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„…unser Leben“ ? Gedanken zu einem Kehrvers

Seit liturgisch ja alles besser geworden ist, bei uns in Herz-Jesu Weimar, wird es bald Gelegenheit geben, die altbewährte Reihe: „Ein Sonntag morgen voller guter Laune!“ wieder aufzunehmen, die seit, ja, meine Güte, schon seit Dezember 2013 ruht; Kinder, wie die Zeit vergeht!
Aber weil ich das gestern mit der Sonntagsruhe sehr wörtlich genommen habe (der ganze Samstag war nämlich ein Arbeitstag, vgl. hier) erscheint dieser Beitrag eben erst am heutigen (freien) Montag und kann ergo nicht so heißen. 🙂

Was zu der guten Laune am gestrigen „11. Sonntag im Jahreskreis“ (zu der Bezeichnung vgl. hier) vor allem beitrug, war die herausragende musikalische Gestaltung durch die hervorragend disponierte Choralschola der Musikhochschule und den wunderbaren jungen Organisten. Herzlichen Dank!
Man kann es ja gar nicht oft genug sagen, daß es sich dabei eben NICHT um ein geschmäcklerisch kultursnobistisches Herangehen handelt, sondern daß qualitätvolles Musizieren der Andacht aufhilft, wie das viele (heilige) Päpste immer wieder betont haben! Nichts weniger als das Beste, was je und je möglich ist, kann auch nur ansatzweise genügen… (vgl. hier).

Nun, gestern hat Weimar wieder mal gezeigt, was hier möglich ist, und das war ein Grund zu großer Dankbarkeit! Hoffen wir, daß alles (notfalls auch „diplomatische“) Bemühen am Ende dazu führt, daß es bald so häufig wie möglich und zwar gerade an Sonntagen so schön ist.

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen noch eine kleine Beobachtung, die zeigt, wie sinnvoll die musikalische Gestaltung auch die Predigt kongenial ergänzen kann. Gestern stammte die zweite Lesung ja aus dem Galaterbrief (Gal 2, 16.19 – 21), eine der Stellen, wo der der Hl. Apostel Paulus von den sog. „Reformatoren“ einseitig (miß-) verstanden worden ist, und die daher in der kirchlichen (= katholischen) Verkündigung immer der Erläuterung bedürftig sind.
So gestern in der Predigt geschehen – aber eben nicht nur dort! Nein, denn wir haben dann von Angelus Silesius das wunderschöne „Ich will Dich lieben, meine Stärke“ (GL 358) gesungen und da es ein Choralhochamt war, war der Eindruck der wenigen deutschen Lieder natürlich um so stärker: „…ich will Dich lieben mit dem Werke…“, heißt es da bekanntlich weiter. Eine sehr dankenswerte Liedauswahl! 😉

Der Fairneß halber sei hinzugefügt: Das Lied ist ein „ökumenisches“ und hat überhaupt schon früh Aufnahme auch in evangelische Liedsammlungen gefunden, vgl. hier).

Weniger, wesentlich weniger erbaulich fand ich (erneut) den Kehrvers zum Antwortpsalm.

Wie wir ja alle wissen, kommt in der nach dem 21. Ökumenischen Konzil erneuerten Leseordnung gerade dem Antwortpsalm eine große Bedeutung zu, ja, regelmäßig ist er der gedanklichen Abfolge hin zum Evangelium viel besser eingepaßt als die „Epistel-Lesung“. Eine Ansicht, die man auch für den gestrigen Sonntag vertreten könnte.

Nun, jedenfalls wurde er gestern natürlich von einem Mitglied der Schola kantoriert – und zwar sehr schön.
Wenn da nur nicht der Kehrvers gewesen wäre… Doch, doch, es war der „richtige“ im Sinne des vorgesehenen. Werfen wir einen Blick in den „Schott“:

11. Sonntag, Lesejahr C (Auszug; Bild: Schott/Beuron)

11. Sonntag, Lesejahr C (Auszug; Bild: Schott/Beuron)

Dort sehen wir den für die gesprochene Rezitation vorgesehenen Kehrvers als Antwort des Volks und den Hinweis auf GL 517 wenn gesungen wird. Und Nr. 517 wird leider gar häufig „genommen“ (auch wenn er nicht vorgesehen ist…):

„Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben“

heißt es da, „Text nach Ps 103, 3-4, M[elodie] Josef Seuffert (*1926)“

Ich will mich zur Melodie nicht weiter äußern, dafür verstehe ich nicht genug davon, persönlich finde ich sie eher banal und mag sie überhaupt nicht, mit ihrer abfallenden Schlußlinie fühle ich mich jedenfalls so gar nicht „gerettet“, bzw. erhoben.

Wer den Text so gefaßt hat, davon erfährt man leider nichts, dieses „nach“, das im „Gotteslob“ so oft genutzt wird, ist mir von Herzen zuwider, denn es nutzt die Autorität des inspirierten biblischen Textes, ohne daß dieser Anspruch notwendig eingelöst wird!

Nicht, daß da in Psalm 102 (wie es nach wissenschaftlich aktueller UND katholischer Zählung heißen sollte) nicht von Vergebung der Schuld und der Rettung des Lebens die Rede wäre, das ist es natürlich.
Aber dieser Verknappung „gelingt“ es, daß ich (und nicht nur ich!) eher an die Feuerwehr als Lebensretter, denn an den Allerhöchsten denke! Die Art, wie aktuell immer wieder und gerade in den Liedern des neuen Gotteslobs in der Kirche gänzlich diesseitig von „Leben“ die Rede ist, wäre ja eine eigene, genaue semantische Untersuchung wert.

Hier müssen wir uns auf ein, zwei kurze Bemerkungen beschränken:

Der Text in seiner Verknappung banalisiert und dekontextualisiert die Aussage des Psalms.

1 Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
3 der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt

heißt es in der Einheitsübersetzung und man sieht, was alles „fehlt“ zugunsten eines sozusagen „klappernden“ Automatismus: „Schuld vergeben, Leben gerettet, zack, zack!“
Ja, ich weiß, ein Kehrvers muß knapp sein, aber so? Wie wäre es denn gewesen, man hätte sich auf nur einen Vers des Psalms konzentriert?

Durch Verallgemeinerung und „Subjektwechsel“ entsteht eine „Anonymisierung“.

1 Benedic, anima mea, Domino, et omnia quæ intra me sunt nomini sancto ejus.
2 Benedic, anima mea, Domino, et noli oblivisci omnes retributiones ejus ;
3 qui propitiatur omnibus iniquitatibus tuis, qui sanat omnes infirmitates tuas ;
4 qui redimit de interitu vitam tuam, qui coronat te in misericordia et miserationibus

Der originale Psalmtext spricht den Beter direkt an: Um Dich geht es. Deine Schuld wird vergeben, nicht „die“ Schuld. „Dein“ Leben wird gerettet, nicht „unser“.
Das sind schwerwiegende Verschiebungen und selbstverständlich gibt es alternative Kehrverse zu Psalm 31, GL 629,1 und GL 307,5, z.B. (vgl. hier)

Ob die Aufnahme dieses eher schwachen Kehrverses ins (neue) Gotteslob etwas mit dem Komponisten zu tun hat (der ja vielleicht auch für den Text verantwortlich ist)?

Das könnte man sich schon vorstellen, wenn man die Vita von Prälat J. Seuffert zur Rate zieht, ein wahres „Heldenleben ‚des‘ Konzils“ 😉 tritt da zutage und die lange Tätigkeit im DLI und in einschlägigen Gremien hat vermutlich auch geholfen vgl. hier).
Wenn man jedoch diese Lebensgeschichte historisch (und nicht „hagiographisch“…) betrachtet, ist sie sehr interessant!  Sie führt uns erneut in die so zentrale Zeit der ‚Liturgischen Bewegung‘, in die Betrachtung ihrer geistesgeschichtlichen und philosophischen Wurzeln, ihres Nachlebens nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Verhältnis zum Zweiten Vatikanum und, vielleicht noch wichtiger, dem, was aus ihm gemacht wurde.

Aber das ist ein komplexes Unterfangen. Lesen Sie doch bis dahin schon einmal, ob die Nazis das neue katholische Kirchenlied taktisch genutzt haben, trotz seiner Widerständigkeit?
Und wie war es mit dieser wirklich bestellt? (vgl. hier und hier)

Sehr spannende Lektüre!

Nur Licht. Nur Gold.

Nur Licht. Nur Gold.

Herz-Jesu Weimar beginnt die Feier des Festes vom Heiligsten Herzen Jesu mit einer Eucharistischen Anbetung am Vorabend

 

Es waren nicht sehr viele Menschen da. Nur Gold. Nur Licht. Was schade ist. Acht hohe Kerzen säumen Es war nämlich sehr schön. in leuchtender Monstranz den Leib des Herrn. Im Verlauf der drei Stunden, Bedächtig winken der Gebete Neumen in denen unsere Priester am letzten Donnerstag, dem Vorabend des Patronatsfestes von Herz-Jesu Weimar, Die Seele heim zu ihrem eig’nen Stern. zur Eucharistischen Anbetung eingeladen hatten, Und in des Innern Tiefen, weiten Räumen, versammelten sich insgesamt kaum 20 Leute. Erhellt Gewißheit: Das sah man an den kleinen Teelichten, von denen jede und jeder eines anzündete und auf die Altarstufen stellte. Gott ist dir nicht fern. Die Priester beteten vor, Und ob sich auch der Hölle Geister bäumen, wir beteten mit, wir sangen und hatten zwischendurch genug Zeit der Stille für uns. Ich will mir merken, was ich heute lern: Es war so schön, Die Liebe Jesu heilt von inn’rer Not. daß ich das Gefühl hatte, irgend etwas in mir beginne zu dichten. Mit seiner Seele grenzt der Mensch an Gott. Das Gefühl hat man ja manchmal.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

„Man merkt schon den Unterschied zu einem weltlichen Chor“

Die Mädchenkantorei am Limburger Dom nutze ihren Weimaraufenthalt
zur Gestaltung einer Messe in Herz-Jesu Weimar

Das säkulare Pendant zum Chortreffen der pueri cantores (vgl. hier) fand am vergangenen Wochenende in Weimar statt. Auf Einladung der hiesigen schola cantorum waren Kinder- und Jugendchöre aus Erfurt, Nürnberg, Limburg, Bergamo (I) und Kecskemét (H) in unserer Stadt zu Gast. Und in unserer Kirche: Zur Sonntagsmesse gestaltete der Kammerchor der Mädchenkantorei am Limburger Dom unter Leitung der Domchordirektorin Judith Kunz die Liturgie mit.

Neben dem solistischen Vortrag des Antwortgesangs sangen die in einheitliche Gewänder gekleideten Jugendlichen u.a. einen Chorsatz über die Melodie des „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ (GL 355) strophenweise mit der Gemeinde im Wechsel und übernahmen Kantorenfunktion im Agnus dei. Intonatorisch und klanglich auffallend schön gelangen dem für die Weimarer Messe 20köpfigen Ensemble die unisono-Partien sowie die Altlage. Ein begeisterter Zuhörer prognostizierte denn auch im Anschluß genau in diesem Sinne, daß mit einem solchen Chor auch positive Schlagzeilen des Bistums Limburg ja nun nicht mehr lange ausbleiben könnten.

Wirklich auf den Leib geschrieben aber war den Mädchen der 47. Psalm aus den „psalms for dancing“ von Douglas Coombes (hier), der  – wenig überraschend bei dem Text „O clap your hands“/ „Ihr Völker, klatscht all in die Hände!“ – mit rhythmischem Klatschen beginnt und endet. Das YouTube Video, den wir hierzu zeigen können, gibt eine Aufnahme des Mädchenchors am Essener Dom wieder.

Apropos Mädchenchor am Essener Dom: Diesen Chor konnte man dieser Tage hier auch hören, war er doch über Himmelfahrt zu einer Chorbegegnung beim Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom zu Besuch und sang am 5. Mai um 11.00 Uhr gemeinsam mit den Gastgebern dort in der Messe und nachmittags noch ein Konzert in der Erfurter Lorenzkirche. Tja, liebe auswärtige Leser – das ist Thüringen wie es leibt und lebt: alle 20 Kilometer ein kultureller Hotspot! 🙂

Wie ebenfalls nicht unkommentiert blieb, stellt die schola cantorum für die Kinder- und Jugendchöre in den Schulen und Gemeinden Weimars allerdings nicht nur eine Chance dar. In der Zeit, in der beispielsweise in Herz-Jesu Weimar die Musik mit Kindern und Jugendlichen nur sehr halbherzig gefördert wurde, entschieden sich viele musikalische junge Gemeindemitglieder für die schola cantorum – und sind nun dort und fehlen in den Gemeindechören. Da letztere trotz ihrer schmalen Besetzung aber regelmäßig hohes Lob einheimsen und somit großes Potential besitzen – bescheinigte Bischof Ulrich beispielsweise unserem Jugendchor zur Gestaltung des Firmgottesdienstes am 16. April 2016 doch, Weimar könne offenbar musikalisch ja doch mühelos mithalten (andere ließen sich gar berechtigterweise zu Superlativen hinreißen) – hilft nur: Die Chöre der Pfarrei weiter fördern, auf Kontinuität setzen, die Repertoire ausschöpfen und viel viel Werbung machen für die Mitgliedschaft in einem Chor, der konsequent auf die Vermittlung geistlicher Inhalte und die Übernahme liturgischer Dienste setzt. Denn – wie heißt es auf der homepage der Limburger Dommusik so schön: „In der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik erleben sie [die Kinder und Jugendlichen] einen wichtigen Zugang zu ihrem eigenen christlichen Glauben und die Möglichkeit, diesen in unserer Gesellschaft wachzuhalten und zu verkünden.“ (hierJau!
Und – wie die Chorleiterin natürlich nicht im Hinblick auf die Qualität, aber im Hinblick auf Repertoire und Habitus der Chöre beim Chorfestival der schola cantorum ganz unprovoziert sagte: „Man merkt schon den Unterschied zu einem weltlichen Chor“. Als Vizepräsidentin der pueri cantores Deutschland weiß sie, wovon sie spricht.

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

Man hört den Text förmlich aufseufzen

Unter dem Titel „Reporter zeigen Mißstände auf. Heute ist Welttag der Pressefreiheit“ erklärt die heutige Ausgabe der Thüringischen Landeszeitung (TLZ) auf ihrer Kinderseite – „KLAR!“ – ihren kleinen Leserinnen und Lesern den Wert des hohen Gutes Pressefreiheit (hier).

„In Deutschland“, heißt es da, „sollen sie [die Journalisten] auch dazu beitragen, daß die Menschen sich eine Meinung bilden können über bestimmte Themen.“ Der Artikel wählt dann als Beispiel die Regierungsarbeit von Politikern und fährt fort: „Wenn Journalisten finden, daß etwas schiefläuft, können sie darauf aufmerksam machen. Dieses Recht garantiert in Deutschland die Pressefreiheit. Diese steht im Gesetz.“ Hierzulande jedenfalls, so daß hierzulande nicht mal die Regierung es verbieten kann, wenn ein Journalist berichtet, daß sie „ihre Arbeit nicht richtig macht“.

Und jetzt kommt’s: „Doch das läuft nicht überall so.“

Absatz. Man hört den Text förmlich aufseufzen. Den Kindern wird berichtet, „daß Journalisten an vielen Orten nicht frei berichten können. Zum Beispiel weil Politiker sie unter Druck setzen. Manchmal werden Reporter sogar von Menschen angegriffen, denen die Berichte nicht passen.“ Der Welttag der Pressefreiheit „soll daran erinnern, daß jeder Reporter auf der Welt die Möglichkeit haben sollte, frei zu berichten.“

Soweit der Artikel in der TLZ.

Das hört sich ja wirklich immer wieder gruselig an. Reporter werden eingesperrt. Oder ausgesperrt. Je nachdem. Man versucht sie überall rauszuhalten, damit sie die anderen Menschen ja nicht über die Mißstände, die zu beobachten sind, informieren können.
Also – anderswo ist das unter Umständen so. Hier ja nicht. Kann ja gar nicht. Wäre ja gegen das (Grund-) Gesetz. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe.

Bloß gut, daß, wie es der Zufall will, der verantwortliche Redakteur der „KLAR!“-Seite ein engagiertes Mitglied unserer Pfarrgemeinde ist. In Herz-Jesu Weimar sind wir also auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Denn wenn der Redakteur das mit der Pressefreiheit so gut erklären kann, daß es Kinder sofort verstehen, dann wird er es gegebenenfalls sicherlich auch Erwachsenen erläutern können, sollte es in diesem Punkt jemals Irritationen gegeben haben.

 

Cornelie Becker-Lamers

 

Jaja… Zum Thema Presselandschaft in Thüringen gibt es so allerlei (Problematisches!) zu erzählen, aber das wird noch ein wenig dauern müssen, was aber nichts macht, weil sich die Situation vermutlich nicht so schnell ändern wird).

Übrigens: In Weimar haben wir die verfassungsmäßige Garantie der Pressefreiheit schon seit genau 200 Jahren (ok, fast genau, das Datum war der 5. Mai 1816); schauen Sie hier, was ich heute dienstlich getwittert habe:

K1024_Landtagslöwe 1816

 

Und auch wenn ich die beiden Sphären ja normalerweise nicht vermischt wissen will, wenn Sie auf Twitter sind, folgen Sie bitte dem „Landtagslöwen“, er freut sich! 😉

Der Landtagslöwe oder @ThuerLandtag

„Gesù ha bisogno delle vostre voci“ – „Jesus braucht eure Stimmen“: Pueri cantores

„Die Chorleiter sollen sich bitte an die Ränder setzen, damit die Kinder nach vorne schauen können!“ – „Nur daß bei uns die Kinder größer sind als die Chorleiter …“

Ja! In diesem Jahr hat das Chortreffen der pueri cantores (dort zahlreichee Links) endlich auch etwas auf einer Seite mit dem Untertitel „Katholisch in Weimar“ zu suchen! Denn pünktlich zur Gründungsveranstaltung des Regionalverbandes aller fünf „Ost“-(Erz)Bistümer Berlin, Erfurt, Dresden-Meißen, Görlitz und Magdeburg sind die Cäcilini Weimar wieder ein Gemeindechor, hat sich ein Jugendchor an Herz-Jesu Weimar neu gegründet und sind die derzeit nicht regelmäßig probenden Herz-Jesu-Finken zuverlässig zur Stelle, wenn es etwas zu singen gibt.

Pueri cantores, ein Verband der katholischen Kinder- und Jugendchöre – ob einstimmig oder „SATB“, ob reiner Knaben-, reiner Mädchen- oder gemischter Chor –, ist eigentlich allein in Deutschland schon würdige 65 Jahre alt und wurde 1907 ursprünglich in Frankreich gegründet. Hintergrund war der Anstoß zur Wiederbelebung gregorianischen liturgischen Gesangs durch den heiligen Papst Pius X. in dessen Motu proprio „Tra le sollecitudini“.

Während sich die deutsche Beteiligung an den pueri cantores bisher auf Diözesanverbände der alten Bundesrepublik beschränkte und bei den Chortreffen aus den östlichen Bistümern nur ausgewählte Chöre als Verbandsmitglieder anreisen konnten, wurde die Chorvereinigung am 8. März 2016 in Leipzig mit der Gründung des Regionalverbandes Ost auf die Neuen Länder ausgedehnt.

Gefeiert wurde das am Samstag, dem 9. April 2016 in der Stadtkirche St. Moritz in Halle/Saale. Von Ahrenshoop bis Zittau war der Aufruf zur Teilnahme erklungen, und beinahe aus diesem gesamten Umkreis waren denn auch kleine und große Chöre angereist (kannten Sie zum Beispiel Schirgiswalde? Schirgiswalde bei Bautzen, an der tschechischen Grenze? Nein? Das gibt es aber und es hat eine kleine katholische Singschar 🙂 )

Wie zu den pueri-cantores-Treffen üblich, waren nach Anmeldung unserer Chöre Liederhefte in der angegebenen Sängeranzahl ans Pfarrbüro von Herz-Jesu Weimar gesandt worden, damit die mehrstimmigen Stücke geübt werden konnten. Es war auch viel englischer Liedtext erstmal mit den Kindern zu lesen und zu übersetzen (für meinen Geschmack ein bißchen zu viel, aber das ist nicht so wichtig): ein langes Magnificat beispielsweise, das im Begleitschreiben der Organisatoren als musikalischer Höhepunkt der gemeinsam zu feiernden Vesper angekündigt wurde. Nach einer Probe am Samstagvormittag, schon in St. Moritz, und einem Gesamtdurchlauf mit Instrumentalisten am Nachmittag sollten die Lieder der liturgischen Gestaltung eines Gottesdienstes – in diesem Fall eben einer Vesper mit Erzbischof Heiner Koch (Berlin) – dienen.

Das Chorheft der pueri cantores zur Gründungsfeier des Regionalverbandes Ost am 9. April 2016 in der Moritzkirche zu Halle (eigenes Bild)

Das Chorheft der pueri cantores zur Gründungsfeier des Regionalverbandes Ost am 9. April 2016 in der Moritzkirche zu Halle (eigenes Bild)

Alles war hervorragend organisiert (wenn man von dem vernachlässigbaren Zufall absieht, daß genau mit dem Teilnehmer vor mir das Mittagessen alle wurde 😉 ) und unsere regionale Betreuerin, die Leiterin des Kinder- und Jugendchores am Erfurter Domberg Elisabeth Lehmann-Dronke, hatte sich per Email und Telefon fürsorglich um uns Weimarer gekümmert. Wir – vier Erwachsene und knapp 20 Kinder und Jugendliche – hatten uns für die Anreise per an diesem Tag wirklich vorbildlich funktionierender Regionalbahn entschieden und im komfortablen Lounge-Bereich eines abellio-Triebwagens auf der Hinfahrt schon mal eine Runde gesungen.

 

Gereon hat schon bemängelt, daß ich keinen Fotoapparat mit in Halle hatte – hier also ein Werbefoto von abellio von einem dieser Sofa-Wagen, in den wir genau alle hineinpaßten (Bild: ZVNL/Abellio)

Gereon hat schon bemängelt, daß ich keinen Fotoapparat mit in Halle hatte – hier also ein Werbefoto von abellio von einem dieser Sofa-Wagen, in den wir genau alle hineinpaßten (Bild: ZVNL/Abellio)

Am Hauptbahnhof Halle erwartete uns wie angekündigt eine freiwillige Helferin, die uns in einer knappen halben Stunde zur Moritzkirche geleitete und unserem Chor den ganzen Tag über nicht von der Seite wich. Die Proben in der Kirche waren sehr schön – wenn auch die Riesengruppe von 6-700 Kindern erwartungsgemäß erst in den Takt finden mußte: Die Knirpse zum Beispiel, die man hinter uns plaziert hatte, sahen einfach mal den Dirigenten nicht, bis man ihm in der Mittagspause ein zusätzliches Podest herangeschafft hatte. Seine Aufforderung „Schaut raus, ihr kennt doch die Lieder bestimmt schon auswendig“ sorgte aufgrund unserer Möglichkeit zu genau einer Probe für angemessene Heiterkeit.

Überhaupt war die Stimmung sehr gut und aufgeräumt. Der Plan, gerade auch Kindern und Jugendlichen aus kleineren Chören mit dem Singen in einer so großen Gruppe ein unvergeßliches Erlebnis zu bescheren, ging aus meiner Sicht zu 100% auf. Da sind wir alle den Initiatoren und Organisatoren tatsächlich zu großem Dank verpflichtet! (Bilder auch hier)

Wieder vertreten (eigenes Bild)

Wieder vertreten (eigenes Bild)

Der ostdeutsche Episkopat war denn auch ausgesprochen bemüht, der Veranstaltung seine Wertschätzung auszudrücken: Nicht nur Dr. Heiner Koch war aus dem Erzbistum angereist und predigte aus dem Bad in der Menge heraus über Joh 6, 16-21, wobei er die Textstelle mit einer Entsendung der Jünger enden ließ und diese Botschaft auf all die von Gott singenden Kinder übertrug. Nein: Auch aus Dresden, Erfurt und Magdeburg waren Diözesanadministrator, Weihbischof oder Bischof gekommen und lobten unser Tun.

Unser Tun, welches sich zuhause fortsetzen sollte: Die Lieder der pueri-cantores-Hefte werden nicht nur für die jährlichen Treffen zusammengestellt. Die Liedhefte bleiben Eigentum der teilnehmenden Pfarreien und sollen immer wieder in Gottesdiensten genutzt werden. Das haben wir in Herz-Jesu Weimar umgehend praktiziert. Zu einem Jugendgottesdienst, der zugleich den Abschluß eines Familiennachmittages für die diesjährigen Erstkommunionkinder bildete, fand sich ein Gutteil der Halle-Fahrer am 15. April ein und trug den Antwortgesang, das Vater unser mit der versammelten Gemeinde, die Musik zur Kommunion und das Danklied aus dem Fundus des pueri-cantores-Heftes zur Gestaltung der Messe bei.

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Die Überschrift entlehnt Worte Papst Pauls VI aus dem Jahr 1967, die auf der homepage der pueri cantores zitiert werden.

Das Hirtenwort

Das Hirtenwort

Ein ganz kurzer Sketch für fünf Schafe, zwei Lämmchen und überhaupt die ganze Herde

 

Wundersdorf, Schafweide. Sonne!

Kohle: Das ging ja runter wie Öl. (Er grinst)

Wolle: Was war los?

Flocke (rollt sich wohlig auf dem Grasboden): Der Bischof hat allen, die es vergessen hatten, erklärt, was die Schafherde doch für ein schönes Bild für die christliche Gemeinde ist.

Grauchen: Der Priester als Hirte, der sich in allen Widrigkeiten kümmert …

Blütenweiß: … und seinen Schäfchen die saftigsten Weideplätze sucht …

Fixi: … und sich nicht damit zufrieden gibt, wenn er 99 gut im Stall hat, sondern auch das Hundertste suchen geht …

Huf: … und daß Schafe schlau sind und ihre Mitschafe erkennen…

Kohle: Und ihren Hirten auch.

Wolle: Na, endlich sagt es mal einer!

Grauchen: Was heißt hier endlich? Das steht doch schon in der Bibel.

Blütenweiß: Also, höher anbinden kann man’s ja wohl nicht!

Wolle: Schon gut! Und wann und wo war das?

Kohle: Gerade eben, in einer Predigt. Ganz offiziell.

Wolle: Ach so? Na, dann wäre das ja geklärt.

 

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

„42“

Zweiundvierzig, oder: Der doppelte Geburtstag

Die „vierteilige Trilogie in fünf Bänden“ Per Anhalter durch die Galaxis dreht sich bekanntlich weitgehend darum, wie wohl die Frage zu formulieren wäre, deren Antwort man bereits kennt, und die „Zweiundvierzig“ lautet.

Denn auf der Suche nach dem „Sinn des Lebens, des Universums und des ganzen Rests“ konstruieren in diesem Roman von Douglas Adams Techniker aus „Magrathea“ vor zehn Millionen Jahren die Erde als Supercomputer, der dann  die Frage zu der von ihrem Vorgängermodell, dem Computer „Deep Thought“ errechneten Antwort, eben jener „Zweiundvierzig“, nachträglich erst zu formulieren hat.
Aus Gründen, die wir hier nicht referieren möchten, bleibt die Frage letztlich ungestellt – der Leser legt Band um Band der Serie so schlau wie vorher, aber um etliche Lachkrämpfe und etliche Aha-Momente reicher, aus der Hand.

Als wir heute früh aufwachten, fiel einem von uns eine mögliche Frage ein. Aber wir verraten sie nicht. Wir möchten nicht indiskret sein. 😉

Aber jedenfalls gratulieren wir unserem Pfarrer Timo Gothe, hiermit herzlich zum Geburtstag!

Aber wieso „doppelter Geburtstag“?
Weil heute noch eine andere Institution von Herz-Jesu Weimar ein Jubiläum begeht.
Na, wer könnte  das sein?
Wird fünf.
Genau: PuLa.

PuLa wird heute fünf.

Im letzten Jahr haben den Geburtstag die Wundersdorfer Schäfchen ausgerichtet, am 26. März, ganz lieb (hier). Das war der vierte Jahrestag unseres allerersten Postings, eines Links auf einen Vortrag von Pater Wallner. In diesem Jahr haben es die Schäfchen nicht geschafft. Sie haben ein Jahr lang an Reimwörtern auf „fünf“ herumgedacht und sind zu keinem Ergebnis gekommen. Das haben sie uns aber erst so knapp gestanden, daß wir beschlossen haben, den Geburtstag heute, am Jahrestag des zweiten Postings und damit unserer ersten inhaltlichen Vorstellung zu begehen (hier).
Wo sich doch daraus ein so schöner doppelter Geburtstag ergibt. 🙂

Die Stoffsammlung

Die Stoffsammlung

Ein Sketchlet für fünf Personen

 

Wundersdorf, Oderbruch. Auf dem Pfarrhof der katholischen Gemeinde Maria Hilf! Silke will gerade im Pfarrbüro die nächsten Kantorendienste absprechen, als auch Emma angeradelt kommt. Beide begrüßen sich schon aus der Ferne und schließen ihre Fahrräder an. Als Emma ewig an einem riesigen Paket in ihrem Fahrradkorb herumhebt, kommt Silke auf sie zu.

Silke: Grüß dich, Emma!

Emma (zerrt an dem Paket): Ja! Guten Morgen erstmal! (Sie umarmen sich.)

Silke: Sag mal! Was schleppst du hier für ein Paket an?

Emma (hat es herausgewuchtet): Na, die Stoffreste.

Silke: Was für Stoffreste?

Emma: Hast du nicht gelesen? Stand doch in den jüngsten Vermeldungen – es wird dringend rosafarbener Stoff gesucht für ein rosa Gewand!

Silke: Wie? – Was? – Sternsinger? Was für ein rosa Gewand?

Emma: Nicht Sternsinger! Ein rosa Gewand für Laetare und Gaudete! Das fehlt hier doch seit Jahren.

Silke: Das fehlt, stimmt! Aber sie können doch für liturgische Gewänder nicht …

Emma: Da stand, jeder, der irgendwelche rosanen Stoffreste übrig hat … (läßt Silke in ihr Paket gucken): Schau! Rosa! (Sie blickt Silke erwartungsvoll an.)

Silke (faßt in das Paket): Ja, aber … das ist ja … dieser Baumwolljersey … für was war das denn mal gedacht?

Emma: Das ist Sweatshirtstoff. Ok – du hast recht, nicht das tollste … aber besser als nichts – so wie es jetzt die ganzen Jahre über war!

Silke (zieht ein Stück des Stoffes heraus und entdeckt, daß er bedruckt ist; entsetzt): Hör mal! Das ist doch – ist das nicht Prinzessin Lilifee? (Sie breitet das Bild aus und schaut es kopfschüttelnd an.)

Emma (verlegen): Ja – das ist natürlich Mädchenstoff, ich meine – ohne was kriegt man das ganz schwer!

Silke: Aber du kannst doch nicht …

Emma (wiegelt ab): … das Bild machen wir auf die Schauseite, die sieht doch heute keiner mehr! (Sie blickt zur Uhr.) Um Himmels Willen! Schon achtunddreißig! Silke! Sei ein Schatz und gib du das für mich beim Pfarrsekretär ab – ich muß unbedingt zur Bahn! (Sie drängt Silke ihr Stoffpaket auf.)

Silke (läßt sich das Paket in die Arme drücken): Na, du hast Nerven – aber ok, ich muß ja sowieso rein. Gib her! (Sie rüttelt das Paket zurecht, um es besser tragen zu können.)

Emma (schwingt sich auf ihr Fahrrad): Vielen Dank, Silke! Du hast was gut bei mir! (Sie radelt vom Hof.)

Silke: Frohes Schaffen!

(Als Silke eben versucht, bepackt wie sie ist die Tür des Pfarramtes zu öffnen, klingelt es hinter ihr und Hanna schwingt sich von ihrem Fahrrad.)

Hanna: Guten Morgen! Na? Was schleppst du denn da an?

Silke: Von Emma. Stoffe.

Hanna (hält ihr die Tür auf): Ouh! Was besonderes. Ich will mal wieder bloß den Schlüssel holen (sie lacht). Was denn für Stoff?

(Sie klopfen und betreten das Pfarrbüro, in dem der neue Pfarrer und der Pfarrsekretär gerade vor dem Bildschirm sitzen und irgendeine Problemlösung auszubrüten scheinen. Sie sehen nachdenklich aus. Ihr Gesichtsausdruck ändert sich schlagartig, als sie die beiden Frauen begrüßen – und vor allem, als Silke ihr Paket auszupacken beginnt.)

Silke: Hier. Das ist von Frau Schramm. Stoffe.

(Der Pfarrsekretär fängt als erstes an zu lachen.)

Silke (irritiert): Ich hatte die Notiz übersehen, aber Frau Schramm sagte, wegen des rosa Gewandes …

(Jetzt lacht auch der Pfarrer.)

Hanna (fängt an, die Lage zu peilen, zu Silke): Sag nicht, ihr habt rosa Stoffreste angeschleppt … (sie lacht jetzt auch.)

Silke: Naja – ich wie gesagt nicht, aber Frau … (blickt von einem zum andern) Sagt mal – was ist eigentlich los?

Der Pfarrsekretär: Haben Sie mal aufs Datum geschaut?

Der neue Pfarrer: Am Freitag war der 1. April.

Silke (sinkt auf einem Stuhl zusammen, das Stoffpaket auf dem Schoß, und fängt auch an zu lachen.)

Hanna: Das kann doch nicht wahr sein!

Der Pfarrsekretär: Rosa Sweatshirtstoff – also ganz so nötig haben wir’s doch noch nicht!

Silke: Sie haben Nerven!

Der neue Pfarrer: Ich habe nicht wirklich geglaubt, daß jemand darauf hereinfällt – es ist eigentlich zu irre! Stoffspenden für ein liturgisches Gewand …

Hanna: Die Wundersdorfer nehmen alles ernst! (Sie lacht.)

Silke: Tja – wir sind eben hilfsbereit! Aber jetzt mal Spaß beiseite: Maria Hilf! hatte früher ein rosa Gewand. Ich bin ganz sicher!

Hanna: Na klaaar!!! Wir hatten immer ein rosa Gewand! Bis vor ein paar Jahren – seit ein paar Jahren ist es weg.

Silke: Und Triebschens aus Petershagen haben erzählt, dort wär seit einigen Jahren eins, das sie früher nicht hatten.

Hanna: Du meinst – ob das unsers ist?

Der neue Pfarrer: Wieso sollte das unseres sein?

Silke: Frau Bischof hat alles versilbert! Denken Sie doch nur mal an den Pritschenwagen… Also – ich würde ihr zutrauen, daß mal wieder an irgendeiner Ecke Geld für eines ihrer Bauprojekte fehlte …

Hanna: Wir sollten es jedenfalls in Augenschein nehmen!

(Das Telefon klingelt.)

Der Pfarrsekretär (nimmt den Hörer ab): Pfarrbüro Maria Hilf! Wundersdorf – einen wunderschönen guten Morgen! (Er lauscht) Ah! Frau Engelke! (Er lauscht und beginnt zu schmunzeln.) Haben Sie recht herzlichen Dank, Frau Engelke, das ist wahnsinnig nett von Ihnen! Aber ich glaube, wir lösen das Problem gerade auf andere Weise! (Er lauscht) Genau so ist es! Herzlichen Dank nochmal! Auf Wiederhören! (Er legt auf. Alle schauen ihn erwartungsvoll an.) Das war Frau Engelke. Sie sagte, Stoffreste hätte sie leider nicht, aber sie würde anbieten, das Gewand zu nähen.

 

ENDE

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf! Bloß gut, daß das Kirchenjahr jetzt erstmal ein bißchen Zeit läßt, um allerorten den möglichen Verbleib liturgischer Gewänder in Ruhe zu prüfen…

Die Eilmeldung

*** EIL*** Solidarität mit Erdogan? *** EIL***

Ankara/Heiligenstadt dpa/kna

Bisher unbestätigten Berichten zufolge ist bei der Pressestelle des türkischen Präsidenten in den frühen Morgenstunden des heutigen Tages eine E-Mail eingegangen, in welcher ein vor einiger Zeit auf eigenen Wunsch aus der Gemeindeseelsorge ausgeschiedener katholischer Geistlicher aus der mitteldeutschen Diaspora dem Präsidenten weitschweifig zu seiner „energischen Reaktion“ auf ein satirisches Lied gratuliert.

Er könne die Reaktion des Präsidenten nur zu gut verstehen, soll der Absender geschrieben haben: „Ich habe Satire auch immer bloß als Beleidigung meiner hohen Person verstanden“, heißt es in dem Text angeblich, „und wünschte, ich hätte Ihre Möglichkeiten gehabt.“ In Ermangelung derselben seien jedoch die Versuche, mithilfe von Verleumdung und Rufmord u.a. in der lokalen Presse gegen aufsässige Blogger in seiner ehemaligen Gemeinde vorzugehen, leider gescheitert.

Unklar ist bisher, ob es eine Reaktion von Seiten des Präsidenten geben wird. Spekulationen, nach denen es zu einem Erfahrungsaustausch im Amtssitz von Präsident Erdogan kommen solle, wurden bisher von der Botschaft in Berlin nicht bestätigt.

 

(von unseren Korrespondenten)

Sketch des Monats: Der Fastenvortrag

Sketch des Monats: Der Fastenvortrag

Ein Sketch zum Osterlachen für sieben Personen und 19 Statisten

Wundersdorf, Oderbruch. Im Gemeindehaus der katholischen Pfarrei Maria Hilf! Es ist mitten in der Fastenzeit. Die melaminbeschichteten Tische sind zusammengerückt, so daß Arbeitsgruppen von 6-8 Personen im Kreis um die Tische Platz nehmen können.

Für den Fastenvortrag des heutigen Abends ist eigens aus dem Ordinariat ein Referent der Pressestelle angereist, um zum Thema der jüngsten Publikation von Bischof Hofmann, Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“ vorzutragen.

Die Sitzung ist schon in vollem Gange, als Hanna leise hereinschleicht und sich entschuldigend an einen Tisch klemmt, an dem Edith, Silke, Hedwig, Richard und Karl bereits sitzen und – ja, irgendwie arbeiten. Der Vortragende schlendert zwischen den Tischen umher, an denen man offenbar nach einer ersten Einführung bereits zur Stillarbeit übergegangen ist: Auf mittig ausgebreiteten DIN A2-Blättern fahren die Menschen mit dicken Textmarkern in Schlangenlinien herum.

Hanna (flüstert): Entschuldigung! Meine Mutter rief gerade noch an, die konnte ich nicht so abhängen.

Edith (flüstert zurück): Hast nichts verpaßt.

Hanna (immer flüsternd): Was macht ihr denn da?

Edith (ebenso): Wir sollen Figuren malen wie sie im neuen Gotteslob sind, um zu sehen, was das mit uns macht. (Sie zeichnet eine Art kaputten Kelch.)

Hanna (schaut sich irritiert um): Aber das sind hier nicht die „Neuen Wege in der Kleinkindpädagogik“?

Karl: Nein. Die Erzieherinnen sind oben.

Hedwig: Haben wir vorhin trommeln hören.

Hanna: Ah! Ok. (Sie nimmt sich einen Textmarker und beginnt unzusammenhängende Bögen zu malen. Nach einer Weile) Wie hieß das Thema nochmal?

Silke: Zeichnung als Zwiesprache. Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“.

Hanna: „Künstlerisch“ in Anführungsstrichen …

Richard: Nein. „Gotteslob“ in Anführungsstrichen. (Die Gruppe prustet los.)

"Zeichnung als Zwiesprache" (eigenes Bild)

„Zeichnung als Zwiesprache“ (eigenes Bild)

Der Pressereferent (kommt vorbeigeschlendert, jovial): Ah! Ist hier ja schon jede Menge Kommunikation im Gange! Schön, wenn die Kunst im Gebetbuch solche Anstöße gibt.

Silke (brummt): Na, sagen wir mal: Wir nehmen Anstoß.

Der Pressereferent (beugt sich lächelnd vor): Das habe ich akustisch nicht verstanden.

Karl (rasch): Sie sagte, es ist halt ein Geben und Nehmen.

Der Pressereferent: Jaja, ganz recht! (Er wendet sich dem nächsten Tisch zu.)

(Hanna legt ihren Stift weg und greift sich eines der Bücher, die an jedem Platz zur Nutzung und womöglich sogar zum Kauf ausliegen. Karl folgt ihrem Beispiel, und im folgenden werfen die beiden sich gegenseitig die Zitate der Künstlerin, Monika Bartholomé, und ihres Mentors, Bischof Friedhelm Hofmann zu.)

Edith (malt ein bißchen lustlos herum): Wenn mir irgend jemand erklären könnte, was diese Zeichnungen sollen …

Hanna (grinst und zitiert von S. 23): Da kann ich dir helfen. Hier. „Der Benutzer wird zum Nachdenken aufgefordert. Er soll sich die Frage stellen: Was hat diese Zeichnung mit dem Inhalt zu tun?“ (Alle müssen lachen. Silke legt ihren Stift weg und nimmt sich eines der Bücher.)

Karl: Gut – das funktioniert immerhin. Ich habe mich immer gefragt, warum ich mir beim Gebet zum Heiligen Geist den Stuhl von Frau Bartholomé angucken soll.

Hanna (wird rot): Karl!

Karl (verteidigt sich): Das heißt so! Das Bild heißt „Stuhl“, die Ameise hier.

Silke (zitiert S. 31): Hört mal, das hier ist auch schön. Sie sagt: „Die Zeichnungen möchten Denk- und Empfindungsräume schaffen …. Mmm … diese Sprache entzieht sich der Eindeutigkeit, die Zeichnungen zeigen nicht auf den Text und sagen, so möchte ich gelesen werden. Sie beziehen Position in einem Dazwischen … es geht um Empfindungen, Erinnerungen, nicht um die Bestätigung und Verstärkung des Wortes.“

Richard (von dem Text genervt): Heidernei!!! Kein Wunder, daß Bischof Hofmann Angst hatte, Tebartz-van Elst könnte angefahren kommen und über die „Suche nach einer Verkündigung der Verläßlichkeit“ sprechen.

Hedwig: Bischof Tebartz-van Elst?

Richard (nickt): War vom FdK zum „Fest des Glaubens“ nach Aschaffenburg eingeladen worden, als Vortragender.

Hanna (blickt auf): Stimmt! Was hat er jetzt für eine Aufgabe in Rom?

Richard: Delegat im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung, zuständig für Katechese.

Karl: Und weil Aschaffenburg im Bistum Würzburg liegt, hat Bischof Hofmann sich ein paar Monate, nachdem die Sache bekannt geworden war, eingemischt und Tebartz angeblich gebeten, sein Kommen nochmal zu überdenken.

Edith (schnaubt): Der wird sich gedacht haben: Mein lieber Bruder – hast du vielleicht diese dummen Zeichnungen überdacht, als ich gesagt habe, in Limburg kommt ein ordentliches Kreuz aufs Cover?!

Hanna (liest wieder vor, S. 44): Hier, Friedhelm Hofmann: „Ein Weniger an Reduzierung künstlerischer Ausdruckskraft ist kaum denkbar.“ (Alle lachen.)

Silke: Da steht ja mal was Wahres!

Edith (greift nun auch zu einem der Bücher, grübelnd): „ein Weniger an Reduzierung“ … das ist eine doppelte Verneinung … oder?

Karl: Komm! So genau haben die beim Formulieren nicht nachgedacht.

Hanna (prustet): Scheint mir auch schon so! Hier, S. 62: „wie zwei Arme zwischen elektrisch geladenen Drähten“ …

Hedwig (lacht kurz auf): Na, dann sind die Arme nicht mehr lange da!

Karl: Das ist noch gar nichts! Hört mal. Zu diesen drei Linien hier schreibt er: „Eine weitere Möglichkeit [der Deutung] weist auf einen Menschen hin, der gebeugt unter einer Last dahergeht. Diesen Gedanken stützt das auf der gegenüberliegenden Seite plazierte Lied ‚Holz auf Jesu Schulter‘ (GL 291)“ (Alle stöhnen) Moment! Geht noch weiter: „Wichtig ist, daß der Betrachter die im Bild aufscheinende Melodie, das Beschwingte, die befreiende Leichtigkeit auf sich wirken läßt.“

Silke (in die am Tisch aufkommende Empörung hinein): „befreiende Leichtigkeit“? Beim Kreuztragen? Jesus hat das nicht leicht getragen …

Hedwig: … genau! Er hat doch gelitten, er war doch ganz Mensch …

Edith: … ist ja auch mehrmals unter dem Kreuz hingefallen. (Alle schnauben und blättern in dem Machwerk. Die kleine Gewitterwolke über dem Tisch ist beinahe sichtbar.)

Richard (zitiert S. 58): „Wer hat den Mut, diese Sprossen hochzusteigen?“ (Er schüttelt den Kopf.)

Karl (zitiert von S. 64): „Mir drängt sich der Gedanke auf, daß Gott uns auf unserem Lebensweg berührt – zärtlich und unaufdringlich.“

Hanna (schaut in Karls Buch): Wo ist das?

Karl: S. 64, zu nochmal drei so Linien nebeneinander. (ironisch) Der unaufdringliche Eingriff Gottes in unser Leben – besonders gut zu merken, wenn man sich verliebt … (Er grinst seine Frau an.)

Hanna (lacht): … genau! Völlig unaufdringlich …

Silke (lacht auch): Ich kann mich noch gut erinnern: Man konnte in aller Ruhe mit allem weitermachen …

Edith (grinst): Ganz zu schweigen von Geburten …

Hedwig: … mal ganz unaufdringlich zwölf Stunden Wehen …

Karl: Da lob ich mir die antiken Erzählungen – Semele oder so: Kein Sterblicher kann Gott begegnen, ohne zu sterben.

Edith: Hm! Deshalb tritt Gott ja auch nur als Engel des Herrn auf – alles andere hält man nicht aus.

Hedwig: Weil Gott halt mal so unaufdringlich ist.

Silke: Wie man sich das vom Allmächtigen eben vorstellt.

Richard: Es ist nicht zu fassen! Diese beziehungslosen Linien, die die Tante da hinmalt (Er sucht ein Zitat, findet es und liest): Hört mal: „Die Linie ist wesenhaft oder Grenze oder beides.“

Edith: Hä?

Richard: S. 30.

Hedwig: „Oder beides“?!

(Edith hat zuletzt wieder nach ihrem Stift gegriffen und einige Striche auf das DIN A2-Papier geworfen. Die andern schauen, lachen, stehen auf und werfen ihre Bücher auf den Tisch. Indem sie in die Runde grüßen, gehen sie zur Garderobe, holen ihre Mäntel und verlassen den Saal.)

ENDE

 

Cornelie Becker-Lamers, Weimar

 

Jetzt müssen wir natürlich auch erst einmal schauen, was Edith da zuletzt gezeichnet hat:

Wesenhaft (eigenes Bild)

Wesenhaft (eigenes Bild)

Besenschaft (eigenes Bild)

Besenschaft (eigenes Bild)

Oder beides (eigenes Bild)

Oder beides (eigenes Bild)

Ja, so geht’s zu in Wundersdorf. Bloß gut, daß wir diese Bildchen schon vor Monaten analysiert haben, hier, hier und hier (und öfter) und sich darauf folgend zumindest in unserem Freundeskreis die Menschen zu helfen wissen und die Zeichnung einfach mit inhaltsreichen und aussagekräftigen Bildern zuzukleben beginnen.

Gottesdienstliche Feiern (Bild: S. G.)

Gottesdienstliche Feiern (Bild: S. G.)

 

Hl. Thomas v. Aquin (Bild S.G.)

Hl. Thomas v. Aquin (Bild S. G.)

 

Auferstanden (Bild: S.G.)

Auferstanden (Bild: S. G.)

 

PS: Nur so für alle Fälle: Das Buch haben wir uns NICHT etwa ausgedacht! (vgl. folgendes Bild der ISBN) Wir können uns ja vielleicht so allerlei ausdenken, aber das… Vielmehr bin ich mehr als dankbar für diese Form der, nun ja, ‚Verarbeitung‘; ich war daran gescheitert, mich damit etwa ganz ernst zu beschäftigen – wer weiß, wie das geendet hätte…

Gereon Lamers

Zeichnung als Zwiesprache, ISBN (eigenes Bild)

Zeichnung als Zwiesprache, ISBN (eigenes Bild)