Einem sauberen schwarzen Mercedes!!!

Arme Achtundsechziger…

Aber so ist das: The Times, they are a‘changing!

 

(Zur Veröffentlichung von Autokennzeichen vgl. LG Kassel – Az.: 1 T 75/07)