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Das Exodus-Preisrätsel: Auflösung und Hintergründe

„Außerdem sach‘ ich: Guckt hin; dann – seht ihr auch was!“ sagt „Tess“, das rote Ausrufezeichen aus der beliebten Kinder-Wissen-Reihe „Was ist was“ in Folge 42, Tiersinne (Tr. 9, ab 2.03) (vgl. hier) und das sagt PuLa auch, wenn es, wie im folgenden, „close reading“ betreibt 😀

Es tut mir wirklich leid, daß Sie auf die Auflösung des „Exodus-Preisrätsels“ so lange haben warten müssen! Aber immerhin habe ich in den Tagen, die seit der ersten richtigen Einsendung vergangen sind, eines mit großem Interesse feststellen dürfen: Was mir so klar vor Augen zu liegen schien, war offenbar doch „verborgener“ als ich erwartet hatte. Und wenn ich nicht irre, bestätigt der Grund, den ich dafür vermute, akkurat das Phänomen, auf das ich mit der ganzen Aktion hinweisen möchte!

Blicken wir also noch einmal auf den Abschnitt aus der Rezension von Dr. Dirk Pilz in der „Frankfurter Rundschau“:

„Entscheidend für das Verständnis des Monotheismus, von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen, sei es, den Glauben als „Sache liebender Treue“ zu begreifen. Assmann spricht deshalb von einem „Monotheismus der Treue“.
Mit seinem neuen Buch legt er in aller wünschenswerten Genauigkeit dar, was damit gemeint ist. Assmann untersucht das Buch „Exodus“, in der christlichen Bibel als 2. Buch Mose geführt. Es enthalte, sagt er, ‚die wahrscheinlich grandioseste und folgenreichste Geschichte, die sich Menschen jemals erzählt haben‘.“ (Dirk Pilz, FR, 12.III.15)

Um diesen oben hervorgehobenen Satz ging es mir, aber dessenungeachtet gab es, wie erwähnt, auch andere sehr bemerkenswerte Aspekte, vgl. hier im Kommentarbereich).

Was Pilz in diesem Abschnitt (wenn auch vermutlich nicht absichtsvoll) behauptet ist:
Die „christliche Bibel“ ist identisch mit der Bibel in ihrer protestantischen Version.
Denn, bitteschön, wenn Sie irgendeine katholisch verantwortete Bibel aufschlagen, da finden Sie das „Buch Exodus“ als das zweite Buch des Pentateuch – unter exakt diesem Namen!

Und das, so fand und finde ich, ist ja nun wirklich ziemlich „verquer“, immerhin hieß das Buch, mit Verlaub, die entschieden längere Zeit der Christentumsgeschichte für alle „Exodus“ und es dürfte auch heute für die größere Zahl von Christen weltweit so heißen.

Will also, überspitzt formuliert, der Theaterkritiker, der sich aber auch viel und gerne mit Religionswissenschaft beschäftigt, den Katholiken absprechen, sie benützten eine „christliche Bibel“? Dirk Pilz, ein radikaler evangelikaler Aktivist und Agitator?

Höchstwahrscheinlich nicht, denn das hieße ja, von allem anderen einmal abgesehen, er nähme derartige Glaubens- und konfessionelle Fragen sehr bewußt ernst. Da könnte er, wie ich die Szene einschätze, der er angehört, aber „einpacken“, eine derartige „Ernsthaftigkeit“ wird doch schlicht nicht toleriert, dafür ist man dort viel zu –„tolerant“… 😀

Also dürfen wir davon ausgehen, der Satz sei das schlichte Resultat einer Gedankenlosigkeit, einer Nachlässigkeit (und daß in Tageszeitungen heute de facto nicht mehr lektoriert/gegengelesen wird, ist ja ohnehin jedermann klar).

Bleibt die Frage: Warum sich damit aufhalten? Habe ich mich einfach geärgert, daß so ein offenkundiger Fehler in der  Rezension zu einem so interessanten Buch unterlaufen konnte?
Nein, da kann man sich zwar auch sein Teil zu denken, aber das ist es nicht, was mich umtreibt.
Ich habe mich vielmehr gefragt: Wie kommt es zu genau dieser Beschränktheit des Blicks? Wie sieht die geistige Ausstattung aus, die dafür Grundlage war? Denn, wenn man es einmal genau betrachtet, bemerkenswert ist das ja schon, ca. 1.500 Jahre Geschichte und die „Mehrheitsverhältnisse“ (wie oben gesehen) in dieser Frage einfach mal so in einem Satz, dessen relative Bedeutung im Textgefüge durchaus überschaubar ist, „über Bord zu werfen“.
Und, wie zu Beginn angedeutet, warum fällt das offenbar auch etlichen Katholiken nicht (sofort) auf?

Die Gründe dafür sind meiner Überzeugung nach in der deutschen (Geistes-) Geschichte (insbesondere) seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu suchen – und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Da gab es nämlich eine Zeit, in der in Deutschland von protestantischer Seite in vollem Ernst und mit dem besten Gewissen der Welt Sätze fallen konnten, wie der folgende:

„Der Katholik hat im Gegensatz zum Protestanten einen weiten Weg, bis er die Kultur der Gegenwart verstehen, durchdringen kann. Der Protestant bringt das mit; er wächst aus der modernen Kultur hervor; deshalb sind alle Bahnbre­cher und alle großen geistigen Talente Protestanten“.
sagt etwa der Historiker Walter Goetz, um 1900.

Und Rudolf Virchow, der „Erfinder“ des Begriffs vom „Kulturkampf“ stellte der „katholischen Wissensform“ den „protestan­tischen Geist“ und die moderne, schlagkräftige „deutsche Wissenschaft“ gegenüber, die „viel angenommen [habe] von jenem wahrhaft sittlichen Ernste, mit dem sich unser Volk jeder Arbeit unterzieht, und der das eigentliche Wesen der religiösen Stimmung ist“.

So „wurde der ‚Kulturkampf‘ vom liberalen protestantischen Bürgertum als Kampf der hochstehenden ‚deutschen Kultur‘ ge­gen eine katholische- ‚ultramontane‘, ‚welsche‘ und daher minderwertige Sub­kultur geführt“.

Das habe nun nicht ich mir ausgedacht, sondern ich zitiere damit bloß sinngemäß Abschnitte aus dem neuen Buch des bekannten Katholizismus-Historikers Otto Weiß („Kulturkatholizismus, Katholiken auf dem Weg in die deutsche Kultur (1900–1933), Regensburg 2014“).

Und dieser Ungeist, der in ernsthaft Katholischem eine „minderwertige Subkultur“ erblickt, er ist NICHT tot.

Belege dafür haben wir auch hier auf PuLa schon gesehen (hier, hier und hier) und wer Äußerungen z.B. von Vertretern der EKD, sei es in ihrer offiziellen Eigenschaft oder „privat“ (z.B. wenn sie im deutschen Feuilleton Rezensionen schreiben) aufmerksam liest, der kann gar nicht anders, als zügig weitere Belege dafür zu finden!
Und wie aggressiv das immer noch ganz schnell werden kann, dafür bietet auch Dirk Pilz weiteres Anschauungsmaterial (hier), wiewohl er ansonsten häufig durchaus differenziert und informiert schreibt (z.B. hier und hier).

Herr Dr. Pilz ist nun mit hoher Wahrscheinlichkeit evangelischer Konfession, immerhin hält er in Dessau „Theaterpredigten“ (hier), die die Landeskirche von Anhalt veranstaltet, da liegt diese Vermutung sehr nahe.

Und sein kleiner, eben nur ganz scheinbar harmloser Lapsus in der Rezension, er ist, gerade weil er so unabsichtlich „unterlaufen“ ist, ein beredtes Zeugnis dafür, wie die Prägung durch eben jenen Geist kulturprotestantischen Hochmuts aus dem vorigen und vorvorigen Jahrhundert fatal in die Gegenwart hineinreicht.

Denn die Phänomene, die wir gerade angedeutet haben, sie sind eben nicht „lange her“! Verfolgen Sie doch einmal z.B. anhand des Lebenslaufs von Walter Goetz auf Wikipedia die dort ebenso dankenswerter- wie bezeichnenderweise geschilderten persönlichen Beziehungen/Freundschaften und die Bildung von „biographisch-akademischen Linien“ (vulgo: „Seilschaften“). Sie werden feststellen, Sie befinden sich sehr bald in der, zumal was den Wissenschaftsbetrieb angeht, ganz unmittelbaren, bis heute prägenden Vergangenheit! Diese Leute, die so gedacht und geredet haben, sie sind KEINE fernen Gestalten, sie sind „akademische Großväter“, allenfalls „Urgroßväter“ derjenigen, die heute das Meinungsklima bestimmen!

Vor diesem Hintergrund wird dann der Begriff der „Protestantischen Mafia“, die wirkmächtig die (frühe)  Bundesrepublik mitgestaltet habe, den der Soziologe Ralf Dahrendorf in einem Spiegel-Interview 1997 geprägt hat sehr einsichtig. Wer nun das Interview liest (hier), in dem dieser Ausdruck geprägt wurde, wird (verblüfft?) feststellen, Dahrendorf meinte diesen Begriff keinesfalls negativ! Nein, eher im Gegenteil, allenfalls ein bißchen flapsig, letztlich aber im identifikatorischen Sinne! Auch das ist überaus bezeichnend für das geistige Klima, wie es eben nach wie vor in Deutschland vorherrscht: Ein Bewußtsein dafür, wie manches, was man so vor sich hinspricht oder -schreibt eine antikatholische Spitze haben könnte, es ist regelmäßig nicht vorhanden – oder es wird billigend in Kauf genommen.
Insofern ist der heutige Zustand gegenüber demjenigen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts übrigens ein Rückschritt, was die Frage der Bewußtheit und Klarheit des Diskurses angeht…

Das ist nun zum einen bloß ein Unterfall der vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte im Grunde völlig unglaublichen Tatsache, daß konfessionelle Prägung heutzutage als relevantes (biographisches) Faktum ständig ausgeblendet wird.
Aber, so sage ich, es ist eben noch mehr. Es gibt sie immer noch, die Haltung, die katholisches Denken, ja, das Katholische überhaupt, als mindestens weniger ernstzunehmend, im Zweifelsfall aber als ‚verdächtig‘ nicht nur empfindet, sondern auch abqualifiziert.

Nehmen wir aus der Überfülle an möglichen Beispielen ein in mancher Hinsicht besonders bemerkenswertes und bedrückendes heraus: Anerkennenswerterweise greift am 31. März 2010  ausgerechnet die ZEIT, die ganz eminent Teil dessen ist, was Dahrendorf mit dem Ausdruck von der „Mafia“ (positiv!) meinte, in sehr kritischer Weise und an einem besonders neuralgischen Punkt, den Begriff auf, ja, nutzt ihn gar als Titel des Artikels! (hier)

Es geht um die schreckliche, langjährige Mißbrauchs-“kultur“ an der „Odenwaldschule“:

„Der sechzigste Geburtstag war eines der schönsten Feste seines Lebens. Die engsten Freunde waren im September 1985 gekommen: die Weizsäcker-Brüder Richard und Carl Friedrich (vgl. hier und hier), Marion Gräfin Dönhoff (die ZEIT Herausgeberin G.L.) ebenso wie der Jurist und Bildungspolitiker Hellmut Becker, der Verleger Ernst Klett, der amerikanische Diplomat George Kennan mit seiner Frau und viele andere. Sein Lebensgefährte Gerold Becker überreichte dem Jubilar Hartmut von Hentig eine Festschrift mit dem Titel ‚Ordnung und Unordnung‘ (sic! GL).

Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist die einstige Ordnung dieses Freundeskreises dahin. Es herrscht heillose Unordnung. Im Spiegel geriet die Lage zum Symbol: „Die Weizsäckers“ titelte jüngst das Magazin anläßlich des bevorstehenden 90. Geburtstags Richard von Weizsäckers. In der gleichen Ausgabe stieß man unter der Überschrift „Planet des Schreckens“ auf Weizsäckers engen Freund Hartmut von Hentig. […]

[…] der Fall Gerold Becker/Hartmut von Hentig ist anders gelagert als die Mißbrauchsskandale in der katholischen Kirche: Hier schauen das aufgeklärte, liberale Deutschland und seine Elite in den Abgrund. Richard von Weizsäcker war einst Elternbeiratsvorsitzender an der Odenwaldschule. Sein vor zwei Jahren verstorbener Sohn Andreas war dort Schüler in der »Familie« Gerold Beckers.“ (Hervorhebung von mir)

Sehen Sie, was ich meine? „Der Fall ist anders gelagert“ im Falle der „aufgeklärten, liberalen“ und –  protestantischen! deutschen Elite als bei den Katholiken. Warum? Ja wohl sicherlich nicht im moralischen Sinne.
Nein, er ist deshalb „anders“, weil Katholiken in der Wahrnehmung des ZEIT-Autors eben per se nicht Teil der liberalen und aufgeklärten Elite sind.
Mit anderen Worten: „Da“ war „das“ ja eigentlich mehr oder weniger zu erwarten, man hatte sich so was ja schon immer gedacht, es darf einen „bei denen“ nicht wundern.
Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber von der geistigen Haltung, die sich in diesen Worten offenbart, und die so vornehm daherkommt, ist es bis zu der Beschimpfung als Kinderf…sekte nicht mehr weit (vgl. hier).

Nun, von der ZEIT, der „Süddeutschen“ o.ä. als „liberal und aufgeklärt“ in deren Verständnis bezeichnet zu werden, das möchte ich mir ebenso höflich wie energisch verbitten. Und wer von der Mehrheit (der Mehrheit; es gibt ja auch andere Stimmen!) des organsierten Protestantismus über die eigene Geschichte so, pardon, „unaufgeklärt“ 😉 ist, die beängstigende Parallele nicht zu erkennen, zwischen der damaligen Verbindung mit „Nation“ und „Deutschtum“ und dem heutigen nahezu flächendeckenden „Glauben an die Aufklärung“ (statt an das Evangelium, vgl. hier), dem kann ich auch nicht helfen.
Das eine wird scheitern, wie das andere gescheitert ist, weil es mit „Glauben“ im biblischen Sinne nichts zu tun hat, weil alle Auslieferung der wahren Religion an den je aktuellen Zeitgeist scheitern muß.
Lesen wir noch einmal den Satz von Virchow:

Der „protestantische Geist“ und die moderne, schlagkräftige „deutsche Wissenschaft“ habe „viel angenommen von „jenem wahrhaft sittlichen Ernste, mit dem sich unser Volk jeder Arbeit unterzieht, und der das eigentliche Wesen der religiösen Stimmung ist“.

Der „wahrhafte sittliche Ernst“ ist das „eigentliche Wesen der religiösen Stimmung“. „Stimmung“! 😯 Hier wird also bereits damals nach Glauben (-sinhalten) im eigentlichen Sinne überhaupt nicht mehr gefragt und das ist nicht besser geworden. Denn wenn heutzutage ein protestantischer Pfarrer nach biblischen Glaubensinhalten predigt, passiert ihm, was Pastor Latzel aus Bremen passiert ist (vgl. hier): Er wird von den (vermeintlich) eigenen Leuten niedergemacht…

Man könnte also, was einem da entgegentritt an ahistorischem, „unaufgeklärtem“ kulturellen Hochmut, getrost mit einem Achselzucken abtun, wären da nicht zwei Faktoren, die einen daran leider hindern.

Das eine ist, daß katholischerseits immer noch allzu viele Menschen schlicht darauf hereinfallen und sich, meistens unbemerkt, eine eigene „Inferiorität“, wie es im 19. Jahrhundert noch ganz deutlich ausgesprochen wurde, immer noch suggerieren lassen. Das ist in hohem Maße absurd und wir haben dieses Thema hier auf PuLa schon verschiedentlich berührt; es soll aber heute (nicht auch noch) Thema werden.

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt, der gehört zwingend hierher. Dabei handelt es sich um das, was ich einmal den Umschwung der oben skizzierten Geisteshaltung von der kulturellen in die eigentlich religiöse Sphäre nennen möchte.
Dieser Umschwung ereignet sich immer dann, wenn es nicht mehr bloß um die Frage vermeintlicher kultureller Überlegenheit geht, sondern wenn direkt Fragen der religiösen Praxis berührt werden, oder, um es in  klarem Deutsch auszudrücken, wenn Katholiken klargemacht werden soll, auch ihr Glauben und ihre Glaubenspraxis seien defizitär.

Dafür liefert die oben schon erwähnte „Predigt“ von Dirk Pilz in Dessau (nochmals: hier) ein schönes Exempel. Das ist, um es ganz klar zu sagen, ein guter, ja, ein schöner Text! Sehr nachdenklich und mit etlichen lohnenden Denkanstößen; ich kann dem zum großen Teil folgen.
Aber dann folgt gegen Ende (S. 9) ein Satz, den man nach dem bisher gelesenen überhaupt nicht erwartet:
Der Gott, an den evangelische Christen glauben, ist, wie es Paulus sagt, ‚ein Ärgernis‘, nicht nur für Nicht-Glaubende, sondern auch und gerade für Glaubenden: Er ist der gekreuzigte Gott.“ (Hervorhebung von mir).

Mir ist nun aber nicht erfindlich, warum dieser Satz bloß für „evangelische Christen“ gelten sollte. Und ich habe daher auch keinerlei textimmanenten Grund für den Satz gefunden! Die Begriffe „katholisch“ oder „Konfession“ o.ä. kommen darin schlicht nicht vor.
Das ist auch ganz klar, denn der Grund dafür liegt bereits im (unausgesprochenen) Vorverständnis des Autors. Es ist der gleiche Grund, wie in dem oben erwähnten Artikel aus der ZEIT: „Katholiken gehören nicht dazu.“ So glauben „die“ nicht; so reflektiert, so subtil, so belesen…

Und sie glauben vermeintlich natürlich auch nicht so „paulinisch“, auch das kennen wir  ja alle aus vielerlei Vorträgen und Artikeln: Den Hl. Apostel Paulus (nur ohne das „Hl.“ natürlich…) den hat diese Sorte „bessere Christen“ ja für sich gepachtet, der war (seit damals…) ihr ganz besonderer Vorfahr im Geiste; exklusiv. Und nie geht das ab ohne, daß der Hl. Apostel Petrus (und mit ihm indirekt die blöden autoritätsgläubigen Katholiken, die den Schuß immer noch nicht gehört haben) als Kontrastbild eine abbekommen, nie.

Immer, wenn ich das schon wieder hören oder lesen muß, schwanke ich, ob ich im nächsten Moment einen Schrei- oder einen Gähn-Anfall bekommen soll – und entscheide mich bisher immer für das zweite (und das noch meist unterdrückt… 😕 ).

Das sind einige Beispiele des subliminalen antikatholischen Affekts (oder „SakA“), des „Übersprungs“ vom Kulturellen ins Theologische, in die Sphäre des Glaubens und im Gegensatz zur kulturellen Sphäre macht mir das etwas aus, nehme ich das übel.

Man muß es deutlich aussprechen, das ist ein Ökumenehindernis ersten Ranges. Ich habe nämlich wenig Neigung, mich mit Leuten über existentielle Fragen, Fragen des Glaubens ernsthaft zu unterhalten, die mich per se für defizitär halten und, mit Verlaub, ich glaube, das habe ich auch nicht nötig – wir alle haben das nicht nötig!
Und ich habe mich schon oft gefragt, warum dieser Aspekt bei all den Aufrufen zur ach so „alternativlosen“ (bei der Verwendung dieses Begriffs sollte man ja ohnehin hellwach werden)  Ökumene niemals eine Rolle spielt. Ich kann mir vor der Hand nur vorstellen, daß einer Kategorie von Menschen schlicht unbewußt die Verblendung von der eigenen vermeintlichen „Inferiorität“ schon so zur zweiten Natur geworden ist, daß sie ihnen gar nicht mehr auffällt. Eine andere Kategorie mag das vor lauter Konzentration auf ihre fach-theologische Perspektive ebenfalls nicht mehr wahrnehmen (gerne auch solche im Bischofsrang, fürchte ich…). Wieder andere könnten es ignorieren, weil eine schleichende Protestantisierung in ihr kirchenpolitisch-theologisches Konzept paßt…

Wie dem auch sei: In all diesen und anderen denkbaren Fällen wird die zutreffende Erkenntnis der Wirklichkeit gehemmt und das ist von Übel.

Daher plädiert PuLa für eine bewußte Konfessionalität. Für eine ‚selbstbewußte‘ auch, aber vor allem anderen für eine bewußte Konfessionalität – in der Überzeugung, daß Ökumene in der Wahrheit nur auf dieser Grundlage gedeihen kann.
Die darin liegende Herausforderung richtet sich, wie nach dem oben gesagten hoffentlich deutlich geworden ist, an beide Seiten.

 

PS: Die wie ich finde schönste Bemerkung zum Preisrätsel kam per E-Mail, ganz (!, 😉 ) aus unserer Nähe:

„Es musste ‚Suche liebender Treue‘ heißen, nehme ich an.“ hieß es da, ebenfalls in einem „PS“ übrigens. Das nimmt Bezug auf Pilz‘ Satz der damit Assmann wiedergibt:
„Entscheidend für das Verständnis des Monotheismus, von Judentum, Christentum und Islam gleichermaßen, sei es, den Glauben als ‚Sache liebender Treue‘ zu begreifen.“

Sehen Sie? Suche statt Sache! Knapper als in die Differenz genau eines Buchstabens läßt sich vermutlich der Unterschied zwischen einer gläubigen Perspektive, die „sucht“ und „gesucht wird“; und der Perspektive der Religionswissenschaft, der die Angelegenheit zur „Sache“ wird, nicht mehr fassen, PuLa neigt respektvoll das Haupt! 🙂

2 Kommentare

  1. Christian schrieb:

    Schöner Text! Einen anderen aufschlussreichen Kommentar zur geistigen „Inferiorität“ des Katholischen liefert die Geschichte der neuzeitlichen Konversionen von Dichtern, Denkern, Künstlern – von Angelus Silesius bis Michael Triegel. Und die zeitgenössischen wie die späteren Reaktionen darauf!

    Sonntag, 29. März 2015 um 22:47 | Permalink
  2. damasus schrieb:

    Danke! Man möchte jedes Wort unterschreiben.
    Nur eines: man kann die FR als altgedientes Propagandablatt eines stramm ideologischen, einäugig-linken Materialismus nicht ernst nehmen. Leider steht dieses marode Blatt nicht allein da mit seinem ganz offen zur Schau gestellten antikatholischen Affekt.
    Und zu den Vertretern des beschriebenen protestantischen Glaubensimperialismus: Ökumene? Nein, Danke!

    Montag, 30. März 2015 um 10:33 | Permalink

Ein Trackback/Pingback

  1. Pulchra ut Luna › Am 31. Oktober 2017… on Dienstag, 31. Oktober 2017 um 18:55

    […] apologetische Absicht historische Darstellung färbt, ja sogar offenkundig falsches behauptet; ‚close reading‘ ist wieder […]

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